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Nazis in Sendenhorst

Zwischen 1933 und 1945 wurde auch Sendenhorst Teil der nationalsozialistischen Diktatur. Die NSDAP gewann vor Ort zunächst keine Mehrheit, beseitigte aber innerhalb kurzer Zeit demokratische Kontrolle, durchdrang Rathaus, Vereine, Schule und Jugend und band die Stadt in Aufrüstung, Krieg und Zwangsarbeit ein. Der Bericht benennt örtliche Funktionsträger und Opfer, trennt belegte Tatsachen von Erinnerungen und zeigt, dass Anpassung, Zustimmung, Widerspruch und Verfolgung gleichzeitig zur lokalen Geschichte gehören.

1. Sendenhorst vor 1933: Krise, Vereine und politische Vielfalt

Der Nationalsozialismus traf 1933 nicht auf eine politisch und gesellschaftlich leere Stadt. Sendenhorst war eine katholisch geprägte Kleinstadt mit einer dichten Vereinslandschaft, gewählten Stadtverordneten und unterschiedlichen politischen Milieus. Heinrich Petzmeyer nennt katholischen Arbeiter-, Jungmänner-, Jungfrauen- und Gesellenverein, Kirchenchor, zwei Gesangvereine, zwei Schützen- und zwei Sportvereine sowie zahlreiche Berufs-, Zucht- und Interessenvereine. Gerade diese Vielfalt widersprach später dem nationalsozialistischen Ideal einer einheitlich gelenkten „Volksgemeinschaft“. [8]; [9]

Die Weltwirtschaftskrise verschärfte auch in Sendenhorst Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit. Im Fascies-Bestand finden sich Hinweise auf Notstandsarbeiten und auf ein Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Die Regulierung des Helmbachs bot Beschäftigung und wurde später in die nationalsozialistische Arbeitsdienst- und Propagandapolitik einbezogen. Wirtschaftliche Not erklärt die wachsende Bereitschaft, radikalen Versprechen zu folgen; sie entschuldigt aber weder die Zerstörung der Demokratie noch die Beteiligung an Ausgrenzung und Verfolgung. [1]; [2]; [11]

Die letzte kommunale Wahlphase zeigt, dass die NSDAP in Sendenhorst keine gewachsene örtliche Mehrheitspartei war. Bei der Stadtverordnetenwahl vom 12. März 1933 wurden drei NSDAP-Kandidaten und elf Vertreter der Allgemeinen Bürgerliste gewählt. Die Wahl fand allerdings bereits nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, nach der Reichstagsbrandverordnung und unter dem Druck nationalsozialistischer Gewalt statt. Selbst unter diesen Bedingungen besaß die NSDAP im gewählten Stadtparlament nur drei von 14 Mandaten. [3]

Diese Zahl ist für die Ortsgeschichte zentral. Die spätere vollständige nationalsozialistische Beherrschung des Rathauses war nicht das Ergebnis einer freien lokalen Mehrheitsentscheidung. Sie entstand durch die Ausschaltung von Gegnern, die Beseitigung parlamentarischer Kontrolle und die Umformung der kommunalen Selbstverwaltung nach dem Führerprinzip. Der reichsweite Machtumbau und der örtliche Vorgang müssen deshalb zusammen gelesen werden. [3]; [16]; [17]

Eine Mitgliedschaft, ein Amt oder ein Eintrag auf einer NSDAP-Liste belegt eine politische Funktion, aber nicht automatisch eine konkrete persönliche Straftat. Umgekehrt darf die geringe Zahl örtlicher NSDAP-Mandate von 1933 nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Menschen das Regime später unterstützten, mittrugen, sich anpassten oder von ihm profitierten.

 

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2. 1933: Machtübernahme, Verhaftungen und das Ende des gewählten Rates

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar setzte die Notverordnung vom folgenden Tag wesentliche Grundrechte außer Kraft. Der Fascies-Ausstellungstext berichtet, dass noch am Abend des 28. Februar drei kommunismusnahe Sendenhorster von der Verhaftungswelle erfasst wurden. Zwei seien wieder freigekommen; vom dritten habe später jede Spur gefehlt. Namen und endgültiges Schicksal nennt der Text nicht. Diese dramatische Angabe ist daher ein konkreter Forschungsauftrag, noch keine abgeschlossene Biografie. [1]; [16]

Schon vor der Kommunalwahl wurde der politische Symbolraum besetzt. Die örtliche Chronik nennt für den 14. Februar 1933 den sogenannten „Flaggensturm“: Eine Reichsflagge wurde vom Rathaus geholt und auf dem Friedhof abgelegt. Am 2. März hing die Hakenkreuzfahne am Rathaus. Ob jede Einzelheit gleich gut dokumentiert ist, muss an den Originalakten geprüft werden; die Abfolge zeigt aber, wie früh der öffentliche Raum zum Schauplatz politischer Machtdemonstration wurde. [2]; [11]

Am 12. April 1933 trat der neu gewählte Rat zu seiner ersten Sitzung unter nationalsozialistischer Herrschaft zusammen. Die drei NSDAP-Stadtverordneten beantragten, die Neustraße in „Adolf-Hitler-Straße“ und die Schulstraße in „Horst-Wessel-Straße“ umzubenennen. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Die Einstimmigkeit darf nicht wie eine freie Abstimmung in einer intakten Demokratie gelesen werden: Oppositionelle waren bereits verfolgt, Grundrechte außer Kraft und die reichsweite Gleichschaltung in vollem Gang. [1]; [3]; [17]

