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Von den mittelalterlichen Anfängen bis 2025
Kirchberg liegt etwa zehn Kilometer südlich von Zwickau im Tal des Rödelbachs. Sieben Höhen umgeben den Ort: Borberg, Geiersberg, Kreuzhübel, Krähenberg, Quirlsberg, Kratzberg und Schießhausberg. Diese besondere Lage gab Kirchberg den bis heute gebräuchlichen Beinamen „Stadt der sieben Hügel“. Die Anfänge der Besiedlung zwischen Borberg und Geiersberg werden in die Zeit um 1180 bis 1212 eingeordnet. Um 1310 erhielt Kirchberg Stadtrechte. [1]
Kirchberg entwickelte sich nicht als politisch völlig selbständige Insel, sondern gehörte über Jahrhunderte zur Herrschaft Wiesenburg. Deren Mittelpunkt war die Burg Wiesenburg; Kirchberg wurde zum wichtigen städtischen und kirchlichen Zentrum des Rödelbachtales. Die Herrschaft wechselte mehrfach ihre Herren – und damit änderten sich auch Abgaben, Gerichtsbarkeit und politische Bindungen. [19]
1251 befand sich Wiesenburg im Besitz der Vögte von Weida; 1350 gelangte die Burg unter die Lehnshoheit der Markgrafen von Meißen. Seit dem frühen 15. Jahrhundert war die Herrschaft ein Lehen der Herren von der Planitz. Durch die Leipziger Teilung von 1485 kam das Gebiet zur ernestinischen Linie der Wettiner. Nach deren Niederlage im Schmalkaldischen Krieg fiel es 1547 an die albertinischen Wettiner. Von 1591 bis 1618 unterstand die Herrschaft sogar dem Rat der Stadt Zwickau; 1618 wurde daraus wieder ein kurfürstlich-sächsisches Amt. Von 1663 bis 1724 war das Amt an die Herzöge von Holstein-Sonderburg verlehnt. Erst 1843 gingen die Aufgaben des Wiesenburger Justizamtes auf das Königliche Landgericht Kirchberg über. [19]
Die Kirche war im mittelalterlichen Kirchberg nicht nur Gotteshaus, sondern Mittelpunkt des städtischen Lebens. Um 1210 entstand an der Stelle der heutigen St.-Margarethen-Kirche ein romanischer Bau. Eine der frühen religiös-politischen Erschütterungen erreichte die Stadt in den Hussitenkriegen: Nach der Überlieferung zur Baugeschichte von St. Margarethen verwüsteten Hussiten zu Weihnachten 1429 Kirche und Ort so schwer, dass von der Kirche im Wesentlichen nur massive Mauern erhalten geblieben sein sollen. Der Wiederaufbau zog sich hin; erst 1496 galt der Kirchenbau wieder als vollendet. [20]
Spätestens im ausgehenden Mittelalter nahm Kirchberg städtische Formen an. 1491 sind eine Ratsverfassung und ein Gerichtsbuch nachweisbar. Richter, Bürgermeister und vier Geschworene bildeten den Rat. Im selben Jahr begann der steinerne Neubau der St.-Margarethen-Kirche; 1496 war der Bau vollendet. Der Glöckner versah zugleich den Schuldienst. Wirtschaftlich wurde vor allem das Tuchmacherhandwerk prägend, das um 1490 wohl von Zwickau aus eingeführt wurde. 1592 erwarb die Tuchmacherinnung die Walkmühle am Quirlsberg. [1]
Auch die große religiöse Spaltung des 16. Jahrhunderts erreichte Kirchberg sehr früh. Bereits 1522 kam die Reformation in die Stadt; mit Lorenz Pöhler wird der erste evangelische Pfarrer Kirchbergs genannt. 1529 wurde die inzwischen reformierte Kirchengemeinde der Ephorie Zwickau zugeordnet. Damit war der Wechsel vom alten katholischen Kirchenwesen zum lutherischen Bekenntnis innerhalb weniger Jahre vollzogen. Die Reformation war dabei nicht nur eine Glaubensfrage: Kirchenordnung, Schule, Armenfürsorge und obrigkeitliche Zuständigkeiten wurden neu geordnet. [1] [20]
