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Brände und Feuerwehr in Sendenhorst

Sendenhorst wurde wiederholt durch Feuer verändert. Einige Brände entstanden im Alltag der eng bebauten Fachwerkstadt, andere standen im unmittelbaren Zusammenhang mit Krieg. Der Bericht verbindet die großen Stadtbrände mit Wiederaufbau, Brandversicherung, Feuerpolizei und der Entwicklung von der verpflichteten Bürgerschaft zur Freiwilligen Feuerwehr.

1. Warum Sendenhorst so leicht Feuer fing

Das vormoderne Sendenhorst war eine kleine, dicht bebaute Stadt innerhalb von Wall und Graben. Wohnhaus, Werkstatt, Stall und Scheune lagen eng beieinander. Fachwerk, hölzerne Decken, Treppen und Giebel bestimmten das Bild. Auf vielen Dächern lag Stroh; auf Böden und in Nebengebäuden lagerten Heu, Flachs, Brennholz und Teile der Ernte. Eine einzelne offene Flamme konnte daher nicht nur ein Haus, sondern innerhalb kurzer Zeit einen ganzen Straßenzug erfassen. [1]; [2]; [8]

Feuer war alltäglich. Gekocht, gebacken und geheizt wurde mit offenem Feuer. Handwerker wie Schmiede, Bäcker, Brauer oder Färber arbeiteten mit Hitze, Glut und leicht brennbaren Stoffen. Kerzen, Kienspäne und Öllampen sorgten für Licht. Schornsteine waren nicht überall massiv, Funkenflug blieb schwer beherrschbar. Trockenheit und Wind verwandelten den dicht bebauten Stadtkern in eine zusammenhängende Brandlast. [1]; [9]

Die Löschmöglichkeiten waren begrenzt. Wasser musste aus Brunnen, Pumpen, Gräben oder Vorratsbehältern herangeschafft werden. Eimerketten benötigten viele Menschen; lederne Feuereimer mussten vorhanden, dicht und erreichbar sein. Feuerhaken und Leitern dienten nicht nur zur Rettung, sondern auch zum Einreißen brennender Bauteile. Dabei entschieden Minuten, doch Alarmierung, Pferdegespanne und Geräte waren nicht ständig einsatzbereit. [5]; [9]

Eine Brandordnung war deshalb immer auch eine Ordnung der Bürgerschaft. Wer bei Alarm wo erscheinen, wer Pferde stellen, wer Wasser fahren, retten, pumpen oder gefährdete Nachbarhäuser bewachen sollte, musste vorher festgelegt werden. Das HGF-Material zeigt, dass die Brandvorsorge lange vor der Vereinsgründung von 1885 eine kommunale Pflicht war. Die spätere Freiwillige Feuerwehr entstand nicht aus dem Nichts, sondern aus Jahrhunderten organisierter Nachbarschaftshilfe. [8]; [9]

Wie langsam die bauliche Gefahr zurückging, zeigt die Fascies-Zeittafel: Noch 1771 werden 127 Wohnhäuser und 58 Nebengebäude mit Strohdach genannt. Selbst nach mehreren Großbränden blieb die billigere Deckung wirtschaftlich attraktiv. Ein Verbot allein konnte das Problem nicht lösen, solange Eigentümer die Kosten eines Ziegeldaches nicht tragen konnten und geeignete Dachstühle fehlten. Brandschutz war damit eng mit Armut, Kredit, Baustoffversorgung und Versicherung verbunden. [8]; [9]

Das Alarmieren war selbst ein Problem. Glocken mussten hörbar und ihre Signale allgemein bekannt sein; Boten mussten den Brandort melden, damit Helfer nicht in die falsche Richtung liefen. Nachts verzögerten Dunkelheit, verschlossene Häuser und das Anschirren der Pferde den Einsatz. Bei Sturm konnten brennende Schindeln, Strohhalme und Glutstücke weit über die eigentliche Brandstelle getragen werden. [9]

Brandvorsorge griff tief in den Haushalt ein. Ein Leder- oder Löscheimer kostete Geld, musste gepflegt und an einem erreichbaren Ort aufbewahrt werden. Dach, Schornstein und Feuerstätte waren Privatbesitz, ihre Mängel gefährdeten aber die ganze Stadt. Deshalb entwickelte sich Feuerpolizei früher als viele andere Bereiche kommunaler Gefahrenabwehr. [5]; [9]

 

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2. 1323: Zerstörung im Krieg

Der früheste große Zerstörungsfall gehört nicht in die Geschichte zufälliger Hausbrände, sondern in die politische Geschichte des Mittelalters. 1323 geriet Sendenhorst in den Konflikt zwischen dem Bischof von Münster und Graf Engelbert II. von der Mark. Die örtliche Überlieferung fasst das Ergebnis mit der lateinischen Formel zusammen, der befestigte Ort Sendenhorst sei verbrannt worden: „et sic oppidum Sendenhorst fuit combustum“. [2]; [8]

Damit ist 1323 der deutlichste Fall einer unmittelbar kriegsbedingten Zerstörung der Stadt. Feuer war ein Mittel der Kriegführung: Befestigte Orte konnten angegriffen, geplündert und anschließend niedergebrannt werden, um ihre wirtschaftliche und militärische Funktion zu brechen. Für eine kleine Stadt bedeutete dies zugleich die Vernichtung von Wohnraum, Vorräten, Werkstätten und Abgabenbasis. Der Schaden traf nicht nur Gebäude, sondern die gesamte städtische Ordnung. [4]; [8]

