Heimatverein Sendenhorst e.V. *1925
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Der Interkontinental-Flughafen     

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Düsseldorf? Frankfurt? London? Kinderkram! Erfahren Sie hier, was wir für einen Flughafen beinahe bekommen hätten...

Schnellchronik Bildervortrag
Das Verkehrsgutachten
Das Milliardenprojekt (von 2014)
1970 in der Zeitung - Geht los!
Karten, Ausbau, Lärmzonen
Zeitplan - 1969 bis 1973
Mit dem Airport kommt der Ärger
Bauern würden auf das große Geld gern verzichten
Preise im Coop & TV-Programm
Die Ungewissheit ist vorbei
WLV fordert schnelle Entschädigung für Landwirte
Landesregierung sucht neuen Standort
Nach Scheitern - Entschädigung!
WLV: Minister Riemer nach Albersloh!
Flughafen in der TV-Diskussion
Bericht Presse 2010
Bericht Hoetmar 2014

    


Vortrag bei der VHS zum Flughafen ('Schnellchronik') Sendenhorst, 12.05.2022



Verkehrsgutachten der Landesregierung 1970 Düsseldorf, 1.05.1970


 Lesen Sie, warum wir den Flughafen unbedingt brauchen! Schon hier wird auf den Militärflughafen Gütersloh hingewiesen... Letztlich der Grund des Scheiterns. Maschinenlesbar!

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Das Milliardenprojekt 26.9.2014, CH


Der 3. Interkontinentale Flughafen NRW zwischen Sendenhorst, Albersloh & Drensteinfurt - In den Jahren 1969 bis 1973 kam es in unserer Gegend zu einer wahren Geschichte. Man mag im Nachhinein gar nicht glauben, dass hier, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, ein Milliardenprojekt geplant wurde, das am Ende erst durch die damalige britische Besatzungsmacht und durch die Bundesregierung gestoppt wurde.

Das Münsterland war in den 1960er bis 1980er Jahren als Standort mehrerer Großprojekte vorgesehen So gab es beispielsweise bereits konkrete Planungen zum Bau eines Protonenbeschleunigers in Drensteinfurt-Mersch. Hier sollte ursprünglich der Protonenbeschleuniger CERN entstehen, der heute in Genf nach den neuesten Teilchen der Materie forscht. Der 3IF sollte nicht zuletzt auch eine Art Trostpflaster für den geplatzten Bau des europäischen Protonenbeschleunigers bei Drensteinfurt sein. – 

Als Entschädigung, nach dem Scheitern des Flughafenprojektes, wurde in den 1970ern der Bau einer Rennsportstrecke in den Drensteinfurter Bauerschaften Averdung und Natorp ins Auge gefasst. Und sogar der Bau eines Atomkraftwerkes wurde in der Bauerschaft Natorp wurde seitens der Landesregierung und VEW 1978 in Erwägung gezogen. Aber auch diese Planungen verliefen im Sande.

Warum gerade hier?
Der 3IF hätte im Schnittpunkt der deutschen Flughäfen gelegen. (Köln/Bonn – Düsseldorf – Hannover) gelegen. Das Kamener Kreuz, Schnittpunkt von A1 und A2, ist sehr nah gelegen, sodass eine gute Anbindung in Nord-Süd-Richtung und Ost-West hätte erfolgen können. Der Raum zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt ist in Westfalen einer der am dünnsten besiedelten Räume. Nur relativ wenige Höfe hätten aufgegeben werden müssen. Das sahen die 60 betroffenen Höfe natürlich ganz anders. Es sind kaum merkliche Höhenunterschiede vorhanden. Dazu gibt es in diesem Bereich relativ wenige Gewässer und der Raum ist tektonisch absolut stabil. All diese positiven Aspekte spiegeln sich in dem Gutachten der Landesregierung vom 3.5.1970 wieder. In diesem wurde dem Projekt mit großem Enthusiasmus begegnet. Die negativen Aspekte, Lärmbelästigung und völlige Umgestaltung des heimatlichen Lebensraumes, scheinen den wirtschaftlichen Interessen weit untergeordnet. 

Der Flughafen hätte allein in der letzten Ausbaustufe 1,1 Milliarden DM kosten sollen. Wenn man das hochrechnet, dann kommt man auf ca. zwei Mrd €. Im Vergleich: 2006 war der Pannenflughafen Berlin-Brandenburg ebenfalls mit knapp zwei Mrd. € Planung gestartet. Nicht nur die Kosten, auch die geplanten Ausmaße waren gigantisch: In der letzten Ausbaustufe hätte der Flughafen über fünf Start- und Landebahnen 40 Mio. Passagiere jährlich befördert. Da hätte sich der Münsterländer Flughafen in eine Reihe mit London Heathrow (2014: 72 Mio. Passagiere), Frankfurt a. M. (58 Mio.) einreihen können! 

Der Anfang…
Das Verkehrsgutachten zum 3. Großflughafen NRW – In dem Gutachten wird der Flughafen aus allen Perspektiven betrachtet und »natürlich« kommt man zum Ergebnis, das das Projekt verwirklicht werden soll. Interessanterweise tauchen aber bereits hier einige Hinweise auf eine »notwendige  Koordinierung« mit den Militärflughäfen Gütersloh (Britisch), sowie Hörstel (Bundeswehr) auf. Somit ist eindeutig, dass der Hauptgrund für das »Aus« schon in den Anfängen des Projektes bekannt war und nicht plötzlich und unerwartet kam. 

So ging es los:
Nach umfangreichen Planungen wird am 13. März 1970 - »Dem schwarzen Freitag« in Düsseldorf durch die NRW-Landesregierung die Entscheidung über den Flughafen-Standort verkündet. In der Zeitung stand darauf zu lesen: Die Bevölkerung ist ungehalten über das Schweigen der Landesregierung. Landwirte verlieren ihre Existenz. Alle fragen: Wie stark wird die Belästigung durch Lärm? Bürger fragen sich: Will ich hier überhaupt noch wohnen? Die Gemeinden fragen sich: Kann in den Schulen noch unterrichtet werden? Ist es sinnvoll, weitere Bebauungspläne auszuweisen? Die Stimmungsskala reichte von Angst, über Unbehagen bis Empörung und Wut. Aber auch wirtschaftliche Aufbruchsstimmung machte sich breit. Bei lokalen Unternehmern kam es zu Investitionsstaus. 
Um den Erhalt ihrer Jahrhunderte alten Höfe, schlossen sich die Landwirte in einer Interessengemeinschaft zusammen, um gemeinsam sich gegen den 3IF zu wehren. Aber in der Bevölkerung kamen schon damals Zweifel an der Realisierbarkeit des Projektes auf. Grund war der Tiefflugverkehr der NATO-Truppen in den Zeiten des Kalten Krieges. Die erste PlaPlanungsstufe
als Regionalflughafen sollte natürlich gleich übersprungen werden. Die Fertigstellung hätte 1976 / 1980 erfolgen sollen. Spätestens
dann hätte die Straße zwischen Sendenhorst und Albersloh verlegt oder aufgehoben werden müssen.

Auf dem Weg des Scheiterns
Von 1970 bis 1972 kämpfte die SPD Landesregierung unter Ministerpräsident Kühn um das Projekt. Der Gegenwind aus der Hauptstadt Bonn wurde immer stärker. Am Ende sprach sich die Bundesregierung unter Kanzler Brandt (SPD) gegen das Projekt aus, mit dem Hinweis auf die Tiefflugschneisen der NATO. Schließlich muss auch die Landesregierung die Nicht-Realisierbarkeit
des Projektes einsehen. Im Januar 1973 wird im Düsseldorfer Landtag das endgültige Aus für den 3IF bekannt gegeben. Der zuständige Minister Riemer trat zurück.

Wo kann man noch heute die Folgen erkennen?
Das Baugebiet Hagenholt entstand in den 1970ern südlich der Stadt Der Hagenholt entstand in den 1970ern südlich der Stadt Sendenhorst, da zu diesem Zeitpunkt noch die Südumgehung zur Diskussion stand. Die Südtangente hätte ideal zum 3IF weitergeführt werden können. Der 3IF kam nicht, die Südtangente, und auch die Nordtangente bis heute nicht. Weitere, durch den Flughafen entstandene Straßenverläufe. Über den Ahlener Damm, über die Stadtgrenze, weiter am Hof Schulze Rötering vorbei – Am Ende der Straße wird diese plötzlich wesentlich breiter. Weiterhin ist die plötzliche »Verengung« der Landstraße 811 zwischen Albersloh und Sendenhorst zu nennen. In Hoetmar zeugen drei Hochhäuser von der Aufbruchsstimmung, die sich auch in allen anderen Anreinerstädten breit machte. Der aufgegebene Hof Schmetkamp am heutigen Bürgerschützenwald (Dort sollte ein Hotel entstehen) und wahrscheinlich gibt es noch weitere Zeugnisse? Am Standort des Terminals 1 erinnert nur ein winziger Geocache.

Das Thema Tiefflugschneisen zieht sich wie ein roter Faden durch das Projekt. Bereits im 1. Verkehrsgutachten taucht der Hinweis auf. Bundesregierung und Militärs führten den Todesstoß aus diesem Grund für das Projekt aus. Ob der Flughafen die angestrebte Bedeutung hätte erlangen können, ist mehr als fraglich. Der Leben hätte sich anders entwickelt in unserem Lebensraum, mit der S-Bahn nach Münster bis Köln, das hätte bestimmt Vorteile. Ob unsere Lebensqualität hier erhalten geblieben wäre, erscheint fraglich. Was mit der Straße Sendenhorst-Albersloh geschehen wäre, bleibt ungeklärt. Leider hat uns der Flughafen einen Planungsstau beschert, ohne den das Projekt Umgehungsstraßen für Sendenhorst und Albersloh schon mindestens 4 Jahre weiter wäre…

 

    


1970 - So gings los .. Lesen Sie, was geplant war... April 1970 - Die Glocke


Ausbau des Großflughafens in mehreren Stufen Einzelheiten aus dem Generalverkehrsplan — Bis zu 130 Starts und Landungen pro Stunde - Sendenhorst. Noch immer liegt über der genauen Lage des Großflughafens Westfalen zwischen Sendenhorst und Albersloh der Schleier des Geheimnisses; aufgrund der vom Ministerium für Wirt­schaft, Verkehr und Mittelstand in Düsseldorf herausgegebenen Skizzen und der Karten im Anfang der Woche veröffentlichten Ge­neralverkehrsplan Nordrhein-Westfalen läßt sich jedoch die Lage annähernd ermitteln, wenngleich auch - wie in Düsseldorf betont wird - geringfügige Verschiebungen möglich sind.

