Heimatverein Sendenhorst e.V. *1925
Heimatverein Sendenhorst e.V.*1925

Geschichtensammlung, Teil 2/4

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Die Feme in der Sendenhorster Freigrafschaft Nr. 21 | NN

 

Der Sendenhorster Freistuhl - einer der bedeutendsten in Westfalen. Genau vor 500 Jahren erlangten in Westfalen die Femgerichte ihre größte Bedeutung. Die Freistühle befanden sich vornehmlich in der Nähe der Königsstraßen, da die Gerichtsbarkeit auf diesen unter Königsschutz stehenden Straßen den Freigerichten unterstand. Sie richteten über alle strafbaren Handlungen, die auf der Königsstraße geschahen, sowie über alle Beschädigungen der Straße selbst.

 

Zur eigentlichen Zuständigkeit der Feme gehörte das Notgericht des bei "handfester Tat" betroffenen Diebes oder Räubers. Zu den schweren Verbrechen, für die das Femgericht zuständig war, kam später der "Verrat" der Feme an einen Unwissenden" hinzu.
Im Laufe der Zeit drängte sich bei den Freigerichten das Geheimnisvolle immer mehr vor. So legte als Erkennungszeichen der ankommende Schöffe seine Rechte auf die linke Schulter des anderen und teilte ihm die Losungsworte aus dem Femeide mit. Dem Beklagten wurde der Ladebrief an die Tür geheftet. Weiter schlug man drei Kerbe in den Torriegel und legte einen Königspfennig hinein. Die ausgehauenen Späne wurden als Zeichen der ausgeführten Zustellung mitgenommen. Das Femding wurde etwa dreimal im Jahr an offener Landstraße unter einer alten Linde oder Eiche abgehalten. Auf der steinernen Bank lag der Weidenstrick.
Den Schuldigen traf bei schweren Vergehen die Todesstrafe durch Erhängen, die bei Anwesenheit sofort vollzogen wurde. War der Verfemte abwesend, so musste man ihn ohne weiteres hängen, sobald drei Schöffen ihn ergriffen. Übereinstimmend berichten die Urkunden, daß der Sendenhorster Freistuhl zu den bedeutendsten in Westfalen zählte und seit 1319 oft genannt wurde. Er lag in der Nähe der Königstraße unweit des Hofes Tergeist, wörtlich "In platea regia propre opp. S. ante curtim dictam toe Ghest." Die hiesige Freigrafschaft umfasste die Orte Albersloh, Sendenhorst, Vorhelm und einen Teil von Ahlen, wahrscheinlich die Bauerschaft Halene. Da der Sendenhorster Freistuhl zum Hauptstuhl im Dreingau wurde, nannte man später die Freigrafschaft auf dem Drein, zu der auch Drensteinfurt und Rinkerode zählten, einfach die Sendenhorstsche Freigrafschaft. Die Werse trennte sie von den Freigrafschaft Volmestein.

Als erste Lehnsträger der hiesigen Grafschaft treten die Grafen von Ysenburg auf. Im Jahre 1224 wurden diese des Lehens für verlustig erklärt, weil ein Graf Friedrich von Ysenburg wegen Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert in die Acht erklärt worden war. Nachdem auch die aus diesem Geschlechte stammenden Grafen von Limburg ihre Rechte daran abgetreten hatten, wurden die Ahlener Ritter von Schröder, die auch Inhaber der Freigrafschaft um Ahlen waren, mit der Sendenhorster Freigrafschaft belehnt. Wahrscheinlich hielten diese hier nicht ständig einen Freigrafen. Das Recht eines Schröderschen Freigrafen versahen 1269 Heymo von Harwic, 1318 Johann von Rynckhöve, 1328 Bernhard Dasle, 1332 Reinherus von Frilwio, weiter Bolekes, Bernhard, Bert de Bose von 1354-1367. Dazwischen richteten als bischöfliche Freigrafen 1298 in Halene Walram, vor der Stadt der Knappe Ludolf Spaen und als Beauftragter der Ritter von Schröder 1336 der Freigraf der Stadt Münster, Ludolf van Wisch. Dann wurde die Familie von Büren zu Davensberg Inhaber der hiesigen Grafschaft, die sie aber an die Familie von Boliken weiter verlieh. Danach kaufte der Bischof Florenz von Wewelinghoven der auch den Bau der Lambertikirche begann, im Jahre 1367 fünf Freistühle bei Sendenhorst und einen in der Stadt zum Preise von 700 RM, um vermutlich die Tätigkeit der Grafengerichte mit königlicher Bannleihe einzuengen. Dafür verkaufte er wieder verschiedene hier gelegene Höfe, darunter den Levekenmanshof.

Angenommen wird, daß die Sendenhorster Freigrafen im 14. Jahrhundert auch auf einigen Freistühlen der benachbarten Grafschaft Oesede, zu der Hoetmar und Enniger gehörten, Recht sprachen. Nach 1367 aber werden sie in keiner Urkunde mehr erwähnt. Um 1400 scheint der Richtstuhl in der Hohen Ward bei Albersloh den Sendenhorster Hauptstuhl abgelöst zu haben. Dort will man auch vor 50 Jahren beim Abgraben der Galgenknäppe viele menschliche Skelette, deren Schädel zum Teil mit dicken Nägeln durchbohrt waren, gefunden haben. Es soll sich dabei um die zum Tode durch den Strang oder am Rad verurteilter Verbrecher gehandelt haben.

Nach dem dreißigjährigen Kriege war es mit der Macht der Feme aus. Allerdings erhielten sich einige Dingstühle noch lange. Der letzte Oberfreigraf von Arnsberg starb 1830. Das letzte Femgericht soll 1811 in Gemen stattgefunden haben. Berichtet wird, daß ein Übergriff der anmaßend gewordenen Schöffen bei Sendenhorst den Bischof Erich von Münster veranlaßt haben soll, die Femgerichte in seinem Gebiet aufzuheben. Das Kumannsche Manuskript besagt: Im Jahre 1516 übten einige Freischöffen im Kirchspiel Sendenhorst einen Gewaltstreich, der den so fürchterlichen Femgerichten einen gewaltigen Stoß versetzte. Auf dem Hofe Horstrup waren diese Männer zu einem Gastmahle eingeladen und unterredeten sich in einer den Gästen unverständlichen Sprache. Einer der anwesenden Gäste Namens Hesso erlaubte sich die Bemerkung, er habe alles verstanden, was sie gesprochen hätten. Als er in der Nacht nach Hause wollte, lauerten sie ihm auf, ergriffen ihn und hängten ihn an den ersten besten Baum. Noch heute erinnert ein am Wege stehendes Kreuz an diese Freveltat.

 

     

 

Wiedertäuferunruhen auch in Sendenhorst

 

Nr. 23 | NN

Die Hauptstadt Westfalens war vor 400 Jahren der Schauplatz des Aufruhrs der Wiedertäufer. Wenn das "Reich des himmlischen Jerusalems" in fast ganz Deutschland und in den Niederlanden Anhänger hatte, so war, …

 

…die Zahl der Wiedertäufer besonders groß in den der Stadt benachbarten Orten. Münster selbst, das damals gegen 15 000 Einwohner zählte, hatte allein in 8 Tagen einen Zulauf von 1400 Wiedertäufern zu verzeichnen. Während der Belagerung der Stadt sympathisierten gerade die im östlichen Teile des Bistums gelegenen Städte Warendorf, Beckum und Ahlen mit den Münsteranern. Bild: Historische Darstellung der Hinrichtung der Wiedertäufer auf dem Prinzipalmarkt von Münster, 1607 Wenn auch der Belagerer, Fürstbischof Franz von Waldeck, von den Nachbarfürsten mit Geld, Landesknechten und Geschützen unterstützt wurde, so blieb ihm bei dem heldenmütigen Widerstand anfänglich die Einnahme der Stadt verschont. Zudem verließen große Haufen der Soldaten des Fürstbischofs ihre Fahnen.

Die Flüchtigen, die nicht gegen die Wiedertäufer kämpfen wollten, wendeten sich nach Sendenhorst und steckten hier einen Hof des Gerd von Plettenberg, die Trockenburg, in Brand. Der erzürnte Bischof gab dem Rittmeister Bernhard von Westerholt den Befehl, die Meineidigen zu verfolgen, den Rädelsführern die Köpfe abzuschlagen und den übrigen zwei Finger der rechten Hand abhauen zu lassen. Diese hatten sich auf dem im Süden der Stadt gelegenen Jungmann‘schen Hof verschanzt, der mit einem Graben umgeben war. hier setzten sie sich tatkräftig zur Wehr. Der bischöfliche Ritter Theodor von der Recke und sein Vetter, ein Domherr, warfen den Schlagbaum aus und sprengten mit den Reitern auf den Hof. Doch wurden sie mit einem Kugelregen empfangen. Der Ritter fiel tot vom Pferde. Der Domherr blutete aus mehr als zehn Wunden. Die übrigen zogen sich zurück und schickten einen Reiter ins fürstbischöfliche Lager, um große Geschütze kommen zu lassen. Als damit die Belagerung von neuem begann, verloren die Ausreißer den Mut und ergaben sich auf Gnade und Ungnade. Sie wurden nach Wolbeck gebracht und in die dortige Kirche eingesperrt. Das Kriegsgericht verurteilte alle zum Tode. Doch wurden nur die Rädelsführer hingerichtet, die übrigen aber begnadigt.

Am 24. und 25. Juni 1535 eroberte Fürstbischof Franz von Waldeck die Stadt Münster. Die Leichname der Führer der Wiedertäufer, Jans von Leyden, Knipperdolling und Bernhard Krechting befestigte man zum abschreckenden Beispiel für die nachfolgenden Geschlechter in eisernen Käfigen oben am Lambertiturm.

 

     

 

Von Feuersnot und Feuers Wehr im alten Sendenhorst

Nr. 27 | NN
 

In den Annalen der Sendenhorster Geschichte befinden sich seit dem hohen Mittelalter Nachrichten über Brände, die uns heute ihrer Zahl und Heftigkeit wie der Schwere ihrer wirtschaftlichen Folgen nach überraschen. In Kriegszeiten...

 

Sendenhorst. In Kriegszeiten waren es allzu oft die Brandfackeln der das Land mordend und segnend durchziehenden Soldateska, die der alten Martinusstadt harte Schäden brachten. In den glücklicheren Zeiten des Friedens verursachten nur zu häufig Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit der Einwohner verheerende Feuerbrände.

Bild:
Fuhpark der Feuerwehr1970er


Bereits in dem Jahre 1323 soll Sendenhorst von der ersten Brandkatastrophe getroffen worden sein. Über die näheren Umstände sind wir nicht mehr unterrichtet. Etwa 2 Jahrhunderte später, am 23. Oktober 1529, brannte mitten im Frieden die ganze Stadt - mit Ausnahme einiger Häuser im Süden und Westen - innerhalb zweier Stunden vollständig nieder; auch der Kirchturm mit seinen fünf Glocken wurde vom Feuer zerstört. Wie der Brand entstand, ist nicht bekannt. Der 3. November 1639 legte den Stadtteil zwischen dem Nord- und Osttor mit Ausnahmen weniger Häuser in Asche. Etwa 80 Gebäude verbrannten. Am 29. Dezember 1650, da entstand auf der Südstraße ein Brand, der 50 Häuser einäscherte; auch das Rathaus ging in Flammen auf. Es wird uns berichtet, daß sechs lange Jahre vergingen, ehe die Bewohner in der Lage waren, die Häuser wieder aufzubauen. So schwer hatte der 30jährige Krieg die wirtschaftliche Kraft der Sendenhorster geschwächt.

Im Jahre 1666 brannten etwa 18 Häuser nieder. Der Brand ist dadurch entstanden, daß der Blitz in das ehemalige Sechlersche Haus einschlug - vermutlich auf der Stelle des heutigen Siekmannschen Hauses. Das Pfarrhaus, das dich am Brandherde lag, blieb vom Feuer verschont. Zu den größten aller Brände zählt die Feuerbrunst am 19. Sept. 1749. Mehr als 100 Häuser, in denen die Ernte schon zum großen Teil eingespeichert war, ging in Flammen auf. Auch das Pfarramt wurde an diesem Tage von den Flammen vollständig vernichtet. Wie es heißt, war die Ursache des Brandes eine leidige Unsitte früherer Jahrhunderte, das Flachstrocknen. Zwei Jahre später, am 17. April 1751, stand wieder die ganze Weststraße in Flammen. An dem neuerbauten Pastorat brannte das Dach nieder. Am 10. April 1764 abends entstand ein Brand, dem 17 Häuser zum Opfer fielen. Ein sechsjähriger Knabe war mit einer Öllampe auf die Hille geklettert, um ein Huhn zu fangen; diese Unvorsichtigkeit hatte die bitteren Folgen. Von den in den Feuersbrünsten 1749, 1751 und 1764 abgebrannten Häusern besitzen wir noch ein Verzeichnis.

1768 wurde aus den Gerichtsakten eine tabellarische Übersicht der Wohngrundstücke angefertigt, und darin ist neben der genauen Beschreitung des Baues und seiner Belastungen angegeben, wann das Haus niederbrannte.

Die Tabelle nennt für 1749 folgende abgebrannte Häuser:
Ostviertel 1.Joan Berndt Westhues, Weber, 2. Joan Henrich Beumer, Tagelöhner, 3. Bernd Henr. Bröker, Schuster, 4. Josef Mertens, Fuselbränner, , Südviertel, , 5. Balthasar Linnemann, Weber, 6. Bern. Hen. Vinnewaldt, Holschen- und Pumpenmacher, 7. Wittibe Tilkmann,, 8. Werner Vinnewaldt, Holschenmacher, 9. Katharina Schikamp, Tagelöhnerin, 10. Alexander Abraham, verkleideter Jude ( d.h. mit einem Schutzbrief versehener Jude ), 11. Balthasar Läer, Schuter, 12. Herte Jakob, verkleideter Jude ( Eigentümer Erben Hein. Bonse ), 13. Erben Heinrich Bonse, 14. Joan Elmenhorst, Holschenmacher, 15. Geislore, Hausstätte, ( Eigentum von Wigboldt Sendenhorst ), 16. Joan Bernd Wieler, Wirtschafter, 17. Joseph Feyling, Rockendräscher, 18. Friedrich Scholer, Schneider, 19. Hermann Kamman, Fassbänder, 20. Joan Hermann Winckelaedt, Wirtschafter und Brauhaus, 21. Mauritz Haartmann, Schneider, 22. Lohkamp, Cammerarius, 23. Gebrüder Hesselmann, 24. Salomon Ritz, Chirurgus ( Eigentümerin Wittibe David Linnemann ), 25. Anton Herte, Pförtner ( Eigentümer Wigboldt Sendenhorst ), 26. Henrich Junckmann, Weber, 27. Berndt Schmidtkamp, 28. Berndt Henr. Baertman, Fuhrmann, 29. Jürgen Brücker, Tagelöhner, 30. Jobst Furst, Fassbänder, 31. Henrich Schmitz, Tagelöhner, 32. Anton Strickmann, Weber, 33. Christian Panninck, Weber, 34. Stkthove ( Eigentümer Wigboldt Sendenhorst ), 35. Joan Strickmann ( Eigentümer W. Sendenhorst ), 36. Joan Berndt Kohues, Weber, 37. Joan Berndt Bunger, Weber, 38. Joan Herm. Tobeininok, Weber ( Eigentümer Balthasar Suermann ), 39. Joan Heyman, Tagelöhner ( Eigentümerin Wittibe B. Ditherich Bonse ), 40. Erben Joan Aerdtman, Taglöhner, 41. Joan Berndt Averdunck, Taglöhner, 42. Joan Berndt Speigelberg, ( Eigentümer Joan Henr. Recker ), 43. Joan Berndt Lütkehues, Weber, 44. Henrich Weissen, Weber, , Westviertel, , 45. Wittibe Stallkmegt, Hebamme, 46. Joan Berndt Höne, Schuster, 47. Anton Höne, Schuster, 48. Alexander Schlenker, Tauschläger, 49. Joan Henr. Hölscher, Wirtschafter, Brauhaus, 50. Joan Dirck Laikmann, Weber ( Eigentümer Erben Wettendorf ), 51. Melchert Kempers, Taglöhner, 52. Bürgermeister Gerhardt Henr. Bonse, Kayserlicher Posthalter, 53. Meinolf Bieckmann, Taglöhner, 54. Anton Westhues, Taglöhner, 55. Jürgen Speigelberg, Taglöhner, 56. Wittebe Veltmann, 57. Wittibe Mengersheim ( Eigentümer der letzten 6 Häuser, Richter und Doktor Joan Joseph Ernst Beichhorst ( Westl. Seite der Südstraße ), 58. Wittibe Meyer, 59. Vicarienhaus ad sanktam Catharinam, , Nordviertel, , 60. Joan Berndt Schöckinghoff, Fassbänder, 61. Andreß Spitthöver, Brodtbäcker, 62. Joan Henr. Osthues, Schmidt, 64. Arendt Bröker, Taglöhner ( Eigentümer Erben Wittibe Steman ), 65. Wittibe Baertmann, Taglöhnerin, 66. Joan Henrich Berinck, Schmidt, 67. Joan Dirk Feye, Wirtschaftler, Brauhaus, 68. Joan Henrich Bücker, Cramer, 69. Joan Henrich Kößendrup, Rademacher ( Anno 1749, den 19. Septembris hat der Brandt in diesem Hause seinen Anfang genommen ), 70. Joan Henrich Hillebrandt, Schneider, 71. Bürgermeister Joan Berndt Schmidtkamp, Cramer, 72. Ernst Homoeth, Pastor ( Pastorat ), ,

Verzeichnis der am 17. April 1751 abgebrannten Häuser.
Westviertel 1. Martin Krey, Fuhrmann 2. Schoppen und Spieker von Schulte Zurgeist ( Eigentümer von Beverförde zu Heymesborg ) 3. Bertram Bülte, Pförtner ( Eigentümer Wigboldt Sendenhorst ) 4. Berndt Hartman, Taglöhner 5. Hermann Brandhöve, Zimmermann 6. Joan Wehsemann, Zimmermann 7. Joan Henr. Telgman, Weber 8. Dirck Herm. Fröhlinck, Windmüller 9. Jürgen Höne ( Eigentümer Wigboldt Sendenhorst ) 10. Wittib Dirck Junfermann, Fusellbrännersche 11. Balthasar Rinckhof, Weber 12. Wilhelm Meitlinck, Wannpflicker 13. Joan Herm. Tumbrinck, Korbmacher 14. Joan Wilhelm Bonse, Wirtschafter 15. Joan Melchior Wittibe Frenking, Windmüller 16. Wittibe Berndt Ditherich Bonse, Brauhaus 17. Joan Henr. Spitthöver, Zimmermann, ( Geburtsstätte des Stifters des St. Josephstiftes, jetzt Weststraße Nr. 196 ) 18. Joan Herm. Vinnewaldt, Schuster 19. Joan Berndt Beumer 20. Joan Dirck Bücker, Schuster 21. Joan Henr. Hollinck, Schneider 22. Dirk Herm. Holtmann, Taglöhner 23. Joan Herm. Hardenberg, Taglöhner 24. Kaspar Meys, Fassbänder 25. Melchert Eddelink, Weber 26. Hermann Hardenberg, Taglöhner 27. Dirck Baertman, Kirspels Volgt 28. Dirck Röper, Taglöhner 29. Unbewohntes Haus 30. Anton Breulmann, Grüßenmüller 31. Haarbaum, Taglöhner 32. Dirck Junferman, Taglöhner 33. Conradt Bücker, Drillmacher 34. Balthasar Linneman, Weber 35. Dirck Angelkotte, Holschenmacher 36. Dirck Grolle, Taglöhner 37. Herm. Lass, Jäger ( Nr. 28 bis 37 Eigentum des Reichsgrafen von Merveldt, Drostenhof ) - Wolbeck Nordviertel 38. Joan Berndt Schöckinghoff, Fassbänder 39. Andreß Spitthöver, Brodtbäcker 40. Berndt Henr. Schotte, Holschenmacher 41. Joan Henrich Osthues, Schmidt ( Der Brand hat in diesem Haus seinen Anfang genommen) 42. Arendt Bröker, Taglöhner 43. Wittibe Baertman, Tagelöhnerin 44. Joan Henrich Berinck, Schmidt 45. Joan Dirck Fye, Wirtschafter 46. Joan Henrich Bücker, Cramer 47. Joan Henrich Kößendrup, Rademacher 48. Pastorat, teilweise abgebrannt 49. Joan Herm. Debbelt, Schneider 50. Dirck Hermann Eddelinck 51. Joan Feckler, Fuhrmann 52. Joan Berndt Osthues, Schuster 53. 8 Gadems dem Hofrat Mensing gehörig 54. Zeller Schöckinghoff, zur Hälfte Eigentum von Stift Freckenhorst 55. Joan Henr. Vinnewaldt, Weber ( zwischen den beiden letzteren Häusern stand bis etwa 1750 das Haus der Vicarie ad St. Joh. Baptistam ) 56. Anton Schomaker, Maurermeister 57. Dirck Gerbers, Stuhlmacher 58. Joan Schröder, Schreinermeister 59. Joan Henrich Geilern, Fuhrmann 60. Joan Berndt Beumer, lebt von seinem Ackerbau 61. Christian Feygell, Schuster 62. Joan Berndt Mönsterman, Schmidt 63. Henrich Greive, Holschenmacher ( Eigentümer Joan Herm. Schmitz ) 64. Joan Berndt Lange, Schmidt 65. Anton Rottmann, Holschenmacher 66. Anton Haarbaum 67. Armenhaus ( Eigentum von Wigboldt Sendenhorst ) Ostviertel 38. Joan Henrich Beumer, Tagelöhner Verzeichnis der am 10. April 1764 abgebrannten Häuser. 1. Ein der Kirche gehöriges unbewohntes Haus 2. Joan Berndt Humels, Weber 3. Wittibe Haarbaum 4. Joan Anton Kleßing ( in diesem Haus entstand 1764 der Brand ) 5. Joan Hagedorn ( Eigentümer Melchert Quante ) 7. Balthasar Niehues, Taglöhner 8. Joan Berndt Quante 9. Andreß Linneman 10. Joan B. Humels 11. Anton Kleßinck 12. Jobst Beumer 13. Ditherich Gimberg 14. Wittebe Herweg 15. Henrich Hagedorn, Weber 16. Kaspar Möllers 17. Melchert Quante


Die Feuersbrunst am 29. April 1806, begünstigt durch einen heftigen Wind, forderte in wenigen Stunden von den 280 Häusern außer den Nebengebäuden 141 Privathäuser. Werte von etwa zwei Millionen Mark wurden vernichtet. Auch der Turm der alten Kirche mit vier Glocken, das Rathaus und Pfarrhaus wurden ein Raub der Flammen. Nur die Südstraße und ein Teil des Nordviertels blieben verschont. Unbeschreiblich waren Jammer, Elend und Not, wenn auch die Verluste etwa zur Hälfte aus Versicherungsgeldern gedeckt wurden. Die meisten Bewohner hatten nicht die Möglichkeit, ohne drückende Schuldenlast ein bescheidenes Heim wieder aufzubauen, obwohl den Unglücklichen Hilfe von auswärts kam. Die Kollekten, die die Sendenhorster in der näheren und weiteren Umgebung durchführten, brachten die Summe von 3304 Rthlr. ein, von denen am 5. Juni 1807 2978 Rtlr. zur Verteilung kamen. Dabei wurde für die geschädigten Hauseigentümer und für die Mieter je ein besonderer Verteilungsmodus gewählt. Erstere wurden entsprechend der Bedürftigkeit in fünf Klassen eingeteilt, von denen die erste Klasse 35 Rtlr., die zweite Klasse 25 Rtlr., die 3 Klasse 20 Rtlr., die vierte 12 Rtlr., und die fünfte 8 Rtlr. erhielt. Die Mietbewohner, die in drei Klassen eingeteilt wurden, erhielten als Beihilfe für ihre geschädigten Mobilien in der ersten Klasse 8 Rtlr., in der zweiten 4 Rtlr. und in der dritten Klasse 2 Rtlr.

