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Sendenhorst und Albersloh im Kalten Krieg 1945–1991

Panzerkolonnen vor Tagesanbruch, Tiefflieger über Sendenhorst und Albersloh, ohrenbetäubende Überschallknalle und Atomwaffen in der Nachbarschaft: Unsere Stadt lag nicht an der innerdeutschen Grenze, aber mitten in einer dicht besetzten Militärlandschaft. Mit der Sendenhorster Patenkompanie in der Westfalenkaserne wurde die Bundeswehr sogar Teil des örtlichen Stadt- und Vereinslebens. Der Kalte Krieg war hier keine ferne Weltpolitik. Er war zu sehen, zu hören und manchmal sogar lebensgefährlich.

1. Eine Stadt zwischen den Blöcken

Als 1945 der Zweite Weltkrieg endete, begann keine friedliche und spannungsfreie Epoche. Aus den früheren Verbündeten USA, Großbritannien und Sowjetunion wurden Gegner. Europa teilte sich in zwei Machtblöcke, Deutschland in Bundesrepublik und DDR. Seit 1955 gehörte die Bundesrepublik zur NATO; die DDR wurde im selben Jahr Mitglied des Warschauer Paktes.

Sendenhorst und Albersloh lagen weit von der innerdeutschen Grenze entfernt. Militärisch unbedeutend war das Stadtgebiet deshalb keineswegs. Im Umkreis von wenigen Dutzend Kilometern befanden sich ein Korpshauptquartier, deutsche und britische Kasernen, ein großer Militärflugplatz, eine Nike-Flugabwehrraketenstellung und ein Sondermunitionslager mit Atomsprengköpfen. In Albersloh betrieb die Luftwaffe außerdem eine eigene Funksendestelle. Im Ernstfall hätte die Region Aufmarschraum, Nachschubgebiet, Führungsraum und Teil der Luftverteidigung zugleich sein können.

Im Alltag zeigte sich dieser Krieg ohne offene Front vor allem durch Lärm und Bewegung: Kolonnen auf Landstraßen, Kettenfahrzeuge im Morgengrauen, Hubschrauber, tief fliegende Kampfflugzeuge, Überschallknalle und Manöver, bei denen Felder, Wege und Straßen zu Übungsräumen wurden. Hinter diesem scheinbar gewohnten Bild stand die Drohung, dass ein Krieg in Mitteleuropa notfalls mit Atomwaffen geführt werden sollte.

 

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2. Der militärische Ring um Sendenhorst

Das militärische Zentrum der Region war Münster. Dort wurde 1956 das I. Korps der Bundeswehr aufgestellt. Es führte im Verteidigungsfall einen großen Teil der westdeutschen Landstreitkräfte zwischen Nordsee, Weser und Rhein. Der Korpsstab saß im ehemaligen Generalkommando am Schlossplatz. Seit 1971 kam das Lufttransportkommando der Luftwaffe hinzu. Es koordinierte Transportflugzeuge und Hubschrauber und war damit Teil der Logistik, auf die ein schneller NATO-Aufmarsch angewiesen gewesen wäre.

Britische Soldaten prägten Münster ebenfalls. York-Kaserne in Gremmendorf, Oxford-Kaserne in Gievenbeck und weitere Flächen machten die britische Garnison zu einer Stadt in der Stadt. Hinzu kamen Handorf, die Westfalenkaserne in Ahlen, RAF Gütersloh, die Atomwaffenstandorte Schirlheide und Westkirchen sowie die Luftwaffen-Funksendestelle in Albersloh-Berl.

Sendenhorst lag damit nicht am Rand, sondern nahezu in der Mitte eines engen militärischen Netzes. Die Straßen nach Münster, Ahlen, Warendorf, Beckum und Gütersloh waren zugleich mögliche Marsch- und Nachschubwege. Der zivile Alltag spielte sich in einem Raum ab, der für Mobilmachung und Krieg mitgedacht worden war.

 

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3. Albersloh-Berl: die „Radaranlage“ war eine Funksendestelle

Albersloh war nicht nur von Tieffliegern und Militärverkehr betroffen. Im Bereich der Bauerschaft Berl, nördlich des Ortskerns, entstand Anfang der 1970er-Jahre eine eigene militärische Anlage. Am 12. Juni 1973 wurde die Luftwaffen-Funksendestelle Albersloh offiziell an die Luftwaffe übergeben. Zunächst unterstand sie dem Lufttransportkommando in Münster.

Im Ort wird das Antennenfeld bis heute häufig als „Radaranlage“ bezeichnet. Technisch ist das jedoch nicht richtig. Radar sendet Signale aus und wertet deren Reflexionen aus, um Flugzeuge oder andere Objekte zu orten. Die Anlage in Albersloh diente dagegen als Funksendestelle: Über Kurzwelle wurden Verbindungen zu Luftfahrzeugen hergestellt. Die räumlich getrennte Empfangsstelle befand sich in Milte.

