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Fehden & Kriege in Sendenhorst & Umgebung  1315 - 1618

Wer die Sendenhorster Kriegsgeschichte mit dem Dreißigjährigen Krieg beginnen lässt, setzt deutlich zu spät an. Schon lange vor 1618 wurde die kleine Stadt immer wieder von Fehden, Machtkämpfen und durchziehenden Kriegsvölkern betroffen. Sendenhorst war dabei nur selten Schauplatz einer großen Schlacht. Für die Bevölkerung sah Krieg meist anders aus: Bewaffnete zogen durch das Land, verlangten Verpflegung und Geld, nahmen Pferde und Vieh mit, plünderten Höfe oder setzten Gebäude in Brand. [1] [2] 

1. Stadtwerdung in unruhiger Zeit

Die Entwicklung Sendenhorsts zur Stadt vollzog sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter dem münsterischen Fürstbischof Ludwig II. von Hessen. Am 11. August 1315 wird Sendenhorst erstmals urkundlich als oppidum, also als Stadt beziehungsweise befestigter Ort, bezeichnet. Die Lage im südöstlichen Bereich des Hochstifts Münster war nicht nur wirtschaftlich und verwaltungspolitisch wichtig. Hier berührten sich zugleich die Interessen des Fürstbischofs und benachbarter Herrschaften, vor allem der Grafen von der Mark. [1] [4] 

Wie angespannt die Lage war, zeigt eine landesherrliche Anordnung von 1321: Nach der regionalen Chronik sollten die Kirchspiele Landwehrgräben anlegen und die Bewohner der Landbezirke zur Abwehr von Eindringlingen bewaffnet sein. Solche Landwehren konnten Wege sperren und das offene Land erschweren, ersetzten aber keine Stadtbefestigung. [3] 

Besonders gefährdet blieb deshalb das Kirchspiel außerhalb von Wall, Graben und Toren. Die Stadtbevölkerung konnte sich wenigstens zeitweise hinter die Befestigung zurückziehen; die Bauernhöfe in Bracht, Brock, Elmenhorst, Hardt, Jönsthövel, Rinkhöven und Sandfort lagen weitgehend offen. Diese unterschiedliche Schutzlage prägte die Kriegs- und Fehdenerfahrungen Sendenhorsts über Jahrhunderte. [1] [2] 

 

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2. 1323 – Sendenhorst wird erobert und niedergebrannt

Das Jahr 1323 ist weit mehr als ein bloßes Sendenhorster Katastrophendatum. Heinrich Petzmeyer und die HGF/Fascies-Unterlagen stellen das Ereignis unmittelbar in die bewaffnete Fehde zwischen Fürstbischof Ludwig II. und Graf Engelbert II. von der Mark. Auslöser war unter anderem der Streit um Haus und Gericht Davensberg. Nachdem ein Schiedsspruch ohne Erfolg geblieben war, griff der Bischof zu den Waffen. [1] [2] [3] 

Die von Petzmeyer herangezogenen münsterischen Chroniken berichten ausdrücklich, dass der Graf von der Mark Sendenhorst einnahm und die junge Stadt anschließend niedergebrannt und zunichte gemacht wurde. Damit ist die kriegerische Zerstörung in den lokalen Kernquellen wesentlich deutlicher belegt, als es eine vorsichtige Formulierung von einer nicht näher bestimmten Brandkatastrophe vermuten lässt. [1] [2] 

Auch der Friedensschluss berührte Sendenhorst unmittelbar. Nach Petzmeyer und HGF wurde der Friede am 13. November 1323 geschlossen; Bischof Ludwig musste sich mit 4.500 Mark aus der Gefangenschaft freikaufen. Selbst das Gericht Sendenhorst erscheint im Vertrag als strittiger Punkt zwischen Münster und Mark. Das zeigt, dass es nicht nur um einen einzelnen Überfall ging, sondern auch um Herrschafts- und Gerichtsrechte im Raum Sendenhorst. [1] [2] 