Gleichzeitig verschoben sich die politischen Machtverhältnisse. Seit 1485 gehörte die Herrschaft Wiesenburg zur ernestinischen Linie der Wettiner. Nach dem Schmalkaldischen Krieg wechselte sie 1547 zu den Albertinern. Kirchberg blieb evangelisch, doch der Wechsel zeigt, wie eng in dieser Epoche landesherrliche Politik und Konfession miteinander verbunden waren. Die konfessionellen Spannungen des Reiches bildeten schließlich einen Teil des Hintergrundes für den Dreißigjährigen Krieg, dessen Folgen Kirchberg unmittelbar trafen. [19]
1633 wütete die Pest so schwer, dass nach der Kirchberger Chronik lediglich 16 Familien überlebten. Im folgenden Jahr brannten im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg Rathaus und Teile der Stadt nieder. Auch die Kirche wurde im Verlauf des Krieges schwer getroffen. 1641 bestätigte Kurfürst Johann Georg I. die städtischen Rechte und das 1591 aufgestellte Erbregister. Nach Krieg, Seuche und Zerstörung begann ein langwieriger Wiederaufbau. [1] [20]
1683 wurde in Kirchberg der spätere Hofkapellmeister und Komponist Johann Christoph Graupner geboren. Wenige Jahrzehnte später versuchte man, am Geiersberg Bergbau zu betreiben. 1710 wurden vier Stollen aufgefahren und Bergfreiheit erteilt; größere Funde blieben jedoch aus, sodass die Unternehmung 1723 wieder aufgegeben wurde. [1]
Besonders tief prägten die großen Brände das historische Stadtbild. 1757 vernichtete ein Großfeuer den Stadtkern mit Markt, Rathaus und Kirche. Erst 1800 war der Wiederaufbau der St.-Margarethen-Kirche mit dem neuen Turm abgeschlossen. 1817 traf ein weiteres Großfeuer das Zentrum. 1852 wurden Rathaus und Obermarkt durch Brandstiftung erneut zerstört. Das Rathaus entstand wieder und wurde 1859 eingeweiht – mit der beim Brand geretteten Turmglocke. [1]
Im 19. Jahrhundert wandelte sich Kirchberg grundlegend. 1843 erhielt die Stadt ein Amtsgericht. 1855 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1863 erschien das erste Kirchberger Nachrichtenblatt, 1871 nahm die Gasanstalt die Stadtbeleuchtung in Betrieb und 1872 kam der Telegraf. Einen entscheidenden Impuls brachte 1881 Sachsens erste Schmalspurbahn von Wilkau nach Kirchberg. Sie verband die Textil- und Gewerbestadt mit dem regionalen Verkehrsnetz. Schon 1882 entstand auf dem Borberg ein Aussichtsturm. 1900 stiftete der Wollhändler und Landtagsabgeordnete Hermann Kramer sen. ein Krankenhaus. [1]
Im Ersten Weltkrieg fielen 226 Kirchberger; 1918 übernahm zeitweise ein Arbeiter- und Soldatenrat die Stadtverwaltung. 1938 wurde auf dem Borberg das Anton-Günther-Berghaus eröffnet. Der Zweite Weltkrieg endete für Kirchberg blutig: 1945 forderten Fliegerangriff und Artilleriebeschuss 16 Tote; 14 Häuser wurden zerstört und 27 schwer beschädigt. Insgesamt verzeichnet die Stadt 504 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg. Der zerstörte Borbergturm wurde 1949/50 wieder aufgebaut. [1]
1954 richtete ein schweres Hochwasser des Rödelbachs große Schäden an. 1962 feierte Kirchberg ein großes Heimatfest und weihte die Freilichtbühne am Borberg ein. 1973 wurde Burkersdorf eingemeindet; zugleich endete der Eisenbahnbetrieb. Ab 1983 entstand das Plattenbaugebiet Kirchberg-West. Im Herbst 1989 demonstrierten Kirchberger Bürger vor der Kirche für Freiheit und Demokratie. [1]
