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Die Siedlung wächst weiter - seit über 1000 Jahren...

Von Wall und Gräfte zur Promenade - Vom Seondonhurst der frühen Höfe bis zum Nordglindkamp

Sendenhorst ist nicht gleichmäßig gewachsen. Am Anfang standen einzelne Höfe und Hofgruppen in einer bäuerlichen Landschaft. Daraus entwickelte sich ein Kirchdorf, später eine befestigte Kleinstadt. Jahrhunderte blieb die eigentliche Stadt innerhalb von Wall und Graben erstaunlich kompakt.

Dabei darf man die Stadt nie allein betrachten. Rund um sie lag das Kirchspiel Sendenhorst mit seinen Bauerschaften, Höfen, Feldern und Wegen. Stadt und Kirchspiel bildeten wirtschaftlich und gesellschaftlich einen gemeinsamen Raum, waren aber bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei verschiedene kommunale Einheiten.

Erst im 19. Jahrhundert begann sich die Bebauung stärker vor die alten Tore zu schieben. Nach 1945 änderte sich das Tempo völlig. Martiniring, Nordensiedlung, Böckingwiese, Bült, Garrath, Hagenholt, Westglindkamp und Echterbrock wurden zu neuen Jahresringen um die alte Stadt. Mit dem geplanten Nordglindkamp setzt sich diese Entwicklung fort.

Die Geschichte des Flächenwachstums ist deshalb zugleich eine Geschichte der Menschen: Wie viele lebten innerhalb der Stadt? Wie viele im Kirchspiel? Wann brauchte Sendenhorst plötzlich wesentlich mehr Wohnraum?

 

Noch bevor es Sendenhorst gab

Die Geschichte der Siedlungsfläche beginnt lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung. Urnenfriedhöfe im Bereich der heutigen Spithöverstraße und des Martinirings belegen, dass bereits im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus Menschen in unmittelbarer Nähe lebten.

Wo ihre Häuser standen, wissen wir nicht. Ein Gräberfeld weist auf eine nahe Gemeinschaft hin, legt aber keinen bestimmten Dorfplatz fest. Eine exakt lokalisierbare „erste Hütte Sendenhorsts“ ist deshalb bisher nicht nachgewiesen.

Für die spätere Siedlungsentwicklung war die Landschaft entscheidend. Der Münsterländer Kiessandzug bot gegenüber den feuchteren Niederungen etwas höher und trockener gelegene Flächen. Hier ließen sich Höfe, Wege und Äcker günstiger anlegen.

Vor rund 2.600 Jahren lebten hier bereits Menschen – wo ihre Häuser standen, wissen wir noch nicht.
 

Seondonhurst – wenige Höfe bekommen einen Namen

Um 890/900 erscheint der Name Seondonhurst in den Werdener Überlieferungen. Gemeint ist noch keine Stadt und wahrscheinlich auch kein dicht bebautes Dorf, sondern eine kleine bäuerliche Siedlungslandschaft.

Petzmeyer zählt Sendenhorst, Schörmel und Hardt zu frühen Hofgruppen. Weitere Bauerschaften und Hofbereiche wie Bracht, Elmenhorst, Jönsthövel und Sandfort entwickelten sich im mittelalterlichen Landausbau.

Die schriftliche Erwähnung ist nicht der Beginn der Besiedlung. Sie bedeutet nur, dass der Ort nun in einer schriftlichen Quelle erscheint.

 

Der Mittelpunkt wandert zur Kirche

Im 11. und 12. Jahrhundert wird die Siedlungsstruktur deutlicher. Der archäologisch untersuchte Große Hof zeigt, dass im Raum Sendenhorst auch eine herausgehobene Hofstelle mit adeliger Prägung bestand.

Gleichzeitig gewinnt die Kirche immer stärker die Funktion eines gemeinsamen Mittelpunktes. Gottesdienst, Friedhof, Wege, Markt, Handel und Handwerk ziehen Menschen an.

1175 wird Sendenhorst als Kirchdorf erwähnt. Archäologische Spuren des 12. und 13. Jahrhunderts im späteren Stadtkern zeigen zunehmend geordnete Grundstücke, Gräben, Pfostenbauten und Entwässerung.