Abweichende Quellenangabe: Detlef Fischers Chronik des Münsterlandes nennt an dieser Stelle 13. November 1322 und 5.500 Mark. Da Petzmeyer und der HGF/Fascies-Bestand sowohl den Ablauf als auch den Friedensschluss im Jahr 1323 einordnen, folgt diese Darstellung den lokalen Kernquellen und weist die Abweichung ausdrücklich aus. [1] [2] [3] 

 

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3. Fehden – Krieg gegen die Bevölkerung

Das Wort Fehde klingt heute beinahe harmlos. Für die Menschen des Mittelalters konnte eine Fehde jedoch Brand, Raub und Existenzverlust bedeuten. Adlige, Fürsten, Städte und andere Herrschaftsträger setzten Gewalt ein, um Besitz, Rechte, Erbschaften, Ämter oder politische Ansprüche durchzusetzen. Dabei musste nicht die stärkste Burg des Gegners fallen. Oft war es wirkungsvoller, dessen wirtschaftliche Grundlage anzugreifen. [1] [3] [6] 

Auf den Höfen lagen Getreide, Vieh, Pferde, Wagen, Töpfe, Kessel und andere Vorräte. Eine Quelle aus dem Jahr 1450 beschreibt für das benachbarte Amt Werne, wie Reiter Rinder und Ackerpferde nahmen, Korn auf den Feldern abschnitten, Gänse und Hühner schlachteten und aus den Häusern mitnahmen, was ihnen brauchbar erschien. Das ist regionaler Kontext, kein unmittelbarer Sendenhorster Schadensbericht – aber er zeigt sehr konkret, wie eine Fehde gegen die Landbevölkerung geführt wurde. [2] 

Für Sendenhorst blieb deshalb ein Grundproblem bestehen: Die Stadt konnte ihre Tore schließen – das Kirchspiel konnte es nicht. Dieser Unterschied erklärt, warum in den späteren sicheren Schadenslisten immer wieder Bauernhöfe erscheinen. Krieg zeigte sich vor Ort nicht nur in Schlachten, sondern in erzwungenen Abgaben, Plünderungen, Brandschatzungen und dem Verlust der nächsten Ernte. [1] [2] 

 

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4. Soester Fehde und Münsterische Stiftsfehde

Von 1444 bis 1449 erschütterte die Soester Fehde Westfalen. Soest sagte sich vom Kölner Erzbischof los und stellte sich unter den Schutz des Herzogs von Kleve-Mark. Zahlreiche Territorien und Adelsfamilien wurden in den Konflikt hineingezogen; auch das Hochstift Münster war Teil dieses politischen Spannungsraums. [3] [6] 

Für eine konkrete Zerstörung Sendenhorsts in der Soester Fehde liegt bislang kein sicherer lokaler Beleg vor. Sie gehört deshalb auf dieser Seite zum regionalen Hintergrund und wird nicht nachträglich zu einem Sendenhorster Kriegsereignis gemacht. [2] [6] 

Unmittelbar danach geriet Sendenhorst jedoch mitten in einen neuen Konflikt. Nach dem Tod des Fürstbischofs Heinrich II. von Moers 1450 stritten die Anhänger Walrams von Moers und Erichs von Hoya um den münsterischen Bischofsstuhl. Aus dem Streit um die Wahl wurde ein jahrelanger Krieg. Die Städte des Stifts standen mehrheitlich auf der Hoya-Seite, während Domkapitel und Teile des Adels Walram von Moers unterstützten. [1] [2] [3] 

 

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5. 1450–1457 – Sendenhorst wird selbst zum Kriegsschauplatz