Mit der deutschen Einheit wurde Kirchberg 1990 wieder Teil des Freistaates Sachsen. Im selben Jahr unterzeichnete die Stadt Partnerschaftsverträge mit Sendenhorst und Groß-Umstadt; 1991 kam die französische Stadt Houdain hinzu. Damit begann für Kirchberg nicht nur politisch und verwaltungsmäßig, sondern auch im kommunalen Austausch eine neue Epoche. Die Partnerschaft mit Sendenhorst wurde ausgerechnet am 3. Oktober 1990 besiegelt und ist deshalb besonders eng mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden. [1]
Die 1990er Jahre waren von tiefgreifendem Umbau geprägt. 1993 wurden eine neue Förderschule und der Stadtbrunnen auf dem Neumarkt in Betrieb genommen; zugleich fand das erste Altstadtfest statt. 1994 folgten das Kinderheim am Schießhausberg und das Christoph-Graupner-Gymnasium. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wuchs das Stadtgebiet erheblich: 1996 wurden Wolfersgrün und Leutersbach, 1997 Stangengrün und Saupersdorf und 1999 Cunersdorf eingegliedert. 1996 zog zudem das Krankenhaus in den Neubau im Ortsteil Burkersdorf um. 1998 wurde die katholische Pfarrkirche Maria Friedenskönigin am Neumarkt geweiht. [1]
Mit dem neuen Jahrtausend setzte sich der Stadtumbau fort. 2001 wurde das Stollensystem „Am Graben“ freigelegt. Im August 2002 traf Kirchberg erneut ein schweres Hochwasser des Rödelbachs und seiner Zuläufe – nach der Stadtchronik das schlimmste seit 1954. 2003 entstand die neue Sparkasse am Brühlplatz. Auf dem früheren Möplü-Gelände wurde 2004 ein Einkaufszentrum gebaut; zugleich erinnerte eine Stele an den verdienstvollen Bürgermeister Ferdinand Querner. 2005 ging die Stadt mit einer neuen Internetseite online. 2006 wurde der sanierte König-Albert-Turm wiedereröffnet, 2008 der Festsaal. 2009/10 verschwand mit dem Abriss der Heckel-Brauerei ein weiteres Stück alter Industriegeschichte; parallel wurde die Grundschule „Ernst Schneller“ saniert. [1]
2012 feierte Kirchberg mit großem Selbstbewusstsein seinen 800. Geburtstag. 2013 wurde mit Dorothee Obst erstmals eine Frau zur Bürgermeisterin der Stadt gewählt. Im selben Jahr richtete ein erneutes Hochwasser beträchtliche Schäden an. 2014 wurde die restaurierte Sonnenbrücke eingeweiht. 2015 erhielt Kirchberg das Zertifikat „Familiengerechte Kommune“; Stangengrün wurde im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ als Sachsens schönstes Dorf ausgezeichnet.
Einen sichtbaren Einschnitt brachte 2016 die Eröffnung der Ortsumgehungsstraße. Gleichzeitig begannen die Sanierungen von Altmarkt und Meisterhaus. 2018 waren beide großen Projekte weitgehend abgeschlossen; im Meisterhaus öffnete das Museum. 2019 wurde der historische Bergbaubereich „Hoher Forst“ Bestandteil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Damit erhielt ein jahrhundertealter Teil der regionalen Bergbaugeschichte internationale Anerkennung. [1]
2020 bestimmte die Corona-Pandemie auch das Leben in Kirchberg. Gleichzeitig liefen kommunale Projekte weiter: Der Hort der Grundschule wurde saniert, in Leutersbach entstand ein neuer Spielplatz und die „Wiener Spitze“ wurde abgerissen. 2021 folgten unter anderem die Sanierung von Bahnhof- und Malzhausstraße, der Abschluss der Hortsanierung sowie der Abriss des alten Klubhauses und der Kunstlederfabrik in Saupersdorf. 2022 wurde das Lebenshaus Stangengrün saniert. [1]
2023 erinnerte Kirchberg an ein besonderes Kapitel seiner Verkehrsgeschichte: 50 Jahre zuvor war die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Kirchberg stillgelegt worden. Zum Jubiläum wurde der Kirchberger Schmalspurbahnwanderweg eröffnet. 2024 kamen eine neue Dirt-Bike-Strecke, die erneuerte Brücke über den Rödelbach im Stadtzentrum und die neue Kirchberg-App hinzu. [1]