Die Quellen erlauben keine moderne Schadensstatistik. Weder eine Zahl zerstörter Häuser noch eine vollständige Liste der Betroffenen ist erhalten. Sicher ist der politische Zusammenhang; unklar bleibt, wie vollständig die Bebauung erfasst wurde und welche Teile stehen blieben. Die Zerstörungsliste dieses Berichts führt 1323 daher als „kriegsbedingt, Umfang nicht bezifferbar“ und nicht als gewöhnlichen Stadtbrand. [8]

Der Ausgleich vom 13. November 1323 zwischen dem Bischof und den märkischen Grafen bildet den politischen Nachhall. Schon dieser frühe Fall zeigt das Muster späterer Katastrophen: Auf die unmittelbare Gewalt folgten Verhandlungen, Rechtsfragen und Wiederaufbau. Sendenhorst musste seine Funktion als Stadt erneut herstellen, lange bevor es eine Brandversicherung oder organisierte Feuerwehr gab. [2]; [8]

Bei einer mittelalterlichen Niederbrennung verschwanden häufig auch Schriftstücke, Abgabenverzeichnisse und private Rechtsnachweise. Gerade weil Sendenhorst kurz zuvor als städtischer Ort hervortrat, konnte die Zerstörung die Entwicklung von Verwaltung und Markt erheblich zurückwerfen. Der Quellenverlust erklärt zugleich, warum Einzelheiten des Jahres 1323 so schwer greifbar sind.

Der Vorgang gehört in die Brandgeschichte, obwohl kein Unfall vorlag: Für die Bewohner unterschied sich die unmittelbare Erfahrung kaum – Rauch, Flucht, Verlust und Obdachlosigkeit. Historisch entscheidend ist jedoch die Ursache. Deshalb steht 1323 in der Liste zugleich unter „Brand“ und „Kriegszerstörung“.

 

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3. 1529: Die Stadt brennt in zwei Stunden nieder

Am 23. Oktober 1529 traf Sendenhorst eine der schwersten überlieferten Brandkatastrophen. Innerhalb von ungefähr zwei Stunden brannte die Stadt weithin nieder. Nur einzelne Häuser im Süden und Westen sollen verschont geblieben sein. Auch der Kirchturm mit seinen fünf Glocken wurde ein Opfer des Feuers. Die kurze Zeitspanne macht anschaulich, wie rasch sich ein Brand in der eng gebauten Stadt ausbreiten konnte. [1]; [2]; [8]

Eine gesicherte Kriegsursache ist für 1529 nicht belegt. Der Brand steht zeitlich zwar in einer unruhigen Epoche, doch die Quellen nennen keine angreifende Truppe als Auslöser. Deshalb wird er in der Zerstörungsliste als Großbrand unbekannter Ursache geführt. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Eine zeitliche Nähe zu Konflikten darf nicht automatisch zur Kriegserklärung des Brandes werden. [8]; [9]

Die Folgen reichten weit über den Verlust der Häuser hinaus. Werkzeuge, Saatgut, Vorräte, Urkunden und persönliche Habe gingen in den Flammen verloren. Für Handwerker fiel zugleich die Produktionsstätte aus, für Händler Lager und Warenbestand, für Familien Wohnraum und Wintervorrat. Der beschädigte Kirchturm betraf außerdem das Alarm- und Zeitzeichen der gesamten Stadt; Glocken waren religiöse, soziale und sicherheitsbezogene Infrastruktur. [1]; [8]

Der Wiederaufbau musste unter vormodernen Bedingungen erfolgen. Holz, Lehm, Stroh oder Ziegel mussten beschafft, Grundstücksgrenzen geklärt und Arbeitskräfte mobilisiert werden. Wer über Verwandtschaft, Kredit oder Vorräte verfügte, konnte schneller neu beginnen. Arme Haushalte waren stärker auf kirchliche Hilfe, Stundung und Nachbarschaft angewiesen. Ein Stadtbrand verschärfte deshalb bestehende soziale Unterschiede. [3]; [8]

Die Erinnerung an 1529 blieb Teil der örtlichen Brandchronik. Ihre knappe Form verführt zu einem Blick nur auf die spektakulären zwei Stunden. Historisch wichtiger ist jedoch die lange Nachwirkung: Der Brand zerstörte nicht nur Häuser, sondern unterbrach Erwerbsbiografien, belastete die Armenfürsorge und prägte die Erfahrung, dass eine Stadt mehrfach neu gebaut werden musste. [1]; [3]

Dass einige Häuser im Süden und Westen verschont blieben, kann mit Windrichtung, Bauabständen oder schnellerem Eingreifen zusammenhängen; die Quellen erklären es nicht. Die erhaltene räumliche Angabe ist dennoch wertvoll, weil sie das Feuer nicht nur als Zahl, sondern als Bewegung durch den Stadtraum erkennen lässt. [8]

Der Verlust der Glocken hatte eine besondere Bedeutung. Glocken strukturierten Gottesdienst, Arbeitstag und Gefahrensignale. Neue Glocken zu beschaffen erforderte Metall, Gießer, Transport und Geld. Kirchlicher Wiederaufbau band deshalb Ressourcen, die gleichzeitig für private Häuser und öffentliche Aufgaben gebraucht wurden. [1]; [8]