In der Münsterischen Stiftsfehde war Sendenhorst nicht nur leidender Randort. Petzmeyer weist darauf hin, dass das Städtchen zu Beginn der Fehde erstmals im Kreis der stimmberechtigten münsterischen Städte auftritt und gemeinsam mit anderen Stiftsstädten für Erich von Hoya votiert. Detlef Fischer nennt Johann von Hoya bereits 1450 im Besitz der Stadt Sendenhorst. Die Hoya-Partei unterhielt hier nach Petzmeyer eine „Koste“, also einen militärischen Stützpunkt beziehungsweise Sammelplatz auf Kosten des Landes. Als möglicher Sitz der Besatzung kommt das feste Haus Sendenhorst, der spätere Drostenhof, in Betracht. [1] [2] [3] 

Die Überlieferung zur genauen militärischen Abfolge ist nicht vollkommen widerspruchsfrei. Während Fischer Sendenhorst schon 1450 in Hoyas Besitz nennt, berichtet die von den Petz-Akten herangezogene Darstellung Schwieters für 1451, dass Johann von Hoya und Herzog Johann von Kleve durch das Stift zogen und unter anderem Sendenhorst gewaltsam einnahmen. Möglich sind wechselnde Herrschaftsverhältnisse; sicher ist vor allem, dass Sendenhorst militärisch umkämpft und für die Hoya-Partei wichtig war. [2] [3] 

Der Konflikt wurde zugleich mit kirchlichen Mitteln geführt. Am 16. August 1451 belegte Walram von Moers seine Widersacher mit dem Interdikt. In der Aufzählung der betroffenen Städte werden ausdrücklich auch die Bürger und Einwohner Sendenhorsts genannt. Die Stiftsfehde war damit nicht nur eine militärische, sondern auch eine religiös-kirchliche Belastung. [2] 

Trotz der Niederlage der Hoya-Partei bei Varlar 1454 blieb Sendenhorst politisch auf dieser Seite. 1456 bekräftigten Sendenhorster Abgeordnete zusammen mit Vertretern zahlreicher anderer Städte erneut die Wahl Erichs von Hoya. Und am 1. November 1457 wurde sogar ein Vergleich zwischen Johann von Hoya und Freunden beziehungsweise Vertretern der Stadt Münster in Sendenhorst geschlossen. Aus dem kleinen Ort war damit zeitweise ein politischer und militärischer Schauplatz der Stiftsfehde geworden. [2] 

Bei den unmittelbaren Schäden ist Zurückhaltung geboten. Petzmeyer betont, dass direkte Sendenhorster Schadenszeugnisse aus der Stiftsfehde fehlen; auffällig sei jedoch, dass zwischen 1450 und etwa 1460 die sonst überlieferten Rechtsgeschäfte in und um Sendenhorst praktisch aussetzen. Das ist ein starkes Indiz für eine schwere Störung des normalen Lebens, aber kein Beleg für jede später erzählte einzelne Plünderung. [1] [2] 

 

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6. 1534/35 – Täuferkrieg, Soldaten und die Jungmann-Überlieferung

Mit der Reformation kamen zu den alten Herrschaftskonflikten neue religiöse Spannungen. In Münster übernahmen 1534 die Täufer die Herrschaft. Fürstbischof Franz von Waldeck ließ die Stadt belagern. Rund um Münster entstand ein großer militärischer Raum mit Landsknechten, Hauptleuten, Nachschubwegen und Einquartierungen. Sendenhorst war darin nachweislich eingebunden. [1] [2] [7] 

Hier sind mehrere zeitgenössische Rechnungsbelege besonders wichtig. Am 24. März 1534 werden 50 Goldgulden genannt, die in Sendenhorst im Zusammenhang mit ausländischen beziehungsweise „overlendischen“ Knechten empfangen wurden. Am 21. April erhielt der Sendenhorster Pastor Ersatz für 11 Goldgulden und 3 Schilling, weil Räte und Münsterherren mit auswärtigen Hauptleuten in seinem Haus Verpflegung verbraucht hatten. 1535 wurde zudem Heu für Geschütz beziehungsweise militärischen Bedarf abgerechnet. [2] 