Damit besaß die heutige Stadt Sendenhorst während des Kalten Krieges sogar eine eigene Bundeswehrliegenschaft. Berl und Albersloh gehören deshalb zwingend in die örtliche Geschichte dieser Epoche. Die Anlage verband das ländliche Stadtgebiet unmittelbar mit dem Lufttransportkommando und dem militärischen Fernmeldenetz der Luftwaffe. [23] [24]

 

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4. Ahlen, Westfalenkaserne und Sendenhorsts Patenkompanie

Nur etwa zehn Kilometer südlich von Sendenhorst lag die Westfalenkaserne in Ahlen. Dort hatte die 1959 aufgestellte Panzergrenadierbrigade 19, später „Münsterland“ genannt, ihren wichtigsten Standort. Der Brigadestab war zunächst in Münster-Handorf untergebracht und verlegte noch 1959 nach Ahlen. Seit 1962 war die Brigade der NATO unterstellt. [4]

Panzergrenadiere sollten gemeinsam mit Kampfpanzern beweglich kämpfen. Zur Brigade gehörten deshalb Schützenpanzer, Kampfpanzer, Artillerie, Pioniere, Nachschub- und Instandsetzungskräfte. Bei Alarm wären Reservisten eingezogen, Fahrzeuge beladen und die Einheiten in ihre vorgesehenen Räume verlegt worden. Die Straßen zwischen Ahlen, Sendenhorst, Warendorf, Beckum und Münster waren Teile dieses militärischen Netzes.

Sendenhorsts Patenkompanie – Bundeswehr zum Anfassen

Die Verbindung nach Ahlen war für Sendenhorst jedoch weit mehr als die Nähe zu einer großen Kaserne. Im Herbst 1962 begründete die Stadt offiziell eine Patenschaft mit der 4. Kompanie. Ein zeitgenössischer Sendenhorster Rückblick nennt auf städtischer Seite Amtsdirektor Esser und die Vorstände der Vereine, auf Seiten der Bundeswehr unter anderem Kompaniechef Hauptmann Büren und Hauptfeldwebel Pense. Für Januar 1969 ist die Einheit ausdrücklich als 4./Panzergrenadierbataillon 192 belegt. Nach der Umgliederung des Verbandes wird die Patenkompanie 1975 als 4./Jägerbataillon 441 bezeichnet; spätere Archivunterlagen führen die Patenschaft in der Linie des Jägerbataillons 531 weiter. [28] [29] [30]

Die Patenschaft sollte bewusst Kontakte zwischen Soldaten und Bürgerschaft schaffen. Daraus entwickelte sich ein fester Teil des Sendenhorster Gesellschaftslebens. Soldaten nahmen am Schützenfest teil, Sendenhorster fuhren zum jährlichen „Hosenlakenschießen“ nach Ahlen, und auch der Rat der Stadt war regelmäßig Gast der Kompanie. Besonders eng war die Verbindung zum Allgemeinen Schützenverein St. Martinus. Beim „Tag der 4. Kompanie“ 1972, zehn Jahre nach Begründung der Patenschaft, wurden auf dem Sendenhorster Sportplatz sogar 700 Soldaten vereidigt. [28]

Die Patenkompanie im Sendenhorster Stadtbild

September 1982: Das Stadt-Heimatarchiv dokumentiert einen Marsch der Patenkompanie durch das Ortszentrum. Auf dem Sportplatz sprachen anschließend Bürgermeister Heinz Schibill und der kommandierende Offizier.

1987: Bei einer weiteren großen Vereidigung am Westtor verlieh Ministerpräsident Johannes Rau der Patenkompanie ein Fahnenband des Landes Nordrhein-Westfalen. Damit wurde die jahrzehntelange Verbindung zwischen Stadt und Bundeswehr auch öffentlich sichtbar gewürdigt. [30]

Mit dem Ende des Kalten Krieges endete die Verbindung nicht sofort. Nach der Auflösung des Jägerbataillons 531 wurde 1994 eine neue Bundeswehrpatenschaft mit der 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 192 begründet. Die Sendenhorster Chronik nennt sie ausdrücklich als „neue Bundeswehrpatenschaft“; eine amtliche Bundestagsübersicht bestätigt die Zuordnung 3./PzGrenBtl 192 – Ahlen – Sendenhorst. [31] [32]

Noch 2005 lud die Patenkompanie zum letzten Heringsessen mit Hosenlakenschießen in die Westfalenkaserne ein. Die Martinusschützen erinnern an diesen letzten Kameradschaftsabend unmittelbar vor der Auflösung der Patenkompanie. Mit der Auflösung des Panzergrenadierbataillons 192 im Jahr 2006 endete schließlich auch diese Ahlener Traditionslinie. [33]

Gerade diese Patenschaft zeigt die alltägliche Seite des Kalten Krieges: Die Bundeswehr war für viele Sendenhorster nicht nur durch Panzerkolonnen, Manöver und Kasernen präsent, sondern durch persönliche Begegnungen, Schützenfest, Ratsbesuche und gemeinsame Veranstaltungen. Militärische Verteidigungsplanung und ziviles Vereinsleben lagen hier unmittelbar nebeneinander.