Die Nachweisung vom 21. Mai 1807 nennt die Namen folgender Hauseigentümer:
I. Klasse Everke, Silling jr., Amsel Salomon, Spiekermann, Ww. Wieler, Lammerding, Bücker, Suermann, Beumer, Marmet,
II. Klasse Küster Drees, Wiesmann, Klahölter, Lange, Hermann, Linnemann, Panning, Dahlhus, Bennemann, Suermann, Lütkehus, Brandhove, Linnemann, Seebröker, Spithöver, Schlenker, Vennewald, Spithöver, Winkelmann, Ahage, Mertens, ,
III. Klasse Hagedorn, Greiwe, Heymann, Barkholt, Burholz, Feyling, Ww. Osthues, Homann, Sulzer, Spithöver, Zumbusch, Bücker, Lütkehus, Brocks, Saerbeck, Oeink, Klehsing, Quante-Bartels, Niehues, Quante, Hagedorn, Greiwe, Panning, Homann, Linnemann, Widdehage, Bunte, Beckmann, Stapel, Steinbiecker, Spithöver, Bergensäger, Lütkehus, Gerdemann, Torwesten, Upphoff, Kössendrup, Buhmann, Hillebrand, Hardenberg, Schmalz, Prior, Arens, Grautegut, Schindler, Bücker, Ringhoff, Gehrs, Stumpe, Schlüter, Schmitz, Greiwe, Ww. Fieh, Mussenbrock, Hagedorn, Bergers, Hölscher, Höhne, Frycke, Krey, Beckmann, Wieberg, Holtmann, Brüser, Mais, Edeling, Lütkehus, Witte, Schotte, Bartmann, Bering, Kamann, Jungfer Catjon, Kalthoff, Junker, Schmetkamp, Debbelt, Schmitz, Ramers, Hartmann, Arnold Schmitz IV. Klasse Börger, Schmitz, Freise, Erdmann, Borgmann, Mertens, Jungfer, Bülte, Holling, Brüggemann, Bering, Asche, Widdehage, Edeling, Menz, Ww. Tiggers, Melch. Leser, Beumer, Fyhe, Mahle, Bülte, Jungfermann, Kleyer, Feigler, W. Jungfermann, Werring, Klehsing, Schmitz, Niehues B. - Klasse Lackmann Linnemann Tawidde Verzeichnis der geschädigten Mieter ( Die eingeklammerten Namen sind die Vermieter ) I. Klasse Schotte ( Schotte ) Schnarbaum (?) Schräder ( Gerbers ) Jungfer Hölling (?) Wielder (?) Geisler (?) Leifeld (?) II. Klasse Voß (Homann) Quante Wesemann ( Sulzer ) Geisler Bücker ( Wienberg ) Veltmann ( Klahölter ) Knipping ( Ramers ) Linnemann ( Lackmann ) Bartels ( Saerbeck ) Möllers ( Oeink ) Brune ( Gerdemann ) Lange ( Upphoff ) Bergmann ( Geers ) Hoppe ( Ww. Tigges ) Könen ( Holtmann ) Holtmann ( Brüser ) Rieping ( Jungfermann ) Bülte (?) III. Klasse Hannecke ( Catjon ) Jacob ( Schindler ) Hanskötter ( Bering ) Hartmann ( Linnemann ) Herzebrock ( Bunter ) Schotte ( Spithöver ) Bering ( Bücker ) Grolle ( Seebröcker ) Duffel ( Bülte )Bartmann ( Kleyer ) Schreffer ( Feigeler ) Knepper ( Werring ) Cr. Bülte ( Schmalz ) Arhövel (?) Arning (?) Hummel (?) Wenne ( Niehues)

 

     

 

Das Königliche Gnadengeschenk an die Abgebrannten von Sendenhorst Nr. 29 | NN

Sendenhorst. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Sendenhorst oft und schwer von Feuersbrünsten heimgesucht. Die enge Bauweise, die nicht feuerfesten Baustoffe, das unzulängliche Feuerlöschwesen begünstigten die Ausdehnung, besonders, wenn noch die Winde das Feuer peitschten und von Haus zu Haus weitertrieben. Menschliche Hilfe war dann machtlos im Kampfe mit den Elementen. So wurden mehrfach ganze Stadtteile in Schutt und Asche gelegt, und der Bürger wurde seiner sauer verdienten Habe beraubt...

 

Das größte Brandunglück, das Sendenhorst getroffen hat, war wohl am 29. April 1806, als innerhalb drei Stunden von den 280 Häusern 170 ein Raub der Flammen und für etwa eine halbe Millionen Mark Werte vernichtet wurden. Unbeschreiblich waren Jammer, Elend und Not. Wenn auch die Verluste etwa zur Hälfte aus Versicherungsgeldern gedeckt wurden, wenn auch der große Opfergeist anzuerkennen ist, der von auswärts kam und für die Unglücklichen 3304 Rthlr. brachte, so gewährten ihnen diese Beihilfen Trost und Hoffnung, aber den meisten nicht die Möglichkeit, ohne drückende Schuldenlast ein bescheidenes Heim wieder aufbauen zu können. Wer sollte und konnte da helfen?

Drei Jahre vorher hatten die Münsterländer in dem Könige von Preußen einen neuen Landesvater bekommen. Er hatte die feierliche Versicherung gegeben, ihnen mit "Königlicher Huld und Gnade und landesväterlichem Wohlwollen jederzeit zugetan zu sein." Im Vertrauen auf dieses Versprechen wendeten sich sofort die Bürger durch ihre Vertrauten, den Pfarrer Darup und Bürgermeister Kocks am 2. Mai 1806 mit einem ausführlichen Bittgesuch auf dem Instanzenwege an den König. Alle Behörden, besonders der Minister von Angern befürworteten das Immediatgesuch dringend und machten gleich praktische Vorschläge zur Hilfeleistung. Der König, von Mitleid gerührt, willfuhr sofort dieser Bitte. Schon bald ging das folgende in Urschrift noch erhaltene, vom König eigenhändig unterzeichnete Schreiben ein:
„Sr. Königliche Majestät von Preußen machen dem Pfarrer Darup u. Bürgermeister Kocks auf ihr Gesuch vom 2. May d.J. um Unterstützung und Beihilfe zum Wiederaufbau des am 29. April d. J. grösstentheile eingeäscherten Städtchens Sendenhorst nach dem nunmehr darüber eingegangenen Berichte des Staats Ministers von Angern hierdurch nachrichtlich bekannt, daß dieselben 1. für die Hülfsbedürftigsten der Abgebrandten = 260 Stück Bauholz aus Höchstder Forsten und zwar 1/3 tel für die ärmste Klasse ganz frey und 2/3 tel für die übrigen für die Hälfte der bestehenden Holz Taxe, accodieren, außerdem aber 2. für die unbemittelten Eingesessenen eine Geldunterstützung von 10000 Thalern, woran der Contributions Receptor Lange und Kämmerei Rendant Suermann, welche ihres pflichtmässigen Benehmens bey Rettung der Cassen und der Gerichts-Registratur vornemlich Theil nehmen sollen, aus der Disposions Casse bewilligen wollen, und daher dem gemäss das Nöthige, an den genannten Staats Minister dato erlassen, und zugleich den Wiederaufbau der abgebrandten Gebäude nach einem zweckmässigen Plan, um die dabei einzuführenden besseren Einrichtungen, vorläufig, genehmigt haben.
Charlottenburg, den 26ten July 1806. Friedrich Wilhelm.

An den Pfarrer Darup und Bürgermeister Kocks zu Sendenhorst."
Die Freude über die Huld des Königs war natürlich groß. Das Schreiben wurde wie eine kostbare Reliquie behandelt. Mehr als 100 Jahre später schrieb jemand über diesen Gnadenerweis: "Da machte sich der erste Segen der neuen Preußischen Regierung bemerkbar." Ja, es wär so schön gewesen, wenn der König mit der Absendung des Briefes auch sofort die Absendung der Gelder veranlasst hätte. So blieb das Gnadengeschenk zur bitteren Enttäuschung der Hoffnungsfrohen überhaupt aus. Das Bauholz aus dem Tiergarten zu Wolbeck und dem Schuterholz zu Everswinkel konnte sich die Gemeinde holen. Hiervon wurde das Vermögen des Königs nicht so sehr betroffen, da ihm diese Holzungen durch die Säkularisation zugefallen waren. Im Herbste des Jahres 1806 brach das Unglück über Preußen herein, und durch den Frieden von Tilsit kam unsere Heimat unter die Herrschaft der Franzosen, so daß infolgedessen die Übersendung des Geldes unterblieben ist.

Schweren Herzens musste man sich in das Schicksal fügen. Man hätte nun erwarten sollen, daß nach dem glücklichen Ausgange des Befreiungskrieges das gegebene Versprechen eingelöst wurde. Das geschah nicht. Die Brandgeschädigten wirkten daher auf den Bürgermeister Langen ein, in einem erneuten Gesuche an das Gnadengeschenk zu erinnern. Sein Eintreten für die Bürger brachte ihm eine schwere Rüge von dem Landesdirektor ein, der es "nicht bloß Unbescheidenheit, sondern eine Zudringlichkeit erster Größe" nannte, "wenn die Stadt jetzt schon das ihr von des Königs Majestät unter obwalteten früheren, den jetzigen ganz entgegengesetzten Umständen zugesicherte Unterstützungs-Geschenk in Anregung bringen wollte." Der "Untertänige" Bürgermeister durfte nun keine weiteren Schritte mehr unternehmen. Statt seiner wagte der frühere Kämmereirendant Adolf Suermann, der besonders sehr geschädigt war, weil er in Pflichttreue die Kasse in Sicherheit gebracht hatte und dabei seine Habe im Stiche lassen musste, mit einem Gesuche direkt an den Oberpräsidenten von Vincke. Dieser sagte dem Bittsteller Erwägung seines Gesuches zu, nur müsse er den Instanzenweg innehalten. Endlich hatten diese Bemühungen etwas Erfolg. Durch Kabinettsordre vom 15. Oktober 1817 wurden die ersten 5.000 Rthlr. überwiesen, aber in entwerteten Staatsschuldenscheinen mit einem Werte von 3.569 Rthlr.

Mit dieser Spende hoffte die Regierung, die Sendenhorster zufriedenzustellen und deren Gemüter zu beruhigen. Man ließ sich auch einige Jahre hinhalten und hoffte noch immer, der König würde sich der Geschädigten erinnern und ihnen die Restsumme zukommen lassen. So ein Landesvater hat aber so viele Landeskinder mit Wünschen und Nöten aller Art, daß er die soweit abwohnenden Kinder mal vergessen.

Die Kinder vergessen aber auch leicht ein Versprechen des Vaters und erinnern zur gegebenen Zeit daran. Wiederum wurde der Kämmereirendant Suermann aufgemuntert, eine Eingabe an des Königs Majestät zu machen. Nach langem, vergeblichem Warten reichte er im Jahre 1823 ein erneutes Gesuch ein. Dieses Mal erweiterte er die Bitte dahin, ihm und seinen Leidensgenossen auch noch die Zinsen von dem vorenthaltenen Gnadengeschenk zu überweisen. Er musste sich aber bald dahin belehren lassen, daß eine Gnade keinen Rechtsanspruch darstelle und erst recht nicht verzinslich sei. Auf halbem Wege trat der Brief diese Rückreise an, damit er noch vervollständigt und die Frage der Bedürftigkeit geprüft würde. Zur Verdauung dieser bittern Pillen waren auch wieder mehrere Jahre notwendig. Manche waren schon daran gestorben und hatten einen schwachen Trost für ihre Hinterbliebenen mit ins Grab genommen.

 

     

 

Aus der Geschichte des 7-jährigen Krieges Nr. 30 | NN

Bild:
Allianzen und Territorien der Beteiligten des Siebenjährigen Krieges Blau: Großbritannien, Preußen, Portugal und Verbündete. Grün: Frankreich, Spanien, Österreich, Russland, Schweden und Verbündete.

 

Wenn auch die Kriegsfackel nicht unmittelbar nach hier getragen wurde, so hat doch die Bevölkerung unter den Begleiterscheinungen des Krieges unermeßliche Opfer bringen müssen. Einige Jahre vor Beginn des Krieges wurde das Städtchen fast zweimal ein Raub der Flammen. Von den 127 und 58 Nebenhäusern, die es um damalige Zeit zählte, brannten 1751 allein 70. und nachdem diese größtenteils wieder aufgebaut waren, brannten 1751 67 ab. Dann kam 1756 der Krieg,
der dem verarmten Volke unerträgliche Lasten auferlegte. Abgesehen von den Naturalleistungen mussten laufende Kriegskontributionen aufgebracht werden. Da die Bewohner mit geringen Ausnahmen an den Bettelstab gekommen waren, war von ihnen kein Geld zu holen. Sparkassen und andere öffentliche Kreditinstitute gab es damals hier noch nicht. Infolgedessen musste das Geld von privater Seite und aus Stiftungen geliehen werden.

Zur Deckung der Lasten wurden folgende Gelder geliehen: 8. Janurar 1758 von B. Suermann 400 Reichstaler zu 3 1/2 % Zinsen 8. " 1758 von B.D. Bonse 200 " zu 3 1/2 % " 8. " 1758 von W.H.Bonse 200 " zu 3 1/2 % " 9. März 1759 von I.D. Fith 300 " zu 4 % " 9. " 1759 von A.C. Vinnewaldt 300 " zu 4 % " 9. " 1759 von B.H. Wettendorf 200 " zu 4 % " 9. " 1759 von I.A. Lammerding 200 " zu 4 % " 12. Januar 1760 von B.H. Wettendorf 400 " zu 3 1/2 % " 12. Januar 1760 " den Armen 100 " zu 4 % " 10. April 1760 " den Armen 100 " zu 4 % " 10. April 1760 " B.D. Bonse 100 " zu 4 % " 16. Mai 1761 " den Armen 125 " zu 4 % " 1. Februar 1762 " den Armen 125 " zu 3 1/2 % " 1. " 1762 " B.D. Bonse 700 " zu 3 % " 1. " 1762 " Henrich Wieler 200 " zu 3 % " 1. " 1762 " Baltha. Suermann 400 " zu 3 % " 1. " 1762 " Erben B.H. Wettendorf 400 " zu 3 % " 1. März 1762 " Schlenker 550 " zu 2 1/2 % " 1. " 1762 " der Kirche 50 " zu 2 1/2 % " Sa. 5050 =============

Die Armut und Not der damaligen Zeit wird in folgendem Ratsprotokoll eingehender geschildert: "Demnach der verderbliche Krieg von denen Allierten Chur Hannöverischen, Königlichen Engelländischen, Schottländischen, Preussischen Hertzzoglichen, Braunschweigerischen, Landgräflichen Hessischen und Gräflichen Bückeburgischen Völkern gegen denen Königlichen Frantzösischen Trouppen in diesem Hochförstlichen Münsterischen Hochstift im Jahr 1757 ums pfingsten seinen Anfang genommen und biss im mertz 1763 forthgedauert hatt, in welchen Kriegerischen jahren die bürgerschaft dieser stadt fast alle jahren, durch beybringung deren persohn, hause und schatzung, täglicher durchmarschen, fourage lieferungen, fouragierungen vom feldt, Einquartierungen, zweymaliger Winterquartierungen hessischer Trouppes, ordinatzen, hin und wieder mit stellung deren arbeiter auf denen marschrichten, festungs Werkeren zu Münster, Hamm und anderer orthen, auf denen Landtstraßen, zweymaliger Cropierung des hornviehes, häufiger hergebung Landesherrlicher Schatzungen, wie dan auch durch beybringung deren gezwungenen dahrlehns, orontribution und quotisations Summen, die jeder in Capitalien von diesen einwöhneren dieser stadt haben negotieren und aufnehmen müssen, zu welcher erleichterung deren pensionen im jahr 1766 gegen erlagten und erhaltenen quitungen, nachstehende mit vier siegelen befästigte landesobligationes hiesiger stadt mitgeteilet und in archivie auf dem Rathhause hingeleget worden, alss folgen. In fidem Jobst Henrich Duffhues " Secretarius."

Ueber die Einquatierungen erfahren wir folgendes:
Anno 1760 den 20sten Januarii haben drey compagnien Hessischer troupps des Regimente von Töll, dahier das Winter quatier genommen, welchen man frey Essen und Trinken geben musste. Anno 1761 den loten Decaubris hat der Major vom Oldenkop mit 90 Man Hessen hier in der Stadt drey compagnien von selbigen Barteks Regiment das Winter quatier im Kispel genommen, erstere seindt den 14 ten april abmaschiret und den 24 sten april 1762 wieder kommen und in alten quatier einige tage verblieben.
Der Fürstbischof als Landesherr nahm in den folgenden Jahren wiederholt Rücksicht auf die verarmten Bürger und schlug einen Teil der aufzubringenden Schatzungen nieder.

 

     

 

Das Feuerlöschwesen in Sendenhorst

Nr. 31 | NN
 

Sendenhorst
Bild:
Feuerwehr 1895 - Aufnahme am Knabenschulplatz

Als nach den großen Ereignissen der Befreiungsjahre 1813/15 der Friede seinen Einzug ins Land gehalten hatte, war der einsichtige deutsche Bürger darauf bedacht, Haus und Hof weitgehend zu sichern und auch in friedlichen Zeiten vor den Mächten der Zerstörung insbesondere der Feuersgefahr zu schützen. Überall im Lande war man bestrebt, Mittel und Wege zu finden, um die Zahl der Feuersbrünste zu verringern und den einmal ausgebrochenen Brand erfolgreich zu bekämpfen.
Auch in Sendenhorst fanden diese gemeinnützigen Bestrebungen Widerhall. Hatte doch die Bevölkerung durch die verheerenden Brände des 18. Jahrhunderts in den Jahren 1749, 1751. 1764 und zuletzt noch 1806 die Feuersnot zu sehr am eigenen Leibe erfahren, als daß man es nicht für notwendig erachtete, sich vor einem derartigen Unglück auf das nachdrücklichste zu schützen. So war es nicht besonders schwer, die Bevölkerung für eine Organisation zur Bekämpfung der Feuergefahr zu gewinnen. Die wesentlichen Ursachen für das Ausbrechen des Feuers war seit je das Trocknen des Flachses in den Backöfen oder auf den Stubenöfen. So sehr auch die polizeilichen Maßnahmen die Gefahren des Flachsröstens einzudämmen suchten, so hatte doch die Erfahrung immer wieder gezeigt, daß sie nicht völlig zu beseitigen waren. Weiterhin begünstigten die Anlage und die Bauart der Häuser, die noch allgemein mit Stroh bedeckt waren, sowie die Lebens- und Wohnverhältnisse, der Zeit die Feuersgefahren. Hinzu kam die beengte Lage der Häuser, die sich dicht an einander drängten, so daß im Falle eines Brandes gleich auch die ganze Nachbarschaft in Flammen aufzugehen drohte. Löscheinrichtungen waren zumeist unzureichend und primitiv.

Die Mithilfe bei der Bekämpfung des Feuers war ein reiner Akt nachbarlicher Hilfe und Nächstenliebe. Es fehlte im gegebenen Falle den zusammenlaufenden Nothelfern die einheitliche Führung und Ordnung. Es ist der bleibende Verdienst des Bürgermeisters Langen, daß er sich angesichts dieser Lage energisch für das Feuerlöschwesen einsetzte. Durch seine Vermittlung wurde dieses in Sendenhorst organisiert, und zwar auf Grund der für einen größeren Bezirk erlassenen Feuersordnung des Königlich preußischen Landsturmoberkommandanten Frhr. von der Leither aus dem Jahre 1815. Nach dieser Feuerordnung hatte das Löschen der Feuersbrünste einzig und allein durch den Landsturm zu geschehen. Bei ausbrechenden Bränden mußten sich alle unter den Befehl des Landsturmkommandanten stellen. In Anwendung dieser Verordnung übertrug im Jahre 1816 Bürgermeister Langen dem Landsturm die Aufgaben des Feuerlöschwesens in seinem Distrikt und bildete unter Aufsicht des Magistrats eine Kommission. Leiter der Brandkommission wurde hier Gastwirt Schwarte und dessen Stellvertreter Kaufmann Bücker.
Es wurde nach dem Prinzip gehandelt, daß die ersten Bürger von Sendenhorst, die bei entstehenden Brand am meisten benachteiligt würden, mit den genannten Ämtern betraut wurden. Da nun das Kirchspiel eine Gemeinde bildete, aber zu Sendenhorst gehörte, wurden einige Bauern mit in die Kommission bezogen. Die Aufgaben der Kommission bestanden darin, halbjährlich eine Feuerschau abzuhalten und auf die Bürger einzuwirken, daß die Vorschriften der Feuerordnung genau beachtet wurden. Sie hatten ferner alles zu beseitigen, was die Feuergefahr erhöhen konnte. Sie hatten auch darauf zu achten, daß der lederne Feuereimer und Haken am rechten Platze waren, daß sich die Laterne im guten Zustande befinde und vor allem, daß die Rauchfänge in der vorgeschriebenen Frist gereinigt wurden. Im Sommer hatte jeder Bürger beim Anzuge eines Gewitters darauf zu sehen, daß er ein Kübel Wasser vor seiner Tür stehen hatte und das Strohdächer nicht mit Stroh ausgestopft waren. Diejenigen Bürger, die gegen die Verordnung verstiessen, bzw. sich das Geringste zuschulden kommen ließen, wurden der Polizei gemeldet.

Bei einem Brande hatte die Brandkommission die Aufsicht zu führen und die Einwohnerschaft zur Löscharbeit anzuhalten. Die Bauern hatten die Aufgabe von der benachbarten Gemeinde die Notpumpe zu holen. Hierfür erhielten sie eine Entschädigung bezw. eine Belohnung, und zwar erhielt derjenige, der zuerst an der Brandstelle anlangte, 5 Reichstaler, der zweite 4 Reichstaler usw.
Im Weigerungsfalle wurde eine empfindliche Strafe festgesetzt. Um nun bei dem Brande eine gewisse Einteilung der Hilfsbereiten zu haben, wurden aus dem Landsturm Kompagnien gebildet, und zwar Spritzen- und Eimerkompagnien, ferner eine Feuerhaken-, Leiter- und Wasserkompagnie. Die Spriten- und Eimerkompagnie wurden je in 1. und 2. Kompagnie geteilt, die sich wiederum in drei Abteilungen gliederten. Diese Kompagnien hatten die Aufgabe, mit Hilfe von Fahrtonnen und Traggefäßen nach Art der "Eimerketten" das Wasser zu befördern. Eine Abteilung stellte das Kirchspiel, die nur dann anzutreten hatten, wenn der ganzen Stadt Gefahr drohte. An der Spitze jeder Abteilung stand der Kapitän und nach ihm der Leutnant, deren Weisungen strengstens zu befolgen waren.
Aus diesen Anfängen hat sich im Laufe der Jahrzehnte die Feuerwehr entwickelt. Sie ist heute zu einem unentbehrlichen Sicherheitsfaktor für Hab und Gut, Leib und Leben der Volksgemeinschaft geworden, gemäß dem alterprobten Wahlspruch:
"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!"

 

     

Der Opfergeist unserer Vorfahren zur Zeit der Freiheitskriege

Nr. 32 | WK ? | 1927

Inhalte möglicherweise non-konform 21. Jhdt. ! Das deutsche Volk steht im Begriffe, seinem geliebten und hochverehrten Präsidenten zum 80. Geburtstage eine Gabe zu überreichen, die er zur Linderung ... Das deutsche Volk steht im Begriffe, seinem geliebten und hochverehrten Präsidenten zum 80. Geburtstage eine Gabe zu überreichen, die er zur Linderung ...


