Heimatverein übernimmt Verantwortung für Kriegsgräber August.2026
Heimatverein übernimmt Verantwortung für die Kriegsgräber - Patenschaft für zwei Gräberfelder auf dem
Sendenhorster Friedhof soll Erinnerungsarbeit dauerhaft sichern
Der Heimatverein Sendenhorst möchte die Patenschaft für die Gräber der Kriegstoten auf dem Friedhof am Westtor übernehmen. Damit unterstützt der Verein die Stadt künftig bei der Pflege,
Instandhaltung und – soweit erforderlich – bei der Instandsetzung der beiden dortigen Kriegsgräberanlagen. Für alle Beteiligten ist die geplante Patenschaft weit mehr als praktische Hilfe bei der
Grabpflege: Sie ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nicht vergessen werden.
Bei einem Ortstermin am 11. August 2026 wurden die Einzelheiten der Zusammenarbeit besprochen. Mit dabei waren Vertreter der Stadt Sendenhorst und des Heimatvereins sowie Wolfgang Held vom Volksbund
Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Held ist Beauftragter des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge in Nordrhein-Westfalen und war aus Essen nach Sendenhorst gekommen. Für den Heimatverein nahmen unter
anderem Christian Hölscher, Vorsitzender und Leiter des Arbeitskreises Stadtgeschichte, Hans-Günther Ermer und Ulrich Ermer teil. Die Stadt wurde durch Reyhan Zengin vertreten; auch die Auszubildende
Anna Rüdiger aus Albersloh war beim Gespräch auf dem Friedhof dabei.
Zwei Anlagen mit insgesamt 20 Gräbern
Auf dem Sendenhorster Friedhof befinden sich zwei Felder mit insgesamt 20 Gräbern von Kriegstoten. Dort ruhen deutsche und ausländische Tote, unter ihnen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Einige Grabplatten tragen Namen und Lebensdaten, auf anderen steht lediglich „unbekannt“. Gerade diese knappen Inschriften zeigen, wie wenig über manche der hier bestatteten Menschen heute noch
bekannt ist.
Hinter jedem Grab steht dennoch ein persönliches Schicksal. Margret Mutke wurde nicht einmal 21 Jahre alt. Ob sie als Krankenschwester, Flakhelferin oder in einer anderen Funktion eingesetzt war,
muss noch genauer erforscht werden. Andrei Deliew starb am 26. März 1945 im Alter von nur 17 Jahren. Auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter oder andere zivile Opfer könnten unter den hier
Bestatteten sein. Solange die Quellenlage keine sichere Aussage zulässt, dürfen Vermutungen jedoch nicht als Gewissheit dargestellt werden. Der Heimatverein möchte deshalb weiter recherchieren und
die bekannten Lebensgeschichten möglichst sorgfältig zusammentragen.
Die Grabstätten erinnern nicht nur an militärische Opfer. Das Gräbergesetz umfasst unterschiedliche Gruppen von Menschen, die infolge der Weltkriege und der Gewaltherrschaft ums Leben kamen. Dazu
zählen unter anderem gefallene Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, zivile Luftkriegstote und Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Die Gräber sind damit historische Quellen, individuelle
Ruhestätten und öffentliche Erinnerungsorte zugleich.
Gesetzlich geschützte Ruhestätten
Die Erhaltung von Kriegsgräbern ist keine freiwillige Aufgabe. Grundlage ist das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, kurz Gräbergesetz. Danach müssen die
Länder die in ihrem Gebiet gelegenen Kriegsgräber feststellen, in amtlichen Listen nachweisen und dauerhaft erhalten. Zur Erhaltung gehören ausdrücklich die Anlage, die Instandsetzung und die
Pflege der Grabstätten.
In der Praxis werden diese Aufgaben in der Regel durch die zuständigen kommunalen Friedhofsträger wahrgenommen. In Sendenhorst bleibt deshalb die Stadt rechtlich verantwortlich. Zuständig ist der
städtische Regiebetrieb Öffentlicher Raum mit dem Baubetriebshof. Die finanzielle Grundlage bildet eine gesetzlich geregelte Pauschale. Die entsprechenden Mittel werden vom Bund getragen und über die
zuständigen staatlichen Stellen an die Friedhofsträger weitergegeben.
Für die Sendenhorster Anlagen stehen nach Angaben der Stadt weniger als 600 Euro jährlich zur Verfügung. Angesichts des tatsächlichen Arbeitsaufwands und steigender Kosten reicht diese Summe häufig
nicht aus. Hinzu kommt, dass der Baubetriebshof zahlreiche weitere öffentliche Flächen und Anlagen unterhalten muss. Das ehrenamtliche Engagement des Heimatvereins kann die Stadt deshalb spürbar
entlasten. Es ersetzt ihre gesetzliche Verantwortung jedoch nicht, sondern ergänzt sie.
