Sendenhorst ist nicht gleichmäßig gewachsen. Am Anfang standen einzelne Höfe und Hofgruppen in einer bäuerlichen Landschaft. Daraus entwickelte sich ein Kirchdorf, später eine befestigte Kleinstadt. Jahrhunderte blieb die eigentliche Stadt innerhalb von Wall und Graben erstaunlich kompakt.
Dabei darf man die Stadt nie allein betrachten. Rund um sie lag das Kirchspiel Sendenhorst mit seinen Bauerschaften, Höfen, Feldern und Wegen. Stadt und Kirchspiel bildeten wirtschaftlich und gesellschaftlich einen gemeinsamen Raum, waren aber bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei verschiedene kommunale Einheiten.
Erst im 19. Jahrhundert begann sich die Bebauung stärker vor die alten Tore zu schieben. Nach 1945 änderte sich das Tempo völlig. Martiniring, Nordensiedlung, Böckingwiese, Bült, Garrath, Hagenholt, Westglindkamp und Echterbrock wurden zu neuen Jahresringen um die alte Stadt. Mit dem geplanten Nordglindkamp setzt sich diese Entwicklung fort.
Die Geschichte des Flächenwachstums ist deshalb zugleich eine Geschichte der Menschen: Wie viele lebten innerhalb der Stadt? Wie viele im Kirchspiel? Wann brauchte Sendenhorst plötzlich wesentlich mehr Wohnraum?
Die Geschichte der Siedlungsfläche beginnt lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung. Urnenfriedhöfe im Bereich der heutigen Spithöverstraße und des Martinirings belegen, dass bereits im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus Menschen in unmittelbarer Nähe lebten.
Wo ihre Häuser standen, wissen wir nicht. Ein Gräberfeld weist auf eine nahe Gemeinschaft hin, legt aber keinen bestimmten Dorfplatz fest. Eine exakt lokalisierbare „erste Hütte Sendenhorsts“ ist deshalb bisher nicht nachgewiesen.
Für die spätere Siedlungsentwicklung war die Landschaft entscheidend. Der Münsterländer Kiessandzug bot gegenüber den feuchteren Niederungen etwas höher und trockener gelegene Flächen. Hier ließen sich Höfe, Wege und Äcker günstiger anlegen.
Um 890/900 erscheint der Name Seondonhurst in den Werdener Überlieferungen. Gemeint ist noch keine Stadt und wahrscheinlich auch kein dicht bebautes Dorf, sondern eine kleine bäuerliche Siedlungslandschaft.
Petzmeyer zählt Sendenhorst, Schörmel und Hardt zu frühen Hofgruppen. Weitere Bauerschaften und Hofbereiche wie Bracht, Elmenhorst, Jönsthövel und Sandfort entwickelten sich im mittelalterlichen Landausbau.
Die schriftliche Erwähnung ist nicht der Beginn der Besiedlung. Sie bedeutet nur, dass der Ort nun in einer schriftlichen Quelle erscheint.
Im 11. und 12. Jahrhundert wird die Siedlungsstruktur deutlicher. Der archäologisch untersuchte Große Hof zeigt, dass im Raum Sendenhorst auch eine herausgehobene Hofstelle mit adeliger Prägung bestand.
Gleichzeitig gewinnt die Kirche immer stärker die Funktion eines gemeinsamen Mittelpunktes. Gottesdienst, Friedhof, Wege, Markt, Handel und Handwerk ziehen Menschen an.
1175 wird Sendenhorst als Kirchdorf erwähnt. Archäologische Spuren des 12. und 13. Jahrhunderts im späteren Stadtkern zeigen zunehmend geordnete Grundstücke, Gräben, Pfostenbauten und Entwässerung.
Hof → Weg → Kirche → Friedhof → Handwerker → Kirchdorf
Am 11. August 1315 ist Sendenhorst erstmals als oppidum, als Stadt, belegt. Das ist der älteste bekannte Stadtnachweis, nicht zwingend der exakte Tag einer förmlichen Stadtgründung.
Bereits 1318 werden Graben, Osttor und Marktplatz genannt. Wall und Graben umschließen die Stadt, vier Tore führen ins Umland. Nordgraben, Ostgraben, Südgraben, Westgraben und Promenade zeichnen diesen mittelalterlichen Ring noch heute nach.