 ...... der Not verwenden will, die der unselige Krieg verursacht hat. Diese Spende erinnert an die freiwilligen Opfer, die zur Zeit der Befreiungskriege auf den Altar des Vaterlandes gelegt wurden. Bild: Paul von Hindenburg – Reichspräsident 1925 – 1934 Keine Feder ist imstande, die Opfer des Weltkrieges zu beschreiben. Damals war es noch in etwa möglich, und man hat sich bemüht, die freiwilligen Opfer zur Erinnerung an die Heldenzeit unseres Volkes zusammenzustellen. Die Anregung hierzu hatte eine Kabinettsordre vom 27. März 1813 gegeben, die der Generalordenskommission befahl, daß alles, was von dem hohen Nationalgeist und treuen Sinn des Volkes in Anerbietungen, Entsagungen, Beiträgen und sonstigen Aufopferungen in dieser Katastrophe für das Vaterland Gutes ausgehe, zu einem geschlossenen Ganzen gesammelt und so ein Denkmal der Nation werde.
Erst im Jahre 1820 wurde die Darstellung fertiggestellt. Berücksichtigt wurden alle Provinzen, die bis zum Frieden von Tilsit den preußischen Staat gebildet hatten, soweit sie im Jahre 1815 wieder mit ihm vereinigt wurden. Das fertige Werk wurde damals seiner Bestimmung entzogen und versiegelt im Geheimen Staatsarchiv niedergelegt, wo es fast unbenutzt liegen blieb. Erst zur hundertjährigen Erinnerung an die Heldenzeit wurde es wieder ausgegraben, veröffentlicht und von dem Archivar Dr. Ernst Müller herausgegeben. Der bald darauf eintretende Weltkrieg hat die Arbeit des Herausgebers in Vergessenheit gebracht. Und doch ist das Nationaldenkmal "eine hervorragende Quelle für die Geschichte der Befreiungskriege im allgemeinen, für die des preußischen Heeres, des deutschen Volksgeistes, der Wohltätikeits- und Vereinsbestrebungen, der Landes- und Orts-, Personen- und Familiengeschichte im besonderen."
Im dritten Band werden die Provinzen von der Weser bis zum Rhein behandelt. Von dem ehemaligen Fürstbistum Münster wird zuerst der Kreis Münster erwähnt. Dann folgen als einheitliches Ganzes die Kreise Beckum, Lüdinghausen und Warendorf. Aus diesen Kreisen traten insgesamt 345 Freiwillige in das Heer ein. Bemerkenswert ist, daß aus dem Kreise Beckum nur 38 Freiwillige waren, während sich aus dem Kreise Lüdinghausen 147 und Warendorf 110 meldeten. Bei den freiwilligen Opfern für die Sache des Vaterlandes wird an erster Stelle der Männerverein zu Sendenhorst erwähnt, den der Bürgermeister Langen im Januar 1814 gründete und der 289 Taler aufbrachte. Ein Jahr später, im April 1815, wurden Frauenvereine gestiftet, und zwar zu Beckum vom Bürgermeister Mues, der 252 Taler sammelte, und in Lünen, wo Bürgermeister Kriege 233 Taler sammelte, und zusammenbrachte. Der Verein zu Lippborg gab 47 Taler, der zu Oelde durch die Gattin des Arztes Speith 152 Taler, der zu Stromberg 49 Taler, der zu Warendorf durch die Gattin des Kaufmanns Zumloh die ansehnliche Summe von 822 Talern. Im folgenden Monat erstanden weitere Frauenvereine.
Der Ahlen ließ von der Frau von Kalckstein zu Severinghausen 104 Taler überreichen, der zu Harsewinkel 49 Taler, der zu Liesborn 30 Taler, der zu Lüdinghausen durch den Bürgermeister Francke 202 Taler, der zu Nordkirchen durch die verwitwete Gräfin von Plettenberg 180 Taler, der zu Sassenberg durch Bürgermeister Schulz 100 Taler, der zu Wadersloh durch Bürgermeister Bischopings 230 Taler, der zu Werne durch den Bürgermeister v. Schlebrügge 202 Taler. Der Pfarrer Gerdes zu Ennigerloh hatte 40 Taler gesammelt. Aus verschiedenen Sammlungen einzelner gingen 3.583 Taler ein. Die Stadt Beckum stiftete 18 Taler. Bei den Sammelstellen der Bürgermeistereien des Kreises Warendorf gingen 1120 Taler ein. Die Haus- und Kirchenkollekten ergaben folgenden Erlös: Im Kreise Beckum 264 Taler, Lüdinghausen 360 Taler und Warendorf 252 Taler. Für die Ausrüstung der Freiwilligen wurden aufgewendet im Kreise Beckum 630 Taler, Lüdinghausen 3.042 Taler und Warendorf 3150 Taler. Die Gesamtsumme der Spenden aus den drei Kreisen betrug 15.401 Taler.
Bei der heutigen Oberorganisation vermisst der Geschenkgeber vieles. Er erfährt selten, wofür seine Spende verwendet wird. Es würde die Gebetätigkeit zweifellos steigern, wenn heute mehr Gewicht darauf gelegt würde, bekannt zu geben, welchen Zwecken die freiwilligen Gaben dienen sollen. Damals wurden Zwecke und Bestimmungen der Opfer genau angegeben. Heute interessiert es weniger mehr, über die Verwendung der Gelder genaueres zu erfahren. Dagegen lesen wir noch gern von den hervorragenden Einzelleistungen jener Zeit. In dem wichtigen Dokument ist darüber folgendes der Nachwelt überliefert "Der Friedensrichter Gützloe zu Nordkirchen, Vater von fünf Kindern, trat freiwillig in den Militärdienst, und sein Beispiel wirkte vorteilhaft auf den Geist der landwehrpflichtigen Mannschaft.
Die Frau des Tagelöhners Tenkhoff zu Warendorf hat sich durch die den kranken Soldaten im dortigen Lazarett während mehr als 10 Monate ununterbrochen und mit Ausdauer geleistete Wartung besonders ausgezeichnet. Der Bezirksarzt Katzenberger zu Warendorf widmete sich ohne Entschädigung der Behandlung der kranken Soldaten im dortigen Lazarett und zog sich ein gefährliches Nervenfieber zu.
Der Arzt Osthues zu Beckum widmete sich ohne Anspruch auf Entschädigung der Behandlung kranker Landwehrmänner. Der Bürgermeister Harrier zu Vornholz und der Kaufmann Bernhard Verkrüzen zu Warendorf haben sich bei der Organisation der Landwehr durch Tätigkeit und Eifer ausgezeichnet.
Der Vikar Leiffert, Bäcker Schlamann, Kaufmann Nopto, die Witwe des Ackerwirth Meyer, die Witwe des Kaufmanns Leffmann, der Kaufmann Philipp Zumdresch, Zumdresch, die Lindenthalerschen Erben zu Warendorf haben teils mehrere ihrer Söhne oder Verwandten, teils andere unbemittelte junge Leute als Freiwillige ausgerüstet. Der Bürgermeister Langen zu Sendenhorst beweis bei den Sammlungen der freiwilligen Beiträge eine lobenswerte Tätigkeit.
Unter den einzelnen Gebern erscheinen als die ausgezeichnetsten im Kreise Beckum: der Steuereinnahmer W. Tyrell, der Bürgermeister Mues, der Domänenrentmeister Stelzer zu Beckum, der Gerichtsassessor Vagedes und der Vikar Langen zu Sendenhorst. (Letzterer, ein Bruder des Bürgermeisters Langen, hatte durch die Säkularisation seine Stelle als Domvikar verloren, wohnte auf der Tockenburg und ist auch in der Heimat Sendenhorst gestorben.) Im Kreise Lüdinghausen: der Gutsbesitzer v. Rotz zu Ottmarsbocholt, die Gräfin v. Plettenberg zu Nordkirchen, der Wirt Renfert zu Lüdinghausen und der Beigeordnete Schulte zu Ascheberg. Im Kreise Warendorf: die Witwe des verstorbenen Landrats v. Nagel aus Vornholz.
Am Schlusse wird in Sperrschrift folgendes besonders hervorgehoben: Die Stadt Sendenhorst, die durch häufiges Brandunglück sehr zurückgekommen war, hat dennoch nach ihren Kräften verhältnismäßig beigetragen, indem selbst die ärmeren Bewohner ihr Scherflein willig darbrachten. Die Stadt Warendorf, desgleichen die Stadt und das Kirchspiel Freckenhorst haben sich überhaupt durch ihre Leistungen im Kreise Warendorf ausgezeichnet. Wenn zu den freiwilligen Leistungen von 15 401 Talern noch 68 442 Taler ausgeschriebene Leistungen kamen, so ist das sicher eine bewunderungswürdige Leistung der drei Kreise bei dem damaligen Geldwert.
 

 

     

Beiträge zur Geschichte der Stadt Sendenhorst

Nr. 33 | NN
 

Sendenhorst Durch den Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde das morsche heilige römische Reich deutscher Nation zu Grabe getragen, nachdem kurz vorher infolge des Luneviller Friedens die Verteilung der säkularisierten geistlichen Länder und der Reichsstädte vorgenommen war. Das Fürstbistum Münster wurde Preußen einverleibt und Sendenhorst, das bisher zum Amte Wolbeck gehörte, zum Kreise Warendorf geschlagen. Zur Huldigung des neuen Landesfürsten hatten die Städte Deputierte zu wählen.

Bild:
Hier enstand der große Brand im Jahre 1806


Über den Wahlvorgang wurde ein Protokoll aufgenommen, das nach dem Original wie folgt lautet:
"Anno 1803 den 7ten Junius". in den auf heute angesetzten termin meldeten gehorsamst die Wiegboldtspfördner, dass sie in den sie betreffenden Districten des Wtg.Wiegboldts den Eingesessenen von den auf heute angesetzten Termin wegen der Wahl eines Deputierten verwissiget hätten. Solchen nach wurde den erschienenen Bürgern das publi-Kandum vom 26 ten May a.o. wegen Deputiertenwahl zur Huldigung verkündigt und demnächst zur Wahl der Chörgenossen geschritten und wurden durch das Collegium gewählt
Adrian Quante aus dem Ostviertel Theod. Henr. Wiesmann
Südviertel Joan Henr. Junckmann Everhard Saerbeck
Westviertel Bernh. Theod. Wienberg Theod. Herm. Edeling
Nordviertel Anton Mönstermann J. Herm. Brüggenkötter
Nachdem nun die Chörgenossen für sich allein zusammen getreten, um einen Deputatum zu wählen, so ist von diesen Chörgenossen der Lohnherr Bernh. Henr. Lülkenhues zum Deputierten des Wiegboldts Sendenhorst gewählt worden. Die Chörgenossen sowohl als auch die erschienenen Bürger erklärten dass sie hiermit den zum Deputierten erwählten Lohnherrn Lütkenhues bevollmächtigten, um der Wahl eines nach H i l d e s h e i m z u r H u l d i g u n g s l e i s t u n g zu verschickenden Deputierten beyzuwohnen, und diesen den Auftrag hierdurch erteilten, mittelst des in ihrer und der gesamten Eingesessenen des Wiegboldts Sendenhorst Seele zu schwörenden Eides der Treue des Gehörsams und der Unterthänigkeit zu leisten, und dass die von den Deputierten feyerlich zu leistende Huldigung dergestalt von ihnen allen genehm gehalten werde, als wenn sie solches persönlich beygewohnt und den Erbhuldigungs-Eidt selbst geleistet hätten.
So geschehn auf Rathhause zu Sendenhorst den 7 ten Juny 1803 in fidem Drees Secretarius

 

     

Die Kosaken in Sendenhorst im Jahre 1813

Nr. 34 | NN

...

 

Sendenhorst
Von dem Bürgermeister Langen ist uns folgende historische Begebenheit aus den Freiheitskriegen überliefert, die uns ein anschauliches Bild über das Besehne unseres damaligen Bundesgenossen im Kampf gegen Napoleon gibt: Am 6. November 1813, des Nachmittags um 3 Uhr, rückten daher 24 Cosacks der Quartiermacher und ein Cosacke, der Schneider Commisearius ganz unvermuthet ein. Diese machten Halt vor meiner Thür und drangen sich alle ohne Ausnahme in meiner Stube bei mir ein, umzingelten mich und verlangten - augenblickleich - und in der grössten Geschwindigkeit a 50 Sack Hafer, b 15 Fuder Heu, c 15 Fuder Stroh, d 100 Pfähle von 3 Zoll stark und 3 Fuß lang, e 300 Wagenringsen oder Leitern, f 100 Fuder Holz, g 10 Fuder Bretter, h ein Generalquartier einschließlich Stallung für 40 Pferde, i in der Nähe ein Generalquartier für 100 Mann und 200 Pferde, k 12 sechsspännige Wagen, l 25 Ordonanzen, m 25 Pferdeordonansen, n einen gereinigten Platz zur Bivackierung und o für 1500 Mann Bier, Branndwein und gutes Essen. Diese Forderung wurde in einer solchen Schnelligkeit verlangt, daß fast ein jeder eine verschiedene Forderung machte und man dabey dergestellt zugesetzt wurde, daß man sein eigenes Worth nicht verstehen konnte, dabey hatten weder diese noch die Stadt Sendenhorst einen Dolmetscher, und man musste sich daher so guth wie möglich verständlich machen.

Bild: Józef Brandt: Kosak zu Pferd

Dabey war zu mein und der Stadt grösstes Glück, daß man uns vorher daher ein Lokalmagazin errichtet hatte, welches zwar nur in Hafer bestand. Das Heu und Stroh wurde von meinem und meiner Nachbarn Böden mit Gewalt weggenommen. Auf diese Art geschah auch die Holzeinlieferung, Pfähle, Ringsen und Bretter.
Wie ich nun selbst unter Adhibierung des Herrn Beigeordneten Schwarte, der Munizipalräthe Sulzer und Arnemann, das beste Quartier für den angeblichen General den Quartiermachern vorzeigte, so war ihm doch keins gut genug, und er nahm sich daher eine an dem Tore, wo die Truppen bewackieren sollten.
Wie ich nun die Stallung für die 40 resp. 100 Pferde aufsuchte, welche ohngefähr 6 Uhr abends sein mochte kauf auf einmahl das Gespräch, daß das ganze Regiment in der Stadt im Anmarsch sey, der General sey schon in sein Quartier, und ehe ich mich umsah, war schon der Dolmetscher, den der General bey sich hatte, bey mir, befahl mich im Namen des Generals, mit ihm zum General zu gehen, führte mich gleichsam wie arretiert zu demselben hin indem ich zwischen blankgezogene Säbel und an Schulter gelegte Pistolen durch eine Reihe von wenigstens 20 Mann Cosacken durch bis an der Thüre des Generals geführt wurde. nach einem Aufenthalt von 10 Minuten wurde ich vor den General gelassen, die Thüre wurde hinter mich geschlossen, und fing der General auf Cosacke oder Russisch ein fürchterliches Geschrey an, wovon ich aber kein Wort verstehen konnte. Ich hörte alles standhaft an, und nachdem der General ausgesprochen hatte, sagte der Dolmetscher zu mir; der General sey böse, daß er kein besseres Quartier habe. Seine Leute hätten sich beschwärt, daß die verlangte Furagie pp. nicht augenblicklich geliefert worden pp. Ich wiederlegte demselben solches, indem ich ihm geradeweg sagte, daß ich die besten Quartiere vorgezeigt, dem Quartiermacher dieses aber selbst ausgesucht habe, und das 3te von den besten der hiesigen Stadt sey - die Fouragie wäre augenblicklich geliefert, selbst habe man von meinem Boden fouragiert, man habe die Bretter von den neuen Windmühle genommen, und sie ins Lager gebracht, man habe 200 Mann ins Lager an Arbeit gehabt, und hätten alles Verlangte in Ordnung gebrahet.
Hierauf wurde wiederholt ein fürchterliches Geschwätz heftig auf mich losgefahren, dieses reizte mich, dem Dolmetscher frey ins Gesetz zu zu sagen.

Ich sähe wohl ein, daß ich nicht gehört werden wollte, und da ich nach meinem Gewissen alles Mögliche gethan, so möchte man mir nur sagen, wasß weiter von mir verlangt würde, selbst mein Leben stände zu Dienste, indem ich mich nicht wiedersetzen könnte, auch nicht wollte, hiermit würden sie aber andere nichts bezwecken, als das die Sturm-Glocke geläutet, und die Einwohner sich rächen würden.
Der Dolmetscher sprach hierauf mit dem General, derselbe warf sich aufn Tisch und nahm Inspektion von einer großen Landkarte, nach einer kleinen Pause, drehte sich derselbe wieder um, und der Dolmetscher erwiderte mich, ich könnte jetzt gehen, ich wäre abgefertigt.
Ich eilte zu Hause, der Dolmetscher folgte mich aber aufm Fuß und sagte, wissen sie was, Sie müssen wieder zum Herrn General gehen, ich will Ihnen begleiten, und biethen Sie auch neue Mäntel an, denn dadurch ist er so sehr aufgebracht, daß Sie nicht gleich Geschenke angebothen haben, indem es den Leuten an Mänteln fehlt.
Ich ging hin, und accordierte bis auf 120 Elle für 12 Mänteln, worauf ich als Bürgermeister im Namen des Kaysers Alexander durch Handschlag bestätigt wurde, man zeigte mir einen Stuhl und ich wurde besser behandelt.
Keine fünf Minuten hatte ich Ruhe, wie ich von dem Cosackschen Schneider Commisearius im Namen des Generals anbefohlen wurde, gleich die 120 Ell. auch und 30 Schneider anzuschaffen und ein Lokal anzuweisen mit 100 Lichter, wo dieselben die Mäntel zufertigen sollten. Der Saal des Herrn Pfarrer Darup wurde hierzu zubereitet, und des verlangte angeschafft, worauf unsere Schneider unter mehreren Prügel Mäntel anfertigen konnten und mussten. Wie man hiermit beschäftigt war, überfielen mich wieder der Dolmetscher unter Begleitung mehrerer Cosacken und verlangte den baaren Cassenbestand des Canton Empfängers und eine Gratifikation in baarem Gelde und feines schwarzes Tuch zum Kleide und Hose von mir, ich ließ denselben das Tuch verabfolgen, das Geld zahlte ich selbst mit 20 Cronsthaler, womit derselbe noch nicht zufrieden war, und es in Gold verlangte. Es wäre auch nicht lange, so war auch der Canton Empfänger schon von Cosacken umzingelt, ich eilte hin, wir machten gemeinschaftlich den Cassenabschluß, worauf die Gelder dem Herrn General durch den Herrn Canton Empfänger Devens und sein Secretarius in meiner Gegenwarth überbracht, von demselben nachgezählt, und darüber quittiert wurde.

Bild: Sergiy_Vasylkivskiy-_Cossack.jpg, 1900
Wie nun dieses alles abgemacht, und ich glaubte etwas Ruhe zu bekommen, kam der Dolmetscher unter Begleitung von 6 Mann zu mir und zwang von mir ein Attest, daß ich alles aus freyen Stücken angebothen hätte.
Um 6 Uhr den 7ten November des Morgens begaben sich diese Menschen von hier wieder fort über Warendorf nach Halle.
Was die Nacht hindurch vom 6ten auf den 7ten noch speciel vorgefallen, wie die vorgefallen, wie die Ordonanzen die Vorsteher und Quartierwirthe behandelt, finde ich noch überflüssig noch hierher zu bemerken, indem ich auch noch etwas vom 13ten Nov. sagen muss, wo zwey Regimenter Russen bey uns einrückten. Diese verlangten 1050 Rationen Hafer, Heu und Stroh und wurden in der Stadt einquartiert. Über diese ist gar nicht zu klagen. Das Fouragie und Lebensmittel wurden verabreicht, darüber quittiert und reiseten in der großen Ordnung am anderen Tage des Mittags 11 Uhr von hier nach Wolbeck.
Vorzüglich muß ich aber doch hierher bemerken, daß am 17ten d. M. den ganzen Tag hindurch in kleniger Stadt Preußische Jäger-Bataillons einrückten. Dieselben wurden mit Brod und Branndwein, die Offiziere mit kaltem Kafer versehen und marschierten dann weiter nach ihrem Bestimmungsort.
Diese braven Soldaten waren Muster vom guten Betragen. Ich würde sie in den öffentlichen Blätter kommen lassen, wenn ich nicht den Fehler begangen hätte, mich nach dem Nahmen des Obersten zu erkundigen.
Meine administrierten schrien laut, lieber 10 Mann von diesen Leuten in Quartier als ein Cosack.
Der Bürgermeister Langen berichtete dann weiter über die aufopfernden Sanitäterdienste des Chirurgen Sulzer und erbittet für diesen sowie für Bürger J.B. Winkelmann, der zu Pferde den Russen den Weg bis Halle zeigte, eine Auszeichnung.
Im folgendem Monat kamen nochmals Russen nach hier. Der Bürgermeister berichtet darüber folgendes:
" Am 17. Dezember, des Mittags 1 Uhr, trafen 17 Cosacken mit 18 Pferde von Münster aus dahier ein. Dieselben verlangten Quartier und Fouragie, ohne eine Marschrute oder sonstige Depetschen bey sich zu führen. Ich weigerte denselben noch des Herrn Generals von Bülow Publikandum sowohl die Fouragie als Quartier und machte denselben begreiflich, daß sie sich nicht auf Abwege begeben dürften, ich würde ihnen eine Ordonanz bis an der Station nach des nächsten Militär mitgeben.
Dieses wollten sie nicht und verlangten befehlsweise Fouragie und Biletter. Um keinen Aufruhr zu veranlassen, gab ich denselben Quartier und Fouragie, berichtete aber gleich durch Expreßbothen an den Herrn Gouverneur Präsidenten von Vincke und bath um Verhaltungsbefehle, indem ich befürchtete ( da die Bürger doch auf die Cosacken wegen ihr Benehmen von 6 ten auf den 7 ten November nicht guth zu sprechen waren) daß in der Nacht Grosses vorfallen mögten, wovon ich die nämliche Nacht zur Resolution erhielte, dieselben durch Bürger Wache zu arretieren und nach Münster zu transportieren.
Diese Leute waren aber des Abends um 6 Uhr schon schlafen gegangen und verhielten sich die ganze Nacht hindurch sehr ruhig, bis den anderen Morgen gegen 8 Uhr waren einige besoffen und suchten Streit mit ihrem Wirth, ich verfügte mich hin und brachte dieselben zur Ruhe, dann aber hatte ich eine Viertel Stunde meinen Rücken gewandt, da waren die Cosacken mit den Bürgern schon im vollen Streit. Die Bürger hatten die Trommel ergriffen, und nach einigen Trommelschlägen waren über 100 Bürger mit Heugabeln, Sensen und sonstigen Wehr Instrumente nach Landsturm Art mobil. Ich eilte hinzu und nahm die Cosacken in meinen Schutz,indem ich den Bürgern vorstellte, daß es keine Kunst sey 18 Mann mit 100 zu verschlagen.
Der Vorsteher von diesen Cosacken war ein braver Mann nach seinem äußern, er dankte mich, daß ich meine Leute, wovon schon 2 zu Boden geschlagen, gerettet hatte, und versprach mir in der großen Ordnung von hier zu ziehen. Ich hielte das letzte für besser, als dieselben zu arretieren, indem diese wahrscheinlich mit mehreren Blutvergießen zugegangen wäre, denn die Bürger bathen mich, ihnen die Erlaubnis zum Angriff zu ertheilen, versprachen sich, aber keinen Schritt ohne meinen ausdrücklichen Befehl zu wagen. Mehr als 50 hatten das Gemeindehauß besetzt, damit mir keine Beleidung gemacht werden könne.
Jetzt mussten dieselben einen Vorspanns Wagen haben, um die Blessierten zu transportieren. Diesen gab ich ihnen. Auch eine Ordonanz wünschten sie.
Ordonanzen konnte ich nicht haben, als 50 in einer Gesellschadt, indem sich wenige nicht trauten. Und die Vorspänner wollten nicht eher vom Pfleck fahren, bis die Bürger zur Bedeckung mitgingen. Dieses durfte ich nicht zugeben, um fernere Excesse anzuwenden - wodurch ich dann in der grössten Verlegenheit gerieth - ich bothe mich selbst an bis Ahlen, wohin sie wollten, mitzureithen. Dieses wollten die Bürger nicht, bis endlich erklärte sich der jetzt dahier sich aufhaltende Vicarius Langen von Münster ganz allein als Ordonanz zu dienen. Er wollte mit dem Vorspann die Truppen bis Ahlen begleiten, welches auch geschehen.
Ich wünsche, daß meine Bürger bey Aushebung des Landsturms ( welches hoffentlich nicht dazu kommen wird ) ebenfalls so activ sind. Sie versprachen mir wenigstens alles Gute."
Eine zuverlässige mündliche Überlieferung sagt noch, daß als die Russen zum Südtoren herausgezogen feien, die Bürgschaft mit Heu- und Mistgabeln, Sensen, Dreschflegeln usw. hinterhergezogen seien. Bei der Katharienkapelle habe sich plötzlich ein Reiter umgedreht und sei zurückgeritten. Die wilden Landstürmer hätten aber eilige das Hasenpanier genommen und hätten sich in den langen Flur des Bonseschen Hauses versteckt.
An einer anderen Stelle gibt der Bürgermeister Langen über die Einquartierungen folgende Erläuterungen: " 24 Cosacken, welche die Quartiere Meister vorstellten, machten fast jeder eine besondere Requisition ohne sich auf Rationen oder Portionen einzulassen, und dieses geschah auf einer solchen Barbarischen Art, daß man bey jeder Gelegenheit suchen musste, den Kopf aufrecht zu halten.
Der Generalstab quartierte sich in der Stadt ein, die übrigen bewaquierten theils auf dem Kirchhof und theils vor der Stadt. Die Bretter zu Hütten, die Leitern und Ringsen zu Krippen pp. wurden des anderen Morgens in Feuer geworfen und verbrand. Die Landesherrlich Steuer Casse wurde mit Gewalt genommen, und der Dolmetscher musste bestochen werden, daß man mit ihm sprechen konnte. Dabey mussten 30 Schneider Meister angeschafft werden, um von das gelieferte Tuch Mäntel zu verfertigen, wozu gleich 100 Talglichter, auch Leinwand, Garn pp. auf der Stelle geliefert werden mussten. Die ganze Nacht durfte kein Bürger schlafen gehen, denn auf dem Kirchhofe und nahe an der Stadt angelegte große Feuer, droheten jeden Augenblick Unglück, weshalb denn auch die Brandlösch Gerätschaften in Bereitschaft gehalten wurden ( eine Behandlung, welche man in hiesiger Gegend noch nie von Menschen gedacht hat.)
Am 8ten und 10ten November kamen einige Mann Cosacken durch die hiesige Stadt, welche der Armee folgten und mit Russische Marschruten versehen waren und Nachtquartier und Verpflegung verlangten.
Am 13. rückten 2 Regimenter Russen regulierte Truppen dahier ein. Diese betrugen sich sehr artig, nur verlangten sie Fourage und Lebensmittel, welches nach ihrer Aussage gr. Kayserlichen Majestät der Kayser von Russland bezahlen würde. Der Dolmetscher, der nur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe vieles beytragte, schenkte man 2 Louisdor.
Die Einquartierung geschah auf Requisition eines Russischen Obersten, der sich aber durch seinen Dolmetscher vertreten ließ. Die Russen wollten auf Münster marschieren, erhielten aber die Nachricht, daß Münster von Militair ganz angefüllt sey.
Die am 17. d. M. durchmarschierten Preußen machten keine Requisitionen. Da aber diese Leute sich sehr Braf betrugen und an diesem Tags die Witterung mit Schneepflocken so ungestüm war, daß die Truppen bis auf die Haut durchnässet waren, so hat man den Soldaten einen Schnaps und dem Herrn Obersten mit seinen Offizieren ein Frühstück gereicht, und waren letztere so zufrieden, daß wir des anderen Tags darauf mit Freuden vernahmen, daß die Herren diesen Ort sehr zu schätzen gewusst hätten.
Die 17 Mann Cosacken, welche keine Marschrute bey sich führten und die Landstraße nicht gehalten hatten, wollte ich arretieren lassen. Es fehlte uns aber an Militair, und der Landsturm war noch nicht organisiert. Ich bothe Bürger auf, welche aber, weil dieselben noch vor kurzem von den Cosacken sehr hart hergenommen waren, mehr geneigt waren, diese Menschen, welche sich übrigens auch sehr ungestüm benahmen, zu mißhandeln als zu transportieren. Mit Ordnung dieselben zu transportieren, wollten auch diese nicht, indem mehrere darunter besoffen waren und den Bürgern mit ihrer Picke durchbohren wollten. Ich fand es daher für anräthlich, das Militair ohne zu transportieren abziehen zu lassen.
"Die Bedrängnise der Bevölkerung durch die Quartierlasten, Fouragelieferungen und Vorspannleistungen waren in jener Zeit so ungeheuer, daß der Bürgermeister dem Landesdirektor vom Romberg klagte, daß die Hälfte seiner Bürger zu Bettlern geworden sei und die benachbarten Comunen nicht den 20sten Teil der Lasten zu tragen hätten wie Sendenhorst.
Über die außerordentlichen Abgaben an Leistungen in der Zeit von November 1813 - Ende März gibt folgende Übersicht Auskunft: 1. Betrag zur Kriegesteuer 1826 Rthlr. 00 Gr. 2. gelieferte 6 Stück Pferde 685 Rthlr. -- Gr. 3. in die Magazine gelieferte Naturalien a) Weizenmehl 1410 Pfund 42 Rthlr. 07 Gr. b) Roggenmehl 3200 Pfund 80 Rthlr. -- Gr. c) Erbsen 15 Scheffel 37 Rthlr. 12 Gr. d) Brandewein 1 Ohm 32 Rthlr. -- Gr. e) Hafer 343 Scheffel 447 Rthlr. 08 Gr. f) Heu 44 Zentner 87 Pfund 44 Rthlr. 20 Gr. g) Stroh 64 Zentner 87 Pfund 42 Rthlr. -- Gr. h) 3 Stück Rindvieh a 600 Pfund 84 Rthlr. -- Gr. 4. Direkte Verpflegung a) Mundportinonen 12 227 Rthlr. 21 Gr. b) Fouragie als a) Hafer 572 Scheffel 762 Rthlr. 16 Gr. b) Heu 277 Ztr. 42 Pfund 277 Rthlr. 12 Gr. c) Stroh 277 Ztr. 42 Pfd. 138 Rthlr. 12 Gr. d) Brandwein 1 1/4 Ohm 45 Rthlr. -- Gr. 5. Vorspann 6 361 Rthlr. 18 Gr. 6. Sonstige Kosten 1 043 Rthlr. 04 Gr. 7. auf Kriegefuhr gefallenes Pferd 580 Rthlr. .. Gr. 8. ausgebliebene und mitgenommene Wagen 100 Rthlr. -- Gr. 9. ausgezahltes baare Geld an die cosackschem Dolmetscher 41 Rthlr. -- Gr. ------------------------------- sa.: 24 994 Rthlr. 30 Gr.