Hof → Weg → Kirche → Friedhof → Handwerker → Kirchdorf

 

Stadt hinter Wall und Graben

Am 11. August 1315 ist Sendenhorst erstmals als oppidum, als Stadt, belegt. Das ist der älteste bekannte Stadtnachweis, nicht zwingend der exakte Tag einer förmlichen Stadtgründung.

Bereits 1318 werden Graben, Osttor und Marktplatz genannt. Wall und Graben umschließen die Stadt, vier Tore führen ins Umland. Nordgraben, Ostgraben, Südgraben, Westgraben und Promenade zeichnen diesen mittelalterlichen Ring noch heute nach.

Petzmeyer betont allerdings, dass Sendenhorst im Spätmittelalter keineswegs einfach kontinuierlich wuchs. Nach Pest und Krisen war die Bevölkerung im 15. Jahrhundert gegenüber dem 14. Jahrhundert sogar zurückgegangen.

1498 nach Petzmeyer:
Stadt Sendenhorst: höchstens rund 300 Einwohner
Kirchspiel Sendenhorst: etwa 430 Landbewohner

Die häufig genannten niedrigeren Zahlen beruhen auf Steuerlisten und erfassen nicht die gesamte Bevölkerung. Petzmeyer weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere Kinder unter zwölf Jahren darin fehlen.

 

Stadt und Kirchspiel – zwei Sendenhorst

Für die Siedlungsgeschichte ist die Unterscheidung entscheidend: Die Stadt Sendenhorst und das Kirchspiel Sendenhorst waren lange nicht dasselbe. Innerhalb und unmittelbar um den alten Stadtkern lebte die Stadtbevölkerung. Außerhalb lagen die Bauerschaften und Höfe der Landgemeinde.

Stadt und Kirchspiel gehörten kirchlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich eng zusammen. Die Stadt war Markt-, Handwerks-, Schul- und Versorgungszentrum für das Umland. Kommunal blieben beide jedoch getrennt.

Jahr Stadt Kirchspiel zusammen
1498 ca. 300 ca. 430 ca. 730
1819 1.379 835 2.214
1829 1.474 891 2.365
1871 1.868 881 2.749
1925 2.456 838 3.294
1939 2.681 809 3.490

Historische Einwohnerzahlen beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden. Bei Vergleichen müssen Jahr, Gebietsstand und Zählweise mitgelesen werden.

Besonders deutlich wird die auseinanderlaufende Entwicklung zwischen Stadt und Land im langen Vergleich von 1826 bis 1925. Die Stadt steigt von etwa 1.492 auf 2.456 Einwohner, das Kirchspiel bleibt mit 844 beziehungsweise 838 Einwohnern praktisch unverändert.

Ein Jahrhundert in einem Satz:
Die Stadt wächst – das Kirchspiel bleibt fast stehen.

Die Bauerschaften des Kirchspiels

Zum Kirchspiel gehörten die ländlichen Bauerschaften rund um die Stadt. In den Quellen begegnen unter anderem Sandfort, Rinkhöven, Hardt, Brock, Bracht, Elmenhorst und Jönsthövel.

Bauerschaft Einwohner 1819 Einwohner 1847
Sandfort 78 90
Rinkhöven 111 130
Hardt 177 167
Brock 90 91
Bracht 179 171
Elmenhorst 103 113

Das war ein völlig anderes Siedlungsmodell als innerhalb der Stadt: keine dichte Straßenbebauung, sondern verstreute Hofstellen in einer großflächigen landwirtschaftlichen Landschaft.

 

1806 – die Stadt wird neu geordnet

Am 29. April 1806 zerstörte ein Großbrand große Teile der Stadt. Der zeitnahe Verwaltungsbericht nennt vor dem Brand 280 Häuser und 1.294 Einwohner. 131 private Wohnhäuser wurden vollständig, zwölf weitere größtenteils zerstört.

Beim Wiederaufbau wurde nicht nur ersetzt. Hauslinien wurden geordnet, Gebäude von problematischen Stellen entfernt, Straßenräume verbessert und einzelne Hausstellen verlegt. Miststätten sollten aus dem unmittelbaren Straßenraum verschwinden.

1806:
1.294 Einwohner · 280 Häuser · 131 Wohnhäuser vollständig zerstört · 12 überwiegend zerstört

Die Stadt wächst in dieser Phase noch kaum in die Fläche. Stattdessen wird die vorhandene Siedlungsfläche innerhalb des historischen Rings neu organisiert.