 

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4. Krieg, Plünderung und Feuer im 17. Jahrhundert

Der Dreißigjährige Krieg traf Sendenhorst als Folge von Durchzügen, Einquartierungen, Plünderungen, Abgaben, Seuchen und allgemeiner Unsicherheit. Für den 27. Oktober 1637 verzeichnet die örtliche Chronik eine Plünderung durch hessische Soldaten; ein kaiserlicher Oberst soll ihnen die Beute wieder abgenommen haben. Das ist unmittelbare Kriegsgewalt, aber noch kein Beleg für einen Stadtbrand. [2]; [8]

Kurz darauf wird eine schwere Feuersbrunst überliefert. Die Datierung schwankt zwischen 1638 und 1639, die Schadenszahlen zwischen 60 von insgesamt 150 Häusern und etwa 80 Häusern. Auch der Wochentag vor Martini erscheint in der lokalen Überlieferung. Diese Abweichungen sind kein nebensächliches Detail: Sie zeigen, dass spätere Chroniken verschiedene Vorlagen zusammenzogen oder unterschiedlich rundeten. [1]; [2]; [8]

Der Brand fiel in die Kriegszeit, doch eine unmittelbare militärische Brandlegung ist nach den bislang geprüften Belegen nicht gesichert. Der Krieg erhöhte allerdings das Risiko: Soldaten und Pferde lagen in Quartieren, Vorräte wurden verdichtet gelagert, Feuerstellen stärker genutzt, Aufsicht und Verwaltung geschwächt. Ebenso erschwerten Plünderung, Armut und Seuche die Brandbekämpfung und den Wiederaufbau. Der korrekte Befund lautet daher: Brand im Kriegskontext, Ursache offen. [8]

Im Dezember 1650 brannte Sendenhorst erneut. Ein zeitnahes Bittschreiben der Stadt vom 21. Februar 1651 nennt als Brandtag Donnerstag, den 29. Dezember 1650. Auf der Südstraße seien 50 Häuser samt Rathaus abgebrannt. Diese Quelle ist für Datum und Mindestumfang stärker zu gewichten als spätere Zeittafeln, die den 18. Dezember und 52 Häuser nennen. [10]

Die Stadt war durch die vorausgegangenen Kriegsjahrzehnte wirtschaftlich geschwächt. Der Verlust des Rathauses traf Verwaltung, Schriftgut und öffentliche Funktionen. Noch 1682 bat Sendenhorst den Landesherrn um Steuererlass oder Steuerermäßigung wegen des Brandes von 1650. Mehr als drei Jahrzehnte später war die Katastrophe also noch ein Argument für fehlende Leistungsfähigkeit. [8]

1666 folgte ein weiterer Brand, dem 18 Häuser zugeschrieben werden. Als Ursache nennt die örtliche Überlieferung einen Blitzschlag in ein Haus. Damit unterscheidet sich dieser Fall von der kriegsgeprägten Zerstörung: Naturereignis, brennbare Bauweise und enge Bebauung verbanden sich zu einer lokalen Katastrophe. Die Abfolge 1638/39, 1650 und 1666 ließ kaum eine Generation ohne einschneidende Branderfahrung. [1]; [2]

Einquartierungen erhöhten die Zahl der Feuerstellen und den Verbrauch an Brennmaterial. Soldaten kannten die Häuser nicht, Bewohner verloren Kontrolle über Räume und Vorräte. Selbst ohne absichtliche Brandlegung wuchs das Risiko. Bei Alarm war eine durch Krankheit, Flucht und Plünderung geschwächte Bürgerschaft weniger in der Lage, Eimerketten und Rettung zu organisieren.

Der Antrag auf Steuererleichterung von 1682 ist ein wichtiger Langzeitbeleg. Er zeigt nicht zwangsläufig, dass jede Brandruine noch sichtbar war; er zeigt aber, dass die Stadt ihre geminderte Steuerkraft weiterhin mit dem Brand von 1650 begründete. Katastrophen wirkten in den Haushaltsbüchern länger fort als im Stadtbild. [8]

 

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5. Die Brandserie des 18. Jahrhunderts

Auch nach dem Ende der großen Kriegszeit blieb Feuer eine ständige Bedrohung. 1746 brannte das Haus des Schmieds Hermann Bering. Der Beruf verweist auf eine typische Gefahrenstelle: Glut, Funken und Brennmaterial lagen nahe beieinander. Einzelbrände waren für die Betroffenen existenzvernichtend und zugleich Warnzeichen für die Nachbarschaft. [1]; [8]

Am 19. September 1749 erfasste eine größere Feuersbrunst die Stadt. Die Überlieferung nennt zahlreiche Geschädigte und zeigt, dass Hilfe, Wiederaufbau und Schuldenregulierung über Jahre nachwirkten. Ein HGF-Regest vom 13. November 1750 berichtet etwa, dass die Witwe Boickhorst durch eine heftige Feuersbrunst ihre Häuser verloren hatte. Hinter Sammelzahlen standen einzelne Haushalte, Witwen, Kinder und Betriebe. [6]; [8]

Für den folgenden Großbrand nennt die ausführliche Brandchronik den 17. April 1751 und 67 abgebrannte Häuser. Andere Zusammenstellungen setzen abweichende Daten oder vermischen Hilfsvorgänge mit dem Brandjahr. Der Bericht übernimmt deshalb die 67 Häuser nur mit Quellenhinweis. Eine exakte Opferliste müsste aus den einschlägigen Originalakten, Steuerlisten und Versicherungsunterlagen rekonstruiert werden. [1]; [3]; [8]