Petzmeyer betont allerdings, dass Sendenhorst im Spätmittelalter keineswegs einfach kontinuierlich wuchs. Nach Pest und Krisen war die Bevölkerung im 15. Jahrhundert gegenüber dem 14. Jahrhundert sogar zurückgegangen.
Die häufig genannten niedrigeren Zahlen beruhen auf Steuerlisten und erfassen nicht die gesamte Bevölkerung. Petzmeyer weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere Kinder unter zwölf Jahren darin fehlen.
Für die Siedlungsgeschichte ist die Unterscheidung entscheidend: Die Stadt Sendenhorst und das Kirchspiel Sendenhorst waren lange nicht dasselbe. Innerhalb und unmittelbar um den alten Stadtkern lebte die Stadtbevölkerung. Außerhalb lagen die Bauerschaften und Höfe der Landgemeinde.
Stadt und Kirchspiel gehörten kirchlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich eng zusammen. Die Stadt war Markt-, Handwerks-, Schul- und Versorgungszentrum für das Umland. Kommunal blieben beide jedoch getrennt.
| Jahr | Stadt | Kirchspiel | zusammen |
|---|---|---|---|
| 1498 | ca. 300 | ca. 430 | ca. 730 |
| 1819 | 1.379 | 835 | 2.214 |
| 1829 | 1.474 | 891 | 2.365 |
| 1871 | 1.868 | 881 | 2.749 |
| 1925 | 2.456 | 838 | 3.294 |
| 1939 | 2.681 | 809 | 3.490 |
Historische Einwohnerzahlen beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden. Bei Vergleichen müssen Jahr, Gebietsstand und Zählweise mitgelesen werden.
Besonders deutlich wird die auseinanderlaufende Entwicklung zwischen Stadt und Land im langen Vergleich von 1826 bis 1925. Die Stadt steigt von etwa 1.492 auf 2.456 Einwohner, das Kirchspiel bleibt mit 844 beziehungsweise 838 Einwohnern praktisch unverändert.
Zum Kirchspiel gehörten die ländlichen Bauerschaften rund um die Stadt. In den Quellen begegnen unter anderem Sandfort, Rinkhöven, Hardt, Brock, Bracht, Elmenhorst und Jönsthövel.
| Bauerschaft | Einwohner 1819 | Einwohner 1847 |
|---|---|---|
| Sandfort | 78 | 90 |
| Rinkhöven | 111 | 130 |
| Hardt | 177 | 167 |
| Brock | 90 | 91 |
| Bracht | 179 | 171 |
| Elmenhorst | 103 | 113 |
Das war ein völlig anderes Siedlungsmodell als innerhalb der Stadt: keine dichte Straßenbebauung, sondern verstreute Hofstellen in einer großflächigen landwirtschaftlichen Landschaft.
Am 29. April 1806 zerstörte ein Großbrand große Teile der Stadt. Der zeitnahe Verwaltungsbericht nennt vor dem Brand 280 Häuser und 1.294 Einwohner. 131 private Wohnhäuser wurden vollständig, zwölf weitere größtenteils zerstört.
Beim Wiederaufbau wurde nicht nur ersetzt. Hauslinien wurden geordnet, Gebäude von problematischen Stellen entfernt, Straßenräume verbessert und einzelne Hausstellen verlegt. Miststätten sollten aus dem unmittelbaren Straßenraum verschwinden.
Die Stadt wächst in dieser Phase noch kaum in die Fläche. Stattdessen wird die vorhandene Siedlungsfläche innerhalb des historischen Rings neu organisiert.
Das 19. Jahrhundert bringt Wachstum, aber noch keinen modernen Bauboom. 1829 wohnen 1.474 Menschen in der Stadt und 891 im Kirchspiel. 1871 zählt die Stadt 1.868 Einwohner, das Kirchspiel 881.
Die Stadt wächst also deutlich, während das Land nahezu stagniert. Zugleich entstehen neue Verkehrsachsen. 1850 wird die Verbindung zur Bahnstation Drensteinfurt ausgebaut. In den 1860er Jahren entsteht die Drensteinfurter Chaussee außerhalb des ehemaligen Westtores.
Seit dieser Zeit lässt sich zunehmend erkennen, wie die geschlossene Bebauung über den alten Stadtring hinauswächst. Ab 1875 folgen weitere kommunale Straßenverbindungen.
