Das gelbe Skript aus der Grundschule... Geschichte schon für unsere Kleine nahe gebracht. Der Kenner kennt das Skript noch!
Vom Weiler zur Stadt Sendenhorst Kap 1-1
Bild: Sachsenhaus bei Warendorf
Um 600 n. Chr. wanderten Bauern aus dem Sachsenstamm in das Sendenhorster Gebiet ein. Auf dem Kiessandrücken westlich der jetzigen Stadt begannen sie Getreide anzubauen. Hier fanden sie einen leicht
zu bearbeitenden Boden. Die ersten Hofesstellen errichteten sie nahe bei ihren Äckern.
Durch Ausgrabungen in
Warendorf wissen wir, wie ein Bauernhaus um 700 n. Chr. aussah. Aus Lehm, Stroh und Holz bauten die Siedler ihre Häuser. Sie waren etwa 20 Meter lang und in der Mitte 5-6Meter breit. Rund um das
Haupthaus lagen Grubenhäuser, die 70 cm in den Boden gesenkt waren. Hier lagerten die Vorräte, und hier verarbeiteten die Frauen die faserige Flachspflanze zu Leinen. Beckumer Tor (Osttorhaus)Die
Siedlung (auch Weiler genannt) bestand damals aus 5 - 6 Höfen.
In der Umgebung gab es noch weitere kleine Siedlungen, aus denen sich später die Bauernschaften entwickelt haben. Als die Sachsen den
christlichen Glauben angenommen hatten, leisteten einige Höfe Abgaben an die Klöster. In den Verzeichnissen des Klosters Werden an der Ruhr wird
SEONDONHURST um 890 zum ersten Mal erwähnt. Die Nonnen zu Freckenhorst schrieben in Ihre Heberegister (Abgabenverzeichnisse) um1100 SENDINHURST. Auch die alten Bauernschaftsnamen Elmhurst, Braht,
Harth und Judanishuvil werden in den Heberegistern erwähnt.
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Bedeuten könnte der Name unserer Stadt "Versammlungsort im Walde". Im Jahre 1175 erscheint in einer Urkunde erstmalig das
Kirchdorf SENDENHORST in der heutigen Schreibweise. Der Adlige Hermann von Sendenhorst stand um 1130 in den Diensten des Bischofs von Münster. Er bewohnte wahrscheinlich das Burghaus (mit Mauern
befestigte Hofanlage) auf dem Drostenhof, dessen Überreste man 1975 beim Bau des Bürgerhauses fand. Rund um die Pfarrkirche siedelten sich Krämer, Handwerker und Tagelöhner an.
Das Dorf Sendenhorst entstand.Aufgabe: Suche dieses Wappen und erkunde die richtigen Farben!
1315 wird dann Sendenhorst erstmals opidum = Stadt genannt. Fürstbischof Ludwig von Hessen, ein Urenkel der Hl. Elisabeth
von Thüringen, verlieh den Sendenhorstern Stadtrechte und ließ die Siedlung befestigen. Rund um Sendenhorst entstanden Wall und Gräben mit den vier Stadttoren im Norden, Osten, Süden und Westen. Die
Befestigung bewahrte die kleine Stadt jedoch nicht vor Überfällen und Einquartierungen von Soldaten. 1323 verwüstete Graf Engelbert von der Mark aus dem benachbarten Hamm die kleine Stadt und brannte
sie nieder. Im Dreißigjährigen Krieg hauste für einige Tage der "tolle Christian von Braunschweig" in Sendenhorst. Er erschien vor dem Wall und drohte, die ganze Stadt zusammen zuschießen. Daraufhin
ließ man ihn aus Angst ein.
Brände im alten Sendenhorst Kap 1-2
In der geschichtlichen Entwicklung der kleinen Stadt Sendenhorst spielen die Brände eine beträchtliche
Rolle. Die Anzahl und Heftigkeit lassen uns heute noch überraschen. Meistens waren Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit die Ursache für die verheerenden Feuersbrände. Blättern wir einmal in der
Chronik unserer Stadt:
Im Jahre 1746 brannte das Haus des Schmieds Hermann Bering, das damals die Nummer 205 trug, nieder. Hermann Bering hatte, als er schmiedend an der Esse (Schmiedefeuerstelle) stand, im Zorne mit einem
glühenden Eisenstück nach seiner Frau geworfen. Es entstand ein Brand, der das Beringsche Haus in Asche legte.
Am 19.September 1749 entstan
d in dem früher mit der Nummer 208 bezeichneten Hause, also dicht bei dem Hause des Schmieds Bering, eine Feuersbrunst, die zu den größten zählt, die
Sendenhorst jemals getroffen hat. Wie es heißt, hatte man am Feuer Flachs zum Trocknen aufgehängt, der in Brand geriet; und in kurzer Zeit stand das ganze Haus in hellen Flammen. Von hier aus griff
das Feuer weiter um sich und zerstörte alle Häuser bis zum Südtor. Mehr als hundert Häuser, in denen die Ernte zum großen Teil schon aufgebracht war, gingen in diesen Tagen in Flammen auf. Auch das
Pfarrhaus wurde von den Flammen vollständig vernichtet.
Am 17.April 1751 brach wieder in der Nähe der beiden letzten Brandherde, diesmal im Hause Nummer 202, eine Feuersbrunst aus. Das Haus lag dem Garten des Pastors gegenüber und wurde von dem Schmied
Osthues bewohnt. Die Ursache dieses Brandes war ähnlich der des letzten großen Brandes. Man führt die Entstehung darauf zurück, dass beim Schmieden des Eisens eines von den umhersprühenden, glühenden
Eisensplitterchen sich im Flachs verfing, der zum Trocknen in der Schmiede hing. Das Feuerzerstörte alle Gebäude bis zum Westtor. In dem Haus dieses Schmieds Osthues soll übrigens früher schon mal
ein Brand ausgebrochen sein.
Am 10.April 1764 wurde Sendenhorst abermals von einem größeren Feuer heimgesucht. Es war am Abend, als ein sechsjähriger Junge im Haus Nummer 32 mit einer Öllampe auf die Hille (Futterboden)
kletterte, um ein Huhn zu fangen. Es ist kaum zu verstehen, dass die Eltern es duldeten, dass so ein kleiner Junge mit einer Lampe zwischen den leicht brennbaren Stoffen gehen durfte, um ein Huhn zu
fangen, was schon Erwachsenen Schwierigkeiten macht. Und diese Unvorsichtigkeit rächte sich bitter: Es entstand ein Brand, der auf die Nachbarhäuser übergriff, und 17 Häuser gingen an diesem Abend in
Flammen auf.
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Am 29.April 1806, nachmittags um zwei Uhr, entstand auf dem Schleiten im Haus des Webers Schlüter aus nicht bekannt gewordener Ursache die größte Brandkatastrophe, die Sendenhorst jemals heimsuchte.
Gott gebe, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben müssen. Begünstigt durcheinen heftigen Wind breitete sich das Feuer in solch einer Schnelligkeit aus, dass in wenigen Stunden 154 von damals 280
Wohnhäusern in Aschelagen. Auch der Turm der alten Kirche, das Rathaus und das Pfarrhaus wurden ein Raub der Flammen. Nur Häuser an der Südstraße und ein Teil des Nordviertels blieben vom Feuer
verschont. Am Baustil und an den Inschriften kann man heute noch mit ziemlicher Sicherheit feststellen, wieweit das Feuer um sich gegriffen hat.
Die Chronik erzählt uns, dass in den betrachteten 60 Jahren, die Stadt fast zweimal ganz abgebrannt ist. Fragen wir nach den Ursachen dieser häufigen Brände, so lag es oft am Trocknen des Flachses in
den Backöfen oder auf den Stubenherden. Weiterhin lag
es an der Bauart der noch im allgemeinen mit
Stroh gedeckten Häuser. Hinzu kam noch die beengte Lage der Häuser, die sich dicht aneinander -drängten, so dass im Falle eines Brandes gleich auch die Nachbarschaft in Flammen aufzugehen drohte. Man
musste Wege finden, die Ausbruchsgefahren zu vermindern und ein erst einmal ausgebrochenes Feuer schnell und wirkungsvoll zu bekämpfen. Nachbarschaftliche Hilfe galt als höchstes Gebot. Nun versuchte
man immer mehr, alles zu beseitigen, was die Feuersgefahr erhöhte. Ein jeder musste einen ledernen Wassereimer und den Haken am rechten Platz haben. Beinahenden Sommergewittern stellte man einen
Kübel Wasser vor seine Tür. Viel später entstand aus diesen Anfängen die Feuerwehr. Auch heute noch gilt für jeden Feuerwehrmann der alte Wahlspruch: Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.
Aufgabe:
1. Weißt du, wo dieses Feuerwehrhaus gestanden hat . (Schau dir das Foto von der Wößmannschen Mühle genau an, dort entdeckst du es vor dem Sankt-Josef-Stift)
2. Weißt du, wo heute das Feuerwehrgerätehaus steht.
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Der Sendenhorster Münzschatz Kap 1-3
Es war am 30. November 1932. Auf dem Steinkühlerfeld südlich von Sendenhorst wurde gegraben, als plötzlich
einer der Arbeiter mit dem Spaten auf zwei Tonkrüge stieß. Bei genauerer Untersuchung fand sich, dass die Krüge 42 Gold- und über 3000 Silbermünzen enthielten, von denen viele eine Prägung aus dem
Jahre 1425 n. Chr. aufwiesen.
Eigenartigerweise erzählte man sich in Sendenhorst von einem solchen Schatz folgende Sage: Vor langer Zeit ritt ein
Kaufmann über die alte Handelsstraße von Münster nach Ahlen. Hi
n und wieder
griff er nach seinem reich mit Geldstücken gefüllten Felleisen, das er am Sattelzeug befestigt hatte. In der Nähe von Sendenhorst traf er auf einen Bauern. Freundlich grüßte er den Landmann, der
neben der einsamen Straße seinen holprigen Acker pflügte. Dieser schaute dem weiter reitenden Fremden hinterher. Da sah er, wie sich ein Gegenstand vom Pferd löste und auf die Erde fiel. Schnell lief
er hin, um nach zu schauen und war außer sich vor Freude, als ihm aus einem Ledersack viele Geldstücke entgegen blinkten. Der Bauer versteckte das Geld und pflügte dann weiter, als sei nichts
geschehen. Inzwischen hatte der Kaufmann den Verlust seines Vermögens bemerkt. Wiederholt ritt er die letzte Wegstrecke auf und ab. Vergebens untersuchte er jedes Schlagloch und jede Wagenspur. In
der festen Überzeugung, dass nur der Bauer das Geld haben könne, ritt er auf den Acker und fragte den Landmann nach dem Schatz.
Doch dieser schaute kaum auf. Ihn störte weder das Flehen des Kaufmanns noch eine versprochene hohe Belohnung. Zuletzt rief der verzweifelte Reiter dem Finder die Worte zu: "Nur du kannst mein Geld
haben. Gib es heraus, sonst ist der Schatz verflucht. Keinem soll er Glück bringen. Niemals soll auf deinem Hofe einmännlicher Erbe geboren werden!" Dann sprengte er davon. Ein unheimliches Grauen
erfasste den Bauern. Krumm und schief lief der Pflug durch das Land. "Lieber will ich einen Erben haben, als das viele Geld", murmelte er grübelnd vor sich hin und vergrub den Schatz.
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Gerichtsort Sendenhorst Kap 1-4
Noch bevor der Ort Sendenhorst Stadt genannt wurde, besaß er ein sogenanntes Freigericht, das für schwere
Straftaten wie Mord und Raubeinberufen wurde. Das Gericht wurde unter freiem Himmel an einerbesonderen Stelle, z.B. unter einer alten Eiche vor der Stadt, abgehalten. Die Richter hießen
Freigrafen.
Das Gogericht der Stadt wurde für kleinere Straftaten einberufen. Den Vorsitz führte der Gograf. Bei schweren
Verbrechen konnte es nur tätig werden, wenn der Übeltäter auf frischer Tat ertappt wurde. Durch Glockengeläut vom Kirchturm forderte man die Bevölkerung zur Verbrecherjagd auf. Der dann Gefasste
konnte vom Gografen sofort verurteilt und das Urteil vollstreckt werden.
Mit Verleihung der Stadtrechte (1315) erhielt Sendenhorst ein Stadtgericht, das sich hauptsächlich mit Beurkundungen beschäftigte. Viel Arbeit gab esfür den Stadtrichter allerdings nicht. Etwa Mitte
des 16. Jahrhunderts wurde das Go- und Stadtgericht dann zusammengelegt.
Mit der Zeit verloren die Freigerichte an Bedeutung. Da die Stadtrichterwenig Einfluss besaßen, und die Gografen der Täter nicht mehr hab haft werden konnten, breitete sich im Land Rechtlosigkeit
aus. So entstanden die heimlichen Standgerichte, die Feme. Sprach ein Femegericht ein Todesurteil aus, wurde es augenblicklich vollstreckt. Die Richter und Schöffen der Femegerichte waren angesehene
Leute. Die Macht der Femegerichte war so groß, dass selbst Herzöge oder Bischöfe aus weiter entfernten Gegenden es nicht wagten, einer Vorladung der heimlichen Feme nicht zu folgen.
Sofern man der Überlieferung trauen darf, wurde nach einem Femeurteil in Sendenhorst im Jahre 1516 vom Fürstbischof zu Münster das Femegericht verboten. Aus dem 17.-19. Jahrhundert sind viele Akten
der verschiedensten Prozesse erhalten geblieben. Häufigste Vergehen waren Diebstahl und Raub, die für unser heutiges Rechtsempfinden erschreckend hart bestraft wurden. Aus dem Jahre 1699 ist
sinngemäß folgendes Urteil überliefert:
In peinlicher Sache wird zu Sendenhorst verhandelt. Der anwesende Henrich Veltmann wird beschuldigt, dass er bei Lindemanns und Pastors Haus zu Westkirchen, sowie an der Mühle zu Enniger, bei
Dobbeler zu Sendenhorst usw. die Wände und Fenster selbst und mit Anderen aufgebrochen, die Schlösser weggeschlagen und Kleidung, Brot, Butter, Käse, Fleisch und anderes Essbares gestohlen, sowie mit
seinen Kameraden Kühe und Gänse auf der Weide geschlachtet zu haben. Er ist für schuldig befunden und zu seiner wohl verdienten Strafe, anderen der gleichen diebischen Gesinde zum Abscheu, an den
Galgen mit dem Strang vom Leben zum Tod hinzurichten.
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Abschreckend und hart waren die Strafen, aber sie sollten die Mitmenschen warnen und den Straftäter zur Reue veranlassen. Gefängnisse für das Absitzen langjähriger Strafen gab es nicht. Von der
körperlichen Züchtigung und öffentlichen Schande versprach man sich bessere Wirkung. So war es kein Wunder, wenn ein Gestrauchelter sein ganzes Leben lang geächtet blieb und kaum wieder Anschluss an
die menschliche Gesellschaft fand.