Bild:
Airport in der letzten Ausbaustufe mit insgesamt 5 Start- Landebahnen


Der Flughafen wird vermutlich in mehreren Bauabschnitten errichtet, wobei die in der Planung vorgesehene erste und zweite Ausbaustufe nach Vor­schlag der Sachverständigen-Kommission zusammengelegt werden sollten. Ihre Verwirklichung ist bis 1980 möglich. Für den Endaus­bau veranschlagt der Generalverkehrsplan „einen Zeitraum von einigen Jahrzehnten".

Als neuzeitlicher Verkehrsflughafen für den internationalen planmäßigen Luftverkehr soll der Großflug­hafen Westfalen ein Mehrfachbahnsystem in Form von zwei unabhängig voneinander angelegten 4000 Meter langen Parallelbahnen erhalten. Zur weiteren Erhöhung der Ka­pazität des Start- und Landebahnsystems wurde vorsorglich eine Querwindbahn mit einer Länge von 2500 Metern ausgewiesen. Ob jedoch später die Kapazitätserhöhung tat­sächlich durch diese Querwindbahn oder durch eine dritte und vierte Parallelbahn von je 2500 Meter Länge oder durch alle drei Bahnen notwendig ist, kann heute noch nicht abge­sehen werden.

Zunächst Regionalflughafen?
Die Planung sah eine, erste Aus­baustufe als Flughafen für den Regionalluftverkehr vor. Dazu sollten folgende Anlagen geschaffen werden: eine Start- und Landebahn mit einer Länge von 1400 bis 1800 Metern (Kosten: 7,9 Mill. DM), die Verbindung der Start- und Landebahn mit einem befestigten, 23 750 qm großen Vor­feld (2,5 Mill. DM) durch 2,6 Kilo­meter Rollbahnen (5,8 Mill. DM), eine provisorische Abfertigungseinheit mit Abfertigungsgebäude, Verwaltung, Kontrollturm, Flugzeughalle, Werkstatt, Garagen und betriebstech­technische Gebäude (2 Mill. DM), Straßenanschluß, Park- und Vorfahrtflächen (1,1 Mill. DM) und die Umzäunung (200 000 DM). Für den Abbruch von Gehöften und Bachver­rohrung waren 500 000 DM veran­schlagt. Gesamtkosten der ersten Ausbaustufe: rund 20 Mill. DM.

Sachverständige: Größer bauen
Die Sachverständigen-Kommission hielt jedoch den Ausbau als Regio­nalflughafen für nicht zweckmäßig und schlug die Verbindung der ersten mit der zweiten Ausbaustufe vor. In dieser zweiten Ausbaustufe soll die in der ersten Stufe geplante Start- und Landebahn auf 4000 Meter verlängert (11,9 Mill. DM), die Rollbahnen auf sieben Kilometer (15,7 Mill. DM) und die Vorfelder auf 392 000 qm erweitert werden (39,2 Mill. DM). Für die Errichtung einer Flugsiche­rungsanlage, je einer Abfertigungs­einheit für den Fluggast- und den Frachtbereich, eines Hallen- und Werft-bereichs, eines betriebstechnischen Bereichs mit Tanklager und eines Verwaltungs- und Hotelgebäu­des sind im zweiten Bauabschnitt 90 Mill. DM veranschlagt, für die Stra­ßenverkehrs-erschließung einschließlich der Parkflächen 28,3 Mill. DM und für die Umzäunung 400.000 DM. Spätestens in diesem Bauabschnitt müßte die Straße Sendenhorst - Albersloh verlegt oder aufgehoben werden, denn in den 24,8 Mill. DM für Straßenanschlüsse sind auch Mittel für Umlegungen enthalten. An Park­flächen sind in diesem Ausbausta­dium 100.000 qm vorgesehen. Einschließlich 3,3 Mill. DM für den Abbruch von Gehölzen, Abholzen von Wald und Bachverrohrung, sowie de 20 Mill. DM Kosten für die erste Ausbaustufe dürfte der Flugplatz bis zum Abschluß dieser Arbeiten rund 210 Mill. DM gekostet haben. Er hat dann praktisch nur eine 4 Kilometer lange Start- und Landebahn sowie die dazugehörenden Anlagen.

Als Zeitplan für die landesplane­rische Geländesicherung werden die Jahre 1968 bis 1970 angegeben; für 1971 bis 1975 ist der Geländekauf für die gesamten Betriebsflächen veranschlagt sowie die Sicherung durch die Festlegung des Bauschutz­bereichs und der Lärmzonen. Die ersten beiden Ausbaustufen sollen schließlich von 1976 bis 1980 fertig­gestellt werden, wobei der Gut­achter eine frühere Inbetriebnahme wünschte, um den Flughafen Düsseldorf zu entlasten. Denn spätestens 1980 ist Düsseldorf-Lohausen an der Grenze seiner Kapazität angelangt.
Arbeit für Jahrzehnte

Über Zahl, Länge und Anordnun­gen weiterer Start- und Landebah­nen
können heute noch keine nähe­ren Angaben gemacht werden. Der mögliche Endausbau sieht zwei 4.000 Meter lange und drei 2.500 Meter lan­e Start- und Landebahnen vor, da­von eine Querwindbahn. Der Gelän­debedarf für das Gesamtprojekt be­läuft sich auf 2000 ha. Die vier im dritten und weiteren Ausbaustadium geplanten Start- und Landebahner sowie die dazugehörenden Gebäude und Anlagen werden mit 890 Mill. DM veranschlagt, so daß die Gesamt­kosten rund 1,1 Milliarde DM betragen. Ein solcher Ausbau würde aber, wie gesagt, Jahrzehnte dauern. Mit zwei 4.000 Meter langen Par­allelbahnen könnten 80 Starts bzw. Landungen in der Stunde bewältigt werden. Das sind 300.000 Bewegungen — wie es der Fachmann nennt — mit 30 Millionen Fluggästen im Jahr. Diese Kapazitätsgrenze dürfte nach Meinung der Planer nicht vor dem Jahr 1990 erreicht werden. Bei der Anlegung von zusätzlich drei 2,500 Meter langen Start- und Landebahnen würde sich die Kapazität auf 100 bis 120 Bewegungen pro Stunde er­weitern, das heißt, daß jede Minute eine Maschine starten und landen kann. Bei 400.000 bis 450.000 Bewegungen im Jahr würden - pro Flugzeug 80 bis 100 Passagiere gerechnet — 30 bis 40 Millionen Fluggäste jährlich in Sendenhorst ankommen oder abfliegen. Auf diese Zahl ist auch die Endausbaustufe der Fluggastab­fertigungsanlage abgestellt. Wann diese Endkapazität ausgelastet ist, läßt sich gegenwärtig noch nicht annähernd sagen. Die Frachtabferti­gungsanlage soll in der Endausbaustufe eine bis zwei Millionen Tonnen Fracht umschlagen können, je nach Mechanisierungsgrad.

Straße nach Südwesten
Über den Anschluß des Flugplatzes an das öffentliche Straßennetz sagt der Generalverkehrsplan noch nichts aus. In der ersten und zweiten. Ausbaustufe wird nach dem Lage­plan die Straße nach Südwesten hin­ausgeführt, in Richtung auf die Straße Albersloh--Drensteinfurt; eine Weiterführung zur Bundesstraße 54 Münster - Hamm und evtl. auch zur Autobahnlinie Hansalinie ist wahr­scheinlich. Interessant ist lediglich, daß weder von Sendenhorst noch von Albersloh direkt eine Zufahrt geplant ist, da diese zwischen den Start- und Lande­bahnen liegen. IM Endausbau führt auch eine Straße nach Nordosten; ob sie in Richtung Alverskirchen oder Wolbeck führt und für den öffentli­chen Verkehr oder nur für den Flug­platzbetriebsdienst gedacht ist, ist nicht zu ersehen.

Chance für WLE?
Ebensowenig ist bekannt, was aus ler Strecke der Westfälischen Lan­des-Eisenbahn wird. Die Direktion (n Lippstadt wurde bisher von Düsseldorf nicht informiert; sie sammelt Presseberichte. Nach Lage der Dinge verläuft aber die Strecke Mün­ster—Neubeckum zwischen Albers­loh und Sendenhorst quer über das Flugplatzgelände. Eine Umlegung über Alverskirchen wäre kaum rat-sam. Da bietet sich schon eher die Untertunnelung des Flugplatzes mit unterirdischem Haltepunkt und die :Einrichtung eines Schnellverkehrs :Münster—Flughafen an. Denn 40 :Millionen Fluggäste jährlich müssen durch moderne Schnellverkehrsmit­tel vom und zum Flughafen befördert werden. Bietet sich hier eine Chance für die WLE?

. . . oder für die Bundesbahn?
Der Gutachter empfiehlt allerdings die Anbindung des Flughafens an das Netz der Deutschen Bundesbahn. Die genaue Planung müsse rechtzeitig durchgeführt werden, damit die Trasse freigehalten werden kann. Es bedürfte schon jetzt der Vorüberle­gung, ob es nicht ratsam sei, dem­nächst den Raum Münster an das S-Bahn-Netz des Rhein-Ruhr-Ballungsgebiets anzuschließen, um einer­seits schnelle Verbindungen zwi­schen den Universitäten in Münster und im Ruhrgebiet zu erreichen und anderseits den Großflughafen und den Protonenbeschleuniger mit dem Ruhrgebiet zu verbinden. In mehreren Stufen wird der Ausbau des Großflughafens Westfalen zwischen Sendenhorst und Albersloh erfolgen. Im ersten Bauabschnitt wird vermutlich eine 4 Kilometer lange Start- und Landebahn mit den dazugehörigen Rollbahnen, Abfertigungs- und Betriebsgebäuden und Straßen errichtet (Karte links). Im Endausbau kann der Flughafen über fünf Start- und Landebahnen sowie die erforderlichen Einrich­tungen verfügen. Es ist zu vermuten, daß von der Endausbauplanung (Karte rechts) zunächst nur die beiden 4-Kilometer-Bahnen und die Abfertigungs- und Betriebsgebäude errichtet werden, während die drei 2,5-Kilometer-Bahnen bei Bedarf hinzugefügt werden können, wo­bei noch nicht abzusehen ist, ob alle drei oder nur die zwei außen lie­genden Parallelbahnen bzw. nur die Querwindbahn fertiggestellt werden. Unsere Karte ist nicht amtlich; sie entstand aufgrund der vom Verkehrsministerium herausgegebenen Skizzen und Karten, wobei es möglich ist, daß sich die Lage des Platzes noch geringfügig verschiebt.

    


Karten - Ausbaustufen und Lärmzonen 25.3.1970 - Die Glocke


Ausbaustufen des Großflughafens Westfalen In mehreren Stufen wird der Ausbau des Großflughafens Westfalen zwischen Sendenhorst und Albersloh erfolgen.

