Die Besiedlung von Sendenhorst – Zurück zu den Anfängen C. Hölscher
SENDENHORST. Der Heimatverein Sendenhorst hat sich in seiner 100-jährigen Vereinsgeschichte
auch stets mit großem Engagement der Erforschung und Bewahrung der Stadtgeschichte gewidmet. Ein zentrales Anliegen war
dabei die Führung einer Chronik, die das geschichtliche Erbe der Region bewahrt und fortschreibt.
Bild: Sachsenhof bei Greven
Besonders hervorzuheben sind hier die Verdienste von Bernhard und Hans-Günther Fascies, deren Einsatz die Arbeit und den Aufbau des Stadt-Heimatarchivs entscheidend prägten. Als Maß aller Dinge und
somit das Standardwerk gilt jedoch bis heute Heinrich Petzmeyers Buch „Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland“.
Dank aktueller Forschungen, wie den Ausgrabungen am „Alten Hof“ hinter der VEKA AG 2003 oder den Ausgrabungen in der Stadt 2021 und immer wieder neuer Entdeckungen kann die Chronik fortlaufend
ergänzt werden.
Die ältesten Spuren: Urnengräber um 650 v. Chr.
Die Besiedlung des Raumes Sendenhorst begann auf dem Münsterländer Kiessandrücken, einem während der Saale-Eiszeit (ca. 300.000–130.000 v. Chr.) entstandenen Höhenzug. Dieses geographische Merkmal
erstreckt sich von Ennigerloh über Sendenhorst, Albersloh und Münster bis nach Salzbergen und bot durch seine leichte Erhebung ideale Bedingungen für Siedlungen.
Die frühesten Hinweise auf menschliche Präsenz in der Region sind die Urnenfriedhöfe an der Spithöverstraße und am
Martiniring, die auf etwa 650 v. Chr. datiert werden. Diese Funde, entdeckt in den Jahren 1930 und 1950, legen nahe, dass schon damals Menschen in der Region lebten, auch wenn auch deren genauen
Siedlungsorte unbekannt sind. Damit lässt sich eine fast 2.700-jährige Siedlungsgeschichte für den Raum Sendenhorst nachweisen.
Zu dieser Zeit stand die griechische Kultur in voller Blüte und Rom war noch eine eher unbedeutende kleine Stadt, deren Macht sich lediglich über Mittel-Italien erstreckte.
Um die Zeitenwende siedelten in unserer Region die germanischen Brukterer, die 9 n. Chr. an der Varusschlacht (Kalkriese bei Bramsche/Osnabrück) beteiligt waren. Auf der Alst (heute Albersloh)
befand sich eine frühgermanische Siedlung. Während der Völkerwanderung ab dem Jahr 500 n. Chr. verließen die Brukterer das Münsterland und schlossen sich den Franken an.
Die Sachsen und die Christianisierung
Ein Teilstamm der Sachsen, nämlich die Westfalen, wanderte während der sogenannten sächsischen Landnahme aus Norddeutschland ins Münsterland ein. 692 überschritt der sächsische
Teilstamm der Westfalen die Lippe. Damit kamen sie den Franken in die Quere & ein über 30-Jahre dauernder Kleinkrieg (792 – 830) begann zwischen den beiden germanischen Großstämmen der Franken
und Sachsen. Schließlich wurden die Sachsen unterworfen, christianisiert, ihr Anführer Wiedukind ließ sich taufen und die Sachsen in das Frankenreich integriert.
Ob Sendenhorst ursprünglich eine sächsische oder fränkische Gründung war, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit klären *1).
805 setzt Karl der Große Bischof Liudger als Bischof des neu gegründeten Bistums Münster (alter Name: Mimigerneford)
ein. Liudger gründet die Urpfarreien in seinem Bistum als Keimzellen der Städte. (z. B. Ahlen, Beckum, Warendorf, nicht aber Sendenhorst und Albersloh)
Der Volksstamm der Sachsen ist übrigens nicht mit den Einwohnern des Bundeslandes gleichzusetzen, die Einwohner dort
stammen ursprünglich aus der Mitte Deutschlandes, der Name „Sachsen“ ist lediglich nur dynastisch gewandert. Zu den ursprünglichem germanischen Volksstamm der Sachsen zählten neben den Westfalen, die
Ostfalen und die Engern.
