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Kirche in Sendenhorst 
von den Anfängen bis heute

Glaube im Mittelpunkt – Kirchengeschichte Sendenhorsts von den Anfängen bis heute
Die Kirchengeschichte Sendenhorsts beginnt lange vor der Stadtgeschichte. Über Jahrhunderte war die Pfarrkirche nicht nur Gotteshaus, sondern räumlicher und gesellschaftlicher Mittelpunkt des Kirchspiels. Reformation und Täuferzeit, Prozessionen und Volksfrömmigkeit, Stadtbrände, der große neugotische Kirchenbau, Kulturkampf und Nationalsozialismus, die Entstehung einer evangelischen Gemeinde nach 1945 und schließlich die heutigen größeren Gemeindestrukturen haben ihre Spuren hinterlassen. [1] [2] [3] [7] 

Quellenkritischer Hinweis zu den Anfängen: Ein genaues Gründungsjahr der Pfarrei ist nicht urkundlich belegt. Heinrich Petzmeyer kommt nach Abwägung von Patrozinium, Siedlungsdichte, Pfarrgröße und Ausstattung zu der vorsichtigen Aussage, die Pfarrei lasse sich auf jeden Fall bis um 1000 zurückdatieren; weitergehende Aussagen solle man ohne Bodenfunde vermeiden. Die heutige katholische Pfarrseite deutet das Martinus-Patrozinium als Hinweis auf eine Gründung im 9. Jahrhundert, während der Heimatverein die romanische Kreuzkirche eher ins 12. Jahrhundert einordnet. Deshalb wird hier unterschieden: um 1000 wahrscheinlich bzw. gut begründet, 9. Jahrhundert als plausible, aber nicht gesicherte Deutung, romanischer Bau im 12. Jahrhundert als lokale Rekonstruktion. [1] [2] [7] [8] 

1. Die Anfänge – die Pfarrei ist älter als die Stadt

Als Sendenhorst 1315 erstmals ausdrücklich als oppidum, also als Stadt beziehungsweise befestigter Ort, erscheint, bestand die kirchliche Organisation bereits seit Jahrhunderten. Petzmeyer betont, dass das Pfarrgebiet im 13. und 14. Jahrhundert noch über die späteren Gemeindegrenzen hinausgriff. Zu Sendenhorst gehörten zeitweise auch Bereiche, die später anderen Pfarreien zugerechnet wurden. Die Kirche war damit nicht bloß die Kirche eines Dorfes, sondern Mittelpunkt eines größeren kirchlichen Bezirks. [1] [2] 

Besonders wichtig ist Petzmeyers vorsichtige Datierung: Das Martinus-Patrozinium weist zwar auf ein hohes Alter hin, beweist für sich allein aber kein Gründungsjahr. Unter Einbeziehung der Besiedlung um die Jahrtausendwende, der Größe des Pfarrgebiets und der Ausstattung der Kirche hält Petzmeyer eine Rückdatierung der Pfarrei bis etwa zum Jahr 1000 für gerechtfertigt. Für noch frühere Datierungen verlangt er ausdrücklich archäologische Belege. [1] 

Die heute verbreitete Vorstellung einer Gründung bereits im 9. Jahrhundert ist deshalb als wahrscheinliche Deutung beziehungsweise örtliche kirchliche Tradition zu verstehen. Sie knüpft daran an, dass Martin von Tours ein im Frankenreich besonders verehrter Heiliger war und Martinskirchen häufig zu den älteren Kirchen gehören. Die aktuelle Pfarrseite formuliert diese Deutung deutlich; die lokalen historischen Kernquellen bleiben zurückhaltender. [1] [8] 

Sicher ist der langfristige Befund: Die Kirche wurde zum neuen Mittelpunkt der verstreuten Bauerschaften. Die Stadt Sendenhorst entstand später um diesen kirchlichen Kern herum. Auch die Stadtverwaltung beschreibt die Sendenhorster Kirche als vermutlich frühe Stammpfarrei eines größeren Bezirks und als außergewöhnlich reich ausgestattet. [1] [7] [10] 

 

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2. Kirchdorf und mittelalterliches Kirchspiel