SCHON WEIT GEDIEHEN: Die genauen Lagepläne für die Landebahnen und die Abfertigungsgebäude
Im ersten Bauabschnitt wird vermutlich eine 4 Kilometer lange Start- und Landebahn mit den dazugehörigen Rollbahnen, Abfertigungs- und Betriebsgebäuden und Straßen errichtet (Karte links). Im Endausbau kann der Flughafen über fünf Start- und Landebahnen sowie die erforderlichen Einrich-tungen verfügen. Es ist zu vermuten, daß von der Endausbauplanung (Karte rechts) zunächst nur die beiden 4-Kilometer-Bahnen und die Abfertigungs- und Betriebsgebäude errichtet werden, während die drei 2,5-Kilometer-Bahnen bei Bedarf hinzugefügt werden können, wo- bei noch nicht abzusehen ist, ob alle drei oder nur eine zwei außengenden Parallelbahnen bzw. nur die Querwindbahn fertiggestellt wer- den. Unsere Karte ist nicht amtlich; sie entstand aufgrund der vom Verkehrsministerium herausgegebenen Skizzen und Karten, wobei es möglich ist, daß sich die Lage des Platzes noch geringfügig verschiebt.

Samstag, 25. April 1970 -Lärmzonen des neuen Flughafens Düsenlärm wird sich in der Nähe des ge­planten Großflughafens bei Albersloh nicht vermeiden lassen.

Diese jetzt vom Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Lan­des Nordrhein-Westfa­len, Kassmann, heraus­gegebene Karte zeigt, wie die Lärmschutz­zonen 1 und 2 in der Umgebung des Flugha­fens verlaufen. Im ge­samten Lärmschutzbe­reich dürfen keine Krankenhäuser und Schulen errichtet wer­den, Wohnungen kön­nen nur in der 2. Schutzzone gebaut wer­den. Wie die Karte erkennen läßt, bleiben. die Gemeinden Rinke­rode, Drensteinfurt und Sendenhorst vom Lärm verschont, jedoch ver­läuft die Schutzzone mitten durch den Ort Albersloh. Die Landes­regierung weist aber darauf hin, daß die bei­den Hauptlandebahnen voraussichtlich näher zusammengerückt wer­den, so daß eine Ver­besserung für Albers­loh zu erwarten ist. In die (hier nicht einge­ordnete) Karte einge­zeichnet sind bereits der Bahnanschluß an die Linie Münster-Hamm und eine durch­gehende Straßenver­bindung von der Hansa-Linie bis in den Raum Warendorf. Es wird außerdem ange­strebt, im ersten Bau­abschnitt die Bahn- und Straßenverbindung Sendenhorst-Albersloh zu erhalten, was durch ei­ne Verschiebung der Start- und 500 Meter zu er­reichen wäre. Die Landesregierung fügt dieser Karte, die jetzt an alle Kreis- und Stadt­verwaltungen im Gebiet des neuen Flughafens geschickt wurde, aller­dings einen nicht zu übersehenden Kommen­tar bei: Änderungen vorbehalten!
Flughafenausbau kostet 1,1 Milliarden DMZunächst zwei parallele Start- und Landebahnen 3.000 Hektar Gelände werden benötigt Münster/Düsseldorf (Eig. Ber.).

Rund 2.000 ha Gelände werden für den Endausbau des dritten Großflughafens in Nordrhein-Westfalen benötigt. Dieser Flughafen soll, wie bereits berichtet, zwischen den Gemeinden Albersloh (Krs. Münster) und Sendenhorst (Krs. Beckumum) in der Bauerschaft Alst entstehen. Nähere Einzelheiten über den neuen Großflughafen befinden sich im Generalverkehrsplan des Landes NRW, der heute in Düsseldorf der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Sachverständigenkommission hat darin auch Baupläne für den Großflughafen eingefügt (Bild). So soll der 3. Großflughafen nach der Skizze oben ein unabhängiges Parallelbahnsystem (erhalten jeweils 2,5 und 4 Kilometer lange Start- und Landebahnen). Zur Erhöhung der Kapazität wurde vorsorglich eine Querwindbahn (rechts) von 2,5 km Länge ausgewiesen.

Die Sachverständigenkommission schlägt außerdem vor, die erste und zweite Ausbaustufe sofort zu verbinden. Es entstünden dann eine 4.000 m lange und eine parallel verlaufende 2.500 m lange Start- und Landebahn (unten) sowie die notwendigen Flugplatzgebäude. Der Endausbau sieht zwei weitere Start- und Landebahnen sowie die Querwindbahn vor. Außerdem würden die Flughafengebäude zwischen den beiden Bahnen erweitert und sich so präsentieren, wie es die Skizze oben zeigt. Insgesamt wird der Flughafenbau 1,1 Mrd. DM kosten. Darin sind nicht die Kosten für Grunderwerb und Entschädigung enthalten. Von den 1,1 Mrd. würden bis zum Jahre 1980 nur etwa 25 Prozent dieser Investitionsmittel benötigt „da der Großflughaien in mehreren Ausbaustufen entstehen soll, die bis zum Endausbau einen Zeitraum vnn einigen Jahrzehnten in Anspruch nehmen werden". Die Sachverständigenkommission meint, daß der Flughafen in der Endausbaustufe eine Kapazität von rd. 30 bis 40 Millionen Fluggästen pro Jahr haben wird. -ba

    


Auf dem Weg des Scheitern - Zeitplan von Anfang bis Ende


Vor über drei Jahren trat am 28. Juni 1969 das Drama Drensteinfurt in seine ent-scheidende Phase. Die Landesregierung begann mit der konkreten Planung des dritten NRW-Großflughafens in der Gegend von Drensteinfurt/Sendenhorst. Das Lieblingsprojekt aller Parteien galt als Trostpflaster für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers in der gleichen Gegend. Grund für das Scheitern: DIe Tiefflugschneisen im Münsterland Und plötzlich hatten viele die Fluglafen-Euphorie gepackt. Landwirte und Geschäftsleute stoppten ihre Investitionen. Sie planten bereits im Zeichen der Zukunft: Die Riesenvögel der Luft sollten das Münsterland an die große weite Welt anbinden - zum Wohle auch des Ruhrgebiets, das mit dem Großprojekt hei Drensteinfurt besseren Anschluß an das Luftverkehrsnetz gewinnen sollte.

Doch die Zukunftsmusik verebbte in einem Planungsdesaster ersten Ranges. Die Verantwortlichen kamen mit ihrer Strukturhilfe für das Münsterland am Boden trefflich voran. Doch der Haken hing sozusagen in der Luft: Die Militärs machten den Planern einen Strich durch die Rechnung. Tiefflugschneisen für NATO- Jets und der britischen Militärflieger aus Gütersloh haben die Luft über Drensteinfurt mit Beschlag belegt. Eine Verlegung des Systems zugunsten des dritten Großflughafens würde den ohnehin überlasteten Flugsicherung derart starke Kopfschmerzen bereiten, daß sie gleich vorsorglich ein deutliches Veto einlegten - und mit Hilfe Bonns und des Verteidigungsministeriums am Ende gar siegreich blieben. Und so sehen die Stationen der dreineinhalb Jahre zwischen Hoffnung und Scheitern aus:

28. Juni 1969
Die Landesplanungsgemeinschaft Westfalen rechnet mit dem Bau eines Großflughafens südlich von Münster ,zu einem späteren Zeitpunkt". Standort: wahrscheinlich die Gegend um Drensteinfurt / Sendenhorst.
7. August 1969
Landesverkehrsminister Dr. Kassmann kündigt den Bau eines dritten interkontinentalen Flughafens in NRW nordöstlich des Ruhrgebiets an.
31. Oktober 1969
Staatssekretär Dr. Stakemeier vor der Industrie- und Handelskammer Münster: „Dreieck Münster - Beckum - Hamm optimaler Standort für Großflughafen" (bei Erläuterung der Ziele des Generalverkehrsplans NW unter Berücksichtigung der Verkehrsprobleme des Münster-
4. März 1970
Die NRW-Landesregierung beschließt den Bau des 3. Großflughafens im Städtedreieck Münster - Hamm - Beckum. (Geschätzte Kosten: 3 Mrd. DM, ohne Grunderwerb, der Endausbau soll 1980 erreicht sein.)
13. März 1970
Nach Behördentermin fällt im Düsseldorfer Verkehrsministerium die Entscheidung über den Flughafen-Standort: Die Bauerschaft Alst zwischen Sendenhorst und Albersloh soll dem neuen Großflughafen weichen.
23. März 1970
Im Generalverkehrsplan NW werden Einzelheiten des Flughafen-Projekts bekanntgegeben: Der Flächenbedarf beträgt 2000 ha / Baukosten: 1,1 Mrd. DM (ohne Grunderwerb) ihm ersten Bauabschnitt sollen zwei Parallel-Start-Landebahnen von 2,5 und 4 km Länge sowie entsprechende Flughafengebäude errichtet werden. Das Endstadium des Ausbaus• soll „in einigen Jahren erreicht sein".
8. Juli 1970
Betroffene Flughafen- Landwirte lehnen mutmaßlichen Quadratmeter-Verkaufspreis von fünf DM ab.
3. September 1970
Die „Eigentümervereinigung der Flugplatzbetroffenen e. V." konstituiert sich. Von 106 Betroffenen werden 90 Mitglieder.
7. Oktober 1970
Heinz Ostrop, CDU- Landtagsabgeordneter, bezeichnet die Flughafen-Pläne als „noch unverbindlich", da die NRW-Landesregierung auf Anfrage eingesteht, daß die von ihr erstrebte volle Übereinstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium über den Bau des Flughafens einschließlich Höhe der finanziellen Beteiligung bisher noch nicht erzielt worden sei.
24.September 1971
NRW-Verkehrsminister Dr. Riemer gesteht auf Anfrage unserer Zeitung ein, daß der Flughafenbau durch militärische Tiefflugschneisen der NATO gefährdet sei.
15. Oktober 1971
Parlamentarischer Staatssekretär Börner erklärt im Bundestag auf Anfrage des münsterschen Abgeordneten Franz Berding (CDU): Das Verteidigungsministerium hat bei Bekanntwerden der Planungsabsicht des Landes NRW im Mai 1970 auf Problematik der militärischen Tiefflugschneisen hingewiesen und Bildung einer Planungskommission vorgeschlagen (gleichlautende Antwort auch auf Frage von Helmuth Becker. SPD).12. November 1971: Minister Riemer kündigt auf Anfrage von Ostrop im Landtag an: „Abschließende Entscheidung bis zum Jahresende".
17. Dezember 1971
Ministerpräsident Kühn bittet Bundeskanzler Brandt um Spitzengespräch über Projekt Drensteinfurt. Weiterer Kühn- Brief an Brandt zu diesem Thema am22. Februar 1972: Kanzleramtsminister Ehmke schlägt Kühn Gespräch zwischen NRW-Landesregierung und den Ministern Schmidt (Verteidigung) und Leber (Verkehr) vor. 10. März 1972: Der Westfälisch Lippische Landwirtschaftsverband fordert durch Heereman eine Klarstellung zum Projekt Drensteinfurt, die trotz Ankündigung der Landesregierung auch bis Ende Januar 1972 nicht erfolgte.
14. März 1972
Die CDU-Landtagsfraktion bringt die "große Anfrage 6" zum Problem des 3. Verkehrsflughafens bei Drensteinfurt ein.
17. März 1972
Bei einem Gespräch zwischen Kühn und Schmidt bleibt die Entscheidung über Drensteinfurt weiter offen. Es werden Detailüberprüfungen des Projekts angekündigt.
5. Mai 1972
Verkehrsminister Leber bezeichnet in einem Antwortschreiben an die IHK Münster "den Standort Drensteinfurt für Verkehrsflughafen als völlig ungeeignet' . Er verweist außerdem auf die Bedenken der Militärs wegen NATO-Flugschneisen in diesem Gebiet.
18. Mai 1972
Ministerpräsident Kühn kündigt bei Beantwortung der „großen Anfrage 6" der CDU zum Flug-hafen eine Entscheidung bis 31. 12. 1972 an. Am 1. Oktober 1972 soll ein Zwischenbescheid dem Landtag vorgelegt werden.
28. September 1972
Minister Riemer legt Zwischenbescheid vor. Nach Spitzengespräch Schmidt - Lel Kühn - Riemer wurde Arbeit: „Flugsicherung" um einen Zwischenbericht gebeten. in diesem Berichtstellt am 2. 6. 1972, sind verschiedene Lösungsvorschläge erarbeitet WE um den Flughafenbau durch Ver rung der Luftraumstruktur doch realisieren zu können. Der Zwischenbericht geht am 22. 6. an Veiteidigungsminister Schmidt. Nach Absprache mit allen verantwortlichen Stellen werden die Lösungsvorschläge als "unrealisierbar" bezeichnet.9. 1972 ergeben sich laut Rieche weitere Gesichtspunkte. die eine Verwirklichung doch möglich erscheinen lassen und deshalb weitern' werden sollen. Die Landesregierung NRW glaubt daher doch an ..rung und will bis Jahresende eine endgültige Entscheidung ..führen.
13. Dezember 1972
Anläßlich Anfrage Ostrops im Landtag Flughafen gibt die CDU-Landtagsfraktion dem Projekt keine mehr. Riemer: „Wir kämpfen um dieses Projekt". Eine endgültige Entscheidung der Landesregierung soll am
17. Januar 1973 im Lantag bekannt gegeben werden.