Fragen:
| 1. Welche Gerichte gibt es heute. 2. Wo befindet sich das nächste Amtsgericht. 3. Weißt du, was ein Schöffe ist. |
Waschtag Kap 2-1
Arno und Frank haben heute im Helmbach eine Flaschenpost schwimmen lassen. Vergnügt und schmutzig kommen
sie nach Hause. Kurz vor der Haustür gucken sie noch einmal an sich herunter. Frank meint: "Na, sauber sind wir ja gerade nicht, aber Spaß hat es gemacht." Die Mutter hat die b
eiden
Jungen schon kommen hören. Sie macht ihnen die Tür auf. "Hallo, da sind ja meine Dreckspatzen. Zieht mal schnell die schmutzigen Sachen aus, und dann ins Badezimmer mit euch." Mutter sammelt all die
schmutzige Wäsche
ein, und stellt die Waschmaschine an.
Als nach einiger Zeit Arno und Frank sauber gewaschen in der Küche ihren Kakao trinken, setzt sich die Mutter zu ihnen an den Küchentisch. "Wie gut",
sagt sie, "dass es heute Waschmaschinen gibt. Damit ist das Waschen sehr bequem, denn die Maschine nimmt den Menschen viel Arbeit ab. Sie wäscht, spült und schleudert. Danach kann man die Wäsche
sauber und fast trocken aus der Waschmaschine nehmen und zum Trocknen aufhängen." "Wieso", fragt Arno, "war das früher denn anders." "Ja", antwortet die Mutter, "früher war das Wäschewaschen harte
Arbeit.
Zu Urgroßomas Zeiten, vor ungefähr hundert Jahren, wurde die große Wäsche nur zwei- bis viermal im J
ahr
gewaschen. Das war jedes Mal ein kleines Fest, denn die Nachbarfrauen kamen zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. In einem großen Holzfass, das auf einem
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dreibeinigen Hocker stand, wurde die Wäsche gesammelt. Mit Hilfe von Buchenasche, die man aus den Herdfeuern sammelte, gewann man Lauge. Und das
geschah so: über die schmutzige Wäsche legte man ein Leinentuch und schüttete die Holzasche darauf.
Nun goss man Wasser darüber und wartete, bis die Asche ausgelaugt war. Das erkannte
man an der Farbe der Asche. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis genügend Lauge im Holzfass war. Diese Lauge ließ man aus einem
verschließbaren Loch im Fass ab und brachte sie auf dem Herd zum Kochen, um sie dann wieder über die Wäsche zu gießen. Das musste man nun so lange tun, bis die Wäsche sauber war. Nach dem Kochvorgang wurde die Wäsche ausgewaschen. Das war die Aufgabe der Nachbarfrauen oder der Waschfrau. Waschfrau war früher
ein Beruf. Wohlhabende Familien konnten eine Waschfrau bezahlen, die dann bei der großen Wäsche half. Nachdem die Wäsche nochmals ordentlich auf dem Waschbrett gerubbelt war, gingen die Frauen zum
Ausspülen. Früher waren unsere Bäche und Teiche noch sauber und führten klares Wasser. So hatte man Holzstege am Wasser errichtet, auf denen knieten die Waschfrauen nieder und spülten die Wäsche, bis
alle Laugenreste verschwunden waren.
In Sendenhorst gab es im Süden, im Osten und im Norden solche Teiche. Einen davon kennt ihr: die Nordenbleiche, den heutigen Ententeich.
Aber zurück zu unseren Waschfrauen. Nach dem gründlichen Spülen wurde die Wäsche oft auf die großen freien Flächen direkt am Teich zum Bleichen ausgelegt.
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Fragen: (Schreibt die Antworten von oben nach unten in die Kästen)
1. Worin wird heute Wäsche gewaschen.
2. Womit wurde früher die Wäsche gereinigt.
3. Wer half wohlhabenden Familien bei der großen Wäsche.
4. Wo wurde die Wäsche hingelegt, damit sie weiß wurde.
5. Worin schliefen der Knecht oder die Magd, wenn sie in der Nacht die Wäsche bewachten.
6. Worauf wurde früher die Wäsche gerubbelt.
7. Woraus wurde die Lauge hergestellt.
8. Was gebrauchten die Leute zum Einsprengen der Wäsche.
Als die Dreschmaschinen noch summten Kap 2-2
Viele Bürger der Stadt
besaßen um die letzte Jahrhundertwende ein mehr oder weniger großes Stück Land außerhalb des Ortes. Jeder war bemüht, durch intensiven Ackerbau möglichst hohe Ernteerträge zu erzielen, so dass er
seinen Viehbestand halten, oder sogar noch vergrößern konnte. Im Stadtgebiet standen in den Ställen der Ackerbürger hauptsächlich Schweine und Kühe, aber auch Ziegen und Pferde; Schafe gab es selten.
Mit Pferden oder mit Kühen wurden die meist kleinen Felder beackert. Manche Bürger hatten die Bearbeitung ihrer Äcker einem größeren Ackerbürger gegen Entlohnung übertragen.
Aufgabe:
Wie heißen die abgebildeten Getreidesorten. Benenne sie und schreibe den Namen darunter
lange Grannen | kurze Grannen |
keine Ähre | keine Grannen
hängende Ähre | gebogene Ähre | eine
Rispe | gerade Ähre
kurzer Halm | langer Halm | kurzer Halm |
kurzer Halm
Bier/Malzkaffee | Vollkornbrot | Haferflocken |
Weißbrot

Die Feldarbeit
Die Arbeit auf dem Feld begann im Frühjahr mit dem Ausfahren des Mistes, dem Pflügen und dem Bestellen des Feldes. Sie setzte sich im Sommer mit dem Einfahren der Ernte und dem Einsäen von
Zwischenfrüchten fort und endete im Herbst mit der Aussaat des Winte
rgetreides. Im Sommer wurde das reife Korn auf den kleinen Feldern mit der Sense durch einen oder mehrere
Schnitter gemäht. Die Frauen besorgten das Zusammenharken, wellern genannt, sowie das Binden der Garben, die anschließend in Richten zum
Trocknen aufgestellt wurden. In den Erntemonaten Juli und August wollte natürlich jeder sein Getreide möglichst trocken vom Feld holen. Zog plötzlich ein Gewitter auf, begann ein Gerangel um Pferde,
Wagen und Helfer. Dann mangelte es an Menschen, Tieren und leeren Leiterwagen, da jeder noch schnell "trocken Einfahren" wollte. Das geerntete Getreide wurde zum nächstgelegenen Dreschplatz
gefahren.
Die öffentlichen Dreschplätze
In Sendenhorst gab es vier Dreschplätze. Gedroschen wurde:
- im Osten auf dem Sägewerkplatz Decker, heute Edeka-Markt
- im Süden auf dem Gelände des Mühlenbesitzers Sommersell, heute Südtor 5,
- im Westen in Reuls Scheune hinter dem Friedhof an der Landstraße nach Münster, und
- im Norden auf dem Platz des Sägewerks Wessel an der heutigen Fillstraße.
Die Arbeit auf dem Dreschplatz
Ä
ltere Mitbürger erinnern sich noch gut an die Erntezeit, als in den Sommermonaten von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein auf den Dreschplätzen unentwegt die
Dreschmaschinen summten. Bei gutem Wetter herrschte dort Hochbetrieb. In langen Reihen standen die vollen Erntewagen hintereinander zum Dreschen an. Die Bürger warteten geduldig, bis sie, meist per
Hand, ihren vollen Erntewagen an die Scheune oder unmittelbar an den Dreschkasten schieben konnten. Der Mann zum "Abtun" stieg auf den Erntewagen und warf die Garben hinüber auf den Dreschkasten.
Dort wurden die Garben von einer Frau los geschnitten. Die anderen Helfer hatten das Stroh hinter der Presse in Empfang zu nehmen. Stand kein leerer Leiterwagen zum sofortigen Beladen zur Verfügung,
so wurden die Strohbunde erst auf dem Dreschplatz gestapelt. Nach dem Dreschen wurden die mehr oder weniger prall gefüllten Kornsäcke aufgeladen und dann das Stroh darüber gepackt. Anschließend ging
es, oft auch spät in der Nacht, mit der Fuhre heim. War einmal kein Pferd zur Hand, so ging ein Mann vorne ins "Stell", während die anderen Helfer den Wagen schoben. Auf diese Weise wurde zur
damaligen Zeit ohne viel Aufhebens beim Einfahren, Dreschen, Strohaufladen und -abladen stets tatkräftige Nachbarschaftshilfe geleistet.
Bild: Dreschplatz Sommersell im Süden der Stadt
Die aufgeschnittenen und aufgelockerten Garben werden möglichst dünn auf dem Einlegetisch eingelegt. Zwischen Dreschkorb und Dreschtrommel werden die
Körner ausgedroschen. Sie fallen durch den Korb nach unten in die 1.Reinigungsvorrichtung. Die Körner, die noch lose im Stroh sit
zen, werden
auf dem Langstrohschüttler durch schwingende Bewegungen ausgeschüttelt; dabei fallen Körner, Spreu und Kurzstrohteile auf den 1.Rücklaufboden und von dort auf den Kurzstrohreuter, der das Kurzstroh
absiebt. Körner und Spreu gelangen über den 2.Rücklaufboden zur 1.Reinigungsvorrichtung. Dort treffen sie mit den vielen vom Dreschkorb durchgelassenen Körnern zusammen. In der 1.Reinigung erzeugt
ein einstellbares Gebläse Wind, der die Spreu heraus bläst; auf Sieben werden Unkraut, Steine und andere Beimengungen vom Korn getrennt. Jetzt
ist das Korn, das bisher allein durch sein eigenes Gewicht weiterbewegt wurde, ganz unten angelangt; es muss für die nächsten Vorgänge wieder hoch befördert werden. Das geschieht mit einem Elevator
(=Aufzug); es handelt sich dabei zum Beispiel um einen mit Bechern besetzten Treibriemen. Nach der Entfernung der Grannen im Entgranner und der 2.Reinigung wird das Korn im Sortierzylinder über
weitere Siebe grob sortiert. Von hier läuft dann endlich das marktfertige Korn in die Säcke.
Bild:Die Arbeitsweise einer größeren Dreschmaschine
Die Arbeit der Milchbauern Kap 2-3
Milchbauern wurden die Männer genannt, die Tag für Tag die Milch von den
Bauern abholten und in Milchkannen zur Molkerei brachten. Es gab mehrere Milchbauern in Sendenhorst. Jeder von ihnen war für einen bestimmten Bezirk zuständig. Mit ihren Pferdewagen fuhren sie ihre
tägliche Route zu festgelegten Zeiten, damit der Transport und die Ablieferung der Milchkannen möglichst reibungslos abliefen. Der letzte vom Pferd g
ezogene Milchwagen fuhr 1962; anschließend wurden Traktoren als Zugmaschinen eingesetzt.
Heutzutage holen Molkereifahrer mit ihren großen Tankwagen die Milch bei den Bauern ab. Von zwei Milchbauern wollen wir erzählen: Frühmorgens um 6:00 Uhr versorgte Bernhard Schürmann sein Pferd.
Erlegte ihm das Geschirr an und spannte es vor seinen Milchwagen. Währenddessen melkte seine Frau die sechs Kühe im Stall. Sie zweigte die Menge Milch ab, die sie für ihre Familie brauchte. Die
restliche Milch wurde in Milchkannen abgefüllt und auf den Milchwagen gehoben. Nun fuhr Bernhard Schürmann vom Kogge-Eck Richtung Stadt und lud die Milchkannen von den Bauern auf. Unter anderem
führte ihn sein Weg zu den Höfen Schmetkamp, Schulze-Horstrup, Specht, Kammann und Bröckelhoff.
Sechs Schlagbäume musste er auf dem Weg öffnen und wieder schließen. Er lud aber nicht nur die Milchkannen auf, sondern nahm auch die Kinder mit zur Schule. Außerdem wurde ihm hier und da noch ein
Einkaufszettel für Brot, Hefe, Salz oder Zucker zugesteckt. Über den Südendamm und den Prozessionsweg brachte er seine Milchfuhre zur Molkerei Paul Rehsöft. In Spitzenzeiten brachte er 100
Milchkannen. Im Stadtbezirk sammelte ebenfalls ein Milchbauer die Milch ein, denn fast jede Familie in Sendenhorst hatte eine oder zwei Kühe im Stall stehen. Für diesen Bezirk war Bernhard Drees
zuständig.Morgens fuhr er mit seinem Pferdewagen zunächst die südliche Hälfte der Stadt ab. An den Straßenrändern hatten die Bürger bereits in der Frühe ihre vollen Milchkannen bereitgestellt. Kanne
für Kanne lud er nun auf seinen flachen Wagen. Da jede Kanne eine Nummer trug, konnte keine verwechselt werden.
Am Ende seiner Route fuhr Bernhard Drees zur Molkerei und setzte eine Kanne nach der anderen auf ein Rollenband, das die Milchkannen
in die Molkerei transportierte. Dort wurde die Milch ausgegossen und gewogen. Je nach Bestellung wurde nun so manche der leeren Kannen in der Molkerei mit Magermilch gefüllt. Diese sollte zuhause an
die Kälberverfüttert werden. Bernhard Drees lud nun alle Kannen, ob leer oder erneut gefüllt, auf seinen Wagen zurück und verteilte sie nach ihren Nummern an die Straßenränder. Von dort holten die
Bürger sie wieder in ihre Häuser zurück. Nun wandte sich Bernhard Drees dem nördlichen Teil der Stadt zu, in dem er die gleiche Arbeit noch einmal verrichtete: Milchkannen aufladen, zur Molkerei
bringen und wieder verteilen. Die Milch von über 400 Kühen musste er jeden Tag transportieren. Am späten Nachmittag versorgte er sein Pferd und kümmerte sich um seineeigene
Landwirtschaft.
Tagesablauf auf dem Hof Brüser Kap 2-4
Das Leben und die Arbeit auf den Bauernhöfen um
Sendenhorst spielte sich um 1930 in einer seit Jahrhunderten vorgegebenen Tradition fast immer auf die gleiche Weise ab. Nur mit harter körperlicher Arbeit, Pferdekraft und mit einfachen technischen
Hilfsmitteln war die Arbeit zu bewältigen. Der elektrische Strom und die Anfänge der Mechanisierung brachten in den 30er-Jahren die erste Arbeitserleichterung.
Geweckt wurde im Sommer schon um 4.00 Uhr, im Winter eine halbe Stunde später. Während die Bäuerin zunächst das Herdfeuer anfachte, um dort in einem Kupferkessel
Wasser für den Kaffee zu kochen, gingen der Bauer, der Knecht und die Magd in den Stall. Die Magd begann mit dem Füttern und Melken der Kühe und Schweine. Bauer Brüser und sein Knecht putzten und
fütterten die Pferde und misteten die Ställe. Auf dem Hof Brüser gab es 4 Pferde, 20 Kühe und Rinder, 70 Hühner, einige Katzen und einen Hofhund.