Eine große Kaserne mit gepanzerten Verbänden wäre in einem Krieg ein naheliegendes Ziel gewesen. Ob Ahlen in einem bestimmten sowjetischen Plan ausdrücklich als Atomziel aufgeführt war, ist öffentlich nicht belegt. Die militärische Bedeutung ist sicher; eine konkrete nukleare Zielzuweisung bleibt dagegen eine Schlussfolgerung.

 

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5. Handorf: Panzer, Hubschrauber und US-Soldaten

Münster-Handorf war ein weiterer bedeutender Standort. In der Lützow-Kaserne lagen im Laufe der Jahrzehnte gepanzerte Verbände, Artillerie und Führungsstellen. Von 1970 bis 1984 war dort außerdem das Heeresfliegerkommando 1 stationiert. Hubschrauber gehörten deshalb ebenso zum militärischen Alltag der Region wie Panzer und Radfahrzeuge.

Besonders wichtig war die Anwesenheit amerikanischer Atomwaffenspezialisten. Von 1964 bis 1992 hatte die 570th United States Army Artillery Group ihren Sitz in Handorf. Solche US-Gruppen waren für Bewachung, Wartung und Freigabeverfahren amerikanischer Nuklearmunition zuständig, die im Ernstfall von verbündeten Truppen eingesetzt worden wäre.

Das bedeutet nicht, dass die Sprengköpfe einfach in der Lützow-Kaserne oder auf dem alten Handorfer Flugplatz lagen. Der eigentliche Lagerort befand sich weiter nordöstlich in Ostbevern-Schirlheide. Handorf war vor allem Führungs- und Unterstützungsstandort des amerikanischen Sicherungssystems.

 

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6. Das Atomwaffenlager Ostbevern-Schirlheide

Etwa 18 Kilometer nördlich von Sendenhorst lag von 1964 bis 1991 das Sondermunitionslager Ostbevern-Schirlheide. Hinter mehrfachen Zäunen, Wachtürmen und gesicherten Schleusen standen neun erdüberdeckte Lagerhäuser. Dort wurde keine gewöhnliche Munition verwahrt, sondern amerikanische Atomsprengköpfe für britische Trägersysteme.

Zum Bestand konnten Gefechtsköpfe für Honest-John- und später Lance-Raketen sowie nukleare Artilleriemunition der Kaliber 155 und 203 Millimeter gehören. Die Sprengkraft reichte je nach Typ von kleinen taktischen Ladungen bis in die Größenordnung von etwa 100 Kilotonnen TNT. Zum Vergleich: Die Bombe von Hiroshima hatte ungefähr 15 Kilotonnen.

Die amerikanische Seite behielt die Verfügungsgewalt, britische Verbände stellten die Trägersysteme. Dieses Verfahren wurde als Zwei-Schlüssel-System bezeichnet. Die Munition konnte auch mit schweren CH-47-Chinook-Hubschraubern bewegt werden. Damit verbanden sich Schirlheide, die britischen Verbände und der amerikanische Führungsstandort Handorf zu einem gemeinsamen nuklearen Sicherungssystem.

 

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7. Westkirchen: Nike-Raketen mit Atomsprengköpfen

Noch näher lag die Flugabwehrraketenstellung Westkirchen, rund 13 Kilometer von Sendenhorst entfernt. Dort war die 1. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 21 stationiert. Die Stellung bestand aus getrennten Bereichen für Unterkunft, Radar und Feuerleitung sowie den Abschussbereich mit Raketenstellungen und Bunkern.

Die Nike Hercules war etwa zwölf Meter lang, wog rund fünf Tonnen und erreichte ein Mehrfaches der Schallgeschwindigkeit. Sie sollte hoch fliegende sowjetische Bomberverbände abfangen. Dafür konnte sie konventionelle oder nukleare Gefechtsköpfe tragen. In Westkirchen lagen bis 1987 amerikanische Atomsprengköpfe. Genannt werden kleinere Sprengköpfe von etwa zwei Kilotonnen sowie größere mit zunächst 40, später 20 Kilotonnen.

