Inhaltsverzeichnis
Der Schützen-Bürgerwald – von den Martinusschützen
geschaffen, von Sendenhorst weitergetragen
Der Schützen-Bürgerwald gehört heute zu den markantesten grünen Bereichen Sendenhorsts. Seine Geschichte begann jedoch nicht mit einem alten Wald, sondern mit einer Idee der
St.-Martinusschützen: Zum 125-jährigen Vereinsjubiläum sollte 1989 etwas Dauerhaftes entstehen. Aus zunächst 77 Bäumen entwickelte sich über Jahrzehnte ein weitläufiger
Schützen-Bürgerwald mit Baumspenden aus der Bürgerschaft, Johannisallee, altem und neuem Teil, zwei Wetterschutzhütten und dem Gelände der ehemaligen Hofstelle Schmetkamp. [1] [2] [3]
Der Name ist kein Detail: Schützen-Bürgerwald – nicht „Bürgerschützenwald“
In Quellen und Veröffentlichungen begegnen heute zwei sachlich richtige Formen: Schützen-Bürgerwald und ausgeschrieben Schützen- und Bürgerwald. Beide bezeichnen dasselbe Projekt und machen seine Doppelidee sichtbar: Der Schützenverein St. Martinus gab 1988/89 den entscheidenden Anstoß und betreut die Aufforstung; zugleich wurde der Wald ausdrücklich der Sendenhorster Bürgerschaft übergeben und wuchs durch Baumspenden von Bürgerinnen und Bürgern weiter. [1] [2] [11] [12]
Die gelegentlich in lokalen Veröffentlichungen auftauchende Form „Bürgerschützenwald“ ist dagegen sachlich falsch. Sie verbindet die Wörter „Bürger“ und „Schützen“ zu „Bürgerschützen“ und erweckt dadurch den Eindruck, der Wald sei von einem Bürgerschützenverein angelegt worden. Das trifft für Sendenhorst nicht zu: Initiator war der Allgemeine Schützenverein St. Martinus. Der Bestandteil „Bürgerwald“ beschreibt vielmehr die öffentliche Bestimmung und die breite Beteiligung der Sendenhorster Bevölkerung. [1] [2] [13]
Wie kam es zur falschen Bezeichnung? Eine zeitgenössische Quelle, die den Ursprung dieses Sprachfehlers erklärt, ist bislang nicht bekannt. Naheliegend ist eine sprachliche Verschleifung: „Bürgerschützen“ ist in Westfalen als Bezeichnung für Schützenvereine sehr geläufig; beim schnellen Zusammensetzen von „Bürger“, „Schützen“ und „Wald“ wird daraus leicht „Bürgerschützenwald“. Historisch dreht diese Form den Sinn jedoch um. Auf dieser Seite wird daher konsequent Schützen-Bürgerwald verwendet.