Zwei Stunden nach dem Wecken gab es das erste Frühstück, meist Knabbeln mit Roggenkaffee, Milch, Schwarzbrot und Butter. Danach wurden die Pferde angespannt und es ging hinaus aufs Feld. Für das
zweite Frühstück wurden Brote mit Schinken, Speck und Roggenkaffee mitgenommen. Um 2500 m² Land umzupflügen brauchte ein Pferdegespann mit Bauer oder Knecht damals den ganzen Vormittag - also einen
Morgen. Um die Größe eines Hofes anzugeben nutzt man heute noch dieses Maß, wobei 4 Morgen einem Hektar gleich 10.000 m² entsprechen. Bauer Brüser besaß damals 160 Morgen Land. (9 ha Ackerland, 10 ha
Wiesen, 13 ha Weiden, 6 ha Wald und 2 ha Unland)
Beim Pflügen: Bernhard und Heinrich Ringhoff mit Kind Hubert im Jahre 1937
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Pünktlich um 12:00 Uhr gab es Mittagessen und alle waren wieder auf dem Hof. Vorher hatte die Magd nochmals die Kühe gemolken und die Pferde hatten zu fressen und zu saufen bekommen. Nach einer
zweistündigen Mittagsruhe, der sogenannten "Unterstunde", denn Pferde wie auch Menschen mussten neue Kraft schöpfen, ging es erneut aufs Feld. Zwischen Mittag- und Abendessen lag die Vesper, zu der
Brote mit Marmelade und Roggenkaffee aufs Feld hinausgebracht wurden. Zum Abendessen gab es dann oft "Aufgewärmtes" vom Mittag, dazu Schwarzbrot, Speck und ab und zu Mehlpfannkuchen. Zu den
abendlichen Stallarbeiten gehörte neben dem Versorgen der Pferde und der Kühe auch das Kochen des Schweinetopfes mit Buschen für den nächsten Tag, sofern es nicht die Kinder schon nach der
Schuleerledigt hatten.
Je nach Jahreszeit gab es die unterschiedlichsten Arbeiten zu verrichten. Von Frühjahr bis Herbst: Mistfahren, Pflügen, Eggen, Säen, Hacken, Heuen und Ernten. Wegen der großen Fläche an Grünland
brachte die Heuernte wohl die meiste Arbeit. Bauer Brüser hatte schwere Lehmböden und oft Probleme durch stauende Nässe. (Das Regenwasser lief von Feld und Wiese nicht ab.) Um die 40 Fuder Heu (ein
Fuder ist ein großer Leiterwagen voll) mussten als Vorrat für den Winter eingefahren werden.
Bild: Kecht Anton Suntrup beim Losschneidendes Getreidesfeldes im Jahre 1936
Die Getreideernte schloss sich unmittelbar an die Heuernte an. Um mit der Mähmaschine das Getreide zu mähen, musste zunächst einmal das Feld rundherum mit der Sense "losgeschnitten" werden. Alle,
auch die großen Kinder, halfen, das geschnittene Getreide zu Garben zu binden und zu "Richten" aufzustellen. Wenn dann der letzte vollgeladene Leiterwagen heimgefahren wurde, war dies ein Ereignis
besonderer Art. Es war "Harkemai". Jubelnd und singend fuhren dann alle mit bis in die bis unters Dach volle Scheune. Der Erntekranz wurde gebunden und an das Scheunentorgehängt. Ausgiebig und
ausgelassen feiert man das Erntedankfest. Auch im Winter gab es für Bauer Brüser harte Arbeit. Das Holz wurde aus den Wallhecken geschlagen und zu Brennholz und Buschen (zusammen gebundenes Reisig)
verarbeitet. Eintausend Buschen brauchte der Hof jährlich zum Heizen des Herdfeuers, Backofens und Schweinetopfes. Für Bäuerin Brüser und ihre Magd begann nach dem Frühstück die Arbeit in Haus und
Garten. Fünf Kinder waren zu versorgen. Das Mittagessen vorzubereiten brachte viel Arbeit. In der Woche gab es oft Eintopf. Das Gemüse für das "Durchgemüse" wurde im Bauerngarten geerntet. Besonders
dicke Bohnen mit Speck, auch Sauerkraut waren sehr beliebt.
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Der gepflegte Garten mit Gemüse, Blumen und Heilkräuter für Mensch und Tier war Bäuerin Brüsers größter Stolz. Einmal in der Woche wurde im großen Steinbackofen Brot gebacken und Knabbeln, im Herbst
auch Pflaumen und Birnen als Vorrat für den Winter, getrocknet. Wäsche wurde alle 2-3 Wochen gewaschen. Selbstgemachte Butter und die Eier holten kleine Händler vom Hof ab, um sie in Ahlen auf dem
Markt zu verkaufen, weil in Sendenhorst selbst mit seinen vielen Ackerbürgern kaum Bedarf bestand.
Für den Eigenbedarf wurden jährlich vier Schweine mit einem Gewicht von fünf Zentnern geschlachtet. Das aufgefangene Blut wurde von Bäuerin und Magd mit Roggenschrot, Schrieven, Bauchspeck und dem
Schweinekopf zu Wurstebrot verarbeitet. Nach jedem Schlachten freuten sich alle auf das Wurstebrot, das schon morgens in einer großen Pfanne mit einem langen Stiel über der Glut des Herdfeuers
zubereitet wurde.
Bauer und Knecht auf dem Feld bei der Getreideernte. Mit dem, vom Pferdegespann gezogenen, Mähwerk wird das Getreide abgeschnitten. Die Halme legen sich an die hölzerne Handablage. Mit dem Hebel
drückt der Bauer (mit Hut) den Lattenrost herunter und die Halme legen sich schön parallel auf dem Boden ab. Die Magd wird sie nun zu Garben binden und aufstellen.
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Die Sonntagsruhe wurde bis auf das Versorgen des Viehs strikt eingehalten. Mit dem Kutschwagen, davor das beste Pferd in Sonntagsgeschirr, fuhr man in bester Kleidung, dem Sonntagsstaat, zur Kirche.
Nach der Messe trafen sich die Männer an ihrem Stammtisch in einer Gaststätte, tranken "Klaren" und aßen Töttchen, denn sie waren ja nüchtern zur Kirche gefahren. Die Frauen waren in vielen Läden
willkommen. Hier konnten sie ihren Kaffeeklatsch halten und gleichzeitignötige Haushaltsmittel und Textilien einkaufen. Erntearbeiten am Sonntag waren nur ausnahmsweise erlaubt. Nur wenn schlechtes
Wetter drohte und der Pastor es von der Kanzel ausdrücklich gestattete, konnten die Bauern aufs Feld. Am Abend, wenn ein harter Arbeitstag zu Ende ging, verbrachte Familie Brüser, Knecht und Magd die
Zeit bis zum Schlafengehen gerne im Sommer auf der Bank vorm Haus und im Winter am Herdfeuer. Dort handarbeiteten oder flickten die Frauen. Die Männer rauchten eine Pfeife und erledigten kleine
handwerkliche Tätigkeiten. Es wurden Geschichtenerzählt und gesungen. Spätestens gegen 21:00 Uhr abends erlosch auch das letzte Licht auf dem Hof.
Aufgaben:
Wie viel m² hat ein Morgen Land.
Warum machte man nach dem Mittagessen eine längere Pause.
Was verstehst du unter "Harkemai".
Aus welchen Zutaten wird das bekannte Wurstebrot hergestellt.
Wann erlosch auf dem Hof das letzte Licht.
Bauer Heinrich Brüser beim Dengeln seiner Sense im Jahre1935
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Hecken - Lebende Zäune im Münsterland
Kap 2-5
Das Münsterland war früher von einem engmaschigen Netz aus Hecken durchzogen, in das sich Weiden und Äcker
einfügten. So ein buntes Mosaik nennt man Parklandschaft. Die Hecken waren außerordentlich vielfältig gestaltet. Neben einreihigen, die ähnlich wie Gartenhecken geschnitten wurden, gab es mehr
reihige, in denen drei bis fünf Sträucher nebeneinander gepflanzt, ein breites, undurchdringliches Strauchband bildeten. Besonders breite Hecken, die auch oft auf einem Wall -Wallhecken- gepflanzt
waren, trugen oft den Namen: Landhagen. Landhagen sind alte Grenzlinien, die zum Teil noch aus der Ritterzeitstammen. Andere Hecken wurden in Brusthöhe abgeknickt und miteinander verflochten, so dass
sich ein undurchdringlicher lebender Zaun bildete (am Ahlener Damm könnt ihr noch welche entdecken).
Solche Flechthecken mussten die Äcker und Gärten vor dem Vieh schützen, denn Drahtzäune gab es vor hundert Jahren noch nicht. Im Laufe von Jahrzehntenhaben in den Hecken besonders viele verschiedene
Strauch- und Baumarten ihren Platz gefunden. Einige typische Heckenpflanzen für unseren Bereich sind:
Stieleiche, Feldahorn, Weißdorn, Schlehe, Hasel, schwarzer Holunder, Soweit entfernen sich die Tiere von der Hecke Hundrose, Hainbuche, Eberesche, Esche, Schneeball, Kornelkirsche, Hartriegel,
Heckenrose, Brombeere, Wildbirne, Wildpflaume, Hecken-kirsche, Wildkirsche, Traubenkirsche, Besenginster und viele Strauchweiden, deren Kätzchenblüten im Frühjahr die wichtigste Nahrung für die
Bienen darstellen. Ebenso wichtig wie die Vielzahl der Straucharten in einer Hecke sind aber auch die krautigen Blütenpflanzen am Boden und Saum der Hecken. Gerade diese Pflanzen sind oft die
Spezialnahrung für Schmetterlinge oder deren Larven und Raupen.
Je nach Art der Pflanzen in solch einer Hecke finden Tiere dort ihren Lebensraum. Dort können sie Nahrung finden, sich
verstecken und ihreJungen aufziehen. Nahrung bieten diese Hecken in Hülle und Fülle: Insekten und Schnecken, die von den Blättern und Blüten der Pflanzenleben, dienen wiederum Fröschen, Kröten,
Eidechsen, Spitzmäusen, Blindschleichen, Vögeln und Igeln als Nahrung. Hase und Rebhuhn finden hier ebenso ihren Unterschlupf und ein Versteck für die Jungen, wie dieWaldohreule, die Elster, der
Neuntöter und das Wiesel. Und alle können von der Hecke aus auf Nahrungssuche gehen, wobei sie dann zu Helfern der Bauern werden, denn sie fressen Tiere, die sich an der Ernte schadhaft halten.
Könnt ihr euch vorstellen, eine solche Hecke mal einma
l richtig zu
durchforschen. Passt aber auf dabei! Verscheucht keine Tiere von ihren Nestern! Schaut auf den Boden und achtet darauf, wo ihr hintretet!Beobachtet, aber zerstört nichts!
Auch haben die Hecken eine enorme Windschutzwirkung. Eine fünf Meterhohe Hecke schützt zum Beispiel das dahinterliegende Land auf eine Entfernung von fünfzig Metern. Diese Windbrecher erhöhen die
Durchschnittstemperatur und die Luftfeuchtigkeit der gesamten Umgebung, so dass den Feldfrüchten im Sommer mehr Tau zur Verfügung steht.
Typische Tiere einer Hecke mit Bäumen, dichtem Gebüsch und artenreicher Krautschicht: 1 Neuntöter, 2 Hermelin, 3 Ringeltaube,4 Zauneidechse, 5 Waldohreule, 6 Rotkehlchen, 7 Bläuling,8 Goldammer, 9
Zaunkönig, 10 Amsel, 11 Gartengrasmücke, 12 Igel,13 Schnirkelschnecke
Die Mühle der Familie Wößmann Kap 3-1
Am Ende des Mühlenweges, der in westlicher Richtung die Stadt verließ, steht heute noch an der höchsten
Erhebung der Stadt der Turm der ältesten Sendenhorster Mühle.
Matthias Graf von Galen betrieb an dieser Stelle eine Bockwindmühle. Joseph Wöhsmann, der Müller in der Mühle war, konnte am 8. Juli 1851die damals schon alte hölzerne Mühle erwerben. Seither wurde
sie stetsvom Vater auf den Sohn weiter vererbt.
Auf Wagen oder Pferden brachten die Bürger ihr Korn dem Müller Wößmann, um es dort entweder als Futter für das Vieh zu schroten oderes noch feiner zu Brotmehl vermahlen zu lassen. Beim Schroten wurde
das Korn nur sehr grob zerkleinert. Dabei wurde die Schale des Korns, Kleiegenannt, zerbrochen, damit das Vieh das Getreide besser verdauen kann. Für die Bäcker muss es feiner gemahlen werden. Dieses
Brotmehl wurde anschließend noch gesichtert, das heißt, durch feine Netze gesiebt. Die abfallende Kleie konnte wieder ans Vieh verfüttert werden. Als Bezahlung für die Arbeit behielt der Müller einen
Teil des Mehles zurück, dies nannte man multern.
1. Pfarrkirche St. Martin, 2. Wößmann´s Mühle, 3. St. Josef. Stift,4. altes, ans Westtor versetztes Rathausgebäude, 5. Feuerwehrhaus
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Da die Bockwindmühle im Laufe der Zeit baufällig wurde, entschloss sich Müller Wöhsmann 1880 eine Kappenwindmühle zu bauen. Diese war stabiler und stand auch ein wenig höher im Wind, denn Wind ist
die einzige Kraft, mit der die Mühle arbeitete. Es gab sicherlich viele Tage, an denen die Flügel still standen. Wenn jedoch ein kräftiger Wind ging, machten die Müllersleute oft Tag und Nacht keine
Pausen. Kam ein Sturm auf, hatte der Meister Angst um seine Flügel. Seine Mühlenkappe musste aus dem Windgedreht werden. Dabei wurden die Flügel so gestellt, dass der Wind sie nicht mehr drehen
konnte. Sicherlich sind bei einem orkanartigen Sturm auch mal Flügel zerbrochen.
Als die Leistung der Windkraft für die großen Mengen Getreide nicht mehr ausreichte, wurde ein Saugmotor gekauft. Eine Zeit lang halfen auch Kohle und später elektrischer Strom, die Mühlensteine in
Gang zu halten. Die Flügel wurden nicht mehr genutzt und im Jahre 1933 abgebaut. In den folgenden Jahren wurde es für die Müllerfamilie immer schwerer, Geld zu verdienen. Große Firmen konnten das
Getreide mit Walzenmahlwerken viel billiger mahlen. So musste die Mühle 1972 geschlossen werden.
Wie wird das Korn in einer Mühle gemahlen.
Das Korn wird zwischen zwei Mahlsteinen gemahlen, dem Bodenstein, der fest verankert ist, und dem beweglichen Läuferstein. Auf der Mahlseite des Läufersteins sind Rillen eingeschliffen, in der Mitte
hat er eine Öffnung. Die Mahlsteine sind voneinem Holzmantelumgeben. Die Drehbewegung der Windflügel wird auf den Läufersteinübertragen, so dass dieser sich sehr schnell dreht. Das Korn fließt durch
die Öffnung des Läufersteins, gelangt durch die Rillen zwischen die Mahlsteine und wird zermahlen. Das Mehl fällt zwischen Mahlsteinen und Holzmantel herunter und wird aufgefangen.
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Aufgabe:
Ergänze im folgenden Text die fehlenden Worte!
Auf Wagen oder Pferden brachten die Bürger ihr ________ dem Müller Wößmann, um es dort entweder als _______ für das Vieh ________ zulassen oder es noch feiner zu __________ vermahlen zu lassen.
Beim_________ wurde das Korn nur sehr grob _____________ . Hierbei wurde die _______ des Korns __________ . Für die _______ musste es ______gemahlen werden. Dieses __________ wurde anschließend
noch___________ . Die abfallende _____ konnte wieder ans Vieh__________ werden. Als Bezahlung für die ______ behielt der Müllereinen ______ des ________ zurück, dies nannte man _________ .
Am 27. Februar 1909 stand die Kassenbrocksche Mühle (Bockwindmühle)vor dem Südtor in Flammen. Male ein Bild von diesem Ereignis!