Auch die Kommunikationswege der Täufer reichen in die Stadt. Im Juni 1534 sagte der gefangene Johann van Elkede aus, eine Nachricht aus Lübeck habe über einen Knecht weitergegeben werden sollen, der bei einem Sendenhorster Bierwirt am Kirchhof wohnte. Damit ist Sendenhorst nicht nur als Versorgungsort, sondern auch am Rand der Nachrichtennetze dieser Krise greifbar. [1] [2] 

Bekannt ist daneben die dramatische Erzählung von desertierten Soldaten, die sich südlich der Stadt auf einem gräftengesicherten Hof verschanzten und ihre Verfolger mit Schüssen empfingen. Petzmeyer nennt hier den Jungmannshof in der Bauerschaft Bracht; ein von der Recke soll gefallen, ein weiterer schwer verwundet worden sein. Nach der Drohung mit schwerem Geschütz hätten sich die Deserteure ergeben und seien nach Wolbeck gebracht worden. [1] 

Quellenkritisch muss diese Episode jedoch abgestuft werden: Fascies vermerkt in den Arbeitsakten ausdrücklich „angeblich der Hof Jungmann“ und weist darauf hin, dass die zugrunde liegende Darstellung im Heimatkalender 1985 keine Quellen nennt. Auch die dort genannte Verbindung eines abgebrannten Hofes mit Gerd von Plettenberg beziehungsweise der Tockenburg lässt sich in den Besitzverhältnissen um 1535 nicht sicher bestätigen. Die militärische Belastung Sendenhorsts 1534/35 ist durch Rechnungen sicher belegt; der genaue Schauplatz Jungmann gehört dagegen in den Bereich der örtlichen Überlieferung. [2] 

 

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7. 1553 – Philipp Magnus und 16 ausgeplünderte Bauern

Im April 1553 zog Herzog Philipp Magnus von Braunschweig-Wolfenbüttel gegen das Hochstift Münster. Er nahm Sassenberg und Warendorf und erpresste dort hohe Zahlungen. Nach der regionalen Chronik wurden von dort Tausende Soldaten zur Ausplünderung des Umlandes ausgeschickt. Der nur wenige Tage dauernde Feldzug war Teil der politischen und konfessionellen Auseinandersetzungen nach dem Schmalkaldischen Krieg. [1] [3] [8] 

Versprengte Truppenteile drangen auch in das Kirchspiel Sendenhorst ein. Hier besitzt die lokale Überlieferung einen außergewöhnlich konkreten Schadensnachweis: 16 Bauern meldeten dem Amtmann zu Wolbeck ihre Verluste. Betroffen waren neun Höfe auf der Hardt, fünf in Rinkhöven und zwei in Elmenhorst. [1] 

Die Liste zeigt beinahe inventarartig, was die Soldaten mitnahmen: vor allem Hafer, Gerste und Roggen, daneben Leinentücher und Laken, Wagen, Karren, Werkzeuge, Töpfe und Kessel. Nur in einem Fall erscheinen Pferde und Rindvieh. Zu den namentlich genannten Geschädigten gehörten unter anderem Hardeman, Sommersell, Focke, Wessel, Düvelhover, Watermann, Lütkehuß, Dobbeler, de Wrede, Cleykamp, Rinckhoff, Schulte Elmenhorst und Ertman. [1] 

Gerade diese Schadensliste macht den Unterschied zwischen großer Politik und lokaler Geschichte sichtbar. Der Feldzug dauerte nur kurz; für einen Hof konnte der Verlust von Saatkorn, Arbeitsgerät oder Zugtieren jedoch die nächste Ernte und damit die Existenz einer ganzen Familie gefährden. [1] 

 

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8. 1573 – Sendenhorst muss Brandschatzung zahlen

Zwanzig Jahre nach Philipp Magnus taucht Sendenhorst erneut unmittelbar in einer Kriegsquelle auf. 1573 erhoben Bürgermeister und Rat der Stadt Sendenhorst Beschwerde wegen einer „hochbeschwerlichen“ Brandschatzung, die ihnen durch Herzog Erich zu Braunschweig abgedrungen worden war. Die Fundstelle ist in den Petz-/HGF-Arbeitsakten mit FM LA 422/10 verzeichnet. [2] 