 

Im 19. Jahrhundert öffnet sich der alte Ring

Das 19. Jahrhundert bringt Wachstum, aber noch keinen modernen Bauboom. 1829 wohnen 1.474 Menschen in der Stadt und 891 im Kirchspiel. 1871 zählt die Stadt 1.868 Einwohner, das Kirchspiel 881.

Die Stadt wächst also deutlich, während das Land nahezu stagniert. Zugleich entstehen neue Verkehrsachsen. 1850 wird die Verbindung zur Bahnstation Drensteinfurt ausgebaut. In den 1860er Jahren entsteht die Drensteinfurter Chaussee außerhalb des ehemaligen Westtores.

Seit dieser Zeit lässt sich zunehmend erkennen, wie die geschlossene Bebauung über den alten Stadtring hinauswächst. Ab 1875 folgen weitere kommunale Straßenverbindungen.

Neue Großbauten setzen zusätzliche Akzente: St. Martin 1854/65, St. Josef-Stift 1889, WLE 1903 und Rathaus 1911.

Wichtig:
Der Martiniring war nicht die erste Bebauung außerhalb des Stadtkerns. Schon im 19. Jahrhundert standen Häuser vor den alten Toren. 1949 beginnt aber der planmäßige großflächige Nachkriegssiedlungsbau.
 

1945–1968 – zwanzig Jahre, die Sendenhorst verändern

Der Zweite Weltkrieg zerstörte den Sendenhorster Stadtkern nicht in dem Ausmaß wie viele Großstädte. Seine Folgen veränderten die Stadt trotzdem tiefgreifend. Nach 1945 kamen Flüchtlinge, Vertriebene, Evakuierte und Heimkehrer hinzu. Wohnraum wurde knapp, Wohnungen wurden geteilt, Menschen auf Höfen und in Behelfsunterkünften untergebracht.

Die Archivzahlen zeigen den Druck sehr deutlich. Im Januar 1948 wurden in der Stadt 2.907 Ortsansässige, 590 Flüchtlinge und 447 Evakuierte gezählt. Das ergibt 3.944 Personen. 1949 werden bereits 4.069 Einwohner genannt: 2.996 Einheimische, 423 Evakuierte und 650 Flüchtlinge.

2.681
Stadt Sendenhorst 1939
4.069
Stadt Sendenhorst 1949

Noch dramatischer war die Situation zeitweise im Kirchspiel. 1939 lebten dort nur 809 Menschen. 1950 waren es bereits 1.417. Am 1. Januar 1951 werden 1.451 Einwohner genannt, darunter 637 Flüchtlinge – fast 44 Prozent der gesamten Kirchspielbevölkerung.

1. Januar 1951 Stadt Kirchspiel zusammen
Einwohner gesamt 4.021 1.451 5.472
Flüchtlinge 695 637 1.332
Evakuierte 292 38 330
Ortsansässige 3.034 767 3.801

Stadt und Kirchspiel zusammen hatten damit Anfang 1951 bereits 5.472 Einwohner. Rund drei von zehn Menschen gehörten zu den kriegsbedingt zugezogenen Gruppen. Für ein bis dahin langsam wachsendes Kleinstadtgebiet war das ein tiefgreifender Einschnitt.

1949 – der Martiniring setzt den Startpunkt

Nach der Währungsreform beginnt der moderne Siedlungsausbau. 1949 entsteht östlich der damaligen Stadt auf der Ackerflur „Brink“ die erste geschlossene Nachkriegssiedlung: 26 Eigenheime am Martiniring.

Die künftigen Eigentümer schachteten ihre Baugruben teilweise noch mit Schaufel und Spaten in Eigen- und Nachbarschaftshilfe aus. Dabei stießen sie 40 bis 80 Zentimeter unter der Oberfläche auf vorgeschichtliche Brandurnen.

Eine ungewöhnliche historische Klammer:
Beim Bau der modernsten Siedlung des Jahres 1949 wurden Spuren einer rund 2.500 Jahre älteren Siedlungslandschaft wiederentdeckt.

Der Martiniring war damit nicht nur ein Bauprojekt. Er markiert den Moment, in dem Sendenhorst nach Jahrhunderten langsamen Wachstums in eine neue Phase eintritt.