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Vom Flachs zum Leinenhemd Kap 3-2
Michael, dein Hemd ist ja ganz zerrissen. Morgen gehen wir in ein Textilgeschäft und kaufen ein neues." So
einfach geht das heute.Wenn vor 150 Jahren Franz oder Stina ein neues Hemd brauchten, war das schon ein wenig umständlicher, denn damals gab es noch
keine Kunstfasern wie Nylon, Perlon oder Dralon. Die Bauern in und um Sendenhorst baut
en fast alle auch Flachs an. Aus der Flachspflanze wird das Leinen
hergestellt.
Nach der Ernte wird der Flachs zuerst geröstet und
gewässert. Danach trennt man mit der Flachsbreche die Leinenfasern vom Stängel.
Die Fasern werden dann gehechelt - durch ein Nagelbrettgezogen- so dass nur die längeren Fasern übrigbleiben.
Bevor nun die Bäuerin und die Mägde das Leinengarnspinnen konnten, mussten die Fasern noch zu Docken zusammengelegt werden. Auf dem Webstuhl wurde das Garn dann zu Leinenstoff verwebt. Die dicken
Leinenballenverwahrte die Hausfrau in den großen Truhen. Kam Franz dann mit seinem zerrissenen Hemd nach Hause, wurde das Hemd geflickt. Brauchte Franz ein neues Hemd, konnte aus dem vorrätigen Stoff
ein Hemd genäht werden.
Die gewerbliche Leineweberei spielte in der
Vergangenheit der Stadt Sendenhorst eine große Rolle. Schon 1695 verlieh der damalige Fürstbischof Friedrich Christian den Sendenhorster "Linnentuchmachern" eine eigene Zunftordnung. Darin waren die
Rechte und Pflichten der Meister, und auch die Qualität des Leinens genau festgelegt.
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Als die Gräfte rund um die Stadt ab 1778 nach und nach zugeschüttet wurde, erlebte die Leineweberei nochmals einen Aufschwung. Auf den neugewonnen
Flächen entstanden viele Bleichplätze.
In einem Bericht über Sendenhorst vom 02.09.1803 steht:
"Das Hauptgewerbe der hiesigen Bevölkerung besteht in der Leinenfabrikation und Spinnerei. Es sind hier 55 Leinenweber."
Mit dem Aufkommen der Maschinen nahm die Bedeutung dieses Handwerks immer weiter ab. Heute finden wir keine Webstühle mehr in Sendenhorst, nur der
häufig auftretende Name "Linnemann" erinnert noch an die Zunft der Leineweber.
Aufgabe:
Weißt du wofür diese Gegenstände nützlich sind?
Die Seilerei Hölscher Kap 3-3
Seit dem Jahre 1803 betrieb die Familie Hölscher an der
Weststraße eine Seilerei. Früher benötigten vor allem die Bauern und Ackerbürger Seile als Ackerleinen, Zugstränge und Viehstricke für die Pferde und Kühe. Um die Heufuder auf den Erntewagen zu
befestigen, brauchten die Bauern lange Reepen (Seile). Aber auch in jedem Haushalt gab es Seile, wie z.B. Wäscheleinen. Wenn die Glocken läuteten, dann standen die Messdiener unten in der Kirche und
zogen kräftig am Glockenstrang. Die Seile wurden aus Hanf gefertigt.

Bilder von links:
Johann Bernhard Hölscher, *1816 +1890 / Sohn Bernhard Theodor Hölscher, *1848 + 1916
Der Hanf wird für kräftige Gewebe und Futterstoffe verwendet und kann auch mit anderen Fasern versponnen werden. Er dient hauptsächlich zur Herstellung von Seilen und Schiffstauen. Die
Herstellung eines Seiles
Erst wurde der Hanf zu dünnem Garn gesponnen. Für ein Seil musste der Seiler viele Garnstränge zusammendrehen oder auch zusammenschlagen, wie es in der Fachsprache heißt.
Der Seiler band sich ein Hanfbündel um die Hüfte. Ein Hanfende befestigte er an der Spinnmaschine, und rückwärtsgehend spann er dann einen dünnen Faden. Längs der
Spinnbahn standen mehrere Pfosten. An den Pfosten waren Zinken, die wie eine umgedrehte Harke aussahen, befestigt.
Durch die Zinken legte der Seiler die vielen dünnen Fäden. So konnten sie sich nicht verheddern. Wenn nun genug Fäden gesponnen waren, verdrehte er sie mit Hilfe
des Seilgeschirrs zu einem Seil.
Skizze der Seilbahn
Ein Garnende war dabei am Nachschlitten befestigt. Der Findling (alter,
dicker Stein), mit dem der Nachschlitten beschwert wurde, liegt noch heute dort in der Promenade. Das Spinnen und Zusammenschlagen der Seile betrieb Seilermeister Hölscher noch bis 1922 in der
Westenpromenade. Am Ende der Promenade an der Südstraße stand ein drei mal drei Metergroßes Spinnhäuschen mit der Spinnmaschine darin. 1922 wurde das Spinnhäuschen abgebrochen, weil die Garne
mittlerweilemaschinell gesponnen wurden. Bis 1960 hat Anton Hölscher aber noch Seile in seiner Werkstatt zusammengeschlagen.
Aufgabe:
Lass dir von deinen Eltern oder in der Schule zeigen, wie man eine Kordel herstellt
Das Sägewerk Wessel Kap 3-4
Wollte jemand vor noch 80 Jahren ein Haus oder eine Scheune bauen, wandte er sich zunächst einmal an einen Zimmermann. Denn damals wurden die Häuser erst als Holzskelett errichtet und erst später wurden die dann offenen Fächer mit Steinen ausgemauert. Diese Häuser heißen Fachwerkhäuser.
Waren nun die Planungen des Zimmermanns
abgeschlossen, konnten die für das Bauholz benötigten Baumstämme ausgewählt und zum Sägewerktransportiert werden. Ein altes, noch im Betrieb befindliches, Sägewerk steht noch in Sendenhorst an der
Fillstraße. Der alte Herr Reinhold Wessel hat das Sägewerk schon von seinem Vater übernommen und erzählt gerne von seiner interessanten Arbeit:
"Mit einem Kran hebe ich die Baumstämme auf den langen Schlitten und befestige ihn dort mit schweren Eisenklammern. Durch einen starken Motor wird nun das Sägeblatt in Bewegung gesetzt. Hin und her
jagt das scharfe Sägeblatt und die Speichen des Schwungrades sind kaum noch zuerkennen. Mit meinen Hebeln kann ich nun die Säge auf die richtige Höheeinstellen, und mit dem nächsten Hebel setze ich
den Schlitten in Bewegung. Er fährt nun langsam unter der Säge durch und das Sägeblatt schneidet sich lang durch den Baumstamm. Dann fahre ich den Schlitten zurück, drehe den Stamm und säge erneut
über ihn hinweg. So kann ich Balken, aber auch Bretter sägen, so breit und so dick wie es derZ immermann bei mir bestellt hat. Der Zimmermann kann dann mit seiner Arbeit beginnen und die Hölzer zu
einem Haus verzimmern. So wie ich jetzt, hat es auch schon mein Vater Heinrich gemacht."
Heute werden kaum noch Fachwerkhäuser gebaut, so dass die Zimmerleute oft nur noch Holz für einen Dachstuhl benötigen. Große Sägewerke arbeiten heute kostengünstiger als ein Kleinsägewerk, so dass
Herr Wessel nur noch hin und wieder die großen Tore zu seiner Säge öffnet
Seitenbretter | Mittelbrett | Herzbrett | Seitenbretter
Herr Wessel schneidet den Baumstamm in Bretter – Schicht um Schicht (siehe Bild - fehlt!)
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Die Sendenhorster Maschinenfabrik Kap 3-5
H
ermann
Ramesohl gründete im Jahre 1898 am Osttor eine Maschinenfabrik. Er fertigte dort Maschinen und Geräte für die Landwirtschaft. Oft hört man in Sendenhorst no
ch den alten Namen der Firma RACO, das ist die Abkürzung für Ramesohl
& Co. Bekannt wurde die Fabrik durch Milchzentrifugen zur Entrahmung der Milch (Seperatoren) und
durch Handablagen für Mähmaschinen. Aber auch
Geräte, wie Kartoffelquetscher, Häckselmaschinen, Stroh- und Rübenschneider hatte Herr Ramesohl in seinem Angebot. Dreißig Jahre nach der Gründung jedoch musste diese Firma den Konkurs anmelden und
ihre Pforten schließen.
Ein früherer Meister der Fabrik, Karl Genschow, konnte mit dem Kaufmann Konstantin Ledwig den Betrieb in den Werkhallen
wieder aufnehmen.Diese beiden Männer gründeten 1936 die "Sendenhorster Maschinenfabrik GmbH". Zunächst
bauten sie die bewährten Landmaschinen weiter. Der
Absatzmarkt wurde nun erweitert, wobei die Produkte vorwiegend über
Schmiedebetriebe verkauft wurden. Der 2.Weltkrieg brachte neue Aufgaben für den Betrieb. Die Herstellung der Landmaschinen wurde gedrosselt und stattdessen mussten Waffen (z.B. Granatenhülsen) für die
Regierung produziert werden. Zu dieser Zeit arbeiteten besonders viele Frauen an den Maschinen.
Nach Kriegsende benötigte man allerorts neue Maschinen für die Landwirtschaft, und die Fabrik hatte bald Arbeit für 45 Beschäftigte. Nun begann auch die Fertigung
von Pferderechen, Gabelheuwendern, Stallungsstreuern und verschiedenen Anhängerfahrzeugen.
Später wurden in Werkhallen zwar immer noch Landmaschinen hergestellt, jedoch musste sich die Sendenhorster Maschinenfabrik immer mehr um Aufträge aus anderen Bereichen bemühen. So wurden auch
Stahlpaletten, Stahlbehälter und Förderanlagen gefertigt. Im Jahre 2002 wurden die Fabrikgebäude abgerissen und es entstanden auf dem Gelände zwei große Lebensmittelmärkte.
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Die Kornbrennerstadt Kap 3-6
Sendenhorst war weit über die Grenzen des Münsterlandes als die Stadt mit den vielen Brennereien bekannt.
Als äußeres Zeichen grüßten zahlreiche über 2O m hohe Schornsteine von weitem den Besucher; von diesen Kaminen rauchen heute nur noch drei.
Früher brauten viele Bauern sich selbst ihr Erntebier. Daraus entwickelten sich vielerorts
Brennereibetriebe, in denen aus Getreide Korn gebrannt wurde. Der Schnaps ist in Sendenhorst und Umgebung als der "aolle Klaore" hochgeschätzt. Die Schnapsbrenner werden im Volksmund "Fuselstöarker"
genannt. Der Straßenname "Fuselpättken" soll an die Blütezeit der Kornbrennerei erinnern.
Frage: Weißt du, wo das Fuselpättken liegt.
Sendenhorster Brennereibetriebe
Die Kornbrennerei mit der längsten Tradition befand sich im Haus Weststr.13, in dem ab 1768 Schnaps gebrannt wurde. Dieser Betrieb gehörte zuletzt den Brennern Brüning / Roetering, deren Brennerei
nach Ahlen auf den Hof Gassner Schulze-Roetering ausgelagert wurde.
Weitere zum Teil traditionsreiche
Kornbrennereien in Sendenhorst waren:
Arens - Sommersell Beumer / Jönsthövel
Böcker / Laink-Vissing Bonse
Bücker / Tribus Everke
Elmenhorst Hesse / Graute
Homann / Telges Horstmann / Rhemen
Panning Ridder / Wieler / Herweg
Schindeler Silling (Oststr.)
Silling (Weststr.) Suermann
Tergeist Vrede
Werring / Löbker Werring / Zurmühlen
Von diesen Betrieben hielt sich ein Dutzend bis in die 60-er Jahre dieses Jahrhunderts. Heute sind noch drei Brennereien in Betrieb:
Werring , Elmster Berg
Horstmann, Rinkhöven
Arens - Sommersell, Hardt
Der letzte Brennereikamin in der Sendenhorster Innenstadt ist der Bonsesche Schornstein an der Westenpromenade, - ein Zeugnis der Brennereitradition. Er wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt.
Aufgabe: Suche auf der Höfekarte die drei noch bestehenden Brennereibetriebe.
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Wie aus Körnern Korn wird
Das Kornbrennen hat in Westfalen eine 400 Jahre alte Tradition. Die folgende Schautafel zeigt, in welchen Schritten das Kornbrennen abläuft:
1) Im Dämpfer wird die im Getreide enthaltene Stärke freigelegt. Es entsteht ein Brei, die sogenannte Maische.
2) Im Vormaischbottich wird der Maische Gerstenmalz zugesetzt. Durch das Malz wird die Stärke in Zucker umgewandelt. Beim Abkühlen wird Hefe in die Maische gerührt.
3) Im Gärkessel wandelt sich der Zucker durch die Einwirkung der Hefe in Alkohol und Kohlensäure um.
4) In der Rohbrandkolonne wird die vergorene Maische zum Sieden gebracht. Der in Form von Dampf entweichende Alkohol wird amoberen Ende des Geräts aufgefangen und durch Abkühlung wieder verflüssigt.
Dies ist die erste Destillation.
5) In der Feinbrandkolonne befreit eine zweite Destillation den Rohbrand von allen unerwünschten Geschmacks- undGeruchsstoffen.
6) Der hochprozentige Feinbrand wird auf die gewünschte Trinkstärke gebracht.
7) Der trinkfertige Korn wird nach einer gewissen Lagerzeit in Flaschen abgefüllt. Die Schlempe ist ein begehrtes Nebenprodukt des Brennens. Sie ist eiweißhaltig und wird an das Mastvieh
verfüttert.
Zur Herstellung einer Flasche Korn (O,7Liter 32 Vol%) benötigt man 600 g Weizen. 600 g Weizen sind ca.13000 Weizenkörner. Bei 35 Gläschen Korn ( 2cl ) in einer Flasche stecken in jedem Glas 37O
Weizenkörner.
Das Branntweinmonopolgesetz
Es gibt ein strenges Gesetz, das über die Reinheit des Branntweins wacht, das Branntweinmonopolgesetz aus dem Jahre 1922. Korn darf sich nur der Klare nennen, der aus Getreide wie Weizen, Roggen oder
Gerste gebrannt ist ohne Zusatz von Würz- oder Aromastoffen. Hersteller, die sich diesenharten Bedingungen unterwerfen, haben das Recht, ihr Produkt „Korn“ zu nennen.

Rätselaufgabe:
1) Wo wandelt sich der Zucker in Alkohol um.
2) Wo kommt es zur ersten Destillation.
3) Wie viele Sendenhorster Brennereien sind heute noch in Betrieb.
4) Wo steht der letzte Brennereikamin der Innenstadt
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Strontianitschächte Kap 3-7
Wenn ihr am Martiniring vorbei über die Bahn zum Schörmel Gewerbegebiet geht, fällt euch sicherlich ein kleiner
weißlicher Hügel auf, der sich mitten in der Wiese erhebt. Der Mergelberg, der noch aus dem letzten Jahrhundert stammt, ist der Rest von einem kleinen Bergwerk, indem nach Strontianit (chemischer
Grundstoff) gegraben wurde.