Die örtliche Geschichtsschreibung setzt einen wichtigen Einschnitt um 1175: Sendenhorst wird nun als Kirchdorf beziehungsweise kirchlicher Siedlungsmittelpunkt greifbar. Der Heimatverein rekonstruiert für das 12. Jahrhundert eine romanische Kreuzkirche auf dem Kiessandrücken an der Stelle der heutigen Pfarrkirche. Der erhöhte Standort lag ungefähr im Schnittpunkt der umliegenden Bauerschaften und bot sich damit als gemeinsamer kirchlicher Mittelpunkt an. [7] 

Über die mittelalterliche Geistlichkeit wird die Quellenlage ab dem frühen 14. Jahrhundert deutlich dichter. Der HGF-/Fascies-Bestand nennt für 1312 Godefridus; von 1319 bis 1322 ist Gobelinus als rector ecclesiae in Sendenhorst belegt. 1325 erscheint Hermann von der Aa als Pfarrer, daneben wird ein Kaplan genannt; 1327 begegnen erneut Pfarrer und Kaplan. Damit ist spätestens zu dieser Zeit eine ausgebildete Pfarrorganisation mit mehreren Geistlichen sicher nachweisbar. [2] [3] 

Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden beziehungsweise bestanden mehrere geistliche Stiftungen und Vikarien. Die HGF-Unterlagen verzeichnen 1351 eine Katharinen-Vikarie und 1427 eine Stiftung zur Vikarie Johannes des Täufers. Solche Vikarien waren mit Einkünften und Gottesdienstpflichten verbunden und zeigen, dass die Sendenhorster Kirche über eine für einen kleinen Ort bemerkenswerte kirchliche Infrastruktur verfügte. [2] [3] 

Kirche, Kirchhof, Pfarrhof und die späteren städtischen Hauptstraßen bildeten einen gemeinsamen Kern. Die Stadt wuchs gewissermaßen um eine bereits bestehende religiöse Mitte. Das erklärt auch, warum der heilige Martin nicht nur Kirchen-, sondern später ebenfalls Stadtpatron wurde und auf dem Stadtsiegel erscheint. [1] [7] 

Kirchliche und politische Geschichte ließen sich dabei kaum trennen. Während der Münsterischen Stiftsfehde wurde Sendenhorst 1451 zusammen mit anderen Orten von Walram von Moers mit dem Interdikt belegt. Ein politisch-militärischer Konflikt griff damit unmittelbar in das religiöse Leben der Bürgerschaft ein. [1] [2] 

 

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3. Reformation, Täuferzeit und katholische Konsolidierung

Die Reformation erreichte das Münsterland später als viele andere Regionen des Reiches. In Münster begann die neue Bewegung vor allem zu Beginn der 1530er Jahre an Gewicht zu gewinnen. Für Sendenhorst ist dagegen kein dauerhafter Übergang der Pfarrei zum evangelischen Bekenntnis belegt. Die lokalen Akten zeigen vielmehr eine katholische Pfarrorganisation, die auch in den Jahrzehnten der religiösen Unruhe weiterbestand. [1] [2] 

Die Täuferherrschaft in Münster 1534/35 berührte Sendenhorst trotzdem unmittelbar. Rechnungs- und Nachrichtenbelege weisen Truppen, Hauptleute und Versorgungsvorgänge in Sendenhorst nach; sogar Kommunikationswege der Täufer liefen am Ort vorbei beziehungsweise durch ihn. Für die Kirchengeschichte ist dies wichtig, weil die religiöse Krise des Bistums hier nicht als abstraktes Ereignis erlebt wurde, sondern mit Einquartierung, militärischer Belastung und Unsicherheit verbunden war. [1] [2] [3] 

Aus dem Jahr 1547 sind Verwalter beziehungsweise Prokuratoren der Sendenhorster Kirche namentlich überliefert. Im frühen 17. Jahrhundert verdichten Visitationsprotokolle das Bild. Die Visitationsakten von 1602 und 1613 beschäftigen sich mit Pfarrer, Kaplan, Gottesdienst, Schule, Beichte und kirchlichen Einkünften. Eine Notiz erwähnt sogar einen einzelnen Nichtkatholiken, der regelmäßig die Kirche besuche, aber nicht kommuniziere. Solche Einzelheiten zeigen eine mittlerweile wieder fest katholisch geprägte Pfarrei, ohne dass religiöse Abweichungen völlig verschwunden waren. [2] [3] 

