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Kommunalpolitik & Parteien seit 1945
80 Jahre gelebte Demokratie

Vom Bürgerbeirat 1945 bis zum heutigen Rat – acht Jahrzehnte kommunale Demokratie

1945 1946 Aufbaujahre Kirchspiel 1968 1975 Parteien vor Ort Wahlen Bürgermeister & Stadtdirektoren Was die Gemüter bewegte Politische Köpfe Heute Quellen

Demokratie vor Ort: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auch in Sendenhorst der politische Neubeginn. Nicht mit einer Wahl, sondern zunächst mit einem von der Militärregierung berufenen Bürgerbeirat. Aus dieser provisorischen Ordnung entwickelte sich Schritt für Schritt die kommunale Demokratie: mit Rat, Parteien, Bürgermeister, Verwaltung, Ausschüssen, Wahlen und öffentlicher Kontrolle.

1945 – Der Neubeginn

3. August 1945: Der erste Bürgerbeirat tritt zusammen. Er war noch kein frei gewähltes Parlament, markiert aber den Beginn der kommunalen Nachkriegsdemokratie in Sendenhorst.

Die ersten Zwölf: Heinrich Thiemann, Wilhelm Meyer, Heinrich Dorsel, Hermann Bücker, Josef Dahlkötter, Hubert Schulze-Tergeist, Bernhard Stapel, Heinrich Riethmöller, Heinrich Lainck-Vissing, Pfarrer Heinrich Westermann, Franz Brandhove und Dr. Theodor Untiedt.

Bemerkenswert: Handwerk, Landwirtschaft, Kirche, Verwaltung, örtliche Wirtschaft und Arbeiterschaft waren vertreten. Die neue kommunale Ordnung sollte sichtbar breiter verankert sein als die zerstörte Diktatur.

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1946 – Die erste Kommunalwahl

Am 15. September 1946 wurde erstmals wieder demokratisch gewählt. Der neue Rat hatte 15 Mitglieder. Die CDU dominierte klar, daneben waren Zentrum, SPD und zwei Parteilose vertreten.

Gruppierung Sitze
CDU 11
Zentrum 1
SPD 1
Parteilose 2

Das Kirchspiel – ein eigener politischer Raum

Stadt und Kirchspiel Sendenhorst waren nach dem Krieg politisch und verwaltungsmäßig getrennt. Der Gemeinderat des Kirchspiels trat erstmals am 16. Januar 1946 hervor. Bei der Kommunalwahl 1946 gehörten sämtliche 13 Vertreter der CDU an.

Anton Schulze-Horstrup, Bernhard Feldmann, Anton Suermann, Caspar Roeren-Schotte, Theodor Tüte, Heimann genannt Große Kogge, Bernhard Lücke, Heinrich Böcker, Heinrich Deventer, Heinrich Schmetkamp, Julius Möllmann, Bernhard Kersting und Gerhard Northoff.

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1947–1950 – Demokratie als Wiederaufbauarbeit

9. Januar 1948: 3.994 Einwohner, darunter 590 Flüchtlinge und 447 Evakuierte. CDU: 60 örtliche Mitglieder, SPD: 53, KPD: 18.

8. Februar 1949: 4.069 Einwohner, darunter 650 Flüchtlinge und 423 Evakuierte. Parteipolitik spielte im Alltag noch eine geringe Rolle – die Sachprobleme bestimmten die Ratsarbeit.

Konkrete Rats- und Aufbauentscheidungen: 03.12.1947 Straßenplanung an der Südenpromenade; 03.12.1947 Zustimmung zum Ausbau einer Verzinkerei der Sendenhorster Maschinenfabrik; 29.04.1948 Kanalisierung und Neupflasterung der Schulstraße; 20.07.1948 Kläranlage als dringendes Vorhaben; 1949 Beginn der Siedlungsentwicklung am Martiniring; 1950/51 Aufbau der zentralen Wasserversorgung und Bau des Wasserturms.

Wahlen 1948–1969 – die alte Sendenhorster Wahltafel

Wahl CDU SPD FDP BHE Zentrum Parteilose Gesamt
1948 7 1 – – 1 2 11
1952 9 2 5 2 – – 18
1956 12 3 2 1 – – 18
1961 12 2 4 – – – 18
1964 13 3 3 – – – 19
1968 12 4 3 – – – 19
1969 12 5 2 – – – 19

1968 – Stadt und Kirchspiel werden eins

13.07.1967: Gebietsänderungsvertrag  →  01.01.1968: Vereinigung  →  03.03.1968: Neuwahl des Rates.