Entdeckt wurde das Strontianitvorkommen erstmals 1834 in Nienberge. In Urzeiten haben heiße Wasserdämpfe das Kristall nach oben getrieben, und so entstanden Strontianitflöze, die im Gegensatz zu
Kohleflözen senkrecht in der Erde stehen. Das durch den Abbau gewonnene Kristall wurde zur Herstellung des begehrten weißen Zuckers benötigt. Bald entdeckten die Bergleute weitere Vorkommen. Heute
spricht man vom größten Strontianitvorkommen der Welt, dessen Hauptvorkommen zwischen Beckum und Ascheberg liegt. Im Laufe der Jahre wurden über 700 Gruben im Münsterland abgeteuft.
Auch in Sendenhorst konnten mehrere Schächte gegraben werden. Die Bergleute kamen von weit her, um in Sendenhorst ihr Glück zu finden, denn ein Strontianitbergmann verdiente doppelt so viel Geld wie
eingewöhnlicher Arbeiter.
Im Jahre 1884 jedoch ist es Wissenschaftlern gelungen Strontianit künstlich herzustellen, und die über 1000 Bergleute im Münsterland wurden von heute auf morgen arbeitslos. Die Schächte wurden
vergessen, liefen voll Wasser, und dienen heute noch so manchem Bauern als Brunnen für seine Tiere. In einer Obstbaumwiese am Alten Postweg könnt ihr noch Brunnendeckel finden.
1. Wo findet ihr in Sendenhorst Reste eines Bergwerks.
2. Was wurde in diesem Bergwerk abgebaut.
3. Wozu benötigte man das Strontianit.
4. Warum wird heute kein Strontianit mehr abgebaut.
5. Male auf ein Blatt, wie du dir ein Strontianitbergwerk vorstellst!
Kunststoffröhren Sendenhorst Kap 3-8
Im Münsterland gab es früher viele Feuchtwiesen. Um auf diesen Flächen Ackerbaubetreiben zu können, wurden die
Wiesen und Acker "drainiert", das heißt trockengelegt. Um das Wasser abzuleiten, wurden Tonrohre in langen Reihen in den Boden aneinandergelegt.
Diese Rohre waren
33 cm lang und wurden in einer Tiefe von etwa 60 cm verlegt. Je nach Bodenbeschaffenheit versandeten diese Entwässerungsleitungen schnell und verstopften dadurch.
Im Frühjahr 1962 stellte Günter Funke mit seiner Firma "Sendenhorster Kunststoffröhren GmbH" erste Drainagerohre aus dem damals neuen Material Kunststoff her. Nach starren geraden Röhren konnten bald
200 m lange bewegliche Röhren erstellt werden. Sie waren leichter zu verlegen und versandeten auch nicht mehr so schnell.
Später änderte die Firma ihren Namen und heißt seitdem "Kunststoffröhren Sendenhorst". Sie begann in 1975 mit der Produktion von Abwasserrohren aus Kunststoff, die bei jedem Hausbau benötigt werden,
um das Toiletten- oder Spülwasser in die öffentliche Kanalisation abzuleiten.
45
4. Religiöse
Gemeinschaften
Die Pfarrkirche St. Martin Kap 4-1
Viele Christen leben in Sendenhorst. Um miteinander Gottesdienst zu feiern, zu beten und Gottes Wort zu
hören bauten die Christen inmitten unserer Stadt die Pfarrkirche St. Martin. Sie ist der
Versammlungsort der Gemeinde zur Ehre Gottes.
Fährt man auf Sendenhorst zu, sieht man schon von weitem die Pfarrkirche St. Martin mit ihren Türmen, wovon der Westturm 75m hoch ist. Beim
Stadtbrand im Jahre 1806wurde die kleine alte Pfarrkircheschwer beschädigt, sogar die Glocken im Turm waren von der Hitze des Feuers geschmolzen .Pfarrer Franz Darup ließ die alte Kirche zunächst reparieren, und erst sein Nachfolger Pfarrer Bernhard Lorenbeck begann mit dem Neubau der jetzigen
Kirche.
Die Pläne ließ er dafür vom damaligen Dombaumeister Statz aus Köln anfertigen, weshalb wirbei der Sendenhorster St. Martinikirche von "Rheinischer Neugotik" sprechen: ein hoher Innenraum mit
schlanken Säulen, spitzen Bögen und Fenstern und der ganze Bauversehen mit drei in den Himmel ragenden
Türmen. Von 1855 bis 1865 wurde von den Handwerkern an der Kirche gebaut. Der Bau besteht aus roten Ziegeln und aus Ibbenbürener Sandstein. Die Ziegel ließ Pfarrer Lorenbeck in Sendenhorst brennen,
wozu er eigene Ziegelbrennereien gegründet hatte. Die Sandsteinquader wurden von den Bauern mit ihren
Pferdefuhrwerken aus Greven an der Ems herbeigeholt,wo Pfarrer Lorenbeck die ausgediente Schleuse des ehemaligen Max-Clemens-Kanals gekauft hatte, die aus Sandstein erbaut war. Auf dem Kirchplatz
lagerten die großen Steinquader, bis sie von den Steinmetzen für die Säulen und den Westturm mit Meißel und Hammer behauen wurden.
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Am 15. November 1865 kam der Bischof Johann Georg Müller nach Sendenhorst, um hier die neue Pfarrkirche St. Martin für die Feier der Gottesdienste zuweihen. Pfarrer Lorenbeck durfte diesen Tag nicht
mehr erleben, denn er war am 6.Januar im selben Jahr verstorben. Aber auch nach der Weihe durch den Bischof wurde noch an der Kirche weitergebaut, denn der hohe Westturm war noch nicht ganz
vollendet. Die nachfolgenden Pfarrer statteten die Kircheweiter mit Altären, Heiligen -bildern und -figuren aus. Zum Ende des vorigen Jahrhunderts ist die ganze Kirche in kräftigen
Farbenausgemalt worden, wovon heute nichts mehr zu sehen ist. Pfarrer Josef Brink hat in den sechziger Jahren die Kirchegründlich erneuern lassen. Abschluss der Erneuerung bildete am Fest
Fronleichnam 1965 die Weihe des jetzigen Altares durch den damaligen Weihbischof Heinrich Tenhumberg.

Der Sendenhorster
Künstler, Bernhard Kleinhans, hat den Altargeschaffen. Der Altar ist ein Tisch, an dem der Priester dem Volk
zugewandt das Mahl des Herrn feiert. Das Kreuz, das über dem Altar hängt, stammt ebenfalls von Bernhard Kleinhans. Es stellt nicht nur den gekreuzigten Jesus dar, sondern deutet auch hin auf seine Auferstehung: Die Kreuzesbalken sind zum Licht hin durchbrochen, und der
gekreuzigte Jesus steht als Sieger über den Tod aufrecht mit ausgebreiteten Armen amKreuz. Das Kreuz deutet das Geschehen am Altar bei der Messe: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine
Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
Aufgabe:
1. Weißt du, aus welchem Kirchenfenster dieses Stückherausgezeichnet wurde.
2. Welche Begebenheit zeigt dieses Fensterstück.
3. Male dieses Kirchenfenster in möglichst getreuenFarben an!
50
Die evangelische Friedenskirche Kap 4-2
Seit Anfang dieses Jahrhunderts wohnen in Sendenhorst auch evangelische Familien. Eine der ältesten ist die Familie Rehsöft. 1907 zogen sie hierher und mussten Sonntags nach Ahlen zum
Gottesdienstgehen. Nach und nachzogen weitere evangelische Familien nach Sendenhorst. Am Sonntag kam der Ahlener Pfarrer zu Fuß nach
Sendenhorst, um inden Wohnhäusern, in denen sich die Christenversammelten, Hausandachten zu halten. Nach dem
Krieg zogen viele evangelische Flüchtlinge nach Sendenhorst, um hier zu wohnen und zu arbeiten. Ihre Gottesdienste hielten sie in der katholischen Krankenhauskirche ab. Die Gemeinde vergrößerte sich
recht schnell, und bald war es soweit: 1951wurde mit dem Bau einer Diasporakirche begonnen. 1952 wurde die Friedenskirche feierlich eingeweiht. 1954 entstand das Pfarrhaus direkt daneben, 1968 wurde
das Gemeindehaus an die Kirche angebaut. (siehe Foto) Die evangelische
Kirchengemeinde gehörte immer noch zu Ahlen. 1969wurde die Kirchengemeinde Sendenhorst selbständig, das
heißt sie konnte sich selbst verwalten. Enniger und Vorhelm wurden unserer Kirchengemeinde zugeteilt. Noch heute predigt der evangelische Pfarrer an jedem Samstag/ Sonntag auch in diesen beiden
Orten. In Sendenhorst gibt es heute etwa 1400 evangelische Christen.
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Der Kirchenraum
Beim Eintritt in die Friedenskirche fällt euch der runde Altartisch auf, an dem die Tischgemeinschaft beim Heiligen Abendmahl besonders sichtbar wird; zu Hause sitzt ihr beim Essen ja auch alle um
einen Tisch herum. Von der Kanzel links neben dem Altar hält der Pfarrer seine Predigt. Am Lesepult rechts neben dem Altar werden Abschnitte aus der Bibel vorgelesen.
Der Taufstein ist aus
Holz, beweglich und mit einer hübschen Silberschaleversehen. Einige von euch sind sicher in unserer Kirche getauft worden. Daneben steht die große Osterkerze. Sie wird bei jedem Gottesdienstentzündet
und erinnert an den Sieg des Lebens über den Tod. Wie in jeder Kirche findet ihr in der Friedenskirche eine Orgel, die den Gesang der Gemeinde kräftig unterstützt. Sie steht im Eingangsbereich der
Kirche. Die schönen farbigen Kirchenfenster zeigen Abschnitte aus dem Kirchenjahr von Advent bis zum Ewigkeitssonntag.
Das ist das Kirchensiegel der evangelischen Gemeinde. Die Friedenstaube mit dem Ölzweig im Schnabelerinnert uns an die
Geschichte von der Sintflut. Damals wurde Noah mit seiner Familie und den Tieren in der Arche gerettet. Gott lässt nicht zu, dass wir verlorengehen. Dieses Siegel wird für wichtige Dokumente
benötigt, zum Beispiel unter Taufurkunden.
Ihr seid alle herzlich eingeladen, euch mit euren Lehrern die evangelische Friedenskirche anzusehen, z.B. anlässlich eines
Schulgottesdienstes.
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Juden in Sendenhorst Kap 4-3
Aus früheren Aufzeichnungen geht hervor, dass in Sendenhorst jüdische Familien gelebt haben. Im Jahre 1840
zählte die jüdische Gemeinde 6 Haushaltungen. Es waren die Familien Reinhaus, Löwenstein, Leffmann, Stern, Humberg und Alsberg. Vorwiegend betrieben sie Handel mit Manufaktur und Vieh. Unter ihnen
lebte Salomon Alsberg, ein sehr bekannter und wohlhabender Mann. Er war ein voraus denkender, fleißiger Kaufmann und besuchte die großen Handelsmessen (z. B. in Leipzig). Seinen Söhnen Siegfried und
Lois ermöglichte er, 1870 in Bielefeld ein großes Manufakturgeschäft zu eröffnen. Es entstanden Warenhäuser in mehreren westdeutschen Großstädten.
Ab 1838 gab es in Sendenhorst eine eigene Judenschule. Es handelte sichum ein gemietetes Zimmer beim Schneidermeister Debbelt auf der Weststraße. Anfänglich waren
14 Kinder schulpflichtig. Die Hauptfächerwaren Religion und Hebräisch. Die Lehrer verdienten nicht viel; dafür brauchten sie keine Miete zu zahlen, und die Wäsche wurde ihnen gewaschen. Für ihre
Mahlzeiten sorgten die Familien im Wechsel. Der Schulunterricht in der Judenschule musste gelegentlich unterbrochen werden, wenn kein geeigneter Lehrer zur Verfügung stand. Dann besuchten die
jüdischen Kinder die katholische Volksschule; ab 1870 blieb die Judenschule geschlossen.
Die jüdischen Gottesdienste wurden in der Synagoge gefeiert; Synagoge nennt sich das jüdische Gotteshaus. Sie stand am Schlabberpohl, dort, wo jetzt der Parkplatz ist. Hier befindet sich eine Stele,
die an die Juden in Sendenhorst erinnert.
Im 19. Jahrhundert war
die allgemeine Stimmung gegenüber den Juden geteilt: Sie waren als Nachbarn akzeptiert, aber als 1840 die Ostheide aufgeteilt wurde und jeder Sendenhorster Bürger ein Grundstück erhielt, wurden die
jüdischen Mitbürger übergangen, mit der Begründung, sie seien ja "keine Sendenhorster". [aus Wikipedia] In den 1890ern kam es in Folge von 2 Veranstaltungen zu Ausschreitungen. Ein Angehöriger der
Familie Leefmann hatte sich abfällig über die Marienverehrung geäußert und so starke Proteste bei den Katholiken verursacht. Viele Sendenhorster boykottierten nach diesen Veranstaltungen die wenigen
jüdischen Geschäfte im Ort. Dies verschärfte das ohnehin aufgeladene Verhältnis von christlichen und jüdischen Bürgern noch zusätzlich. Die letzte jüdische Familie verließ Sendenhorst 1912, noch vor
dem 1. Weltkrieg.
Nach Einebnung der Befestigungsanlagen im 18. Jahrhundert blieb einkleiner Rest des Walls erhalten und diente der jüdischen Gemeinde als Friedhof. In der Ostenpromenade ist er heute noch zu
finden.
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Auf den Grabsteinen kann man die in hebräischer Schrift eingemeißelten Inschriften erkennen. Der älteste Jude war Elias
Stein. Er wurde 103 Jahre alt und 1870 auf dem Friedhof beerdigt. Die letzte jüdische Familie war die Familie Löwenstein. Sie verließ Sendenhorst 1912 und wanderte nach Amerika aus. Samuel Löwenstein
kam 1947 als 63-jähriger wieder nach Sendenhorst. Er besuchte die Gräber seiner Familienmitglieder auf dem Judenfriedhof, der die Zeit des Nationalsozialismus unversehrt überstanden hatte.Heute steht
der Friedhof unter israelitischer Verwaltung.
Aufgaben:
1) Wie heißt die Kirche der Juden; wo stand sie in Sendenhorst.
2) Wo befindet sich der jüdische Friedhof.
3) In welchem Zeitraum gab es in Sendenhorst eine Judenschule.
4) Welche Sprache erlernten die jüdischen Kinder.
5. St. Josef-Stift
Das St. Josef-Stift Kap 5-1
An der Weststraße steht das Sendenhorster Krankenhaus, das St. Josef Stift, das im September 1989 100 Jahre alt
wurde. Seinen Namen verdankt es dem Stifter Josef Spithöver (s.u.5.2). St. Josef Stift stand der Sendenhorster Bevölkerung bis Ende 1979 als allgemeines Krankenhaus zur Verfügung. Gepflegt
wurden die Kranken unter der Leitung der Franziskanerinnen von Münster/ St. Mauritz. Als
zusätzli
ches Aufgabengebiet entstand 1922 unter Dr. Lintel-Höping im St. Josef Stift eine Heilstätte für Knochen-, Gelenk- und Drüsentuberkulose. In den 50-er Jahren
gelang es allgemein, die Infektionskrankheit Tuberkulose einzudämmen; die Zahl der Neuerkrankungen
verringerte sich. Die Aufgaben verlagerten sich nun auf die Orthopädie. Unter maßgeblichem Einsatz von Dr.