Die offizielle historische Chronik der Stadt führt derzeit Einträge bis 2024. Für 2025 dokumentieren die Veröffentlichungen der Stadt jedoch ein weiterhin reges öffentliches Leben: Am 14. Juni 2025 fand die 26. Kirchberg Classics statt – das große Oldtimertreffen ist längst zu einem festen Bestandteil der städtischen Festkultur geworden. Zugleich jährte sich die am 3. Oktober 1990 geschlossene Partnerschaft mit Sendenhorst zum 35. Mal. Kirchberg präsentierte sich 2025 damit als Stadt, die ihre historischen Traditionen pflegt und zugleich den seit 1990 begonnenen Wandel weiterführt. [18]
Die Friedliche Revolution von 1989 und die deutsche Einheit veränderten auch die kommunale Politik Kirchbergs grundlegend. Im Jahr 1990 amtierte Jürgen Hahn als Bürgermeister. In dieser Funktion unterzeichnete er am 3. Oktober 1990 gemeinsam mit dem Sendenhorster Bürgermeister Franz-Josef Reuscher den Partnerschaftsvertrag der beiden Städte. [2]
Von 1994 bis 2013 führte Wolfgang Becher die Stadt. Bei der Bürgermeisterwahl 2008 wurde er noch einmal deutlich bestätigt. Zur Wahl 2013 trat er aus Altersgründen nicht wieder an. Die Entscheidung fiel erst im zweiten Wahlgang: Dorothee Obst von den Freien Wählern setzte sich mit einem Vorsprung von lediglich 58 Stimmen gegen Rico Möckel (CDU) durch. Damit wurde sie die erste Bürgermeisterin in der Geschichte Kirchbergs. [1] [22]
Am 12. Januar 2020 wurde Dorothee Obst im Amt bestätigt. Von 2.101 gültigen Stimmen entfielen 1.956 Stimmen bzw. 93,1 Prozent auf sie. Die Wahlbeteiligung betrug 32,7 Prozent. [21]
Mit den freien Kommunalwahlen von 1990 begann auch im Kirchberger Rathaus die demokratische Neuordnung nach dem Ende der DDR. Seither wird der Stadtrat regelmäßig neu gewählt; die Wahlperioden 1994, 1999, 2004, 2009, 2014, 2019 und 2024 markieren den kommunalpolitischen Weg der Stadt seit der Wiedervereinigung.
Für die jüngere Entwicklung zeigen die amtlichen Ergebnisse einen deutlichen Wandel: 2009 und 2014 stellte die CDU jeweils 9 der 16 Stadträte. 2019 entfielen 9 Sitze auf die CDU, 5 auf die Freien Wähler und 2 auf DIE LINKE. 2024 verteilten sich die 16 Sitze auf CDU 5, AfD 5, BSW 3 und Freie Wähler 3. [21]
Von den ersten Kontakten 1990 zur gelebten Freundschaft
Die Geschichte begann noch vor der staatlichen Einheit. Ein Zeitungsbericht vom 5. Februar 1990 trägt die Überschrift „Kirchberg ist stark an Sendenhorst interessiert – Einladung für den ersten Besuch flatterte ins Haus“. Darin wird Dieter Seiler als derjenige genannt, der die Verbindung nach Kirchberg herstellte. Eine wichtige Rolle spielte dabei sein Cousin Klaus Neubert, der in Kirchberg lebte und zu Jahresbeginn Gast in Sendenhorst gewesen war. Neubert war selbständig und gehörte dem Kirchberger Stadtparlament an. [9]
In Sendenhorst wurde die Suche nach einer Partnerstadt in der damaligen DDR gemeinsam von SPD und FDP vorangetrieben. Kirchberg zeigte früh großes Interesse. Schon für Mitte Februar 1990 lag eine telefonische Einladung vor. Seiler fuhr selbst in die DDR und sammelte vor Ort Informationen über Stadt, Vereine, Schulen, Krankenhaus und wirtschaftliche Struktur. Später stimmte der Rat der Stadt Sendenhorst dem Abschluss einer Partnerschaft einstimmig zu. [9] [12]