Aus einem Baugebiet wird eine zwanzigjährige Bauwelle

Der Martiniring blieb kein Einzelprojekt. In den folgenden Jahren entstanden neue Wohngebiete nördlich, östlich und südöstlich des alten Stadtkerns. Westlich der Telgter Straße entstanden 81 Wohnhäuser, östlich weitere 42 Eigenheime sowie größere Mietwohnhäuser.

Hinzu kamen die Nordensiedlung, die Böckingwiese und weitere Flächen im Südosten und Nordwesten. Die katholische Kirchengemeinde stellte Grundstücke im Erbbaurecht zur Verfügung und ermöglichte damit ungefähr 80 Familien den Bau eines Eigenheims.

Im Südosten wurde schließlich eine Baulandumlegung von rund 50 Hektar mit nahezu 300 beteiligten Grundstückseigentümern durchgeführt. Bis Mitte der 1960er Jahre standen dort bereits mehr als 100 neue Wohnhäuser.

1949 beginnt keine kurze Baukonjunktur.
Es folgt eine fast zwei Jahrzehnte dauernde Phase kontinuierlichen Wohnungsbaus.

Eine historische Statistik aus der Zeitungsgeschichte zeigt den Wohnungsbau über zwanzig Jahre. Die Balken machen sichtbar, dass nahezu jedes Jahr neue Wohnungen entstanden. In einem Spitzenjahr wurden sogar 101 Wohnungen fertiggestellt.

Zwanzig Jahre Wohnungsbau in Sendenhorst im Spiegel der Statistik

Historische Grafik: „Zwanzig Jahre Wohnungsbau in Sendenhorst im Spiegel der Statistik“

Nicht nur Häuser – die ganze Stadt muss mitwachsen

Der Nachkriegsboom lässt sich besonders eindrucksvoll an der technischen Infrastruktur ablesen. 1950 verfügte das Wasserleitungsnetz über eine Länge von 11,5 Kilometern und 443 Hauptanschlüsse. 1968 waren es bereits 20,6 Kilometer und 1.009 Hauptanschlüsse.

11,5 → 20,6 km
Wasserleitungsnetz 1950–1968
443 → 1.009
Hauptanschlüsse 1950–1968

Die Zahl der Anschlüsse hat sich damit mehr als verdoppelt. Das ist fast ein zweiter Stadtplan in Zahlen: Wo neue Häuser entstehen, müssen Leitungen, Straßen und Entwässerung folgen.

Der Wasserturm mit rund 45 Metern Höhe und etwa 400 Kubikmetern Fassungsvermögen wurde zum sichtbaren Zeichen dieser modernen Infrastruktur.

Schulen, Kindergärten und Sportplätze folgen den neuen Häusern

Auch die Schulen zeigen, wie sehr sich Sendenhorst verändert. 1949 gab es 745 Schülerinnen und Schüler. 169 von ihnen stammten aus Flüchtlingsfamilien. 1968 waren es bereits 941 Schülerinnen und Schüler.

Schuljahr / Stand Schüler
1949 745
1968 Grundschule 392
1968 Hauptschule 254
1968 Realschule 295
1968 gesamt 941

Die Stadt reagierte mit einer ganzen Kette neuer öffentlicher Einrichtungen: 1950/51 entstand die Kardinal-von-Galen-Schule, 1961 die Melanchthon-Schule und 1968 die Realschule auf der Geist.

Dazu kamen ein neuer Sportplatz, Kindergärten, Turnhalle, Kläranlage, Feuerwehrgerätehaus, Pfarr- und Jugendräume sowie weitere soziale Einrichtungen.

Jahr Ausbau
1950 neuer Sportplatz
1950/51 Kardinal-von-Galen-Schule
1951 evangelische Kirche
1954 Kindergarten für rund 120 Kinder
1956 Kläranlage und Kleingartenanlage mit 52 Gärten
1960/61 Turn- und Sporthalle
1961 Melanchthon-Schule
1964 Neugestaltung Kirchplatz, Pfarrhaus, Jugendheim und Bücherei
1966 Feuerwehrgerätehaus
1967/68 zweiter Kindergarten
1968 Realschule und neues Verwaltungsgebäude

Wohnen und Arbeiten wachsen gemeinsam

Die Nachkriegsentwicklung bestand nicht nur aus Wohnhäusern. Fascies nennt für die beiden Jahrzehnte auch 22 neue Gewerbebetriebe, darunter 15 Betriebe der Eisen-, Holz-, Textil- und Kunststoffindustrie.