Book wurde die orthopädische Klinik aufgebaut. Heute stellt sich das Krankenhaus dar, als eine Klinik für Orthopädie, fürRheumatologie, für Rheuma-Orthopädie, für Kinder-Rheumatologie und
Wirbelsäulen-Orthopädie.
Aufgabe:
Schau dir die Statue an, die vor dem Krankenhaus steht! Was stellt sie dar
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Josef-Spithöver Kap 5-2
Josef Spithöver ist am 11.Oktober 1813 in Sendenhorst geboren. Sein Vater war Zimmermann und hatte einen
kleinen
Holzhandel an der Weststraße. Als Josef vier Monate alt war, starb sein Vater an Tuberkulose. Seine Mutter war jetzt mit sechs Kindern
alleine. Um die Not der Familie zu lindern, nahm Bürgermeister Langen den kleinen Josef zu sich in Pflege. Josef war ein fleißiger und strebsamer Junge. 1833 ging er nach Coesfeld, um Buchbinder zu werden. Als die Lehre dann beendet und er Geselle war, ging er auf Wanderschaft; damals sagte man "auf
die Walz". So führte ihn sein Weg nach Rom. Dort wohnte er bei deutschen Landsleuten. Ergründete in Rom die erste deutsche Buchhandlung. Josef Spithöver kaufte sich in Rom ein zunächst unbedeutendes
Grundstück, worauf später der heutige römische Hauptbahnhof gebaut wurde. Spithöver wurde ein reicher Mann.
Zu der Zeit war Sendenhorst eine arme Stadt, die für ihre Einwohner dringend ein Krankenhaus benötigte. Pfarrer Reinermann fuhr nach Rom und erzählte Josef Spithöver davon. Einige Zeit später traf
aus Rom die Nachricht ein, dass Josef Spithöver den Sendenhorstern ein Krankenhausschenken wollte. 1887 wurde der Grundstein dafür gelegt. Zwei Jahre später, am 16.9.1889, war die Einweihung vom
Krankenhaus. Drei Jahre darauf, am 12. Januar 1892, ist Josef Spithöver in Rom gestorben und dort begraben. Zur Erinnerung an ihn tragen in Sendenhorst das Krankenhaus und eine Straße seinen
Namen.
Aufgabe:
An welcher Straße in Sendenhorst steht die Büste, die Spithöver darstellt.
Kardinal-von-Galen Kap 5-3
Clemens August Graf von Galen wurde am 16. März 1878 auf Burg Dinklage im Oldenburgischen Teil des Bistums
Münster geboren. Nach seiner Priesterweih
e am 28. Mai 1904 im Dom zu
Münster war er zunächst Domvikar in Münster, danach Kaplan und Pfarrerin Berlin und seit 1929 Pfarrer der St. Lamberti Kirche in Münster. Am 2
8. Oktober 1933 wurde er zum Bischof von Münster geweiht. Sein Wahlspruch lautete: " Neclaudibus, nec timore " - unbekümmert um Menschenlob und Menschenfurcht.
Schon bald trat er den kirchen-feindlichen Bestrebungen des Nationalsozialismus entgegen. Einige seiner Predigten wurden weltberühmt. Wegen seiner Tapferkeit wurde er oft der " Löwe von Münster"
genannt.
Bei einem Bombenangriff wurde das bischöfliche Palais zerstört. Der Bischof musste nun aus Münster fliehen. Er wurde nach Sendenhorst gebracht und fand Unterkunft im St. Josef Stift. Hier wohnte er
vom 14.Okt. 1944 bis zum 18. Dez. 1945. Bei Luftangriffen war er nicht im Keller wie alle Anderen, sondern in der Kapelle. Auf dem Weg dorthin tröstete, segnete und beruhigte er die Kranken. Vielen
Menschen schenkte er Rat, Trost und Hilfe. Am 18. Februar 1946 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Kardinal. Bald danach, am 22. März 1946 starb der Kardinal und wurde im Dom von Münster beerdigt. Nach
seinem Tod wurde Kardinal von Galen zum ersten Ehrenbürger der Stadt Sendenhorst ernannt. Zur Erinnerung an ihn tragen unsere Grundschule wie auch eine Straße seinen Namen. Der Kardinal wurde am 09.
Oktober 2005 in Rom selig gesprochen. Der Gedenktag für den neuen Seligen ist der 22. März, sein Todestag.
57
6. Schulen
Schulen - Früher und Heute Kap 6-1
Petras Uropa wurde am 18.3.1908 in Sendenhorst geboren. Hier besuchte er acht Jahre lang die Volksschule,
an der heutigen Schulstraße.
Wie kann sie sich auch vorstellen,dass damals 60 und mehr
Kinder in einer Klasse waren,dass Jungen und Mädchen getrennt voneinander unterrichtet wurden.
Selbst auf dem Schulhof gab es eine Trennung durch eine unübersehbareMauer. Wehe demjenigen, der es wagte, sich auf dem anderen Schulhofaufzuhalten, ihm war eine
gehörige Strafe sicher.Heute werden in Petras Klasse nur 25 - 30 Kinder, Mädchen und Jungengemeinsam unterrichtet.
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Uropas Klassenfoto vor der Rektoratsschule
Vor 80 Jahren war der Uropa ein kleiner Junge. Er ging in die erste Klasse!In seiner Klasse waren nur Buben. Auch der Lehrer ist auf dem alten Fotozu sehen. Wie viele Kinder waren in Uropas
Klasse.
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Wie kann sie sich auch vorstellen,dass früher die Schrift anders aussah. So schrieben unsere Großeltern.
So schrieben wir noch vor wenigen Jahren. Und so schreiben wir heute. Wie kann sie sich vorstellen, dass es früher nur die 
Volk
sschulemit acht Schuljahren, aber keine weiterführende Schule
in Sendenhorst gegeben hat.Zeitweilig bereitete nur eine Rektoratsschule ( ca. 1850-1906 und 1920-1940) die Schüler für die Aufnahmeprüfung zum Gymnasium vor.Dieser
Unterricht fand zunächst im Klümperschen Saal statt, dort, wo heutedas Bürgerhaus steht.Für Petra ist es heute eine Selbstverständlichkeit, nach vier Grundschul-jahren (in der
Kardinal-von-Galen-Grundschule) eine weiterführendeSchule ( Hauptschule, Realschule, Gymnasium oder Gesamtschule) zubesuchen.
60
Heute gibt es in Sendenhorst die Kardinal von Galen- Grundschule, die 1951 erbaut wurde. die Hauptschule am Teigelkamp
und die Realschule St. Martin,
die im Jahre 1994 auf 30 Jahre Lehrtätigkeit zurückblicken konnte. Sie unterrichtet heute 690 Schüler aus Sendenhorst und den umliegenden Orten.
Fragen:
1. Wo stand früher die alte Volksschule.
2. Wie viele Schulen hatte Sendenhorst vor achtzig Jahren und wie viele heute.
3. Fragt eure Eltern und Großeltern, welche Schulen sie besucht haben.
4. Erkundigt euch, wie viele Schüler die Grundschule heute besuchen.
Zeitttafel - Schulen bis 1995 Kap 6-2
1571
erste Mitteilung über eine Schule in Sendenhorst
1613 bis 1777
Unterricht wird erteilt von Pastoren, Küstern und
ab 1777
auch von Lehrerinnen in den Fächern: Religion, Sittenlehre und Rechnen
29.04.1806
großer Brand in Sendenhorst kein Unterricht im Sommer 1806 für alle Schüler
1807
neue Knabenschule (am Kirchplatz) neue Mädchenschule (Nordstraße) wichtige Unterrichtsfächer: Religion, Lesen, Schönschreiben, Rechtschreiben, Rechnen und Aufführung (= Betragen)
1855
Bezug von zwei neuen Klassenzimmern im Rathaus
04.12.1860
Errichtung einer Rektoratsschule wird genehmigt
1869
Bezug von zwei neuen Klassenzimmern im Rathaus für die Rektoratsschule
16.10.1878
Einweihung der neuen Vo
lkschule an der Schulstraße (heute Geschäftshaus „Ratz und Rübe“ „Ernstings Family“)
1906
Schließung Rektoratsschule
20.04.1920
Neuerrichtung der Rektoratsschule mit 36 Schülern im alten Rathaus
1940
Schließung der Rektoratsschule
14.10.1951
Einweihung Kardinal von Galen Grundschule
01.04.1964
Gründung der St. Martin Realschule in der alten Rektoratsschule
1964
Gründung der Hauptschule auf dem Teigelkamp
1967
Baubeginn der Realschule in der Nähe des Wasserturms "Auf der Geist"
1969
Erweiterung Hauptschule Teigelkamp
1969
Umzug der Realschule in die neuen Räume
1971 + 1995
Vergrößerung der Kardinal von Galen Grundschule
7. Öffentliche Einrichtungen
Die Westfälische Landeseisenbahn Kap 7-1
An der Ladestraße in Sendenhorst steht das Bahnhofsgebäude der Westfälischen Landeseisenbahn. Der verlassene
Bahnhof mit Bahnsteig und Laderampen erinnert noch an die frühere Bedeutung des Gebäudes zu einer Zeit, in der viele Personen- und Güterzüge fuhren.
Am 1. Oktober 1903 wurde die
Eisenbahnverbindung von Neubeckum-Sendenhorst- Münster eingeweiht. Prächtig mit Kränzen und Fähnchengeschmückt fuhr der Zug in den Bahnhof ein und wurde von einer großen Menschenmenge begeistert
begrüßt. Sendenhorst hatte mit der Bahnstrecke den Anschluss an die "große Welt", an das überregionale Schienennetz, gefunden. Bisher fuhr man noch zur Haltestelle der Staatsbahn nach
Drensteinfurt.
In Münster endete die Bahnstrecke erst einmal im Kopfbahnhof Hansaring (kein Durchgangsbahnhof). Das Einfahrtssignal für den Hauptbahnhof hob sich erstmals am Sonntag, den 15. Mai 1949.Von Anfang an
entwickelte sich in Sendenhorst ein reger Bahnbetrieb. Einige Firmen erhielten sogar einen eigenen Bahnanschluss, andere nutzten die großen Laderampen um ihre Güter verschicken zu können. ImLaufe der
technischen Entwicklung wurden die Dampflokomotiven durch Diesellokomotiven ersetzt, und die 600 Pendler aus Sendenhorst wurden mit Triebwagen zur Arbeitsstelle nach Münster befördert. Im Jahre
1956verkehrten werktäglich 17 Triebwagenzüge, 3 Dampfzüge für den Personenverkehr und 4 Güterzüge.
Immer mehr Menschen konnten sich inzwischen ein Auto leisten, mit dem sie auch zur Arbeit fuhren. Das war bequemer und einfacher, weil man sich nicht nach Fahrplänen richten musste und direkt bis zur
Arbeitsstelle fahren konnte. So verließ am 31.5.1975 der letzte Triebwagen den Sendenhorster Bahnhof. Jetzt blieb nur noch der Güterverkehr. Werden jemals wieder Personenzüge nach Münster
fahren.
A
ufgaben:
1. Ab wann konnte man von Sendenhorst mit der Eisenbahn fahren.
2. Wie viele Züge fuhren 1956 täglich durchSendenhorst.
3. Wie fahren die Leute heute nach Münster.
4. Wie viele Bushaltestellen gibt es in Sendenhorst.
5. Schaut auf den Fahrplänen nach, in wie viele Orte man von Sendenhorst aus mit dem Bus fahren kann.
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Postkarte aus dem Jahre 1904 - Einweihung des Bahnhofs - Gruß aus Sendenhorst Text: Lieber H. und St. Vater Mutter und wir beide bitten Euch zu Allerheiligen nach hier zu kommen. Der Herr Präses wird
es gewiß erlauben. Euer Bernhard
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Das Postwesen Kap 7-2
Telefon, Telegramm, Luftpost, Autos, Eisenbahn - diese Begriffe sind uns heute gut bekannt; sie stehen für die
Übermittlung von Nachrichten und für den Transport von Personen. Schnell muss es heute gehen, -ein Brief aus Sendenhorst kann in weniger als 24 Stunden bis in den entlegendsten Winkel Deutschlands
zugestellt werden! Das war nicht immer so. In früherer Zeit besorgten nur Fußboten und reisende Händler den Brieftransport von und nach Sendenhorst; so war ein Brief oft viele Tageunterwegs.
Im Jahre 1690 mag es sich folgendermaßen
zugetragen haben:
Der wöchentliche Briefbote aus Ahlen betrat durch die Südporte die Stadt Sendenhorst. Ermüdet vom langen Weg kehrte er in der Gaststube des Henricus Bonse ein. Herr Bonse hatte Lesen und Schreiben
gelernt, und wohl deshalb war seine Gaststube eine Art Postsammelstelle geworden. "Ich habe Nachrichten für zwei Bürger dieser Stadt", sagte der Bote zum Wirt und überreichte die Schriftstücke. Der
Wirt nahm sie und steckte sie hinter den Spiegel. Hier sollten die Briefe darauf warten, vom Empfänger abgeholt zu werden. Es befand sich bereits schon ein Brief dort, den hatte tags zuvor ein
Händlermitgebracht. Nach einer Ruhepause fragte der Fußbote, ob noch Briefe mitzunehmen seien; alsdann verließ er Sendenhorst und setzte seinen Fußweg nach Münster fort.
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Die kaiserliche Reitpostlinie
Von 1742 bis1803 verlief die Thurn und Taxische Reitpostlinie von Frankfurt durch Sendenhorst nach Münster. Zweimal in der Woche ritten die Postillione diesen Weg.
Ein Postfelleisen aus dem Münsterland (18. Jahrhundert)
Sie beförderten in ihren Felleisen die Briefe innerhalb von zwei Tagen. In Sendenhorst entstand an der Südporte ein kaiserliches Postamt. Dort wurde auch das ermüdete Pferd ausgewechselt. Der
Posthalter war verpflichtet, stets zwei frische Pferde bereitzuhalten.
Die Postkutschenzeit
Durch Sendenhorst sind auch Postkutschen gekommen. Zunächst rollte 1829 regelmäßig eine zweispännige Kutsche auf der Strecke Beckum - Münster durch Sendenhorst. Sie bot Platz für vier Reisende. Von
Sendenhorst nach Münster brauchte sie etwa fünf Stunden. Als das Dampfross immer weiter vorrückte, lohnte sich diese Postkutschenstrecke nicht mehr. Sie wurde 1848 eingestellt. Statt dessen fuhr
regelmäßig eine zweispännige Kutsche von der Sendenhorster Posthalterei zum Drensteinfurter Bahnhof. Sie brachte Reisende an den Zug Hamm - Münster. Als auch Sendenhorst einen Bahnhof bekam und 1903
die westfälische Landeseisenbahn (WLE) durch Sendenhorst fuhr, ließ der Postillion zum letzten Mal sein Posthorn erklingen; die Postkutschenzeit ging zu Ende.
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Frage: Was verbirgt sich hinter diesen
Zahlen.
Das Postamt
Ende des letzten Jahrhunderts erhielt das Haus Bonse wegen der wachsenden Postgeschäfte einen Anbau, in dem sich unter anderem der Postschalter und die Passagierstube befanden. Über der Eingangstür
prangte in Goldlettern der Schriftzug "KAISERLICHES POSTAMT".