Die kirchliche Reform nach dem Konzil von Trient zeigte sich vor Ort vor allem in geregelterer Seelsorge, Visitationen und der Kontrolle von Geistlichen und Stiftungen. Für Sendenhorst ist deshalb weniger eine dramatische „Rekatholisierung“ greifbar als vielmehr eine kontinuierliche katholische Pfarrstruktur, die nach den Reformationswirren stärker beaufsichtigt und geordnet wurde. [1] [2] 

 

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4. Glocken, Orgeln, Prozessionen – gelebter Glaube der frühen Neuzeit

Kirchengeschichte bestand für die Menschen nicht nur aus Pfarrstellen und Visitationsprotokollen. Sie wurde gehört, gesehen und gemeinsam begangen. Die HGF-Unterlagen weisen bereits 1630 Zahlungen im Zusammenhang mit einer Orgel nach. Für 1695 sind Einkünfte des Organisten verzeichnet; 1714 wurde Johann Heinrich Ahagen als Organist berufen. Damit gehörte Kirchenmusik spätestens im 17. und frühen 18. Jahrhundert fest zum Sendenhorster Gottesdienst. [2] [3] 

Ebenso wichtig waren die Glocken. Sie strukturierten den Tag, riefen zum Gottesdienst, begleiteten Tod und Fest und waren zugleich öffentliche Stimme der Stadt. Bernhard Fascies hat diesen Zusammenhang später programmatisch unter dem Titel „In ihren Glocken tönt das Schicksal der Stadt“ beschrieben. Die Glockengeschichte zieht sich durch Brände, Neugüsse und schließlich die Beschlagnahmungen beider Weltkriege. [1] [2] [6] 

Besonders eigenständig entwickelte sich die Karfreitagsprozession. Eine Stiftung von 1721 sicherte die Tradition finanziell ab. Die Prozession verband Passionsfrömmigkeit mit szenischen Darstellungen. Gerade darin lag aber auch Konfliktstoff: Wiederholt versuchten kirchliche und staatliche Stellen, als unangemessen empfundene Auswüchse einzudämmen. Verbote richteten sich unter anderem gegen Vermummungen und gegen problematische Darstellungen jüdischer Personen. [2] [3] 

Als Pfarrer Bernhard Lorenbeck 1837 sein Amt antrat, stieß sein Versuch, ältere Bräuche stärker zu reglementieren, auf heftigen Widerstand. 1839 kam es im Umfeld der Karfreitagsprozession zu tumultartigen Auseinandersetzungen. Das Beispiel zeigt, dass Frömmigkeit nicht einfach von oben angeordnet wurde: Die Bevölkerung verstand manche religiösen Bräuche als ihr eigenes Recht und verteidigte sie sogar gegen den Pfarrer. [2] 

 

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5. 1806 – Stadtbrand und Niedergang der alten Kirche

Der große Stadtbrand von 1806 wurde zum Wendepunkt der Baugeschichte. Die alte romanische Kirche wurde schwer beschädigt, besonders der Turm. Die Hitze ließ die Glocken schmelzen. Zwar wurde das Gotteshaus zunächst wieder instand gesetzt, doch der Brand verschärfte Probleme, die mit dem Wachstum der Gemeinde immer deutlicher wurden. [1] [2] [6] [7] 

Auch das Geläut bereitete lange Schwierigkeiten. Nach dem Brand wurden Glocken neu gegossen, brachen jedoch wieder. 1834 wurde ein umfassender Neuguss geplant und schließlich ausgeführt. Die Akten zeigen dabei detaillierte Kostenvergleiche und Angebote – ein gutes Beispiel dafür, wie eng Kirchengemeinde, Stadt und staatliche Behörden bei solchen Vorhaben zusammenwirkten. [2] [3] [6] 

In den 1840er Jahren war kaum noch zu bestreiten, dass die alte Kirche ihre Aufgabe nicht mehr erfüllte. Ein Bericht des Landrats beschreibt sie als etwa ein Drittel zu klein für die rund 2.400 Menschen der Gemeinde und zugleich als baulich verfallen. Das kreuzförmige Innere erschwerte vielen Gläubigen die Sicht auf den Hochaltar. [2] [3] 

Der Kirchhof lag bis dahin mitten in der Stadt. Seine Verlegung nach Osten im Jahr 1843 schuf zusätzlichen Raum für die künftige Kirche. 1844 baten Bürgermeister und Pfarrer den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. um weitere finanzielle Hilfe. Der König lehnte ein zusätzliches „Gnadengeschenk“ ab. Der notwendige Neubau musste also weitgehend aus örtlichen Kräften, kirchlichem Vermögen und weiteren Finanzierungswegen getragen werden. [2] [3] [8] 