Eine Brandschatzung bedeutete, dass ein Ort unter der Drohung von Gewalt, Plünderung oder Brand zur Zahlung gezwungen wurde. Der Quellenbeleg sagt damit gerade nicht zwingend, dass Sendenhorst 1573 tatsächlich niedergebrannt wurde. Sicher belegt ist vielmehr, dass die Stadt unter militärischem Druck Geld herausgeben musste und sich anschließend darüber beschwerte. [2] 

Dieser kurze Aktenvermerk ist für die Sendenhorster Kriegsgeschichte besonders wertvoll. Er schließt die Lücke zwischen dem Raubzug von 1553 und den spanisch-niederländischen Truppenzügen der folgenden Jahrzehnte und zeigt, dass auch in scheinbar „ruhigen“ Jahren bewaffnete Macht unmittelbar in den Alltag der Stadt eingreifen konnte. [2] 

 

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9. 1582–1598 – Spanier und Niederländer im Land

Seit 1568 kämpften die Niederlande gegen die spanische Herrschaft. Das Münsterland lag unmittelbar östlich des Kriegsraums und wurde ab den 1580er Jahren immer häufiger zum Durchzugs-, Quartier- und Versorgungsgebiet. Für Sendenhorst und Albersloh lässt sich diese Entwicklung inzwischen mit mehreren konkreten Daten fassen. [2] [3] [9] 

1582 verzeichnen die Kirchspielsrechnungen Albersloh eine Zahlung von 7 Reichstalern im Zusammenhang mit einem Truppendurchzug. 1591 wurde die Lage noch unmittelbarer: Eine Beckumer Kämmereirechnung begründet Arbeiten an der Stadtbefestigung damit, dass „staatisches“, also niederländisches Kriegsvolk in Wolbeck und Sendenhorst lag. Am 1. September 1591 plünderten niederländische Truppen Albersloh; zuvor waren auch Greven und Amelsbüren betroffen. [2] 

Damit ist für 1591 ein direkter militärischer Aufenthalt in Sendenhorst sicher belegt. Das ist mehr als ein allgemeiner Hinweis auf „Spanier und Holländer“ im Münsterland: Sendenhorst selbst erscheint als Standort niederländischer Truppen. Welche Belastungen daraus im Einzelnen für die Einwohner entstanden, geben die erhaltenen Nachrichten allerdings nicht vollständig an. [2] 

1598 folgte die große spanische Invasion des südlichen Münsterlandes. Die Angaben zur Heeresstärke schwanken: Petzmeyer nennt 21.000 Mann, der HGF/Petz-Bestand überliefert auch Zahlen bis 30.000. In der Sache stimmen die Quellen jedoch überein: Ahlen und Beckum wurden angegriffen beziehungsweise eingenommen, und auch Warendorf, Telgte und Sendenhorst blieben nicht verschont. Petzmeyer verweist dafür auf ein zeitgenössisches Flugblatt. [1] [2] 

Die Jahrzehnte vor 1618 waren deshalb keineswegs friedliche Vorkriegszeit. Die Menschen im Raum Sendenhorst hatten wiederholt Truppendurchzüge, Einquartierungen, Plünderungsgefahr und erzwungene Zahlungen erlebt. Der Dreißigjährige Krieg traf eine Bevölkerung, die militärische Gewalt bereits aus eigener Erfahrung kannte. [1] [2] [9] 

 

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10. 1618 – der große Krieg beginnt

Als 1618 in Böhmen der Konflikt begann, der zum Dreißigjährigen Krieg werden sollte, lag Sendenhorst zunächst noch weit von den ersten Kriegsschauplätzen entfernt. Niemand konnte absehen, dass der Krieg drei Jahrzehnte dauern und große Teile Mitteleuropas erfassen würde. [10] 