Hier wurde auch die Sendenhorster Telegraphenstation untergebracht und 1900 der erste Fernsprecher eingerichtet. Fünf Jahre später wurde eine Vermittlungsstelle erforderlich, da bereits vier Bürger
der Stadt ein Telefon besaßen.
Nach über 200 Jahren Postgeschichte an der Südstraße zog das Postamt 1911 um in das Haus Borgmann, Nordstraße3 .198O wurde das Postamt an der Schulstraße bezogen. Heute ist die Postagentur im Tabak-
und Lottogeschäft „Garella“ untergebracht.
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Aufgabe: Diese Briefmarke wurde 1981 herausgegeben. Sie erinnert an die vergangene Postkutschenzeit. Erkundige dich nach ihren Farben (die Marke ist z.B. im Sachbuch des3.Schuljahrs »Wir entdecken
unsere Welt« abgebildet), und male das obige Bild entsprechend aus.
Fragen: Mit welchen Verkehrsmitteln werden heutzutage Briefe undPakete transportiert.
Die Postleitzahl wurde eingeführt, um die vielen Städte, Dörfer und Ortschaften in Deutschland übersichtlich in Regionen zu gliedern. Seit 1993 gelten für viele Orte mehrere Postleitzahlen, um eine
schnellere Zustellung zu gewährleisten.
Leitzone 4 Düsseldorf Bezirksleitzone 48 Münster
Welche Postleitzahl hat Sendenhorst. _______________
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Das Rathaus Kap 7-3
Liebe Mädchen, liebe Jungen, Ihr kennt sicher alle das Rathaus der Stadt Sendenhorst von außen; denn es gehört
mit seiner eindrucksvollen Fassade zu den bekanntesten Gebäuden unserer Stadt.
Aber habt Ihr euch schon einmal überlegt, was
eigentlich im Rathaus passiert. Von euren Eltern habt ihr vielleicht schon einiges darüber gehört, aber ihr möchtet sicher noch mehr wissen.
Also, man kann sagen, die Frauen und Männer, die im Rathaus arbeiten, organisieren das Leben in unserer Stadt: Jeder ist für einen ganz bestimmten Bereich zuständig, etwa so, wie ja auch in einer
Familie jeder eine ganz bestimmte Aufgabe hat.
Da gibt es zum Beispiel das Ordnungsamt. Die Leute, die dort arbeiten, sorgen zum Beispiel dafür, dass man jederzeit feststellen kann, wer in unserer Stadt wohnt und wie viele Einwohner es gibt. Oder
sie stellen für euch und eure Eltern Pässe aus, wenn ihr in den Urlaub fahren wollt. Sie kümmern sich auch darum, dass der Müll abgefahren wird, oder dass die Kirmes richtig ablaufen kann. Wenn es
sein muss, sorgen sie auch dafür, dass nachts Ruhe herrscht und man nicht im Schlaf gestört wird.
Weiter gibt es das Sozialamt; dort hilft man Menschen, die in Not geraten sind und kein Geld haben. Das kommt schon mal vor; denn nicht jeder hat genügend Einkommen. Allerdings bekommt nur derjenige
Geld vom Sozialamt, der sich selbst wirklich nicht mehr helfen kann.
Im Rathaus gibt es auch eine Stadtkasse und eine Kämmerei: Unter "Stadtkasse" könnt Ihr euch sicher etwas vorstellen, nicht wahr. Richtig, dort wird Geld eingezahlt und auch wieder ausgegeben. Aber
was ist denn eine "Kämmerei". Sicher ist das für die meisten von euch ein ganz unbekanntes Wort; es hat aber nichts mit "(Haare-) Kämmen" zu tun. Man könnte sagen, dass in der Kämmerei das Geld für
die Aufgaben der Stadteingeplant wird, ähnlich so, wie ihr es macht, wenn ihr für etwas spart. Die Kämmerei sorgt dafür, dass Geld für bestimmte Vorhaben bereitgestellt wird; sie sorgt aber auch
dafür, dass bestimmte Sachen nicht gemacht werden, für die nicht genügend Geld da ist. Sie achtet also darauf, dass die Finanzen der Stadt in Ordnung sind; ein ganz beruhigendes Gefühl, nicht
wahr.
Womit das Bauamt zu tun hat, das sagt schon der Name. Richtig, es hat mit dem Bauen zu tun. Dort kümmert man sich um alles, was notwendig ist, damit Menschen in unserer Stadt ein Haus bauen können.
Wer ein Hausbauen will, muss bestimmte Vorschriften beachten und Rücksicht nehmen, zum Beispiel darauf, dass sein Haus zu den anderen passt oder man seinen Nachbarn nicht stört. Auf diese Dinge
achtet das Bauamt und noch
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auf viele andere mehr: Zum Beispiel darauf, dass die Schulen in Ordnung sind oder auch die Grünanlagen in unserer Stadt.
Es gibt noch sehr viel mehr zu tun, damit das Leben in einer Stadtfunktioniert. Man muss zum Beispiel dafür sorgen, dass Wasser da ist und schmutziges Wasser wieder geklärt wird. Oder dass Schulen da
sind , und dass die Schulen gut ausgestattet sind. Und dass Schulbusse fahren. Und dass die Straßen und Bürgersteige in einem guten Zustand sind. Und.. und.. .
Ihr seht, es gibt viel zu tun im Rathaus. Der Platz hier reicht gar nicht dafür aus, alles zu beschreiben. Ihr könnt euch das Rathaus ja einmal zusammen mit eurer Lehrerin oder eurem Lehrer von innen
ansehen und nach allem fragen. Das wäre doch sicher ganz interessant, oder.
Bis zu eurem Besuch könnt Ihr euch ja schon mal das Bild vom Rathausansehen, das hier abgedruckt ist. Ihr seid herzlich willkommen!
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Der Fernmeldeturm Kap 7-4
"Peter, weißt du welcher der höchste Turm in Sendenhorst ist." "Na klar, der Fernmeldeturm. Er ist 133 m hoch.
Die
Kanzel liegt in 75 m Höhe und hat einen
Durchmesser von 25 m." Weißt du auch, wozu der Turm dient." "Wie mein Vater erzählte, könnte man von Sendenhorst z.B. ein Fußballspiel direkt übertragen. Ein Übertragungswagen einer
Fernsehgesellschaft (z.B. der WDR) mit seinen Fernsehkameras fährt zum Sportplatz und richtet eine Sendeantenne auf die Empfangsantenne am Fernmeldeturm aus. Über die Funkverbindung werden die
Nachrichtensignale übermittelt und man gibt sie ohne Zeitverzögerung über weitere Funkverbindungen mit Fernmeldetürmen (z.B. in Schwerte) zur Sendezentrale weiter. -
Soll das Fußballspiel auf dem Sportplatz in Sendenhorst auf den Fernsehgeräten erscheinen, wird diese Übertragung auf Sendung geschaltet und die Nachrichtensignale werden wieder über Fernmeldetürme
zu den Sendeantennen (z.B. stehen große Fernsehsendemasten in Nottuln) geschickt. Von denen können unsere Fernsehantennen das Programm empfangen." "Dann spielen die Fußballer vielleicht im Regen, und
ich kann zu Hause sitzen und mir das Fußballspiel ansehen.""Ja, und alles wird so schnell übertragen, dass man keinen Zeitunterschied spürt." "Nennt man das Live-Übertragung." "Ja, aber die
technischen Einrichtungen im Fernmeldeturm können noch viel mehr." "Von über 50 Antennen auf seinen Plattformen werden ständig Nachrichtenempfangen und abgesandt.
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Tausende von Telefongesprächen werden gleichzeitig über ihn geführt. Signale von Radio- und Fernsehprogrammen müssen empfangen, verstärkt und weitergegeben werden. Verbindungen zwischen den
Funkgeräten der Polizei und Feuerwehr, auch Gespräche über Autotelefone und Handy, werden durch ihn erst möglich." "Und wofür sind die großen Schüsseln, die unten am Fuß des Turmesstehen." "Durch die
Satellitenempfangseinrichtungen werden Fernsehprogramme von Satelliten aus dem Weltall empfangen. Mit Hilfe dieser und anderer Antennen können heute fast 50 Fernsehprogramme und viele Radioprogramme
in das Kabelfernsehnetz gebracht werden. So braucht man auf den Häusern keine Antenne mehr zu bauen. Nicht in jeder Stadt steht ein Fernmeldeturm. Der Sendenhorster Turm hat die Nachbarstädte Ahlen,
Beckum, Everswinkel, Greven, Münster, Albachten, Sassenberg, Telgte, Warendorf, Senden und Lengerich mit Kabelfernsehprogrammen mitzuversorgen. "Und warum sind nicht auch diese Empfangsantennen oben
auf dem Turmaufgestellt worden." "Wenn es einmal richtig stürmt, schwankt der hohe Turm oben um mehr als 50 cm. Diese Bewegungen stören den Satelittenempfang zu sehr."
Aufgaben:
1. Wie hoch ist der Fernmeldeturm. 2. Welcher ist der zweithöchste Turm in Sendenhorst. 3. Wie viele Antennen zählst du auf dem Fernmeldeturm. 4. Wozu dienen die Antennen. 5. Wofür ist die "Schüssel"
am Fuße des Turmes. Fernmeldesatellit
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Der Wasserturm Kap 7-8
Morgens, wenn ihr aufsteht, geht ihr ins Badezimmer, um euch zu waschen. Zum Waschen dreht ihr den Wasserhahn auf, und es kommt warmes oder
kaltes Wasser heraus. Habt ihr schon einmal überlegt, wo das Wasser herkommt. Früher hatte jedes Haus seinen eigenen Brunnen. Daraus wurde das Wasser hoch gepumpt, wann immer man es benötigte. Nach
dem zweiten Weltkrieg reichte die Hausbrunnenversorgung in Sendenhorst nicht mehr aus. -
Einige Brunnen hatten zu wenig Wasser. Aus anderen Brunnen kam nur braunes Wasser, oder es wurde beim Kochen braun. In der Bauernschaft Hardt stand ein Wasserwerk, von dem aus die Stadt Ahlen ihre
Einwohner mit Trinkwasser versorgte. Sendenhorst wollte sich hier anschließen. Eine Wasserleitung musste verlegt werden. Es fehlte aber das Geld, um eine Baufirma für alle Arbeiten zu bezahlen. So
wurde jeder Sendenhorster verpflichtet, bei den Erdarbeiten mitzuhelfen. Den Anfang machten der Rat und die Stadtverwaltung. Mit Spaten und Schaufel hoben sie nun einen Graben für die Wasserrohre
aus. Konnte jemand beiden Erdarbeiten nicht mithelfen, so musste er 80 Pfennige dafür bezahlen, dass ein anderer sie machte. Bald war es geschafft, und die Leitung konnte verlegt werden. Zur gleichen
Zeit wurde der Wasserturm gebaut. Oben im Turm befindet sich ein Behälter für 400 m3 Wasser. Unten im Turm wurden Brause - und Wannenbäder eingerichtet. Hier konnte für wenig Geld gebadet oder
geduscht werden. Als alles fertig war, wurde das Wasser vom Wasserwerk in den Wasserturm gepumpt und von da aus an alle angeschlossenen Häuser verteilt.1977 wurde der Wasserturm stillgelegt und das
Wasserwerk abgebrochen. Von nun an übernahm die Gelsenwasser AG die Wasserversorgung von Sendenhorst über Druckleitungen. Die Wasserübergabestation ist auf dem Gelände des ehemaligen Wasserwerkes. Im
Jahre 1998 wurde der Wasserturm abgerissen.
Um unsere Trinkwasserversorgung nicht zu gefährden, müssen wir sparsam und sorgfältig mit dem kostbaren Trinkwasser umgehen.
Zum Umweltschutz kann jeder beitragen: •Altöl niemals im Boden versickern lassen •Waschmittel richtig dosieren •Düngemittel sachgerecht anwenden •Unkraut- und Schädlingsbekämpfung auf das
Notwendigste begrenzen •Farben, Lacke und Lösungsmittel können Wasser stark verschmutzen •Medikamente nicht in den Ausguss schütten •Mit Reinigungsmitteln sorgsam umgehen
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Fragen:
1. Welche Härte hat das Sendenhorster Stadtwasser. Wofür ist dieser Wert im Haushalt besonders wichtig.
2. Was kann die Reinheit unseres Trinkwassers gefährden.
3. Wo steht in Sendenhorst eine alte Schwengelpumpe als Erinnerung an alte Zeiten.
Aufgabe: Lies eine Woche hindurch jeden Abend auf der Wasseruhr den Wasserverbrauch deiner Familie ab und schreibe ihn auf! Errechne dar aus den Wasserverbrauch pro Kopf und Tag in
eurer Familie!
Zählerstand unserer Wasseruhr in der Woche vom ... .. bis ... ..20..(Manche Wasseruhren sind schwer abzulesen, sicherlich helfen dir Vateroder Mutter dabei.) Montagabend 18:00 Uhr: a ............
Liter Dienstagabend 18:00 Uhr: b ............ Liter Mittwochabend 18:00 Uhr: c ............ Liter Donnerstagabend 18:00 Uhr: d ............ Liter Freitagabend 18:00 Uhr: e ............ Liter
Samstagabend 18:00 Uhr: f ............ Liter Sonntagabend 18:00 Uhr: g ............ Liter Berechnung: ........... - .......... = h .......... Liter Zahl aus g Zahl aus a in der Woche ........... : 7
: .......... = i .......... Liter Zahl aus h Anzahl pro Personen Person im und Haushalt Tag (Der Bundesdurchschnitt liegt bei 150 Liter pro Person und Tag)
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Die Kläranlage Kap 7-7
Heute Mittag gab es Nudeln mit Tomatensoße. Nach dem Essen spült die Mutter schnell die Teller ab. Sie sieht sich das Spülwasser an und
sagt:„Heute Mittag haben wir aber schmutziges Wasser.“ Dann lässt sie das Wasser ablaufen.
Das schmutzige Wasser fließt nun das Wasserrohr hinunter bis in den Keller. Das Wasserrohr des Hauses ist an das Kanalrohr unter der Straße angeschlossen. Von allen Haushalten kommt das schmutzige
Wasser zusammen und fließt zum Hauptsammler. Aber nicht nur das Schmutzwasser kommt hier an, sondern auch das Regenwasser. Der ältere Teil der Stadt hat eine Mischwasserkanalilsation. Das bedeutet,
dass Regenwasser und Schmutzwasser in einem Kanal zusammen fließen. Die neuen Teile der Stadt haben ein Trennsystem. Hier fließt in einem Kanal nur Regenwasser und in einem anderen Kanal das
Schmutzwasser.
Vom Hauptsammler wird das Wasser zum Hauptpumpwerk gebracht. Das Wasser wird von Kreiselpumpen gehoben und über drei Druckrohrleitungen zur Kläranlage gepumpt. Hier wird das Abwasser von einem
Schneckenpumpwerk aufgefangen und hoch gepumpt, bis es die Rechenanlage erreicht. Die Rechenanlage hält alle groben Stoffe, z.B. Toilettenpapier, zurück. Von hier aus fließt das Wasser zum Sandfang.
