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Ausgegraben - Utmuuert Anlässlich des 700-Jahre Stadtjubliläums

Ausgegraben – Geschichte zum Ansehen: Die Stationen machen besondere Ereignisse aus der Sendenhorster Stadtgeschichte sichtbar. Sie verbinden Orte in der Innenstadt mit Themen aus mehreren Jahrhunderten: Stadtwerdung, Bevölkerung, Glauben, Verfolgung, jüdisches Leben, Stadtbrand, Stadtsanierung und wirtschaftlicher Wandel. So entsteht ein kurzer Rundgang durch 700 Jahre Stadtgeschichte.

DIe Stationen in der Stadt

14. Jahrhundert
Doppelstandort / Schlabberpohl
Stadtwerdung Sendenhorsts

Die Station erinnert an die Stadtwerdung Sendenhorsts. Als Stadtgeburtstag gilt der 11. August 1315. In einer Urkunde wird Sendenhorst damals als Ort „infra oppidum“, also innerhalb der Stadt, erwähnt. Eine eigentliche Gründungsurkunde ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie bei einem der vielen Stadtbrände vernichtet. Die Stadtgründung selbst wird um 1310 mit Fürstbischof Ludwig II. von Hessen in Verbindung gebracht. Sendenhorst als Siedlungsraum ist jedoch deutlich älter. Die Bauerschaft Seodenhurst beziehungsweise Seondonhurst wird bereits im Jahr 890 n. Chr. genannt. Zur Station gehört auch der Blick auf frühe Zeichen städtischer Ordnung, etwa das erhaltene Stadtsiegel. So wird deutlich: Sendenhorst entstand nicht plötzlich, sondern entwickelte sich aus älteren Siedlungsstrukturen Schritt für Schritt zu einer Stadt.

15. Jahrhundert
Sparkassen-Foyer
Willkommschatzung und Münzschatz

Die Station zum 15. Jahrhundert greift zwei wichtige Spuren auf: die Willkommschatzung und den Sendenhorster Münzschatz. Die Willkommschatzung von 1498 gibt einen seltenen Einblick in die damalige Bevölkerung. Erfasst wurden abgabepflichtige Haushalte und Personen; Kinder unter zwölf Jahren wurden nicht mitgezählt. Notiert wurden 94 Haushalte mit 549 Personen. Dargestellt sind außerdem Münzen. Sie erinnern an den Sendenhorster Münzschatz aus der Zeit um 1425, der 1932 gefunden wurde. 33 Originale aus diesem Fund befinden sich mittlerweile im Eigentum des Heimatvereins. Der Münzschatz zeigt, dass auch wirtschaftliche Zeugnisse aus dem mittelalterlichen Sendenhorst erhalten geblieben sind.

16. Jahrhundert
Kirchstraße / Pfarrbücherei
Pastor Heinrich Hölscher

Heinrich Hölscher war rund 40 Jahre Pfarrer in Sendenhorst. Seine Zeit war von großen Unsicherheiten geprägt: Die Niederlande kämpften um ihre Unabhängigkeit von Spanien, der Krieg griff mehrfach auf das Münsterland über, Sendenhorst und Albersloh wurden geplündert, Pest, Hunger und Elend prägten das Leben vieler Menschen. Überliefert ist auch eine persönliche Besonderheit des Pfarrers: Heinrich Hölscher soll eine Konkubine gehabt haben, möglicherweise sah er sich selbst sogar als verheiratet an. Auch von Kindern ist die Rede. Vor dem Hintergrund von Krieg, Krankheit und Not erscheint diese Geschichte heute fast wie eine Randnotiz, war aber für die kirchliche Obrigkeit jener Zeit ein schwerer Konflikt. Dargestellt ist unter anderem ein Messgewand.

17. Jahrhundert
Placken
Hexenwahn und Aberglaube

Diese Station erinnert an die Zeit der Hexenverfolgung. Viele unschuldige Frauen, aber auch Männer wurden in dieser Zeit beschuldigt, verfolgt und in vielen Fällen hingerichtet. Auch in Sendenhorst und Albersloh sind Fälle überliefert, die zeigen, wie stark Angst, Aberglaube und religiöse Deutungen das Denken prägen konnten. In Sendenhorst wurde unter anderem überlegt, einen bereits bestatteten Toten wieder auszugraben und den Leichnam zu verbrennen. Anlass war ein schweres Unwetter, das bei der Beerdigung ausgebrochen war und als Zeichen gedeutet wurde. Aus Münster wurde dieses Vorgehen jedoch untersagt. In Albersloh ist ein besonders tragischer Fall überliefert: Eine 14-jährige Tochter denunzierte die eigene Mutter. Die noch nicht verurteilte Frau erhängte sich später im Gefängnisturm in Wolbeck.