Neue Großbauten setzen zusätzliche Akzente: St. Martin 1854/65, St. Josef-Stift 1889, WLE 1903 und Rathaus 1911.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte den Sendenhorster Stadtkern nicht in dem Ausmaß wie viele Großstädte. Seine Folgen veränderten die Stadt trotzdem tiefgreifend. Nach 1945 kamen Flüchtlinge, Vertriebene, Evakuierte und Heimkehrer hinzu. Wohnraum wurde knapp, Wohnungen wurden geteilt, Menschen auf Höfen und in Behelfsunterkünften untergebracht.
Die Archivzahlen zeigen den Druck sehr deutlich. Im Januar 1948 wurden in der Stadt 2.907 Ortsansässige, 590 Flüchtlinge und 447 Evakuierte gezählt. Das ergibt 3.944 Personen. 1949 werden bereits 4.069 Einwohner genannt: 2.996 Einheimische, 423 Evakuierte und 650 Flüchtlinge.
Noch dramatischer war die Situation zeitweise im Kirchspiel. 1939 lebten dort nur 809 Menschen. 1950 waren es bereits 1.417. Am 1. Januar 1951 werden 1.451 Einwohner genannt, darunter 637 Flüchtlinge – fast 44 Prozent der gesamten Kirchspielbevölkerung.
| 1. Januar 1951 | Stadt | Kirchspiel | zusammen |
|---|---|---|---|
| Einwohner gesamt | 4.021 | 1.451 | 5.472 |
| Flüchtlinge | 695 | 637 | 1.332 |
| Evakuierte | 292 | 38 | 330 |
| Ortsansässige | 3.034 | 767 | 3.801 |
Stadt und Kirchspiel zusammen hatten damit Anfang 1951 bereits 5.472 Einwohner. Rund drei von zehn Menschen gehörten zu den kriegsbedingt zugezogenen Gruppen. Für ein bis dahin langsam wachsendes Kleinstadtgebiet war das ein tiefgreifender Einschnitt.
Nach der Währungsreform beginnt der moderne Siedlungsausbau. 1949 entsteht östlich der damaligen Stadt auf der Ackerflur „Brink“ die erste geschlossene Nachkriegssiedlung: 26 Eigenheime am Martiniring.
Die künftigen Eigentümer schachteten ihre Baugruben teilweise noch mit Schaufel und Spaten in Eigen- und Nachbarschaftshilfe aus. Dabei stießen sie 40 bis 80 Zentimeter unter der Oberfläche auf vorgeschichtliche Brandurnen.
Der Martiniring war damit nicht nur ein Bauprojekt. Er markiert den Moment, in dem Sendenhorst nach Jahrhunderten langsamen Wachstums in eine neue Phase eintritt.
Der Martiniring blieb kein Einzelprojekt. In den folgenden Jahren entstanden neue Wohngebiete nördlich, östlich und südöstlich des alten Stadtkerns. Westlich der Telgter Straße entstanden 81 Wohnhäuser, östlich weitere 42 Eigenheime sowie größere Mietwohnhäuser.
Hinzu kamen die Nordensiedlung, die Böckingwiese und weitere Flächen im Südosten und Nordwesten. Die katholische Kirchengemeinde stellte Grundstücke im Erbbaurecht zur Verfügung und ermöglichte damit ungefähr 80 Familien den Bau eines Eigenheims.
Im Südosten wurde schließlich eine Baulandumlegung von rund 50 Hektar mit nahezu 300 beteiligten Grundstückseigentümern durchgeführt. Bis Mitte der 1960er Jahre standen dort bereits mehr als 100 neue Wohnhäuser.
Eine historische Statistik aus der Zeitungsgeschichte zeigt den Wohnungsbau über zwanzig Jahre. Die Balken machen sichtbar, dass nahezu jedes Jahr neue Wohnungen entstanden. In einem Spitzenjahr wurden sogar 101 Wohnungen fertiggestellt.

Historische Grafik: „Zwanzig Jahre Wohnungsbau in Sendenhorst im Spiegel der Statistik“
Der Nachkriegsboom lässt sich besonders eindrucksvoll an der technischen Infrastruktur ablesen. 1950 verfügte das Wasserleitungsnetz über eine Länge von 11,5 Kilometern und 443 Hauptanschlüsse. 1968 waren es bereits 20,6 Kilometer und 1.009 Hauptanschlüsse.