Mehr als ein Handschlag
Eine solche Patenschaft lässt sich wegen der besonderen Rechtsstellung der Kriegsgräber nicht formlos vereinbaren. Die Zuständigkeiten, Aufgaben und Rahmenbedingungen müssen zwischen der Stadt, dem
Heimatverein und den beteiligten Stellen abgestimmt und dokumentiert werden. Vorgesehen ist eine von den Beteiligten unterzeichnete Patenschaftsurkunde. Wolfgang Held hat dem Heimatverein bereits
Musterurkunden anderer Kommunen zur Verfügung gestellt und angeboten, bei der Formulierung des Sendenhorster Dokuments zu helfen.
Die Urkunde soll im Rahmen einer öffentlichen Patenschaftsveranstaltung offiziell übergeben werden. Nach dem bisherigen Vorschlag könnte Bürgermeisterin Katrin Reuscher die Urkunde an den
Heimatverein überreichen. Damit bekäme das bereits seit längerer Zeit bestehende Engagement des Vereins einen verbindlichen und öffentlich sichtbaren Rahmen.
Der Heimatverein wird künftig „flankierend zur Stadt“ tätig. Zu den vorgesehenen Arbeiten gehören die regelmäßige Pflege der beiden Anlagen, das Entfernen von Wildwuchs, kleinere gärtnerische
Arbeiten sowie die Unterstützung bei der Erhaltung eines würdigen Gesamtbildes. Ein eigener Wagen mit Gartengeräten steht bereits bereit. Bei fachlichen Fragen kann der Verein auf die Unterstützung
von Friedhofsgärtnerin Frederike Blume-Scholz vom Landschafts- und Gartenbaubetrieb Pohlkamp zurückgreifen.
Erste Arbeiten sind bereits sichtbar
Die Anlagen wurden inzwischen neu bepflanzt. Auch die Grabplatten sind wieder hergerichtet worden. Damit ist ein erster wichtiger Schritt getan. Dauerhafte Pflege bedeutet jedoch mehr als eine
einmalige Verschönerung. Pflanzen müssen regelmäßig zurückgeschnitten oder ersetzt, Wege und Einfassungen sauber gehalten und die Grabzeichen kontrolliert werden. Schäden oder notwendige größere
Instandsetzungsarbeiten müssen frühzeitig erkannt und mit der Stadt abgestimmt werden.
Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer übernehmen damit eine Aufgabe, die Verlässlichkeit verlangt. Kriegsgräber besitzen ein dauerhaftes Ruherecht. Anders als gewöhnliche Grabstellen werden sie
nach Ablauf einer Ruhefrist nicht eingeebnet. Ihre Erhaltung ist auf Dauer angelegt – und genauso langfristig soll auch die Patenschaft verstanden werden.
Kontakte über Sendenhorst hinaus
Wolfgang Held arbeitet seit 44 Jahren für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zu seinen Aufgaben gehört nicht allein die Beratung vor Ort. Er steht auch mit Ministerien, Behörden und
ausländischen Vertretungen in Verbindung. Besonders bei ausländischen Kriegstoten können Fragen zur Identität, Staatsangehörigkeit oder Dokumentation nur in Zusammenarbeit mit übergeordneten Stellen
geklärt werden.
Nach Helds Angaben sind der Russischen Botschaft die Gräber der im Zweiten Weltkrieg getöteten Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion grundsätzlich bekannt. Er stehe mit den zuständigen Stellen im
regelmäßigen Austausch. Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seien solche Kontakte derzeit jedoch schwieriger geworden. Umso wichtiger bleibt eine sachliche, sorgfältige und von
politischen Vereinnahmungen freie Erinnerungsarbeit. Die Würde der Toten und die historische Aufklärung stehen im Mittelpunkt.
Namen und Lebensgeschichten sichtbar machen
Pflege allein genügt dem Heimatverein nicht. Die beiden Gräberfelder sollen künftig auch stärker als Lern- und Erinnerungsorte wahrgenommen werden. Ulrich Ermer kündigte beim Ortstermin an, an den
Gräbern eine Stele mit einem Messingschild anzubringen. Darauf sollen die Bedeutung der Anlagen erklärt und – soweit verlässlich bekannt – Informationen über die dort bestatteten Menschen zugänglich
gemacht werden.
Die geplante Tafel kann Besucherinnen und Besuchern helfen, die Grabstätten einzuordnen. Namen, Geburts- und Sterbedaten wirken auf einem Stein oft abstrakt. Kurze biografische Hinweise machen
dagegen deutlich, dass hinter jeder Inschrift ein Mensch mit einer Familie, einer Herkunft und einer eigenen Geschichte stand. Wo nur das Wort „unbekannt“ überliefert ist, erinnert die Grabstätte
zugleich an die vielen Schicksale, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden konnten.