Mit dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 konnte die Reichsregierung Gesetze ohne parlamentarische Zustimmung beschließen. KPD-Mandate waren annulliert, zahlreiche Abgeordnete verhaftet oder geflohen, SA und SS schufen eine massive Drohkulisse; nur die anwesenden SPD-Abgeordneten stimmten dagegen. Auf kommunaler Ebene folgten die Gleichschaltung der Vertretungen und schließlich die Deutsche Gemeindeordnung von 1935. Gewählte Ratsmitglieder wurden zu bloßen Beratern eines nach dem Führerprinzip handelnden Bürgermeisters. [16]; [17]

Für Sendenhorst verzeichnet Fascies 1934 acht aufgrund einer Ortssatzung berufene, ausdrücklich als NSDAP zugeordnete Ratsherren mit nur noch beratender Funktion. An die Stelle der 1933 gewählten Mehrheit der Allgemeinen Bürgerliste trat damit ein politisch homogenes Gremium. Die lokale Demokratie war nicht allmählich eingeschlafen; sie war durch staatlichen Zwang und institutionellen Umbau beseitigt worden. [3]

 

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3. Wer herrschte vor Ort? Partei, Rathaus und regionale Befehlswege

Die NS-Herrschaft in Sendenhorst beruhte auf einem Geflecht aus örtlicher Parteiorganisation, kommunaler Verwaltung und übergeordneten Befehlsstellen. Das „Braune Haus“, benannt nach der Farbe der Parteiuniformen, befand sich nach Fascies an der Ecke Oststraße/Neustraße. Es war die örtliche Parteizentrale. Die Bezeichnung macht sichtbar, dass die NSDAP nicht nur durch Erlasse aus Berlin oder Münster wirkte, sondern einen konkreten Anlaufpunkt mitten in der Stadt besaß. [1]

Als Ortsgruppenleiter nennt Fascies Paul Schwermann, als Leiterin der NS-Frauenschaft Maria Schwermann. Der Ausstellungstext ist an dieser Stelle persönlich-erinnernd und zeichnet die Familie vergleichsweise wohlwollend. Diese Erinnerung ist selbst eine Quelle, aber kein Entlastungsurteil. Fest steht die dokumentierte Leitungsfunktion innerhalb von Organisationen, die der Durchdringung des öffentlichen und privaten Lebens durch die NSDAP dienten. Ob einzelne Entscheidungen, Konflikte oder Verfolgungsmaßnahmen persönlich zugeordnet werden können, muss aus den Originalakten der Signaturen 86 bis 90.3 ermittelt werden. [1]; [4]

Über der Ortsgruppe stand die Kreisleitung. Fascies nennt den in Ahlen amtierenden NSDAP-Kreisleiter Wilhelm Wemhöner als häufigen Gast und richtungsbestimmenden Akteur in Sendenhorster Angelegenheiten. Daneben erscheint Hugo Scheifhacken als Kreisbeauftragter beziehungsweise Verwaltungsmann in Beckum. Die Gauleitung Westfalen-Nord saß in Münster; Gauleiter war Alfred Meyer. Dieses System sorgte dafür, dass örtliche Entscheidungen mit Parteiinteressen abgestimmt und Befehle von oben nach unten weitergegeben wurden. [1]

Namentlich belegte kommunale NSDAP-Funktionsträger

Aus den Fascies-Wahl- und Ratslisten ergeben sich folgende Namen. Die Aufstellung dokumentiert Mandat oder Berufung; sie behauptet keine darüber hinausgehende individuelle Tat. [3]

  • 1933 gewählte NSDAP-Stadtverordnete: Alois Bartmann, Gerhard Hille und Hermann Stute.
  • 1934 als NSDAP-Ratsherren mit beratender Funktion berufen: Dr. Ludwig Schwermann, Johann Bisping, Clemens Daldrup, Heinrich Hamels, Gerhard Hille, Erich Hölzel, Heinrich Menke und Dr. Karl Schulz.
  • Örtliche Parteiführung: Paul Schwermann als Ortsgruppenleiter; Maria Schwermann als Leiterin der NS-Frauenschaft.
  • Überörtliche Leitung: Kreisleiter Wilhelm Wemhöner in Ahlen, Kreisbeauftragter Hugo Scheifhacken in Beckum und Gauleiter Alfred Meyer in Münster.

Die Verwaltung blieb als Apparat bestehen, verlor aber ihre demokratische Bindung. Fascies beschreibt für 1937 Rathaus- und Sparkassenpersonal unter wachsendem politischen Druck; Versammlungen seien von Pflichtteilnahme geprägt gewesen. Die Verwaltung setzte nun nicht nur alltägliche kommunale Aufgaben um, sondern auch Straßenumbenennungen, Sammlungen, Meldepflichten, Kriegswirtschaft, Fremdarbeitereinsatz und später Maßnahmen der totalen Mobilisierung. [1]; [6]

 

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4. Gleichschaltung: Vereine, Arbeit, Feste und öffentlicher Raum