Neue Arbeitsplätze zogen Menschen an, neue Menschen brauchten Wohnungen, neue Wohnungen benötigten Straßen, Schulen und Versorgung. Damit verstärkten sich Bevölkerungswachstum und Flächenwachstum gegenseitig.

Sendenhorst baute nach 1948 nicht nur Häuser.
Die Stadt baute sich als moderne Kleinstadt praktisch neu.

Flüchtlinge und Vertriebene werden Teil der Stadt

Die Nachkriegsquellen nennen zunächst rund 1.100 heimatvertriebene Neubürger. Bis 1968 wird eine Zahl von ungefähr 1.850 genannt. Die genauen Kategorien ändern sich in den Quellen – Flüchtlinge, Vertriebene, Evakuierte und später Zugezogene werden nicht immer gleich abgegrenzt.

Der langfristige Effekt ist trotzdem eindeutig: Aus einer weitgehend katholisch geprägten Kleinstadt wurde eine sozial, konfessionell und regional vielfältigere Stadt. Der Bau der evangelischen Kirche 1951 gehört deshalb ebenfalls zur Siedlungsgeschichte.

 

1968 – das Wachstum beseitigt eine alte Grenze

Die alte Trennung von Stadt und Kirchspiel wurde im 20. Jahrhundert zunehmend unpraktisch. Die Gemeindegrenze verlief unmittelbar an der wachsenden Stadt und wurde damit selbst zu einem Hindernis für weitere Siedlungserweiterungen.

Gleichzeitig war das Kirchspiel auf viele Einrichtungen der Stadt angewiesen: Schulen, Versorgung, Verwaltung, Kirche, Handel und Handwerk lagen im Zentrum. Seit dem 1. April 1955 besaßen Stadt und Kirchspiel bereits wieder eine gemeinsame Amtsverwaltung, blieben kommunal aber zwei Gemeinden.

1967 wurde schließlich der Zusammenschluss beschlossen. Zum 1. Januar 1968 wurden Stadt und Landgemeinde Sendenhorst vereinigt.

Die Logik dahinter:
Bevölkerungsdruck → Wohnungsbau → neue Siedlungen → Stadt erreicht die Gemeindegrenze → Stadt und Kirchspiel werden eine Gemeinde.

Die neue Gemeinde zählte 1970 bei der Volkszählung 5.814 Einwohner. Im Oktober 1974 waren es bereits 6.198.

 

Die neuen Jahresringe

Ab den 1960er Jahren lässt sich Sendenhorsts Wachstum fast wie an Jahresringen ablesen. Alte Felder und Fluren werden zu Wohngebieten.

Bebauungsplan seit Gebiet
1967 Bült
1970 Südost
1972 Teppenkamp · Schluse · Hagenholt
1974 Schörmel · Breede
1976 Garrath
1980 Auf der Geist
1981 Ostheide
1983 Südwest · Alte Stadt · Platten Bree
1993 Nordtor
1994 Raiffeisenstraße
1995 Westglindkamp
1996 Wienort
1998 Echterbrock
1998 Hoetmarer Straße
1999 Schörmel West
2007 Alter Postweg
2009 Alter Postweg Nord
2012 An der Kopernikusstraße
2016 Quartier Nordgraben
2017 Hagenholt Nord

Die Jahreszahlen bezeichnen den ursprünglichen planungsrechtlichen Stand der Bebauungspläne und nicht das Baujahr jedes einzelnen Hauses.

Vom Flurnamen zur Adresse

Einige Namen sind wesentlich älter als die Häuser: Geist, Bült, Platten Bree, Echterbrock und Hagenholt bezeichneten Landschaftsteile und Fluren, bevor dort moderne Wohngebiete entstanden.

Alter Name Früher Heute
Geist alte Flur- und Siedlungslandschaft Auf der Geist
Bült historische Flur Wohngebiet Bült
Platten Bree Flur Wohngebiet Platten Bree
Echterbrock historischer Landschaftsname Wohngebiet Echterbrock
Hagenholt älterer Landschaftsname Hagenholt / Hagenholt Nord

Die Stadt hat die alte Kulturlandschaft also nicht vollständig ausgelöscht. Sie trägt ihre Namen weiter.