Der 1964 gewählte Rat wurde durch das Eingliederungsgesetz aufgelöst. Die vergrößerte Stadt erhielt mit der Wahl vom 3. März 1968 einen neuen gemeinsamen Rat: 12 CDU, 4 SPD, 3 FDP.

Politischer Kern: Die Gebietsreform veränderte nicht nur Grenzen. Sie veränderte auch die demokratische Repräsentation. Ein neues Stadtgebiet verlangte einen neu legitimierten Rat.

1975 – Die heutige Stadt entsteht

Zum 1. Januar 1975 wurden Stadt Sendenhorst und Gemeinde Albersloh zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen, die weiterhin den Namen Sendenhorst und die Bezeichnung Stadt führte. Hinzu kamen einzelne Flurstücke aus Alverskirchen. Das Amt Sendenhorst wurde aufgelöst.

Politische Übergangsleitung: Ewald Rüschenschmidt aus Albersloh führte die Bürgermeistergeschäfte. Franz Keweloh aus Sendenhorst war Stellvertreter.

Verwaltung: Heinrich Esser führte die Verwaltungsgeschäfte, vertreten von Bernhard Schmies.

Wichtig für die Parteiengeschichte: 1975 bestanden CDU-Ortsvereine in Sendenhorst und Albersloh getrennt. In Sendenhorst war Dr. Karl-Hans Lainck-Vissing Vorsitzender, in Albersloh Ewald Rüschenschmidt. Für die FDP ist ein eigener Ortsverein Sendenhorst mit Herbert Stork als Fraktionsvorsitzendem belegt.

Parteien vor Ort – Sendenhorst und Albersloh

Kommunalpolitik besteht nicht nur aus Wahlergebnissen und Bürgermeisterlisten. Sie lebt von örtlichen Parteien, Mitgliedern, Ortsvereinen, Fraktionen und später auch unabhängigen Wählergemeinschaften. Seit 1975 muss die Parteiengeschichte ausdrücklich Sendenhorst und Albersloh gemeinsam betrachten – ohne die älteren eigenständigen Strukturen beider Orte rückwirkend zu verwischen.

CDU – die prägende Kraft der Nachkriegsjahrzehnte

Die CDU gehört unmittelbar zur politischen Neuordnung nach 1945. 1946 stellte sie 11 von 15 Ratsmitgliedern; im Kirchspiel gehörten alle 13 Vertreter der CDU an. Für Januar 1948 sind 60 örtliche CDU-Mitglieder überliefert. Über viele Jahrzehnte blieb sie die deutlich stärkste kommunalpolitische Kraft.

Albersloh: Die CDU-Ortsunion Albersloh bestand bereits vor der kommunalen Neuordnung und blieb auch danach als eigener örtlicher Verband sichtbar. 1975 war Ewald Rüschenschmidt Vorsitzender. Heute bestehen Ortsunionen in Sendenhorst und Albersloh unter dem gemeinsamen CDU-Stadtverband Sendenhorst-Albersloh.

SPD – vom kleinen Ortsverein zur Bürgermeisterpartei

Die Sendenhorster SPD wurde bereits Ende Februar 1922 gegründet. Nach 1945 gehörte sie wieder zur örtlichen Parteienlandschaft, blieb zunächst aber deutlich hinter der CDU. Ende der 1970er Jahre stieg ihr kommunalpolitisches Gewicht; 1979 wurde Elisabeth Liesner-Dieckämper erste Frau und erste Sozialdemokratin im Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin.

1989 erreichte die SPD 39,3 Prozent. Franz-Josef Reuscher wurde anschließend erster SPD-Bürgermeister Sendenhorsts. Mit Annette Watermann-Krass und Bernhard Daldrup führte der Weg später auch in Landtag und Bundestag.

Albersloh: Ein eigener SPD-Ortsverein ist sicher dokumentiert. Das genaue Gründungsdatum ist im bisherigen Deep-Scan noch nicht zweifelsfrei belegt und wird deshalb hier bewusst offengelassen.