Auch das Armenhaus wurde zerstört. Die Armenprovisoren nahmen für den Wiederaufbau ein Darlehen von 300 Reichstalern auf. Damit traf der Brand ausgerechnet jene Einrichtung, die nach der Katastrophe besonders gebraucht wurde. Öffentliche Hilfe musste also gleichzeitig mehr Menschen versorgen und ihre eigene Infrastruktur neu finanzieren. [3]; [8]

Im April 1764 gingen nach einer Aufstellung 17 Häuser oder Haushalte in Flammen auf; eine erzählende Zusammenfassung rundet auf ungefähr 20 Gebäude. Die Differenz kann daraus entstehen, dass einmal Haushalte, ein anderes Mal Haupt- und Nebengebäude gezählt wurden. Solche Zählprobleme ziehen sich durch die gesamte Brandgeschichte. [6]; [8]

Die Serie förderte den Gedanken, Schäden gemeinschaftlich abzusichern. Das Häuserverzeichnis von 1768 steht im Zusammenhang mit der Brandversicherung und machte Gebäude, Eigentümer und Werte systematisch erfassbar. Versicherung verhinderte keinen Brand, aber sie veränderte den Wiederaufbau: Aus reiner Bitt- und Almosenhilfe entstand schrittweise ein kalkulierbarer Entschädigungsanspruch. [3]; [8]

Wiederaufbau konnte Grundstücke, Schulden und Nachbarschaft neu ordnen. Wer ein abgebranntes Haus nicht finanzieren konnte, musste verkaufen, kleiner bauen oder den Ort verlassen. Wohlhabendere Eigentümer konnten Grundstücke hinzuerwerben. Hinter der baulichen Erneuerung stand daher oft eine soziale Verschiebung, die nur durch kombinierte Haus-, Steuer- und Gerichtsakten sichtbar würde.

Bittschriften schilderten Not nicht neutral; sie sollten Hilfe auslösen. Sie betonten vollständigen Verlust, Armut und Unverschuldetheit. Das macht sie nicht unglaubwürdig, verlangt aber Vergleich mit Schadenslisten, Rechnungen und späteren Wiederaufbauakten. [3]; [6]

 

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6. 1806: Der große Stadtbrand

Am 29. April 1806 brach gegen 14 Uhr der verheerendste neuzeitliche Stadtbrand Sendenhorsts aus. Spätere örtliche Darstellungen verorten den Ausgang in einem strohgedeckten Fachwerkhaus. Der unmittelbare Verwaltungsbericht erklärt die Ursache jedoch ausdrücklich für unbekannt. Für eine belastbare Darstellung ist diese zeitnahe Aussage maßgeblich: Ausgangsort und Ursache dürfen nicht ohne Vorbehalt gleichgesetzt werden. [1]; [9]

Sendenhorst zählte damals etwa 280 Häuser und 1.294 Einwohner. Der Verwaltungsbericht nennt 131 vollständig zerstörte Privathäuser mit Nebengebäuden; zwölf weitere seien weitgehend zerstört worden. Spätere Chroniken sprechen von 154 Wohnhäusern oder von 126 Häusern nach drei Stunden. Diese Zahlen widersprechen einander nicht zwingend, weil Hauptgebäude, Nebengebäude und verschiedene Schadensgrade unterschiedlich gezählt wurden. [8]; [9]

Rathaus, Pfarrhaus, Schulgebäude und der Turm der alten romanischen Kirche brannten. Vier Glocken gingen verloren. Nur die Südstraße und ein Teil der Oststraße blieben weitgehend verschont. Der Brand vernichtete damit nicht bloß privaten Wohnraum, sondern fast alle zentralen Einrichtungen der Stadt. Verwaltung, Unterricht, Seelsorge, Alarmierung und öffentliche Ordnung mussten in einer Notlandschaft weiterarbeiten. [1]; [2]; [9]

Der Gebäudewert wurde auf 111.378 Reichstaler beziffert. Nach erwarteter Versicherungsleistung verblieben 34.871 Taler ungedeckter Gebäudeschaden; hinzu kamen bewegliche Güter, Vorräte, Werkzeuge und Einkommensausfälle. Solche Summen zeigen die Dimension, erfassen aber nicht den gesamten Verlust. Nicht versicherte Habe und verlorene Arbeitsmöglichkeiten trafen ärmere Haushalte besonders hart. [9]

Auch die Armenfürsorge litt. Ein Eintrag von 1810 berichtet, das regelmäßige Umtragen der Armenbüchse sei nach dem Brand unterblieben; die Armenkasse habe dadurch Einnahmen verloren. Katastrophen steigerten also gleichzeitig den Hilfebedarf und schwächten die Finanzierungswege. Die Stadt musste Wohnraum, öffentliche Gebäude und soziale Unterstützung parallel organisieren. [9]

Der Wiederaufbau wurde zur städtebaulichen Zäsur. Straßen konnten breiter geführt, Brandgassen und Freiflächen vergrößert werden. Der freie Marktplatz im Zentrum entstand in seiner späteren Form als Folge des Brandes. Sendenhorsts heutiger Stadtgrundriss bewahrt damit eine sichtbare Spur der Katastrophe von 1806. [1]; [4]

Für 1806 gilt im Bericht als Leitzahl: 131 Privathäuser völlig und zwölf weitgehend zerstört. Die häufig genannte Zahl 154 bleibt als spätere Sammelangabe kenntlich.

