Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !
Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !

Wetter, Klima, Wetterextreme

Von mittelalterlichen Klimaschwankungen über Hagel, Dürre und Schnee bis zu Starkregen, Tornado und Klimawandel

Wetter begleitet die Geschichte Sendenhorsts seit Jahrhunderten. Sturm, Hagel, Nässe, Überschwemmungen, Dürre, Schnee und ungewöhnliche Kälte finden sich in Chroniken, Kirchenbüchern, Verwaltungsakten, Zeitungen und im Bildarchiv. Je näher wir der Gegenwart kommen, desto genauer werden die Angaben: Aus kurzen historischen Notizen werden Fotografien, Messwerte, Einsatzberichte und meteorologische Auswertungen.

Dabei muss zwischen Wetter und Klima unterschieden werden. Wetter ist das, was wir an einem bestimmten Tag oder während weniger Tage erleben: Regen, Hitze, Schnee oder Sturm. Klima beschreibt dagegen die typischen Wetterverhältnisse einer Region über einen langen Zeitraum – üblicherweise mindestens 30 Jahre. Ein einzelner heißer Sommer oder kalter Winter beweist deshalb noch keine Klimaänderung. Erst langfristige Messreihen zeigen, ob sich das Klima verändert.

Wetterbericht, Erinnerung oder Messwert? Für die ältere Geschichte Sendenhorsts gibt es keine lückenlose Wetterbeobachtung. Überliefert wurde vor allem das Außergewöhnliche: vernichtete Ernten, Hochwasser, schwere Stürme, ungewöhnliche Kälte oder große Schneemengen. Historische Angaben werden deshalb von modernen meteorologischen Messwerten unterschieden. Wo eine örtliche Messung fehlt, wird dies nicht als exakter Sendenhorster Temperatur- oder Niederschlagswert dargestellt.