 

    


Mit dem Flughafen kommt der große Ärger von Anfang bis Ende


Die Bevölkerung ist ungehalten über das Schweigen der Landesregierung. Landwirte verlieren ihre Existenz. Alle fragen: Wie stark wird die Belästigung durch Lärm? Albersloh / Sendenhorst (Eig. Ber.). Bis zum „schwarzen Freitag“, dem 13., war für sie die Welt noch in Ordnung. Wie ein Schlag ins Gesicht traf die Bauersleute in den Bauerschaften Alst, Ahrenhorst und Storp zwischen Albersloh (Kreis Münster) und Sendenhorst (Kreis Beckum) die Nachricht zum endgültigen Standort des neuen Großflughafens.

Bilder:
In Sorge: Bauer Anton Storm auf seinem Hof in Alst. Rechts: Verbittert: Dr. Lohmann vor dem St. Josef-Stift  / Fotos: Revermann

Der Direktor der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe, Dr. Günter Müller, bestätigt das. "Wir haben zwar noch keine Erfahrungswerte sammeln können, weil landwirtschaftliche Betriebe an Großflughäfen in Deutschland selten sind. Aber man muß davon ausgehen, daß die Bauern an der Peripherie stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie kann man sich noch eine Hühnerhaltung beispielsweise vorstellen, wenn die Tiere sich bei jedem Lärm zusammendrängen?" Dr. Müller hat inzwischen einen Ausschuß bilden lassen, . der sich mit diesen Fragen näher befassen wird. Nach dem derzeitigen Stand der Planung wird der 3.100 zählende Ort Albersloh ganz im Schallwellenbereich des Flughafens liegen. Die Reaktion gleicht zwar nicht ganz der Panikstimmung in den drei Bauerschaften, aber erste negative Auswirkungen zeigen sich hier bereits wie anderswo:Ein Interessent für das erst kürzlich ausgewiesene neue Bebauungsgebiet Albersloh Süd - zum projektierten Flughafen hin gelegen – erklärt klipp und klar, er überlege, ob er jetzt überhaupt noch bauen soll.

Bürgermeister Ernst Terlit von Alverskirchen ist Anrufen „bombardiert“ worden. Ein Bauwilliger voller Entrüstung zum Bürgermeister: „Da hab ich mir das idyllische Alverskirchen ausgesucht, den Baulatz bezahlt, meine Planung ist fertig, und dann kommt diese Geschichte!“Die Frau eines Beamten aus Münster bittet unsere Redaktion um eine genaue Zeichnung, „weil wir ursprünglich vorhatten, dort ein Schwedenhäuschen zu bauen“. Jetzt will sie sehen, ob das Gelände im Schallwellenbereich liegt.

Bürgermeister Ewald Rüschenschmidt (Bild), Albersloh, und sein Amtskollege Tertilt sind ebenso wie die Bevölkerung „überfahren“ worden. Sie sind über die mangelnde Information aus Düsseldorf geradezu empört. Sie unterstützen die Vorhaben der Bevölkerung, sich zu Interessengemeinschaften zusammenzuschließen, um gegeüber der Landesregierung eine stärkere Position zu haben.

Für die umliegenden Gemeinden gibt es Probleme über Probleme. Kann in den Schulen an der Peripherie des Flugplatzes noch unterrichtet werden? Ist es sinnvoll, weitere Bebauungspläne auszuweisen? Der Drensteinfurter Stadtdirektor Schwering beispielsweise rät den Bürgern, abzuwarten, bis endlich geklärt wird, welches Ausmaß die Lärmbelästigung erreicht. Der Beckumer Oberkreisdirektor Dr. Schulte gibt den Bewohnern im Raum Sendenhorst / Drensteinfurt einen geringen Hoffnungsschimmer: Auf seine Initiative hin soll überlegt werden, ob durch ein Zusammenrücken der Start- und Landebahnen eine Verlagerung der Hauptlärmzonen möglich ist. Was aber wird aus dem so bedeutungsvollen Erweiterungsbau des St.-Josef-Stiftes in Sendenhorst? Der neue Trakt der orthopädischen Klinik ist im Rohbau fertig. Kosten: Etwa sieben Millionen Mark. Direktor Dr. Lohmann: „Für Kranke ist überhaupt kein Lärm zumutbar!“ Dr. Lohmann ist äußerst verbittert über die Tatsache, daß man ihn seitens des Ministeriums in Düsseldorf regelrecht hingehalten und so gut wie nicht informiert hat. Dabei weist Dr. Lohmann nach, daß er schon vor Jahren als erste Informationen über einen Flughafen in diesem Raum bekannt wurden, um ausreichende Unterrichtung gebeten hat. Nicht einmal seiner Bitte, sich an Ort und Stelle am St. Josef-Stift in Sendenhorst zu informieren, ist man nachgekommen. Wenn das St.-Josef-Stift, nur wenige Autominuten vom Flughafengelände entfernt, tatsächlich verlegt werden müsste, so würden mindestens sechs Jahre benötigt. Und: Das Sonderkrankenhaus ist eine Stiftung mit der Auflage, für die Bürger Sendenhorsts zur Verfügung zu stehen. Wie lassen sich solche Dinge vereinbaren? Noch sind, verschuldet durch die zu Recht kritisierte Geheimnistuerei des Verkehrsministeriums, zu viele Fragen offen. Abgesehen von den direkt betroffenen Bewohnern im und am Flugplatzgelände verkennen Bürger und Kommunalpolitiker nicht die enorm strukturpolitische Bedeutung des Großflughafens für das Münsterland. Und so lange bleibt ein großes Unbehagen, bis die Karten mit allen Details auf den Tisch gelegt werden. Zwischen Albersloh und Sendenhorst, zwischen Rinkerode und Everswinkel, hofft man auf bald…

    


Bauern in Albersloh würden auf das große Geld gern verzichten 25.4.1970 | Manfred Bernau


Sie könnten Millionäre werden, doch das ist eine trübe Aussicht - Auch junge Landwirte werden beim Gedanken an die Fremde weich.
Albersloh. Über die drei Männer, mit denen ich im ungeheizten Hinterzimmer einer Gastwirtschaft in Albersloh zusammensitze, könnte noch in diesem Jahr das ganz große Geld kommen, aber das ist für sie kein Grund zur Freude. Im Gegenteil. Eher ist Ihnen zum Heulen zumute. Sie sind Bauern. Ihre Höfe liegen zwischen Albersloh und Sendenhorst, auf dem platten Land südlich von Münster, wo der dritte Großflughafen des Landes Nordrhein-Westfalen gebaut werden soll. Was Arbeit angeht, so hat es niemand von ihnen leicht gehabt. Heinz Horstmann (29) zum Beispiel hat Pranken wie ein Bär. Seine Handflächen fühlen sich an wie Schmirgelpapier. Er fährt einen cremefarbenen Mercedes, aber das ist vermutlich der einzige Luxus, den er sich leistet. Auf Urlaub war er noch nie. [Der Hof Heinz Horstmann liegt in der Sendenhorst – Bauerschaft Sandfort, unmittelbar hinter der alten Grenze zu Albersloh]

Josef Lüring-Westermann (63) besitzt einen Hof mit 60 Hektar Grundfläche. Das ist gemessen am Durchschnitt - ein Riesenbesitz, zumindest Lüring-Westermann hat die Aussicht, vielfacher Millionär zu werden, doch er sagt: „Was soll ich mit Geld? Ich will meinen Hof behalten! Er ist seit dem 13. Jahrhundert in Familienbesitz.“ Ludger Hegemann ist 28 und Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins. Er kann für alle Bauern sprechen, deren Äcker im Bereich des künftigen Airports Westfalen liegen: Glauben Sie uns, hier will keiner weg. Seit 50 Jahren ist hier kein Hof verkauft worden! Er weiß zu berichten, daß nahezu jeder Städter die Landwirte, auf deren Grundstücken in 10 Jahren die Jumbojets starten und landen sollen, beneidet."