 

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6. Lorenbeck und der Neubau von St. Martin 1837–1865

Mit Bernhard Lorenbeck, seit dem 24. Oktober 1837 Pfarrer in Sendenhorst, ist der Neubau der heutigen Kirche untrennbar verbunden. Lorenbeck war energisch, konfliktbereit und von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt. Gerade diese Entschlossenheit brachte ihn zunächst in Gegensatz zu Teilen der Bürgerschaft, die hohe Kosten fürchteten oder an der alten Kirche und gewohnten Formen festhalten wollten. [2] [3] 

1853 wurde die Situation akut. Der Kirchenvorstand berichtete von zunehmenden Rissen im Turm und hielt einen raschen Abbruch für notwendig. Lorenbeck hatte bereits mit einer Notkirche begonnen, damit während Abriss und Neubau weiterhin Gottesdienste stattfinden konnten. 1854 wurde eine Baukommission gebildet; 1855 lagen mehrere Planserien vor. Besonders wichtig waren sieben Zeichnungen des Kölner Dombau-Werkmeisters Vinzenz Statz. Die örtliche Erinnerung schrieb Lorenbeck später teilweise selbst die Pläne zu; die Akten korrigieren dies: Er griff zwar in die Planung ein, der maßgebliche Entwurf stammte von Statz. [1] [2] [3] [5] 

Am 21. August 1855 wurde der Grundstein gelegt. Für den Bau wurden Ziegel vor Ort gebrannt. Eine besondere Geschichte verbindet St. Martin mit dem aufgegebenen Max-Clemens-Kanal: Steinmaterial einer fiskalischen Schleuse bei Greven wurde angekauft und mit Fuhrwerken nach Sendenhorst gebracht. Der Neubau war damit nicht nur ein kirchliches, sondern ein großes gemeinschaftliches Bauunternehmen. [1] [2] [3] [5] [7] 

Lorenbeck erlebte die Vollendung seines Lebensprojektes nicht mehr; er starb am 6. Januar 1865. Am 15. November 1865 weihte Bischof Johann Georg Müller die neue Pfarrkirche St. Martin. Der Turm wurde anschließend weiter vollendet. Die neugotische Hallenkirche misst heute rund 45 Meter in der Länge und 23 Meter in der Breite; das Gewölbe erreicht etwa 17 Meter, der Westturm rund 75 Meter Höhe. [3] [7] [8] 

Die neue Kirche veränderte das Stadtbild dauerhaft. Während von der mittelalterlichen Bebauung kaum Gebäude erhalten blieben, blieb der Standort der Pfarrkirche über die Jahrhunderte konstant. Die neugotische St.-Martin-Kirche wurde zum weithin sichtbaren Wahrzeichen Sendenhorsts. [7] [8] 

 

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7. 1865–1933 – Kulturkampf, Vereine und evangelische Anfänge

Nach der Kirchweihe folgte eine lange Phase der Ausstattung und Weiterentwicklung. Altäre, Figuren, Fenster, Orgel und Glocken wurden ergänzt oder erneuert. Die Pfarrkirche war nicht nur liturgischer Raum, sondern Mittelpunkt eines ausgeprägten katholischen Vereins- und Gemeindelebens. Pfarrer, Kapläne, Kirchenvorstand, Bruderschaften und später katholische Verbände prägten den Alltag. [2] [3] 

Auch der Kulturkampf hinterließ Spuren. Nach dem Tod Pfarrer Alfred Lüders 1882 wurde die Pfarrei bis 1885 von Ferdinand Schwering verwaltet. Die HGF-Unterlagen kennzeichnen diese Jahre ausdrücklich als Kulturkampfzeit. Für Sendenhorst war das kein Zusammenbruch des Gemeindelebens, wohl aber eine Phase, in der staatliche Kirchenpolitik auch die Besetzung der Pfarrstelle beeinflusste. [2] [3] 

Gleichzeitig begann eine neue konfessionelle Geschichte. Auf dem Höhepunkt des Strontianitbergbaus um 1880 kamen auswärtige Bergleute nach Sendenhorst, darunter Evangelische. Für sie wurden sonntags Gottesdienste oder Bibelstunden gehalten. Petzmeyer bezeichnet diese Zusammenkünfte als die ersten evangelischen Kulthandlungen seit der Reformationszeit in Sendenhorst. [1] [3] 