18. Jahrhundert
Promenade / Jüdischer Friedhof
Jüdisches Leben in Sendenhorst

Die Station erinnert an die jüdische Gemeinde in Sendenhorst, die über viele Jahre zum städtischen Leben gehörte. Jüdische Familien prägten Handel, Wirtschaft und Alltag mit und waren Teil der Geschichte der Stadt. Gleichzeitig verweist die Station auch auf Ausgrenzung, Boykott und das spätere Verschwinden der jüdischen Gemeinde aus Sendenhorst. Der im Zuge des Pfades wieder öffentlich zugänglich gemachte jüdische Friedhof an der Promenade ist eine besondere Bereicherung für die Stadtgeschichte. Er ist nicht nur ein Erinnerungsort an die jüdischen Familien Sendenhorsts, sondern zugleich ein Bodendenkmal. An dieser Stelle ist ein erhaltener Teil des früheren Stadtwalles sichtbar geblieben.

19. Jahrhundert
Schleiten
Der große Stadtbrand von 1806

Am 29. April 1806 brach einer der schwersten Stadtbrände in der Geschichte Sendenhorsts aus. Das Feuer begann am Schleiten im strohgedeckten Fachwerkhäuschen des Webers Anton Schlüter. Durch Wind, enge Bebauung und leicht brennbare Materialien breitete sich der Brand rasch aus und legte große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Sendenhorst wurde in seiner Geschichte mehrfach von Bränden getroffen, etwa durch Krieg, beim Trocknen von Flachs zu nah an der Feuerstelle oder durch Unachtsamkeit. Überliefert sind auch kuriose Brandgeschichten: ein Junge, der beim Versuch, ein Huhn zu fangen, seine Öllampe umwarf, oder ein Schmied, der seiner Frau im Zorn ein glühendes Hufeisen hinterherwarf. Der Brand von 1806 aber war besonders verheerend: Viele Wohnhäuser, kirchliche Gebäude und öffentliche Einrichtungen wurden zerstört.

20. Jahrhundert
Schulstraße
Stadtsanierung und Verlust alter Stadtbilder

Die Stadtsanierung der 1970er Jahre veränderte das Gesicht Sendenhorsts erheblich. Viele schöne Fachwerkhäuser, alte Gaststätten und Brennereien wurden abgerissen. Besonders im Bereich der Schulstraße ist der Einschnitt deutlich sichtbar. Dort trifft der Begriff „Kahlschlag“ aus heutiger Sicht an vielen Stellen zu. Gleichzeitig ist die Geschichte nicht nur eine Verlustgeschichte. Durch den Einsatz engagierter Bürger konnten an anderer Stelle Ensembles und historische Straßenbilder erhalten bleiben. Südstraße, Oststraße und Nordstraße sind bei genauerem Hinsehen nicht so stark verändert worden, wie man zunächst meint. Auch an der Weststraße stehen bis heute einige der schönsten Gebäude Sendenhorsts. Die Station stellt deshalb die Frage, was verloren ging und was bewahrt werden konnte: Das Glas der Altstadt ist mindestens noch halb voll.

21. Jahrhundert
Schlabberpohl
Leinen, Schnaps und Kunststoff

Diese Station fasst die prägenden Wirtschaftszweige Sendenhorsts zusammen. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten viele Bürger von der Leinenweberei. Damals wurde noch in den Häusern gewebt. Die Leinenweberei brachte der Stadt und dem umliegenden Kirchspiel über lange Zeit Arbeit und Aufschwung, verschwand aber mit dem Wandel zur industriellen Produktion. Nach dem Niedergang der Hausweberei wurde die Branntweinproduktion zu einem wichtigen Erwerbszweig. Zu Spitzenzeiten im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts produzierten mindestens zwölf Brennereien im Ort und weitere im Kirchspiel, also in den Bauerschaften rund um Sendenhorst. Später entwickelte sich mit der Kunststoffindustrie ein neuer Schwerpunkt. Mit der VEKA AG wurde Sendenhorst Sitz eines international erfolgreichen Unternehmens und eines der wichtigsten Arbeitgeber vor Ort. Zu sehen sind deshalb sinnbildlich eine Rolle Garn, eine Flasche Bohnekamp und ein Kunststofffensterprofil.

 

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