Heinrich Petzmeyer bezeichnet den Gegensatz prägnant als den Weg von gesellschaftlicher Pluralität zur genormten „Volksgemeinschaft“. Die Nationalsozialisten duldeten keine dauerhaft eigenständigen Organisationen neben Partei und Staat. Vereine mussten sich auflösen, wurden verboten, nach dem Führerprinzip umgebaut oder auf einen engen, politisch kontrollierten Tätigkeitsbereich zurückgedrängt. Dieser Prozess veränderte das soziale Gefüge Sendenhorsts mindestens ebenso nachhaltig wie die sichtbaren Aufmärsche. [8]; [9]; [17]

Im Sommer 1933 begann die erste Kampagne gegen katholische Vereine. Arbeiter- und Jungmännerverein lösten sich zunächst auf; andere katholische Verbände erklärten, nur noch religiöse Ziele zu verfolgen. Die katholische Deutsche Jugendkraft wurde 1934 verboten. Die Kolpingfamilie konnte bis zum Kriegsbeginn weiterbestehen. Der Allgemeine Schützenverein erhielt 1939 nur unter der Zusicherung ein letztes Vorkriegsschützenfest, zur Ausbildung von Scharfschützen und zur Wehrhaftmachung beizutragen. [9]

Sport wurde politisch brauchbar gemacht. Petzmeyer verweist auf eine Aufnahme von Sportlern beim Hitlergruß in der Mühlenkuhle. Ein Bürgermeisterbericht von 1935 lobte das Verhältnis zwischen HJ und Turnverein; HJ- und Jungvolkführer seien aktive Vereinsmitglieder gewesen, während konfessionelle Jugendverbände nicht mehr öffentlich in Erscheinung träten. Der Turn- und Sportverein wurde gefördert, weil körperliche Ertüchtigung in das nationalsozialistische Erziehungs- und Wehrkonzept passte. [9]

Die Partei besetzte Feste und Jahreszeiten. An der ersten Sonnenwendfeier der Sendenhorster Ortsgruppe im Juli 1933 sollen bereits acht NS-Organisationen teilgenommen haben. Aufmärsche, Fahnenschwur, Heldengedenken, 1.-Mai-Feiern, Erntezüge und Sammlungen des Winterhilfswerks verbanden Unterhaltung, sozialen Druck und politische Botschaft. Rathaus und Straßen wurden bei Wahltagen und Kundgebungen mit Hakenkreuzfahnen geschmückt. Sichtbarkeit erzeugte den Eindruck allgegenwärtiger Zustimmung, selbst wenn die örtlichen Parteiorganisationen nach Petzmeyer nie den Stellenwert der traditionellen Vereine erreichten. [1]; [9]

Zur alltäglichen Einbindung gehörten Deutsche Arbeitsfront, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, NS-Frauenschaft, Winterhilfswerk und „Kraft durch Freude“. Sie boten Gemeinschaft, Hilfe oder Freizeit, waren aber zugleich Instrumente politischer Erfassung. Ein besonders anschaulicher Fascies-Fall berichtet von einem Bürger, der auf „Heil Hitler“ scherzhaft mit „Heil Moskau“ antwortete: Anzeige und Verurteilung folgten, als Strafe musste er drei Zentner Brotgetreide für das Winterhilfswerk liefern. Der Vorgang zeigt, wie selbst ein Gruß und ein Scherz politische Folgen haben konnten. [1]

 

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5. Jugend und Schule: Erziehung im Zeichen von HJ und BDM

Die Kontrolle der Jugend war für das Regime besonders wichtig. Hitlerjugend, Deutsches Jungvolk, Bund Deutscher Mädel und Jungmädelbund sollten Familie, Kirche und freie Vereine als prägende Räume zurückdrängen. Fascies nennt als örtliches Domizil der Jungen die frühere Rektoratschule beziehungsweise das alte Rathaus. Ein Jungvolk-Fanfarenzug, Sport, Märsche, Fahnenzeremoniell, Lagerleben und „Dienst“ machten die Organisation attraktiv und zugleich verbindlich. [1]

Bei der Datierung der örtlichen HJ-Gründung widersprechen sich die Fascies-Unterlagen: Die Zeittafel nennt 1935, der Ausstellungstext 1937. Sicher ist, dass die HJ spätestens in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre fest im Stadtbild verankert war. Reichsweit wurde die Jugend 1936 zur Staatsjugend erklärt; ab 1939 war der Dienst grundsätzlich verpflichtend. Petzmeyer betont jedoch, dass HJ und BDM in Sendenhorst bis zum Kriegsbeginn nicht alle Jugendlichen erfassen konnten. [1]; [2]; [9]

Der Dienst war mehr als Freizeitgestaltung. Fascies beschreibt das Antreten im Karree, Hissen und Einholen der Fahne sowie die Furcht vor Nachteilen bei Fernbleiben. Die Quelle nennt Schulverweis und Schwierigkeiten bei der Berufsausbildung als mögliche Repressalien. Ob solche Sanktionen in jedem Einzelfall tatsächlich verhängt wurden, lässt sich nicht erkennen; deutlich wird aber der soziale und institutionelle Zwang. [1]

Die Schule wurde ebenfalls politisiert. Seit 1937 durften Geistliche keinen Religionsunterricht mehr in den Schulgebäuden erteilen. Kreuze sollten entfernt werden; nach der örtlichen Erinnerung widersetzte sich die Lehrerschaft zumindest zeitweise. In den oberen Räumen der Volksschule traf sich die NS-Frauenschaft. Geistliche mussten Seelsorgestunden außerhalb der Schule abhalten. Lehrkräfte lebten nach Fascies in der Sorge, dass eine unbedachte Äußerung ein Disziplinarverfahren oder den Verlust der Stellung nach sich ziehen konnte. [1]; [6]