Inhalt

Zeittafel – Klima und Wetter in Sendenhorst

ca. 950–1250
Mittelalterliche Klimaanomalie – in Teilen Europas zeitweise vergleichsweise mild.
ca. 1300–1850
Kleine Eiszeit – längere kühlere Klimaphase in Europa.
1558
Schwerer Sturm; drei Häuser in Sendenhorst halten nach der Überlieferung dem Winddruck nicht stand.
1570–1630
Ausgeprägt kalte Phase innerhalb der Kleinen Eiszeit.
1600/1601
Ausbruch des Huaynaputina in Peru; 1601 gehört zu den außergewöhnlich kalten Jahren dieser Epoche.
1645–1715
Maunder-Minimum – Phase besonders geringer Sonnenaktivität.
ab 1763
Kuipers berichtet vom Beginn regenreicher Jahre.
1766–1773
Nasse, wenig ertragreiche Jahre und Teuerung.
1771
Ungewöhnlich viel Schnee am 23./24. April; anhaltende Kälte und später sehr nasse Erntezeit.
1773
Schwerer Hagelschlag; überliefert sind Hagelkörner bis etwa Hühnereigröße.
1815
Gewaltiger Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien.
1816
„Jahr ohne Sommer“ in Europa; ein eindeutiger örtlicher Sendenhorster Nachweis ist bislang noch offen.
1846
Verheerender Hagelschlag; große Teile von Stadt und Kirchspiel betroffen.
1850
Hagelschäden führen zu Steuererleichterungen.
1857
Außergewöhnliche Dürre; der Hellenbach trocknet nahezu aus.
1861
Erneut Hagelschäden und Steuererleichterungen.
1866
Schwerer Hagelschlag in Stadt und Kirchspiel; überlieferter Gesamtschaden etwa 100.000 Taler.
1940
„Unsere Heimat in Eis und Schnee“ – winterliche Sendenhorster Bildüberlieferung.
1940/41
Sturm beschädigt das Dach des Hauses Silling an der Oststraße.
05.–09.07.1941
Hitze; die örtliche Überlieferung nennt etwa 30–35 °C.
27.01.1942
−19 °C in Sendenhorst, hoher Schnee und Schäden an jungen Obstbäumen.
1969
Schnee am Wochenende vor Karneval.
1978/79
Großer Schneewinter in Deutschland und im Münsterland.
1985–1987
Drei auffällig kalte Winter hintereinander.
2003
Jahrhundertsommer. Deutschlandweit wird während der Hitzewelle wieder die 40-Grad-Marke erreicht; auch im Münsterland herrschen außergewöhnliche Hitze und Trockenheit.
Nov. 2005
Münsterländer Schneechaos; Sendenhorst liegt nicht im Zentrum der schwersten Schäden.
Dez. 2010
Reichlich Schnee kurz vor Weihnachten.
28.07.2014
Starkregen: im Norden Sendenhorsts etwa 60 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 30 Minuten.
2018
Extremer Hitzesommer und Dürre. Einer der heißesten deutschen Sommer seit Beginn der Messungen; enorme Trockenheit im Münsterland.
25.07.2019
41,2 °C in NRW: Tönisvorst und Duisburg-Baerl stellen den damaligen deutschen Temperaturrekord auf.
Feb. 2021
„Und dann kam der Winter nach Sendenhorst …“ – starker Wintereinbruch und umfangreiche Bilddokumentation.
2022
Erneut außergewöhnlich heiß und trocken; in Deutschland wird an mehreren Orten die 40-Grad-Marke überschritten.
2023
Damals wärmstes Jahr Deutschlands seit Beginn der flächendeckenden Messungen.
12.07.2024
Tornado im Raum Sendenhorst–Elmenhorst–Everswinkel; Schadensanalyse etwa 180 km/h.
2024
Mit 10,9 °C Jahresmittel wird Deutschland erneut so warm wie nie zuvor gemessen; kein gesicherter 40-°C-Wert für Sendenhorst.
26.–28.06.2026
Neue 40-Grad-Hitzewelle: in NRW wird die 40-Grad-Marke bereits ungewöhnlich früh im Sommer überschritten.
bis 2100
Weitere Erwärmung wahrscheinlich: mehr heiße Tage und warme Nächte, weniger Frosttage sowie zunehmende Belastung durch Hitze und Trockenheit.

Vom mittelalterlichen Klima bis zur Neuzeit

Klima hat sich auch vor der heutigen, vom Menschen verursachten Erwärmung verändert. Zwischen ungefähr 950 und 1250 herrschten besonders in Teilen Europas zeitweise vergleichsweise milde Bedingungen. Diese Phase wird heute meist Mittelalterliche Klimaanomalie genannt.

Das Wort Anomalie bedeutet hier lediglich eine länger anhaltende Abweichung von üblichen klimatischen Verhältnissen. Früher wurde häufig von der „Mittelalterlichen Warmzeit“ gesprochen. Die Erwärmung trat jedoch nicht überall auf der Erde gleichzeitig und gleich stark auf. Sie ist deshalb nicht unmittelbar mit der heutigen globalen Erwärmung vergleichbar.

Für Sendenhorst existieren aus dieser Zeit selbstverständlich keine Thermometermessungen. Petzmeyers Darstellung der Landschaft zeigt aber, wie stark Siedlung und Landwirtschaft von Boden, Wasser und klimatischen Bedingungen abhängig waren. Hochwasserfreie Erhebungen und der eiszeitlich entstandene Kiessandrücken boten günstigere Voraussetzungen für eine Besiedlung.

▲

Die Kleine Eiszeit – etwa 1300 bis 1850

Nach dem Mittelalter folgte in Europa eine längere kühlere Klimaphase. Sie wird als Kleine Eiszeit bezeichnet. Der Name ist etwas irreführend: Es war keine wirkliche Eiszeit, in der Mitteleuropa von großen Eismassen bedeckt gewesen wäre.