„Aber die haben ja keine Ahnung", sagt Heinz Horstmann. Die stellen sich den Bauern immer noch mit der Forke vor und dem Loch in der Hose. In Wirklichkeit sind wir fortschrittliche Unternehmer." Bauernpräsident Heereman hat es ihnen schriftlich gegeben. Die Landwirte südlich von Münster haben nach und nach investiert, um sich den EWG-Normen anzupassen. Ihre Existenzgrundlage ist dauerhaft, auch über das Jahr 2000 hinaus. „Wir sind uns bewußt, daß Landwirtschaft sich schlecht verzinst und vermehrt, aber diese Nachteile werden durch Sicherheit auf Jahrzehnte ausgeglichen."

Ludger Hegemann weiß, daß die Leute in der Stadt beim Stichwort Bauernhof" zuerst 3 an einen Misthaufen denken: „Aber wir haben die technische Revolution hinter uns gelassen den Eutern der Kühe eine bracht. Bei uns zu Hause hängt Absauganlage, und die Milch fließt ohne Umweg direkt in die Kühltanks."

Heinz Horstmann: „Doch das ist noch lange nicht alles. Sehen Sie, ich bin gerne Bauer und will nichts anderes sein.“ Für die Glorie, mit der die Nazis ihren Blut-und-Boden-Mythos umgaben, hat er nur eine verächtliche Handbewegung über, aber sagt er: „Wir sind in unserer Bodenständigkeit verwurzelt!“ Der bullige Mann wirkt unendlich traurig, wenn er hinzufügt: „Woanders würde ich mich nie zu Hause fühlen.“

Aber es sind nicht nur Gefühle, die die Männer mit Schaudern an den Abbruch ihrer Gehöfte denken läßt. Josef Lüring-Westermann hat zwei Geldentwertungen hinter sich und die die dritte Inflation ist für ihn so gut wie sicher. Für den Großgrundbesitzer Lüring-Westermann steht nicht einmal fest, daß er überhaupt Geld zu sehen bekommt. Ihm schwant Betrug. Vor fünf Jahren, sagt er, sei eine Pipeline im Gebiet rund um Albersloh gelegt und den Bauern eine Entschädigung zuerkannt worden. Bisher hat niemand Geld gesehen.

Heinz Horstmann sagt: „Wir sind uns bewußt, daß Landwirtschaft sich schlecht verzinst und vermehrt, aber diese Nachteile werden durch Sicherheit auf Jahrzehnte ausgeglichen."

Ludger Hegemann von den dreien der mit dem kühlsten Kopf - erinnert an das Höfegesetz, Paragraph 13. Er bestimmt, daß jeder Bauer, der weniger als 15 Jahre Hofbesitzer ist, bei Verkauf des Besitzes die Ertragssumme mit den Geschwistern zu teilen hat. Die Hegemanns haben 7 Kinder. Klar, dass da den einzelnen nicht viel übrig bleiben würde. Für den Großgrundbesitzer Lüring-Westermann steht nicht einmal fest, dass er überhaupt Geld zu sehen bekommt. Ihm schwant Betrug. Vor 5 Jahren, sagt er, sei eine Pipeline im Gebiet rund um Albersloh gelegt und den Bauern eine Entschädigung zuerkannt worden. Bisher hat niemand Geld gesehen. Der Westfälisch-Lippische Landschaftsverband in Münster teilt solche Skepsis nicht. Er rät allen betroffenen Landwirten: Seid einig und faßt keine übereilten Beschlüsse!“

Heinz Horstmann hofft noch, daß der Flughafen nicht bei Albersloh gebaut wird, aber diese Hoffnung widerspricht den Realitäten, Und so kann man die Gretchenfrage stellen: Was werden sie nehmen - Geld oder Ersatzland? Jeder will Bauer bleiben. Das sei doch ganz klar.

Obwohl, wie Josef Lüring-Westermann sagt, die Höfe, die zum Verkauf stehen, doch sicherlich heruntergekommen seien. "Da können wir dann von vorn anfangen. Unsere Arbeit in den letzten Jahren war umsonst." Und: „Es ist schwer, sich in der Fremde einzufühlen."
Ludger Hegemann: „Wenn ich hier in Albersloh durch die Kneipen ziehen würde, um mir hundert Mark zu leihen, jeder Wirt würde sie mir unbesehen geben. Aber anderswo?“

Josef Lüring-Westermann fürchtet, in die Diaspora zu geraten, in eine Gegend also, wo vorwiegend Protestanten leben. Heinz Horstmann sagt: „Mein Vater ist gestorben im vorigen Herbst mit 76. Gut, daß er das alles hier nicht mehr erleben mußte.

    


Was kosten Lebensmittel? Was läuft im TV? Was trägt der/die Bürger*in?


Lesen Sie hier, was Lebensmittel vor 50 Jahren kosteten...
Das waren noch Preise... in DM, also alles geteilt durch 1,955830
Den genannten Markt gibts es schon lange nicht mehr, die Preise sind in D-Mark = 0,5112919 EUR
Und auch modisch - Ganz weit vorn, sowohl der Herr als auch die Dame!

    


Die Ungewißheit ist vorbei


WLV fordert schnelle Entschädigung für die Drensteinfurt-Bauern Gemeinden:

Münsterland. Von Freude und das Ende der Ungewißheit bis zur Forderung nach schneller und angemessener Entschädigung der Betroffenen reicht die Skala der Stellungnahmen, die die Entscheidung der Landesregierung hervorgerufen hat, den dritten Verkehrsflughafen in NRW nicht bei Drensteinfurt zu bauen. Wie gestern bereits die IHK Münster, bedauerte auch die Handwerkskammer, daß dem Münsterland ein wichtiges strukturpolitisches Projekt verlorengegangen sei.

Westfälisch-Lippischer Landwirtschafts-verband (WLV): „Die jahrelange Unsicherheit über ihre Zukunft hat besonders den auf Grund und Boden angewiesenen Landwirten im Raum Albersloh/Drensteinfurt spürbare materielle Schäden verursacht.“ Der WLV erwartet deshalb, daß der Verursacher - die Landesregierung - von sich aus zur Wiedergutmachung aktiv wird und Vorschläge unterbreitet. Es wäre den Betroffenen gegenüber unvertretbar, nun etwa so zu tun, so zu tun, als sei nichts geschehen. Die Landwirte im Raum Albersloh Drensteinfurt Sendenhorst haben die jahrelange Verunsicherung mit vorbildlicher demokratischer Disziplin getragen." Der WLV wird die Belange der betroffenen Landwirte weiter nachdrücklich vertreten und ist zur sachlichen Zusammenarbeit mit der Landesregierung und allen Behörden bereit.“

Handwerkskammer Münster: Wir bedauern außerordentlich, daß das Projekt nun endgültig gescheitert ist." In zahlreichen Stellung nahmen habe die Kammer das Interesse der Handwerkswirtschaft und ihrer Organisation an diesem Vorhaben bekundet, da es auch Vorlagen teile für das Handwerk gehabt hätte. Die Handwerkskammer habe sogar einige der Planungsvorbereitungen bereits aufgetretene Schwierigkeiten und Nachteile für bestimmte Branchen des Handwerks in Kauf genommen. Die Arbeit der Flughafenkommission bei der Kammer sei nun umsonst gewesen. Man müsse für die Zukunft die Lehre daraus ziehen, daß derartige Projekte vorher mit allen Beteiligten lückenlos abgestimmt werden müßten. Die Kammer fordert von Düsseldorf jetzt eine schnelle alternative Standort-Entscheidung.

Bürgermeister Schibill, Sendenhorst: Wir sind froh, daß der Flughafen nicht gebaut wird. Ich glaube, die Belästigungen wären größer gewesen als der Nutzen, den das Projekt gebracht hätte. Nun müssen wir den Planungsrückstand, insbesondere auf dem Sektor Straßenbau, aufholen."
Bürgermeister Rüschenschmidt, Albersloh: „Die Entscheidung zeigt deutlich, daß man bei der Planung sorgfältiger vorgehen muß. Die Planungsschäden, die durch die Verzögerung entstanden sind, können gegenwärtig noch nicht übersehen werden. Für Albersloh ist ein Rückschlag, der nicht so schnell wieder aufgeholt werden kann. Wir hoffen, daß das bisherige Flughafengebiet bei zukünftigen Planungen als Entschädigung vorrangig berücksichtigt wird."

Heinz Horstmann, Vorsitzender der Eigentümervereinigung der Flugplatzbetroffenen: Nach 3-jährigem Hin und Her werden wir nun von der Landesregierung eine angemessene Entschädigung verlangen. Schließlich hat man uns damals den Rat gegeben, keine großen Investitionen mehr vorzunehmen."

Flughafenbetriebsleiter Dirkes, Flughafen GmbH Münster / Osnabrück: Der Regionalflughafen Münster/Osnabrück in Greven ist gegenwärtig nicht in der Lage, die Aufgaben zu übernehmen, die vom Gesamtvolumen her dem Projekt Drensteinfurt zugedacht waren. Wir hoffen aber jetzt auf einen schnelleren Ausbau unserer Flughafenanlage in Greven und noch stärkere finanzielle Unterstützung des Landes. Dazu gehören neue Betriebsgebäude ebenso wie flugsicherungstechnische Anlagen und die Einbeziehung Flugplatzes in das Flugsicherungssystem.“

Stadtdirektor Schwering, Drensteinfurt: Wir sind froh, daß nun eine endgültige Der Entscheidung getroffen worden ist. Flughafen hätte sicherlich unseren Raum aber auch das gesamte Münsterland strukturell verbessert. Die Kehrseite aber wäre gewesen: intensive Lärmbelästigung bei Tag und Nacht. Jetzt kommen wir aus der Planungsstagnation heraus, denn sowohl der einstmals geplante CERN-Protonenbeschleuniger als auch der Flughafen haben Drensteinfurts Aufbauarbeit Jahre zurückgeworfen. Wir streben jetzt an, die Stadt als Wohngemeinde und Mittelzentrale zwischen Münster und Hamm zu profilieren, werden aber wegen des entstandenen Planungsrückstandes von der Landesregierung eine angemessene finanzielle Entschädigung fordern.

    


Für die Landwirte - WLV: Schnelle Entschädigung"


Nach Scheitern des Großflughafen-Projektes im Namen der betroffenen Landwirte: WLV erwartet Wiedergutmachung für spürbare materielle Schäden
Münster

Münster. (WLYV). Das Scheitern- des Großflughafen-Projektes Raum Sendenhorst/Drensteinfurt/’Albersloh hat jetzt auch den westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) auf den Plan gerufen.