Die heutige evangelische Kirchengemeinde nennt für die Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst einzelne evangelische Familien in der Umgebung. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Sendenhorst acht evangelische Haushalte, vor allem bei Eisenbahn und Post; sie wurden kirchlich von Ahlen betreut. Während des Ersten Weltkrieges kamen evangelische Verwundete im Krankenhaus hinzu. Für Gottesdienste standen zeitweise Schul- und Privaträume zur Verfügung. [9] 

Die Weltkriege griffen auch unmittelbar in die katholische Kirchenausstattung ein. 1918 wurden zwei kleinere Glocken für Kriegszwecke abgegeben; 1923 beschaffte die Gemeinde Ersatz. Damit begann ein Muster, das sich im Zweiten Weltkrieg erneut und noch einschneidender wiederholen sollte. [1] [2] [6] 

 

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8. 1933–1945 – Kirche unter Nationalsozialismus und Krieg

Der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft traf auf ein Sendenhorst, in dem katholische Bindungen politisch und gesellschaftlich noch sehr stark waren. Unmittelbar vor der Reichstagswahl vom 5. März 1933 organisierten katholischer Gesellenverein, Jungmännerverein und Deutsche Jugendkraft einen großen Fackelzug. Markt und Kirche wurden zum Zentrum der Kundgebung. Petzmeyer wertet die Beteiligung von Hunderten Jugendlichen als sichtbare Demonstration des katholischen Milieus gegenüber der nationalsozialistischen Machtinszenierung. [1] [4] 

Das darf nicht zu einer einfachen Widerstandserzählung verkürzt werden. Petzmeyer weist selbst darauf hin, dass sich nach 1933 auch in Sendenhorst Anpassung, Verunsicherung und Zustimmung zur neuen Regierung entwickelten. Gleichzeitig wurden kirchliche Strukturen zunehmend eingeschränkt. Gesellen-, Arbeiter- und Jugendverein wurden aufgelöst; das katholische Jugendheim wurde 1938 beschlagnahmt und als NS-Kindergarten genutzt. [1] [4] 

Die Überlieferung aus der NS-Zeit ist quellenkritisch zu lesen. Ein Gedächtnisprotokoll Pfarrer Westermanns von 1946 beschreibt die örtlichen Konflikte im Rückblick und wird bereits im HGF-Bestand als „subjektiv geschönt“ gekennzeichnet. Gleichwohl bestätigen zeitgenössische Akten einzelne Eingriffe: 1944 ließ die Gestapo die katholischen Glaubensfeiern der Jugend überwachen; der Bericht aus Sendenhorst vermerkte eine gegenüber dem Vorjahr erheblich größere Teilnahme. [4] 

Zur bedrückendsten Seite gehört das Schicksal der Sendenhorsterin Anna Goddemeier, die als Patientin einer Anstalt im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde in Hadamar getötet wurde. Westermanns Nachkriegsbericht nennt sie ausdrücklich als Mitglied seiner Pfarrei. Die Kirche war damit nicht nur Institution unter Druck; zu ihrer Gemeinde gehörten auch Opfer der NS-Verbrechen. [4] 

1942 traf der Krieg erneut das Geläut. Auf staatlichen Befehl mussten drei größere Glocken von St. Martin abgegeben werden; nur die kleinste blieb zunächst für begrenztes Läuten zurück. Auch das St.-Josef-Stift verlor sein Glöckchen. Die abgegebenen Glocken kehrten nicht zurück. [1] [2] [6] 

 

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9. 1945–2006 – Wiederaufbau, Friedenskirche und Wandel

Nach Kriegsende begann für die katholische Gemeinde die materielle und organisatorische Neuordnung. 1949 wurden vier neue Glocken bei Petit & Edelbrock in Gescher bestellt; 1950 erhielt St. Martin wieder ein vollständiges Geläut. Zugleich wurde die konfessionelle Landschaft Sendenhorsts durch Flucht und Vertreibung dauerhaft verändert. [1] [2] [6] [9] 