Im Sandfang werden die Schwimmstoffe wie Fett und Öl, aber auch Sand entfernt. Vom Sandfang aus fließt das Wasser in das Schlammbelebungsbecken. Kleinlebewesen und Bakterien verwandeln halbgelöste
und gelöste Verschmutzungen, z.B. die Tomatensoße, in Schlammflocken. Die Bakterien brauchen zum Arbeiten Sauerstoff. Über Belüftungskreisel wird ständig Sauerstoff zugeführt. Dies führt auch dazu,
dass das Wasser immer in Bewegung ist und der Schlamm sich nicht absetzen kann. Nach drei Tagen ist das Wasser so sauber, dass es in das Nachklärbecken geleitet werden kann. Hier setzt sich der
Schlamm ab. Das Schmutzwasser ist jetzt gereinigt und wird dem Helmbach zugeführt.
Ein Teil des Schlammes wird zurück in das Belebungsbecken gebracht. Die Bakterien in dem Schlamm müssen weiter arbeiten. Der überschüssige Schlamm wird so bearbeitet, dass er nachher von den Bauern
auf den Feldern verteilt werden kann.
Bei Regenwetter ist die Wassermenge zu groß. Die Kläranlage kann nicht alles auf einmal reinigen. Das überschüssige Wasser wird in ein Regenüberlaufbecken geleitet. Hier lagert es solange, bis es
nicht mehr regnet. Dann wird es nach und nach der Kläranlage zugeführt und auch gereinigt. Regnet es unentwegt, läuft das Regenüberlaufbecken über. Das übergelaufene Wasser ist so stark verdünnt,
dass es ungereinigt in den Helmbachfließen kann.
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Damit ihr die Kläranlage besser verstehen könnt, fahrt mit euren Lehrern mal hin und besichtigt sie.
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Notruf 112 - Feuerwehr im Einsatz Kap 7-7
Es ist 17.30 Uhr, Herr Meier ist vor einer halben Stunde von der Arbeit gekommen und hat gerade etwas gegessen.
Das Auto steht noch vor der Garage. Da heult die Sirene plötzlich dreimal laut auf. Der Ton ist gleichmäßig. Da weiß Herr Meier, dass es in Sendenhorst brennt. Er stürzt zum Schrank mit seiner
persönlichen Feuerwehrausrüstung. Schnell zieht er sich seinen Feuerwehranzug und die Stiefel an, setzt sich den Helm mit dem Nackenschutz auf, legt den Hakengurt an und greift nach den Handschuhen.
In den nächsten Sekunden eilt er zum Auto und fährt, so schnell es der Straßenverkehr zulässt, zum Feuerwehrhaus.
Dort warten im Löschgruppenfahrzeug schon
einige Kameraden. Sie erzählen hastig, dass in Rinkhöven eine Scheune brennt. Schon ist das Auto bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Fahrer schaltet das Martinshorn und das Blaulicht ein, und es
geht los. Die Männer von der Freiwilligen Feuerwehr sitzen gespannt auf ihren Plätzen.
An der Brandstelle finden sie bereits das Tanklöschfahrzeug vor. Sofortrollen sie die Schläuche aus. Auf das vordere Ende des Schlauchs wird das Strahlrohr gesetzt. Schon ruft der Brandmeister: "
Wasser, Marsch!" Schon beginnt das Löschen.
In der Zwischenzeit haben einige Männer den Auftrag bekommen, sich im brennenden Gebäude umzusehen. Dort entdecken sie einige Tiere, die sie schnell ins Freie bringen. Schon ist das mitgebrachte
Wasser zu Ende. Aber einige Kameraden haben bereits 500 m Schlauch ausgerollt und das hintere Ende an einen Hydranten angeschlossen. Am vorderen Ende wurde wieder ein Strahlrohr aufgeschraubt, und
schon kann die Bekämpfung des Brandherdes weitergehen.
Inzwischen treibt der aufkommende Sturm brennendes Stroh und glühende Holzsplitter vor sich her. Die Männer sind froh, dass der Helm mit Nackenschutz und der Feuerwehranzug sie vor diesen glühenden
Teilchenschützen.
Jetzt lässt das Feuer nach. Der Brandmeister untersucht den Brandherd. Teile des Scheunendaches sind während der Brandbekämpfung eingestürzt.
Herr Meier und seine Kameraden müssen den unbeschädigten Teil des Gebäudes untersuchen, ob noch irgendwo ein kleiner Brandherd existiert. Sie können aber melden: " Alles in Ordnung !"
Jetzt werden die Schläuche wieder eingerollt und zur Schlauchwaschanlage nach Beckum gefahren.
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Der Schlauchanhänger wird im Gerätehaus sofort mit Reserveschläuchenbestückt. Man weiß nie, wann wieder etwas passiert. Alle gebrauchten Geräte werden wieder an den üblichen Platz gebracht. Der
Feuerwehrmann muss alle Geräte sofort finden; denn es kommt oft auf Sekunden an.
Auch Herr Meier reinigt zu Hause angekommen sofort seine Ausrüstungsgegenstände und den Feuerwehranzug. Alles wird wieder an den richtigen Platz gelegt.
Bei richtiger Lösung findest du in der Spalte A ein wichtiges Gerät der Feuerwehr! Du findest alle Wörter in der Geschichte wieder.
1. Die Stelle, wo es brennt.
2. Gerät, das den Feuerwehrmännern meldet, dass es brennt.
3. Gehört zur Ausrüstung des Feuerwehrmannes und ist am Helmangebracht.
4. Schützt die Hände des Feuerwehrmannes.
5. Eine Aufgabe der Feuerwehr.
6. Das ist eine Zeitangabe.
7. Der Chef der Feuerwehr.
8. Ertönt laut aus dem Feuerwehrfahrzeug.
9. Wird von der Feuerwehr bekämpft.
10. Davon benötigt die Feuerwehr oft große Mengen.
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8. Brauchtum
Sitten & Gebräuche Kap 8-1
Karfreitagsprozession
Zu dem katholisch münsterländischem Brauch in der Osterzeit gehört in Sendenhorst seit 1721 die Karfreitagsprozession. Früher trug während der Prozession ein maskierter Mann ein Holzkreuz, dessen
Gewicht durch Steine erhöht werden konnte.
Das Amt dieses unbekannten Büßers "Krüs - Leiwe - Häer" war sehr
begehrt. Angeblichliefen schon Jahre vorher Meldungen dafür beim Pfarrer ein. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel diese Sitte jedoch, und junge Burschen hänselten oftmals den vermummten Mann. Deshalb
verbot Pfarrer Lorenbeck 1839 die Kreuztracht.
Karfreitagsfastenessen
Am Karfreitag werden als Fastenspeise Struwen gegessen.
Rezeptur:
1 kg Mehl 2 Päckchen Hefe 1 TL Salz4 EL Zuckerca. 600 ml angewärmte Milch 150 g Rosinen
Aus Mehl, Hefe, Salz, Zucker und Milch einen Hefeteig anrühren und kneten; den Teig an einem warmen Ort gehen lassen; anschließend erneut kneten und die Rosinen gleichmäßig darunter mengen. Die
Struwen werden in Fett gebacken. Ca. hühnereigroße Portionen in die Pfanne geben und mit dem Pfannenheber ein wenig platt drücken. Die angegebene Menge reicht ungefähr für 25 Struwen.
"Üm de Wälle gaohn"
Mit dem zwölften Glockenschlag der Kirchturmuhr gehen sie in der Osternacht los - seit
Jahrhunderten.
In zwei Gruppen hintereinander ziehen Männer dreimal um den Promenadenring und verkünden die Osterbotschaft: "Christus ist auferstanden!" Die Sitte des "Üm de Wälle gaohn" stammt schon aus dem
Mittelalter. Damals zogen junge Männer über die Festungswälle, von denen Sendenhorst umgeben war. Nach deren Planierung führt der Weg deshalb heute durch die Promenaden. Die überlieferten Liedertexte
gab immer der Vater an den Sohn weiter. Frauen waren lange Zeit bei diesem Tun nicht zugelassen. Nach dreiweiten und drei engen Runden um die Kirche endet der Osternachtsgang an der Ostseite der
Kirche mit einem Gebet.
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Die Brandprozession
Neben der überall in katholischen Gemeinden üblichen Fronleichnamsprozession gibt es in Sendenhorst auch eine Brandprozession. Früher waren die meisten Häuser in der Stadt im Fachwerkstil errichtet
und mit Stroh gedeckt. Brach erst einmal ein Feuer aus, so griff es rasendschnell auf viele Häuser über. Die Einwohner gelobten daraufhin, alljährlich eine Brandprozession zuhalten, um vor weiterem
Unheil verschont zu bleiben. Bis in die heutige Zeitziehen am dritten Sonntag nach Pfingsten die Leute betend und singend durch die geschmückten Straßen.
Bild oben: Altar für die Brandprozession
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Der Schützenverein
Die Ursprünge des Schützenvereins liegen im späten Mittelalter, die Bürger gründeten Schutzgemeinschaften, um die heimatliche Gegend und die Menschen des Ortes vor Wegelagerern und anderen Banden zu
schützen. Erst im Laufe der Jahrhunderte wich man von diesem Aufgabenbereich ab und widmete sich immer mehr der sportlichen und gesellschaftlichen Seite des Vereins. Einmal im Jahr konnte ein
Schützenfeststattfinden, bei dem sich die Schützen einen fairen Wettstreit lieferten. Im Juli 1864 vereinigten sich in Sendenhorst die Schützen der Stadt und des Kirchspiels (= Bauernschaften) zum
Allgemeinen Schützenverein Sankt Martin.
Die Johannesbruderschaft
Ganz in Schwarz gekleidet, marschieren Männer mit Handstock, Rosen und Zylinder in Zweierreihen durch den Ort, die Johannesbruderschaft feiert ihr alljährliches Schützenfest. Schon Ende des 15.
Jahrhunderts schlossen sich im Ort Sendenhorst Bürger zusammen und bildeten eine Bürgerwehr, um die Stadt vor Diebstahl, Raub, Plünderung, Mord und Vergewaltigung einfallender Truppen zu schützen.
Auch als Nothelfer standen sie jederzeit bereit. So war es auch 1606, im Gründungsjahr der Bruderschaft, als in Sendenhorst die Pest, der "schwarze Tod", besonders heftig seine Opfer forderte.
Kräftige und mutige Männer waren gefordert, die zahllosen Toten aus den Häusern zu holen und zu bestatten. Die schwarze Kleidung und die Marschordnung weisen heute auf diese Zeiten hin. Der
Zusammenhalt in der Gemeinschaft, die sich nach dem hl. Johannes ihren Namen gab, war so stark, dass sich die Bruderschaft trotz Wegfalls ihrer Zweckbestimmung bis heute, nun allerdings zum
friedlichen Wettstreit bei Gesang und Becherklang, trifft.
Verstehst Du noch Platt? Kap 8-2
Wenn im Frühjahr der Saft in die Bäume stieg,
machen sich die Kinder ausWeidenholz kleine „Säppken“ (Flöten). Die Rinde auf einem glatten Holz wurde so lange geklopft, bis sie „sappkig“ (saftig) war und sich ablösen ließ.
Dabei sprachen die Kinder diesen Bastlöserreim:
Säppken, Säppken, Sunnerhut, Dat Water löpp herunnerrut. Dao kam de Pape, De konn dat Säppken maken. Dao kam de luse Kadde an, De namm de Pape dat Säppken af Un leip daomet to Holte, to Bolte.
Säppken, Säppken, wust du no nich af, Ick hogge di dreimaol`n Kopp af.“
Ein anderer Bastlöserreim: „Häppken, Häppken, Piepe, Wannähr bist du riepe. In Mai, in Mai, in Mai, Wann de Vugelkes Eier leggt, Wann de Maiken Bluomen sögg, “In Mai, in Mai, in Mai" .
Zum Schluss sagten die Kinder:„Dat Stücksken is out, Fleitpiepken kuom rout !"
Spinnreim aus
Sendenhorst
Wann`t Aobend is, dann spinnt de Fuhlen, Schreit de Uhlen, Dann geiht dat Rad, En ticke, tack, O Hiär, ik arme Kind, Ik mott nao füftein Bind.
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Lied bi`t Kneirieen Sige, Sage, Hottewage, Späöhn in`t Füer, Haolt is düer, Füerhaolt kost`n dicken Dahler. Kabbuß in`t Water.
Kinnerliedkes und -reime
Backe, backe, Koken De Bäcker hät all ropen. We will liärnen Koken backen, De mott häbben sieben Saken: Eier un Schmaolt, Sucker un Saolt, Miälk un Miähl Saffraon mäk de Koken giäl !
Suse, Kinneken, suse Ächter usen Huse, Dao steiht son Baimken kruse Dao sitt söcke giälle Äppelkes op, De fallet usen (Name) op`n Kopp. Püske, Püske, päck, päck, päck Hunnert Dahler räck, räck, räck.
Gaoh naon Markt un kaup en Küken, Wat mag he dann. Kälfken, Schwälfken, Dideldälfken. Bimm, bamm, beier, De Köster mag keene Eier. Beer in de Kann, Speck in de Pann. Oh, watt`n aollen Slickertann.
Jänsken, Dideldänsken, Frau Moder kokt Papp. Hätt se kine Miälke, dann miälkt se de Katt, Hätt se kin Kättken, dann miälkt se dat Müsken, Hätt se all Dage Miälk in iähr Hüsken. Kleine, kleine
Krüterkes, Wat döhs du in usen Gaorn. Plücks mi alle Blömkes aff, Dat mäcks du mi doch vill to groff. Din Mama wull die kriegen, Din Papa wull die sloahn. Kleine, kleine Krüterkes, Laot use Blömkes
staohn. Drüksken in`n Gaorn Hät de Kükskes verluorn. Drüksken kuom hier, De Küksken sind de wiär.
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O Bur, wat kost´t dien Hei?
1. O Bur, wat kost´t dien Hei, o Bur, wat kost´t dien Kärmis-Hei, jucheissa-vivat Kärmis-Hei, o Bur, wat kost´t dien Hei? 2. Mien Hei, dat kost´t ´ne Kron´,... 3. O Bur, dat is viell to dür,... 4. Nu
söck sick de Bur ´ne Fru,... 5. Dütt is miene laiwe Fru,... 6. O Bur, wat ´ne schöne Fru,... 7. Nu söck sick de Bur en Kind,... 8. Dütt is mien laiwet Kind,... 9. Oh Bur, wat en schönet Kind,... 10.
Nu söck sick de ´ne Magd,... 11. Düt is miene laiwe Magd,... 12. Oh Bur, wat ne schöne Magd,... 13. Nu söck sick de Bur ´nen Knecht,... 14. Dütt is mien laiwe Knecht,... 15. Oh Bur, wat en schönen
Knecht,... 16. Nu söck sick de Bur ´nen Rüen,... 17. Dütt is mien laiwen Rüen,... 18. Oh Bur, wat en schönen Rüen,... 19. Nu söck sick de Bur ´nen Knuocken,... 20. Dütt is mien laiwen Knuoken,... 21.
O Bur, wat en schönen Knuoken,... 22. Nu söck sich de Bur ´nen Pottlecker,... 23. Dütt is mien laiwen Pottlecker,... 24. O Bur, wat en schönen Pottlecker,... 25. Nu krich´de Bur ´nen Schupp,...
9. Pläne & Karten
Vier Türme in unserer Stadt Kap 9-1
(Grafik fehlt)
Aufgabe: Schreibe unter jeden der Türme das Baujahr und die Höhe des Turmes! Sie sind maßstäblich gezeichnet, so kannst Du gut die Unterschiede sehen.
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Plan von Sendenhorst 1831 Kap 9-2