FDP – klein, aber zeitweise mit enormem Gewicht

Liberale Ratsvertretung ist seit den frühen Nachkriegsjahrzehnten nachweisbar. 1952 zog die FDP mit fünf Sitzen in den Rat ein. 1975 ist ein eigener FDP-Ortsverein Sendenhorst belegt; Herbert Stork war Fraktionsvorsitzender.

Den spektakulärsten Erfolg erzielte die FDP 1989 mit 14,4 Prozent. Wolfram Opperbeck wurde zu einer prägenden liberalen Figur. Heute arbeitet die FDP ausdrücklich als Ortsverband Sendenhorst/Albersloh.

B.f.A. – aus Albersloh in den Stadtrat

Die B.f.A. ist die deutlichste kommunalpolitische Neugründung aus dem Ortsteil Albersloh. Ausgangspunkt war 1994 eine Bürgerinitiative gegen die mögliche Ansiedlung des Betonfertigteilwerks Caspar Hessel. Am 20. Juni 1994 entstand im Gasthof Fels mit 20 Gründungsmitgliedern die unabhängige Wählergemeinschaft „Bürger für Albersloh“.

Bei ihrer ersten Kommunalwahl stimmten knapp 17 Prozent der Albersloher für die neue Gruppierung. Aus der zunächst dorfbezogenen Wählergemeinschaft wurde später „Bürger für Aktive Kommunalpolitik“; sie versteht sich heute als Kraft für beide Ortsteile und ist dauerhaft im Rat vertreten.

Weitere und zeitweilige politische Kräfte

Kraft Einordnung
Zentrum 1946 und 1948 noch mit jeweils einem Sitz vertreten; danach verschwand die Partei aus der Sendenhorster Ratslandschaft.
BHE 1952 zwei Sitze, 1956 noch ein Sitz; Ausdruck des Vertriebenen- und Flüchtlingsmilieus der Nachkriegszeit.
KPD 1948 sind 18 örtliche Mitglieder belegt; in der überlieferten Wahltafel 1948–1969 erscheint kein Ratsmandat.
Piraten 2014: 3,9 Prozent und ein Ratsmandat; 2020 nicht mehr im Rat vertreten.

Die Albersloh-Linie: 1975 brachte nicht nur einen neuen Ortsteil, sondern eine eigene politische Tradition in die neue Stadt ein. Besonders sichtbar wird das an Ewald Rüschenschmidt und der CDU-Ortsunion Albersloh, am SPD-Ortsverein Albersloh und seit 1994 an der aus einer Albersloher Bürgerinitiative hervorgegangenen B.f.A. Kommunalpolitik in Sendenhorst ist seitdem Politik für zwei gewachsene Orte und ihre Bauerschaften.

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Bürgermeister & Stadtdirektoren – politische und administrative Spitze

Bis Mitte der 1990er Jahre besaß Sendenhorst – wie die übrigen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen – die kommunale Doppelspitze aus Bürgermeister und Stadtdirektor. Dieses Modell war nach 1945 unter dem Einfluss der britischen Besatzungsmacht eingeführt worden und orientierte sich am britischen Kommunalrecht: Politische Führung und hauptamtliche Verwaltung sollten bewusst voneinander getrennt sein. Der ehrenamtliche Bürgermeister wurde vom Rat gewählt, führte den Vorsitz im Rat und repräsentierte die Stadt. Der hauptamtliche Stadtdirektor leitete dagegen die Verwaltung, führte die Ratsbeschlüsse praktisch aus und war der administrative Chef des Rathauses. Deshalb konnten Stadtdirektoren wie Heinrich Esser und Heinrich Wiegard über mehrere Bürgermeisteramtszeiten hinweg für große personelle Kontinuität sorgen. Mit der nordrhein-westfälischen Kommunalreform der 1990er Jahre wurde diese Doppelspitze abgeschafft: Seit 1996 sind politische Repräsentation und Leitung der Verwaltung in Sendenhorst im Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters vereinigt.