Schon am 1. Februar 1946 wurde Pastor Arthur Ruddies für die wachsende evangelische Bevölkerung eingesetzt. Katholische Kirchen wurden für evangelische Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Petzmeyer nennt für 1951 etwa 800 evangelische Christen in Sendenhorst, 350 in Vorhelm und 250 in Enniger. Diese 1.400 Menschen bildeten damals einen Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Ahlen. Das Verhältnis der beiden Konfessionen zeigte sich praktisch: Die katholische Kirche stellte auch das Grundstück für den Bau einer evangelischen Kirche zur Verfügung. [1] [9] 

Am 22. Juni 1951 wurde der Grundstein der Friedenskirche gelegt. Viele Gemeindeglieder arbeiteten beim Bau mit. Am 11. Mai 1952 hielt Pastor Ruddies zunächst eine Abschiedsandacht in St. Martin; anschließend zog die evangelische Gemeinde zur Einweihung ihrer eigenen Friedenskirche am Südtor. Aus der Nachkriegshilfe war eine dauerhaft sichtbare zweite christliche Gemeinde in Sendenhorst geworden. [7] [9] 

1961 wurde die Friedenskirche erweitert. Zum 1. Mai 1969 löste sich Sendenhorst aus der Kirchengemeinde Ahlen und wurde mit Enniger und Vorhelm eine selbstständige evangelische Kirchengemeinde. Damit hatte sich aus der kleinen Diasporagemeinschaft des 19. Jahrhunderts eine eigenständige kirchliche Organisation entwickelt. [9] 

Auch St. Martin selbst wandelte sich tiefgreifend. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden zahlreiche neugotische Ausstattungsstücke entfernt. Der Sendenhorster Künstler Bernhard Kleinhans schuf unter anderem Altarkreuz, Altar, Ambo, Leuchter und Weihwasserbecken. Bei der Innenrenovierung 1988 kehrten einige erhaltene ältere Figuren und Ausstattungsstücke wieder in die Kirche zurück. So entstand das heutige Nebeneinander von Neugotik und moderner sakraler Kunst. [8] 

1999 erhielt St. Martin eine neue Orgel des Marburger Orgelbauers Gerald Woehl. Sie wurde am 15. August 1999 eingeweiht und knüpft an eine Sendenhorster Orgeltradition an, die in den Quellen bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. [2] [8] 

 

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10. 2006 bis heute – zwei Gemeinden, Ökumene und neue Strukturen

Zum 1. Januar 2006 wurden die katholischen Gemeinden von Sendenhorst und Albersloh zur neuen Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus zusammengeschlossen. St. Martin in Sendenhorst ist seither Pfarrkirche dieser fusionierten Gemeinde. Damit wurde eine Entwicklung sichtbar, die viele Gemeinden betrifft: Die einzelne Ortskirche bleibt bestehen, doch Verwaltung und Seelsorge werden in größeren Räumen organisiert. [8] 

Die evangelische Kirchengemeinde entwickelte ihre Strukturen ebenfalls weiter. 2003 wurde Enniger an die Kirchengemeinde Ennigerloh abgegeben; Sendenhorst und Vorhelm blieben zusammen. Die Nicolaikirche in Vorhelm wurde am ersten Advent 2023 als Kirchengebäude entwidmet und wird seit 2024 als Dorfgemeinschaftshaus genutzt, wobei dort weiterhin evangelische Gottesdienste stattfinden. Die Friedenskirche am Südtor bleibt das kirchliche Zentrum der evangelischen Gemeinde in Sendenhorst. [9] 

Im Jahr 2026 bestehen damit in Sendenhorst zwei aktive christliche Gemeindestrukturen nebeneinander: die katholische Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus mit St. Martin als Sendenhorster Pfarrkirche und die Evangelische Kirchengemeinde Sendenhorst mit der Friedenskirche. Die Stadt führt beide Gemeinden als gegenwärtige kirchliche Ansprechpartner. [8] [9] [10] 

Nach Jahrhunderten konfessioneller Abgrenzung ist das Verhältnis heute von Zusammenarbeit geprägt. Bereits die gemeinsame Nachkriegsgeschichte – katholische Kirchen als Gottesdiensträume für evangelische Flüchtlinge und das katholisch bereitgestellte Grundstück der Friedenskirche – war ein frühes praktisches Zeichen. Die heutige katholische Gemeinde führt Ökumene ausdrücklich als Arbeitsfeld; die evangelische und katholische Gemeinde begegnen sich in einer Stadt, deren Zentrum bis heute von St. Martin geprägt ist. [8] [9] 