Nicht jede Ablehnung war organisierter politischer Widerstand. Fascies überliefert die Geschichte, dass angereiste HJ-Jungen aus Münster von Sendenhorster Jugendlichen verprügelt und vertrieben worden seien. Für Datum, Beteiligte und Folgen fehlt bislang ein unabhängiger Beleg. Als mündliche Lokalerinnerung zeigt die Episode Distanz und Trotz; sie darf aber nicht als Beweis eines breiten Widerstands der Stadtjugend verallgemeinert werden. [1]

Besonders schwer wiegt, dass die HJ nach dem Fascies-Dokument später die Bewachung der russischen Zwangsarbeiterinnen in der Dünnewaldschen Fabrik übernahm. Jugendliche wurden damit nicht nur ideologisch geschult, sondern unmittelbar in das örtliche Zwangssystem einbezogen. Die Grenze zwischen Erziehung, sozialem Druck und Beteiligung an Unrecht wurde konkret. [5]

 

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6. Kirche zwischen Einschränkung, Anpassung und Widerspruch

Das katholische Milieu war die stärkste eigenständige gesellschaftliche Kraft Sendenhorsts. Deshalb richteten sich staatliche und parteiliche Eingriffe früh gegen katholische Vereine, Jugendgruppen und die Präsenz der Geistlichen in der Schule. Eine örtliche Rückschau nennt die Auflösung des Arbeitervereins im Herbst 1935, den Ausschluss der Geistlichkeit aus den Schulen im Herbst 1937 und kurz darauf die Aufhebung des Jungmännervereins. Eine Verordnung vom 28. August 1937 schränkte zudem das Zeigen kirchlicher Fahnen ein. [6]; [9]

Fascies schildert den Wechsel der Pfarrer Josef Tecklenborg, Robert Zumloh und Heinrich Westermann vor diesem Hintergrund. Westermanns Einführung 1940 wurde von Partei und Verwaltung aufmerksam beobachtet; Geladene hätten sich entschuldigt, weil ihnen die Teilnahme „an höherer Stelle“ übel vermerkt werden könne. Prozessionen fanden teilweise weiter statt, gleichzeitig wurde am Fronleichnamstag Unterricht angesetzt und wegen Fahnenschmucks ein Gerichtsverfahren geführt. [1]

Im St.-Josef-Stift fand der aus dem Kloster Meppen von der Gestapo vertriebene Pater Boesch Zuflucht. Nach der Zerstörung des bischöflichen Palais in Münster nahm Bischof Clemens August Graf von Galen vom 14. Oktober 1944 bis Dezember 1945 Quartier im Stift. Sendenhorst wurde damit für mehr als ein Jahr zum Ausweichsitz der Bistumsleitung. Von Galens Predigten gegen staatliche Willkür und die Ermordung kranker und behinderter Menschen gaben vielen Katholiken Orientierung, ohne die katholische Bevölkerung insgesamt von Mitverantwortung und Anpassung freizusprechen. [1]; [7]; [10]; [11]

Der Fascies-Ausstellungstext behauptet, auch ein Mädchen aus Sendenhorst sei Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde geworden. Er nennt weder Namen noch Geburtsdatum, Anstalt oder Todesort. Die Angabe ist ernst zu nehmen, aber noch nicht ausreichend belegt, um eine Person zu identifizieren. Hier sollten Melderegister, Patientenakten und die Bestände einschlägiger Heil- und Pflegeanstalten gezielt geprüft werden. [1]

Es gab einzelne Formen des Widerspruchs. Der Stadtverordnete Hermann Brünemann habe seine Meinung offen geäußert und sei nach einer Warnung des Bürgermeisters den Ratssitzungen ferngeblieben. Die Johannisbruderschaft versteckte 1939 ihre historische Fahne unter einem Fußboden und gab vor, sie sei gestohlen worden; 1947 erschien sie wieder. Solche Handlungen waren mutig, blieben aber begrenzte Akte der Selbstbehauptung. Sie dürfen nicht zu einer Legende eines geschlossen widerständigen Sendenhorsts verdichtet werden. [1]

 

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7. Ausgrenzung und Verfolgung: politische Gegner, jüdisches Erbe und weitere Opfer

Nationalsozialistische Verfolgung begann mit politischen Gegnern. Die bereits erwähnte Festnahme dreier kommunismusnaher Sendenhorster unmittelbar nach der Reichstagsbrandverordnung zeigt, dass der Terror der ersten Wochen auch die Kleinstadt erreichte. Der Fascies-Bestand nennt außerdem Akten zu „Unrecht und Todesurteil. Revision“ für 1940 bis 1995, ohne im Findbuch den Fall auszuführen. Solche Signaturen belegen Forschungsstoff, aber noch keine fertige Geschichte. [1]; [4]

Die jüdische Geschichte Sendenhorsts weist eine Besonderheit auf. Die örtliche Gemeinde war im 19. Jahrhundert stark geschrumpft und 1889 der Synagogengemeinde Drensteinfurt angeschlossen worden. Die letzte jüdische Familie hatte Sendenhorst nach Petzmeyer schon vor dem Ersten Weltkrieg verlassen. Deshalb gab es 1938 offenbar weder eine örtliche Synagoge noch eine geschlossene Gemeinde, gegen die sich ein Pogrom wie in Drensteinfurt richten konnte. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sendenhorst außerhalb der antisemitischen Politik stand. [8]; [12]; [15]