 

1975 – „Sendenhorst“ bekommt eine neue Bedeutung

Zum 1. Januar 1975 entstand die heutige Stadt Sendenhorst: Die bisherige Stadt Sendenhorst und die Gemeinde Albersloh wurden zusammengeschlossen. Gleichzeitig gab es kleinere Grenzkorrekturen.

Damit ändert sich die statistische Grundlage erneut. Eine Einwohnerzahl der „Stadt Sendenhorst“ nach 1975 umfasst nun auch Albersloh und kann nicht direkt mit der früheren Stadt Sendenhorst verglichen werden.

Statistik-Falle:
bis 1967: Stadt und Kirchspiel getrennt
ab 1.1.1968: Stadt einschließlich ehemaligem Kirchspiel
ab 1.1.1975: Gesamtstadt Sendenhorst mit Albersloh

1975 lebten im Gebiet der heutigen Stadt rund 9.358 Menschen. 2006 waren es in der entsprechenden Gesamtstadtstatistik bereits 13.373.

Sendenhorst und Albersloh heute

Für den 31. Dezember 2023 weist eine städtische Datengrundlage 14.242 Einwohner aus. Davon entfielen 9.633 auf Sendenhorst und 4.609 auf Albersloh.

9.633
Sendenhorst
68 % · Stand 31.12.2023
4.609
Albersloh
32 % · Stand 31.12.2023

Zum 31. Dezember 2025 zählt die gesamte Stadt Sendenhorst 14.287 Einwohner.

Andere kommunale Statistiken weisen die Bauerschaften separat aus. Deshalb können Sendenhorst- und Albersloh-Zahlen je nach räumlicher Zuordnung leicht unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist immer, den jeweiligen Gebietsstand mitzunennen.

 

Nordglindkamp – der nächste Jahresring

Die Siedlungsgeschichte endet nicht auf einer historischen Karte. Mit dem Nordglindkamp wird die nächste größere Erweiterung vorbereitet.

Die Rahmenplanung umfasst etwa 14,4 Hektar Bruttobauland. Vorgesehen sind mehrere Bauabschnitte sowie unterschiedliche Wohnformen mit Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern.

Fuß- und Radwege, moderne Wärme- und Energieversorgung, geförderter Wohnungsbau und die Nähe zum künftigen WLE-Haltepunkt zeigen, wie anders ein neues Wohngebiet heute geplant wird als der Martiniring von 1949.

Nordglindkamp ist gegenwärtig als Entwicklungsprojekt zu verstehen. Es ist nicht sinnvoll, es so darzustellen, als sei das gesamte Gebiet bereits bebaut oder planungsrechtlich vollständig abgeschlossen.

Nordglindkamp wird der nächste Jahresring.
Die Siedlungsfläche wächst weiter.
 

Die Siedlungsgeschichte auf einen Blick

Zeit Entwicklung
7./6. Jh. v. Chr. Urnenfriedhöfe – vorgeschichtliche Siedlungslandschaft
um 890/900 Seondonhurst – bäuerliche Hoflandschaft
11./12. Jh. Großer Hof und zunehmende Verdichtung
1175 Sendenhorst als Kirchdorf
1315 ältester bekannter Stadtnachweis
1318 Graben, Osttor und Markt belegt
1498 ca. 300 Stadtbewohner + ca. 430 im Kirchspiel
1806 1.294 Stadtbewohner · Stadtbrand und Neuordnung
1819 1.379 Stadt + 835 Kirchspiel = 2.214
1829 1.474 Stadt + 891 Kirchspiel = 2.365
1860er stärkere Bebauung vor dem ehemaligen Westtor
1871 1.868 Stadt + 881 Kirchspiel = 2.749
1903 WLE schafft neue Verkehrsanbindung
1925 2.456 Stadt + 838 Kirchspiel
1939 2.681 Stadt + 809 Kirchspiel
1949 4.069 Stadtbewohner · Martiniring mit 26 Eigenheimen
1950/51 5.472 Einwohner in Stadt und Kirchspiel zusammen
1950er/60er Nordensiedlung, Böckingwiese, Südost und weitere Wohngebiete
1968 Stadt und Kirchspiel werden eine Gemeinde
1970 5.814 Einwohner im vereinigten Sendenhorst
1974 6.198 Einwohner
1975 Sendenhorst und Albersloh bilden die heutige Stadt
1967–1983 Bült · Südost · Hagenholt · Garrath · Geist · Platten Bree
1995 Westglindkamp
1998 Echterbrock
2017 Hagenholt Nord
2023 9.633 Sendenhorst + 4.609 Albersloh = 14.242
2025 14.287 Einwohner in der Gesamtstadt
Zukunft Nordglindkamp – nächster Siedlungsring