Der Termin hätte symbolischer kaum sein können. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Einheit, fand im damaligen Kinosaal in Kirchberg eine Festsitzung der Stadtverordnetenversammlung statt. Stadtverordnetenvorsitzender Dr. Fellenberg begrüßte die Gäste aus Sendenhorst, an ihrer Spitze Bürgermeister Franz-Josef Reuscher und Stadtdirektor Heinrich Wiegard. Nach einem Beitrag des Männerchores sprach Kirchbergs Bürgermeister Jürgen Hahn über die Aufgaben, die mit Einheit und Freiheit nun vor den Kommunen lagen. [2]
Danach kam der entscheidende Moment: Jürgen Hahn für Kirchberg und Franz-Josef Reuscher für Sendenhorst unterzeichneten den Partnerschaftsvertrag; anschließend wurden die Urkunden ausgetauscht. Reuscher richtete danach sein Grußwort an die Kirchberger Bürger. Im Anschluss folgten zwanglose Begegnungen im Saal und im Foyer. Als dauerhaftes Zeichen dieses Tages wurde die „Sendenhorster Eiche“ gepflanzt. [2] [3]
In die Geschichte der frühen persönlichen Kontakte gehört auch Franz Keweloh (1922–2010). Er war jahrzehntelang eine prägende Persönlichkeit des Sendenhorster Schützenwesens und stand den St.-Martinus-Schützen rund 30 Jahre als Oberst vor; später war er Ehrenoberst. Gerade weil die Städtepartnerschaft sehr schnell von den Vereinen aufgenommen wurde, gehört Keweloh in diese Geschichte ausdrücklich hinein. [16]
Die Partnerschaft blieb nicht im Rathaus. Schon früh beteiligten sich Feuerwehren, Kirchen, Chöre, Sport- und Schützenvereine. Gerade diese regelmäßigen privaten und ehrenamtlichen Begegnungen machten aus dem politischen Vertrag eine belastbare Freundschaft. [12]
Die Feuerwehren von Kirchberg und Sendenhorst pflegen seit vielen Jahren einen besonders engen Kontakt. Ein Rückblick zur 30-jährigen Städtepartnerschaft spricht ausdrücklich von einer „sehr engen Freundschaft“ mit regelmäßigem jährlichem Austausch. Die Kirchberger Wehr wird auch als Partnerwehr der Feuerwehr Sendenhorst geführt. 2024 wurden die regen Kontakte zur Partnerstadt sogar in der Laudatio zur Bernhard-Kleinhans-Plakette für die Freiwillige Feuerwehr Sendenhorst ausdrücklich hervorgehoben. [12] [17]
Eine besonders sichtbare Vereinsfreundschaft entstand zwischen dem Schützenverein Rödelbachtal 1990 e.V. Kirchberg und dem Allgemeinen Schützenverein St. Martinus 1864 Sendenhorst. Rödelbachtal wurde am 30. Juni 1990 – also wenige Monate vor der Städtepartnerschaft – neu gegründet. Über Jahre folgten gegenseitige Besuche und Pokalwettkämpfe. 2016 pflanzten die Kirchberger Schützen im Sendenhorster Schützen- und Bürgerwald eine Eiche. Mit „Kumpeltot“ wurde darauf angestoßen, dass der Baum wachsen und gedeihen möge wie die Freundschaft. Die Rödelbachtaler Vereinsseite führt St. Martinus ausdrücklich unter ihren befreundeten Links und dokumentiert eigene Pokalwettkämpfe in Sendenhorst. [13] [14]
Zu den ungewöhnlichsten Zeugnissen der Städtepartnerschaft gehört eine kleine Sendenhorster Brandglocke. Der Zeitungsbericht vom 27. November 1997 beschreibt sie als etwa 130 Pfund schwere Gussstahlglocke. Nach den Erinnerungen älterer Gemeindemitglieder war sie zunächst als Brandglocke genutzt worden. Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Glocken von St. Martin abgeliefert worden waren, diente sie dort als Notglocke. Später kam sie zur evangelischen Kirchengemeinde Sendenhorst und hing zeitweise an deren Kirche. Nach Anschaffung eines eigenen evangelischen Geläuts stand die Glocke schließlich lange ungenutzt im Keller des katholischen Pfarrhauses. [11] [26]