Der Sendenhorster Standesbeamte trug 1938/39 bei den 1872 beziehungsweise 1873 geborenen Adele Alsberg und Johanna Löwenstein entsprechend der nationalsozialistischen Namensverordnung zusätzlich den Zwangsvornamen „Sara“ ein. Ob beide Frauen zu diesem Zeitpunkt noch in Sendenhorst lebten, konnte Petzmeyer nicht sicher feststellen. Der Vorgang zeigt gleichwohl, wie das Rathaus an der bürokratischen Entrechtung jüdischer Menschen mitwirkte. [12]

Der jüdische Friedhof an der Ostenpromenade war das sichtbarste Zeugnis der früheren Gemeinde. Während der NS-Zeit stellten Anwohner nach der historischen Forschung einen Antrag auf Einebnung; als Begründung wurden Feuer, Unrat und Beschädigungen durch Jugendliche genannt. Der Antrag wurde nicht umgesetzt, der Friedhof blieb erhalten und gehört zu den wenigen jüdischen Begräbnisplätzen der Region, die die NS-Zeit weitgehend unversehrt überstanden. Gerade sein Fortbestand darf die damalige Missachtung jedoch nicht verdecken. [12]; [13]; [15]

Zur weiteren Sendenhorster Erinnerung gehört die aus der Stadt stammende Familie Laink-Vissing. Johannes Laink-Vissing lebte in Erlangen mit seiner jüdischen Ehefrau Hildegard Katz. Das Fotogeschäft der Familie wurde im Novemberpogrom 1938 geplündert; die Ehe wurde nach der Familienrecherche wohl 1939 unter dem Druck der Rassegesetze getrennt. Johannes starb durch Suizid, Hildegard wurde später ermordet. Dies ist kein Sendenhorster Pogromfall, wohl aber ein Schicksal mit familiären Wurzeln in der Stadt. [14]

Verfolgung traf außerdem Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, kirchliche Gegner, Menschen mit Behinderung und alle, die durch Verhalten oder Äußerungen als abweichend galten. Die örtliche Geschichte muss deshalb über die Frage hinausgehen, ob es in Sendenhorst eine Synagogenzerstörung oder ein Konzentrationslager gab. Das Regime funktionierte auch durch Melderegister, Arbeitsplatz, Schule, Jugenddienst, Parteidruck, Beschlagnahme und die alltägliche Durchsetzung diskriminierender Vorschriften. [1]; [5]; [6]; [18]

 

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8. Arbeitsdienst, Aufrüstung und Militarisierung des Alltags

Der Arbeitsdienst verband Beschäftigungspolitik, körperliche Disziplin und nationalsozialistische Erziehung. Zunächst bestand in Sendenhorst ein Freiwilliger Arbeitsdienst. Fascies datiert die Unterbringung in der Werkhalle Räckers am Osttor auf 1934; die Zeittafel nennt bereits 1933 ein Arbeitsdienstlager. Die Männer arbeiteten an der Regulierung des Helmbachs. 1937 wurden Baracken in der Bauerschaft Brock im Bereich Haus Peters beziehungsweise Hof Niestert bezogen. Aus dem freiwilligen FAD war der staatlich organisierte Reichsarbeitsdienst geworden. [1]; [2]

Nach Fascies wurde der Helmbach auf 9,2 Kilometern reguliert. Der praktische Nutzen des Hochwasserschutzes und der Entwässerung stand neben der politischen Funktion des Lagers. Uniform, Marsch, Musik, Gemeinschaftsrituale und eine Sprache von „Ordnung, Zucht und Sitte“ sollten junge Männer formen und auf den späteren Wehrdienst vorbereiten. Ein technisch sinnvolles Projekt wurde so Teil eines Systems der Mobilisierung. [1]

Auch SA-Veranstaltungen erhielten einen militärischen Charakter. Fascies beschreibt Wehrunterricht, bei dem Männer im Werfen von Handgranaten unterwiesen wurden. 1935 führte das Reich die Wehrpflicht wieder ein; der Sendenhorster Jahrgang 1916 musste zur Musterung nach Beckum. 1939 entstanden Schieß- und Sportanlagen in der Sandkuhle neben dem Friedhof. Aufrüstung wurde vom fernen Staatsprogramm zum sichtbaren Bestandteil des örtlichen Alltags. [1]; [11]

Sendenhorst diente wiederholt als Quartierort. 1939 belegten Militärlastwagen das Sportgelände in der Mühlenkuhle. Fascies verzeichnet SS-Verfügungstruppen und eine Instandsetzungskompanie. Selbst Heinrich Himmler soll seine Soldaten in Sendenhorst besucht haben. Die örtlichen Fascies-Quellen widersprechen sich beim Datum: Die Zeittafel nennt März 1940, der spätere Ausstellungstext 1941. Ohne das Originalfoto oder einen zeitnahen Bericht bleibt deshalb die Datierung 1940/41 offen. [1]; [2]

Mit Kriegsbeginn wurde Mangelverwaltung zum Alltag. Lebensmittel- und Kleiderkarten bestimmten den Verbrauch. Drei Glocken der Pfarrkirche und das Glöckchen des St.-Josef-Stifts mussten für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Eine „Metallspende“ zu Hitlers Geburtstag im April 1940 verband Ressourcenmobilisierung mit Führerkult. Diese Maßnahmen machten deutlich, dass selbst Kirchenglocken, Kleidung und Nahrung dem Krieg untergeordnet wurden. [1]; [2]; [11]