 

     

Sendenhorster Flurnamen im Stadtgebiet - Einblick in die frühere Wirtschaftsform

Nr. 36 | NN
 

Sendenhorst Die jahrhundertelang gebräuchlichen Flurnamen erbten sich von Geschlecht zu Geschlecht durch mündliche Überlieferung bis auf den heutigen Tag fort. Ihre Erhaltung und Erforschung ist im jetzigen technischen Zeitalter im Interesse der Heimatgeschichte von großer Bedeutung.

Im Sendenhorster Stadtgebiet erinnern noch manche Flurnamen an die einstige Wallbefestigung, wie "auf'm Wall, auf der Welle, Stadtwall, Wallstiege". Die Gräben, die den Wall umsäumten, waren namengebend für die Flur "Am Stadtgraben" und für den Stadtring, den in Nord-, Ost-, Süd- und Westgraben unterteilt ist. Der Wallring wurde unterbrochen durch vier Tore, die nach den Himmelrichtungen Nord-, Ost-, Süd- und Westtor bezeichnet werden. Eine alte jüdische Begräbnisstätte liegt auf dem letzten Rest des Walles. Für diesen Judenwall prägten die Anwohner den Namen "Wibbsenwall", weil sie unter den Wespen, die in dem Wall geeignete Schlupfwinkel finden, zu leiden haben. Im nördlichen und südlichen Stadtgebiet befinden sich noch heute die Norden- und Südenbleiche. Die dortigen Grundstücke dienten damals zum Bleichen des Flachses.

Für die Bezeichnung "Am Armenhause" war das früher an der Schulstraße gelegene Armenhaus namengebend. Dem Fremden fällt der Straßenname "Schlabberpohl" auf. Der Name geht auf die vielen Pfützen zurück, in denen im Mittelalter Hunde und Schweine schlabberten. Der Kühl verdankt seinen Namen der Form der Flur. Die Straße, deren Name Sacksipfel bedeutet, führte früher in eine Sackgasse, die keinen Ausgang hatte. Der benachbarte Drostenhof leitet die Benennung von Droste, einen hohen königlichen Beamten, ab. Dem sicheren Anschein nach wohnten die Bediensteten des Drosten oder des Vogtes auf dem Drostenhof. Zu den Ländereien des Drosten wird auch die Flur "Bei der Domäne" gehört haben. Neueren Ursprungs ist die Benennung "Liebesgasse" für eine dunkle, von der Weststraße abzweigende und sehr enge Stiege. Vor dem St.-Joseph-Stift biegt nach links die "Penningsstiege" ab. Man nannte sie so, weil für die jährliche Graspacht nur wenige Pfennige erzielt wurden. Der Name "Placken", bezeichnet ein großes Flurstück, daß ringsherum bebaut wurde. Obwohl die Flur im Kataster den Namen Plätzchen trägt, hat sich im Volksmund "auf'm Placken" erhalten. An der heutigen Fillstraße befand sich ehemals der Fillplatz, an dem der Schinder den verendeten Tieren das Fell abzog. Immer wieder werden dort bei Erdarbeiten große Tierknochen zutage gefördert.


Bild:
Ostheide 2007


Im Gegensatz zum Ackerland, das schon früh geteilt wurde, blieben die Weiden noch lange im Gemeinbesitz. Das gemeinsame Besitztum lag längs der Straße nach Beckum und hieß Ostheide. Wahrscheinlich war die Flur ursprünglich mit Heidekraut und Gestrüpp durchsetzt. An sie erinnern noch "Ostheide, Buschheide und Beidestiege". Zu dem freien Anbau vorbehaltenen Sonderland einzelner Markgenossen zählten die Flure "Sundern" und "Sundernkamp". Die "Geist" im westlichen Stadtbezirk bedeuet wenig fruchtbares, sandiges Gelände. Hierher gehören auf "Auf der Geist" und "Geisthöfken". In der Mark wurden keine Gänse geduldet. Für sie gab es den "Gaisegaorn". Das vor der Stadt liegende Ackerland war in lange Streifen aufgeteilt, die hier Garten oder Ruten genannt wurden. Wir finden "Außengärten, Mittelgärten, Kurze Gärten, Suengaorn (Südengarten), Ruengaorn, Spannigegärten, Schlunengärten". Unsicher ist die Deutung der Flurnamen "Schluse" und "Schleiten". Die Flur "Auf'm Bült" verdankt ihre Bezeichnung der freien und hochliegenden Lage. Auf schlammigen Boden lassen "Meerbree" und "Meerstraße" schließen. Auch in "Brock" gleich Bruch wird die Sumpflandschaft zum Ausdruck gebracht. Wir finden "Mittelbrock, Achterbrock, Kleine Brock, Brockstraße". Leicht verständlich sind die Namen "Mühlenweg, Mühlenkuhle, hinterster und vorderster Mühlenkamp."
Häufig sind die mit "feld" zusammengesetzten Bezeichnungen. Sie deuten eine ziemlich baumlose Fläche an. Für die Flur "Im Himmelreich" kommen zwei Erklärungen in Frage. Man nimmt an, daß unsere Vorfahren den Namen für eine hochgelegene Fläche geprägt haben. Vielleicht wollten sie auch damit die gute Bodenbeschaffenheit ausdrücken. Auf guten Boden weist vermutlich auch "Obergüldenort" hin, wobei "Ort" ein in eine Spitze zulaufendes Grundstück bezeichnet. In der gleichen Richtung liegt auch "Gurort". Ein garer, triebkräftiger Boden wird diese Flur ausgezeichnet haben. Die "Galle" dagegen lässt auf einen steinigen Boden schließen. Der mancherorts vorkommende Flurname "Uebelgönne" wird als Bezeichnung für eine Flur gedeutet, die dem Eigentümer missgönnt und darum streitig gemacht wurde. Die oft gestellte Frage nach der Bedeutung des Flurnamens "Aschenpott" findet noch keine befriedegende Antwort. Vielleicht wurden einstmals auf der Flur Eschensetzlinge herangezogen. Vielleicht befand sich in ihr eine große Bodenvertiefung, die mit Asche und Kehrricht gefüllt wurde.

Eine schildförmige, dreieckige Bodenerhebung führt den Namen "Schild". Im südlichen Stadtgebiet liegt die "Stadts-Börne". Unter ihr ist eine Wasserkuhle zu verstehen, aus der das Vieh getränkt wird. Wenige Anhaltspunkte bieten für eine Deutung die Bezeichnungen für die Fluren " Kleine und große Sengerei, Möört und Greifenkuhle". Die letztere diente früher nicht nur als Pferdeschwemme, sondern aus ihr holte auch "Freund Adebar" die jungen Sendenhorster.
Wald und Busch in Sendenhorster Flurnamen
Die Flurnamen bilden eine wichtige Quelle für die Heimatgeschichte, wie ihre Kenntnis die Verbundenheit zur heimischen Scholle stärkt. Manche Flurnamen sind uns schon fremd geworden. Bei der Neugestaltung der Besitzverhältnisse gehört es zu den Aufgaben der Heimatpflege, dafür zu sorgen, daß sie weiterhin fortleben.
Zu den früheren Marken gehörten Ackerland, Weide und Wald. Es war genau verfügt, wieviel Holz der Marktgenosse im Jahr schlagen durfte. Flurnamen mit der Silbe "Wald" bezeichnen gewöhnlich große Waldgebiete. Unter "Busch" versteht man hingegen meist kleine, alleinstehende Bauernwälder. Nach Prof. zur Bonse bedeutet Sendenhorst - Weg im Walde. Andere Sprachforscher leiten den Namen von dem lateinischen Wort synodus - Zusammenkunft ab. Auch die Bauerschafsnamen Elmenhorst, Bracht und Hardt weisen auf früheren Holzreichtum hin. Sehr häufig sind hier Flurbezeichnungen mit - busch, -holt und -loh. Manche davon geben Auskunft über die Art des früheren Bau- und Strauchbestandes, wie Erlenbusch, in den Erlen, Eckenbusch, im Ekern, vorderster und hinterster Wiebusch, Birkenbusch, Espele, Espelkamp, Rausenbusk, kleine Heidbüsche, in der Kugelheide. Auch Telgenbusch und Telgengärtchen erinnern an frühere Eichengehölze.

Auf die Lage der Flurstücke weisen die Namen im Appelhof, Unter dem Pflaumenbaum, Schweinestallbusch, Südbusch, Münsterkampbusch hin. Oft war die Bodenbeschaffenheit namengebend. Auf schlammigen Boden im Kirchspiel deuten Moorbusch, Holtblank, Im blanken Holt, Deipenfuerbüsche, auf steinigen Boden Steinigbusch, Steinhegge und auf fruchtbaren Boden Holtwoert. Dem Quekenbusch scheinen Quecke (Unkraut) oder Kwikken (dünne Zweige) den Namen gegeben zu haben.
Bei den vielen Flurstücken, die mit -hagen, -hagge, -hege, -hiege zusammengesetzte Namen tragen, handelt es sich um schmale, zur Einfriedigung bestimmte Waldstreifen. Für die Landwehr war die Bezeichnung Kirchspielshaben üblich. Während die Landwehr erfreulicherweise zum großen Teil bis heute erhalten blieb, ist die Stadthegge, die am Grünen Weg das südliche Stadtgebiet abgrenzte, in den letzten Jahrzehnten ganz verschwunden. Aus der Stakenhiepe und aus der Stockhiege holte man früher außer Brennholz die Staken und Holzknüppel, um die unbefahrbar gewordenen Wege auszubessern. Der Speckenbreidenbusch lieferte die Knüppe für die Anlage von Knüppeldämmen. Aus der Wuorsthegge und aus der Dörnhiege holten wir früher die "Wuorstdörn" zum Verschließen der Wurstenden. Die Phantasie unserer Vorfahren prägte manchmal wunderliche Namen. Auf Vergleiche mit einem Pflugbaum beruhen die Flurbezeichnungen Pflugbaum und Pflugbaumerbusch.

Manche Stücke benannten unsere Vorfahren nach den dort vorkommenden Tieren. Der Hirschbusch erhielt vielleicht seinen Namen, weil dort einmal ein Hirsch erlegt worden ist. Auf ein häufiges Vorkommen von Schlangen weisen der vorderste und hinterste Schlangenbusch, von Hasen das Hasenholz, von Fröschen das Poggenholt und von Hunden das Ruenholt hin. Der Name Reuse ist wahrscheinlich von den dort ausgelegten Fischreusen abgeleitet. Unsicher ist die Ableitung der Flurnamen Im Sprinkelstrunk, Ripsholt und Erdmanns Knokelbusch. Das Geisterholt verdankt seinen Namen nicht, wie vielfach angenommen wird, den dort umgehenden Geistern, sondern erhielt ihn von dem ehemaligen Hof Geisterholt in der Bauerschaft Brock. An zwei Stellen finden wir im Kirchspiel den Namen Thiebusch. Diese Fluren dienten unseren Vorfahren als Versammlungsplätze und als Gerichtsstätten (vgl. Thing). In einigen Bezeichnungen erscheint der Name des Eigentümers, z.B. Schöckinghegge, Kerkmannsbusch, Brüserbusch, Meybusch, Fraterherrenbusch, Hertzholt.

Leider sind manche mit -baum zusammengesetzte Namen in Vergessenheit geraten. Pfarrer Kuipers bezeichnet 1778 u.a. die folgenden Flurstücke als Pastoratsland: Auf dem Bogenkamp vor dem Glorienbaum, Auf dem Sommerlager vor dem Plaggenbaum, Im Härderfeld vor dem Bersenbaum. Vermutlich stand unter dem bereits 1582 im Heberegister erwähnten Glorienbaum ein Heiligenhäuschen. Auch der Name Hilgenhege lässt darauf schließen, daß sich dieses Grundstück in Kirchenbesitz befindet. Sendenhorsts höchste Geländerhebung ist der Witte Paohl. Es ist anzunehmen, daß diese Benennung von einem weiß angestrichenen Grenzpfahl herrührt. Die Bezeichnungen Großes und Kleines Rodland, Rodde und Brand deuten an, daß später durch Ausroden und Abbrennen von Buschholz neues Kulturland gewonnen wurde. Pfarrer Kuipers berichtet im Jahre 1777: "Der "Pepenbrock oder Brand" war ehedem ein dicker Busch, der durch öfteren Hausbau zu einem Weidekamp geworden ist.

Der "Kamp" in Sendenhorster Flurnamen.
Für das Kirchspiel Sendenhorst wird zur Zeit der Plan für die neue Flureinteilung ausgearbeitet. Mit der Flurbereinigung erhält die Gemarkung ein verändertes Gesicht. Die vielen kleinen Parzellen verschwinden. Kleine Waldstücke und manche Hecken werden beseitigt. Erfahrungsgemäse verschwinden mit der alteigenen Scholle auch die alten, für die Vor-, Landes- und Heimatgeschichte bedeutungsvollen Flurnamen, von denen viele bereits in Vergessenheit geraten sind. Es ist das Gebot der Stunde, die noch bekannten Flurnamen in ihrer hochdeutschen und in ihrer mundartlichen Form zu retten und sie an die kommenden Geschlechter weiterzugeben.

Gegen 200 Flurstücke tragen in Sendenhorst den Namen Kamp. Unter Kamp versteht man eine große Landfläche, die eingefriedigt ist und meistens als Weide benutzt wird. Schlicht und doch treffend zeigen die Namen mit Kamp die natürlichen Verhältnisse des Flurstückes an, z.B. Hangekamp, Bowenkamp, Bergkämpchen, Voernkamp, Plaggenkamp, Rüschenkamp, Leigenkamp, Baunenkamp, Wickenkamp, Schlehenkamp, Roggenkamp, Suerkamp. Einfach zu deuten sind auch Schoppenkamp, Ostkämpchen, Kämpchen vör de Düör. Die Namen Sunnenkamp und Sommerkamp bezeichnen die südliche Lage der Flurstücke. Der Sunderkamp ist eine Flur, die aus der allgemeinen Nutznießung ausgesondert wurde und sich in Privateigentum befindet. Der Fennekamp lässt auf einen unfruchtbaren und moorigen Boden schließen. Der Bremkamp liegt am Rande eines grösseren Waldes oder Feldes. Auch Münsterkamp und Hamwegkamp sind höchstwahrscheinlich nach ihrer Lage bezeichnete Grundstücke. Der Teigelkamp weist auf eine dort errichtete Ziegelei hin. Auf dem Püttkamp befand sich ein Schöpfbrunnen. Fast jeder Bauernhof hat heute noch einen Flaßkamp. Der Linnenkamp diente zum Bleichen des Leinens.

Wie viele Orte, so hatte auch Sendenhorst einen Galgenkamp, "alwoh vormahlen der Galgen gestanden hat". Auf eine weitere Gerichtsstätte deuten die Flurnamen "Thie, Thiekamp, am Thiebree" in der Bauerschaft Elmenhorst hin. Von den Kindern gemieden wird der Teufelskamp. Vielleicht ist der Name von tiuf gleich tief abgeleitet. Das Holtkämpchen verzeichnet einen gewissen Holzbestand.
Gern benannten unsere Vorfahren die Feldstücke nach den in der Nähe errichteten Bildstöcken, wie Kapellenkamp und Bildkämpchen. Manche interessante Benennungen wurden aus der Tierwelt abgeleitet. Hierher gehören im Kirchspiel Sendenhorst Rüenkamp, Kattenkamp, Poggenkamp, Uhlenkamp, Hahnenkamp, Hönerkämpken. Nach Personennamen sind bekannt Potthastkamp, Hessekamp, Höckerskamp, Bowinskamp und Schmetkämpchen. Der Scherbenkamp wird künftig eine grössere Beachtung verdienen, zumal da es in seiner Nähe eine Scherbenstroute und einen Scherbenhügel gibt. Vielleicht hat man den Flurstücken diese Namen gegeben, weil auf ihnen wiederholt Scherben oder Reste von Gräberfeldern gefunden wurden. Von Interesse ist, daß es auch früher innerhalb der Stadt einen eingefriedigten Kamp gab. Hier lag im Jahre 1315 der zum Überwasserkloster gehörende und nach seinem Pächter benannte Woltharkinckamp. Für ihn wurden acht Schillinge als Pachtgeld entrichtet.


36a Schörmel" und "Spannergärter"
Oestlich der Stadt Sendenhorst, schon zur Gemeinde Kirchspiel Sendenhorst gehörig, liegt ein Grundstückskomplex der Freiherrlich von Kettelerschen Verwaltung in Größe von etwa 50 ha, "Schörmel" genannt. Wie sich beim Studium alter Akten herausgestellt hat, hiess der Schörmel früher "Schirmerhove", "Scharenberger Hove" ist die noch ältere Bezeichnung. Der zweite Teil des Wortes, "hove" scheint die schon seit langen bestehende Vermutung zu bestätigen, daß die zusammenhängende Grundstücksfläche nicht, wie heute, stets in der Bewirtschaftung zahlreicher Ackerbürger gestanden hat, sondern früher einmal ein eigener Hof gewesen sein muss. Doch haben sich Reste hiervon bisher nirgends gefunden. Der Schörmel gehört seiner Geschichte nach zur Harkotter Gütergruppe. Im Jahre 1753 wurde eine Witwe von Ketteler mit der Schirmerhove belehnt. Sie war nämlich ein Lehnsgut des Fürstbischofs von Münster. Seitdem befindet sich der Schörmel in Händen der Familie von Ketteler. Nach Aufhebung des Lehnswesens ging er in deren Eigentum über. Südlich der Stadt liegt eine Flur, die die Bezeichnung "Spannergärter" trägt. Bekannt ist, daß sich diese Bezeichnung aus "Spaniger Gärten" entwickelt hat. Während aber bisher immer Spaniger stets mit dem fast gleichlautenden Wort Spanier in Verbindung gebracht wurde, konnte nun an Hand einer alten Aufzeichnung die sich im Pastorat befindet, geklärt werden, daß es einem Bürger namens Spaniger gegeben hat, der im Besitz dieser Gärten gewesen ist und sie später veräußert hat. Sein Name ist jedoch in den Gärten erhalten geblieben.

 

     

Die Firmungsreise im Dekanate Beckum im Jahre 1839 & die gegen den Pfarrer Lorenbeck zu Sendenhorst geführten Demonstrationen

Nr. 37 | Wilhelm Kleinhans

In Nr. 95 dieser Zeitung vom 25. April d. Js. wird über die diesjährige Firmungsreise des Hochwüdigsten Herrn Weihbischofs berichtet und dabei dem Wunsche Ausdruck gegeben, "daß der Empfang an allen Orten so vor sich gehen wird, wie es der Würde des Bischofs entspricht...


Sendenhorst ... "Es wird hingewiesen auf die Ausschmückung der Straßen, auf Reiter und Radlerzug usw. Es war im katholischen Münsterlande von jeher ein schöner Brauch, … .. dem Oberhirten der Diözese oder seinem Stellvertreter einen feierlichen Empfang zu bereiten. Im Jahre 1839 gab der Landrat des Kreises Beckum, Graf Merveldt ( 1830 - 1848 ), auf Veranlassung des Landdechanten Hagemann ( von 1814 an Pfarrdechant von Beckum und von 1836 - 1848 gleichzeitig Landdechant ) die Anregung zum würdigen Empfang des Bischofs. Es sollte bei der Umreise des Bischofs dafür gesorgt werden, "daß die bei dieser Gelegenheit berührten Wega an den schlechten stellen möglichst gebessert und planiert werden und da, wo diese nicht genügend zu hoffen steht, allenfalls die Durchfahrt auf Privatwegen oder Grundstücken vermittelt werde. Die Pfarrer werden bei der Ankunft des Bischofs in den Kirchdörfern feierlich läuten lassen und wollen die Bürgermeister für die Handhabung der polizeilichen Ordnung bei den sonstigen, von der Pietät der Pfarrkinder zu erwartenden Empfangsfeierlichkeiten sorgen, auch in den Hauptorten der Gemeinden mit Gemeinderäten und Schulvorständen des Herrn Bischofs das Kompliment machen." Die Firmungs- und Visitationsreise des hochseligen Bischofs Caspar Max. Freiherrn von Droste Vischering begann im Jahre 1839 in Sendenhorst und sah dann folgende Reiseroute vor: Vorhelm, Enniger, Ennigerloh, Vellern, Oelde, Stromberg, Sünninghausen, Diestedde, Wadersloh, Liesborn, Herzfeld, Hovestadt, Lipporg, Dollberg, Beckum, Heeßen. Auffallend ist, daß Ahlen in dem Plane fehlt.