Damit schließt sich ein weiter Bogen: von einer wahrscheinlich um die Jahrtausendwende bestehenden Pfarrei über die mittelalterliche Kreuzkirche, Reformationskrisen und barocke Volksfrömmigkeit, den neugotischen Neubau des 19. Jahrhunderts und die konfessionelle Erweiterung im 20. Jahrhundert bis zur heutigen ökumenisch geprägten Kirchenlandschaft. Die Gebäude haben sich verändert, die Organisationsformen ebenso – der Kirchplatz aber ist seit vielen Jahrhunderten ein zentraler Ort Sendenhorsts geblieben. [1] [2] [7] [8] [9] 

 

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Zeittafeln

Zeittafel I – Von den Anfängen bis zum Neubau von St. Martin

Zeit Ereignis und Bedeutung
um 1000 Nach Petzmeyer lässt sich die Pfarrei Sendenhorst mindestens bis etwa um die Jahrtausendwende zurückdatieren; ein exaktes Gründungsjahr ist nicht belegt.
9. Jh.? Das Martinus-Patrozinium wird heute als Hinweis auf eine möglicherweise ältere Gründung gedeutet; quellenmäßig nicht sicher.
12. Jh. Lokale Rekonstruktion der romanischen Kreuzkirche am heutigen Standort.
1175 Sendenhorst wird in der örtlichen Forschung als Kirchdorf/Pfarrei greifbar.
1312–1327 Mehrere Pfarrer, Rektoren und Kapläne sind namentlich urkundlich belegt.
1351 Katharinen-Vikarie belegt.
1427 Stiftung der Vikarie Johannes des Täufers.
1451 Interdikt während der Münsterischen Stiftsfehde betrifft auch Sendenhorst.
1534/35 Täuferkrise und militärische Belastungen erreichen Sendenhorst.
1602/1613 Kirchliche Visitationsberichte geben Einblick in Pfarrer, Kaplan, Schule und Gottesdienst.
1630 Früher sicherer Beleg zur Orgelgeschichte.
1721 Stiftung der traditionsreichen Karfreitagsprozession.
1806 Stadtbrand beschädigt alte Pfarrkirche und Turm schwer; Glocken schmelzen.
1837 Bernhard Lorenbeck wird Pfarrer und treibt später den Neubau entschieden voran.
1843 Verlegung des Friedhofs schafft Raum für den Kirchenneubau.
1853 Abbruch der alten romanischen Kreuzkirche; Notkirche und Neubauplanung.
21.08.1855 Grundsteinlegung der heutigen neugotischen Kirche.
15.11.1865 Feierliche Weihe der neuen Pfarrkirche St. Martin.

Zeittafel II – Vom Kulturkampf bis in die Gegenwart

Zeit Ereignis und Bedeutung
1882–1885 Kulturkampf: Ferdinand Schwering verwaltet die Pfarrstelle.
um 1880 Evangelische Bergleute feiern Gottesdienste/Bibelstunden – nach Petzmeyer erste evangelische Kulthandlungen seit der Reformation.
vor 1914 Acht evangelische Haushalte in Sendenhorst; Betreuung von Ahlen aus.
1918 Zwei kleinere Glocken von St. Martin werden für Kriegszwecke abgegeben.
1923 Ersatzglocken werden beschafft.
1933 Großer Fackelzug katholischer Jugend und Verbände vor der Reichstagswahl.
1938 Katholisches Jugendheim wird beschlagnahmt und als NS-Kindergarten genutzt.
1942 Drei große Kirchenglocken werden auf Staatsbefehl abgeliefert.
1944 Gestapo überwacht Glaubensfeier der katholischen Jugend.
1946 Pastor Arthur Ruddies sammelt die stark angewachsene evangelische Gemeinde.
1950 St. Martin erhält vier neue Glocken.
22.06.1951 Grundsteinlegung der evangelischen Friedenskirche.
11.05.1952 Einweihung der Friedenskirche nach Abschiedsandacht in St. Martin.
01.05.1969 Evangelische Kirchengemeinde Sendenhorst wird selbstständig.
1988 Innenrenovierung St. Martin; erhaltene ältere Ausstattungsstücke kehren zurück.
15.08.1999 Einweihung der neuen Woehl-Orgel in St. Martin.
01.01.2006 Fusion zur katholischen Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus; St. Martin wird Pfarrkirche.
2023/24 Evangelische Nicolaikirche Vorhelm wird entwidmet und als Bürgerhaus weitergenutzt; Gottesdienste bleiben möglich.
2026 St. Martin und Friedenskirche sind die beiden aktiven kirchlichen Zentren im Ortsteil Sendenhorst.