In einer ersten Stellungnahme teilt der WLV mit:
Die jahrelange Unsicherheit über Zukunft hat besonders den betroffenen Landwirten auch spürbare materielle Schäden verursacht. Der WLV erwartet, daß der Verursacher dieser Schäden — die Landesregierung — von Sich aus zur Widergutmachung aktiv wird und Vorschläge unterbreitet.
Die Tatsache‚ daß militärische Flugsicherheitsbedenken das Projekt scheitern ließen, ändert nichts an der Verantwortlichkeit. Dies wäre den betroffenen Menschen gegenüber unvertretbar, nun gerade so zu tun, als sei nichts geschehen. Das müßte als Fußtritt für die Menschen empfunden werden, die ihre jahrelange Verunsicherung mit vorbildlicher demokratischer Disziplin getragen haben.
Der WLV wird die Belange der betroffenen Landwirte weiter nachdrücklich vertreten.
Er ist — wie schon 1970 nach der unvorbereiteten Bekanntgabe des nun gescheiterten Projektes — zur sachlichen Zusammenarbeit mit der Landesregierung und allen Behörden bereit. Der WLV erwartet, daß nun rasch gehandelt und jede Hinhaltetaktik etwa mit juristischer Argumentation vermieden wird. Es bleibt festzustellen, daß sich die betroffenen Bauern drei Jahre lang geradezu vorbildlich verhalten haben. Das verstärkt ihren moralischen Anspruch auf faire Berücksichtigung ihrer Interessen.

Seit 1970 standen die Landwirte täglich vor der Frage, ob sie die für die Entwicklung ihrer Höfe not- wendigen Investitionen noch aus- führen sollten oder nicht. Es gab zwar kein offizielles Veränderungs- verbot im Raum Albersloh, aber es wäre eine Verleugnung der Lebenswirklichkeit, anzunehmen, daß der Beschluß von 1970 ohne negativen Einfluß geblieben wäre.

Die Verantwortung für die Folgen unterlassener Modernisierung auf den Höfen kann daher auch nicht den Hofbesitzern zugeschoben werden; sie liegt bei denen, die 1970 den Standort Albersloh verkündet haben. Wie in Kreisen des WLV verlautete, werde es gut sein, wenn Minister Riemer in naher Zukunft nach Albersloh käme, um vor der Interessengemeinschaft der Flug- platzbetroffenen die Vorstellungen der Bundesregierung vorzutragen.

Man erinnert sich, daß 1970 der damalige Verkehrsminister Dr. Kassmann und Staatssekretär Dr. Stakemeier in Albersloh die Endgültigkeit der Entscheidung öffentlich verkündeten. Man erinnert sich übrigens in Albersloh auch an das Unverständnis, dem Präsident Freiherr Heereman bei den Vertretern der Landesregierung begegne- te, als er Zweifel an der Realisierung der großen Pläne vortrug. Der WLV betont, daß auch der Landesregierung daran gelegen sein muß, sich nicht den Unwillen der betroffenen bäuerlichen Bevölkerung zuzuziehen.

    


Landesregierung sucht neuen Standort - Kein Flughafen Drensteinfurt


Im Landtag ging es 1973 hochher - Heftige Attacken der CDU - Nach dem Steilflug eine Bruchlandung

Düsseldorf Das Flughafenprojekt Drensteinfurt ist tot. Der für diesen Raum seit Jahren geplante dritte Großflughafen des Landes wird, wie NRW-Verkehrsminister Riemer gestern im Landtag mitteilte, wegen militärischen Tiefflugschneisen im Münsterland nicht gebaut werden können. Die Landesregierung will aber nach wie vor "unter Berücksichtigung des Einzugsgebietes" an dem Projekt eines dritten Großflughafens im westfälischen Raum festhalten.

Wir sind der festen Überzeugung. daß dort ein Standort gefunden wer den kann, der sowohl den Interessen des Landes als auch militärischen Gegebenheiten entspricht", sagte der Minister. dessen Erklärung von der CDU-Opposition mit Missfallenskundgebungen quittiert wurde. Vor Journalisten schloß Riemer später ausdrücklich aus, daß dabei an einen Ausbau des Flughafens Greven oder an einen Standort am Niederrhein gedacht sei. Zur Klärung eventueller Entschädigungsansprüche wurde inzwischen ein Gespräch zwischen dem Minister und den münsterländischen CDU-Abgeordneten Möcklinghoff [Lüdinghausen und Ostrop [Nienberge] vereinbart.

Ostrop hatte im Plenum, indem er die Denkschrift der Landesregierung zum Flughafen Drensteinfurt ostentativ in die Höhe hielt, seine heftigen Vorwürfe gegen die Landesregierung mit den Worten eingeleitet: „Das war das Projekt des Fortschritts und der Zukunft." Schwierigkeiten für diesen Standort habe es immer gegeben, sagte Ostrop. Doch habe die Landesregierung und das sei ihr vor allem vor zuhalten immer so getan. als ob es diese Probleme nicht gebe. Wörtlich sagte Ostrop: „Vor den Wahlen machte die Landesregierung, wenn es um dieses Projekt Drensteinfurt ging, immer imposante Steilflüge. Wenn aber der Wind aus Bonn blies, geriet sie immer in gefährliche Turbulenzen.

An Riemer gewandt fuhr Ostrop fort: Sie setzen jetzt zu einer Landung an, die eine Bauch-, wenn nicht sogar eine Bruchlandung ist." Ostrop kündigte an, daß die CDU-Landtagsfraktion „die Geschichte und die Geschichtchen um diesen Flughafen" auf die Tagesordnung des Parlaments bringen werde. wenn dies nicht durch die Landesregierung selbst geschehe.

Ostrop schloss:
„Ein dreijähriges Gackern geht zu Ende. Wer jemals der Landesregierung zugetraut hatte daß sie mit dem Flu2hafen Drensteinfurt ein Ei legen würde, hat Ihre Legefähigkeit überschätzt. Auf die massiven Angriffe reagierte der SPD-Fraktionschef Kassmann nervös. Es handele sich nicht um eine Entscheidung der Landesregierung, sagte Kassmann. Schon vor Jahren sei, gestützt auf Gutachten. dieser Standort ausgesucht worden. Erst durch die von den Militärs geltend gemachten Schwierigkeiten sei die Verwirklichung des Projektes nun nicht mehr möglich.

    


Nach dem Scheitern des Flughafens - Entschädigung ist Pflicht | 25.1.1973


Münster I Drensteinfurt | Sendenhorst "Jau", sagt Heinz Horstmann, Landwirt zu Sendenhorst, „jetzt macht die Arbeit Spaß." Noch kein Jahr ist es her, da gestand derselbe Mann nicht einmal mehr zum Ausbessern der Weidezäune Lust zu haben, weil ungewiß wer. ob er nicht Nordrhein-Westfalens drittem Großflughafen weichen müsse.

Bild 2023: Alles wieder im Lot

Gestern besprach Horstmann mit einer Firma die Erríchung eines Silos. Denn nach dreijährigem Vor-sich-hin-Wursteln aus Ungewißheit über das künftige Schicksal gab das offizielle Eingeständnis vom Scheitern des Projekts jetzt den Startsschuß für emsige Anstrengunggen, den erlitteten Rückstand wieder aufzuholen. Doch obwohl die meisten der 60 Landwirte im Projektgebiet keinen Hehl aus ihrer Freude machen, daß der Traum von einer ohnehin ungeliebten Jet-Zukunft verpuffte, wird Horstmann als Vorsitzender der „Eigentümervereinigung der Flugplatzbetroffenen" nicht arbeitslos: Denn klar ist, daß die Bauern für geplatzte Regierungapläne nicht büßen wollen. "Wir fordern Entschädigung", betont Horstmann mit Nachdruck.

Die Landesregierung kann nicht umhin. sich finanziell zu engagieren", erklärt der Sprecher der Flughafengeschädigten. Zumal entstandenen Verlust durchaus meßbar ist. So waren die Gelder für eine Althofsanierung. die im Frühjahr 1970 beginnen sollte. zwar bewilligt. Doch kam es nie zur Ausführung. Jetzt kostet das Projekt wie der Archıitekt errechnete - 115.000 statt 90.000 Mark. Da die Mehrkosten verstärkte Eigenleistungen nicht gedeckt werden können, muss sich der betroffene Landwirt stärker verschulden. Hinzu kommt, daß die Gehöft~Sanierung bereits 1970 den Schweinebestand verdreifacht und damit erhöhten Erlös gebracht. hätte. Mehr Gewinn hätte auch die Verbesserung der Bodenqualitât durch Dränage erzielt. Auch diese Maßnahme unterblieb.

Unsere Landwirtschaft ist veraltet". so faßt Horstmann zusammen Und er fügt hinzu. daß die - wegen des harten Wettbewerbs auf dem Agrarsektor - dringend erforderliche Modernisierung der Betriebe für manchen eine harte Nuß ist". Denn die Preise sind in den verflossenen drei Jahren weggelaufen.

Zwar bestätigte gestern Düsseldorfs Verkehrsminister Riemer, daß er jeden Antrag auf Entschädigung juristisch in seinem Hause prüfen lassen wolle und sogar schon Grundlagen fair einen soldien Verwaltungsakt erarbeitet seien. Doch Klaus Giersiepen, Geschäftsführer der Eigentümervereinigung", mutmaßt. daß juristisch kaum etwas zu machen sein wird Rechtlich ist das sehr schwierig erklärt Giersiepen, hauptberuflicher Justitiar des Westfälisch-Líppischen Landwirtschaftsverbandes. Die auf Bitten des Landes unterlassenen Investitionen seien im Gesetzes-Deutsch als "faktische Veränderungssperre" zu bewerten, die drei Jahre ohne Anspruch auf Entsdıädigung verhängt werden kann. Allerdings gibt es für Giersiepen keinen Zweifel daran, daß sich Düsseldorf dennoch nicht vor finazieller Hilfe drücken kann: "Der Beschluß. den Großtlughafen zu bauen, wurde vom Land mit 150 prozentiger Sicherheit und nicht mit der erforderlichen 50prozentigen Wahrscheinlichkeit vorgetragen. Wegen dieses enfttäusten Vertrauens besteht eine moralische Verpflichtung, die ernstgenoınmen werden muß."

Eine ins Gespräch gebrachte Entschädigung pro Hektar lehnt er ab. Statt dessen schlägt er eine Überprüfung der betreffe neu 60 Betriebe durch die Landwirtschaftskammer vor. Dabei solle der wahrscheinlich entstandene Verlust taxiert werden, um die Höhe staatlicher Unterstiitzungsgelder zu ermitteln.

    


WLV: Minister Riemer nach Albersloh! T.Fritzen  | Landw. Wochenblatt | 4/1975


Wenn eine miserable Sache eine einzige gute Seite haben sollte, so ist es ihr Ende. Das muß auch von dem nun endgültig gescheiterten Plan gesagt werden, im Raum Albersloh/Drensteinfurt den dritten NRW-Großflughafen zu bauen. Nie zuvor in der nun über 25jährigen Geschichte Nordrhein-Westfalens hat die Landesregierung eine so einmütig schlechte Presse wie in diesem Fall gehabt, den auch der SPD nahestehende Zeitungen als Musterbeispiel einer Fehlplanung bezeichnen. Die Neue Ruhr-Zeitung" in Essen schreibt von „Blamage" der Landesregierung und von einer drittklassigen Beerdigung ihrer hochfliegenden Plane".