Deutsche Soldaten bedienten Raketen, Radar und Feuerleitung. Die nuklearen Gefechtsköpfe blieben unter amerikanischer Verwahrung; dafür war in Westkirchen eine Abteilung der 66th United States Army Artillery Detachment eingesetzt. Erst nach Freigabe durch beide Seiten hätte eine nuklear bestückte Rakete eingesetzt werden können.

Die Vorstellung hinter dem System war bedrückend: Ein Atomsprengkopf sollte in großer Höhe mitten in einem anfliegenden Bomberverband explodieren. Druck, Hitze und Strahlung sollten mehrere Flugzeuge zugleich vernichten. Die Folgen wären jedoch nicht sauber auf den Himmel begrenzt geblieben.

 

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8. Wäre Sendenhorst selbst ein Atomziel gewesen?

Ein freigegebener sowjetischer Zielplan, in dem Sendenhorst ausdrücklich genannt wird, ist nicht bekannt. Der Hauptort besaß weder einen strategischen Flugplatz noch ein großes Hauptquartier oder einen eigenen Atomwaffenstandort. Als selbständiges strategisches Atomziel war Sendenhorst daher eher unwahrscheinlich.

Anders sah es in der Umgebung aus. Die Westfalenkaserne in Ahlen lag etwa zehn Kilometer entfernt, die Nike-Stellung Westkirchen rund 13 Kilometer, das Sondermunitionslager Schirlheide etwa 18 Kilometer. Hinzu kamen die Kasernen und Führungsstellen in Handorf und Münster, RAF Gütersloh sowie die Funksendestelle Albersloh-Berl. Diese Orte hatten unterschiedliche Aufgaben und wären nicht zwangsläufig mit Atomwaffen angegriffen worden. Sie waren jedoch militärische Ziele, deren Ausschaltung für einen Gegner von Interesse sein konnte.

Ein direkter Atomtreffer auf Sendenhorst ist nicht belegt. Ein Atomwaffeneinsatz im nahen Umfeld war in den damaligen Planungen aber keineswegs undenkbar. Auch ohne direkten Treffer hätten Druckwellen, Brände, radioaktiver Niederschlag, zerstörte Straßen und der Zusammenbruch von Strom-, Wasser- und Lebensmittelversorgung die Bevölkerung getroffen.

 

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9. RAF Gütersloh und der militärische Himmel

Rund 35 Kilometer östlich von Sendenhorst lag RAF Gütersloh, einer der wichtigsten britischen Militärflugplätze in Nordwestdeutschland. Von 1965 bis 1977 standen dort Lightning-Abfangjäger in ständiger Alarmbereitschaft. Später folgten senkrecht startende Harrier-Kampfflugzeuge. Dazu kamen Wessex-, Puma- und Chinook-Hubschrauber.

Im Ernstfall sollten die Harrier auf vorbereitete Ausweichplätze, Straßenabschnitte und Feldflugplätze verteilt werden. Dadurch sollte ein sowjetischer Erstschlag nicht die gesamte Einheit am Boden vernichten. Die militärische Nutzung des Luftraums reichte deshalb weit über die Platzgrenzen hinaus.

Nicht jedes Flugzeug über Sendenhorst und Albersloh kam aus Gütersloh. Britische, deutsche, niederländische, belgische und amerikanische Maschinen übten über der Bundesrepublik. Für die Menschen am Boden war die Herkunft meist nicht zu erkennen. Was blieb, waren Lärm, erschreckte Tiere, vibrierende Fensterscheiben und die Sorge, dass bei den hohen Geschwindigkeiten etwas geschehen könnte.

 

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10. Der Absturz bei Horstmann: T-33 statt Starfighter

Am 28. April 1964 wurde der Kalte Krieg in Sendenhorst plötzlich greifbar. Nach dem Start vom Fliegerhorst Oldenburg fiel in etwa 10.000 Fuß Höhe das Triebwerk einer Lockheed T-33A des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“ aus. Die Maschine trug das Kennzeichen JA+384. Beide Piloten retteten sich mit ihren Schleudersitzen; das Flugzeug stürzte bei Sendenhorst ab und wurde zerstört. [12]

Nach der örtlichen Überlieferung schlug die Maschine gegenüber der Brennerei Horstmann ein, im Bereich zwischen Schörmelgraben und der heutigen Justus-von-Liebig-Straße. Die Piloten gingen getrennt am Südendamm und am Ahlener Damm nieder. Ein damaliges Schulkind beobachtete das Geschehen und erinnerte sich noch Jahrzehnte später daran.