Die beiden heutigen Kirchen im Ortsteil Sendenhorst

Kirche Entwicklung Heutige Einordnung
St. Martin Neugotischer Neubau 1855–1865 am mittelalterlichen Kirchenstandort. Pfarrkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus.
Friedenskirche Diasporakirche 1951/52 für die nach 1945 stark gewachsene evangelische Gemeinde. Kirchliches Zentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Sendenhorst.

 

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Quellen und Literatur

[1] Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst. Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Stadt Sendenhorst, 1993. Kernquelle insbesondere zu Pfarrgründung, Reformationszeit, Kirchenbau, Strontianit/evangelischen Anfängen, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit.

[2] HGF-/Fascies-Bestand, besonders HGF 01–29: Dossiers „Kirche zu Sendenhorst“, Pfarrarchiv-Inventare, Pfarrer- und Kaplanslisten, Visitationsberichte 1602/1613, kirchliches Inventar, Orgel, Glocken, Karfreitagsprozession, Kirchenbau und Pfarrchronik.

[3] Petz-/Arbeitsakten / zusammengeführte Archivbestände „Kirche 1–3“ und 1995_Akten_komplett, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst. Enthält unter anderem Urkundenabschriften zu Pfarrern und Vikarien, Bauakten 1842–1865, Lorenbeck-Unterlagen, Pfarrerlisten sowie archivalische Ergänzungen.

[4] HGF 30–35 sowie Petz-Akten „Krieg WK2 / Nazis“: zeitgenössische und nachträgliche Unterlagen zum Verhältnis Kirche–Nationalsozialismus, zur katholischen Jugend, zur Gestapo-Überwachung 1944, zum Jugendheim und zum Gedächtnisprotokoll Pfarrer Westermanns von 1946. Letzteres ausdrücklich quellenkritisch verwendet.

[5] Wilhelm Kleinhans: Abhandlungen zum Bau der Sendenhorster Pfarrkirche, erstmals 1916 bzw. zum 60-jährigen Weihegedenken 1925; überliefert bzw. nachgedruckt im HGF-/Fascies-Bestand und in Sendenhorster Heimatveröffentlichungen. Wertvoll für Details, teilweise ergänzt durch mündliche Überlieferung.

[6] Bernhard Fascies: In ihren Glocken tönt das Schicksal der Stadt. Heimatkalender Kreis Beckum 1967, S. 8–50; zusätzlich Glocken- und Turmakten im HGF-/Petz-Bestand.

[7] Heimatverein Sendenhorst: Geschichte(n), Chronik, „Historische Augenblicke“ und zusammengeführte lokale Beiträge zur Pfarrkirche, zum Kirchenneubau und zur Friedenskirche.

[8] Katholische Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus: St. Martin Sendenhorst. Aktuelle Angaben zu Bau, Ausstattung, Renovierung, Orgel, Fusion 2006 und heutiger Funktion; die dortige Datierung der Anfänge ins 9. Jahrhundert wurde mit Petzmeyer quellenkritisch abgeglichen.

[9] Evangelische Kirchengemeinde Sendenhorst: Geschichte der Kirchengemeinde sowie aktuelle Gemeindeseiten. Grundlage für evangelische Anfänge, Flüchtlingsgemeinde, Friedenskirche, Selbstständigkeit 1969 und heutige Struktur.

[10] Stadt Sendenhorst: Geschichtliche Entwicklung Sendenhorsts sowie die aktuelle Übersicht der Kirchengemeinden. Ergänzend zur heutigen Einordnung und zur Bedeutung der frühen Stammpfarrei.

Quellenkritik: Die frühe Kirchengeschichte ist nicht lückenlos urkundlich belegt. Wo Datierungen nur aus Patrozinium, Siedlungsgeschichte oder späterer örtlicher Überlieferung erschlossen werden, ist dies ausdrücklich kenntlich gemacht. Bei der NS-Zeit wurden nachträgliche kirchliche Erinnerungsberichte nicht mit zeitgenössischen Akten gleichgesetzt. Für den heutigen Zustand wurden ausschließlich aktuelle offizielle Seiten der Kirchengemeinden und der Stadt ergänzend herangezogen.

 

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