Die Katastrophe traf Sendenhorst in einer politischen Umbruchzeit. 1806 begann zugleich die napoleonische Epoche im Münsterland. Wechselnde Verwaltungen, Kriegsabgaben und unsichere Finanzen erschwerten einen Wiederaufbau, der ohnehin die Kräfte der kleinen Stadt überstieg. [8]

Viele Einwohner mussten zunächst bei Verwandten, Nachbarn oder im Umland unterkommen. Nahrung, Kleidung und Hausrat wurden zu dringenden Hilfsgütern. Die Versicherungszahlung deckte nur einen Teil des Gebäudewerts, persönliche Habe war vielfach gar nicht erfasst. Aus einem Brandtag entstand eine mehrjährige Wohnungs-, Kredit- und Versorgungskrise. [9]

 

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7. Wiederaufbau, Stadtbild und Brandversicherung

Nach 1806 ging es nicht nur um möglichst schnellen Ersatz, sondern um eine weniger gefährliche Stadt. Breitere Straßen und freie Plätze sollten Funkenflug, Wärmestrahlung und das Überspringen der Flammen erschweren. Zugleich mussten Spritzen, Leitern und Wasserwagen besser an die Brandstellen gelangen. Städtebau wurde damit zu vorbeugendem Brandschutz. [1]; [4]; [9]

Die Beseitigung der Strohdächer blieb ein Langzeitprojekt. Bereits die Feuerpolizeiberichte von 1804 erklärten, alte Dachstühle seien nicht ohne Weiteres für Ziegel geeignet. Nach 1817 wurde erneut über die „Ausrottung“ der Strohdächer gesprochen. Zwischen Absicht und Umsetzung lagen Kosten, Material, Handwerkerkapazität und die Zahlungsfähigkeit der Hauseigentümer. [9]

Versicherung und Brandentschädigung veränderten den Umgang mit Verlusten. Das Kreisarchiv-Findbuch verzeichnet Akten zur Feuer-Sozietät, zu Brandentschädigungen und zur Regulierung nach Bränden. Die Akten dokumentieren nicht nur Geldsummen, sondern Bewertungen: Was war tatsächlich zerstört, wie hoch war der Wert, lag Fahrlässigkeit vor, und wer hatte Anspruch auf Ersatz? [5]

Kleinere Brände des 19. Jahrhunderts zeigen diese Verwaltungsroutine. Für 1827 ist eine Entschädigung nach dem Brand des Hauses Behring verzeichnet, 1832 ein Fall Laumann genannt Wahlkämper. Die einzelne Katastrophe wurde zunehmend zu einem geregelten Vorgang aus Untersuchung, Taxierung, Auszahlung und Wiederaufbauauflagen. [5]; [8]

Feuerschauen und Schornsteinfegerwesen ergänzten die Versicherung. Das Findbuch weist Akten zur Feuerpolizei ab 1828, zu Feuervisitationen 1832 und zum Schornsteinfegerwesen 1867–1923 aus. Vorbeugung wurde damit überprüfbar: Feuerstätten, Kamine, Geräte und Zugänge konnten kontrolliert und Mängel beanstandet werden. [5]

Der Wandel blieb unvollständig. Noch lange standen alte Fachwerkhäuser, Ställe und Gewerbe dicht zusammen. Brandschutz war kein einmaliger Modernisierungsschub, sondern ein Aushandlungsprozess zwischen Sicherheit, Eigentumsrechten und Kosten. Gerade deshalb lohnt der Blick in die Verwaltungsakten: Sie zeigen die alltäglichen Konflikte hinter dem später selbstverständlichen Schutzsystem. [5]; [12]

Der neue Marktplatz war nicht bloß Verschönerung. Eine größere freie Fläche bot Sammelraum, Zugang für Löschgeräte und Abstand zwischen Gebäudeblöcken. Ähnliche Überlegungen standen hinter der Freihaltung von Wegen zu Pumpen und Gerätehäusern. Der Wiederaufbau verband Repräsentation mit Sicherheit. [1]; [4]

Branduntersuchungen fragten zunehmend nach Verantwortung. War eine Feuerstätte mangelhaft, wurde fahrlässig gearbeitet, war ein Kamin nicht gereinigt? Die Antwort konnte Entschädigung und Strafe beeinflussen. Damit wandelte sich Feuer von einem überwiegend als Schicksal wahrgenommenen Unglück zu einem verwalteten Risiko. [5]

 

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8. Von Brandpumpe und Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr

Brandpumpe, Schlüssel und Probe

Die HGF-Zusammenstellung setzt die institutionelle Feuerwehrgeschichte bereits 1787 an: Am Gerichtstag sollte die Brandpumpe ausprobiert werden. 1793 verpflichtete die Rathausverpachtung den Pächter, die Schlüssel zum kleinen Brandpumpenhaus so aufzubewahren, dass sie bei einem Unglück sofort bereitlagen. Geräte nützten nur, wenn Zugang und Bedienung geregelt waren. [9], PDF-S. 913