Die Starfighter-Erzählung stimmt nicht

In Sendenhorst wird bis heute gelegentlich erzählt, bei Horstmann sei ein Starfighter abgestürzt. Das ist falsch. Es war eindeutig eine zweisitzige Lockheed T-33A. Vermutlich entstand die Starfighter-Erzählung später, weil die F-104 zum bekanntesten und berüchtigtsten Düsenjäger jener Jahre wurde. Dass das Jagdgeschwader 71 damals sowohl T-33A als auch Starfighter flog, dürfte die spätere Verwechslung zusätzlich begünstigt haben.

Die T-33 war ein Schul- und Verbindungsflugzeug. Der Absturz war kein Tiefflugunfall, und es gibt keinen Hinweis auf eine nukleare Bewaffnung. Gerade deshalb ist er aufschlussreich: Schon ein routinemäßiger Flug konnte innerhalb weniger Minuten zu einem Unfall über bewohntem Gebiet werden.

 

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11. Erinnerungen: Panzer, Tiefflieger und Überschallknall

„Wann genau es war, weiß ich nicht mehr. Es muss in den 1970er-Jahren gewesen sein. Morgens gegen fünf Uhr kamen ungefähr vierzig Panzer am Stück vorbei. Die Kolonne schien überhaupt kein Ende zu nehmen. Und diese Tiefflieger – die waren gefühlt ständig da.“

„Ein besonderes ‚Highlight‘ war, wenn einer der Flieger die Schallmauer durchbrach. Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Gefühlt passierte das verdammt oft – bis weit in die 1980er-Jahre. In den 1970ern verbanden wir den Lärm besonders mit den Starfightern, in den 1980ern mit den Phantoms. Für uns am Boden war beides gleichermaßen ätzend. Das war wirklich furchtbar.“

Diese persönlichen Ohrenzeugen-Erinnerungen treffen einen charakteristischen Teil des Kalten Krieges. Die Jahrzehnte dürfen dabei nicht zu starr getrennt werden: Die F-4F Phantom kam bereits ab 1973 zur Luftwaffe, während der Starfighter noch bis in die 1980er-Jahre flog. In der Erinnerung stehen dennoch häufig die Starfighter für die 1970er- und die Phantoms für die 1980er-Jahre. Nicht jeder über Sendenhorst gehörte zur deutschen Luftwaffe, denn auch britische und andere NATO-Maschinen nutzten den Luftraum.

Der Ausdruck „Tieffliegerschneise“ war umgangssprachlich, bezeichnete aber eine sehr reale Erfahrung. Militärische Tiefflüge konnten im allgemeinen Übungsbetrieb bis auf etwa 150 Meter über Grund, in besonderen Gebieten zeitweise bis auf ungefähr 75 Meter hinabführen. Ziel war, unter gegnerischem Radar zu bleiben und Anflüge auf Bodenziele zu üben. Plötzlicher Lärm störte Schlaf, Unterricht und Arbeit; Tiere scheuten, Fensterscheiben klirrten.

Auch die Überschallknalle waren keine Einbildung. Hörbar wurde nicht nur ein einzelner Moment, in dem ein Flugzeug „die Schallmauer durchbrach“, sondern die Stoßwelle eines überschallschnellen Fluges, sobald sie den Beobachter am Boden erreichte. Für die Betroffenen machte diese physikalische Feinheit keinen Unterschied: Der Knall kam plötzlich, war extrem laut und erschreckte Menschen und Tiere.

Großmanöver brachten gleichzeitig ganze Verbände auf die Straßen. Nacht und früher Morgen waren für Verlegungen günstig, weil der zivile Verkehr schwächer war und zugleich Bewegung bei Dunkelheit geübt werden konnte. Die Erinnerung an rund vierzig Panzer gegen fünf Uhr morgens passt genau in diese Manöverwelt. Welches einzelne Manöver es war, lässt sich ohne Datum oder Foto nicht sicher bestimmen.

Randgeschichte: Die Tiefflugschneisen verhinderten den Großflughafen

Zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt sollte Anfang der 1970er-Jahre der dritte Interkontinentalflughafen Nordrhein-Westfalens entstehen. Das Projekt scheiterte schließlich wesentlich an den militärischen Tiefflugschneisen und den Einwänden von Bundesregierung und NATO. Der Fluglärm war also nicht nur eine alltägliche Belastung: Die militärische Nutzung des Himmels beeinflusste sogar die zivile Großplanung der Region.

➜ Die ganze Geschichte des geplanten Flughafens

 

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12. Das US-Feldlager am Südendamm und Ahlener Damm

Mitte der 1980er-Jahre kamen amerikanische Soldaten nicht nur durch Sendenhorst hindurch. Nach örtlicher Erinnerung richteten sie im Bereich Südendamm beziehungsweise Ahlener Damm ein größeres Feldlager ein und blieben mehrere Tage. Fahrzeuge standen in Gruppen, Soldaten biwakierten, und der Platz diente vermutlich als Sammel-, Rast- oder Bereitstellungsraum vor der Weiterfahrt in Richtung Ahlen.