Am Tage vor Fronleichnam, am Mittwoch, dem 29. Mai, abends um 6 1/2 Uhr, traf der Hochwürdigste Herr in Sendenhorst ein. Bis Tönnishäuschen waren ihm 36 Reiter entgegengeritten. Am Stadttore bereiteten ihm die Geistlichkeit und die Schulen einen festlichen Empfang und geleiteten ihn in feierlicher Prozession zum Pastorat. Dort machte der Bürgermeister mit dem Gemeinderat seine Aufwartung. Bis 9 Uhr erscholl feierliches Glockengeläute vom Turme, und in den Pausen wurden Böllerschüsse abgegeben. Soweit verlief die Feier sehr würdig. Wie es häufig vorkommt, können aber nach einer Feier manche nicht sofort den Weg nach Hause finden. Sie kehren unterwegs in einer Wirtschaft ein, um die Feier "würdig" zu beschließen. So kam es auch hier. Die Gemeinde hatte sich einige Jahre vorher, im Jahre 1834 ihre geborstenen Glocken durch den Franzosen Boitel umgießen lassen. Das Geläute war besonders gut ausgefallen. So lag es nahe, daß bei Anwesenheit des Bischofs das Läuten länger ausgedehnt werden sollte. Der Pfarrer Lorenbeck war aus triftigen Gründen nicht dafür. Auf seine Anordnung wurde um 9 Uhr Schluß gemacht und die Kirche abgeschlossen. Diese Maßnahme des jungen Pfarrers wurde arg bekämpft. Man trank sich eine Wut an, die in einen regelrechten Aufruhr gegen den Pfarrer ausartete.
Pfarrer Lorenbeck hatte im Anfange seiner Amtsperiode einen schweren Kampf gegen eine gewisse Klique zu kämpfen, um Ordnung und Disziplin zu halten. Einige Monate vorher war er gegen die Auswüchse bei der Karfreitagsprozession, über die kürzlich in dieser Zeitung berichtet wurde, vorgegangen. Das hatten ihm seine Gegner nicht vergessen. Jetzt war eine Gelegenheit gekommen, sich an ihm zu rächen. Von der Wirtsstube aus wurden mehrere Burschen zum Küster Philipps geschickt, die Schlüssel von der Kirche und vom Turme zu holen, damit weiter bis in die Nacht hinein geläutet werden könne. Der Küster verweigerte auf Anordnung seines Pfarrers die Herausgabe. Inzwischen war es dunkel in den Straßen geworden. Da war nun der Zeitpunkt gekommen, dem Pfarrer in Anwesenheit des Bischofs einen gemeinen Streich zu spielen. Es wurden die Radebraken herangeholt. Während die Anstifter den besseren Teil der Tapferkeit erwählten und sich im Hinterhalt hielten, wurden junge Burschen aufgewiegelt, mit den Instrumenten Lärm zu schlagen. Mit unheimlichem Geklapper zogen diese um die Kirche, das Pastorat und durch die Straßen der Stadt, und in der Wirtstube hatten die Urheber eine teuflische Freude über den Ärger des Pfarrers. Der Polizeidiener Degenhardt wurde herbeigerufen, die Burschen zu fassen. Diese warfen aber schnell die Klapperdinger von sich und flohen.

Als wieder Ruhe war, wurde in aller Stille ein neuer Plan gegen den Pfarrer ausgebrütet. Die Stadt schlief in tiefem Schlummer. Nur der Nachtigall Gesang klang in die stille Maienzeit hinein, und der Frösche Gequake drang aus dem Morast der Stadtgräfte. Unschuldige Kinderseelen träumten von der Fronleichnamsprozession des folgenden Tages. Sie hatten sich vorgenommen, ganz andächtig zu sein. Würde doch der Bischof selbst dabei sein und sie mit dem Allerheiligsten segnen. Der Nachwächter hatte soeben an den Stadttoren und Straßenkreuzungen sein viermaliges "Füht, Füht, Füht" geflötet und schickte sich zu einer Pause an. Da sah er am südlichen Himmel einen hellen Feuerschein. Er stieß in sein Horn, und es dauerte nicht lange, da rasselte die Brandspritze durch die Straßen der Stadt. Die Fenster und Türen öffneten sich. Zuerst ein großer Schrecken, dann ein Rufen und Fragen. Als aber die Halbangezogenen erfuhren, daß Gefahr für eigenes Hab und Gut nicht vorhanden war, eilten nur Berufene und Neugierige zum Tor hinaus. Sie wussten nicht, wo es brannte. Stand doch kein Wohnhaus in der Gegend des Feuerscheines. Die eifrigen Feuerwehrleute füllten unterwegs beim Hellenbache ihre Bottiche und weiter ging es durch die Brockstraße. Was mochte brennen? fragten sie sich unterwegs. Das Ziel war erreicht. Aber man konnte mit den Feuerlöschgeräten nicht hinkommen. Graben und Hecken hinderten die Weiterfahrt. Rund um das Feuer lief ein halbes Dutzend Kühe im Kreise mit hochgehobenen Schwänzen. Nun war das Rätsel gelöst. Die mit Stroh gedeckte Kuhhütte des Pfarrers stand in Flammen. "Wenn anners nich brennt" sagte der eine, "dat is bloß Leigheit giegen den Pastor", der andere. Voll Erbitterung über die Enttäuschung gegen die rachedurstigen Brandstifter zogen die Feuerwehrleute wieder ab. Die Sache hatte noch gerichtliches Nachspiel aber die Schuldigen wurden nicht gefasst. Der Pfarrer wurde durch die Freveltaten arg mitgenommen. Es bäumte sich sein Gerechtigkeitssinn auf und klopfenden Herzens schreib er dem Bürgermeister Brüning: "Sie werden es mir nicht verübeln, wenn ich den Wunsch ausspreche, daß die Untersuchung mit Tätigkeit betrieben werde; denn schon trösten sich die Aufrührer mit dem Gedanken, die Sache werde einschlafen. Wer kann Vorgesetzter sein, wenn Empörung nicht gestraft werden soll?" Der Landrat tadelte nachher, daß die Polizei nicht auf dem Posten gewesen sei.

Eine weitere schandlose Tat musste der Pfarrer bald darauf erleben. In seinem religiösen Eifer hatte er das 40-stündige Gebet auf Fastnacht eingeführt, um dadurch die an diesen Tagen herrschenden Unsitten zu beseitigen. Das passte manchen nicht. An diesen Tagen wollte man die Zügel schießen lassen und sich austoben. Man organisierte wieder einen Aufruhr. Des Abends, während der Schlußandacht, zogen die Fastnachtsgecken mit Musik singend und johlend in die Kirche, setzten Tische und Stühle um den Kirchplatz, zechten und trieben allerhand Unfug. Als der Pfarrer sich hierüber beklagte, zogen die Unholde mit Mistgabeln und Sensen bewaffnet vor das Pfarrhaus und demonstrierten.

Pfarrer Lorenbeck ließ aber nicht locker, wenn er auch oft selbst die Polizei am Orte spielen musste. Er ging trotz aller Anfeindungen den geraden Weg der Pflicht. Durch Festhalten an seinen Grundsätzen brachte er die Gutgesinnten auf seine Seite, und die anderen wurden von der Bürgerschaft geächtet. Nach und nach fand er durch seinen Eifer und sein selbstloses Wesen volles Verständnis. Sonst wäre es ihm nicht möglich gewesen, mit Hilfe der Gemeinde eine so herrliche Kirche zu bauen, wie sie heute der Stolz der Stadt ist.

Nun ruht der edle Kämpfer für Sitte und Religion schon 60 Jahre im Grabe. Von der lebenden Generation haben ihn nur die Alten noch gekannt. Aber alle haben eine hohe Achtung für ihn im Herzen behalten. Vor nicht langer Zeit starb ein fast 90-jähriger Greis. Dieser war zwei Jahre nach dem Tode des Pfarrers behilflich gewesen, ihm den Grabstein zu setzen. Er erzählte dem Schreiber dieser Zeilen folgendes: " Als wir die Fundamente zum Denkmal setzen wollten, kam uns der Gedanke, noch einmal den lieben Pfarrherrn zu sehen. Wir öffneten den Deckel des Sarges und sahen, daß die Leiche noch ganz unverwest war. Das Gerücht über die Öffnung des Grabes hatte sich bald in der Stadt verbreitet, und viele eilten zum Grabe, um den Verstorbenen zu schauen und ihm ein stilles Gedenken zu widmen. Dann füllten Erdmassen wieder das Grab. Und auf den Grabstein setzte man die Worte: " Dem Erbauer der Kirche. Die dankbare Gemeinde."

 

     

Die Reliquien der Pfarrkirche Sendenhorst

Nr. 40 | NN

Weithin grüßen die Türme der stattlichen Kirche zu Sendenhorst in die Lande, ein imposantes Bild dem Wanderer, der auf den wiesenbesäumten Straßen unserer Stadt sich nähert. Zentral gelegen, auf dem großen Platze, wo die Hauptstraßen zusammenlaufen, von einem Kranz schattiger Bäume umgeben, macht unsere Kirche auf jeden gewaltigen Eindruck. Inwendig ist sie zwar schlicht und einfach, doch birgt sie im Alter kostbare Werte.


Unsere Kirche ist mit Reliquien gesegnet wie kaum eine zweite in unserer Umgebung. Es sind Reliquien da von der hl. Katharina, Elisabet, Vinzenz, Martin, Petrus, Anna, von der Geißelsäule Christi und vom hl. Kreuze.

Als nach dem letzten großen Brande die Kirche zerstört war, waren auch die Urkunden des Pfarrarchivs ein Raub der Flammen geworden, so daß wir über die Reliquien der früheren Kirche nichts Zuverlässiges mehr haben. Als man nun endlich, nach Jahrzehnten daranging, eine neue Kirche zu bauen, war Spithöver, der große Wohltäter seiner Heimatstadt, in Rom bereits ein gemachter Mann geworden. Von der Ferne aus beobachtete er lebhaft die Fortschritte des Kirchenbaues und bot nun selbst seinen ganzen Einfluß auf, um seiner Vaterstadt kostbare Reliquien zu verschaffen. Wir führen hier einen Brief an, der im Original sich im Pfarrarchiv befindet.

Rom, den 19. Juli 1854.

Hochwürdiger Herr Pastor !

Beifolgend übersende ich Ew. Hochwürden einige Reliquien für die Kirche zu Sendenhorst, als nämlich: 1 Partikel vom Hl. Kreuze, Reliquien von der Säule woran Christus gegeißelt worden, ferner eine Reliquie vom hl. Martinus, Patron der dortigen Kirche sowie von dem hl. Petrus und Paulus, dem hl. Vinzenz und von der hl. Catharina.

Aus Ihrem und der Lehrerin A. Wessel Schreiben vernehme ich zu meiner größten Freude, daß man jetzt im Begriffe ist, in Sendenhorst eine neue Kirche zu bauen. Mit Reliquien werde ich die neue Kirche von hier aus reichlich versorgen, und ich würde jetzt noch mehr geschickt haben, aber die Zeit war zu kurz, als daß ich dieselben noch mit dieser Gelegenheit senden konnte, denn man muß oft lange warten, ehe man selbe bekommt, da ich jedoch gewöhnlich alle Jahre einmal Gelegenheit habe nach Münster, so hoffe ich bis dahin, daß die Kirche fertig ist, auch noch genug senden zu können.

Unter herzlichen Grüßen für Sie und Lehrerin A. Weßel schließe ich diese Zeilen und habe die Ehre zu sein. Ew. Hochwürden ergebener Diener
J. Spithöver.

 

     

Der Sendenhorster Taufstein aus dem Jahre 1588

Nr. 41 | Bernhard Fascies

Dieser Taufstein, der fast 300 Jahre die ehemalige Sendenhorster Pfarrkirche geschmückt hat, steht seit 1871 in der Pfarrkirche zu Westkirchen. Er ist aus altem Baumberger Kalkstein kunstvoll hergestellt.


Das eigentliche Becken hat die Form einer Halbkugel und läuft nach oben in einem achteckigen, etwa 30 Zentimeter breiten Rand aus. Der runde, mit reichen Verzierungen versehene Fuß trägt im Verein mit vier schlanken Säulen die Last des Taufbeckens, das eine Weite von 87 Zentimeter hat. An dem Becken fallen auf die Engelsköpfe, das Wappen des Hieronymus Hogeherte, Inschriften mit der Zahl 1588, das breite Gesims, am Fuße und Ständer die kräftigen Profile und insbesondere der zylinderische Knoten mit Pique-Mustern am Ständer.

An dem Taufstein befindet sich in niederdeutscher Sprache folgende Inschrift:
"Ein Herr ein gelowe (Glaube)
Ein Tauff ein gode
Der Sendenhorster Heinrich Hölscher war Pfarrer der Martinsgemeinde (1584 - 1623), als der Taufstein vom hiesigen Hyronimus Hogeherte 1588 der Martins-Pfarrkirche gestiftet wurde. Pfarrer Reinermann schenkte ihn 1871 der Kirche zu Westkirchen, die durch Brand zerstört war. Dort ist der Taufstein noch heute zu sehen. und vader unser aller.
Emph. 4. 1588
Es sey denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und hillige geiste, so kann er nicht in dat reich gottes kommen. Joh. 3.

In christlicher Liebe geschenkt von der Pfarre Sendenhorst 1871. Reinermann, Pfarrer." Die Nachkommen des Stifters leben heute noch auf dem uralten Hofe in der hiesigen Bauerschaft Bracht. Das Geschenk des Pfarrers Reinermann zeugt sicher von echter christlicher Nächstenliebe. Er wollte der schwergeprüften Gemeinde Westkirchen, deren Kirche 1868 abgebrannt war, beistehen. Vielleicht hätte man ihr aber ebensogut in anderer Weise helfen können, ohne daß ein mit der Geschichte der Gemeinde eng verbundenes Gut abgegeben worden wäre. So sehr einerseits der Verlust für unsere Gemeinde bedauert werden mag, so dürfen wir doch anderseits in dem Schenkungsakt ein Zeugnis nachbarlicher und christlicher Verbundenheit sehen und es als solches werten.

 

     

Ein Glockengruß zu Sendenhorst

Nr. 42 | NN

Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhältnis bringt, Das schlägt an die metall'ne Krone, Die es erbaulich weiter klingt."..


Sendenhorst   Wo wird der Glockengruß wohl herrlicher besungen und mit den Schicksalen des menschlichen Lebens so angenehm und passend verquickt als im Liede von der Glocke? Die Glocke ist des Menschen true Begleiterin auf "seines Lebens erstem Gange". Sie verkündet dem glaubigen Herzen Freud und Leid der Christenheit. Sie stimmt ihn zur Andacht und ruft ihn zu der irdischen Wohnung seines himmlischen Friedens. Und mit Schmerz und Wehmut wird die Seele des Menschen erfüllt, wenn " von dem Dome schwer und bang tönt die Glocke Grabgesang."
In älteren Zeiten dienten die Glocken, abgesehen von ihrem kirchlichen Zweck auch mancherlei anderen Zwecken. An den frühen Winterabenden war es die Glocke des nächstliegenden Ortes, die abends dem Wanderer aus der Unwirtlichkeit und Wildnis des damals alles bedeckenden Waldes das Kehrwieder unter das schützende Dach der Heimat läutete. Wenn das Glöcklein erklang, war die Müdigkeit verschwunden und " munter fördert seine Schritte fern im wilden Forst der Wanderer nach der lieben Heimathütte.
Und noch heute erzählt man, daß das Allerseelenläuten in früherer Zeit diesem Zwecke diente. Die Glocke war es auch, die die Bürger der Städte zur Pflicht im städtischen Leben aufrief und versammelte. Sie war gleichsam ein gewaltiger, ergreifender Rufer und Mahner bei allen grösseren Veranlassungen und Gelegenheiten. Hieraus ergibt sich, daß bei dem Neuguss alter Glocken kirchliche und weltliche Behörden das grösste Interesse zeigten.

Bei dem großen Brande, der im Jahre 1806 einen großen Teil von Sendenhorst in einen Schutthaufen verwandelte, blieb auch die Kirche nicht verschont. Das Element wütete im Gotteshause und besonders im Turme so stark, das die Glocken von der Hitze schmolzen. Ein gewisser Gelbgießer Merkel aus Warendorf goss einige Jahre später 4 neue Glocken. Doch nicht lange sollten diese die Gläubigen zum Gottesdienste rufen. Denn schon bald sprangen die Glocken und konnten nicht mehr geläutet werden. Lange Jahre war das Geläute verstummt. Welche Wirkung dies auf die Gemüter haben musste, lässt sich denken. Um nicht wieder solch hohe Summen Geldes nutzlos zu opfern und ein gutes und dauerndes Geläute zu erhalten, bediente man sich beim zweiten Glockenguß der grössten Vorsicht.
Eines guten Rufes erfreute sich damals schon die Glockengießerei von Petit in Gescher. Zur Zeit goß Petit auch 3 Glocken im benachbarten Vorhelm. Bei dieser Gelegenheit wurde Petit auch in Sendenhorst vorstellig und erbot sich, die Glocken umzugießen. Da es der sehnlichste Wunsch der Eingesessenen war, daß das Geläute wieder hergestellt werden möchte, schickte man sich an, mit der Firma Petit einen Vertrag abzuschließen. Bei der Anwesenheit des Meisters am 1. März 1834 versammelte sich der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung und schloß mit diesem einen Vertrag ab, wonach die hiesigen geborstenen Glocken, die ungefähr 7500 Pfund wogen, innerhalb drei Monate in der Glockengießerei zu Gescher umgegossen werden sollten.

Der Vertrag war also schon abgeschlossen. Er bedurfte aber, bevor er bindend war, der Genehmigung der kirchlichen und weltlichen Aufsichtsbehörde. Da erschien am 3. April ein zweiter Glockengießer, namens Peter Boitel, ein geborener Franzose, der seinen Wohnsitz in Düren hatte. Dieser erbot sich, die Glocken hier am Orte umzugiessen und stellte so billige Forderungen, daß man sich entschloß, auch mit diesem einen Vertrag abzuschließen. Während Petit für das Umgießen 1445 Taler forderte, bot sich Boitel an, die Arbeit für 820 Taler zu machen. Er war also fast um die Hälfte billiger. Von seiner Geschicklichkeit hatte er bereits viele Proben abgelegt. So hatte er Glocken gegossen in Senden, Venne, Westkirchen und für St. Servatii in Münster. Glänzende Zeugnisse waren dem erfahrenen Bildner für seine gelieferten Arbeiten ausgestellt. Sparsamkeit und weise Vorsicht waren die Motive, von denen sich damals die Gemeindevertreter leiten ließen. Schon plante man zur Zeit den Bau einer neuen Kirche und ein Fonds von 5000 Talern war bereits vorhanden. Da im Jahre 1834 für den Fonds 500 Taler einkamen und sich dieser um 200 Taler Zinsen vermehrte, waren die Kosten des Glockengusses durch das Einkommen eines Jahres fast gedeckt. Es brauchte also die Kirchenkasse oder die Mildtätigkeit der Eingesessenen nicht allzusehr in Anspruch genommen werden. Da ferner Boitel bereits in seinem Handwerk ergraut war und er sein Geschäft über einige Jahre aufgeben wollte, schien für die Gemeinde der günstigste Zeitpunkt gekommen, von dem französischen Meister jetzt die Glocken umgießen zu lassen. Aus dem Vertrag mit Boitel sei folgendes erwähnt:
Peter Boitel sollte das Umgießen der vorhandenen drei Glocken nebst dem Meßglöckchen in Sendenhorst selbst oder in deren Nähe vornehmen und musste sich verpflichten, die Glocken "schön, rein, hell und harmonisch tönend" abzuliefern.

Am 31. Mai wurde dem Boitel das Umgießen der Glocken endgültig übertragen, und dieser mit der Leitung der ganzen Arbeit beauftragt. Ein geeigneter Platz zum Umgießen fand sich an der Westenkapelle, die vor einigen Jahren abgebrochen wurde. - Dort wurden bei dieser Gelegenheit auch noch Überreste der Glockenformen gefunden. - Inzwischen wurden die Vorarbeiten, die von der Gemeinde besorgt werden mussten, geregelt und vergeben. Man konnte den Tag nicht abwarten, wo man das kunstvolle Handwerk schauen sollte. Das Gerücht verbreitete sich denn auch in der ganzen Umgegend und drang bis zur hohen Regierung. Wenn diese auch die Arbeiten nicht hinhalten wollte, so ordnete sie doch an, daß der Turm vor Aufhängung der Glocken durch den Bauinspektor Ritter untersucht werden sollte. Da der Turm bei dem großen Brande im Jahre 1806 im Innern ganz ausgebrannt war, fragte es sich, ob er nicht vorher einer neuen grösseren Befestigung durch Mauerwerk, Gebälke oder Anker bedürfe, was die verschiedenen Risse, die sich in seinem Innern befanden, zu fordern schienen. In dem geborstenen Mauerwerk "hoch auf des Turmes Glockenstube" hingen noch die zersprungenen Glocken und harrten ihrer Wiedergeburt " in des Dammes tiefer Grube".

Im August wurde nun endlich mit der Arbeit begonnen. Die Mühlenbaumeister Frenking und Saerbeck hatten den Auftrag, die Glocken vom Turme zu schaffen. Am 27. August wurden sie vom Turme geworfen und vom Schmiedemeister Bernard Stapel junior in 16 Stücke geschlagen. Mittlerweile war auch Boitel mit 2 Gehülfen, ebenfalls Franzosen hier angekommen, um die Arbeit zu beginnen. In seiner Gegenwart wurden die Stücke gewogen. Sie hatten ein Gewicht von 8257 Pfund. Das fehlende Erz war von dem Fuhrmann Bröcker mit vier Pferden von Buldern geholt. Hierfür erhielt dieser sechs Taler. Der Zimmermeister Brandhove hatte die Umzäunung des Platzes vorgenommen. Das Publikum sollte nach Möglichkeit ferngehalten werden, damit es nicht durch seine Neugierde die Arbeit beeinträchtige. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurde dem Polizeidiener Degenhardt ein Gendarm aus Beckum zur Hülfeleistung beigegeben.

Der 12. September war der bedeutungsvolle, aber auch verhängnisvolle Tag. Um 9. Uhr morgens sollte der Guss beginnen. Alles schien in bester Ordnung zu sein. Doch "die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand". Durch die tausendköpfige Menge erschallte plötzlich der Wehruf des französischen Meisters: "mon Dieu, mon Dieu, quel malheur!" Das ganze Volk ist in Aufruhr, es ahnt ein Unglück, kann aber den französischen Klage- und Hilferuf nicht verstehen. Nicht länger kann es die Geduld bewahren, es zerstört die Schranken und sieht, wie " das glüh'nde Erz sich selbst befreit." Blindwütend, mit des Donners Krachen zersprengt es das geborst'ne Haus, und wie aus off'nem Höllenrachen speit es Verderben zündend aus. Im folgendem, am Unglückstage von dem Bürgermeister Brüning aufgezeichneten Bericht wird das Unglück in seiner ganzen Größe kurz geschildert:
" Der heute vorgenommene Guss der Glocken ist ganz mißlungen, weil der Schmelzofen, wahrscheinlich durch das zu starkes Einstoßen des Holzes einen Riss bekommen hatte, wodurch nun etwa die Hälfte des Erzes ausgelaufen war. Da die Formen für die dritte und die kleine Meßglocke noch gut sind, so hat der Glockengießer Boitel erklärt, diese zwei Glocken am Montag, den 15. ds. Monats zu gießen und zu den zwei mißglückten neue Formen zu machen und selbige diesen Herbst noch zu gießen. Die Gemeinde hat hierbei keinen Schaden, der Mann aber hat 600 Taler verloren."
600 Taler waren in den Sand gelaufen. Fürwahr ein herber Schlag für den armen Mann. Dieser " dies ater ", der Unglückstag, hatte ihn um den ganzen Gewinn gebracht. Doch er verzagte nicht. "Ein süßer Trost ist ihm geblieben." Es war das Vertrauen der Sendenhorster Bürger auf sein Geschicklichkeit. Sie waren der festen Überzeugung, daß er die Scharte wieder auswetzen würde und sie wurden in ihrem Vertrauen nicht getäuscht.

Am Montag, den 15. September waren die Bürger nicht wenig überrascht, als man ihnen in aller Frühe verkündete, daß Boitel schon um 4 Uhr morgens die zwei kleinsten Glocken, deren Formen gut geblieben waren, gegossen hatte und diese so schön und gut ausgefallen seien, daß nichts zu wünschen übrig blieb. Das kleine Meßglöcklein wurde gleich ausgegraben und um 9 Uhr morgens unter dem Jubel der Bevölkerung zur Stadt gebracht und vorläufig auf der Tenne der Pastorat aufgestellt. Am folgenden Tage wurde das Glöckchen von dem Pfarrer und Landdechanten Darup in aller Stille geweiht. An diesem Tage wurde auch die kleinste von den drei großen Glocken ausgegraben und zum Kirchplatz gebracht, wo beide Glocken gewogen wurden. Das Meßglöckchen hatte ein Gewicht von 342, die andere wog 1803 Pfund. Die kleinste sollte nun sofort auf den Turm gezogen werden, damit zum Gottesdienst wieder geläutet werden könnte. Doch die Bürger waren hiermit nicht zufrieden. Sie verlangten mit Ungestüm, daß auch die andere Glocke gleich aufgehangen werden sollte. Es wurde ihnen aber bedeutet, daß diese nicht eher auf den Turm gebraucht werden dürfe, bis auch die zwei grössten Glocken gegossen, von einem Sachverständigen untersucht und ihre Harmonie geprüft worden sei. Diese Vorstellung half nichts. Die Bürgerschaft wollte sich verbindlich machen, die fertige Glocke auf ihre eigenen Kosten schon jetzt auf den Turm, und über vier Wochen, wenn auch die beiden anderen Glocken fertig seien, wieder herunter zu schaffen. Dem Drängen der Bevölkerung konnte jedoch nicht nachgegeben werden. Nur das Meßglöckchen wurde am 18. September auf den Turm gezogen.