Vielmehr lagen die Durchschnittstemperaturen über längere Abschnitte niedriger. In Europa gab es häufiger sehr kalte Winter, Gletscher wuchsen und ungünstige Witterungsperioden konnten Landwirtschaft und Versorgung stark belasten.

Viele frühe Sendenhorster Wetterereignisse fallen in diese Epoche: der schwere Sturm von 1558, die regenreichen Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts, Schnee und Kälte im April 1771, schwere Hagelschläge sowie schließlich die extreme Dürre von 1857.

▲

Um 1600 – eine besonders kalte Phase

Innerhalb der Kleinen Eiszeit gab es wiederum wärmere und kältere Abschnitte. Eine besonders ausgeprägte kalte Phase lag in Mitteleuropa ungefähr zwischen 1570 und 1630. Die Jahre um 1600/1601 fallen dabei besonders auf.

Ein Vulkan in Peru beeinflusst Europa

Im Februar 1600 brach der Vulkan Huaynaputina im heutigen Peru gewaltig aus. Dabei gelangten große Mengen schwefelhaltiger Gase hoch in die Atmosphäre. Dort entstanden winzige Schwebeteilchen, sogenannte Aerosole.

Aerosole können einen Teil des Sonnenlichts zurück in den Weltraum reflektieren. Nach sehr großen Vulkanausbrüchen kann sich die Erdoberfläche deshalb für einige Jahre abkühlen. 1601 gehört zu den außergewöhnlich kalten Jahren dieser Epoche.

Für Sendenhorst ist bislang kein eigener Wetterbericht von 1601 bekannt. Die Stadt lag jedoch innerhalb dieser europäischen Kältephase. Nur wenige Jahre später begann 1618 der Dreißigjährige Krieg. Krieg, Krankheiten, Teuerung und Ernteprobleme trafen damit auf eine ohnehin klimatisch schwierige Epoche.

1645–1715 – das Maunder-Minimum

Eine weitere auffällige Periode war das Maunder-Minimum. „Minimum“ bezeichnet hier eine Phase besonders geringer Sonnenaktivität. Zwischen ungefähr 1645 und 1715 wurden ungewöhnlich wenige Sonnenflecken beobachtet – dunkler erscheinende Bereiche auf der Sonnenoberfläche, die mit ihrer magnetischen Aktivität zusammenhängen.

Das Maunder-Minimum fiel zeitlich mit besonders kalten Jahrzehnten der Kleinen Eiszeit zusammen. Die Kälte lässt sich allerdings nicht allein durch die Sonne erklären. Auch Vulkanausbrüche sowie natürliche Schwankungen von Atmosphäre und Ozeanen spielten eine Rolle.

▲

Kuipers – Wetterbeobachtungen im 18. Jahrhundert

Für das 18. Jahrhundert werden die örtlichen Quellen deutlich anschaulicher. Besonders wichtig sind die Aufzeichnungen aus der Zeit des Sendenhorster Pfarrers Hermann Andreas Kuipers, der von 1759 bis 1779 in Sendenhorst wirkte und sein Kirchenbuch sorgfältig führte.

Für 1763 findet sich der bemerkenswerte Satz: „Hier beginnen die regenreichen Jahre.“ Für die Jahre 1766 bis 1773 werden nasse, wenig ertragreiche Jahre und Teuerung beschrieben.

Am 23. und 24. April 1771 fiel ungewöhnlich viel Schnee. Die Kälte hielt lange an, und auch die spätere Erntezeit war sehr regenreich. Für den 24. Mai 1773 wird ein schwerer Hagelschlag überliefert; die Hagelkörner sollen teilweise die Größe von Hühnereiern erreicht haben.

Für eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft war Wetter unmittelbar eine Existenzfrage. Eine schlechte Ernte bedeutete nicht nur geringere Einnahmen, sondern konnte Getreide verteuern und Armut und Hunger verschärfen.