Wichtig zur Einordnung: Wenn heute von „Hof Schmetkamp“ gesprochen wird, ist damit vor allem das gesamte Natur- und Naherholungsgebiet gemeint. Die eigentliche landwirtschaftliche Hofanlage besteht nicht mehr. Von der ehemaligen Hofstelle ist nur noch die alte Scheune als letztes Gebäude erhalten. Das bestätigt auch die Stadt Sendenhorst ausdrücklich. Das Wohn- und Hofgebäude ist nach örtlicher Überlieferung durch Brand verloren gegangen; ein belastbares Datum dieses Brandes konnte in den bislang digital ausgewerteten Quellen jedoch noch nicht ermittelt werden. Darum spricht diese Seite bei der historischen Hofgeschichte bewusst von der ehemaligen Hofstelle Schmetkamp. [8] [11] [12]
1. 1988/89 – Idee, Name und Martinusschützen
Die konkrete Geschichte des Schützen-Bürgerwaldes beginnt 1988. Im Umfeld des bevorstehenden 125-jährigen Jubiläums des Allgemeinen Schützenvereins St. Martinus entstand die Idee, nicht nur ein großes Fest zu feiern, sondern Sendenhorst etwas Bleibendes zu hinterlassen. Im März 1989 stimmte der Vorstand der Errichtung zu. Am 8. Juni 1989 wurde der Schützen-Bürgerwald feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Zu diesem Zeitpunkt waren zunächst 77 Bäume gepflanzt. [1] [2]
Schon der Name beschreibt das Konzept: „Schützen“ steht für die Initiative und die bis heute enge Betreuung durch den Allgemeinen Schützenverein St. Martinus; „Bürgerwald“ steht für die Übergabe an die Allgemeinheit, die Nutzung als Naherholungsgebiet und die vielen von Sendenhorsterinnen und Sendenhorstern gestifteten Bäume. Deshalb ist Schützen-Bürgerwald beziehungsweise die ebenfalls belegte Langform Schützen- und Bürgerwald inhaltlich treffend. Die Form „Bürgerschützenwald“ macht daraus dagegen sprachlich einen Wald der „Bürgerschützen“ und verfälscht damit den historischen Entstehungszusammenhang. [1] [2] [11] [12]
Entscheidend war von Anfang an der öffentliche Charakter. Die Martinusschützen schufen keinen abgeschlossenen Vereinsplatz, sondern ein Naherholungsgebiet, das von der Bevölkerung angenommen und durch Baumspenden immer weiter ergänzt werden sollte. Gerade diese Verbindung aus Schützentradition, Natur und bürgerschaftlicher Beteiligung wurde zum Grundprinzip des Schützen-Bürgerwaldes. [1] [2]
2. Franz Keweloh – Motor des Projekts
Mit der Entstehung des Schützen-Bürgerwaldes ist vor allem der Name Franz Keweloh verbunden. Schon die Jubiläumsschrift der Martinusschützen von 1964 zeigt ihn als Major im Vorstand und im Offizierskorps. Später führte er den Verein viele Jahre als Oberst und wurde Ehrenoberst. Unter seiner maßgeblichen Initiative nahm der Schützen-Bürgerwald Gestalt an. [2] [9]
Keweloh beschränkte sich nicht auf die Gründungsidee. Über Jahre kümmerte er sich um Organisation, Pflanzungen und Pflege. Damit wurde früh deutlich, dass der Schützen-Bürgerwald kein einmaliges Jubiläumsprojekt sein sollte. Die dauerhafte Pflege und Erweiterung gehört heute sogar ausdrücklich zu den Aufgaben des Allgemeinen Schützenvereins St. Martinus. [1] [2]
3. Von 77 Bäumen zum großen Schützen-Bürgerwald
Das Erfolgsprinzip war einfach: Sendenhorster konnten Bäume stiften. Familien, Vereine, Firmen und Institutionen machten davon Gebrauch. So wuchs der Schützen-Bürgerwald weit über die anfänglichen 77 Bäume hinaus. Ein besonderer Meilenstein war der 24. November 2007: Unter dem Motto „1.000 Bäume – 1.000 Sendenhorster“ wurde der tausendste Baum gepflanzt. [2] [3]