Für Sendenhorst begann dieses Zeitalter jedoch nicht bei null. Hinter der Stadt lagen bereits die Zerstörung von 1323, die Münsterische Stiftsfehde mit Sendenhorst als Hoya-Stützpunkt und Verhandlungsort, die militärischen Belastungen von 1534/35, der Raubzug von 1553, die Brandschatzung von 1573 sowie die spanischen und niederländischen Truppenzüge der 1580er und 1590er Jahre. [1] [2] 

Neu war nun die Größenordnung und Dauer des kommenden Krieges. Größere Heere mussten über lange Zeit versorgt werden, Fronten und Bündnisse wechselten, und die Kosten der Kriegführung wurden immer stärker auf Städte und Landbevölkerung abgewälzt. Was vorher einzelne Fehden und Feldzüge gewesen waren, wurde zu einer jahrzehntelangen Belastung. [10] 

Schon 1622 erreichte diese neue Kriegswirklichkeit Sendenhorst unmittelbar. Christian von Braunschweig zog durch das Münsterland und besetzte die Stadt. Damit beginnt das nächste große Kapitel der Sendenhorster Geschichte. Der Dreißigjährige Krieg kam nicht in eine friedliche Welt – aber er übertraf alles, was Sendenhorst zuvor erlebt hatte. [1] [2] [10] 

 

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Zeittafel

Zeit

Ereignis und Bedeutung

1315

Sendenhorst wird erstmals urkundlich als oppidum, als Stadt beziehungsweise befestigter Ort, bezeichnet.

1321

Landesherrliche Anordnung zur Anlage von Landwehrgräben und zur bewaffneten Abwehr in den Kirchspielen (regionaler Kontext).

1323

Graf Engelbert II. von der Mark nimmt Sendenhorst; nach Petzmeyer/HGF wird die junge Stadt niedergebrannt und zerstört. Friedensschluss nach den lokalen Kernquellen am 13. November 1323.

1444–1449

Soester Fehde. Bedeutender regionaler Konflikt; konkrete Sendenhorster Kriegsschäden sind bislang nicht sicher belegt.

1450

Beginn der Münsterischen Stiftsfehde. Sendenhorst unterstützt die Hoya-Partei; Fischer nennt Johann von Hoya im Besitz der Stadt.

1451

Sendenhorst erscheint in der Überlieferung als militärisch eingenommener Ort; Walram von Moers belegt die Stadt mit dem Interdikt.

1456

Sendenhorster Abgeordnete bekräftigen gemeinsam mit anderen Stiftsstädten die Wahl Erichs von Hoya.

1457

Am 1. November wird in Sendenhorst ein Vergleich zwischen Johann von Hoya und Vertretern/Freunden der Stadt Münster geschlossen.

1534/35

Sichere Rechnungsbelege für militärische Versorgung und Hauptleute in Sendenhorst; die Jungmann-Episode ist dagegen nur sekundär und mit Vorbehalt überliefert.

1553

Truppen des Philipp Magnus plündern im Kirchspiel. 16 Bauern aus Hardt, Rinkhöven und Elmenhorst melden konkrete Verluste.

1573

Bürgermeister und Rat beschweren sich über eine durch Herzog Erich zu Braunschweig abgedrungene Brandschatzung.

1582

Albersloher Kirchspielsrechnung nennt eine Zahlung im Zusammenhang mit einem Truppendurchzug.

1591

Niederländisches beziehungsweise „staatisches“ Kriegsvolk liegt in Wolbeck und Sendenhorst; am 1. September wird Albersloh geplündert.

1598

Großer spanischer Einfall in das südliche Münsterland. Auch Sendenhorst bleibt nach Petzmeyer und HGF/Petz nicht verschont.

1618

Beginn des Dreißigjährigen Krieges; Sendenhorst liegt zunächst noch außerhalb der unmittelbaren Kampfzone.

1622

Christian von Braunschweig erreicht und besetzt Sendenhorst – Übergang zum nächsten großen Kriegskapitel.