▲

1815/1816 – Tambora und das „Jahr ohne Sommer“

Eine der außergewöhnlichsten kurzfristigen Klimastörungen der jüngeren Geschichte hatte ihren Ursprung Tausende Kilometer von Westfalen entfernt. Im April 1815 explodierte der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa.

Große Mengen Schwefeldioxid gelangten in die Stratosphäre. Das ist die Schicht der Atmosphäre oberhalb unserer eigentlichen Wetterschicht. Dort können vulkanische Aerosole lange verbleiben und einen Teil des Sonnenlichts reflektieren.

Die Folge war eine vorübergehende Abkühlung. Besonders berüchtigt wurde das Jahr 1816. In weiten Teilen Europas war der Sommer ungewöhnlich kalt und nass. Missernten, steigende Getreidepreise und Hungerkrisen waren die Folge. 1816 ging deshalb als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein.

Für Sendenhorst: Die überregionale Klimawirkung des Tambora-Ausbruchs ist gesichert. Ein bislang ausgewerteter Sendenhorster Bericht, der eine örtliche Missernte des Jahres 1816 ausdrücklich mit diesem ungewöhnlichen Wetter verbindet, liegt jedoch noch nicht vor.

▲

Hagel, Hochwasser und Dürre – das 19. Jahrhundert

1846 – eine Hagelkatastrophe

Am 14. Juli 1846 gegen 19 Uhr traf ein außergewöhnlich schwerer Hagelschlag Sendenhorst. Ein zeitgenössischer Bericht im Beckumer Kreisblatt beschreibt eine betroffene Zone von ungefähr einer Stunde Länge und einer halben Stunde Breite.

Fünf Bauerschaften und etwa zwei Drittel des Stadtbezirks waren betroffen. Feld- und Gartenfrüchte wurden großflächig zerstört. Die Hagelkörner werden überwiegend als taubeneigroß, vielfach hühnereigroß und teilweise noch größer beschrieben.

Besonders hart traf das Unwetter arme Familien, die auf die neue Getreideernte angewiesen waren. Brotgetreide und Saatgut für das kommende Jahr konnten innerhalb weniger Minuten verloren gehen. Ein Hilfsverein bildete sich, und öffentlich wurde um Spenden gebeten.

Hagel war keine Ausnahme

Historische Unterlagen zeigen, dass Hagel im mittleren 19. Jahrhundert im Raum Sendenhorst wiederholt erhebliche Schäden verursachte. Für 1850, 1857 und 1861 sind Steuererleichterungen im Zusammenhang mit Hagelschäden genannt.

Wasser war ebenfalls ein Problem

Eine historische Beschreibung des Kreises Beckum berichtet von viel stauender Nässe und sehr späten Frühjahren. Die Angel trat demnach nach starken Regenfällen regelmäßig über die Ufer. Flächen in Enniger, Vorhelm und Sendenhorst wurden wiederholt überschwemmt. Nach dem Rückgang des Wassers konnte Sand auf den angrenzenden Grundstücken zurückbleiben.

1857 – der Hellenbach trocknet aus

Das andere Extrem folgte 1857. Ein Sendenhorster Bericht vom 19. Oktober bezeichnet die Trockenheit als stärker als in allen früheren Jahren des Jahrhunderts. Seit Juli habe es – abgesehen von wenigen schwachen Gewittern – praktisch nicht geregnet.

Die Weiden litten unter Wassermangel und die rechtzeitige Aussaat des Wintergetreides war gefährdet. Besonders anschaulich ist die Beschreibung des Hellenbachs: Er war so weit ausgetrocknet, dass man längere Strecken in seinem Bett gehen konnte, ohne sich die Stiefel schmutzig zu machen. Arbeiter konnten dort sogar ihre Mittagspause halten.

1866 – erneut schwerer Hagel

Am 4. Juni 1866 traf erneut ein äußerst schwerer Hagelschlag Stadt und Kirchspiel. Der überlieferte Gesamtschaden wird mit ungefähr 100.000 Talern angegeben. Eine direkte Umrechnung in heutige Euro wäre wegen völlig anderer Einkommen, Preise und Lebensverhältnisse wenig sinnvoll. Die Größenordnung zeigt jedoch die Schwere des Ereignisses.