Inzwischen nennen die Martinusschützen eine Fläche von rund 19 Hektar; 2026 war bereits von rund 1.700 Bäumen die Rede. Die Nachfrage nach Pflanzplätzen ist so groß, dass freie Flächen zeitweise vollständig vergeben waren. Der Schützen-Bürgerwald ist damit von einer kleinen Jubiläumspflanzung zu einem großflächigen und dauerhaft gepflegten Naherholungsgebiet geworden. [3] [5]
4. Schützentradition vor 1864 – die Johannisbrüder von 1606
Der Schützen-Bürgerwald ist eine Gründung der Martinusschützen von 1989. Die Sendenhorster Schützentradition selbst reicht jedoch viel weiter zurück. Bernhard Fascies wies in der Jubiläumsschrift von 1964 darauf hin, dass bereits die Gründer des Allgemeinen Schützenvereins 1864 ausdrücklich an ältere Schützenfeste anknüpfen wollten. [9]
Besonders wichtig sind dabei die Johannisbrüder. Silberschilder ihrer Königskette belegen Königsschießen bereits für die Jahre 1810 bis 1813. 1825 bezeichnete Bürgermeister Marcus die Johannisbruderschaft als eine seit „vor urdenklichen Zeiten“ bestehende Gesellschaft. Noch 1858 wurden in Sendenhorst mehrere getrennte Schützenfeste genannt. 1864 entstand daneben der Allgemeine Schützenverein, der Stadt und Land, Jung und Alt zusammenführen sollte. [9]
5. Die ehemalige Hofstelle Schmetkamp
Die Bezeichnung „Hof Schmetkamp“ kann heute leicht ein falsches Bild erzeugen: Wer das Gelände besucht, findet dort keinen erhaltenen historischen Bauernhof mehr. Gemeint ist die ehemalige Hofstelle Schmetkamp und das später nach ihr benannte Natur- und Naherholungsgebiet. Die Stadt bezeichnet die alte Scheune als „letztes erhalten gebliebenes Gebäude der ehemaligen Hofstelle“. [11] [12]
Die Hofgeschichte selbst reicht weit zurück. Heinrich Petzmeyer führt Schmetkamp als Hardt 22 Schmetkamp. Danach bildeten Schmetkamp und Geilern ursprünglich einen gemeinsamen Hofverband. 1502 erscheint die Bezeichnung Lutteke Geiseldom, später Schmitkamp beziehungsweise Smedekamp. Petzmeyer führt den Namen auf einen Schmiedekamp zurück und vermutet dort eine frühe Schmiede des alten Geilern-Gutes. Seit 1466 ist Schmetkamp als bischöflicher Hof nachweisbar. [8]
Der Hof hatte zeitweise mit schlechten Böden, hohen Abgaben, Kriegsschäden, Verschuldung und Wüstungsphasen zu kämpfen. 1816 werden 168 Morgen genannt. Auch der Landschaftsname Hardt verweist auf eine bewaldete Anhöhe. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, der heutige Schützen-Bürgerwald sei ein Rest eines mittelalterlichen Waldes: Die moderne Aufforstung begann erst 1989. [8] [1]
Was ist heute noch vom Hof zu sehen? Von der eigentlichen Hofanlage praktisch nichts mehr. Erhalten ist die alte Scheune; sie ist heute der konkrete bauliche Anknüpfungspunkt für die NaturScheune. Das ehemalige Wohn- und Hofgebäude ist nach lokaler Überlieferung durch Brand verloren gegangen. Ein genaues Branddatum ist in den bisher ausgewerteten Quellen noch offen. [11] [12]
Eine reizvolle historische Verbindung ergibt sich aus dem Jahr 1864: Unter den Unterzeichnern des Genehmigungsgesuchs für das erste allgemeine Schützenfest findet sich ein Theodor Schmetkamp. Eine direkte familiengeschichtliche Verbindung zum späteren Hofbesitz ist damit nicht bewiesen, doch die Namensüberschneidung ist bemerkenswert. [9]
