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Sendenhorst & Umgebung im 30-jährigen Krieg 1818 - 1648

Zwischen Einquartierung, Plünderung und Stadtbrand - Krieg gegen die Bevölkerung: Katholiken kämpften gegen Protestanten, Fürsten gegen Stände – und fast alle Heere lebten von den Menschen. Der Beitrag zeigt, wie Christian von Braunschweig, ligistische Truppen und der Hessenkrieg das Leben in Sendenhorst sowie in den Nachbarstädten Ahlen, Beckum und Warendorf prägten.

1. Sendenhorst am Vorabend des Krieges

Als 1618 der Dreißigjährige Krieg begann, gab es den heutigen Kreis Warendorf noch nicht. Sendenhorst gehörte als Wigbold – eine kleine Stadt mit eigenen Rechten – zusammen mit dem umliegenden Kirchspiel zum Amt Wolbeck im Fürstbistum Münster. Auch Ahlen und Beckum gehörten zum Amt Wolbeck, während Warendorf dem Amt Sassenberg zugeordnet war. Landesherr war der katholische Fürstbischof von Münster. [1] 

Friedlich war die Region schon vor 1618 nicht gewesen. Seit dem späten 16. Jahrhundert griff der Krieg der Niederländer gegen Spanien immer wieder auf das Münsterland über. Niederländische und spanische Truppen zogen durch das Land, forderten Verpflegung, raubten Vieh und plünderten Höfe. 1598 drang ein großes spanisches Heer in das östliche Münsterland vor. Ahlen, Beckum, Warendorf, Telgte und auch die Gegend um Sendenhorst blieben davon nicht verschont. Nach dem Abzug der Soldaten folgte 1599 eine Pestwelle. Eine weitere Pest ist für Sendenhorst im Jahr 1606 überliefert. [2] 

Der Dreißigjährige Krieg traf somit auf eine Bevölkerung, die Durchzüge, Seuchen und militärische Gewalt bereits kannte. [2] 

 

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2. Kein einfacher Religionskrieg

Ausgelöst wurde der Krieg durch den Gegensatz zwischen katholischen und protestantischen Mächten. Doch bald überlagerten sich mehrere Konflikte. Der Kaiser kämpfte gegen protestantische Reichsstände, Fürsten verteidigten ihre Macht gegen den Kaiser, Städte und Landstände ihre alten Rechte gegen die jeweiligen Landesherren. Später unterstützte sogar das katholische Frankreich die protestantischen Schweden, weil es die Macht der ebenfalls katholischen Habsburger schwächen wollte. [3] 

Mit den „Ständen“ waren dabei nicht Bevölkerungsschichten im heutigen Sinne gemeint. Als Landstände bezeichnete man politisch berechtigte Gruppen wie den Adel, das Domkapitel und die Städte. Sie entschieden unter anderem über Steuern und verteidigten ihre überlieferten Rechte gegen den Fürsten. [3] 

Der Dreißigjährige Krieg war deshalb zugleich Religionskrieg, Verfassungskonflikt, Kampf um Territorien und europäischer Machtkrieg. Die Fronten wechselten, Bündnisse zerbrachen, und aus früheren Verbündeten konnten Gegner werden. Im Alltag entstand der Eindruck eines Krieges aller gegen alle. [3] 

Eine bemerkenswerte Beständigkeit gab es dennoch: Fast alle Heere lebten von der Bevölkerung. Soldaten mussten untergebracht und verpflegt, Pferde gefüttert und Kontributionen – erzwungene Kriegsabgaben – bezahlt werden. Wer nicht liefern konnte, verlor Vieh, Getreide oder Hausrat. So wurde der Krieg, unabhängig von seinen politischen Zielen, für die Menschen zu einem fortgesetzten Krieg gegen ihre Lebensgrundlagen. [3] 

 

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3. Pfarrer Heinrich Hölscher in unruhigen Zeiten

In Sendenhorst erlebte Pfarrer Heinrich Hölscher diese Entwicklung aus unmittelbarer Nähe. Mit ihm beginnt 1584 die lückenlos überlieferte Reihe der Sendenhorster Pfarrer. Mehr als vier Jahrzehnte wirkte er in der Gemeinde. [4] 

Seine Amtszeit umfasste bereits die niederländisch-spanischen Kämpfe, Truppendurchzüge, Plünderungen und die Pest von 1606. In seinen letzten Lebensjahren erlebte er dann den Beginn des Dreißigjährigen Krieges und den Einmarsch Christians von Braunschweig in Sendenhorst. [4] 