Wetter als Wirtschaftsfaktor

Auch der Verkehr litt unter dem Wetter. Historische Berichte beschreiben Straßen, die bei sommerlicher Dürre wegen tiefen Sandes schwer befahrbar waren und bei anhaltender Nässe im Herbst und Winter ebenfalls Probleme bereiteten. Für schwere Transporte wurden teilweise zusätzliche Vorspannpferde benötigt. Das verteuerte unter anderem den Transport von Kohle und Getreide für die Sendenhorster Brennereien.

▲

Und dann kam der Winter nach Sendenhorst …

Von Eis und Schnee 1940 bis zum großen Wintereinbruch 2021

Schneereiche Winter sind in Sendenhorst vergleichsweise selten. Gerade deshalb blieben einige Wintereinbrüche besonders gut im örtlichen Gedächtnis. Der Heimatverein stellte unter dem Titel „Und dann kam der Winter nach Sendenhorst …“ eine kleine örtliche Winterchronik zusammen.

1940 – „Unsere Heimat in Eis und Schnee“

Für 1940 ist ein Beitrag unter dem Titel „Unsere Heimat in Eis und Schnee“ überliefert. Historische Aufnahmen zeigen unter anderem die Angel, Gebäude, Eisenbahn und verschneite Sendenhorster Ansichten.

1942 – minus 19 Grad

Besonders eindrucksvoll ist der Winter 1942 dokumentiert. Am 27. Januar 1942 fiel das Thermometer nach der örtlichen Quelle auf −19 °C. Der Winter wurde als außergewöhnlich kalt beschrieben, gleichzeitig lag hoher Schnee.

Wild verursachte Schäden an jungen Apfelbäumen in Gärten und an Straßen. Wegen der anhaltenden Kälte und fehlender ausreichender Kirchenheizung wurde das 40-stündige Gebet in das St.-Josef-Stift verlegt.

1969 bis 1987 – Winter, die in Erinnerung blieben

Am 15./16. Februar 1969, unmittelbar vor Karneval, lag Schnee. Der Winter 1978/79 gehört zu den großen deutschen Schneewintern. Anschließend blieben besonders die Jahre 1985, 1986 und 1987 als drei kalte Winter hintereinander in Erinnerung. Für Januar 1986 wird ausdrücklich „kalt und viel Schnee“ vermerkt.

Zur Temperatur: In der örtlichen Rückschau werden für diese Winter teilweise Werte um −20 °C genannt. Solange dafür keine konkrete örtliche Messstation nachgewiesen ist, behandeln wir diese Werte als Erinnerung und nicht als amtlichen Sendenhorster Temperaturrekord.

November 2005 – Schneechaos im Münsterland

Vom 24. bis 27. November 2005 traf schwerer Nassschnee das Münsterland. Schnee, Eis und Wind brachten zahlreiche Strommasten zum Einsturz. Rund 250.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Besonders betroffen waren Gebiete im westlichen und nördlichen Münsterland. Sendenhorst lag nicht im Zentrum der schwersten Schäden.

Weihnachten 2010

Kurz vor Weihnachten 2010 lag erneut reichlich Schnee in Sendenhorst. Für viele Menschen gehört dieser Winter zu den letzten ausgeprägt weißen Weihnachtsperioden der jüngeren Erinnerung.

Februar 2021 – der Winter kehrt zurück

Im Februar 2021 verwandelte ein kräftiger Wintereinbruch Sendenhorst wieder in eine Schneelandschaft. Der Heimatverein dokumentierte das Ereignis mit zahlreichen Bildern und Luftaufnahmen von Frank Wahlert.

In Albersloh hatte die Schneelast auch konkrete Folgen: An einer Biogasanlage wurde die Kuppel durch die Schneemassen beschädigt; Feuerwehr und THW waren im Einsatz.