Wer in diesem Bild bleibt, hat nun freilich ergänzen: Die noch so einmütige Kritik an der Landesregierung und der einstimmige Chor beim großen Grabgesang helfen den Hinterbliebenen nichts: Das aber sind vor allem jene Landwirte bei Albersloh, die drei Jahre lang bei der Entwicklung ihrer Betriebe behindert waren. Um sie geht es nun. Um sie sollte sich die Landesregierung kümmern und nicht versuchen, mit dem Finger auf die schuldigen Militärs zu zeigen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen.

Das wäre ein schlechter Lohn für die Menschen, die Jahre der Ungewißheit über ihr Schicksal mit vorbildlicher demokratischer Disziplin getragen haben. Ihre nervlichen und seelischen Schäden sind ohnehin nicht wiedergutzumachen, umso unbürokratischer sollte versucht werden, wenigstens die materiellen Einbußen auszugleichen.

Die im Rückblick groteske Geschichte des „Projektes des Fortschritts und der Zukunft", wie eine blaue Schrift der Landesregierung vor der Landtagswahl 1970 den Plan Albersloh pries, ist an dieser Stelle mehrmals beschrieben worden. Es genügt daher, daran zu erinnern, daß im Frühjahr 1970 der Standort des Flughafens mit einem Flächenbedarf von 2000 Hektar als endgültig bezeichnet worden ist. Als Präsident Freiherr Heereman bei der großen Informationsversammlung am 20. April 1970 in Albersloh noch Zweifel an der Verwirklichung des Milliardenprojektes äußerte, sah man die Vertreter der Landesregierung nachsichtig lächeln: Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Kassmann, Staatssekretar Dr. Stakemeier und Ministerialdirigent Dr. Beine. Minister Kassmann sagte damals u. a., die Landesregierung werde alles in sauberer und ordentlicher Weise abwickeln".

Dazu dürfte es heute gehören, sich um die Folgen der Fehlplanung selbst zu kümmern. Das fordert auch der WLV, der in einer ersten Stellungnahme u. a. feststellte: Es wäre den betroffenen Menschen gegenüber unvertretbar, nun etwa so zu tun, als sei nichts geschehen. Der WLV erwartet, daß der Verursacher dieser Schäden die Landesregierung - - von sich aus zur Wiedergutmachung aktiv wird und Vorschläge unterbreitet." -

Wer so wie Düsseldorf in die Tinte getappt ist, dem stünde es wohl an, sich nun nicht hinter formaljuristische Argumente zurückzuziehen. Das wäre zu billig. Gewiß erwartet niemand, daß nun ein Füllhorn guter Gaben über Albersloh ausgeschüttet werden könnte. Es ist auch Tatsache, daß eine Veränderungssperre offiziell nicht bestanden hat. Aber jeder Landwirt dort war im Ausbau seines Betriebes behindert, nachdem er lesen und aus dem Munde des Ministers hören mußte, dafl spätestens 1980 die Riesenvögel des Weltluftverkehrs von eben seinem Acker starten würden, auf dein sich bisher nur Krähen bewegten.

Der WLV macht den Vorschlag, daß der jetzige Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Riemer nach Albersloh kommen sollte, um an Ort und Stelle darzulegen, was die Landesregierung zu tun gedenkt. Wie schon seit 1970, so will der WLV auch heute die Interessen der Betroffenen sachlich vertreten. Ihm liegt nicht daran, mit Phantasiezahlen operieren zu lassen. Die Schäden sind trotz aller verständlich Empörung in Albersloh nüchtern zu prüfen. Ebenso suchten sollte aber auch die Landesregierung anerkennen. daß sie nun nicht drücken kann F

Ein Besuch des Ministers wäre eine gute Geste der Einsicht. Dr. Riemer gehörte der Landesregierung noch nicht an, als sie 1970 ihren großen Plan veröffentlichte. Um so leichter sollte es ihm fallen, nun nach Albersloh zu kommen. Den Betroffenen ist nicht geholfen mit Grabgesängen und traurigen Tonen; sie erwarten Taten.

    


Flughafen in der Fernseh-Diskussion


Flughafen in der Fernseh-Diskussion

Bild:
Kabinett Kühn


Sendenhorst. Im Dritten Programm wurde vor einigen Tagen unter dem Thema „Hierzulande heutzutage eine Fernseh-Diskussion aus dem Kolpinghaus in Drensteinfurt ausgestrahlt, die sich mit dem in Frage gestellten Projekt des Großflughafens befaßte. Unser Mitarbeiter L. M. aus Sendenhorst verfolgte dieses Gespräch und notierte einige Beiträge aus der Diskussion, die wir im folgenden unseren Lesern übermitteln, die diese Sendung nicht aufgenommen haben. Diskussionsteilnehmer waren außer den Fernsehleuten Dahlberg und Kreeg der Bürgermeister von Drensteinfurt, Fels, der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer Münster, Schemmann, und der Vertreter der Eigentümervereiniung, Giersiepen.

Der zu dem Diskussionsgespräch erwartete Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Riemer, ließ ich wegen Wahrnehmung anderer Termine entschuldigen, will aber den Bildbericht eingehend Kenntnis nehmen und in einem späteren Termin den Betroffenen Rede und Antwort stehen. Zunächst brachte das Fernsehen einen kurzen Filmbericht über die betroffenen Gemeinden Albersloh, Sendenhorst und Drensteinfurt. Man zeigte u. a. von Sendenhorst das Ortsschild, die Kirche von der Westseite her, verschiedene Straßenansichten und gab dazu die Einwohnerzahl bekannt. In der sich dann anbahnenden Diskussion kam zunächst Giersiepen zu Wort, der auf die Planungsschädigung einging, die nicht nur die Gemeinden, sondern sie Grundeigentümer betreffe. Es wäre in Drensteinfurt von dem Protonenbeschleuniger gewesen, später im Zusammenhang die Rede damit das Großflughafenprojekt, über das man immer noch nichts Konkretes wisse. Bürgermeister Fels machte Ausführungen aus Drensteinfurter Sicht, wie Verlegung der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße, Bau- und Strukturpläne und Verwaltungsneugliederung.

Herr Schemmann von der IHK Münster brachte die Notwendigkeit des Großflughafens zum Ausdruck. Münster brächte die Notwendigkeit des westfälischen und süd-niederländischen Wirtschaftsraumes an das internationale Flughafennetz geschaffen werden, zumla die beiden anderen Flughäfen, Köln-Bonn & Düsseldorf 2-3 Stunden entfernt lägen.

Auf den Einwand von Lambert Dahlberg vom Westdeutschen Fernsehen, daß hohe Offiziere, wie Ministerpräsident Kühn hätten anklingen lassen, einen neuen Standort des Großflughafens im niederländischen Raum nicht für unpassend hielten, beharrte der Sprecher der IHK Münster auf dem hiesigen Standort. Bürgermeister Fels betonte, daß sich durch das schwebende Flughafenprojekt keine Industrie mehr in den betroffenen Gemeinden ansiedeln wolle. Herr Giersiepen verwies darauf, daß allein 60 Gehöfte dem Flughafen weichen müßten, die seit Jahrhunderten im Besitz der Familien wären: eine harte Maßnahme, wenn man die Mentalität der westfälischen Bauern kenne. Zwar wäre Ersatzland für die vertriebenen Bauern in ausreichendem Maße vorhanden, doch wer ginge schon gern von angestammter Scholle fort. Der Sprecher des Fernsehens fragte, ob vielleicht nicht die Bauern froh wären, ihren Hof "versilbern" zu können? Herr Giersiepen antwortete, daß könne vielleicht bei einigen zutreffen, die Mehrzahl der Bauern vertrete aber eine andere Ansicht. Auch den Hinweis Dahlbergs, daß dann gewissermaßen doch "ein goldener Westen" hier in der Gegend ausbrechen könnte, ließ man nicht gelten.

Der Vorsitzende der IHK Münster Schemmann setzte sich erneut für eine Verwirklichung des Projektes ein. Er sieht eine Verbesserung der Infrastruktur schon hinsichtlich der Arbeitsplätze, wenn man bedenke, dass der Rhein-Main-Flughafen 25.000 Personen beschäftige und damit der drittgrößte Arbeitgeber im Hessen-Land sei. Gerade die Kreise Münster, Beckum und Lüdinghausen Wirtschaftsstruktur durchaus gebrauchen. Bürgermeister Fels wies auf die Schädigung für die Gemeinden durch die projektierten Einflugschneisen hin. Herr Kreeg vom Fernsehen ging dann mit seinem Mikrophon unter die zahlreichen Zuschauer im Kolpinghaus Drensteinfurt. Er interviewte verschiedene Zuhörer. Bürgermeister Rüschenschmidt von der Gemeinde Albersloh betonte, daß seine Gemeinde bis jetzt schon durch die schwebenden Planungen erhebliche Strukturschäden habe hinnehmen müssen und schnitt dabei im Zusammenhang mit der Größe der gemeindlichen Gebietsabgabe die Benennung des Flughafens an. Der Hauptgemeindebeamte von Drensteinfurt unterstrich die Schädigung der Gemeinden in der Planung und Erschließung von Baugebieten. Auch Interessenvertreter der Bauern des Sendenhorster Raumes, Heinz Horstmann, gab als betroffener Bauer eine sehr sachgerechte und treffende Stellungnahme ab. Er ging auf die vom früheren Verkehrsminister Kassmann seinerzeit herausgegebene blaue Broschüre mit der Ankündigung des Grunderwerbs bis 1975 ein und bat die maßgebenden Beamten in Düsseldorf um eine endgültige Entscheidung, damit die Herzen der Bauern wieder ruhiger und höher schlagen könnten. Der Vorsitzende der IHK Münster setzte sich erneut für eine Verwirklichung des Projekts ein. Er sieht eine Verbesserung der Infrastruktur schon hinsichtlich der Arbeitsplätze, wenn der Rhein-Main-Flughafen 25 000 man bedenke, daß Personen beschäftige und damit der drittgrößte Arbeitgeber im Hessenland sei. Gerade die Kreise Münster, Lüdinghausen und Beckum der Vorsitzende der SPD von Drensteinfurt pflichtete den Vorrednern bei, endlich in Düsseldorf eine abschließende Entscheidung zu fällen, die nach der Debatte im Landtag am 17. Mai 1972 erst zum 1. Oktober in Aussicht gestellt wurde.