 

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9. Zwangsarbeit in Fabrik und Landwirtschaft

Die konkreteste örtliche Opfergruppe im Fascies-Bestand sind die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Am 1. September 1942 wies das Arbeitsamt Ahlen der Sendenhorster Maschinenfabrik zehn russische Frauen der Jahrgänge 1923 bis 1927 zu; im Dezember folgten vier weitere. Es handelte sich überwiegend um sehr junge Frauen. Sie wurden im hinteren Teil der leerstehenden Dünnewaldschen Fabrikhalle an der Ladestraße untergebracht. [5]

Die Schlafräume besaßen Doppelstockbetten, Schränke, zwei Decken pro Frau und einen Ofen. Diese Ausstattungsangaben dürfen nicht als normale Werksunterkunft missverstanden werden: Die Fenster waren vergittert, morgens um sechs wurde aufgeschlossen, abends um neun verriegelt und zugleich das Licht geschaltet. Bewachung und Schließdienst oblagen nach der Quelle der Sendenhorster Hitlerjugend. Die Frauen konnten über ihren Aufenthaltsort und ihre Arbeitskraft nicht frei bestimmen. [5]

In der Maschinenfabrik mussten die Frauen nach dem Fascies-Text Patronenhülsen unterschiedlicher Größe herstellen. Damit war ihr Arbeitseinsatz unmittelbar Teil der Rüstungsproduktion. Fabrikleitung, Arbeiter und Angestellte sollten Lebensmittel beschaffen; eine Sendenhorsterin bereitete das Essen in einer Werksküche zu. Solche Hinweise auf Versorgung und persönliche Kontakte ändern nichts am Zwangscharakter. Sie zeigen vielmehr, wie Zwangsarbeit mitten in den örtlichen Betriebsalltag eingebettet war und von vielen gesehen werden konnte. [5]; [18]

Im März 1945 sollten die Frauen auf Anweisung des Reichsverteidigungskommissars in Sammellagern konzentriert werden. Was danach aus ihnen wurde, ist im ausgewerteten Dokument nicht überliefert. Das Bildarchiv nennt für die Unterkunft die Nummer 6439 und für die Werkstatt beziehungsweise Produktion die Nummer 9305. Diese Bilder und mögliche Arbeitsamtsunterlagen bieten Ansatzpunkte, um Namen, Herkunftsorte und Lebenswege zu rekonstruieren. [5]

Zwangsarbeit gab es auch in der Landwirtschaft. Fascies nennt Wladyslaw Jawarski, einen in Polen lebenden Feinmechaniker, der mit 27 Jahren 1940 nach Sendenhorst kam und auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bis Herbst 1945 eingesetzt wurde. Ein Arbeitsbuch für Ausländer von 1944 ist als Original überliefert. Ob Jawarski gewaltsam verschleppt, unter welchem Status er geführt und auf welchem Hof er eingesetzt wurde, muss aus dem Dokument selbst und weiteren Akten geklärt werden. [5]

Eine Statistik vom August 1945 nennt 65 „Fremdarbeiter“ vor der Besetzung und nur noch eine Person am 1. August. Der NS-Begriff „Fremdarbeiter“ verdeckte sehr unterschiedliche Gruppen und Grade des Zwangs. Für Sendenhorst sind damit mindestens die 14 russischen Frauen, der polnische Arbeiter Jawarski und eine größere Gesamtzahl ausländischer Arbeitskräfte belegt; eine vollständige Namens- und Einsatzstellenliste steht noch aus. [5]; [6]

 

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10. Krieg, Zusammenbruch und die schwierige Abkehr vom Nationalsozialismus

Der Krieg brachte Einquartierungen, Evakuierte, Bombenangst und immer mehr Todesnachrichten. Fascies nennt Werner Pottmeyer als ersten Sendenhorster Kriegstoten am 15. September 1939. Für die Gesamtzahl stehen zwei rechnerisch miteinander vereinbare Angaben nebeneinander: Der Ausstellungstext nennt 253 Soldaten, die Chronik 208 Sendenhorster und 45 Angehörige von Flüchtlingsfamilien. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Tod aus einem von Deutschland begonnenen Angriffs- und Vernichtungskrieg hervorging. [1]; [11]

Im Herbst 1944 war Sendenhorst mit Evakuierten aus dem Aachener Raum und Ausgebombten aus Münster belegt; zeitweise lebten rund tausend zusätzliche Menschen in Stadt und Kirchspiel. Militärische Dienststellen und die nach Münsteraner Bombenschäden ausgewichene Gebietsführung Westfalen-Nord der Hitlerjugend nutzten Säle, Schule und Baracken. Je näher die Front rückte, desto stärker verbanden sich Versorgungskrise, Angst und der Befehl zum Weiterkämpfen. [1]; [10]

Am Westtor wurde zwischen den Sandkuhlen eine Panzersperre vorbereitet. Mutige Sendenhorster verhinderten am 31. März 1945 ihre endgültige Schließung beziehungsweise räumten sie rechtzeitig. Amerikanische Panzer konnten deshalb durch die Stadt fahren, ohne dass Sendenhorst selbst in einer Stadtschlacht zerstört wurde. Die weißen Fahnen an den Häusern signalisierten Aufgabe. Dass die Innenstadt verschont blieb, war auch das Ergebnis der Weigerung, einen aussichtslosen „Endkampf“ zu führen. [1]; [10]; [11]