➦ Heimatverein: „Und dann kam der Winter nach Sendenhorst …“

▲

Starkregen, Sturm und Tornado

28. Juli 2014 – 60 Liter in 30 Minuten

Zu den bedeutendsten jüngeren Wetterereignissen gehört der 28. Juli 2014. Im Norden Sendenhorsts fielen innerhalb von nur etwa 30 Minuten rund 60 Liter Regen pro Quadratmeter.

Viele Keller liefen voll. Für die entstandenen Schäden wurden später rund 440.000 Euro Versicherungsleistungen genannt. Das Ereignis wurde zugleich zu einem wichtigen Anlass, sich in Sendenhorst intensiver mit der Anpassung an die Folgen extremer Wetterlagen zu beschäftigen.

21. Dezember 2023 – Sturm

Auch Sturmereignisse gehören weiterhin zur örtlichen Wettergeschichte. Am 21. Dezember 2023 stürzte beispielsweise ein Baum über die Kreisstraße in Richtung Hoetmar und erforderte einen Einsatz der Feuerwehr.

12. Juli 2024 – Tornado bei Sendenhorst

Am 12. Juli 2024 gegen 15:28 Uhr entstand im Raum Sendenhorst ein bestätigter Tornado. Die rekonstruierte Schadensspur verlief über mindestens etwa 4,2 Kilometer und erreichte eine Breite von bis zu ungefähr 90 Metern. Auswirkungen wurden im Bereich Sendenhorst, Elmenhorst und Everswinkel dokumentiert.

Der Tornado wurde als F1 / IF1.5 eingestuft. Diese Bezeichnungen stammen aus Skalen, mit denen Tornados anhand ihrer Schäden nach Stärke klassifiziert werden. Aus den beobachteten Schäden wurde eine Windgeschwindigkeit von ungefähr 180 km/h abgeleitet. Das ist keine direkt am Tornado gemessene Geschwindigkeit. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet.

Das Ereignis zeigt zugleich, wie sehr sich Wetterdokumentation verändert hat: Vom Sturm des Jahres 1558 besitzen wir wenige historische Zeilen. Vom Tornado 2024 gibt es Fotos, Videos, Wetterradar und eine rekonstruierbare Zugbahn.

▲

Hitze und Trockenheit – vom Einzelereignis zum Trend

Hitze ist auch historisch kein unbekanntes Phänomen. Für den 5. bis 9. Juli 1941 nennt die Sendenhorster Überlieferung Temperaturen zwischen etwa 30 und 35 °C.

Der Sommer 2003 wurde deutschlandweit zum damals heißesten Sommer seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881. Auch die 40-Grad-Marke wurde in Deutschland während dieser Hitzewelle erreicht.

Besonders deutlich wurde die Entwicklung 2018. Nordrhein-Westfalen erlebte einen außergewöhnlich warmen und trockenen Sommer. Böden, Landwirtschaft, Wälder und Gewässer litten unter starkem Trockenstress.

Am 25. Juli 2019 wurden in Nordrhein-Westfalen in Tönisvorst und Duisburg-Baerl 41,2 °C gemessen. Das war damals ein neuer deutscher Temperaturrekord.

Auch 2022 wurde die 40-Grad-Marke in Deutschland erneut überschritten. 2023 wurde zunächst das wärmste Jahr Deutschlands seit Beginn der Messungen, 2024 wurde dieser Jahresrekord bereits wieder übertroffen.

Im Sommer 2026 wurde die 40-Grad-Marke in Nordrhein-Westfalen ungewöhnlich früh erneut überschritten. Damit gehören Temperaturen um 40 °C zwar weiterhin zu den Extremwerten, sie sind in Deutschland aber nicht mehr so außergewöhnlich wie noch im 20. Jahrhundert.

Wann fiel die 40-Grad-Marke?