1997/98 bekam die Glocke eine neue Aufgabe in der Partnerstadt. Für die neu entstehende katholische Kirche „Maria Königin des Friedens“ in Kirchberg wurde ein Geläut benötigt. Schmiedemeister Bernhard Münstermann überholte die alte Sendenhorster Glocke; Pfarrer Wilhelm Buddenkotte übergab sie Ende 1997 an die Kirchberger Delegation. Die neue Kirche wurde am 20. Juni 1998 durch Bischof Joachim Reinelt geweiht. Im kleinen Kirchturm rief fortan die ehemalige Sendenhorster Brandglocke zum Gottesdienst. Noch beim 25-jährigen Weihejubiläum 2023 erinnerte die Kirchberger Gemeinde ausdrücklich daran, dass ihre erste Glocke aus Sendenhorst stammte und eigentlich eine Brandglocke gewesen war. [11] [23] [24]
Rund zehn Jahre hing die Stahlglocke in Kirchberg. Zum zehnjährigen Kirchweihjubiläum erhielt die Gemeinde eine eigene Bronzeglocke. Sie wurde am 21. Mai 2008 bei Perner in Passau gegossen und am 22. Juni 2008 von Prälat Hellmut Puschmann geweiht. Damit hatte die alte Sendenhorster Glocke ihren Dienst in Kirchberg erfüllt. [23]
2009 kehrte sie nach Sendenhorst zurück. In der Woche nach Ostern war eine Gruppe Kirchberger Messdiener gemeinsam mit Bruder Vitus einige Tage in Sendenhorst zu Gast. Die Jugendlichen brachten dabei die alte Sendenhorster Brandglocke persönlich wieder mit in ihre Heimatstadt. [25]
Doch in Sendenhorst blieb sie nur kurze Zeit. Über Ulrich Tiedeken und den Freundeskreis Nyang’oma/Kenya erhielt sie 2010 noch einmal eine neue Bestimmung. Die Glocke wurde zur katholischen Missionsstation Nyang’oma am Victoriasee in Kenia gebracht. Das Bistum Dresden-Meißen berichtete im März 2010 über den bevorstehenden Weg der ehemaligen Kirchberger Glocke nach Afrika; die Sendenhorster Pfarrchronik vermerkt, dass sie dort ab April 2010 wieder zum Gottesdienst und zum Gebet rief. Die heutige Pfarrdarstellung von St. Martinus und Ludgerus zeigt die Pfarrkirche Nyang’oma ausdrücklich mit der gespendeten Glocke aus Sendenhorst. So wurde aus der alten Brand- und Notglocke ein besonderer Botschafter zwischen Sendenhorst, Kirchberg und Nyang’oma. [26] [27] [28]
Zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft 2020 reiste eine kommunalpolitische Delegation aus Sendenhorst nach Kirchberg. Mit dabei waren Ratsmitglieder, sachkundige Bürger und Bürgermeister Streffing. Als sachkundiger Bürger nahm auch Christian Hölscher teil, zugleich Vorsitzender des Heimatvereins Sendenhorst. Es handelte sich damit ausdrücklich nicht um eine Fahrt des Heimatvereins, sondern um einen offiziellen Besuch aus der Sendenhorster Kommunalpolitik zum Jubiläum der Städtepartnerschaft. [15]
2023 war die Sendenhorster Gruppe beim Kirchberger Altstadtfest wesentlich breiter aufgestellt: Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus verschiedenen Sendenhorster Vereinen. Darunter waren sechs Mitglieder des Heimatvereins Sendenhorst. Auch dieser Besuch zeigt, wie weit die Partnerschaft inzwischen über Rat und Verwaltung hinausgewachsen ist und von zahlreichen Vereinen und persönlichen Kontakten getragen wird. [8]
Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges
Der Borberg ist Kirchbergs bekanntester Berg und seit Jahrhunderten mit Erzählungen über eine alte Burg, einen Brunnen und verborgene Schätze verbunden. Am bekanntesten ist die Sage von den drei Jungfrauen vom Borberg. [6]
Die Sage – nacherzählt
Nach der Überlieferung stand auf dem Borberg einst die Burg eines vornehmen Sorben. Als der Burgherr in den Kampf zog, verbarg er seine Schätze in der Nähe des Burgbrunnens. Seine drei Töchter mussten ihm schwören, dem Glauben und den Bräuchen ihrer Vorfahren treu zu bleiben.