Erwähnungen Sendenhorsts
Die älteste schriftliche Erwähnung der Bauerschaft „Seondonhurst“ stammt aus dem Jahr 890 n. Chr. (Werdener Urbare =
Abgabenverzechnis des Klosters Werden bei Essen, ebenfalls eine Gründung Bischof Liudgers).
Heinrich Petzmeyer lokalisiert die Ursiedlung der Bauerschaft von Seondonhurst im Bereich der Geist (ca. 3 Höfe?), etwa 400 Meter westlich der heutigen Stadtmitte, ein genauer Standort ist jedoch
nicht bekannt.
Um das Jahr 1000 entstand in der Bauerschaft Schörmel ein adeliger Oberhof, wie archäologische Ausgrabungen hinter der VEKA AG 2003 belegen. Zu den Funden gehören die ältesten Schachfiguren
Westfalens sowie zwei Backgammonsteine, die auf adelige Bewohner hinweisen. Möglicherweise befand sich hier der Stammsitz der später weit über Westfalen bekannt gewordenen bedeutenden Familie
Schorlemer. *1)
Mehrere Mühlen an der Angel: An der Angel lassen sich aus der Zeit nach 1000 insgesamt 4 Mühlen nachweisen *2)
Somit hätte eine Stadtgründung auch hier erfolgen können. 1175 wird Sendenhorst erstmals als Kirchdorf erwähnt. Die erste
Kirche, eine romanische Kreuzkirche, wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut.
Warum gerade an dem Punkt, wo noch heute die Nachfolger-Kirche St. Martin steht? Der Ort liegt relativ in der Mitte zu den umgebenden Bauerschaften und gleichzeitig auf dem Kiessandrücken, wie z.B.
auch die Domburg in Münster, erfolgte somit planmäßig ‚von außen nach innen‘.
Gründung der Stadt
In den Jahren ab 1310 wurde Sendenhorst durch den münsterschen Fürstbischof Ludwig II. (Bild rechts) von Hessen zur Stadt erhoben.
Hintergrund war ein Krieg zwischen dem Fürstbistum Münster und dem Grafen Engelbert von der Mark (Hamm). Durch die Erhebung zur Stadt konnte eine Befestigung ausgebaut werden und die mit neuen
Rechten ausgestatteten Bürger sollten für den Konflikt motiviert werden. Ludwig geriet während des Krieges selber zeitweise auch in Hammer Gefangenschaft. Leider fiel Sendenhorst bereits 1323 den
Truppen von Engelberts zum Opfer und wurde erstmals niedergebrannt und geplündert und die Stadt verheert. Davon konnte sich die Stadt bald wieder erholen, bis die Pest 1350/51 über Europa kam.
Als Stadtgeburtstag feiern wir heute den 11.08.1315. Hier wurde das Datum der ältesten Urkunde gewählt, es handelt sich um einen Grundstücksverkkauf innerhalb Sendenhorsts („infra oppidum
Sendenhorst“). Die Stadtgründung stellt einen Meilenstein in der Geschichte dar und legte den Grundstein für die weitere Entwicklung Sendenhorsts.
1) Dr. Rüschhoff-Parzinger 2015) 2) Dr. Book,
2010)
Sandgrube der Firma Henneke südlich der Landstraße nach Beckum heute L586 im Hintergrund das Wasserwerk der Stadt Ahlen mit dem höchsten Schornstein
Een Derk
Die guten Münsterländer: Eine Schweizer Firma hat den dünnsten Draht der Welt
entwickelt, kann ihn aber leider nicht vermessen. Deswegen geben sie ihn zu den Franzosen, aber die schicken ihn zurück.weil auch sie nicht so genau messen können. Danach versucht
die Schweizer Firma ihr Glück bei den Engländern, den Schweden und in den USA, doch jedesmal vergebens. mit der Antwort, dass auch sie nicht über so
genaue Messmittel verfügen.
Zu guter Letzt versuchen sie ihr Glück bei einer Firma im Münsterland, da dort laut Gerücht ja lauter Tüftler sein sollen. Als Antwort bekommen sie den Draht mit einem Zettel zurück,
auf dem steht: " denn droht is 0,0000164 mikro Meter dick, wat soll we do met maken? N Gewinde drupp schnien. oder N Lock dör bohr??? Danke
Bernh. (P) für die Zusendung!
Teil 1 (9/2014 - 3/2018)
Teil 2 (ab 04/2018)