Zeit Bürgermeister Stadtdirektor / Verwaltungschef Einordnung
1945 Eugen Strothmann Eugen Strothmann Von den Amerikanern mit der Stadtleitung betraut; politische und administrative Leitung zunächst in einer Hand.
Anfang 1946 Dr. Theodor Untiedt Eugen Strothmann Beginn der Trennung von politischer Spitze und Verwaltung.
08.10.1946–1948 Bernhard Stapel
parteilos, später CDU
Eugen Strothmann
ab 1947 Heinrich Esser
Erster Bürgermeister nach der freien Kommunalwahl.
1948–1969 Heinrich Brandhove
CDU
Heinrich Esser
1947–1975 Stadtdirektor
Wiederaufbau, Wohnungsbau, Wasser, Straßen und kommunale Modernisierung.
1969–1981 Heinrich Schibill
CDU
Heinrich Esser bis 1975
Heinrich Wiegard ab 1975
Stadtsanierung, Bürgerhaus und kommunale Neuordnung.
Jan.–Mai 1975 Ewald Rüschenschmidt
CDU · Albersloh · Übergang
Heinrich Esser / Übergang
Heinrich Wiegard ab 1975
Führte nach der Gebietsreform vorübergehend die Bürgermeistergeschäfte.
1981–1984 Ewald Rüschenschmidt
CDU · Albersloh
Heinrich Wiegard
1975–1995 Stadtdirektor
Erste reguläre Bürgermeisteramtszeit eines Alberslohers in der gemeinsamen Stadt.
1984–1989 Wilhelm Goroncy
CDU
Heinrich Wiegard Letzte Bürgermeisteramtszeit vor dem Machtwechsel 1989.
1989–1999 Franz-Josef Reuscher
SPD
Heinrich Wiegard bis 1995
ab 1996 Bürgermeister selbst
Erster SPD-Bürgermeister; ab 1996 zugleich hauptamtlicher Verwaltungschef.
1999–2004 Werner Dufhues
CDU
Werner Dufhues
hauptamtlich
1999 erster direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählter Bürgermeister Sendenhorsts.
2004–2020 Berthold Streffing
CDU
Berthold Streffing
hauptamtlich
Sechzehn Jahre Bürgermeister; Investitionen, Wohn- und Gewerbeentwicklung, Verkehr und WLE.
seit 2020 Katrin Reuscher
parteilos
Katrin Reuscher
hauptamtlich
2020 gewählt, 2025 mit sehr deutlicher Zustimmung im Amt bestätigt.
Die zwei großen Verwaltungschefs der Doppelspitze: Heinrich Esser leitete die Verwaltung von 1947 bis 1975, Heinrich Wiegard von 1975 bis 1995. Zusammen stehen sie für fast fünf Jahrzehnte administrative Kontinuität – unabhängig davon, wer jeweils Bürgermeister war.

Weitere prägende politische Köpfe

Neben Bürgermeistern und Stadtdirektoren prägten weitere Persönlichkeiten Rat, Verwaltung und die politische Entwicklung Sendenhorsts und Alberslohs.

Franz-Ludwig Blömker
Erster Beigeordneter 1993–2008
Über 15 Jahre Teil der Verwaltungsspitze; besonders in Schul-, Sozial- und Verwaltungsfragen prägend. 2008 wurde seine Nicht-Wiederwahl und die Abschaffung der Beigeordnetenstelle zu einem markanten kommunalpolitischen Spannungsfeld.
Wolfram Opperbeck
FDP
Profilierter Liberaler und später 2. stellvertretender Bürgermeister; Symbolfigur der außergewöhnlich starken FDP bei der Kommunalwahl 1989.
Annette Watermann-Krass
SPD · MdL
Seit 1989 kommunalpolitisch aktiv, später Ortsvorsteherin und stellvertretende Bürgermeisterin; anschließend langjähriges Mitglied des Landtags NRW.
Bernhard Daldrup
SPD · MdB
Vom Sendenhorster Rat und SPD-Fraktionsvorsitz bis in den Deutschen Bundestag; über Jahrzehnte eng mit der Kommunalpolitik verbunden.
Henning Rehbaum
CDU · MdB · Albersloh
Eng mit Albersloh verbunden; kommunalpolitische Arbeit vor Ort, danach Landtag NRW und Deutscher Bundestag.
Franz Keweloh
CDU · Rat · stellv. Bürgermeister
1968 für die CDU in den Rat gewählt. In der Übergangsphase der kommunalen Neugliederung 1974/75 war er Stellvertreter des Albersloher Bürgermeisters Ewald Rüschenschmidt und damit eine wichtige Sendenhorster Figur beim Zusammenschluss mit Albersloh.
Hans Homeyer
CDU · Rat 1975–1991
Sechzehn Jahre Ratsmitglied. Vorsitzender des damaligen Kulturausschusses sowie stellvertretender Vorsitzender von Schul- und Werksausschuss. Später prägte er auch den Heimatverein Sendenhorst als langjähriger Vorsitzender.
Max Linnemann-Bonse
FDP · Rat · Ortsvorsteher Sendenhorst
Langjährig kommunalpolitisch für die FDP aktiv, Ratsmitglied und Ortsvorsteher der Ortschaft Sendenhorst. Verbindet damit Ratsarbeit und die besondere Interessenvertretung des Ortsteils Sendenhorst.
Heinz Brandhove
CDU · genannt „Chef Brandhove“
Als „Chef Brandhove“ eine bekannte Sendenhorster CDU-Persönlichkeit und Teil der örtlichen kommunalpolitischen Nachkriegsgeschichte.
Bernhard Münstermann
CDU · genannt „Berni“
Als „Berni Münstermann“ eine bekannte Persönlichkeit der Sendenhorster CDU und der örtlichen Kommunalpolitik.