6. Flughafenpläne – sollte hier ein Hotel entstehen?
Um 1970 geriet auch die Gegend um Schmetkamp in den Sog eines Projekts, das das gesamte südliche und westliche Umland Sendenhorsts verändert hätte: des geplanten Dritten Internationalen Flughafens Nordrhein-Westfalen zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt. Am 13. März 1970 wurde der Standort im Raum Alst bekanntgegeben; der geplante Großflughafen sollte in mehreren Stufen mit kilometerlangen Start- und Landebahnen, Fracht- und Fluggastbereichen, Werkstätten, Verwaltungsgebäuden und einem Hotel entstehen. [14]
In der Sendenhorster Rückschau auf die Flughafenplanung wird die aufgegebene Hofstelle Schmetkamp ausdrücklich als einer der Orte genannt, an denen die Folgen dieser Planung noch greifbar gewesen seien: Dort sollte demnach ein Hotel entstehen. Dieser Hinweis findet sich sowohl im zusammengetragenen Flughafenmaterial des Heimatvereins als auch in der heutigen Flughafen-Seite. [14]
Quellenkritisch wichtig: Dass der Flughafen selbst ein Verwaltungs- und Hotelgebäude erhalten sollte, ist in den damaligen Planungsbeschreibungen belegt. Die genaue Zuordnung des Hotelstandortes unmittelbar zur Hofstelle Schmetkamp ist dagegen bislang vor allem aus der lokalen späteren Überlieferung bekannt. Eine zeitgenössische Planzeichnung, auf der die Hofstelle selbst eindeutig als Hotelparzelle beschriftet ist, konnte bei der erneuten Prüfung nicht gefunden werden. Deshalb wird hier bewusst nicht behauptet, dies sei abschließend kartografisch bewiesen. [14]
Das Flughafenprojekt scheiterte Anfang der 1970er Jahre. Damit blieb auch die gedachte Hotelnutzung Zukunftsmusik. Für die Geschichte des Schmetkamp-Geländes ist diese Episode trotzdem bemerkenswert: Aus einem aufgegebenen Bauernhof hätte ein Baustein eines internationalen Verkehrsgroßprojekts werden können. Stattdessen entwickelte sich der Bereich später in genau die entgegengesetzte Richtung – zu Wald, Biotopen, Naherholung und Umweltbildung. [14] [12]
7. Die NFG – vom Hofgelände zum Naturraum
Die zweite große Entwicklungslinie des Geländes begann mit der Naturfördergesellschaft Sendenhorst e.V. (NFG). Der Verein wurde 1991 gegründet. Sein Ziel ist Naturschutz und Landschaftspflege im Stadtgebiet – freiwillig, gemeinnützig und ergänzend zu den Aufgaben der Stadt. [10]
Für Schmetkamp wurde die NFG besonders wichtig: Ab 1993 entwickelte eine Arbeitsgemeinschaft der NFG gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Biologen Christoph Laumann ein Konzept für die Flächen rund um den ehemaligen Bauernhof. Der Rat der Stadt Sendenhorst stimmte diesem Konzept 1995 zu. Von da an wurde das Gelände systematisch zu einem naturnahen Bereich umgestaltet. [12]
Heute gehören dazu unter anderem eine Obstbaumallee mit alten Sorten, Brache, Weide, Magerwiese, feuchte Senken, Obstwiesen, Bienenhaus, Bauerngarten, das Grüne Klassenzimmer aus der Regionale 2004 und der renaturierte Ostheidebach. Der Schützen-Bürgerwald ist dabei ein Teil dieses größeren Naturraums – er wird seit 1989 von den Martinusschützen betreut, während die NFG zahlreiche andere Flächen und Projekte des Gesamtgeländes prägt. [11] [12]