In der Bauerschaft Rinkhöven endete die nationalsozialistische Erziehung dagegen tödlich. Jugendliche Kämpfer der HJ-Gebietsführung beziehungsweise des Volkssturms, nach Fascies in Gemen von Gauleiter Alfred Meyer vereidigt und aus dem Raum Haltern herangeführt, bezogen mit Panzerfäusten und Maschinengewehr Stellung. Nach einem kurzen Gefecht lagen acht junge Männer tot; mehrere Höfe brannten. Die Quellen schwanken zwischen vier und fünf Höfen sowie acht und neun Toten. Gesichert ist der Kern: Nicht aus Sendenhorst stammende Jugendliche wurden in einen sinnlosen Kampf gegen überlegene US-Truppen geschickt. [1]; [7]; [10]; [11]

Das Ende der Herrschaft bedeutete nicht sofort einen vollständigen inneren Bruch. Am 1. Mai 1945 wurden nach der Fascies-Zeittafel örtliche NSDAP-Mitglieder verhaftet und mit einem Lastwagen abtransportiert. 1946 verzeichnen Ratsunterlagen einen Entnazifizierungsausschuss. Petzmeyer zeigt zugleich, wie verbreitet Abwehr und Selbstentlastung blieben: Ein Bild aus dem befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen wurde von einer Bekanntmachungstafel gestohlen, Beschwerden über die Besatzung überlagerten die Auseinandersetzung mit deutscher Verantwortung. [2]; [6]; [10]

Gerade deshalb ist „Stunde Null“ ein problematisches Bild. Verwaltungspersonal, soziale Beziehungen und Erinnerungsmuster bestanden fort. Vereine mussten neu zugelassen, Vorstände auf politische Unbedenklichkeit geprüft und demokratische Verfahren neu eingeübt werden. Der Bericht endet daher nicht mit der Behauptung, am 31. März oder 8. Mai 1945 sei alles nationalsozialistische Denken verschwunden. Das Ende der Diktatur war ein Einschnitt; die gesellschaftliche Aufarbeitung blieb eine lange Aufgabe. [6]; [9]; [10]

Die örtliche Geschichte zeigt weder ein geschlossenes „Nazidorf“ noch eine durchgehend widerständige Stadt. Sie zeigt Zustimmung, Karriere, Anpassung, sozialen Zwang, vereinzelten Widerspruch, Verfolgung und sichtbare Opfer nebeneinander. Erst diese Widersprüche ergeben ein glaubwürdiges Bild.

 

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Zeittafel: Nationalsozialismus in Sendenhorst

Zeit Ereignis Einordnung und Quellenlage
1930–1932 Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Notstandsarbeiten Krisenhintergrund; noch pluralistische Vereins- und Kommunalstruktur
30.01.1933 Hitler wird Reichskanzler Beginn des reichsweiten Machtumbaus
14.02.1933 Sogenannter Flaggensturm am Rathaus Fascies-Zeittafel; Originalvorgang noch zu prüfen
28.02.1933 Drei kommunismusnahe Sendenhorster werden verhaftet Fascies-Ausstellung: zwei freigelassen, Schicksal des dritten offen
02.03.1933 Hakenkreuzfahne am Rathaus Öffentliche Machtdemonstration
12.03.1933 Stadtverordnetenwahl: 3 NSDAP, 11 Allgemeine Bürgerliste Wahl bereits unter Terror und eingeschränkten Grundrechten
12.04.1933 Erste Ratssitzung unter NS-Herrschaft; Umbenennung von Neu- und Schulstraße Adolf-Hitler- und Horst-Wessel-Straße
Sommer 1933 Kampagne gegen katholische Vereine; Sonnenwendfeier der Ortsgruppe Beginn der gesellschaftlichen Gleichschaltung
1934 Acht NSDAP-Ratsherren werden berufen; DJK verboten Gewählter Rat verliert demokratische Funktion
1935–1937 HJ etabliert sich; Geistliche aus Schulen ausgeschlossen; kirchliche Vereine eingeschränkt Örtliche Quellen datieren die HJ-Bildung unterschiedlich
1937 RAD-Baracken in der Bauerschaft Brock Helmbachregulierung auf 9,2 km; Arbeitsdienst als Disziplinierungs- und Mobilisierungsinstrument
09./10.11.1938 Novemberpogrome im Reich; in Sendenhorst keine Synagoge und keine geschlossene Gemeinde mehr Standesamtliche Zwangsnamen 1938/39 und Antrag auf Einebnung des jüdischen Friedhofs zeigen lokale Beteiligung an Ausgrenzung
01.09.1939 Deutschland überfällt Polen Kriegsbeginn; Vereinsleben kommt weitgehend zum Erliegen
1940/1941 Himmler besucht in Sendenhorst einquartierte SS-Soldaten Datierungskonflikt zwischen Fascies-Zeittafel und Ausstellungstext
01.09.1942 Zehn russische Zwangsarbeiterinnen werden der Maschinenfabrik zugewiesen Im Dezember folgen vier weitere; bewachte Unterkunft an der Ladestraße
1942–1945 Zwangsarbeiterinnen fertigen Patronenhülsen HJ übernimmt nach Fascies Bewachung und Schließdienst
14.10.1944–18.12.1945 Bischof Clemens August von Galen im St.-Josef-Stift Sendenhorst wird Ausweichsitz der Bistumsleitung
03.1945 Russische Zwangsarbeiterinnen sollen in Sammellager verlegt werden Weiteres Schicksal in den ausgewerteten Unterlagen offen
31.03.1945 Panzersperre am Westtor bleibt offen; US-Truppen durchqueren die Stadt Kampfloser Einmarsch im Stadtkern
31.03.1945 Gefecht von Rinkhöven Acht oder neun jugendliche Kämpfer tot; vier oder fünf Höfe brennen – Quellenabweichung bleibt sichtbar
01.05.1945 Örtliche NSDAP-Mitglieder werden verhaftet Fascies-Zeittafel
1946 Entnazifizierungsausschuss und neue kommunale Ordnung Beginn demokratischer Neuordnung; gesellschaftliche Kontinuitäten bleiben