Durch die Wiederherstellung der Formen und die Herbeischaffung des fehlenden Erzes verzögerte sich der Guß der beiden großen Glocken noch um vier Wochen. Am 20. Oktober endlich ging er vonstatten und fiel zur grössten Zufriedenheit aus. Am 30. Oktober wurden die Glocken gewogen. Es wog die grösste Glocke 3712 Pfund und die zweite 2577 Pfund. Sie hatten ein Gesamtgewicht von 8434 Pfund und waren demnach 177 Pfund schwerer als die alten. An dem Äußeren der zwei zuletzt gegossenen Glocken ist noch jetzt mit scharfem Auge zu sehen, daß die Formen nicht so fein und sauber gearbeitet waren, wie bei den beiden kleinen. Das Äußere ist etwas rauher, die Bildnisse des sterbenden Erlösers am Kreuze und der Muttergottes, die sich auf jeder Glocke befinden, sowie die Verzierungen sind nicht so scharf und deutlich ausgeprägt.

Im Namen sämtlicher vier Glocken verkündet die große Glocke der Nachwelt ihre Entstehung. Die Inschrift lautet: "Nos quatuor hie fudit Petrus Boitel Ÿ Francia anno 1834 in honorum sanoti Martini episcopi ac patroni ecclesiae Sendenhorstensis", zu deutsch: "Uns vier hat hier am Orte gegossen Peter Boitel aus Frankreich im Jahre 1834 zu Ehren des heiligen Bischofs Martinus und Patrons der Kirche von Sendenhorst." Die zweite Glocke trägt die Inschrift: "In honorem sancti Ludgeri primi episcopi dicecesis Monasteriensis anno 1834" - "zu Ehren des heiligen Ludgerus des ersten Bischofs von Münster", die dritte: "in honorem sanctae Catharinae patronae huius sccariae anno 1834" - "zu Ehren der heiligen Catharina, der Patronin der hiesigen Vikarie anno 1834". Das Meßglöckchen kündet durch seine lakonische Inschrift gleichzeitig seinen Zweck an. Es ruft: "Venite missa est!" - "kommet die Messe beginnt!"
So hatte denn der Meister das Werk vollendet. Boitel hatte die Erwartungen, die die Gemeinde auf ihn gesetzt hatte, voll und ganz erfüllt. Nicht nur die äußere Form gefiel allgemein, sondern auch der helle und harmonische Ton. Ein auswärtiger Gutachter zur Untersuchung der Harmonie und Güte war ganz überflüssig. Die Gemeinde selbst in der Person des Kaplans Pickert einen feinen
Tonkenner in ihrer Mitte. Mit folgendem von diesem abgegebenen Zeugnis war man dann auch höhererseits zufrieden:

"Die hiesigen von Boitel gegossenen Glocken haben nicht nur jede für sich einen reinen, hellen und vollen Ton, sondern auch einen reinen, harmonischen Zusammenklang, indem die Töne der drei großen Glocken in ganzen Sekunden aufsteigen, und selbst das Meßglöckchen, obwohl es nicht zur Harmonie gehört, eine richtige Oktave von der grössten Glocke angibt. Die Töne aller Glocken nach einen Blasinstrument sind: d, e, fis, d."

Auch die Untersuchung des Turmes wurde wegen der dadurch entstehenden Kosten, und weil der nötige Neubau der Kirche nicht allzu fern lag, erlassen. Zum Feste des Kirchenpatrons des hl. Martinus sollten die Glocken zum ersten Male feierlich geläutet werden. Das Aufziehen und Hängen erforderte noch mancherlei Arbeit und Kopfzerbrechen. Alles musste nach Anweisung von Boitel gemacht werden. Am Montag, den 17. November konnte dieser die Erklärung abgeben, daß nichts mehr auszusetzen sei und mit allen Glocken geläutet werden könnte. Vor seiner Abreise in die Heimat erhielt er die kontraktmässig vereinbarte Vergütung für das Gießen und die Lieferung des Erzes nach § 9 des Vertrages zur Hälfte mit 468 Taler 24 Sgr. ausbezahlt. Die andere Hälfte nebst den Zinsen von 18 Taler 22 Sgr. durfte erst nach 2 Jahren ausbezahlt werden. Die gesamten Nebenkosten beliefen sich auf 98 Taler 13 Sgr. Der ganze Glockenguss hat 1054 Taler 23 Silbergroschen gekostet. Über die einzelnen Ausgaben war genau Rechnung geführt. Der Pfarrer und Landdechant Darup, der 48 Jahre in Sendenhorst Pastor war, hatte vorher schon 15 Glocken für Sendenhorst geweiht. Alle diese Glocken waren ruiniert worden. Doch die Glocken, die Boitel gegossen, sind heute noch unversehrt. Sie klingen trotz mancherlei Schicksalen noch so hell und rein, wie vor 80 Jahren. Und es möge sich an ihnen noch lange der Wunsch erfüllen, den Schiller im Liede von den Glocken ausspricht:
"Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine Versammle sie die liebende Gemeinde! Und dies sei fortan ihr Beruf, Wozu der Meister sie erschuf."

 

     

Die neuen Fenster der Pfarrkirche in Sendenhorst

Nr. 43 | NN

Vor nunmehr 70 Jahren, im Jahre 1865 vollendeten unsere Väter unser Gotteshaus. Der Erbauer, Pfarrer Lorenbeck, starb kurz vor der Vollendung, am 6. Januar 1865 starb Pfarrer Lorenebeck


Vor nunmehr 70 Jahren, im Jahre 1865 vollendeten unsere Väter unser Gotteshaus. Der Erbauer, Pfarrer Lorenbeck, starb kurz vor der Vollendung, am 6. Januar 1865. Stolz ragt der Bau mit seinen drei Türmen zum Himmel empor. Schlanke Strebepfeiler tragen das hohe Gewölbe. Acht große Spitzbogenfenster am Längsschiff, ein Turmfenster und fünf Chorfenster spenden Licht. Das Bestreben der Nachfolger Lorenbecks war es, sein Werk innen und außen auszuschmücken.

Pfarrer Reinermann ließ den großen Westturm fertigstellen. Die elektrische Beleuchtung war ein Geschenk der Gemeinde zum 25 jährigen Jubiläum des Pfarrers Beckmann. Vor einiger Zeit erhielt nun das Gotteshaus drei neue Fenster, zuerst ein Turm-, dann je ein Fenster am Längsschiff. Selbst dem Laien fällt sofort bei einem Vergleich der bisherigen Fenster mit den neuen der gewaltige Unterschied auf. Die alten Fenster haben eine Verglasung mit Mattglas, auf der Ornamente aufgemalt sind. Das Chor weist Fenster in Kathedralglas mit aufgezeichneten Darstellungen auf. Im Verhältnis zum Schiff erscheint das Chor immer dunkel. Ein warm abgetöntes Licht fällt nicht in den Kirchenraum. Die alten Fenster sind nicht imstande, dem weiten hohen Raume eine anheimelnde Innigkeit und Wärme zu verleihen. Dagegen Hüllen die neuen Fenster die Kirche in eine ehrerbietige Dämmerung, die zur Andacht und Erbauung stimmt. Sie strahlen eine herrliche Leuchtkraft und eine Farbenglut aus, die jeden freudig überrascht. Dieser Unterschied erklärt sich aus der verschiedenen Herstellungsweise der Fenster. In den früheren Glasfenstern sind die Figuren mit dem Pinsel auf bunte Gläser gemalt, wobei oft jede Einzelheit aufgetragen wurde. Bei den neuen Fenstern wurde nicht auf Glas gemalt, sondern verschiedene farbige Glasplatten wurden mit dem Diamant in Stücke geschnitten und durch Bleifassungen mosaikartig zusammengefaßt. Die Bleilinien gehen mit der Linienführung der Figuren über. Ihre Verwertung zwingt aber zur Beschränkung auf das Wesentliche im Umriß und zur möglichsten Einfachheit der Zeichnungen, da die Wiedergabe einer jeden kleinen Linie durch Blei nicht möglich ist. Dadurch wird zugleich eine vertiefte und einheitliche Wirkung erzielt. Auch architektonisch fügen sich die neuen Fenster in die Kirche gut ein. Da die Architektur des Gotteshauses seinem Stile entsprechend gradlinig ist, so herrschen auch in ihnen die Längslinien vor. So vereinigen die Fenster Formen, und Farbenwirkung und erzielen einen großen künstlerischen Gesamteindruck. Auch die roten, blauen und weißen Glasstücke im übrigen Fensterraum setzen sich in den Figuren fort.

Beide Fenster zerfallen in zwei Hauptteile. Im Elisabethfenster sehen wir im oberen Teile die hl. Elisabeth als Pflegerin der Armen und Kranken. Zu ihren Füßen stehen oder knien hagere und hohläugige Gestalten, denen man die große Not auf den ersten Blick ansieht. Ihre Stellung sind ganz verschieden. Aber sie alle strecken ihre zitternden und bittenden Hände verlangend zur hl. Elisabeth. Diese selbst ist von erhabener, majestätischer Schönheit. Ihr Gesichtsausdruck ist edel und von himmlischer Güte. Mit vollen Armen teilt sie Almosen aus. Auch die beiden Nebenfiguren, die treuen Dienerinnen Guda und Isentrud, vereinigen sich mit der wundersamen Heiligen zu einer Gruppe voller Harmonie. Haltung und Blick verraten, daß auch sie ein Herz für die Bedrängten haben. Je länger der Beschauer die Szene auf sich wirken läßt, um so mehr zieht sie ihn in seinen Bann, um so mehr fordert sie ihn auf zur werktätigen Nächstenliebe. Im unteren Teil sehen wir die hl. Elisabeth in Not. Während im oberen Teil entsprechend seiner Bedeutung das lichtvolle Weiß vorherrscht, ist dieser Teil mehr in Graubraun getaucht. Besonders deutlich lassen das die Gewänder erkennen. Die Züge der Vertriebenen, die nunmehr selbst zur Bettlerin geworden ist, verraten tiefe Trauer und Sorge. Ihre Haltung aber drückt Ruhe und Ergebung in den Willen Gottes aus. Die Krone, die oben ihr Haupt schmückt, liegt zu ihren Füßen. Im Arm hält sie ihr jüngstes Kind. Wie ergreifend wirkt das innige Flehen der Kinder, sich nicht von ihnen zu trennen, auf unser Gemüt! Auch die Gebärden der Gefährtinnen lassen treulich erkennen, wie lebhaft sie die Bitten der Kinder unterstützen. Doch Elisabeth muß sich von ihren geliebten Kindern trennen. Je ärmer sie aber äußerlich wurde, desto reicher an himmlischen Trost wurde sie innerlich. Das liebevolle Sichhineinversenken in diese Gruppe ist geeignet, Schmerz und Leid vergessen zu lernen. Ein längeres Verweilen bei dieser Heiligen in ihrem höchsten Glück und in ihrer schmerzlichen Verlassenheit läßt uns stets ihr Bild lebendig in unseren Herzen tragen.

Gegenüber der Heiligen der Warthburg steht neben dem Martinusaltar der beliebteste Kirchenpatron des Abendlandes, der hl. Martinus. Er ist zugleich Kirchen und Stadtpatron der Gemeinde Sendenhorst, die ihn auch in ihrem Stadtwappen führt. Auch er ist wie das Königskind Elisabeth in Ungarn geboren, wo sein Vater ein italienischer Oberst, sich zur Ruhe gesetzt hatte. Im unteren Teile ist die bekannteste und volkstümlichste seiner Taten festgehalten, die der Mantelteilung. Hier steht der Heilige in funkelnder Rüstung. Das Haupt bedeckt ein schwerer Römerhelm. Auch die muskulösen, kraftvollen Glieder und die fast nackten Füße zeigen den rauhen und abgehärteten Kriegsmann. Zu den jugendlichen und tapferen Soldaten paßt treffend das feurige, stampfende Roß. In kalter Winternacht fleht ihn vor den Toren Amiens ein Bettler um Almosen an. Deutlich zeichnen sich in dieser halbnackten Gestalt Elend und Armut ab. Der Heldengestalt Martins spiegelt Güte, jugendliche Unbekümmertheit und Entschlossenheit. Eine Münze kann er ihm geben. Doch schnell entschlossen ist er vom Pferd gesprungen und hat sein Schwert aus der Scheide gezogen. In der linken Hand hält er den roten Soldatenmantel, den er mit dem Schwert in zwei Hälften teilt. Wäre er nicht Soldat, hätte er anscheinend den ganzen Mantel dem Bettler gegeben. Wie die hl. Elisabeth gerade die Frauen zu Werken der Barmherzigkeit aufruft, so wendet sich Martinus besonders an die Männerwelt. Muß nicht das einzige, von dem Biographen festgehaltene Erlebnis aus der Jugend des Heiden Martinus manchen Christen beschämen und zur Beachtung des großen Gebotes der Nächstenliebe fordern!

Die im unteren und oberen Teil dargestellten Szenen hängen zeitlich eng zusammen. Im Mittelpunkt steht als beherrschendes Bild hoheitsvoll und erhaben Christus als König in ernster Haltung. Wie wunderbar edel ist besonders der Christuskopf gebildet! Sehr gut bringt er die königliche Würde zum Ausdruck. Die Krone der Glorie finden wir im obersten Fensterraum. Christus trägt ein langes weißes Gewand. Seine Schultern bedeckt das abgetrennte Mantelstück, dessen leuchtend rote Farbe sich herrlich von dem lichten Kleid abhebt. Mit der rechten Hand weist er auf Martinus, der sich in halbliegender Stellung, bekleidet mit der anderen Hälfte, auf seinem Lager befindet. Das Schwert zeigt uns wiederum den Krieger an. Im übrigen Raum hat der Schöpfer der Fenster drei liebreizende Engel in andächtiger Haltung und in hellen Kleidern gesetzt. Die Traumszene ist so einfach und doch so ausdrucksvoll und lebendig gestaltet, daß man bei ihrer Betrachtung das verwunderte Fragen der Englein und die Antwort Christi zu hören glaubt. Martinus, der er unterwegs zur Taufe ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet. Die ruhige Gesamtstimmung löst beim Beschauer eine andächtige Stille aus.

Beide Fenster sind aus der bekannten Werkstätte des Kirchenmalers Andreas Nachtigäller, Sendenhorst, hervorgegangen. In Ihnen vereinigen sich Religion und Kunst zur schönsten Harmonie. Klare Formengebung, feinste Linienführung, künstlerische Anordnung der Figuren und eine wunderbare Farbenpracht - die Grundtöne sind ein warmes Rot und ein farbiges Blau - gestalten die Fenster zu einem Meisterwerk von besonderer Eindruckstiefe. Dankbar gedenken auch die Pfarreingesessenen der Stifterinnen, die durch ihre hochherzigen Spenden diese Verschönerung des Gotteshauses ermöglichten und damit auch zur Erbauung der Gläubigen beitrugen. Das Martinusfenster ist ein Geschenk der verstorbenen Frau Maria Roetering geb. Brüning. Das Elisabethfenster wurde von den Frauen und Jungfrauen der Pfarrgemeinde gestiftet. In Kürze wird ein weiteres, für die hiesige Pfarrkirche bestimmtes Fenster die Nachtigällersche Werkstatt verlassen. Es wird dem hl. Joseph gewidmet sein und in drei Teilen Szenen aus dem Leben und Sterben des Nährvaters Jesu zeigen.

 

     

Die Pfarrer in Sendenhorst vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Nr. 44

Uuml;ber die Gründung der Pfarrei liegen zwar keinerlei Fundationsurkunden vor. Hingegen aber wissen wir, daß sie über 700 Jahre alt ist. Als Pfarre wird nämlich Sendenhorst in einer Urkunde des münsterischen Bischofs Ludolf von Holte (1226 - 1247) über den Ankauf eines Gutes und die Erweiterung eines Zehnten durch das Kloster Hohenholte erwähnt. Wir besitzen nun zum Glück ein Kirchenbuch, daß von dem im Jahre 1779 verstorbenen Pfarrer Andreas Kuipers mit großen Fleiß und einer gewissen Genauigkeit angelegt worden ist. Sie enthält fast lückenlos die Namen der Pfarrer, die Dauer ihrer hiesigen Amtstätigkeit und macht bei einigen Pfarrern kleine Anmerkungen. Auf dieses Buch stützen sich nun folgende Angaben...


Als den ersten kirchlichen Würdenträger von Sendenhorst finden wir Herrn Frederich als Rektor Altaris erwähnt, wobei berichtet wird, daß er auch gleichzeitig Curatus gewesen sei. Hierüber fehlt jede Jahreszahl.
Ab 1350 sind die Namen fast restlos ermittelt. In diesem Jahre wird ein Pastor Joannes Plebanus genannt.
1355 wurde die Pfarre Sendenhorst verwaltet von einem Vicekaratus Joannes Parable. Dieser hat die Pfarre nicht lange innegehabt, denn
1358 finden wir einen Pfarrer Namens Joannes von Marpurg der
1385 in Gerhard Rinstink einen Nachfolger erhielt.
1420 1420 wird als Pastor Heinrich von Borchorst genannt. Ihm folgte
1432 1432 Heinrich von Voss.
Nach 1432 - 1508 Hier setzte eine kleine Lücke ein.
1508 – 1509 Um 1500 - 1508 war Joannes von Plönies Pfarrer und
1509 – 1533 Heinrich von Plönies. Es ist anzunehmen, daß es sich hier um dieselbe Person handelt.
Von 1533 - 1564 wird Hermann Geseler als Pfarrer von Sendenhorst genannt. Er war ein geborener Sendenhorster. Zu Beginn seiner Amtszeit stand das Hochstift Münster im Zeichen der Religionswirren und in der Entwicklung der Schreckensherrschaft der Wiedertäufer, von denen Sendenhorst nicht ganz verschont blieb.
1564 - 1584 Wem die Pfarrei von 1564 - 1584 unterstand, ist nicht nachzuweisen.
1584 wurde Heinrich Hölscher das Amt des Pfarrers übertragen. Er war auch ein geborener Sendenhorster. Zu seiner Amtszeit, nämlich im Jahre 1606, herrschte hier die Pest. Er starb am 13. August 1623. In den Jahren von
1624 bis 1653 war Joannes Engelberding Pastor. In seiner Amtszeit fiel der Dreißigjährige Krieg. Über ihn macht das Kirchenbuch die Bemerkung, er habe durch die Kriegswirren viel erdulden müssen, aber dennoch, seinem Kapitel eine reiche Erbschaft hinterlassen. Nach seinem Tode erhielt Sendenhorst in Person des Joannes von Altena einen neuen Pfarrer, der der Gemeinde nur bis zum Jahre 1660 vorstand.
1660 Ihm folgte dann 1660 Joannes Kleikamp.
1682 Am 24. Mai 1682 starb er, und das Pastorat ging in die Hände des Pastors Joannes Lanzen aus Ahlen über, der am 7. August 1703 das Zeitliche segnete. 1703 Sein Nachfolger wurde Bernhard Stadtbrock aus Roxel. Nur kurze Zeit stand er er der Pfarrei vor, denn schon am 2. Mai 1706 entriss der Tod ihn seiner Gemeinde. Zwei Jahre blieb die 1708 Gemeinde ohne Hirten, bis im Jahre 1708 Heinrich Schöler aus Münster Pfarrer wurde. Aber schon im folgenden Jahre stand die Gemeinde wieder trauernd an der Bahre ihres geistlichen Hirten. Er starb am 4. Dezember 1709.
1709 Der nächste Pfarrer war Balthasar Roden aus Borkeloh. Seiner Amtstätigkeit setzte der Tod am 7. Mai 1731 ein Ende. Ihm folgte
1731 Christoph Bernhard Borchorst aus Münster. Er wird uns als ein sitten- strenger und pflichteifriger Mann geschildert. Am Allerheiligentage des Jahres 1748 starb er,
1749 und im folgenden Jahre erhielt er in Ernst Homoeth aus Billerbeck seinen Nachfolger. Eine tückische Krankheit brachte ihm am 17. Oktober 1754 den Tod. Er stand im 49. Lebensjahre.
1759 Sein Amtsnachfolger wurde in demselben Jahre Karl Nietschen aus Hildes- heim, der nach nur vierjähriger Tätigkeit am zweiten Weihnachtstage 1758 im Alter von 37 Jahren starb.
1758 Ihm folgte Pfarrer Hermann Anear Kuipers aus Rheine. Er scheint ein Mann gewesen zu sein, dem die Ordnung der Pastoratsverhältnisse sehr am Herzen lag, denn das alte Kirchenbuch ist mit großer Sorgfalt angelegt u geführt worden. Nach 20 Jahren Tätigkeit starb er am 1.3.1779 im Alter v. 55 J.
1779 Nach Pfarrer Kuipers wurde Johann Heinrich Holtermann aus Nordkirchen Pfarrer. Er starb am 11. April 1788.
1788 Sein Amtsnachfolger war Dr. Franz Wilhelm Darup aus Darup (1788 - 1836). Das Kirchenbuch nennt ihn einen "berühmten Mann, der verschiedene Bücher geschrieben hat", wie: eine Hausandacht, eine Handpostille, ein Gebetbuch u.a.m." Er bezeichnet sich als Ehrendomherr zu Münster, Landdechant, Schulinspektor, Ritter usw. Er ist der Erbauer des hiesigen Pastoratsgebäude. (1806). Auch liess er 1834 von dem Franzen Boitel in der Nähe des Hofes Tergeist sofort vier Glocken der Kirche gießen, von denen die grösste und mittlere heute noch im Turm hängen und gebraucht werden.
1837 Nachfolger Darups wurde 1837 Pastor Bernhard Lorenbeck, wohl der bedeutendste Pfarrer, den Sendenhorst jemals gehabt hat. Er gab Senden- horst eine neue Pfarrkirche. Die Kirche stand fertig, nur der große Westturm fehlte noch - man dachte schon an die Einweihung - da starb er am 6. Januar 1865, tiefbetrauert von der Gemeinde.
1865 Sein Nachfolger wurde Pastor Joh. Reinersmann, früher Kaplan an der Aegidiikirche zu Münster. In seiner Amtstätigkeit fiel die Einweihung d. Kirche.
1872 Nach seinem Tode im Jahre 1872 folgte ihm Alfred Lüders aus Gescher, der der Gemeinde bis 1882 vorstand.
1882 Sendenhorst erhielt nach ihm einen Pfarrverwalter bis 1885 in Ferdinand Schwering.
1885 Inhaber des Pastorats wurde dann der allen noch in bester Erinnerung lebende Pfarrer Anton Beckmann aus Heiden. 35 Jahre lang (1885 - 1920) stand er der Gemeinde vor. Er starb als Jubilarpriester am 10.12.1920 im Alter von 84J. Er feierte 1911 sein Silbernes Ortsjubiläum und 1913 sein Goldenes Priesterjubiläum.
1921 Sein Nachfolger wurde 1921 der heutige Pfarrer Joseph Tecklenborg aus Münster, der das Pfarramt bis 1938 verwaltete. Ihm folgte für 2 Jahre
1938 Pfarrer Zumloh der aus Gesundheitsrücksichten das Amt 1940 niederlegte.
1940 Nach ihm kam Pfarrer Heinrich Westermann. Sendenhorster Pfarrer in früherer Zeit -

Anmerkungen und Nachträge
Der erste erwähnte geistliche Würdenträger ist Frederich als Rektor Altaris. Gleichzeitig ist er Kurator, also Pfarrverwalter, der vom Ableben des Pfarrers bis zum Amtsantritt des Nachfolgers die Pfarrgeschäfte besorgt. Da er Rektor Altaris war, bestand also damals in Sendenhorst die Stiftung eines Altares, von dessen Einkünften der Inhaber lebte. Der erste namentlich bezeichnete Pfarrer war Johannes Plebanus in Sperrdruck wie die Namen der nachfolgenden Pfarrer, das erweckt den Anschein, als wäre Plebanus der eigentliche Name des Pfarrers und Johann sein Vorname. In Wirklichkeit ist Johannes der eigentliche Name oder Zuname. Noch im 14. Jahrhundert, als auch später, führten die Pfarrer nur den Eigennamen. Plebanus ist kein Name, sondern die Amtsbezeichnung der damaligen Pfarrer. Der eigentliche Pfarrer war ein Domherr, der Edler oder Ritterbürtiger sein musste, als pastor veris. Dieser war vielfach nicht in der Lage, hatte auch wohl nicht die Absicht, die Pflichten eines Pfarrers zu übernehmen. Er beauftragte einen ständigen Vertreter als "perpetuus vicarius" der die Pfarrgeschäfte besorgte in der Gemeinde, beim Volke (plebs), weshalb er plebanus - Leutepriester, Leutepfarrer genannt wurde.