 

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Quellen und weiterführende Literatur

[1] Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst. Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Sendenhorst 1993. Kernquelle für Stadtwerdung, 1323, Stiftsfehde, Täuferzeit, Philipp Magnus und den spanischen Einfall 1598.

[2] Petz-/HGF-/Fascies-Arbeitsbestand „Krieg“ im Stadt-Heimatarchiv / Heimatverein Sendenhorst. Enthält u. a. die lokalen Belege zur Stiftsfehde 1450–1457, die Rechnungen von 1534/35, FM LA 422/10 zur Brandschatzung 1573 sowie die Nachrichten zu 1591 und 1598.

[3] Detlef Fischer: Chronik des Münsterlandes. Aschendorff, Münster 2003. Regionaler Kontext u. a. zu 1321/23, Stiftsfehde und Philipp Magnus. Bei 1323 weichen Friedensdatum und Lösegeldangabe von Petzmeyer/HGF ab.

[4] Heimatverein Sendenhorst: Frühgeschichte und Stadtwerdung Sendenhorsts.

[5] Heimatverein Sendenhorst: Chronik der Stadt Sendenhorst.

[6] LWL / Internet-Portal Westfälische Geschichte: Soester Fehde und westfälische Territorialkonflikte des 15. Jahrhunderts.

[7] LWL / Internet-Portal Westfälische Geschichte: Täuferherrschaft und Belagerung Münsters 1534/35.

[8] LWL / Internet-Portal Westfälische Geschichte: Feldzug des Philipp Magnus von Braunschweig-Wolfenbüttel 1553.

[9] LWL / Westfälische Geschichte: Niederländisch-spanischer Krieg und seine Auswirkungen auf Westfalen.

[10] LWL / Internet-Portal Westfälische Geschichte: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede im regionalen Zusammenhang.

Redaktioneller Hinweis: Die Darstellung unterscheidet zwischen sicher belegten lokalen Nachrichten, wahrscheinlichen Rekonstruktionen, örtlicher Überlieferung und rein regionalem Kontext. Besonders bei 1534/35 wird die spätere Jungmann-Überlieferung nicht mit den zeitgenössisch belegten Rechnungsnachrichten gleichgesetzt. Für 1323 werden die abweichenden Angaben bei Petzmeyer/HGF und Fischer ausdrücklich genannt. Bei der Münsterischen Stiftsfehde werden direkte Sendenhorster Schadensbehauptungen vermieden, soweit dafür kein sicherer Beleg vorliegt.

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Brauchtum im September im Münsterland
Alte Bräuche zwischen Sommer und Herbst.
🏮 Lambertus
17. September
Kinder zogen mit Lampions durch die Straßen und versammelten sich an geschmückten Lichtpyramiden. Dort wurde gesungen und gespielt. Um 1900 war der Brauch unter anderem in Münster, Altenberge, Greven, Coesfeld und Rheine verbreitet.
🌾 Michaelis
29. September
Michaelis markierte einen wichtigen Einschnitt im bäuerlichen Jahreslauf. Die Ernte sollte beendet sein und auf abgeernteten Flächen begann vielerorts die Hütefreiheit. Hirten erhielten ihren Lohn, teilweise wechselte auch das Gesinde den Dienstherrn.
🍎 Obsternte & Schlachtfest
In Sassenberg zogen Kinder singend von Haus zu Haus und baten um Obst. Aus Drensteinfurt ist zum Schlachtfest ein besonderer Apfelkranz-Brauch überliefert.
🌾 Stoppelhahn
Ende September / Anfang Oktober
So hieß im Münsterland vielfach das traditionelle Erntefest. Erntezeichen und das letzte Getreidefuder wurden zum Hof gebracht, anschließend wurde gemeinsam gefeiert.
Quelle: Dietmar Sauermann, Damals bei uns in Westfalen – Vom alten Brauch in Stadt und Land, Band 3.

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