2009 entstand bei einer gemeinsamen 72-Stunden-Aktion von BDKJ, Messdienern, Pfadfindern und Landjugend ein umfangreicher Natur- und Erlebnispfad mit zahlreichen Informationstafeln. Weitere Projekte folgten. 2020 wurde die rund drei Hektar große Fläche zwischen Schmetkamp und den Hardt-Teichen ökologisch aufgewertet: Der Ostheidebach erhielt einen naturnahen Verlauf, neue Gehölz- und Grünlandflächen wurden geschaffen und zugleich eine Erweiterungsfläche für den Schützen-Bürgerwald angelegt. Rund 200 Hochstämme und mehr als 1.000 Gehölzsämlinge wurden gepflanzt. [12] [15]
Wichtig für die Rollenverteilung: Der Schützen-Bürgerwald ist das Waldprojekt der Martinusschützen und der Baumspender. Die NFG entwickelte und pflegt wesentliche Teile des umgebenden Natur- und Biotopgeländes. Der 2025 gegründete Verein NaturScheune Hof Schmetkamp e.V. ist wiederum eine eigene Organisation, die aus dem Umweltbildungsprojekt rund um die verbliebene Scheune hervorgegangen ist. Die drei Bereiche arbeiten zusammen, sind aber nicht dasselbe. [1] [10] [12] [16]
8. Die Johannisallee
Die Johannisbruderschaft war nicht an der Gründung des Schützen-Bürgerwaldes von 1989 beteiligt. Ihre besondere Verbindung zum Gelände entstand später durch die Johannisallee. 2005 ließen der damalige Oberst Bernhard Austermann und König Josef Strohbücker erste Bäume pflanzen. Daraus entwickelte sich die Idee einer eigenen Allee. [7]
Am 31. Oktober 2006 beschloss die Mitgliederversammlung der Johannisbrüder einstimmig, die Johannisallee im Schützen-Bürgerwald mitzugestalten. Der Weg sollte eine Verbindung vom Südendamm zum Wanderweg X3 schaffen. Bereits bei der Versammlung kamen 40 Baumspenden zusammen; später wurden weitere ergänzt. Die Johannisallee macht damit die jahrhundertealte Tradition der Johannisbrüder sichtbar innerhalb eines Schützen-Bürgerwaldes, den die Martinusschützen geschaffen haben. [7]
9. Erweiterung – der neue Teil
Der Schützen-Bürgerwald ist über Jahrzehnte immer wieder erweitert worden. 2021 erhielten die Martinusschützen eine weitere Fläche. Anfang 2023 war dieser neue Bereich bereits vollständig mit gespendeten Bäumen belegt. Weitere Pflanzaktionen folgten, doch auch diese Flächen füllten sich schnell. [5]
Heute wird bei den Martinusschützen selbstverständlich zwischen dem alten und dem neuen Teil des Schützen-Bürgerwaldes unterschieden. Die Entwicklung zeigt zugleich den Erfolg des Baumspenden-Modells: Nicht fehlende Spender begrenzen das Wachstum, sondern verfügbare Pflanzflächen. Deshalb bleibt die Suche nach geeigneten Erweiterungsflächen eine Zukunftsaufgabe. [3] [5]
10. Zwei Wetterschutzhütten, Biwak und Waldtage
Zum 150-jährigen Jubiläum des Vereins wurde 2014 die erste große Wetterschutzhütte im alten Teil des Schützen-Bürgerwaldes eröffnet. Der erste Spatenstich war bereits 2012 erfolgt. Die Hütte entwickelte sich zu einem festen Treffpunkt für Gruppen, Ausflüge und Veranstaltungen. [2]
Seit 2025 besitzt auch der neue Teil eine eigene Wetterschutzhütte. Sie wurde am 26. April 2025 offiziell eingeweiht und gibt dem jüngeren Abschnitt einen eigenen Unterstand und Treffpunkt. Damit ist die räumliche Entwicklung des Schützen-Bürgerwaldes auch an seiner Infrastruktur sichtbar. [4]
Seit 2001 gehört außerdem das Biwak zum Vereinsleben im Schützen-Bürgerwald. Hinzu kommen die regelmäßigen Waldtage: Wege werden gepflegt, Bäume kontrolliert, Pflanzungen vorbereitet und notwendige Arbeiten gemeinsam erledigt. So bleibt der Schützen-Bürgerwald bis heute ein praktisches Arbeitsprojekt der Martinusschützen und nicht nur eine historische Gründung. [2] [5]