Die Zahl der Anschlüsse hat sich damit mehr als verdoppelt. Das ist fast ein zweiter Stadtplan in Zahlen: Wo neue Häuser entstehen, müssen Leitungen, Straßen und Entwässerung folgen.
Der Wasserturm mit rund 45 Metern Höhe und etwa 400 Kubikmetern Fassungsvermögen wurde zum sichtbaren Zeichen dieser modernen Infrastruktur.
Auch die Schulen zeigen, wie sehr sich Sendenhorst verändert. 1949 gab es 745 Schülerinnen und Schüler. 169 von ihnen stammten aus Flüchtlingsfamilien. 1968 waren es bereits 941 Schülerinnen und Schüler.
| Schuljahr / Stand | Schüler |
|---|---|
| 1949 | 745 |
| 1968 Grundschule | 392 |
| 1968 Hauptschule | 254 |
| 1968 Realschule | 295 |
| 1968 gesamt | 941 |
Die Stadt reagierte mit einer ganzen Kette neuer öffentlicher Einrichtungen: 1950/51 entstand die Kardinal-von-Galen-Schule, 1961 die Melanchthon-Schule und 1968 die Realschule auf der Geist.
Dazu kamen ein neuer Sportplatz, Kindergärten, Turnhalle, Kläranlage, Feuerwehrgerätehaus, Pfarr- und Jugendräume sowie weitere soziale Einrichtungen.
| Jahr | Ausbau |
|---|---|
| 1950 | neuer Sportplatz |
| 1950/51 | Kardinal-von-Galen-Schule |
| 1951 | evangelische Kirche |
| 1954 | Kindergarten für rund 120 Kinder |
| 1956 | Kläranlage und Kleingartenanlage mit 52 Gärten |
| 1960/61 | Turn- und Sporthalle |
| 1961 | Melanchthon-Schule |
| 1964 | Neugestaltung Kirchplatz, Pfarrhaus, Jugendheim und Bücherei |
| 1966 | Feuerwehrgerätehaus |
| 1967/68 | zweiter Kindergarten |
| 1968 | Realschule und neues Verwaltungsgebäude |
Die Nachkriegsentwicklung bestand nicht nur aus Wohnhäusern. Fascies nennt für die beiden Jahrzehnte auch 22 neue Gewerbebetriebe, darunter 15 Betriebe der Eisen-, Holz-, Textil- und Kunststoffindustrie.
Neue Arbeitsplätze zogen Menschen an, neue Menschen brauchten Wohnungen, neue Wohnungen benötigten Straßen, Schulen und Versorgung. Damit verstärkten sich Bevölkerungswachstum und Flächenwachstum gegenseitig.
Die Nachkriegsquellen nennen zunächst rund 1.100 heimatvertriebene Neubürger. Bis 1968 wird eine Zahl von ungefähr 1.850 genannt. Die genauen Kategorien ändern sich in den Quellen – Flüchtlinge, Vertriebene, Evakuierte und später Zugezogene werden nicht immer gleich abgegrenzt.
Der langfristige Effekt ist trotzdem eindeutig: Aus einer weitgehend katholisch geprägten Kleinstadt wurde eine sozial, konfessionell und regional vielfältigere Stadt. Der Bau der evangelischen Kirche 1951 gehört deshalb ebenfalls zur Siedlungsgeschichte.
Die alte Trennung von Stadt und Kirchspiel wurde im 20. Jahrhundert zunehmend unpraktisch. Die Gemeindegrenze verlief unmittelbar an der wachsenden Stadt und wurde damit selbst zu einem Hindernis für weitere Siedlungserweiterungen.
Gleichzeitig war das Kirchspiel auf viele Einrichtungen der Stadt angewiesen: Schulen, Versorgung, Verwaltung, Kirche, Handel und Handwerk lagen im Zentrum. Seit dem 1. April 1955 besaßen Stadt und Kirchspiel bereits wieder eine gemeinsame Amtsverwaltung, blieben kommunal aber zwei Gemeinden.
1967 wurde schließlich der Zusammenschluss beschlossen. Zum 1. Januar 1968 wurden Stadt und Landgemeinde Sendenhorst vereinigt.