Der pastor verus bezog sämtliche Einkünfte der Pfarre, während er dem Plebanus nur ein kärgliches Gehalt zukommen ließ. Der Generalvikar Johannes (von) Alpen war gleichzeitig pastor verus von Everswinkel und Alverskirchen unter Christoph Bernhard von Galen (1650 - 1678). In der Reihe der Pfarrer verzeichnet der Artikel eine Lücke von 1564 - 1584. In diesem Zeitraum nennen uns die Visitationsakten einen Vikar in Sendenhorst. Am 5. Oktober 1571 wird mit den Geistlichen aus neun anderen Pfarreien auch der Vikar in Sendenhorst, Henricus Vernholt vernommen. Er sagt aus, daß der Altar seiner Vikarie dem hl. Johannes dem Täufer geweiht sei und er ein Einkommen von 20 florenis habe. Kollator des Altares ist der Magistrat der Stadt Münster. Dieser ist somit Stifter des Altares und hat den jeweiligen Vikar zu bestimmen. Hermann Floer ist der damalige Kaplan in Sendenhorst. Vikar Heinrich Vernholt (Verholt) könnte sehr wohl in der Zeitlücke von 1564 - 1584 Pfarrverwalter in Sendenhorst gewesen sein, wenn er auch nicht als solcher bezeichnet wird. Seine Amtsbezeichnung ist Vikar. Ein Pfarrer war nicht vorhanden. ein Vicekurator wird nicht erwähnt. Der Kaplan Hermann Floer war es auch nicht. Also muß Vikar Heinrich Vernholt Pfarrverwalter gewesen sein. Das Vicekurat war damals eine vielverbreitete Einrichtung und auch für längere Dauer berechnet. Von den zur Visitation am 5. Oktober herbefohlenen Geistlichen aus zehn Pfarreien waren fünf Vicekuratoren. Wir dürfen annehmen, daß Vikar Heinrich Vernholt, wenn nicht in der ganzen Zeit, so doch ein gut Teil zwischen 1564 und 1584 die Pfarrgeschäfte geführt hat.

 

     

Was Pastor Kuipers über das Missaticum schreibt.

 Nr. 45 | Pfarrer Westermann

Das Missaticum besteht darin, daß ein jeder schatzpflichtige Kirchspieleingesessene dem Pastor zu Sendenhorst jährlich zu entrichten hat: Ein Pfund Flachs und ein Scheffel Gerste. Auch sind einige Bauern verpflichtet, dem Pastor mit seinem Begleiter beim Kollektieren die Mahlzeit zu geben.


Es sind folgende Höfe:
Vornholz, Schulte Henrich, Schulte Berndt, Schulte Boickholt, Wernik, Tawidde, Schulte Elmenhorst, Vrede, Suermann, Niemann, Schulte Horstrup, Jungmann, Jolmann, Geilern, Schotte, Röper. Wer die Mahlzeit nicht in natura gibt, bezahlt dafür 21 Schilling. Nur Tawidde gibt 18 Schilling und 8 Stüber. Diese Gelder werden zu gleichen Teilen zwischen Pastor und Küster verteilt. Schatzfrei ist der Hof Rothkötter. Er liefert aber auf Grund einer anderen Verpflichtung jährlich ein
Scheffel Gerste. Der Hof Münning gibt 3 Scheffel Gerste. Diejenigen Höfe, die dem Pastor kein Missaticum geben, sind entweder schatzfrei oder gehören zu einem anderen Bauernerbe wie z. B. Kötter, oder sie haben früher dazu gehört. Dies sind z. B. Hoppenkötter, Focke oder Backskötter, Jönsthövel-Kötter. Diese gehören noch jetzt zu einen Bauernerbe. Zacharias Kötter oder der Kötter am Baum (Schlagbaum) soll, wie alte Leute erzählen, zum Hofe Jungmann gehört haben. Im Jahre 1773 hat Geilern in der Hardt einen Kötter auf seinen Hof gesetzt.

Der Umgang im Kirchspiel geschieht nach uralten Zeiten unmittelbar nach der Feste der Hl. Dreikönige. Als dann ist das Meßkorn fällig. Es kann aber auch sein, daß wegen der Witterung das Einsammeln verschoben werden muss. Eingesammelt wird Gerste und Flachs. Die Gerste muß klar und gut und der Flachs gehechelt sein. Weiterhin hat Pastor Kuipers verzeichnet, was die einzelnen Bauern zu leisten schuldig sind.
1. Geisterholt-Hof. Er gehört zum Domkapitel in Münster. Er gibt ein Scheffel Gerste. Der Preis
dafür wird von der Domänen-Rentenkammer bezahlt. 2. Lütke-Horstrup-Hof. Er gehört zum Kapitel St. Ludgeri Münster. Er bezahlt einen Scheffel Gerste. Der Liesbornsche Hof. Er wird im Jahre 1668 auch Quanten-Hof genannt. Richtig muß es
heißen: Pustekrey-Hof. 4. Der Dorhoster-Hof gibt 2 Scheffel Gerste. Der Hof heisst auch Jönsthöveler-Hof oder
Witmannshof. Später besitzt ihn der Kötter Lücke. 5. Schwartmanns-Hof. Pastor Kuipers vermutet, daß ein zeitiger Richter zu Sendenhorst diese Abgaben unterhalten habe. 6. Costerus-Hof, einst Dandwes oder Rensings-Hof. Die Abgabe entrichtete später Schemann in Münster. Heute kommt Geilern für ihn auf. 7. Die Fraterherren, einst Brockhagen bezahlt 1 Scheffel Gerste. Heute ist er der Hof Bockholt-Fiehe. 8. Der Hof Vinnenberg entrichtet 1 Scheffel Gerste. In alten Zeiten hieß der Hof Berghof. Diese Abgaben entrichtet heute der Hof Ottenloh in Rinkhöven.

Weiterhin werden sämtliche Bauernhöfe aufgezählt, die das Missaticum entrichten mussten nach den einzelnen Bauernschaften: Bröcker, Sandfurt, Elemenhorst, Rinkhoven, Brächter, Jönsthöveler und Härder-Bauerschaft.
Die meisten Bauern entrichteten 1 Pfund Flachs und 1 Scheffel Gerste. Nur die Bauern: Niesert, Tawidde, Brüser, Hoppe, Jungmann, Jönsthövel, Schotte und Linnemann lieferten 2 Scheffel Gerste. Die Bauern Jolemann und Münning lieferten 3 Scheffel. Die Sattelhöfe lieferten nur 1 Pfund Flachs und eine Mahlzeit. Das Gut Frie (heute Gustav Möllmann) lieferte nur 2 Hühner, weil es früher ein adeliges Gut war.

Weiter berichtet Pastor Kuipers: Der Fuhrmann, der das Missaticum zum Pastor und zur Küsterei fährt, wie auch den Knechten, die es herbeitragen, bezahlt der Pastor und der Küster ihre Arbeit. Sonst bekommen auch diese die Mahlzeit bei den Bauern, die die Mahlzeit geben müssen. Auch die Pferde bekommen ihr Futter dort. Aus Gewohnheit geben die Mahlzeit in natura 1. Tage: Schulte Bernd und Schulte Henrich abwechselnd, am 2. Tage Suermann oder Vrede, am 3. Tage zu Mittag
Jolemann und abends Jungmann, am 4. Tage mittags Geilern und abends Schotte. Die anderen
Bauern bezahlen die Mahlzeit in Geld.

Ein Zeitlicher Pastor darf vor allem das Recht des jährlichen Kirchendienstes nicht vernachlässigen. Es besteht darin, daß gewisse Bauern von alters her die Pflicht haben, dem Pastor die Felder zu düngen und den Acker zu bestellen. Es ist dies das beste Recht, das der Pastor hat, und weshalb ihn alle Bürger der Stadt beneiden, die es ihm auch gern aus den Händen winden möchten. Wenn der Pastor dieses Recht nicht hätte, müsste er den Ackerbau aufgeben und er müsste sein Land wohlfeil - gar stockfeil verpachten. Weil diese Ländereien zumeist schlecht sind, würden die Bauern sie nur ungern pachten. Zur Säenszeit müssen schon die Bürger der Stadt ganze Tage den Bauern nachlaufen, ihn schmieren und schmeicheln, obwohl er den Bürger nicht entbehren kann. Wie würde es dem Pastor ergehen, wenn er gedachtes Recht nicht hätte? Wer musste nun Kirkesdienst leisten? In der Stadt und im Kirchspiel befinden sich 12 Sadelhöfe (Sattelhöfe) von denen ein jeder schuldig ist, dem Pastor jährlich einen halben Tag den Dünger zu fahren.

Es wird der Sadeldienst genannt. Es sind folgende Höfe: 1. In der Stadt Schulte Zurgeist. Er hat sich früher geweigert. Seit 1773 leistet er wieder den Dienst. Im Kirchspiel 2. Schulte Henrich, 3. Schulte Bernd, 4. Schulte Boickholt, 5. Schulte Nordhoff, 6. Schulte Elmenhorst, 7. Vrede, 8. Ottenloh, 9. Kleykamp, 10. Schürmann (der Hof lag in Rinkhöven und ist unbebaut), 11. Schulte Horstrup, 12. Schulte Bering in Jönsthövel.

Sadelhöfe oder sattelfreie Güter.
Der Name ist hergeleitet von dem lateinischen Worte: Bedes - Wohnsitz eines Adeligen, woraus Sedelhof, Sadelhof und zuletzt Sattelhof wurde. Mit diesem Namen werden gewisse Arten von Landgütern belegt, die wohl nicht die Vorrechte der Rittergüter genießen, aber doch viele Freiheiten und Vorzüge vor den gewöhnlichen Bauerngütern hatten. Diese Sattelhöfe lagen besonders in Ober-und Niedersachsen. Ursprünglich hatten die rittermässigen Besitzer mit allen adeligen Freiheiten. Als aber diese Höfe in die Hände von nichtadeligen Besitzern kamen - zumeist waren es die Verwalter, - da ging ein Teil der alten Vorrechte verloren. Doch blieben sie frei von Steuern und Frondiensten. Auch waren diese alten Adelsgüter nicht mehr frei von Einquartierungen. Jedoch blieb den grösseren Rittergütern das Forst- und Jagdrecht erhalten. Auch das Recht, sowohl zum eigenen Gebrauch als zum Verkauf von Bier brauen, verblieb den Sattelhöfen, weil dieses Recht auf den Höfen lag. Später wurde aber das Verkaufsrecht für das Bier wieder genommen. Bier durfte nur für den eigenen Verbrauch hergestellt werden. Das Recht, Branntwein herzustellen, wurde erst später einzelnen Höfen übertragen.

 

     

St. Martin - als Schutzpatron der Gemeinde und Kirche

Nr. 46 | B.F.

Der Schutzpatron unserer Gemeinde und Pfarrkirche ist der hl. Martinus. Daß er einer der meist verehrten heiligen des Abendlandes ist, geht daraus hervor, daß wir ihn in ...in Bayern 245 mal, in Freiburg 74-mal und in der Erzdiözese Köln 69-mal als Kirchenpatron finden.


Einer Stiftung zu Ehren dieses Volksheiligen oder einem Träger des Namens Martus verdanken wir in Frankreich 246, in Spanien 49, in Italien 25 und im alten deutschen Reichsgebiet 48 Orte den Namen St. Martinszell, oder einfach Martin.
Dazu kommt noch eine Unmenge Lehnsformen, wie Martinszell, Martinskirchen, Martinheim. Das Volke von Tours wählte ihn um 340 einstimmig zum Bischof. Gehorsam gewohnt, nahm Martin die Bürde des Amtes auf sich, gründete das Kloster Marmoutier und machte es zum Mittelpunkt seiner Bekehrungsfahrten.

Bild:
Unser St Martin vor der Kirche St. Martin 2023 (Kleinhans, 1965)


St. Martin, der Nationalheilige der Franken, wurde auch bald in Westfalen gefeiert. Die deutsche Primatialkirche in Mainz erwählte ihn als Patron. Dadurch stand er auch der Domkirche zu Paderborn nahe, die zum Metropolitansprangel in Mainz zählt. In Paderborn ruhen die Gebeine des heiligen Liborius, der mit St. Martin eng befreundet war. Von Köln her drang die Verehrung des hl. Martin über die westfälischen Grenzen immer entscheidender vor. In Sendenhorst, das 1315 Stadtrechte erhielt, befand sich bereits auf den Wachssiegeln der alten, auf Schweinsleder geschriebenen Urkunden ein Bild des hl. Martinus. Nach diesen Siegeln wurde das jetzige Stadtwappen vom Hofwappenmaler Rehling in Berlin angefertigt und am 25.Juni 1910 vom Kaiser Wilhelm II. genehmigt. Man sieht auf weißem Felde in Rot den hl. Martinus zu Pferde, wie er einem knienden Bettler mit dem Schwert seinen Mantel teilt. Ein Blick auf das am Rathaus angebrachte Wappen zeigt, daß der rote Anstrich der gesamten Figurengruppe nicht gerade glücklich gewählt ist. Die den Wappenschild deckende Mauerkrone ist nicht als ein geschichtliches Wahrzeichen, sondern als eine Zierde zu werten, die an allerhöchster Stelle verlangt wurde. So war Sendenhorst nie mit Mauern und Türmen befestigt, aber wohl mit einem Wall und einem inneren und äußeren Graben umgeben.

In der Pfarrkirche hat man den Heiligen in neuerer Zeit in einem Kirchenfenster geehrt, das Motive aus dem Leben des Stadt- und Kirchenpatrons eindrucksvoll darstellt. Man darf im Hinblick auf das Motiv der Martins- Darstellungen wohl sagen, daß St. Martin gerade in unsere Zeit hineinpasst. Verkörpert doch dieser Heilige in besonderer Weise die opfertätige hilfsbereite christliche Frömmigkeit, jene Karitas, die dem Worte und dem Beispiele Christi gemäss echte Nächstenliebe übt im eigenen Verzicht. Im Brauchtum unserer Stadt hat sich der Heilige vom 11. November nicht gerade stark erhalten. Vor dem Martinsaltar pflegte man früher am Martinstag die heilige Messe zu lesen. Die bekannte Martinsgans gehörte einst zum Deputat des Bauern Niehoff von der Alst. Er hatte am Vorabend vor St. Martin mit seiner Gans beim Pfarrer zu erscheinen und sie dort abzuliefern. Dabei bestand die eigenartige Sitte, daß der Pförtner der Stadt mit der Glocke am Vorabend des Festes solange läuten musste, bis Bauer Niehoff seiner Pflicht nachgekommen war. Es ist bekannt, daß dieser sich mitunter ein Vergnügen daraus machte, recht spät mit der Ganz zu erscheinen. Im bäuerlichen Leben spielt der Heilige auch sonst eine historische Rolle. Bekannt ist der Martinstag als Umziehtag für das Gesinde, besonders aber als Zahltag, der von dem einen gern gesehen und erwartet, von anderen als drückende Last empfunden wurde. Neue Dienst- und Pachtverhältnisse wurden eingegangen und aufgelöst. Pächte und Zinsen waren zu zahlen, worauf nachstehende Redensarten
Bezug haben "In der Woche auf Martin folgt der Pacht- und Zinsterzin", oder "St. Martin ist der Grundzinstag, nimm das Geld drum aus dem Sack". Den schlechten Zahlern galt der hl. Martinus daher nicht als ein guter Patron. Handwerker warteten auf den Martinstag, denn dann war Zahltag. Daß um Martinus zum erstenmal die Stuben geheizt wurden, zeigt die Redensart "St. Martin setzt sich schon mit Dank am "warmen Ofen auf die Bank." In den Wetterregeln kann St. Martin auch nicht fehlen. "Ist's am Martini hell, kommt der Winter schnell" und "Wie St. Martin führt sich ein, soll zumeist der Winter sein."

 

     

Die Gedenktafel der Sendenhorster Kriegsteilnehmer des 19. Jhdrt


Der folgende Text würde heute im 21. Jahrgundert wahrscheinlich weniger pathetisch verfasst, aber er spiegelt gut den Zeitgeist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder. Die Tafel zeugt auch noch heute im Eingangsbereich von St. Martin über die Kriegsteilnehmer aus Sendenhorst im 19. Jahrhundert.


...Ein Geschichtsdenkmal unserer Heimat
Ein großer Teil unserer Vorfahren hat im Laufe des 19. Jahrhunderts das Vaterland gegen seine Feinde mit der Waffe in der Hand verteidigt. Heldenmütig wie die Soldaten des großen Weltkrieges und des heutigen Freiheitskampfes haben sie gekämpft und dem Tod ins Auge geschaut. Zur dauernden Erinnerung an diese Kameraden hat der hiesige Krieger- und Landwehrverein um 1900 eine Gedenktafel mit den Namen der Krieger anfertigen und in der Kirche anbringen lassen. Diese Tafel ist ein ehrenvolles und zugleich aufschlußreiches Geschichtsdenkmal unserer Gemeinde von hohem ideellen Wert. Wir lesen dort die Namen der gefallenen bzw. später verstorbenen Krieger der Feldzüge des letzten Jahrhunderts.

An den Freiheitskämpfen 1813 / 1815 nahmen teil:
Bernhard Lorenbeck Pfarrer, Hermann Bartmann Unteroff., Franz Degenhardt Unteroff., Theodor Röper, Unteroff., Hrch. Kellermann, Unteroff., Bernhard Feigler, Johann Heimann, Bernhard Kerckmann, Heinr. Mefus, Johann Rothkötter, Fritz Rothkötter, Bernhard Schnarrbaum, Th. Kerkmann, Theodor Saerbeck, Bernhard Wiedehage, Gerhard Feiling, Hermann Holthausa


An die Zeit der unheilvollen innerdeutschen Wirren der vierziger Jahre, da deutsche Brüder im Interesse fürstlicher Macht und Willkür gegeneinander die Waffen führten, erinnert eine Mitteilung folgenden Inhalts:

An deren Wiederkämpfung des Aufstandes in Baden nahmen ehrenvoll Anteil:
Heinrich Brüning Hauptmann i. 13. Inf., Inh. des Zähring Löwen Ordens I. Kl., Anton Frey Stabsarzt d.L., Theodor Böcker Premierleutnant d.L. Anton Holtmann Unteroff., Heinr. Bockholt Unteroff., Anton Neuhaus Unteroff., Bernhard Vocke Unteroff., W. Austemann, Unteroff., Bernhard Lütkenhaus, Adolf Bücker, Johann Freye Hermann Fels, Theodor Künne, Gerhard Bischof, Johann Linnemann, Anton Fischer, Stefan Leifert, Hermann Illing, Anton Lütkenhaus, Bernhard Kötter, Andreas Quante, Hrch. Linnemann, Anton Telges, Anton Leifert, Bernhard Wössmann, Wilhelm Panning, Hrch. Beumer, Gerh. Sievert, Theodor Brückert, Dietrich Westkemper, Hrch. Werring.
 

Es fanden den Ehrentod:
Bonse Kaspar I.R. 53 im Lazarett in Kiel gest. 4.4.1866, Th. Kottenstein I.R. 13 vor dem Feinde gef. 14.7.1866, Th. Schockemöller I.R. 13 im Lazarett zu Wesel gest. 1866, Bernh. Bücker I.R. 29 f. bei Gravelotte 18.8.1870, Bernhard Diekmann, Kaiser Alex G.R. im Laz. Berlin gestorben.
Schließlich hat man auf der Erinnerungstafel alle Kriegsteilnehmer der sechziger und siebziger Jahre zusammengefasst, deren geschichtlicher Verdienst es ist, für die deutsche Freiheit, die 1871 durch das Werk des großen Bismarck gekrönt wurde, sich eingesetzt zu haben. So heisst es auf unserer Tafel weiter:

An den Feldzügen 1864, 1866, 1870/71 nahmen ehrenvollen Anteil:
Joh. Reinemann Pfarrer 1864, Bernhard Klosterkamp Unteroff. 1864, 1866, 1870/71 Bernhard Hölscher 1870/71, Th. Schmetkamp, 1864, 1866, 1870/71, Karl Offers 1866, 1870/71, Bernh. Scharmann 1866, 70/71 Th. Brüggenkötter, 1870/71, Bernhard Suermann 1866, Joh. Kreimer 1870/71, Suermann Anton, 1866/70/71, Hermann Ackfeld 1866, Stefan Niemann 1866, Hermann Wegmann 1870/71, Heinrich Knipping 1864/66, 1870/71, Th. Kassenbrock 1864/66, 70/71, Heinrich Beumer Unteroff. 1870/71, Heinr. Vennewald 1864/66, 70/71, Freise 1866/ 70/71, Bernh. Everwin 1870/71, Bernh. Möllers 1870/71, Anton Hartmann 1864/66, Anton Horstmann 1870/71, Heinrich Silling 1866, Peter Rheul 1870/71, Bernh. Geissler 1866, 70/71, Franz Menke 1870/71, Th. Harbaum Unteroff. 1864/66, Klemens Klosterkamp 1864/66.

 

     

Alte Schulen erzählen - Die Volksschule  Nr. 50,51 | B. Kleinhans


Die ältesten Nachrichten über eine Schule in Sendenhorst stammen aus dem Jahre 1571. In einem Visitationsprotokoll vom 5. Oktober heißt es: "Der Küster bedient die Schule." Im Jahre 1613 wird berichtet, daß der Kaplan 50 Schüler unterwies....


Pfarrer Kuipers teilt mit, daß im Jahre 1777 über 100 Kinder die Schule besuchten.Als Lehrerinnen nennt er Katharina Loep, deren Familie 1761 von der Ruhr, die 225 Menschen in einem Jahr in Sendenhorst dahinraffte, verschont blieb, ferner Maria Katharina Schmeddes, die 54 Jahre hindurch Lehrerin war und am 11. August 1779 starb. Die Bubenschule befand sich damals neben dem Rathaus im Hause Nr. 233. Im Jahre 1770 wurden die Einkünfte des Lehrers genau aufgezeichnet. Jedes Kind hatte ein Schulgeld zu entrichten. Für die armen Kinder bezahlte der Armenprovisor das Schulgeld. Am Thomastag bezahlte jedes Kind einen Schilling. Außerdem erhielt der Lehrer aus der Stiftung Schulte Elmenhorst 14 Schillinge, Stiftung Kerkmann 1 Taler, Stiftung Pastor Kleykamp 2 Taler, Stiftung Fischer 2 Schillinge sowie für die Donnerstagandacht 6 Schillinge und die Karwochenandachten 18 Schillinge. Ferner besaß er im Uebergüldenort ein Stück Gartenland.

Säuberlich hat der Lehrer Jodocus Henricus Arninck im Jahre 1788 die Namen der 89 die Bubenschule besuchenden Schüler in der Schülerliste eingetragen. Ein Blick auf die Hausnamen zeigt einen starken Wechsel der Familien in den letzten 163 Jahren. Bei den Vornamen erfreuen sich die Doppelnamen einer besonderen Beliebtheit. Die Namen Henrich, Bernd und Dirk sind besonders gebräuchlich. Von den 89 Hausnamen kommen heute 33 in Sendenhorst nicht mehr vor. Auch die Berufe der Eltern sind angegeben. Es sind Bauer 22, Tagelöhner 16, Schneider 7, Wirt 5, Tuchmacher 5, Wagenmacher 3, Kötter, Schuhmacher, Glasmacher, Zimmermeister, Faßbinder je 2, Metzger, Fremdenführer, Verwaltungsangestellter, Steinhauer, Feldscherer je 1. Als wichtigste Unterrichtsfächer galten Religion, Sittenlehre und Rechnen.

Bild:
Der "Nachfolger" - auch schon wieder Geschichte! Teigelkampschule ganz neu - Hauptschule - heute Montessori-Schule


Da beide Schulgebäude bei dem großen Brande von 1806 ein Raub der Flammen wurden, fiel der Unterricht im Sommer 1806 fast ganz aus. Bereits im folgenden Jahre entstanden eine neue Knabenschule am Kirchplatz und eine Mädchenschule an der Nordstraße. Da sie um 1855 nicht mehr ausreichten, errichtete man zwei neue Klassen im Rathause. Am 16. Oktober 1878 zogen die heutigen Achtzigjährigen in ein neues Schulgebäude, das an der Stelle, an der vorher das Armenhaus stand, errichtet worden war. Heute dient es den drei Klassen der evgl. Volksschule, der Landw. Berufsschule und der Pfarrjugend als Unterrichtsraum. Auch beherbergt nunmehr das Gebäude eine Strumpffabrik. Beide Sendenhorster Volksschulen werden zur Zeit von insgesamt 700 Kindern besucht. Während in letzten Jahren ein leichtes Absinken der Schülerzahl zu verzeichnen war, ist ab 1954 durch den jährlichen Zugang von 120 Schulneulingen mit einem Ansteigen der Schülerzahl zu rechnen.
 

Die Volksschule
Das jetzige Schulgebäude an der Schulstraße wurde am 16. Oktober 1878 bezogen. Wir beginnen mit einem zufällig aufgestöberten Buch- Schülerverzeichnis und Zensuren, geschrieben von der Lehrerin Anna Wessel, welche sagt: "Dieses Buch soll dazu sein, daß ich darin die Namen der Kinder schreibe, welche jährlich die Schule verlassen und zugleich dabei bemerke, wie sie sich in der Schule verhalten haben und wie weit sie in den wichtigsten Sachen, welche sie in der Schule lernen müssen gekommen sind." (Die Zensuren betreffen Religion, Lesen, Schönschreibung, Rechtschreiben, Rechnen, Aufführung. -

Eingangs schreibt die Lehrerin u. a. im Jahre 1789 bin ich geboren den 18. März. Am 28. April im Jahre 1816 bin ich zu Füchdorf Gehülflehrerin geworden. Am 4. November im Jahre 1816 bin ich zu
Sendenhorst Lehrerin geworden. Der Herr Pastor Darup hat mich feyerlich eingeführt in Begleitung des Kaplan Burchholz und des Herrn Bürgermeisters Langen, wobey der Herr Pastor eine sehr
rührende Anrede hielt; und auch zugleich den H. Vikar und H. Bürgermeister begehrte, daß sie mich in gewissen Vorfällen beystehen und in Schutz nehmen mögten."