11. NaturScheune – das letzte Hofgebäude bekommt Zukunft
Die alte Scheune ist das letzte erhaltene Gebäude der ehemaligen Hofstelle Schmetkamp. Gerade deshalb ist sie heute der bauliche Mittelpunkt eines neuen Projekts. Um 2020 entstand die Idee, die Aufenthaltsqualität auf dem Gelände zu verbessern. Besonders für Schulklassen fehlten unter anderem Sanitärmöglichkeiten. Daraus entwickelte sich der Plan, die leerstehende Scheune zu einem Lern- und Begegnungsort für Natur- und Klimaschutz umzubauen. [11] [16]
2021 nahm das Vorhaben im Rahmen des Landesprogramms „Qualifizierung des bürgerschaftlichen Engagements“ Fahrt auf. Mit Unterstützung des Büros startklar a+b entwickelten NFG, Stadt und zahlreiche Nutzer des Geländes ein Nutzungskonzept. Beteiligt waren unter anderem Schulen und Kindergärten, Volkshochschule, Schützenvereine und Naturschutzakteure. 2023 wurden die Planungen in Nutzer- und Mitmachkonferenzen weiterentwickelt. [16]
Nachdem die zunächst vorgesehene Bundesförderung nicht zustande kam, wurde das Projekt kleiner und schrittweise neu aufgestellt. Im Januar 2025 entstand der eigenständige Verein NaturScheune Hof Schmetkamp e.V.. Sein Zweck ist die Umwelt-, Natur-, Klima- und Nachhaltigkeitsbildung sowie die Instandsetzung und Nutzung der Scheune als Bildungsstätte. [16] [17]
Der aktuelle Stand ist konkreter als in der bisherigen Seitenfassung: Die Stadt Sendenhorst meldete, dass die Baugenehmigung im April 2026 erteilt wurde. Die Stadt soll die Außenhülle sanieren; Innenausbau und spätere inhaltliche Ausgestaltung liegen beim Verein. Zum Zeitpunkt der aktuellen städtischen Information wurde noch auf die Bewilligung beantragter Fördermittel gewartet. [18]
Unabhängig vom späteren Ausbau ist die NaturScheune bereits als Bildungsinitiative aktiv: Die eigene Homepage nennt unter anderem Forscherkisten, Naturangebote für Kinder, den regelmäßigen „Lernort Natur“ sowie weitere Veranstaltungen. Damit wird die alte Scheune nicht als vermeintliches historisches Hofensemble inszeniert, sondern als letzter baulicher Rest einer ehemaligen Hofstelle mit einer neuen, zeitgemäßen Nutzung. [17]
12. Schützenhalle – die nächste Perspektive
Mit dem Schützen-Bürgerwald haben die Martinusschützen bereits gezeigt, dass aus einer Vereinsidee ein dauerhaftes Projekt für Sendenhorst entstehen kann. Perspektivisch könnte die geplante Schützenhalle ein zweites großes Zukunftsprojekt werden. Die Planungen wurden 2025 öffentlich gemacht und 2026 weiter konkretisiert. [6]
Das Konzept sieht nicht nur eine klassische Festhalle vor. Gedacht ist unter anderem an einen großen Saal, einen modernen Druckluft-Schießstand, Möglichkeiten für weitere Sport- und Vereinsnutzungen sowie Räume, die auch anderen Sendenhorster Vereinen offenstehen können. Auch die Johannisbrüder werden als mögliche Nutzer genannt. [6]
Stand August 2026: Die Schützenhalle ist eine Planung und Zukunftsperspektive, noch kein vorhandenes Gebäude. Die Martinusschützen haben für den 2. Oktober 2026 eine öffentliche Vorstellung der aktuellen Planungen angekündigt. [6]
Zeittafel – Schützen-Bürgerwald und ehemalige Hofstelle Schmetkamp
| Zeit | Ereignis und Bedeutung |
|---|---|
| 1466 ff. | Die Hofstelle Schmetkamp ist als alter Hof der Bauerschaft Hardt nachweisbar. |