1804 legte der Richter Vorschläge zur Verbesserung der Feuerpolizei vor. Die große Glocke sollte alarmieren, eingeteilte Personen mussten bestimmte Posten besetzen, und wegen des Flugfeuers durften auch scheinbar ungefährdete Häuser nicht unbewacht bleiben. Pferde sollten bei Gewitter und Brandgefahr rasch angeschirrt werden. Besonders modern wirkt die Forderung nach regelmäßigen Übungen im Frühjahr oder Herbst. [9], PDF-S. 913–914

Für Übungen war sogar eine kontrolliert entzündete Stroh- oder Reisighütte auf freiem Platz vorgesehen. Die Beteiligten sollten unter realistischen Bedingungen lernen, wie Alarm, Wassertransport, Pumpen und Rettung ineinandergreifen. Wer eingeteilt war und nicht erschien, musste mit Strafe rechnen. Feuerwehr war damit zunächst Pflichtdienst, nicht Vereinsleben. [9]

Am 23. Dezember 1804 beantragte Receptor Langen eine eigene Feuerspritze für das Kirchspiel. Finanziert werden sollte sie durch den Verkauf alter Weidenbäume auf dem Hof Schürmann; neue Bäume sollten nachgepflanzt werden. Die Spritze sollte größere Räder erhalten, damit sie über Land transportiert werden konnte, ohne zuvor auf einen Wagen geladen zu werden. [9], PDF-S. 914

Eine Bestandsaufnahme vom 12. Januar 1805 nennt zwei metallene Feuerspritzen, 130 Feuereimer, acht Leitern, sechs große und 196 kleine Feuerhaken bei Privatleuten. Für die Stadt galt diese Ausstattung als ausreichend; das Kirchspiel benötigte wegen der Wege und Transportprobleme eine eigene fahrbare Spritze. Stadt und Land hatten denselben Alarm, aber andere logistische Bedingungen. [9]

Spritzenhaus und Gerätepflege ab 1817

1817 berichtete Langen erneut über Löschanstalten und Geräte. Es fehlte ein Schlauch; zusätzliche Eimer und eine weitere Spritze für das Kirchspiel wurden diskutiert. Ein neues Gebäude sollte die Pumpen trocken, zugänglich und geschützt aufnehmen. Der Landrat hielt zunächst einen nicht ausgebauten Teil des Rathauses für ausreichend und empfahl, jeden Hauseigentümer zu einem eigenen ledernen Eimer zu bewegen. [9], PDF-S. 915

Langen widersprach: Im vorgesehenen Rathausraum standen Pferde der Gendarmerie und ihre Futterkrippen, die Spritzen waren Staub und Schmutz ausgesetzt. Schließlich wurde ein Spritzenhaus neben dem Rathaus genehmigt. Der Kostenanschlag von 1818 beschreibt ein etwa 10,7 mal 4,6 Meter großes Gebäude mit Pultdach. Die Akten machen aus dem abstrakten Brandschutz eine konkrete Frage von Standort, Baukosten und Zugriff. [9], PDF-S. 915–916

Auch die Gerätepflege ist ungewöhnlich anschaulich überliefert. 1832 rechnete der Schuster Stammkötter das Reinigen und Schmieren der Spritzen, zwei Maß Tran und die Reparatur von sieben ledernen Eimern ab. Zimmermanns- und Schmiedearbeiten betrafen Haken, Spritzenwagen und Schlauchverschraubungen. Zwei Wasserbottiche fassten jeweils ungefähr 425 Liter. [9], PDF-S. 916

Feuerlöschordnung und Pflichtmannschaften

Am 27. März 1868 genehmigte der Landrat das Statut der Feuerwehr mit Änderungen. Jeder pferdehaltende Bürger sollte beim ersten Feueralarm mit seinen Pferden an den Wasserbottichen erscheinen und durfte sich erst mit Erlaubnis entfernen. Vierzig Männer gehörten zur Rettungsmannschaft; als Kennzeichen trugen sie eine weiße Binde am linken Oberarm. Die Stadt ließ ungefähr 500 Exemplare der Feuerlöschordnung drucken. [9], PDF-S. 917

Das Kreisarchiv-Findbuch ergänzt diese Einzelbelege zu einer Entwicklungslinie: Feuerlöschgeräte 1832–1888, Feuerpolizeiordnung und Gründungsideen 1841–1864, Zwangsfeuerwehr 1841, Ergänzung der Spritzenmannschaften 1876, Pflichtfeuerwehr-Mitgliederliste 1894 und Akten der Freiwilligen Feuerwehr 1885–1921. Freiwilligkeit ersetzte die Pflicht also nicht sofort; beide Formen überlappten. [5]; [12]

Die Rechnungen belegen, dass Einsatzbereitschaft laufende Arbeit bedeutete. Leder trocknete aus, Schläuche verschmutzten, Holz brach, Metallverbindungen lockerten sich. Eine Spritze, die nur im Brandfall aus dem Schuppen geholt wurde, konnte dann versagen. Proben, Reinigung und Reparatur waren deshalb ebenso wichtig wie die Anschaffung. [9]

Die Wasserbottiche verbanden Technik und Bürgerpflicht. Sie mussten gefüllt und mit Pferden an den Brandort gebracht werden. Die Regel von 1868, dass jeder Pferdehalter zunächst erscheinen sollte, verhinderte die zeitraubende Suche nach einem bestimmten Gespann. Erst ein Vorsteher entließ nicht benötigte Helfer. [9]