Der Vater kehrte nicht zurück, die Burg wurde zerstört. Die drei Schwestern blieben jedoch am Berg. Unter der neuen Herrschaft nahmen sie äußerlich den christlichen Glauben an, hielten aber heimlich an den alten Riten fest. Als dies bekannt wurde, sollen Mönche sie mit einem Bann belegt haben. Erlösung sollte ihnen erst zuteilwerden, wenn eine von ihnen ein christliches Kind küssen dürfe, das zur Taufe nach St. Margarethen getragen werde.
Viele Jahre später begegneten sie einem Köhler, der sein neugeborenes Kind zur Taufe brachte. Die beiden älteren Schwestern versuchten, ihn mit einem funkelnden Stein und einem Goldstück zu überzeugen. Der Vater lehnte ab. Erst die jüngste bat so herzlich und übergab einen Wickel Flachs als Taufgeschenk, dass er ihr das Kind anvertraute. Sie nahm es in den Arm und küsste es – der Bann war gebrochen.
In derselben Nacht zog ein gewaltiges Gewitter über den Borberg. Auf dem Heimweg erschienen die drei Jungfrauen dem Köhler noch einmal und boten ihm aus Dankbarkeit einen Schatz an. Aus Furcht schlug er das Angebot aus. Als er später seine Entscheidung bereute und zum Berg zurückkehrte, waren die Schwestern verschwunden.
Seitdem, so erzählt man, schlafen die drei Jungfrauen mit ihren Schätzen im Borberg. Zu besonderen Zeiten sollen sie am Brunnen erscheinen und Menschen, denen sie wohlgesonnen sind, Glück und Reichtum schenken. [7]
Sage, nicht Chronik: Die Erzählung von Burg, Schwestern, Bann und Schatz ist volkstümliche Überlieferung. Gerade die Verbindung realer Landschaft mit Fantasie und Erinnerung hat dafür gesorgt, dass die Borbergsage bis heute zu Kirchberg gehört.
[1] Stadt Kirchberg: Chronik – Aus der Geschichte Kirchbergs. Quelle öffnen ↗
[2] Stadt Sendenhorst: Unsere Partnerstadt Kirchberg, mit Wiedergabe der Festsitzung vom 3. Oktober 1990. Quelle öffnen ↗
[3] Stadt Kirchberg: Städtepartnerschaften / Partnerschaft Sendenhorst. Quelle öffnen ↗
[4] Heimatverein Sendenhorst: Auf nach Kirchberg – Partnerstadt von Sendenhorst seit 27 Jahren, 2018. Quelle öffnen ↗
[6] Stadt Kirchberg: König-Albert-Turm / Borberg. Quelle öffnen ↗
[7] Sagenpfade: Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges bei Kirchberg, nach erzgebirgischer Überlieferung. Quelle öffnen ↗
[8] Heimatverein Sendenhorst: Presse-Archiv 2023, Auf in die Partnerstadt – Sendenhorster besuchen Kirchberger Freunde. Quelle öffnen ↗
[9] Zeitungsarchiv / vom Nutzer bereitgestellter Originalausschnitt: „Kirchberg ist stark an Sendenhorst interessiert – Einladung für den ersten Besuch flatterte ins Haus“, Montag, 5. Februar 1990.
[10] Zeitungsarchiv / vom Nutzer bereitgestellter Originalausschnitt: „3. Oktober: Auf nach Kirchberg – Städtepartnerschaft: Urkundenaustausch“, 1990.
[11] Zeitungsarchiv / vom Nutzer bereitgestellter Originalausschnitt: „Sendenhorster Glocke ist nach Kirchberg umgezogen“, 27. November 1997.
[12] TÖFTE Regionsmagazin, September 2020: Partnerstadt Kirchberg – Die Stadt der sieben Hügel; Rückblick auf Entstehung der Partnerschaft und enge Feuerwehrkontakte.