Das genaue Jahr ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. In der Erinnerung werden 1985 und besonders 1986 genannt. Als Zusammenhang kommen die Großmanöver „Trutzige Sachsen 85“ und „Crossed Swords 86“ infrage. Für „Crossed Swords 86“ sind rund 24.500 Soldaten nachgewiesen, darunter etwa 3.000 Amerikaner und 3.000 Briten. Der eigentliche Übungsraum lag weiter östlich und südöstlich; eine Verlegung über Sendenhorst und Ahlen ist plausibel, aber noch nicht durch eine lokale Quelle bewiesen.

Fotos, Tagespresse, Polizeimeldungen oder Unterlagen zu Flur- und Straßenschäden könnten das Feldlager genauer datieren. Gerade solche örtlichen Quellen machen aus der allgemeinen Manövergeschichte ein konkretes Sendenhorster Ereignis.

 

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13. Unfälle und Manöverschäden

Manöver hinterließen Spuren. Typisch waren tiefe Fahrspuren in Äckern und Wiesen, verdichteter Boden, Ernteausfälle, beschädigte Gräben, Durchlässe, Zäune und Bäume sowie abgebrochene Straßenränder. Hinzu kamen ausgelaufenes Öl oder Treibstoff, beschädigte parkende Fahrzeuge und Verkehrsunfälle mit Militärfahrzeugen.

Die Summen zeigen die Größenordnung. Nach „Großer Bär 76“ wurden rund 1,5 Millionen DM für Manöverschäden veranschlagt; außerdem kam es zu zahlreichen Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten. Für „Starke Wehr 82“ werden etwa zwei Millionen DM genannt. Bei „Trutzige Sachsen 85“ stellte man vorsorglich 5,5 Millionen DM bereit.

Wie unmittelbar das werden konnte, zeigt ein Beispiel aus dem Manöverjahr 1986: Ein britischer Centurion fuhr gegen vier geparkte Autos; der Schaden wurde mit rund 30.000 DM angegeben. Wegen der hohen Flur- und Straßenschäden vorheriger Übungen wurde beim Manöver „Eternal Triangle 86“ die Zahl der eingesetzten Kampfpanzer bereits verringert. Dessen nördliche Begrenzung lag im Raum Ahlen und Beckum.

Diese Beispiele belegen die Belastung der Region, aber noch keinen bestimmten Schaden am Ahlener Damm. Dafür müssten Akten der Stadt Sendenhorst und des Kreises Warendorf, Rechnungen des Bauamtes, Polizeiberichte oder Entschädigungsanträge ausgewertet werden.

 

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14. Das Ende einer militärischen Epoche

Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989, der deutschen Einheit 1990 und der Auflösung des Warschauer Paktes 1991 verlor die alte Konfrontation ihre Grundlage. In erstaunlich kurzer Zeit verschwanden Einrichtungen, die Jahrzehnte lang selbstverständlich gewirkt hatten.

Das Sondermunitionslager Schirlheide wurde 1991 aufgegeben, die 570th US Army Artillery Group in Handorf 1992 aufgelöst. RAF Gütersloh schloss 1993. Das I. Korps ging 1995 im deutsch-niederländischen Korps auf. Die Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen wurde 2002 aufgelöst; die letzten britischen Kasernen in Münster wurden 2012 und 2013 geräumt. In Westkirchen endete die nukleare Nike-Zeit bereits 1987. Die Funksendestelle Albersloh bestand dagegen über das Ende des Kalten Krieges hinaus. Auch die Sendenhorster Bundeswehrpatenschaft überdauerte die Blockkonfrontation: 1994 wurde sie mit der 3./Panzergrenadierbataillon 192 neu begründet; 2005 fand der letzte Kameradschaftsabend mit Hosenlakenschießen statt, bevor die Ahlener Einheit 2006 aufgelöst wurde. [31] [32] [33]

Sendenhorst war keine Frontstadt und wahrscheinlich kein eigenständiges strategisches Atomziel. Dennoch lag die Stadt mit beiden Ortsteilen mitten in einer Landschaft, die für den Krieg vorbereitet war. Die Westfalenkaserne, Münster und Handorf, RAF Gütersloh, Westkirchen, Schirlheide und die Funksendestelle in Albersloh-Berl bildeten einen engen militärischen Ring.

Die lokalen Erinnerungen geben dieser Geschichte ihren Maßstab: das Dröhnen einer Panzerkolonne um fünf Uhr morgens, die Tiefflieger über den Dächern, der schneidende Überschallknall, der Absturz einer T-33 bei Horstmann und das tagelange US-Biwak am Ahlener Damm. So bestand der Kalte Krieg hier nicht nur aus Weltpolitik, sondern aus einer über Jahrzehnte hörbaren und sichtbaren Gegenwart.