Eine Stadt lässt sich lesen

Die Geschichte Sendenhorsts lässt sich bis heute im Stadtplan erkennen. Promenade und Gräben bewahren den mittelalterlichen Ring. Die alten Ausfallstraßen zeigen die ersten Bewegungen nach außen. Martiniring und Nordensiedlung erzählen vom Bevölkerungsdruck nach 1945. Bült, Garrath und Hagenholt stehen für die großen Wachstumsjahrzehnte. Westglindkamp und Echterbrock markieren jüngere Erweiterungen.

Besonders sichtbar bleibt die alte Landschaft in ihren Namen: Geist, Bült, Platten Bree, Echterbrock und Hagenholt sind älter als die Häuser, die dort heute stehen.

Und auch die alte Trennung von Stadt und Kirchspiel hat Spuren hinterlassen. Jahrhundertelang lagen innerhalb der Stadtgrenze dicht bebaute Straßen, während unmittelbar dahinter verstreute Höfe und Bauerschaften begannen. Erst das gewaltige Wachstum der Nachkriegszeit ließ diese Grenze praktisch verschwinden.

Jede Generation hat Sendenhorst einen neuen Jahresring hinzugefügt.
Mit Nordglindkamp entsteht der nächste.

Quellen und Vertiefung

Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland; Petzmeyer-Akten und historische Auswertungen.

Hans-Günther Fascies / Stadt-Heimatarchiv: Einwohner-, Verwaltungs-, Siedlungs-, Schul-, Flüchtlings- und Nachkriegsunterlagen.

B. Fascies: Bericht zur Entwicklung Sendenhorsts in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten, Heimatkalender 1970; wiedergegeben in der Zeitungsgeschichte des Heimatvereins.

Früh-Geschichte des Heimatvereins →

Quellenbestand des Heimatvereins →

Zeitungsgeschichte – Nachkriegsentwicklung und Wohnungsbau →

650 Jahre Sendenhorst – Fascies 1965 →

Stadt Sendenhorst – Geschichte von Sendenhorst und Albersloh ↗

Stadt Sendenhorst – Zahlen & Daten ↗

Stadt Sendenhorst – Bebauungspläne ↗

Stadt Sendenhorst – Nordglindkamp ↗

Kontakt

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Weststraße 3

48324 Sendenhorst

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+49 170.7372307
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Brauchtum im September im Münsterland
Alte Bräuche zwischen Sommer und Herbst.
🏮 Lambertus
17. September
Kinder zogen mit Lampions durch die Straßen und versammelten sich an geschmückten Lichtpyramiden. Dort wurde gesungen und gespielt. Um 1900 war der Brauch unter anderem in Münster, Altenberge, Greven, Coesfeld und Rheine verbreitet.
🌾 Michaelis
29. September
Michaelis markierte einen wichtigen Einschnitt im bäuerlichen Jahreslauf. Die Ernte sollte beendet sein und auf abgeernteten Flächen begann vielerorts die Hütefreiheit. Hirten erhielten ihren Lohn, teilweise wechselte auch das Gesinde den Dienstherrn.
🍎 Obsternte & Schlachtfest
In Sassenberg zogen Kinder singend von Haus zu Haus und baten um Obst. Aus Drensteinfurt ist zum Schlachtfest ein besonderer Apfelkranz-Brauch überliefert.
🌾 Stoppelhahn
Ende September / Anfang Oktober
So hieß im Münsterland vielfach das traditionelle Erntefest. Erntezeichen und das letzte Getreidefuder wurden zum Hof gebracht, anschließend wurde gemeinsam gefeiert.
Quelle: Dietmar Sauermann, Damals bei uns in Westfalen – Vom alten Brauch in Stadt und Land, Band 3.

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