Für die Menschen war die Pfarrgemeinde in diesen Jahren nicht nur ein religiöser Mittelpunkt. Kirche und Pfarrer begleiteten Kranke und Sterbende, halfen Bedürftigen und mussten das Gemeindeleben auch dann aufrechterhalten, wenn Wege unsicher, Höfe verlassen und Familien durch Flucht oder Krankheit auseinandergerissen waren. [4] 

In seinen letzten Amtsjahren wurde Heinrich Hölscher von dem münsterischen Fraterherrn Johannes Engelberting unterstützt. Hölscher starb am 13. August 1623, mitten in der ersten großen Kriegsphase im Münsterland. Engelberting wurde 1624 sein Nachfolger und führte die Gemeinde durch die folgenden Jahrzehnte des Krieges. [4] 

 

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4. Christian von Braunschweig vor den Toren

Im Frühjahr 1622 rückte Herzog Christian von Braunschweig, einer der bekanntesten protestantischen Heerführer der ersten Kriegsjahre, von Lippstadt aus in das Fürstbistum Münster vor. Er führte kein regelmäßig versorgtes staatliches Heer, sondern eine große Söldnertruppe, die sich zu erheblichen Teilen aus dem besetzten Land ernähren musste. [5] 

Schon vor seinem Erscheinen litt das Gogericht Sendenhorst unter Brandschatzungen, Pferdediebstählen und Plünderungen. In einem Schreiben vom 16. April 1622 berichteten die Sendenhorster dem Richter Adolf von der Mark von der drohenden gewaltsamen Einnahme der Stadt. Eine Hälfte der Bürger hielt am Tage Wache, die andere in der Nacht. Die Menschen seien bereits „matt“ und könnten diesen Zustand nicht lange durchhalten. [5] 

Zunächst hatte Sendenhorst die Aufnahme eigener münsterischer Verteidigungstruppen abgelehnt, weil auch diese Soldaten versorgt werden mussten. Als Christians Heer näher kam, änderte sich die Lage. Nun verlangte die Stadt erst 40 bis 50, später sogar 100 bis 200 Mann zum Schutz und zur Ausbildung der Einwohner. [5] 

Am 4. Mai 1622 erreichte Christian von Braunschweig Sendenhorst. Nach der örtlichen Überlieferung drohte er, die Stadt beschießen und niederbrennen zu lassen, falls die Tore verschlossen blieben. Sendenhorst öffnete die Tore. Christian nahm sein Hauptquartier an der Oststraße und blieb mit seinen Truppen bis zum 9. Mai. [5] 

Die Stadt wurde nicht zerstört und kam im Vergleich zu anderen Orten glimpflich davon. Das bedeutete jedoch nicht, dass die Anwesenheit des Heeres folgenlos blieb. Die Einwohner mussten Soldaten und Pferde unterbringen, Lebensmittel beschaffen und die Forderungen der Truppe erfüllen. Von Sendenhorst aus unternahmen Christians Soldaten Raubzüge in die Umgebung. [5] 

 

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5. Die katholischen Beschützer besetzen die Städte

Christians Abzug brachte keinen Frieden. Ende 1622 fiel der ebenfalls protestantische Heerführer Ernst von Mansfeld in das Fürstbistum Münster ein. Fürstbischof Ferdinand von Bayern rief deshalb Truppen der Katholischen Liga zu Hilfe. [6] 

Diese ligistischen Truppen – also Soldaten des katholischen Militärbündnisses – sollten in den münsterländischen Städten Winterquartiere beziehen. Die Städte weigerten sich jedoch. Sie hatten bereits 1621 unter bayerischen Truppen gelitten und wollten nicht erneut Soldaten aufnehmen und versorgen. [6] 

Damit entstand eine eigentümliche Lage: Die vom Fürstbischof zur Verteidigung gerufenen Truppen griffen nun die eigenen münsterländischen Städte an. Unter dem Grafen Johann Jakob von Anholt und dem kaiserlichen General Matthias von Gallas wurden 1623 unter anderem Ahlen, Beckum und Warendorf besetzt. Ahlen fiel am 21. Februar nach einer schweren Beschießung und blieb bis zum Sommer von Truppen des Anholtschen Regiments besetzt. Beckum leistete Widerstand, musste sich aber ebenfalls ergeben. Auch Warendorf wurde nach seiner Gegenwehr unterworfen. [6] 

 

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6. Städte verlieren Rechte

Die Besetzungen dienten zwei Zwecken. Nach außen sollten sie das Fürstbistum gegen protestantische Heere sichern. Nach innen nutzte Fürstbischof Ferdinand die militärische Gewalt, um den Widerstand der Städte zu brechen und seine landesherrliche Macht auszubauen. [6] [7] 