40 °C waren in Deutschland lange eine absolute Ausnahme. Nach Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen wurde die Marke erstmals in den 1980er Jahren erreicht. Auch im Hitzesommer 2003 wurden wieder mehr als 40 °C gemessen. Seit der Mitte der 2010er Jahre treten solche Temperaturen häufiger auf. Besonders herausragend war 2019 mit 41,2 °C in Nordrhein-Westfalen. Auch 2022 und 2026 brachten erneut Werte über 40 °C.

Wichtig für Sendenhorst: Für die Jahre 2003, 2018, 2024 und 2026 liegt uns bislang kein geprüfter amtlicher Sendenhorster Stationswert von mindestens 40,0 °C vor. Die genannten 40-Grad-Werte sind deshalb als Deutschland- beziehungsweise Nordrhein-Westfalen-Einordnung zu verstehen.

▲

Vom Wetterextrem zum Klimawandel

Was ist heute tatsächlich anders?

Der Hagel von 1846, die Dürre von 1857 oder der kalte Winter 1942 zeigen: Extremes Wetter gab es schon immer. Daraus folgt aber nicht, dass sich das Klima heute nicht verändert. Entscheidend ist nicht die Existenz eines einzelnen Extremereignisses, sondern wie häufig bestimmte Wetterlagen über Jahrzehnte auftreten.

Für das Münsterland ist diese Veränderung bereits messbar. In der Klimaperiode 1961–1990 gab es im Mittel ungefähr 4 heiße Tage mit mehr als 30 °C pro Jahr. In der Periode 1991–2020 waren es bereits ungefähr 9.

Die Zahl der Sommertage – Tage mit mindestens 25 °C – stieg ungefähr von 26 auf 38 pro Jahr. Gleichzeitig gingen Frost- und Eistage zurück.

Der entscheidende Unterschied: Dürre, Hitze, Starkregen, Schnee und Sturm sind keine Erfindungen des Klimawandels. Der Klimawandel verändert vielmehr den Hintergrund und die Wahrscheinlichkeit, vor dem solche Wetterereignisse auftreten. Hitze wird häufiger, kalte Tage werden seltener und eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen.

Und wie könnte es bis 2100 weitergehen?

Eine exakte Wettervorhersage für Sendenhorst im Jahr 2100 ist natürlich unmöglich. Klimamodelle berechnen stattdessen verschiedene mögliche Entwicklungen abhängig davon, wie stark die weltweiten Treibhausgasemissionen künftig ausfallen.

Für Nordrhein-Westfalen zeigen die Projektionen bis zum Ende des Jahrhunderts eine weitere Erwärmung. Je nach Szenario und Modell liegt die mögliche Zunahme der Jahresmitteltemperatur gegenüber 1971–2000 ungefähr zwischen 1,5 und 4,3 °C.

Damit werden für Sendenhorst und das Münsterland wahrscheinlich: mehr heiße Tage, längere Hitzeperioden, mehr warme Nächte, weniger Frost- und Eistage, höhere Verdunstung, häufiger trockene Böden und weiterhin die Gefahr von Starkregen, Hagel und schweren Gewittern.

Das bedeutet nicht, dass Schnee oder strenge Kälte völlig verschwinden. Auch in einem wärmeren Klima kann es einzelne sehr kalte Wintertage und starke Schneefälle geben. Was sich verändert, ist ihre Häufigkeit.

▲

Vom Wettergedächtnis zur Klimageschichte

Die Wettergeschichte Sendenhorsts zeigt keine gleichmäßige Entwicklung. Sie erzählt von Wärme und Kälte, Nässe und Dürre, Sturm, Hagel und Schnee. Einige Ereignisse dauerten Minuten, andere Wetterlagen Monate – und große Klimaphasen erstreckten sich über Jahrhunderte.