Die neue Gemeinde zählte 1970 bei der Volkszählung 5.814 Einwohner. Im Oktober 1974 waren es bereits 6.198.
Ab den 1960er Jahren lässt sich Sendenhorsts Wachstum fast wie an Jahresringen ablesen. Alte Felder und Fluren werden zu Wohngebieten.
| Bebauungsplan seit | Gebiet |
|---|---|
| 1967 | Bült |
| 1970 | Südost |
| 1972 | Teppenkamp · Schluse · Hagenholt |
| 1974 | Schörmel · Breede |
| 1976 | Garrath |
| 1980 | Auf der Geist |
| 1981 | Ostheide |
| 1983 | Südwest · Alte Stadt · Platten Bree |
| 1993 | Nordtor |
| 1994 | Raiffeisenstraße |
| 1995 | Westglindkamp |
| 1996 | Wienort |
| 1998 | Echterbrock |
| 1998 | Hoetmarer Straße |
| 1999 | Schörmel West |
| 2007 | Alter Postweg |
| 2009 | Alter Postweg Nord |
| 2012 | An der Kopernikusstraße |
| 2016 | Quartier Nordgraben |
| 2017 | Hagenholt Nord |
Die Jahreszahlen bezeichnen den ursprünglichen planungsrechtlichen Stand der Bebauungspläne und nicht das Baujahr jedes einzelnen Hauses.
Einige Namen sind wesentlich älter als die Häuser: Geist, Bült, Platten Bree, Echterbrock und Hagenholt bezeichneten Landschaftsteile und Fluren, bevor dort moderne Wohngebiete entstanden.
| Alter Name | Früher | Heute |
|---|---|---|
| Geist | alte Flur- und Siedlungslandschaft | Auf der Geist |
| Bült | historische Flur | Wohngebiet Bült |
| Platten Bree | Flur | Wohngebiet Platten Bree |
| Echterbrock | historischer Landschaftsname | Wohngebiet Echterbrock |
| Hagenholt | älterer Landschaftsname | Hagenholt / Hagenholt Nord |
Die Stadt hat die alte Kulturlandschaft also nicht vollständig ausgelöscht. Sie trägt ihre Namen weiter.
Zum 1. Januar 1975 entstand die heutige Stadt Sendenhorst: Die bisherige Stadt Sendenhorst und die Gemeinde Albersloh wurden zusammengeschlossen. Gleichzeitig gab es kleinere Grenzkorrekturen.
Damit ändert sich die statistische Grundlage erneut. Eine Einwohnerzahl der „Stadt Sendenhorst“ nach 1975 umfasst nun auch Albersloh und kann nicht direkt mit der früheren Stadt Sendenhorst verglichen werden.
1975 lebten im Gebiet der heutigen Stadt rund 9.358 Menschen. 2006 waren es in der entsprechenden Gesamtstadtstatistik bereits 13.373.
Für den 31. Dezember 2023 weist eine städtische Datengrundlage 14.242 Einwohner aus. Davon entfielen 9.633 auf Sendenhorst und 4.609 auf Albersloh.
Zum 31. Dezember 2025 zählt die gesamte Stadt Sendenhorst 14.287 Einwohner.
Andere kommunale Statistiken weisen die Bauerschaften separat aus. Deshalb können Sendenhorst- und Albersloh-Zahlen je nach räumlicher Zuordnung leicht unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist immer, den jeweiligen Gebietsstand mitzunennen.
Die Siedlungsgeschichte endet nicht auf einer historischen Karte. Mit dem Nordglindkamp wird die nächste größere Erweiterung vorbereitet.
Die Rahmenplanung umfasst etwa 14,4 Hektar Bruttobauland. Vorgesehen sind mehrere Bauabschnitte sowie unterschiedliche Wohnformen mit Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern.
Fuß- und Radwege, moderne Wärme- und Energieversorgung, geförderter Wohnungsbau und die Nähe zum künftigen WLE-Haltepunkt zeigen, wie anders ein neues Wohngebiet heute geplant wird als der Martiniring von 1949.