Ein Echo des Kalten Krieges – 2026

Ein Sendenhorster Freund, gebürtig aus Giżycko – dem früheren Lötzen – im masurischen Nordosten Polens, berichtete 2026: „Genau so fühlt es sich dort heute wieder an.“ Militärflugzeuge, Übungen, Kolonnen und die ständige Wahrnehmung einer nahen Grenze erinnerten ihn an die Atmosphäre, die ältere Generationen aus dem Kalten Krieg kennen.

Giżycko liegt nahe dem strategisch empfindlichen Suwałki-Korridor. Dieser schmale Landraum verbindet die NATO-Staaten Polen und Litauen und liegt zwischen dem russischen Gebiet Kaliningrad und Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist die militärische Präsenz an der NATO-Ostflanke stark gewachsen. Die Sendenhorster Erinnerungen an einen scheinbar friedlichen Alltag unter dauernder militärischer Anspannung erhalten dadurch eine beklemmende Aktualität. [27]

 

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Zeittafel

Zeit Ereignis in Sendenhorst und Umgebung
1945 Ende des Zweiten Weltkrieges; Beginn der Ost-West-Konfrontation.
1955/1956 NATO-Beitritt der Bundesrepublik; Gründung der Bundeswehr; Aufstellung des I. Korps in Münster.
1959 Panzergrenadierbrigade 19 verlegt ihren Stab von Handorf nach Ahlen.
1962 Im Herbst wird die Bundeswehrpatenschaft Sendenhorsts mit der 4. Kompanie in der Westfalenkaserne Ahlen offiziell begründet.
1964 Beginn der nuklearen Lagerung in Schirlheide; 570th USAAG in Handorf. Am 28. April stürzt die T-33A JA+384 bei Horstmann ab.
1960er–1987 Nike-Hercules-Stellung Westkirchen mit amerikanischen Atomsprengköpfen.
1965–1993 RAF Gütersloh als bedeutender britischer Militärflugplatz.
1972 Zehn Jahre Patenkompanie: Beim „Tag der 4. Kompanie“ werden 700 Soldaten auf dem Sportplatz in Sendenhorst vereidigt.
1973 Am 12. Juni wird die Luftwaffen-Funksendestelle Albersloh-Berl offiziell übergeben. Im selben Jahr beginnt die Einführung der F-4F Phantom.
1970er/1980er Erinnerungen an Panzerkolonnen, Tiefflieger und häufige Überschallknalle – zunächst besonders mit Starfighter, später mit Phantom verbunden.
1976 Großmanöver „Großer Bär 76“ mit 62.000 Soldaten und schweren Manöverschäden.
1982 Die Sendenhorster Patenkompanie marschiert durch das Ortszentrum; anschließend Ansprachen auf dem Sportplatz.
1985/1986 US-Feldlager am Südendamm/Ahlener Damm; genaue Zuordnung noch offen.
1987 Vereidigung am Westtor und Verleihung eines Fahnenbandes durch Ministerpräsident Johannes Rau an die Sendenhorster Patenkompanie. Im selben Jahr endet die nukleare Nike-Zeit in Westkirchen.
1989–1993 Mauerfall, deutsche Einheit, Auflösung des Warschauer Paktes; Schirlheide, US-Atomwaffenorganisation in Handorf und RAF Gütersloh werden aufgegeben.
1994 Neue Bundeswehrpatenschaft Sendenhorsts mit der 3./Panzergrenadierbataillon 192 in Ahlen.
2005/2006 2005 letzter Kameradschaftsabend mit Heringsessen und Hosenlakenschießen in der Westfalenkaserne; 2006 Auflösung des Panzergrenadierbataillons 192.
2026 Ein Sendenhorster Freund aus Giżycko/Lötzen vergleicht die heutige militärische Anspannung am Suwałki-Korridor mit der Atmosphäre des Kalten Krieges.

 

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Quellen und weiterführende Literatur

Hinweis: Wo örtliche Erinnerungen noch nicht durch Akten oder zeitgenössische Presseberichte bestätigt sind, wird dies ausdrücklich kenntlich gemacht. Persönliche Erinnerungen und Ohrenzeugenberichte werden als solche wiedergegeben.