Den Städten wurden wichtige Privilegien entzogen. Die Rechte ihrer Magistrate wurden eingeschränkt, ihre Selbstverwaltung beschnitten und Einnahmen aus der Akzise, einer Verbrauchssteuer, der landesherrlichen Kontrolle unterworfen. Bei Warendorf ging Ferdinand noch weiter: Am 15. März 1627 erkannte er der Stadt förmlich ihre Stadtrechte ab. Dieser Zustand blieb bis 1632 bestehen. [7] 

Der Religionskrieg war damit zugleich ein Kampf des Fürsten gegen die eigenen Stände. Katholische Truppen unterwarfen katholische Städte, weil diese sich der Einquartierung widersetzt und ihre städtischen Rechte verteidigt hatten. [6] [7] 

 

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7. Krieg auf Kredit

Auch Sendenhorst musste immer neue Geldforderungen erfüllen. Wie der Krieg den Alltag bestimmte, zeigen die erhaltenen Schuldverschreibungen besonders deutlich. [8] 

Im Jahr 1624 lieh sich das Kirchspiel 200 Reichstaler von dem Münsteraner Bürger Johann Werneke. Mit dem Geld sollten Truppen in Rinkhöven abgefunden und weitere Kriegsschulden bezahlt werden. Die Summe sollte bis August 1625 mit sechs Prozent Zinsen zurückgezahlt werden. Eine weitere Verpflichtung über 200 Taler entstand wegen der in Sendenhorst einquartierten Fuggerschen Soldaten. [8] 

Solche Darlehen lösten das Problem nur vorübergehend. Auf eine Kontribution folgte die nächste, zu den eigentlichen Kriegskosten kamen Zinsen und Rückzahlungen. 1636 nahm ein Einwohner 20 Reichstaler auf, um eine „aufgeschwollene und unbezahlte Schatzung“ begleichen zu können. 1639 wurden erneut Schulden für Kontributionen und die sogenannte Landschatzung gemacht. Als Sicherheit mussten Nutzungsrechte an Wiesen verpfändet werden. [8] 

Pfarrer Johannes Engelberting war an der Suche nach Geldgebern beteiligt. Über ihn und seine Verbindung zu den Fraterherren in Münster dürften zahlreiche Schriftstücke über die Sendenhorster Kriegsschulden in das dortige Archiv gelangt sein. Dadurch lässt sich heute erkennen, wie eng Pfarrgemeinde, Kirchspiel und Kreditgeber miteinander verflochten waren. [8] 

 

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8. Der Hessenkrieg erreicht Sendenhorst

Mit dem Eingreifen Schwedens im Jahr 1630 begann eine neue Kriegsphase. Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel verbündete sich mit dem schwedischen König Gustav Adolf. Als Gegenleistung ließ er sich große Teile Westfalens als künftige Kriegsbeute zusichern. [3] [9] 

Von 1633 an zogen hessische, schwedische, braunschweig-lüneburgische und kaiserliche Truppen durch Westfalen. Für die regionalen Kämpfe wird auch die Bezeichnung „Hessenkrieg“ verwendet. Gemeint ist damit vor allem der langwierige Kampf Hessen-Kassels gegen die kaiserlichen und fürstbischöflichen Kräfte um Stützpunkte und Einfluss in Westfalen. [9] 

Die wichtigsten dauerhaft gehaltenen Stützpunkte der hessischen Seite waren Lippstadt, Hamm, Coesfeld und zeitweise Dorsten. Auch Beckum war zeitweise mit hessischen Soldaten besetzt. Für Sendenhorst waren besonders Lippstadt, Hamm, Beckum und Coesfeld von Bedeutung, weil von dort Truppen, Reiter und Einziehungskommandos in das östliche Münsterland kamen. [9] 

Schwedische Truppen wirkten meist gemeinsam mit ihren hessischen und braunschweig-lüneburgischen Verbündeten. Einen wichtigen schwedischen Stützpunkt bildete seit 1633 Osnabrück. In der letzten Kriegsphase operierten schwedische Truppen unter General Hans Christoph von Königsmarck erneut im östlichen Münsterland. Sie nahmen Wiedenbrück ein und gingen auch gegen Warendorf vor. In den Sendenhorster Quellen erscheinen deshalb neben den Hessen auch die „Königsmärckischen“ oder „Coesfeldischen“ Reiter. [9] 