Nordglindkamp ist gegenwärtig als Entwicklungsprojekt zu verstehen. Es ist nicht sinnvoll, es so darzustellen, als sei das gesamte Gebiet bereits bebaut oder planungsrechtlich vollständig abgeschlossen.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| 7./6. Jh. v. Chr. | Urnenfriedhöfe – vorgeschichtliche Siedlungslandschaft |
| um 890/900 | Seondonhurst – bäuerliche Hoflandschaft |
| 11./12. Jh. | Großer Hof und zunehmende Verdichtung |
| 1175 | Sendenhorst als Kirchdorf |
| 1315 | ältester bekannter Stadtnachweis |
| 1318 | Graben, Osttor und Markt belegt |
| 1498 | ca. 300 Stadtbewohner + ca. 430 im Kirchspiel |
| 1806 | 1.294 Stadtbewohner · Stadtbrand und Neuordnung |
| 1819 | 1.379 Stadt + 835 Kirchspiel = 2.214 |
| 1829 | 1.474 Stadt + 891 Kirchspiel = 2.365 |
| 1860er | stärkere Bebauung vor dem ehemaligen Westtor |
| 1871 | 1.868 Stadt + 881 Kirchspiel = 2.749 |
| 1903 | WLE schafft neue Verkehrsanbindung |
| 1925 | 2.456 Stadt + 838 Kirchspiel |
| 1939 | 2.681 Stadt + 809 Kirchspiel |
| 1949 | 4.069 Stadtbewohner · Martiniring mit 26 Eigenheimen |
| 1950/51 | 5.472 Einwohner in Stadt und Kirchspiel zusammen |
| 1950er/60er | Nordensiedlung, Böckingwiese, Südost und weitere Wohngebiete |
| 1968 | Stadt und Kirchspiel werden eine Gemeinde |
| 1970 | 5.814 Einwohner im vereinigten Sendenhorst |
| 1974 | 6.198 Einwohner |
| 1975 | Sendenhorst und Albersloh bilden die heutige Stadt |
| 1967–1983 | Bült · Südost · Hagenholt · Garrath · Geist · Platten Bree |
| 1995 | Westglindkamp |
| 1998 | Echterbrock |
| 2017 | Hagenholt Nord |
| 2023 | 9.633 Sendenhorst + 4.609 Albersloh = 14.242 |
| 2025 | 14.287 Einwohner in der Gesamtstadt |
| Zukunft | Nordglindkamp – nächster Siedlungsring |
Die Geschichte Sendenhorsts lässt sich bis heute im Stadtplan erkennen. Promenade und Gräben bewahren den mittelalterlichen Ring. Die alten Ausfallstraßen zeigen die ersten Bewegungen nach außen. Martiniring und Nordensiedlung erzählen vom Bevölkerungsdruck nach 1945. Bült, Garrath und Hagenholt stehen für die großen Wachstumsjahrzehnte. Westglindkamp und Echterbrock markieren jüngere Erweiterungen.
Besonders sichtbar bleibt die alte Landschaft in ihren Namen: Geist, Bült, Platten Bree, Echterbrock und Hagenholt sind älter als die Häuser, die dort heute stehen.
Und auch die alte Trennung von Stadt und Kirchspiel hat Spuren hinterlassen. Jahrhundertelang lagen innerhalb der Stadtgrenze dicht bebaute Straßen, während unmittelbar dahinter verstreute Höfe und Bauerschaften begannen. Erst das gewaltige Wachstum der Nachkriegszeit ließ diese Grenze praktisch verschwinden.
Jede Generation hat Sendenhorst einen neuen Jahresring hinzugefügt.
Mit Nordglindkamp entsteht der nächste.
Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland; Petzmeyer-Akten und historische Auswertungen.
Hans-Günther Fascies / Stadt-Heimatarchiv: Einwohner-, Verwaltungs-, Siedlungs-, Schul-, Flüchtlings- und Nachkriegsunterlagen.
B. Fascies: Bericht zur Entwicklung Sendenhorsts in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten, Heimatkalender 1970; wiedergegeben in der Zeitungsgeschichte des Heimatvereins.
Früh-Geschichte des Heimatvereins →
Quellenbestand des Heimatvereins →
Zeitungsgeschichte – Nachkriegsentwicklung und Wohnungsbau →
650 Jahre Sendenhorst – Fascies 1965 →
Stadt Sendenhorst – Geschichte von Sendenhorst und Albersloh ↗
Stadt Sendenhorst – Zahlen & Daten ↗