| 1864 | Theodor Schmetkamp gehört zu den Unterzeichnern des Genehmigungsgesuchs für das erste allgemeine Schützenfest. |
| 1970–1973 | Planung des Großflughafens Westfalen. In der lokalen Rückschau wird die aufgegebene Hofstelle Schmetkamp mit einem vorgesehenen Hotelstandort verbunden; die genaue Parzellenzuordnung bleibt quellenkritisch offen. |
| Juli 1988 | Erste konkrete Idee für einen Schützen-Bürgerwald zum 125-jährigen Vereinsjubiläum. |
| 01.03.1989 | Vorstand der Martinusschützen stimmt dem Projekt zu. |
| 08.06.1989 | Feierliche Übergabe des Schützen-Bürgerwaldes an die Öffentlichkeit; zunächst 77 Bäume. |
| 1991 | Gründung der Naturfördergesellschaft Sendenhorst e.V. (NFG). |
| 1993–1995 | NFG, Stadtverwaltung und Biologe Christoph Laumann entwickeln das Naturraum-Konzept für die Flächen um die ehemalige Hofstelle; 1995 stimmt der Rat zu. |
| 2001 | Erstes Biwak der Martinusschützen im Schützen-Bürgerwald. |
| 2004 | Das Grüne Klassenzimmer entsteht als Regionale-2004-Projekt. |
| 2005/06 | Beginn und Beschluss zur Johannisallee der Johannisbrüder. |
| 24.11.2007 | Pflanzung des 1.000. Baumes unter dem Motto „1.000 Bäume – 1.000 Sendenhorster“. |
| 2009 | 72-Stunden-Aktion: Natur- und Erlebnispfad mit zahlreichen Informationstafeln entsteht. |
| 2014 | Eröffnung der ersten Wetterschutzhütte im alten Teil. |
| 2020/21 | Renaturierung des Ostheidebachs und ökologische Aufwertung von rund 3 Hektar zwischen Schmetkamp und Hardt-Teichen; zugleich Erweiterung des Schützen-Bürgerwaldes. |
| 2021–2023 | Konzeptentwicklung für die Scheune als Lernort für Natur- und Klimaschutz. |
| 2025 | Neue Wetterschutzhütte im neuen Teil; Gründung des Vereins NaturScheune Hof Schmetkamp e.V. |
| April 2026 | Baugenehmigung für die NaturScheune erteilt; Fördermittel für den weiteren Ausbau sind noch in Klärung. |
| 2026 | Rund 1.700 Bäume; freie Pflanzflächen erneut knapp. Parallel werden die Planungen für eine Schützenhalle konkretisiert. |
Quellen und Literatur
[1] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Schützen-Bürgerwald – Entstehung und Geschichte. Kernquelle zur Idee 1988/89, Übergabe am 8. Juni 1989, ersten Pflanzungen und Franz Keweloh.
[2] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Vereinsgeschichte. Angaben zu 1989, Biwak, 1.000. Baum, erster Wetterschutzhütte und Vereinsentwicklung.
[3] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Bericht zur Entwicklung und Größe des Schützen-Bürgerwaldes. Angaben zu Baumzahl, Fläche und Wachstum.
[4] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Neue Wetterschutzhütte eingeweiht. Zum neuen Teil und zur zweiten Wetterschutzhütte 2025.
[5] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Erweiterungsflächen im Schützen-Bürgerwald. Ergänzend Berichte zu Pflanzaktionen und Waldtagen.
[6] Allgemeiner Schützenverein St. Martinus: Schützenhalle – das Konzept sowie aktuelle Vereinsmeldungen 2025/26. Grundlage für den Planungsstand und die perspektivische Nutzung.
[7] Johannisbruderschaft Sendenhorst: Johannisallee. Entstehung 2005/06, Baumspenden und Beteiligung der Johannisbrüder.
[8] Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst. Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Stadt Sendenhorst, 1993. Besonders Bauerschaft Hardt und Hardt 22 Schmetkamp; historische Einordnung des Hofes und des Landschaftsnamens.