Die Bezeichnungen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Besatzungen mehrfach änderten. Hamm wurde 1634 von kaiserlich-ligistischen Truppen genommen und kurz darauf von den Hessen zurückerobert. Beckum wechselte ebenfalls den Besitzer. Ein Ort, der heute Ausgangspunkt hessischer Reiter war, konnte wenig später eine kaiserliche Garnison beherbergen. [9] 

 

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9. Sendenhorst zwischen den Stützpunkten

Sendenhorst lag zwischen diesen umkämpften Orten und war den wechselnden Truppenbewegungen weitgehend ausgeliefert. Von 1633 bis 1635 zogen kaiserliche, hessische und braunschweig-lüneburgische Einheiten durch Stadt und Kirchspiel. Soldaten wurden einquartiert, Höfe geplündert und Viehherden weggetrieben. Gleichzeitig mussten hohe Kontributionen an die hessischen Besatzungen in Lippstadt, Hamm und Beckum gezahlt werden. [9] [10] 

Die überlieferten Schadensmeldungen zeigen, dass keine Seite die Bevölkerung schonte. Hessen nahmen Pferde und Kühe fort und verschleppten Einwohner nach Hamm oder Lippstadt, bis ein Lösegeld bezahlt wurde. Kaiserliche Reiter legten sich auf die Höfe und verlangten Verpflegung. Ein Bauer berichtete, dass ihn ein einziges Nachtquartier von 100 Reitern 130 Reichstaler gekostet habe. Andere mussten bereits ausgelöste Pferde trotzdem den Soldaten überlassen. [10] 

Im Herbst 1637 plünderten hessische Truppen Sendenhorst. Kaiserliche Reiter konnten später einen Teil der Beute zurückerobern. Doch selbst zurückgewonnene Tiere und Gegenstände beseitigten die Schäden nicht. Getreide war vernichtet, Saatgut fehlte, Häuser waren beschädigt und neue Abgaben bereits angekündigt. [10] 

Steuerlisten aus den Jahren 1636 und 1637 vermerken zahlreiche Sendenhorster Höfe als „wüst“, „pauper“ – arm –, „vacat“ – unbewohnt – oder „nihil“, also ohne noch vorhandenes steuerbares Vermögen. Beim Hof Frye stand ausdrücklich „abgebrannt“. Noch Jahrzehnte später wurden Höfe als „vom hessischen Krieg her“ wüst bezeichnet. [10] 

Ein Bericht von 1652 fasste die Entwicklung nüchtern zusammen: Die schweren Kontributionen von hessischer wie von kaiserlicher Seite hätten viele Menschen zur Flucht gezwungen. Sie hätten alles aufgeben müssen. Der Krieg bestand hier nicht aus einer einzigen großen Schlacht, sondern aus einer langen Folge kleiner Verluste, die sich schließlich nicht mehr ausgleichen ließen. [10] 

 

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10. Pest, Angst und Johann Loißing

Zum Krieg kamen Krankheiten. Für 1636 ist in den Sendenhorster Quellen ein Todesfall durch die „abscheuliche Seuche der Pestilenz“ belegt. Truppendurchzüge, schlechte Ernährung, beengte Einquartierungen und fliehende Menschen begünstigten die Ausbreitung von Krankheiten. [10] 

Gleichzeitig wuchsen Angst und Aberglaube. Unwetter, Seuchen und ungewöhnliche Todesfälle wurden als göttliche Strafe oder als Werk des Teufels gedeutet. In diese Zeit gehört die Überlieferung um Johann Loißing. [11] 

Bei seiner Beerdigung soll ein schweres Unwetter ausgebrochen sein. Einige Sendenhorster deuteten dies als unheilvolles Zeichen. Es wurde erwogen, den bereits bestatteten Leichnam wieder auszugraben und zu verbrennen. Aus Münster wurde dieses Vorhaben jedoch ausdrücklich untersagt. [11] 

Die Geschichte zeigt, wie sehr die jahrelange Unsicherheit das Denken der Menschen verändert hatte. Wenn Krieg, Hunger, Krankheit und Tod zum Alltag gehörten, suchte man nach Erklärungen – und fand sie nicht selten in Hexerei, Teufelsglauben und vermeintlichen Zeichen. [11] 

 

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11. Feuer und Friedensschluss

Im Winter 1639 traf Sendenhorst eine weitere Katastrophe. Am Dienstag vor dem Martinsfest brach ein großer Brand aus. Rund 60 Häuser, etwa ein Drittel der Wohnbebauung, wurden zerstört. Spätere Berichte nennen sogar 80 Häuser. Besonders betroffen war der Bereich zwischen Nord- und Osttor. [13] 