1846 vernichtete Hagel große Teile der Ernte. 1857 trocknete der Hellenbach nahezu aus. 1942 wurden −19 °C und hoher Schnee überliefert. 2005 erlebte das Münsterland ein Schneechaos. 2014 liefen nach Starkregen Sendenhorster Keller voll. 2018 folgte extreme Trockenheit, und 2024 zog ein Tornado durch den Raum Sendenhorst.

Der Blick über viele Jahrhunderte verhindert dabei zwei Fehlschlüsse: Wetterextreme sind nicht neu – aber auch die heutige Klimaerwärmung ist deshalb nicht „nur normales Wetter“. Erst die Verbindung historischer Quellen mit modernen Messreihen zeigt das ganze Bild: außergewöhnliches Wetter hat Sendenhorst schon immer begleitet, während sich der klimatische Hintergrund inzwischen deutlich und messbar erwärmt.


Quellen und Literatur

Hans-Günther Fascies / Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Historische Quellensammlungen, Jahresdaten, Zeitungsausschnitte und Dokumentationen zu Unwettern, Hagel, Dürre, Schnee und örtlichen Wetterereignissen.

Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland, 1992. Landschafts-, Siedlungs- und Ortsgeschichte.

Pfarrer Hermann Andreas Kuipers: Kirchenbuchaufzeichnungen und überlieferte Nachrichten zu den regenreichen Jahren des 18. Jahrhunderts.

Beckumer Kreisblatt, 25. Juli 1846: Zeitgenössischer Spendenaufruf nach dem schweren Hagelschlag vom 14. Juli 1846.

Heimatverein Sendenhorst – Zeitungsgeschichte: „Und dann kam der Winter nach Sendenhorst …“

Heimatverein Sendenhorst – Presse-Archiv 2021

Heimatverein Sendenhorst – Chronik

Heimatverein Sendenhorst – Quellen zur Not und zum Hagelschlag 1846

Deutscher Wetterdienst (DWD): Klimastatusberichte, historische Wetterauswertungen und Dokumentation des Münsterländer Schneeereignisses 2005.

LANUK NRW / Klimaatlas NRW: Klimabeobachtung und Klimaprojektionen für Nordrhein-Westfalen und das Münsterland.

TorKUD – Tornado-Karte Deutschland: Dokumentation und Bewertung des Tornados vom 12. Juli 2024 im Raum Sendenhorst.

Stadt Sendenhorst / Klimafolgenanpassung: Angaben zum Starkregenereignis vom 28. Juli 2014 und zur kommunalen Klimaanpassung.

▲ nach oben

Kontakt

Heimatverein Sendenhorst e.V.
Weststraße 3

48324 Sendenhorst

Rufen Sie einfach an unter

+49 170.7372307
Kontaktformular.

Wetter

 

Antrag auf Mitgliedschaft im Heimatverein Sendenhorst e.V. für nur 1,- EUR / Monat

Sendenhorst im Oktober
Ernte, Märkte, Kirmes und alte Herbsttraditionen
🌾 Harkemai
+
⛪ Erntedank
+
🚜 Trecker-Geschicklichkeits-
fahrten
+
🐄 Herbstmarkt 1818
+
🎡 Herbstkirmes & Pfarrkirmes
+
🚶 Schnadegang
+
🐎 Herbstritt
+
🔥 Herdfeuerabend & Abend am Kamin
+
👥 Jahrgangstreffen
+
🕯️ Allerheiligen – Übergang zum November
+
Münsterland & Westfalen im Oktober
Weitere überlieferte Herbstbräuche aus unserer Region
🌾 Stoppelhahn
+
🌾 Erntekranz & Erntehahn
+
🥔 Kartoffelfeuer
+
🎃 Rübenlaternen & Rübengeister
+
🍎 Heischegänge
+
🐄 Vieh- & Krammärkte
+
🎡 Herbstkirmessen
+
🐖 Beginn der Schlachtzeit
+
🎃 Halloween – 31. Oktober
+
🕯️ Allerheiligen – 1. November
+
 ↑
Druckversion | Sitemap
© Sendenhorst Heimatverein