[1] Bundesarchiv / Deutsche Digitale Bibliothek: I. Korps der Bundeswehr

[2] Bundeswehr/ZMSBw: Bundeswehrstandorte und Militärgeschichte in Münster

[3] Stadt Münster: Britische Garnison 1955–2013

[4] Bundesarchiv / Archivportal-D: Panzergrenadierbrigade 19

[5] ZMSBw: Lützow-Kaserne Münster-Handorf

[6] US Army Germany: 570th U.S. Army Artillery Group

[7] Sondermunitionslager Ostbevern-Schirlheide – Übersicht und Literaturhinweise

[8] Atomwaffen A–Z: Ostbevern-Schirlheide

[9] Atomwaffen A–Z: Ennigerloh-Westkirchen

[10] Relikte.com: Nukleare Bewaffnung der Nike-Flugabwehr

[11] Royal Air Force Museum: Harrier GR.3 und RAF Gütersloh

[12] Aviation Safety Network: T-33A JA+384, Absturz bei Sendenhorst am 28. April 1964

[13] Heimatverein Sendenhorst: örtliche Augenzeugenerinnerung an den Absturz bei Horstmann

[14] Bundeswehr: Regeln und Hintergründe des militärischen Tiefflugs

[15] Deutscher Bundestag, Drucksache 11/558: Tiefflugbewegungen 1984/1985

[16] M136: Großer Bär 76 – Teilnehmer, Fahrzeuge, Unfälle und Schäden

[17] M136: Trutzige Sachsen 85

[18] M136: Crossed Swords 86

[19] M136: Starke Wehr 82

[20] M136: Eternal Triangle 86 – Angaben zu Teilnehmern, Fahrzeugen und Schäden

[21] Bundesportal: Entschädigung für Schäden durch ausländische Streitkräfte

[22] Bundeswehr: Todesfälle in Ausübung des Dienstes seit 1955

[23] UTDX-Wiki: Luftwaffenfunksendestelle Albersloh – Übergabe 1973, Unterstellung und technische Aufgabe

[24] Deutscher Bundestag, Drucksache 19/25810, S. 3: Funksendestelle Albersloh

[25] Heimatverein Sendenhorst: Der Interkontinental-Flughafen – Tiefflugschneisen und Scheitern des Projekts

[26] ZMSBw: McDonnell Douglas F-4F Phantom II – zur Einordnung von Starfighter und Phantom

[27] NATO: Übung am Suwałki-Korridor 2025 – strategische Bedeutung der Verbindung zwischen Polen und Litauen

[28] Stadt-Heimatarchiv / Heimatverein Sendenhorst: Sendenhorst 1975, Abschnitt zur Patenschaft mit der 4. Kompanie des Jägerbataillons 441; Begründung der Patenschaft im Herbst 1962, „Tag der 4. Kompanie“ 1972, Schützenfest, Hosenlakenschießen und Ratsbesuche.

[29] Heimatverein Sendenhorst: Zeitungsgeschichte – Ratsbesuch am 31. Januar 1969 bei der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 192 in Ahlen

[30] Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst, Bilderdatenbank: Bildserien zur Patenkompanie Ahlen, insbesondere September 1982 (Marsch durch das Ortszentrum und Sportplatz) sowie 1987 (Vereidigung und Fahnenbandverleihung durch Ministerpräsident Johannes Rau).

[31] Heimatverein Sendenhorst: Chronik – 1962 Bundeswehrpatenschaft; 1994 neue Bundeswehrpatenschaft mit der 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 192

[32] Deutscher Bundestag, Drucksache 17/2688: Patenschaft 3./PzGrenBtl 192, Standort Ahlen – Sendenhorst

[33] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus Sendenhorst: Vereinsgeschichte – Hosenlakenschießen, Patenkompanie und letzter Kameradschaftsabend 2005

 

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Kontakt

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Brauchtum im September im Münsterland
Alte Bräuche zwischen Sommer und Herbst.
🏮 Lambertus
17. September
Kinder zogen mit Lampions durch die Straßen und versammelten sich an geschmückten Lichtpyramiden. Dort wurde gesungen und gespielt. Um 1900 war der Brauch unter anderem in Münster, Altenberge, Greven, Coesfeld und Rheine verbreitet.
🌾 Michaelis
29. September
Michaelis markierte einen wichtigen Einschnitt im bäuerlichen Jahreslauf. Die Ernte sollte beendet sein und auf abgeernteten Flächen begann vielerorts die Hütefreiheit. Hirten erhielten ihren Lohn, teilweise wechselte auch das Gesinde den Dienstherrn.
🍎 Obsternte & Schlachtfest
In Sassenberg zogen Kinder singend von Haus zu Haus und baten um Obst. Aus Drensteinfurt ist zum Schlachtfest ein besonderer Apfelkranz-Brauch überliefert.
🌾 Stoppelhahn
Ende September / Anfang Oktober
So hieß im Münsterland vielfach das traditionelle Erntefest. Erntezeichen und das letzte Getreidefuder wurden zum Hof gebracht, anschließend wurde gemeinsam gefeiert.
Quelle: Dietmar Sauermann, Damals bei uns in Westfalen – Vom alten Brauch in Stadt und Land, Band 3.

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