[13] Schützenverein Rödelbachtal 1990 e.V.: Vereinsgeschichte, Pokalwettkämpfe und Links. Quelle öffnen ↗
[14] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus Sendenhorst: Bericht über Besuch der Rödelbachtaler und Übergabe ihrer Eiche im Schützen- und Bürgerwald, 2016. Quelle öffnen ↗
[15] Heimatverein Sendenhorst / Presse-Archiv: Rückblick auf das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft und den Sendenhorster Besuch in Kirchberg 2020. Quelle öffnen ↗
[16] St.-Martinus-Schützen / regionale Quellen zu Franz Keweloh: langjähriger Oberst und später Ehrenoberst der Sendenhorster Schützen. Quelle öffnen ↗
[17] Woche der Brüderlichkeit Sendenhorst: Laudatio zur Bernhard-Kleinhans-Plakette 2024 für die Freiwillige Feuerwehr Sendenhorst; darin ausdrücklich genannt: die regen Kontakte zur Partnerstadt Kirchberg. Quelle öffnen ↗
[18] Stadt Kirchberg: städtische Chronik bis 2024 sowie Informationen zur 26. Kirchberg Classics am 14. Juni 2025. Quelle öffnen ↗
[19] Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 30020: Amt Wiesenburg – Geschichte der Herrschaft, Zugehörigkeit Kirchbergs und Wechsel der Landesherren vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Quelle öffnen ↗
[20] Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde / kirchengeschichtlicher Überblick: Stadtkirche St. Margarethen Kirchberg – mittelalterlicher Kirchenbau, Hussiteneinfall 1429, Reformation 1522 mit Lorenz Pöhler und Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg. Quelle öffnen ↗
[21] Stadt Kirchberg: Wahlen – amtliche Ergebnisse der jüngeren Bürgermeister- und Stadtratswahlen, darunter 2009, 2014, 2019, 2020 und 2024. Quelle öffnen ↗
[22] Radio Dresden, 27. Januar 2013: Dorothee Obst gewinnt Wahlkrimi in Kirchberg – Wahl im zweiten Wahlgang, 58 Stimmen Vorsprung; Wolfgang Becher war seit 1994 Bürgermeister und trat 2013 aus Altersgründen nicht wieder an. Quelle öffnen ↗
[23] Röm.-kath. Pfarrei Heilige Familie Zwickau: Kirche Maria Königin des Friedens, Kirchberg – Kirchweihe am 20. Juni 1998; Guss der neuen Bronzeglocke am 21. Mai 2008 bei Perner in Passau und Weihe am 22. Juni 2008. Quelle öffnen ↗
[24] Pfarrei Heilige Familie Zwickau, Pfarrbrief unterwegs, Pfingsten 2023: Rückblick zum 25-jährigen Weihejubiläum in Kirchberg; die erste Glocke aus Sendenhorst wird ausdrücklich als ehemalige Brandglocke bezeichnet. Quelle öffnen ↗
[25] Pfarrgemeinde St. Martinus und Ludgerus: Gemeindechronik des Jahres 2009 – Besuch der Kirchberger Messdiener in der Woche nach Ostern und Rückgabe der alten Sendenhorster Brandglocke. Quelle öffnen ↗
[26] Pfarrgemeinde St. Martinus und Ludgerus: Chronik des Jahres 2010 – Stationen St. Martin, evangelische Pfarrgemeinde, rund zehn Jahre Kirchberg sowie Weitergabe durch Ulrich Tiedeken und den Freundeskreis Nyang’oma nach Kenia. Quelle öffnen ↗
[27] Bistum Dresden-Meißen, Archiv 2010: Kirchberger Glocke läutet bald in Afrika – Weitergabe der ehemaligen Kirchberger Brandglocke an die katholische Missionsstation am Victoriasee. Quelle öffnen ↗
[28] Pfarrgemeinde St. Martinus und Ludgerus / Freundeskreis Nyang’oma: Weltkirche – Dokumentation der Pfarrkirche Nyang’oma mit der gespendeten Glocke aus Sendenhorst. Quelle öffnen ↗