[9] Bernhard Fascies: Aus der Vorgeschichte und der Jahrhundertgeschichte des Allgemeinen Schützenvereins St. Martinus, in: Festschrift 100 Jahre Allgemeiner Schützenverein St. Martinus Sendenhorst, 1964. Kernquelle zur älteren Sendenhorster Schützentradition, Johannisbruderschaft und Gründung 1864.
[10] Naturfördergesellschaft Sendenhorst e.V. (NFG): Vereins- und Projektinformationen. Gründung 1991, Vereinszweck und aktuelle Naturschutzarbeit.
[11] Stadt Sendenhorst: Hof Schmetkamp. Gesamtgelände, Biotope und ausdrücklicher Hinweis, dass die Scheune das letzte erhalten gebliebene Gebäude der ehemaligen Hofstelle ist.
[12] Naturfördergesellschaft Sendenhorst: Hof Schmetkamp. Kernquelle zur Entwicklung des Geländes ab 1993/95, zu den Biotopen, dem Natur- und Erlebnispfad und zum Verhältnis von NFG und Schützen-Bürgerwald.
[13] 9Plus im Kreis Warendorf: GAK-Kleinprojekte 2022. Beispiel für die regional verbreitete, aber sachlich irreführende Bezeichnung „Bürgerschützenwald“.
[14] Heimatverein Sendenhorst: Der Interkontinental-Flughafen. Planungsdaten zum 3. Internationalen Flughafen sowie lokale Rückschau auf die Hofstelle Schmetkamp und den dort überlieferten Hotelplan. Ergänzend: Stadt-Heimatarchiv / Flughafen-Gesamtdokumente.
[15] NFG: Umgestaltung zwischen Hof Schmetkamp und Hardt-Teichen. Renaturierung des Ostheidebachs 2020/21, rund 3 Hektar, etwa 200 Hochstämme und mehr als 1.000 Gehölzsämlinge.
[16] NaturScheune Hof Schmetkamp e.V.: Der Weg zum Verein. Entwicklung des Umweltbildungsprojekts seit etwa 2020, Beteiligungsprozess ab 2021, Mitmachkonferenz 2023 und Vorbereitung der Vereinsgründung.
[17] NaturScheune Hof Schmetkamp e.V.: aktuelle Homepage. Aktuelle Bildungsangebote, Forscherkisten, Lernort Natur und Vereinsarbeit.
[18] Stadt Sendenhorst: Aktuelles zum Umweltbildungszentrum Hof Schmetkamp, 2026. Baugenehmigung im April 2026, Aufgabenteilung zwischen Stadt und NaturScheune sowie noch ausstehende Fördermittelbewilligung.
Quellenkritik: Der moderne Schützen-Bürgerwald ist ab 1988/89 durch die Unterlagen der Martinusschützen klar dokumentiert. Petzmeyer und Fascies werden für die wesentlich ältere Hof- und Schützengeschichte herangezogen. Bei Schmetkamp wird bewusst zwischen der ehemaligen Hofstelle und dem heutigen, weiterhin als „Hof Schmetkamp“ bezeichneten Natur- und Naherholungsgebiet unterschieden. Die Stadt bestätigt, dass lediglich die Scheune als letztes Gebäude der ehemaligen Hofstelle erhalten ist. Die Brandüberlieferung zum Hofgebäude wird genannt, ein genaues Branddatum ist aber noch nicht belegt. Beim Flughafen ist das vorgesehene Verwaltungs- und Hotelgebäude gesichert; die konkrete Zuordnung des Hotels zur Hofstelle Schmetkamp ist bislang nur in der lokalen Rückschau greifbar und wird deshalb ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Die NFG und der 2025 gegründete Verein NaturScheune Hof Schmetkamp e.V. werden als getrennte, kooperierende Akteure dargestellt. Die Schützenhalle bleibt eine Planung mit Stand August 2026.