Beim Schlußwort beharrte Herr Giersiepen auf eine ausreichende Entschädigung aller Planungsgeschädigten, während der Vorsitzende der Schemmann, trotz aller Schwierigkeiten das Flughafenprojekt dennoch realisiert sehen möchte.

    


Als 50 Höfe mal fast verschwunden waren | 11.1.2013 | J. Thesing


Sendenhorst / Albersloh / Drensteinfurt - Es sollte ein Verkehrsprojekt mit internationalem Format werden. Anfang der 1970-er Jahre wurde für das Gebiet zwischen Sendenhorst, Dreinsteinfurt und Albersloh ein Großflughafen geplant, der die Region und das Ruhrgebiet an die Welt anbinden sollte. Genau vor 40 Jahren wurden die Plane nach vielem Hin und Her beerdigt. -

Das Gebiet zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt sähe heute sicher anders aus. Über Umgehungsstraßen würde kein Mensch mehr reden, die wären stets gut befahren. Eine Autobahnzufahrt gäbe es wohl auch. Vermutlich würde es auch auf der WLE-Strecke regen Personenverkehr geben. Und über erhebliche Leerstände von Geschäftslokalen in den Innenstädten würde wohl auch niemand klagen. Ob die Menschen allerdings zufriedener wären als heute – das darf sicher bezweifelt werden.

Doch es kam eben doch anders. Mitte Januar 1973 – also heute vor 40 Jahren – wurden in Düsseldorf die Pläne für einen Großflughafen beerdigt. Im Jahre 1970 war das südliche Münsterland als Standort für einen dritten Flughafen in NRW – neben Düsseldorf und Köln-Bonn – auserkoren worden, da die bisherigen Flughäfen an ihre Kapazitätsgrenzen stießen und das Münsterland, das südliche Niedersachsen sowie Westfalen-Lippe nach Ansicht der Landesregierung und auch von Verkehrsplanern bisher unzureichend an das Luftverkehrsnetz angeschlossen waren.
Dass die Region zwischen Drensteinfurt, Sendenhorst und Albersloh auserkoren worden war, hatte nicht nur verkehrstechnische Gründe. Es sollte auch eine Art Trostpflaster sein für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers bei Drensteinfurt. Auch dieser hätte die Stadt sicher berühmter gemacht als sie heute ist. Aber auch das wurde nichts.

2000 Hektar Land waren für den Flughafenbau ins Auge gefasst worden, heißt es in damaligen Zeitungsberichten. Die gesamte Bauerschaft Alst sollte dem Projekt weichen. Der Airport sollte nach ersten Berechnungen 1,1 Milliarden Mark – ohne Grunderwerb – kosten. Für „spätere Jahre“ wurde seinerzeit ein Ausbau mit einer weiteren Start- und Landebahn ins Auge gefasst. Von 130 Starts und Landungen in der Stunde war die Rede.
Das versetzte die einen in Goldgräberstimmung, andere befiel die blanke Panik. Die Bauern fürchteten um die Existenz ihrer zum Teil seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindlichen Höfe. Etwa 50 Gehöfte, so wurde damals gerechnet, würden verschwinden.

An den Stammtischen und bei vielen Treffen ging es fast nur noch um das Thema Flughafen. Die betroffenen Landwirte stellten alle weiteren Planungen zurück, Kaufleute hingegen sahen gute Geschäfte.
Die Bewohner dieses Teils des Münsterlandes fürchteten aber eines ganz besonders: den Fluglärm. Auch die Stadt- und Amtsverwaltungen waren verunsichert. Einige Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeindedirektoren gingen auf die Barrikaden. Können überhaupt noch weitere Baugebiete realisiert werden?, war eine der vielen Fragen.

Stinksauer waren alle jedoch über eines: fehlende detaillierte Informationen aus Düsseldorf und der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Und so wurde unter anderem auch darüber spekuliert, dass das St.-Josef-Stift möglicherweise der Lärmschutzzone würde weichen müssen.
Doch auch die Landes- und Bundespolitiker taten sich schwer mit der Umsetzung. Nicht nur aus planerischen und finanziellen Gründen. Verteidigungsminister Helmut Schmidt und Verkehrsminister Georg Leber waren eingeschaltet.
Am Ende scheiterte das Projekt aber vor allem aus Gründen der Flugsicherung. Die britische Besatzungsmacht legte ihr Veto gegen den Flughafen ein. Das Münsterland war während des „Kalten Krieges“ von zahlreichen Tiefflugschneisen durchzogen, besonders auch der Bereich des geplanten Großflughafens.

Vielleicht hätte jemand vor den Planungen mal die Briten fragen sollen.

    


Außer Spesen nix gewesen | 30.12.2012 | Stephan Ohlmeier


Hoetmar - Zwei Hochhäuser an der Ahlener Straße künden von hochtrabenden Plänen der NRW-Landesregierung, die Anfang der 70er- Jahre über den Bau eines Großflughafens Westfalen nachdachte, der bei Sendenhorst hätte entstehen sollen.

Die beiden Hochhäuser auf der Ahlener Straße mit 16 Wohnungen wirken wie ein Fremdkörper im Hoetmarer Dorfbild. Sie bilden einen zusammenhängenden Komplex mit Flachdach, der nur zur Straßenseite hin rot verklinkert ist. Ihr einst weißer seitlicher Putz hat sich über die Jahre dunkel verfärbt. Hinter den beiden Hochhäusern steckt aber eine Geschichte, die Anfang der 70er-Jahre fast das ganze Münsterland verändert hätte.

„Damals sollte der Großflughafen Westfalen zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt gebaut werden“, erinnert sich Ewald Drees, langjähriges CDU-Ratsmitglied: „Ein Ahlener Investor hat die Hochhäuser für Flughafenmitarbeiter gebaut.“ Ein Schnellschuss, wie sich zeigen sollte.

Am 13. März 1970, einem Freitag übrigens, kündigte die NRW-Landesregierung offiziell den Bau des dritten internationalen Airports in Nordrhein-Westfalen neben Köln-Bonn und Düsseldorf für die Sendenhorster Bauerschaft Alst an. Eine Woche später enthüllte ein neuer Generalverkehrsplan Details: Ein Flächenbedarf von 2 000 Hektar Land und Baukosten bis zum Endausbau und ohne Grunderwerbskosten von 1,1 Milliarden D-Mark. Ziel war es, sowohl das Münsterland, als auch das nördliche Ruhrgebiet infrastrukturell zu stärken.

Nach Sachverständigengutachten sollten der erste und zweite Bauabschnitt zusammengelegt werden und zunächst unter anderem zwei 4 000 Meter lange Start- und Landebahnen, Rollbahnen von sieben Kilometern, Abfertigungseinheiten für den Fluggast- und Frachtbereich, eine Werkstatt, ein Verwaltungs- und Hotelgebäude sowie ein Kontrollturm entstehen. Kostenpunkt 210 Millionen D-Mark. Der neue internationale Flughafen Westfalen sollte spätestens 1980 eröffnen und jährlich 30 Millionen Fluggäste haben – das entspricht 80 Starts oder Landungen pro Stunde Tag und Nacht – und zwei Millionen Tonnen Fracht pro Jahr umschlagen.

In weiteren Ausbaustufen sollten drei weitere 2 500 Meter lange Start- und Landebahnen, davon eine Querwindbahn für 890 Millionen D-Mark entstehen. Damit hätte sich die Fluggastkapazität auf 40 Millionen Fluggäste erhöht. Gemessen an den Passagierzahlen hätte der Kreis Warendorf heute mit München den zweitgrößten Flughafen Deutschlands, der Flughafen Düsseldorf vermeldete beispielsweise für 2011 „nur“ 20 Millionen Fluggäste. Vom Flughafen Frankfurt am Main fliegen jährlich knapp 56 Millionen Gäste in die weite Welt. und der neue Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg ist in der ersten Ausbaustufe für 27 Millionen Gäste ausgelegt.

„Viele Hoetmarer hatten natürlich Angst vor dem Fluglärm“, erinnert sich Ur-Hoetmarer Willi Tertilt. Zumindest für die Querwindbahn wäre das Golddorf zur direkten Einflugschneise geworden. Tertilt ging damals in Hamburg zur Schule, wo selbst sein Schulleiter von den Plänen aus Westfalen gehört hatte.

Im Dorf gab es aber nicht nur Flughafengegner, wie Georg Hübner weiß: „Viele haben auf einen Aufschwung und neue Arbeitsplätze gehofft. Ich hätte mit meinem Malerbetrieb sicherlich vom Bau profitiert.“ Die Stimmung war also geteilt.

„Der Flughafenbau war so gut wie beschlossen“, weiß der heutige CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum noch. Das Großprojekt scheiterte aber am Veto der damaligen britischen Besatzungsmacht. Durch das Münsterland verliefen damals zahlreiche Tiefflugschneisen für die unter anderem in Gütersloh stationierte britische Royal Air Force und für NATO-Jets. Eine Umlegung des komplizierten Systems scheiterte, obwohl NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn einen engen Dialog mit Bundeskanzler Willi Brandt suchte. Nach einem Zwischenbescheid Ende September 1972, begrub die NRW-Landesregierung am 17. Januar 1973 endgültig den Traum vom internationalen Airport Westfalen. Weitreichende Folgen sind bis heute zu spüren. „Zwischen 1968 und 1972 wurde nahezu sämtliche Straßenbauprojekte im Münsterland verschoben, da man auf eine überregionale Anbindung hoffte“, so Martin Schäpermeier, Vorsitzender der CDU-Ortsunion Warendorf. Schäpermeier ist überzeugt, dass unsere Region heute verkehrsstrukturell deutlich besser angeschlossen wäre, hätte es keinen Planungsstopp gegeben. Unter anderem wäre die B64n wahrscheinlich längst Realität. Ebenso wären Diskussionen über die Wiederbelebung der Westfälischen-Landeseisenbahn (WLE) heute überflüssig. Zum Flughafen sollte auf der WLE-Trasse eine Schnellverbindung ab Münster entstehen. Zudem gab es Überlegungen, Münster an das S-Bahn-Netz in Rhein-Ruhr anzuschließen.

Die Idee vom Flughafen Westfalen, der zwischen 1969 und 1973 als Lieblingsprojekt aller Parteien galt, entstand übrigens aus einer ähnlich abstrusen Geschichte: Er sollte als Trostpflaster für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers in der gleichen Gegend dienen. Der Teilchenbeschleuniger wurde erst 1989 in Genf, wo sich der Hauptsitz der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) befindet, gebaut.

Obwohl das Projekt vom Anschluss an die große weite Welt im Münsterland Anfang der 70er-Jahre scheiterte, sind viele heutige Bewohner hierüber nicht unglücklich. Sicherlich hätte sich die heimische Region gerade industriell gravierend anders entwickelt, andererseits müssten die Einheimischen heute aber unter dem enormen Fluglärm leiden.

    

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