 

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Quellen und weiterführende Literatur

Die Fascies-Dateien werden als Bestand des Stadt-Heimatarchivs Sendenhorst zitiert. Ausstellungs- und Erinnerungstexte sind wertvolle lokale Quellen, müssen aber von zeitnahen Akten unterschieden werden. Namentlich genannte Mitgliedschaften und Funktionen belegen keine darüber hinausgehende individuelle Straftat. Abweichende Datierungen und Zahlen bleiben ausdrücklich sichtbar.

[1] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: „Sendenhorst – Ende und Anfang vor 50 Jahren“, Ausstellungs- und Vortragstext von 1995, Datei Works/DIV/DIA1933.WPS im digitalen Bestand „Fascies_Stadt“.

[2] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Zeittafel „Eiszeit bis 2002“ und daten/Jahresdaten im digitalen Bestand „Fascies_Stadt“.

[3] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: „Gemeinderat 1919–1934“ und „Wahlen 1925–1933“, digitale Dateien im Bestand „Fascies_Stadt“.

[4] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Findübersicht A.XV „Kriege.NSDAP“, besonders Nationalsozialismus 1933–1945, Signaturen 86–89, Kasten 13, sowie Krieg/Nationalsozialismus 1933–1945, Signatur 90.3, Kasten 109.

[5] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Datei „Zwangsarbeiter.doc“, mit Hinweisen auf 14 russische Zwangsarbeiterinnen, Wladyslaw Jawarski und die Bildarchivnummern 6439 und 9305.

[6] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: „Besatzung 1945/Notizen“ sowie Auswertung der Ratsniederschriften 1935–1948 im digitalen Bestand „Fascies_Stadt“.

[7] Hans-Günther Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Ausstellungskatalog „Foto 1945“ und Bildhinweise zum Kriegsende, zum Reichsarbeitsdienst und zur HJ-Gebietsführung.

[8] Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst. Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Stadt Sendenhorst, 1992, besonders das Kapitel „Eine münsterländische Kleinstadt unter dem Nationalsozialismus“, ISBN 3-923166-43-5; Buchübersicht: https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/h-petzmeyer/

[9] Heinrich Petzmeyer: „Vereinsleben und Geselligkeit in Sendenhorst zwischen 1933 und 1948“, Heimatkalender 1995; wiedergegeben auf der Webseite des Heimatvereins Sendenhorst: https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/zeitungsgeschichte/1990er/

[10] Heinrich Petzmeyer: „Sendenhorst 1945/46 – Kontinuität oder Neubeginn? Unter den Gesetzen der Militärregierung“, Heimatkalender 1993; wiedergegeben auf der Webseite des Heimatvereins Sendenhorst: https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/zeitungsgeschichte/1990er/

[11] Heimatverein Sendenhorst: „Chronik von Sendenhorst“, Abschnitt 1930–1946, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/fakten/chronik/

[12] Heimatverein Sendenhorst: Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde, zu Adele Alsberg und Johanna Löwenstein sowie zum jüdischen Friedhof, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/zeitungsgeschichte/1970er/

[13] Heimatverein Sendenhorst: Beitrag zur Geschichte der Sendenhorster Friedhöfe und zum Erhalt des jüdischen Friedhofs, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/geschichte-n/zeitungsgeschichte/1980er/

[14] Heimatverein Sendenhorst: „Erinnerungskultur“, besonders der Familienbericht Laink-Vissing/Katz und die örtliche Verantwortung des Erinnerns, https://www.heimatvereinsendenhorst.de/aktiv/erinnerungskultur/

[15] Jürgen Gojny: „Sendenhorst“, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, Regierungsbezirk Münster, 2008, S. 631–641; Historische Kommission für Westfalen/LWL, https://www.historische-kommission.lwl.org/de/projekte/abgeschlossene-projekte/historisches-handbuch-judischer-gemeinschaften/

[16] Deutscher Bundestag: „23. März 1933: Reichstag billigt Ermächtigungsgesetz“, https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/1933-03-23-ermaechtigungsgesetz-938540

[17] Deutsches Historisches Museum, LeMO: „Die Gleichschaltung 1933“, https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/etablierung/gleichschaltung

[18] Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit: „Am Feierabend nichts zu feiern – Die Lebensbedingungen der Zwangsarbeit“, https://www.ns-zwangsarbeit.de/themen/am-feierabend-nichts-zu-feiern

 

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