Für den Arbeitskreis Stadtgeschichte eröffnet sich damit eine weitere Aufgabe. Archivunterlagen, amtliche Listen, Sterberegister, zeitgenössische Berichte und gegebenenfalls internationale Quellen
sollen ausgewertet werden. Entscheidend ist, gesicherte Erkenntnisse klar von Vermutungen zu trennen. Die Ergebnisse könnten später nicht nur auf der Stele, sondern auch auf der Internetseite des
Heimatvereins oder im Rahmen einer Führung vorgestellt werden.
Erinnerung als Mahnung zum Frieden
Kriegsgräber sind keine gewöhnlichen historischen Denkmäler. Sie konfrontieren die Gegenwart unmittelbar mit den Folgen von Krieg, Diktatur, Verfolgung und Zwang. Gerade die jungen Lebensalter
einzelner Toter zeigen, wie früh und gewaltsam menschliche Lebenswege abgebrochen wurden.
Die Patenschaft verbindet deshalb praktische Arbeit mit historischer und gesellschaftlicher Verantwortung. Wer die Anlagen pflegt, bewahrt nicht nur Grabplatten und Bepflanzungen. Er erhält Orte, an
denen Trauer, Erinnerung und Nachdenken möglich bleiben. Zugleich entsteht die Chance, insbesondere jungen Menschen die lokale Geschichte anschaulich näherzubringen.
Stadt, Volksbund und Heimatverein begrüßen die geplante Zusammenarbeit. Sie führt kommunale Verantwortung, fachliche Beratung und ehrenamtliches Engagement zusammen. Mit der offiziellen Patenschaft
setzt der Heimatverein Sendenhorst ein dauerhaftes Zeichen: Die Toten behalten ihren Namen, ihre Ruhestätte und ihren Platz im Gedächtnis der Stadt.
Foto: Josef Thesing
Quellenhinweis zur Rechtslage
Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz), insbesondere §§ 5 und 10:
https://www.gesetze-im-internet.de/gr_bg/BJNR005890965.html
Bildunterschrift:
Mitglieder des Arbeitskreises Bau und Grundstückseigentümer Heinz Horstmann nahmen die neue Sitzgruppe gemeinsam in Augenschein.
Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens hat der Heimatverein Sendenhorst eine neue Sitzgruppe im Wäldchen an der Alst aufgestellt. Der Standort wurde bewusst gewählt: Ganz in der Nähe führte auch
der Schnadegang 2025 entlang, der an 50 Jahre kommunale Neugliederung und die gemeinsame Grenze zwischen Sendenhorst und Albersloh erinnerte.
Nach der Zustimmung des Grundstückseigentümers Jürgen Horstmann nahm der Arbeitskreis Bau des Heimatvereins das Projekt in Angriff. Die benötigten Materialien wurden beschafft, während die Zimmerei Greive die stabile Tischgruppe mit zwei Sitzbänken anfertigte. Anschließend wurde sie mit einem Anhänger an ihren neuen Platz im Wald gebracht. Feste Verankerungen und eingebrannte Vereinsembleme sollen die Sitzgruppe dauerhaft sichern.
Hans-Günther und Ulrich Ermer, Peter Löckmann, Jörg Peiler und Jürgen Peuker erledigten schließlich die letzten Arbeiten vor Ort. Auch Heinz Horstmann ließ es sich nicht nehmen, die fertige Sitzgruppe persönlich in Augenschein zu nehmen.
Die neue Sitzgelegenheit erinnert nun sowohl an das 100-jährige Bestehen des Heimatvereins als auch an den Schnadegang des Jubiläumsjahres. Spaziergänger und Radfahrer sind herzlich eingeladen, an dem schattigen und idyllischen Platz eine Pause einzulegen. Einen passenden Mülleimer stellte die Stadt Sendenhorst zur Verfügung. Um die weitere Betreuung der Anlage kümmert sich der Heimatverein.
Der Vorstand hofft, dass viele Menschen Freude an der neuen Sitzgruppe haben und sie lange an diesem schönen Ort erhalten bleibt.
Arbeitskreis Bau kümmert sich CH | 16.03.
SENDENHORST. An zwei Samstagen traf sich der Arbeitskreis, um im Schützen-Bürgerwald an der Apfelallee die Info-Tafel des Heimatvereins neu zu installieren. Auf einer Seite werden Projekte des Heimatvereins prsäentiert, auf der anderen wird die Frühgeschichte von Sendenhorst skizziert. Ebenso stand die Wartung der Sitzgruppen am Planetenweg - am Saturn & beim Schnadestein bei Herte an, alles ist wieder fit für den Frühling & und die beginnende Fahrradsaison! Der AK Bau nimmt's in die Hand, schöne Aktion!
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