Die gedruckten 500 Exemplare der Feuerlöschordnung zeigen den Anspruch, Regeln allgemein bekannt zu machen. Zuständigkeiten wurden aus der mündlichen Gewohnheit in eine schriftlich kontrollierbare Ordnung überführt. Zugleich blieb der Erfolg davon abhängig, ob Bürger Übungen ernst nahmen und ihre Geräte tatsächlich bereithielten. [9]

 

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9. Feuerwehr im 20. Jahrhundert und Kriegszerstörung 1945

Die Gründungsjahre 1885/86

Am 9. August 1885 brannte am Südgraben das Haus Linnemann. Drei Tage später folgte ein größerer Brand an der Südstraße; der Schmied Bernhard Arnskötter kam dabei ums Leben. Die beiden Brände gaben der Neuorganisation des Löschwesens den entscheidenden Anstoß. Die Fascies-Zeittafel setzt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr auf 1885. [7]; [8]

Der HGF-Bestand nennt Levi Stern und Jakob Löwenstein als Gründungsmitglieder. Das verweist auf eine bürgerliche Gemeinschaftsaufgabe, an der auch jüdische Sendenhorster beteiligt waren. Lokale Jubiläumsangaben schwanken zwischen fünfzig Jahren 1935 und einer Feier 1936. Wahrscheinlich spiegeln sie unterschiedliche Bezugspunkte – Gründung, Anerkennung oder erste Einsatzphase. Eine einzige scheinbar exakte Jahreszahl würde diese Überlieferung glätten. [7]; [8]; [12]

1906 wurde das alte Spritzenhaus am Marktplatz abgebrochen. Bildkataloge des Stadt-Heimatarchivs verzeichnen Aufnahmen des Rathauses mit Feuerwehrgerätehaus, Pumpe und Marktplatz um 1900/1909. Solche Bildnachweise sind wichtige Wegweiser: Sie belegen, welche Motive vorhanden sind, ersetzen aber erst nach Sichtung des Originals eine genaue Bildanalyse. [8]; [12]

1928 stellte die Westfälische Provinzial-Feuersozietät ein Darlehen von 10.000 Reichsmark für ein Feuerwehrgerätehaus bereit. Die Grundsteinlegung für Gerätehaus und Steigerturm am Placken ist auf den 14. Juli datiert. Im August meldete der Bürgermeister, das neue Spritzenhaus werde in der folgenden Woche fertig. [8]; [9], PDF-S. 917

1934 wollte die Stadt zur Steigerung der Schlagkraft eine Motorspritze samt Schlauchmaterial beschaffen. Ein zinsloses Darlehen über 2.000 Reichsmark war in Aussicht, doch der Landrat beanstandete das Verfahren nach dem Gemeindefinanzgesetz. Die Anleihe wurde zunächst nicht aufgenommen. Technikgeschichte war somit immer auch Finanz- und Verwaltungsgeschichte. [9], PDF-S. 918

Kriegseinwirkungen 1940–1945

Im Zweiten Weltkrieg wurde Sendenhorst nicht durch einen flächigen Bombenangriff zerstört. 1940 verzeichnet die Chronik britische Bomben mit Flurschäden sowie Abwürfe im Bereich Ostheideweg und des Scheinflughafens bei Watermann in der Hardt. 1943 beschädigte ein Tieffliegerbeschuss eine Straßenlampe. Diese Ereignisse gehören in die Zerstörungsliste, dürfen aber nicht zu einer Zerstörung der Stadt hochgerechnet werden. [8]

Unmittelbare kriegsbedingte Brandzerstörung traf 1945 die Bauerschaft Rinkhöven. Beim Feuergefecht zwischen jungen deutschen Soldaten und amerikanischen Truppen brannten nach der Fascies-Zeittafel fünf Höfe ab; neun Soldaten starben. Ein Bildkatalog weist außerdem eine Mauer des Hofes Kalthoff mit Einschlägen von Panzergranaten nach. Hier verbinden sich Kampfhandlung, Gebäudebrand und Tod eindeutig. [8]; [12]

Für die Stadt selbst verlief der Einmarsch ohne vergleichbare flächige Zerstörung. Gerade die Gegenüberstellung ist wichtig: 1323 wurde der befestigte Ort kriegsbedingt niedergebrannt; 1945 blieb der Stadtkern von einer solchen Katastrophe verschont, während Rinkhöven schwere lokale Schäden erlitt. Der Bericht spricht daher präzise von Stadt, Kirchspiel und Bauerschaft. [8]

Nach 1945 kehrte die Wehr in den Übungsbetrieb zurück. Am 6. April 1949 wurden Übungen mit einem langen Sirenenton angekündigt. 1957 stand die Anschaffung eines neuen Feuerwehrwagens im Rat an, 1966 entstand ein neues Gerätehaus an der Ladestraße. 1970 folgte Funkausrüstung, 1971 ein Kommandowagen und 1974 die wiederholte Beratung über ein Löschgruppenfahrzeug LF 16. [8]; [9]; [12]

Mit Motorisierung und Funk verkürzten sich Ausrück- und Anfahrtszeiten. Gleichzeitig wuchsen die Anforderungen: größere Betriebe, Kraftstoffe, Elektrizität und Verkehr brachten neue Gefahren. Das Gerätehaus wurde Werkstatt, Lager, Schulungs- und Gemeinschaftsort. Die Wehr entwickelte sich von der Pumpenmannschaft zur vielseitigen technischen Hilfeorganisation.