Im Jahre 1833 schreibt diese Lehrerin von ihrem Pastor, daß er einige Wochen eine sehr schwere Krankheit gehabt hätte, die man Grippe nennt. Anna Wessel hat bis zu ihrem 73 Lebensjahr Schuldienst getan. Und der Organist Dünewald, der kürzlich körperlich und seelisch frisch auf 90 Jahre zurückschauen konnte, hat diese Lehrerin noch gut gekannt, und es hat ihn besonders gefreut, daß er in dieser Liste auch seine Mutter fand. Es heißt da: "Franziska Sulzer hat im Jahre 1824 die Medaille bekommen." Man ließt dort noch "Auch sind zu gleicher Zeit zwei Judenkinder aus der Schule entlassen, nämlich Sara Stern und Hindla Alsberg. Sara Stern war fleißig, aber Hindla Alsberg träge und kam wenig zur Schule." - Die Zensuren dieser beiden Mädchen sind nicht eingetragen.
Nun wird glaubwürdig erzählt, daß die Alsbergs sich von hier über ganz Deutschland verbreitet und mächtige Kaufhäuser errichtet hätten. Daraus könnte man schließen, daß die kleine Jüdin bestimmt nicht mit der Puppe gespielt hat, sondern die freie Zeit im Sinne ihres "Tata" verwertet hat. Seit vielen Jahren ist Sendenhorst judenrein. Sie sind seinerzeit von der antisemitischen Welle erfaßt worden und fanden es hier nicht mehr geheuer. Man hat nicht vernommen, daß ihnen hier eine Träne nachgeweint worden ist.

Um 1800 hatte Sendenhorst nur eine Knaben und eine Mädchenklasse mit Lehrerwohnungen. Bei dem großen Brand im Jahre 1806 wurden auch diese Gebäude erfaßt und ein Jahr darauf an der Stelle, wo heute Schneidermeister Leifeld wohnt, am Kirchhof und an der Nordstraße, wurde ein neues Gebäude erbaut. 1865 erforderte die größer gewordene Schülerzahl Einrichtung neuer Klassen im alten Rathaus. So sogen die Schüler gleichzeitig auch "politische Luft" ein, und mancher von ihnen wird wohl in späteren Jahren sie zum Nutzen und Frommen der Stadt als Stadtvater verwendet haben. Wie der alte Herrn Dünnewald erzählt, wechselten damals die Bürgermeister alle zwei bis drei Jahre, so daß "jeder" mal drankommen konnte."

Am 16. Oktober 1878 wurde nun das neuerrichtete jetzige Schulgebäude bezogen an der Stelle des alten Armenhauses, wie auch die Straße Armenstraße gehießen haben soll. Es ist ein großer Fabrikmäßiger Bau, der sich durchaus nicht der Landschaft anpaßt, damals aber imponierend gewirkt haben soll. Hauptlehrer Möllers, ein Naturfreund, hat ihn löblicherweise mit einem Kranz von Kastanien umgeben. Die neue Schule enthielt auch Dienstwohnungen für fünf Lehrer, natürlich den damaligen Vorschriften entsprechend, von sehr bescheidenen Maßen, für kinderreiche Lehrerfamilien völlig unzureichend. Aber die großen Bodenräume direkt unter den Dachziegeln boten wohl Räume, dort ein Dutzend Feldbetten aufzustellen. Frische Luft kam durch die Dachziegel, wie man auch stellenweise durch das Dach die Sternenwelt bewundern konnte. Der Mangel an Hausaborten bis heutigentags erhielt den Lehrer frisch und lebendig, wenn er manchmal bei Tag oder bei Nacht im Sturmschritt an etwa 30 Stufen hinunter sausen und noch etwa 50 Meter "zum geruhsamen Ort" rennen mußte.

Der Lauf der Zeit forderte es, daß weitere Dienstwohnungen zu Klassenzimmern eingerichtet werden mußten. Nebenbei sei erwähnt, daß seit Jahren das Schulgebäude sieben Klassenräume aufweist, daß die Volksschule außerdem noch einen Klassenraum in einem alten umgebauten Feuerwehrschuppen am alten Rathausgebäude an der Mühlenkuhle und ebenso noch einen Raum der Rektoratsschule ständig benutzt.
Zur Schule kommen die Kinder aus der Stadt und den verschiedenen Kirchspielen der Landgemeinden Sendenhorst. Im Jahre 1898 "beschloß" die Gemeindevertretung, den Schulverband von Stadt und Kirchspiel aufzulösen und sich selbständig zu machen, d. h. eigene Schulen zu errichten. Doch wies in einer besonders anberaumten Sitzung die hohe Behörde darauf hin, daß die politische Gemeinde nicht zuständig sei für solch eine "Veränderung", sondern nur die Repräsentanten, daß sie aber abrate, weil es schwierig sei, die Ausbrüche der Interessenten zu befriedigen, die neuangelegten Schulwege viele Kosten verursachten und endlich das Getrenntsein der Kinder der Stadt und Land keinen Segen bringen könnte.

Ende 1908 bekam die Schule elektrische Lichtleitung, 1928 Zentralheizung. Damit hörten Petroleumlampen und Kohlendunst auf. Sämtliche Klassenräume, die natürlich verrußt waren, erhielten neuen, frischen Anstrich.
Weitere Klassenräume wurden notwendig. Die Wohnung des Schulleiters sollte dazu umgebaut werden. Eine neue Schule sollte, unberührt von dem Lärm, an der jetzigen Straße im Norden entstehen, und zwar als Dienstwohnung des Schulleiters mit zunächst einer Klasse, jedoch mit Anbaumöglichkeiten für weitere Klassen. Die Regierungskommission versprach ihre Unterstützung, fand aber kein Gehör. Denn heute besaßen wir bei jährlichem Anbau einer Klasse eine ausreichend große Schule mit modernsten Einrichtungen. Das alte Gebäude hätte mancherlei Zwecken dienen können, als Kinderbewahrschule, Heime für die verschiedensten Organisationen der Bewegung u. a. m., denn es liegt im Mittelpunkt der Stadt.
An Schulbesuchszahlen seien aus den letzten 25 Jahren genannt 1912 mit 464 Schülern, 1913 mit 478, 1915 mit 450, 1917 mit 516, 1919 mit 506, 1922 mit 474, 1924 mit 376, 1930 mit 415. Zur Zeit sind es 440. Die unteren Jahrgänge sind stärker als die oberen, so daß ein weiteres Wachsen der Gesamtschülerzahl zu erwarten ist.
Ostern 1937 wurde hier eine neue Stelle für eine technische Lehrerinnenstelle eingerichtet und erstmalig mit Frl. Bernhardine Krusel besetzt, die nach den Worten des Kreisschulrates Schroeter frischen Schneid in das Turnen der Mädel brachte.
Das Nadelarbeitszimmer erhielt eine ganz neue Ausstattung an Tischen und Stühlen und macht mit der lebendigen Mädchenschar unter der kinderfrohen technischen Kraft Tona Tillmann, die Frl. Kruse ablöste, einen recht anheimelnden, warmen Eindruck. Viele Jahre dienten die Klassenräume mit den langen Bänken der gewerblichen Berufsschule, bis diese dann zwecks Unterbringung der Gewerbelehrer nach Neubeckum, Ahlen und Beckum verlegt wurde. So hat mancher jetzige Meister und Gesell nach seiner Schulentlassung noch drei Jahre die Berufsschule in der Volksschule besucht und wird sich dieser Jahre gern erinnern. Während der Wintermonate läuft in denselben Räumen die ländliche Berufsschule (Bauernschule) Jungen.
Frl. Tillmann gibt den Haustöchtern und landwirtschaftlichen Angestellten Unterricht in Hauswirtschaft, Kochen, Nadelarbeit, Weltanschauung. So nahm das Nadelarbeitszimmer zwei elektrische Herde und allerlei Möbel auf. Und liebliche Wohlgerüche delikater Speisen und Kuchen durchziehen, appetitlich duftend, allwöchentlich das Haus. Es steht fest, daß diese späteren Ehefrauen ihren Männern eine angenehme, abwechslungsreiche Speisenfolge darbieten lernen und daher die Liebe ewiglich dauern wird.

Im Laufe der letzten Jahre sind hier viele Lehrkräfte ein- und ausgegangen. Es seien folgende Namen genannt. Lehrer Drees, sieben Jahre Lehrer des alten Herrn Dünnewald, kam 1837 nach hier. Wir hören von den Lehrern Honekamp, Heuer, Rademacher, Notz. Ab 20. April 1878 bis 1. Januar 1921 wirkte hier Hauptlehrer Möllers, als Mensch und Lehrer allseitig geschätzt und verehrt. Er war nebenbei ein erfolgreicher Bienenzüchter und gern gesehener Jäger. Aus der Zeit dieses Lehrers und nach ihm sei noch erwähnt Lehrer Niehoff, gest. 1880, Lückemöller-Brebaum, gest. 1912, Lehrerin Kemper starb nach 24 jähriger Tätigkeit 1884, Lehrerin v..Rosche, seit 1878 tätig gewesen, vor wenigen Jahren gestorben. Lehrerin Vandenhoff, 40 Jahre tätig, 1904 gestorben, Lehrerin Bußmann starb nach 36 jähriger Tätigkeit am 2. März 1923. Lehrerin Verspohl kam 1903 nach hier. Lehrer Katjo wirkt seit 1909 in Unna, Lehrerin Erpenbeck 1904, Lehrer Knieper 1909, Lehrerin Menting 1915, Lehrer Obermeyer 1912, Rektor Brüggemann 1921, Lehrer Stattlage 1923. Weniger oder länger wirkten noch Lehrerin Paula Telges, Gertrud Schneyer, Johanna Laubrock, Gertrud Luchtefeld, Lehrer Terfloth, Lehrerin Borkowski, Lehrer Klemens Paul, Lehrerin Antonia Dierichs. Die Lernanfänger hat 1938 Lehrer Joseph Drees übernommen.

In 60 Jahren läuft viel Jugend durch die Räume der Schule, behütet und betreut durch eine verantwortungsbewußte Lehrerschaft, die gern den Lebensweg dieser Kinder mit Aufmerksamkeit verfolgt, sich mit ihnen freut und mit ihnen trauern kann. Sie sah häufig den Vater, die Mutter, die Kindeskinder in den Bänken sitzen und schaute so hinein in ein interessantes Stück Familiengeschichte. Geschlechter kommen und gehen. Die Jugend aber steht immer im Mittelpunkt. Die Lehrerschaft bleibt mit ihnen jung und freut sich mit ihnen, daß sie nach Jahren unerhörten Heldentums im Weltkrieg der Schmach und des Elends bis 1933 nunmehr die sonnig- goldene Zeit der Befreiung und des Wiederaufstiegs erleben darf. Immerdar sei es ihre Aufgabe, die ihr anvertraute Jugend im Sinne unseres großen Führers Adolf Hitler zu erziehen, daß sie seine dankbare, zuverlässige und getreue Gefolgschaft werde. So zu arbeiten ist eine liebe und selbstverständliche Pflicht der Volksschule Sendenhorst.

 

     

Straßennamen

 Nr. 52 | Wilhelm Kleinhans

Zu den Aufgaben des Denkmalschutzes und des Heimatbundes gehört neben der Sammlung auch die Erhaltung der alten Straßennamen. Diese Namen haben daher wie jedes andere Denkmal Anspruch, daß die schützende Hand über sie ausgebreitet wird. Infolge der vielen Mißgriffe,...


...die sich hauptsächlich dann einstellen, wenn die Straßen im Interesse des öffentlichen Verkehrs und der Ordnung mit Schildern versehen werden sollen, sah sich der Denkmalpflegetag in Bamberg im Jahre 1905 veranlasst, Leitsätze über die Erhaltung alter Straßennamen aufzustellen und den Geschichtsvereinen und städtischen Verwaltung zur Beachtung zu übersenden, da diese die berufenen Organe und am ersten in der Lage sind, auf die Namensgebung und Namenserhaltung einzuwirken.
Blick ins Westviertel-SüdDie Straßennamen waren früher vogelfrei. Sie wurden vom Volke selbst erfunden und in Umlauf gesetzt. Unsere Väter gaben den Namen nicht willkürlich, sondern sie bemühten sich, einen Sinn in die Namen zu legen. Sie kennzeichneten oft in erfreulicher Frische und gesunder Klarheit die Eigenart der Straßen und Gassen in ihrer Beschaffenheit oder nach der Bewohner Arbeit und Stand, nach deren Sitten und Bräuche. Daher geben die Straßennamen den späteren Geschlechtern ein getreues Bild von den Zuständen in früheren Zeiten. Wenn sich diese geändert haben, dann sind die unveränderten Namen der sicherste Beweis, daß sie früher bestanden haben. Die Geschichtsschreiber der Städte können oft aus scheinbar ganz belanglosen Bezeichnungen wertvolle Beiträge für ihre Arbeiten an dem Stadtbilde erhalten. Die Namen sind ferner nicht selten wertvolles Sprachgut. Sie sind durch den langen Gebrauch im Volksmunde abgeschliffen und geben infolge ihrer Eigenart zu Verwechselungen weniger Anlaß. In manchen Orten sind die Straßennamen die einzigen Kulturdenkmäler, die in die Gegenwart hinübergerettet sind. Darum solle gerade das Letzte, was noch übrig geblieben ist, ganz besonders geschützt werden.

Für den seine Heimatliebenden Bürger sind die Straßennamen alte, liebe Bekannte, die ihm aus der Väterwelt erzählen. Den Fremden und Zuziehenden machen alte, originelle Straßennamen beim ersten Anblick stutzig. Sie hemmen seinen Schritt und regen ihn vielfach zur Nachfrage an. Er bittet um Auskunft, worauf sich diese oder jene sonderbare Straßenbenennung gründet, und lässt sich die Namen erklären. Liebevoll wird er sich dann mit der Ortsgeschichte befassen. Er weiß, daß die originellen Straßennamen auf die Vergangenheit hindeuten, und daß sie aus Achtung und Pietät gegen die Vorfahren erhalten bleiben. Die alten Straßennamen haben gegen andere Baukunft und Naturdenkmäler einen besonderen Vorzug. Ihre Erhaltung ist wohlfeil. Sie kostet weder Geld noch Arbeit, sondern nur ein wenig Verständnis und Heimatsinn.
Verständnis und Heimatsinn sind aber nicht überall zu finden. Es ging den Namen wie der heimischen Tracht. Sie wurde altmodisch und abgeschafft, und "feinere" trat an ihre Stelle. Leider wurden und werden auch noch heute die alten Namen nicht immer erhalten. Sie sahen nicht fein genug aus und wurden unmodern. So wurde es an manchen Orten üble Gepflogenheit, den alten Straßen und Gassen ihren ehrlichen historischen Namen zu nehmen und ihn durch einen nichtssagenden Modenamen zu verdrängen. Dann ist es vielfach der Wunsch der Leute, in Straßen mit hochtönenden Namen zu wohnen. Es will sich eben jeder Anwohner einer solchen Straße recht billig von der Sonne eines derartigen Namens bestrahlen lassen. Als scheinbarer Grund für die Umänderungen wird angeführt, daß die eigentliche Veranlassung und Berechtigung für den alten Namen nicht mehr besteht. Da sollte man erst recht an dem alten festhalten. Je mehr die alten Verhältnisse geschwunden sind, um so sicherer werden sie doch durch die Namen der Nachwelt überliefert. Dürfen denn Gegenwart und Zukunft nicht wissen, daß die Verhältnisse früher anders gewesen sind? Sollen denn aus solchen nichtigen Gründen heimatgeschichtliche Erinnerungen vergraben und der Vergessenheit überliefert werden?
Bei der Umnennung stellt sich dann eine große Verlegenheit nach Ersatz ein. An Stelle der alten poesievollen alten Namen treten nichtssagende und abgeschmackte Benennungen, die meistens der grösseren Nachbarstadt entnommen sind. Man sieht es, daß sich derjenige, der die Taufe vollzog, seine Arbeit recht leicht gemacht hat und oberflächlich vorgegangen ist.
Wenn dem Volke die Bedeutung der Straßenbenennungen als heimathistorische Kulturgüter nicht einleuchtet, so kann das entschuldigt werden. Die Leute wissen aber gar nicht, daß die Straße ein historisches Gebilde ist und in der Regel ein Grund da gewesen ist, weshalb die Straße so und so genannt wird. Aber die Behörden sollten es wissen. Da ist es traurig, daß ihre Vertreter, denen die Wahrung des ererbten Gemeindegutes anvertraut ist, verständnislos zu Werke gehen. Sie lassen sich oft von Stimmungen leiten, ohne zu bedenken, daß sie pietätlos altes Kulturgut begraben, und glauben vielleicht noch, im Interesse der Gemeinde und recht klug gehandelt zu haben. In einer Stadtverordnetensitzung einer Industriestadt des Münsterlandes brachte im Jahre 1905 der Bürgermeister die Neubenennung einiger alten Straßen vor. Da gaben die Stadtväter dem Bürgermeister gegenüber ihr Befremden zum Ausdruck und versuchten ihn, leider vergebens, von seinem Vorhaben abzubringen. Sie wollten die alten Namen erhalten.

Wer hat nun das Recht, die Straßen zu benennen? Die Bürger glauben vielfach, daß die von ihnen gewählten Stadtverordneten darüber zu entscheiden hätten. Daher wenden sich diejenigen, die ihre Straße umgetauft haben wollen, an die Stadtverordneten. Diese Frage ist in Literatur und Rechtsprechung einheitlich dahin beantwortet, daß in Preußen die Polizeiverwaltung das alleinige Recht hat, Straßen zu benennen (M. Erl. v. 9.0. 1874, Selbstverwaltung 1895, Seite 382, Preuß. Verw. Bl. Bd. 28, Seite 91). Aus Unkenntnis wird diese Bestimmung vielfach nicht beachtet, und die Stadtverordnetenversammlungen maßen sich in gutem Glauben ein Recht zu, das ihnen nicht zusteht. Das wäre auch nicht so schlimm, wenn übereinstimmend die Ansicht vertreten ist, alte Namen zu schützen und bei neuen Namen in erster Linie die lokalhistorische Eigenart zu berücksichtigen. Es ist vielfach Gepflogenheit, daß die Polizeiverwaltung in dieser Einsicht mit den Vertretern der Gemeinde Hand in Hand arbeitet. Vor der Entschließung wird sie zweckmässig die Gemeindevertretung hören, um die Wünsche der Gemeinde kennenzulernen und diesen, soweit es anhängig ist, entspricht. Ein gesetzlicher Anspruch auf Anhörung steht der Gemeinde jedoch nicht zu. Das Recht der Polizeibehörde ist selbständig und unabhängig, auch an die Mitwirkung anderer Instanzen nicht gebunden. Die Gemeinde und ihre Bürger können hiernach durch die polizeiliche Straßenbenennung in ihren Rechten nicht verletzt werden.

Die Anbringung der Straßenschilder gehört ebenfalls zu den Obliegenheiten der Polizei. Die daraus erwachsenden Kosten sind mittelbar Polizeikosten. (Entsch. 1. Senat O.V.G. vom 9.3.1909, Preuß. Verw. Bl. XXX, 802). Auch sind die Hauseigentümer zur Duldung der Anbringung der Straßenschilder verpflichtet. (Entsch. O.V.G. vom 24.8.1891, Entsch. 21,243).
Darum bietet sich bei der Bezeichnung der Straßen für den Polizeiverwalter Gelegenheit, nach seinen Kräften dazu beizutragen, daß in den Straßennamen ein Stückchen Ortsgeschichte geschrieben wird, bestimmt, diese Zeit zu überdauern.
Glücklicherweise hat sich in den Städten und den meisten Orten dank der Tätigkeit der Heimatschutzbewegung die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß diese alten Straßennamen nicht preisgegeben werden dürfen. Wie manche alte Stadt ist stolz auf ihre alten, oft ganz originellen und derben Straßenbezeichnungen. Sie besitzt soviel Heimatstolz, daß sie gar nicht daran denkt, die alten Namen zu beseitigen. Keiner findet dort die urwüchsigen Namen für unschön. Viele Städte gehen heute sogar wieder dazu über, alte Straßennamen an die Stelle von jüngeren zu setzen. Sie wissen aus ihrer Erfahrung, daß, wer keine Vergangenheit hat, auch keine Zukunft haben wird. Und gerade heute, wo soviel Altes vernichtet worden ist, was der Erhaltung wert war, sollte man das Bestehende um so fürsorglicher vor dem Untergange hüten.

Welche Namen sollen denn nun unsere Straßen führen? Und wie ist mit der Benennung zu verfahren? Fritz Reuter übersetzt den alten preußischen Wahlspruch "Suum quique" folgendermaßen: "Holl wiss, wat du hast, un nimm, wat du kriegen kannst". So auch hier. Da muß zunächst entschieden dagegen Front gemacht werden, daß der Bestand der alten Straßennamen auch nur um einen Namen verringert werde, wenn nicht ganz besonders zwingende Gründe vorliegen. Bei der Vorbringung von Gründen sei man nicht allzu feinfühlig. Derbe Namen lasse man, wenn sie Anstand und gute Sitte nicht verletzten, ruhig bestehen. Wie schon gesagt, werden in den Städten viele alte Namen wie alte Schätze wieder ausgekramt, und ans Tageslicht gebraucht
und an Stelle von modernen Namen gesetzt, die vielfach vor, in und nach dem Kriege gegeben sind. Wie die Wiedereinführung alter Namen zu handhaben ist, darüber geben die auf dem Denkmalpflegetag aufgestellten Leitsätze Auskunft. Bei den neuen Straßen lasse man in erster Linie die alten Flurnamen im Straßennamen weiterleben. Sodann taufe man die Straße nach ihrer Zweckbestimmung. Ein großer Teil der Straßennamen kann auch dazu dienen, daß ihre Bezeichnung das Zurechtfinden in der Ortschaft erleichtert. Ein Straßenzug, der nach einer benachbarten Ortschaft führt, wird oft den Namen dieser Ortschaft führen können. Straßen, an denen Bauwerke liegen, können nach diesen Bauwerken bezeichnet werden. Neben diesen Straßen gibt es noch eine Anzahl, die eine der angedeuteten Bezeichnungen nicht führen kann. Diese Straßen können in der Weise bezeichnet werden, daß ihre Namen Persönlichkeiten zur Ehre gereichen, die in der Geschichte der Ortschaft eine besondere ehrenvolle Rolle gespielt oder die sich um die Ortschaft verdient gemacht haben. Ein solches Denkmal ist meistens dauernder als Erz. Spätere Geschlechter werden so stets wissen, was es mit derjenigen Person, nach der die Straße heisst, für eine Bewandtnis hat, und der Fremde wird auf seine Frage eine entsprechende Antwort erhalten. Er wird nicht mehr die Straßen durchwandern, um bei den inhaltlosen Straßennamen den Kopf zu schütteln. . . .


Leitsätze über die Erhaltung alter Straßennamen.
1. Jede alte und als solche geschichtliche bedeutungsvolle Bezeichnung von Straßen, aber auch von Platzen, Brücken, Häusern und ganzen Stadtteilen, dann von Acker- und Waldstücken, Flüssen, Bächen, Teichen und Bergen ist auf alle Fälle zu schützen und zu erhalten, und zwar um so mehr, je eigenartiger und sinnvoller sie ist.
2. Insonderheit dürfen alte Namen nicht zugunsten von solchen berühmten oder verdienter Männer des Vaterlandes oder der engeren Heimat beseitigt werden.
3. Bei Benennung neuer Straßen sind in erster Linie die alten Flur- und Ortsbezeichnungen zu verwenden.
4. Da, wo erst in neuerer Zeit der alte Name durch einen modernen ersetzt ist, soll der erste, soweit es irgend angeht, wieder zu Ehren gebracht werden.
5. Es muß freilich dem Taktgefühl der betreffenden Behörde überlassen werden,
a. inwieweit auch solche alte Namen, die schon im Gedächtnis des Volkes geschwunden sind, wieder in Gebrauch zu setzen sind,
b. inwieweit auch ein neuerer Name bereits geschichtlichen Wert gewonnen und deshalb ebenfalls auf Schutz Anspruch zu erheben hat,
c. inwieweit alte, aber verderbte Namen ihre ursprüngliche Form wiedererhalten können.
6. Zu allen Umnennungen alter Straßen und zur Benennung neuer sollen stets die örtlichen Geschichts- und Altertumsvereine sowie auch einzelne geschichts- und sprachkundige Personen, insbesondere die Leiter der staatlichen und städtischen Archive, Bibliotheken und Museen zu Rate gezogen werden.

 

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