Ob dieser Brand unmittelbar durch Kriegshandlungen verursacht wurde, ist nicht sicher. Seine Wirkung wurde jedoch durch den Krieg erheblich verschärft. Viele Einwohner waren bereits verschuldet, Vorräte und Zugtiere fehlten, und Baumaterial war teuer. Der Wiederaufbau musste trotzdem unter fortdauernden Kontributionen und Einquartierungen geleistet werden. [13] 

1648 wurde in Münster und Osnabrück der Westfälische Frieden geschlossen. Münster war wegen seiner Befestigungen vergleichsweise wenig zerstört worden und wurde als Verhandlungsort für neutral erklärt. Während dort Gesandte über eine neue Friedensordnung berieten, gingen die Kämpfe und Abgaben im Umland zunächst weiter. Auch nach der Unterzeichnung verschwanden die Besatzungen nicht sofort. [12] 

Für Sendenhorst war die Not deshalb 1648 nicht beendet. Im Jahr 1650 vernichtete ein weiterer Brand etwa 50 Häuser. Viele Bürger verloren damit zum zweiten Mal die Gebäude, die sie nach 1639 nur mühsam wiederaufgebaut hatten. Die Einwohnerzahl erreichte einen Tiefpunkt. Schließlich schickte die Stadt zwei Bürger mit einem Bettelbrief durch die Lande, um Spenden für den Wiederaufbau zu sammeln. [13] 

 

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12. Die Bilanz

Sendenhorst wurde im Dreißigjährigen Krieg nicht in einer großen Schlacht zerstört. Gerade deshalb zeigen die örtlichen Quellen den Charakter dieses Krieges besonders deutlich. Seine Gewalt bestand aus wiederholten Durchzügen, Einquartierungen, Kontributionen, Krediten, Viehraub, Lösegeldforderungen, Krankheiten und Bränden. [10] [13] 

Protestantische Truppen unter Christian von Braunschweig bedrohten die Stadt. Ligistische Soldaten besetzten Ahlen, Beckum und Warendorf und brachen den politischen Widerstand der Städte. Später kamen Hessen, Kaiserliche, Schweden und Braunschweig-Lüneburger. Jede Seite verlangte Geld und Versorgung, und jede behauptete, aus militärischer Notwendigkeit zu handeln. [5] [6] [9] 

Für die Bevölkerung änderte der Wechsel der Fahnen wenig. Der Krieg wurde nicht ausdrücklich gegen sie erklärt, aber auf ihre Kosten geführt. Die Sendenhorster Überlieferung zeigt deshalb weniger eine Abfolge großer Schlachten als eine jahrzehntelange wirtschaftliche und gesellschaftliche Zermürbung, deren Folgen noch lange nach 1648 sichtbar blieben. [10] [13] 

 

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Zeittafel

Zeit

Ereignis und Bedeutung

1582–1602

Mehrere Durchzüge niederländischer und spanischer Truppen durch Albersloh, Wolbeck und das östliche Münsterland.

1606

Pest in Sendenhorst.

1618

Beginn des Dreißigjährigen Krieges; das Fürstbistum Münster steht auf katholischer Seite.

16. April 1622

Sendenhorst meldet Brandschatzungen, Pferdediebstähle und die drohende Einnahme der Stadt.

4.–9. Mai 1622

Christian von Braunschweig hält sich mit seinem Heer in Sendenhorst auf und nimmt sein Hauptquartier an der Oststraße.

21. Februar 1623

Ahlen wird nach schwerer Beschießung von ligistischen Truppen besetzt; auch Beckum und Warendorf werden unterworfen.

13. August 1623

Pfarrer Heinrich Hölscher stirbt; 1624 folgt ihm Johannes Engelberting.

1624

Das Kirchspiel nimmt Darlehen zur Bezahlung von Truppen und Kriegsschulden auf.

15. März 1627

Fürstbischof Ferdinand von Bayern erkennt Warendorf die Stadtrechte ab.

ab 1630

Schweden greift in den Krieg ein; Hessen-Kassel wird sein wichtigster Verbündeter in Westfalen.

1633–1635

Kaiserliche, hessische und braunschweig-lüneburgische Truppen ziehen durch Sendenhorst; hohe Kontributionen an hessische Stützpunkte.

Herbst 1637

Hessische Truppen plündern Sendenhorst.

Winter 1639

Großer Stadtbrand; mindestens 60 Häuser werden zerstört.

ab 1644

Friedensverhandlungen in den neutralisierten Städten Münster und Osnabrück.

24. Oktober 1648

Unterzeichnung des Westfälischen Friedens.

1650

Erneuter Stadtbrand in Sendenhorst; etwa 50 Häuser gehen verloren.

 

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