Die Sirene hatte im Krieg eine doppelte Bedeutung. Sie warnte vor Luftangriffen und alarmierte die Feuerwehr; unterschiedliche Signale mussten verstanden werden. Ein HGF-Beleg vom August 1945 nennt für Feueralarm drei lange Heultöne und die Meldung an Feuerwehrführer Meyer. Im April 1949 wurde ein langer Ton für die Übung angekündigt. [7]; [9]

Rinkhöven erinnert daran, dass der Begriff „Sendenhorst“ Stadt und Landgemeinde umfassen kann. Wer nur nach Schäden im Stadtkern fragt, übersieht die Höfe der Bauerschaft. Die Zerstörungsliste nennt daher den Ortsteil ausdrücklich und vermeidet die falsche Aussage, die gesamte Stadt sei 1945 niedergebrannt worden.

 

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Brand- und Zerstörungsliste

Zeit Ereignis Brand- oder Zerstörungsumfang Quellenlage
1323 Niederbrennen der Stadt im Konflikt zwischen Münster und der Grafschaft Mark Sendenhorst als befestigter Ort unmittelbar kriegsbedingt zerstört zeitgenössische Formel überliefert; Kontext sicher
23.10.1529 Großbrand fast die gesamte Stadt und der Kirchturm; nur wenige Häuser im Süden und Westen örtliche Chronik und HGF-Zusammenstellung
1637 hessische Plünderung Beutezug in einer bereits von Pest und Krieg geschwächten Stadt Chronikbeleg; kein gesicherter Stadtbrand
1638/1639 schwere Feuersbrunst je nach Quelle 60 von 150 oder etwa 80 Häuser Jahr und Zahl widersprüchlich; Kriegsursache nicht belegt
29.12.1650 Brand an der Südstraße zeitnahes Bittschreiben nennt 50 Häuser und das Rathaus unmittelbarer Verwaltungsbeleg
1666 Brand nach Blitzschlag 18 Häuser spätere lokale Überlieferung
19.09.1749 Großbrand zahlreiche Häuser; Wiederaufbau und Unterstützungsbedarf Regesten und Chronik
17.04.1751 Großbrand 67 Häuser nach der Brandchronik; abweichende Datierungen in Nebenquellen quellenkritisch offen
04.1764 Brand 17 Haushalte/Gebäude in einer Aufstellung, andernorts etwa 20 Zahlenabweichung offen
29.04.1806 größter neuzeitlicher Stadtbrand 131 Privathäuser völlig, 12 weitgehend zerstört; Rathaus, Pfarrhaus, Schule, Kirchturm zeitnaher Verwaltungsbericht
09./12.08.1885 zwei Brände Haus Linnemann; danach Großbrand Südstraße mit Todesopfer Auslöser für Neuordnung der Wehr
1940–1945 Kriegseinwirkungen Bomben-Flurschäden; 1945 Feuergefecht Rinkhöven mit fünf abgebrannten Höfen Chronik/HGF; Stadt selbst nicht flächig zerstört

 

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Quellen und weiterführende Literatur

Die HGF-Seitenangaben beziehen sich auf die bereitgestellten PDF-Dateien. Findbuchtitel belegen zunächst nur das Vorhandensein einer Akte; konkrete Detailaussagen gelten nur dort als gesichert, wo Regest, Chronikeintrag oder Akteninhalt ausgewertet werden konnte.

[1] Heimatverein Sendenhorst: „Der rote Hahn in Sendenhorst“, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/zeitungsgeschichte/1950er-und-früher/

[2] Heimatverein Sendenhorst: Chronik der Stadt, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/fakten/chronik/

[3] Heimatverein Sendenhorst: Archivgeschichten 2 – Brände und Brandverzeichnisse, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/archivgeschichten/archivgeschi2/

[4] Stadt Sendenhorst: Geschichte von Sendenhorst und Albersloh, https://www.sendenhorst.de/buergerservice/sendenhorst/geschichte-von-sendenhorst-und-albersloh

[5] Kreisarchiv Warendorf: Findbuch Stadt Sendenhorst A, besonders IV/4 Feuerpolizei und Feuerlöschwesen (A 1535–1553).

[6] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: HGF-Buch 30–35, digitale Fassung, Brand- und Wiederaufbaubelege.

[7] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: HGF-Buch 36–69, digitale OCR-Fassung, unter anderem Gründungsmitglieder 1885 und Kriegs-/Alarmbelege 1945.

[8] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: digitaler Arbeitsbestand „Fascies_Stadt“, insbesondere Zeittafel/Eiszeit bis 2002, daten/Jahresdaten, STADT/Protokoll und Bildarchiv-Verzeichnisse.

[9] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: HGF-Buch 01–29, Teil 1, besonders PDF-S. 907–918 (Stadtbrände, Feuerpolizei, Geräte, Spritzenhaus und Feuerwehr).

[10] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: HGF-Buch 70–75, Teil 1, besonders PDF-S. 133 (zeitnahes Bittschreiben zum Brand von 1650).

[11] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: HGF-Buch 93–96, digitale OCR-Teilfassungen, ergänzende Sach- und Personenbelege.

[12] Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst/Hans-Günther Fascies: Feuerwehr-Findmittel „Signatur, Kasten“, „Heimatarchiv Alpha“, Findbuch A, Feuerwehr-Protokollbuch 1908–1939 sowie Sitzungsniederschriften 1945–1974.

 

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