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Direkte Bürgermeisterwahlen seit 1999

 

Wahl Gewählt Ergebnis Gegenkandidat / Einordnung
1999 Werner Dufhues (CDU) 54,0 % Franz-Josef Reuscher (SPD) – der bisherige Bürgermeister trat bei der ersten Direktwahl gegen Dufhues an. Dufhues gewann bereits im ersten Wahlgang.
2004 Berthold Streffing (CDU) 55,0 % Streffing wurde im ersten Wahlgang gewählt. Der Name des SPD-Gegenkandidaten ist in den bislang ausgewerteten amtlichen Kurzstatistiken nicht ausgewiesen.
2009 Berthold Streffing (CDU) 58,8 % Jörg Mösgen (SPD) – stellvertretender Leiter des Dortmunder Innenstadtfinanzamtes; von der SPD als Herausforderer Streffings aufgestellt.
2014 Berthold Streffing (CDU) 55,4 % Thomas Neuhaus (SPD) – erreichte 44,6 % und kam damit deutlich näher an den Amtsinhaber heran als der SPD-Herausforderer fünf Jahre zuvor.
2020 Katrin Reuscher
parteilos, von der SPD unterstützt
52,4 % Markus Hartmann (CDU/FDP) – 3.170 Stimmen bzw. 47,6 %. Reuscher erhielt 3.496 Stimmen.
2025 Katrin Reuscher
Wahlvorschlag SPD/FDP
85,3 % Ja Kein Gegenkandidat. Reuscher war die einzige zugelassene Bewerberin: 5.782 Ja- und 1.000 Nein-Stimmen.

Vor 1999 wurden die Bürgermeister nicht direkt von der Bürgerschaft, sondern vom Rat gewählt. Für 1999, 2004 und 2009 weist die amtliche landesweite Kurzstatistik den jeweiligen Sieger und dessen Stimmenanteil aus; 2020 und 2025 sind die vollständigen Sendenhorster Abstimmungszahlen greifbar.

Ortsvorsteher – Sendenhorst und Albersloh

Nach der kommunalen Neugliederung wurden die besonderen Interessen der beiden Ortschaften Sendenhorst und Albersloh auch durch Ortsvorsteher vertreten. Die ältere Namensfolge ist in den online greifbaren Ratsunterlagen nur lückenhaft überliefert; die hier genannten Amtsinhaber sind dagegen konkret belegt.

Sendenhorst
Ortschaft Sendenhorst

Annette Watermann-Krass · SPD
Nach der Kommunalwahl 1989 Ortsvorsteherin von Sendenhorst. Die SPD war damals stärkste Kraft im Ortsteil Sendenhorst.

Max Linnemann-Bonse · FDP
Ortsvorsteher in der Ratsperiode 2020–2025; zugleich langjähriger Ratsherr und profilierter Sendenhorster Liberaler.

Helmut Beckmann · CDU
Seit der konstituierenden Ratssitzung nach der Kommunalwahl 2025 Ortsvorsteher von Sendenhorst.
Albersloh
Ortschaft Albersloh

Sebastian Sievers · CDU
Bereits 2016 ausdrücklich als Ortsvorsteher Alberslohs belegt. Auch in der Ratsperiode 2020–2025 hatte er das Amt inne und wurde nach der Kommunalwahl 2025 erneut zum Ortsvorsteher gewählt. Zugleich Ratsherr und CDU-Fraktionsvorsitzender.

Historische Lücken: Für die vollständige Folge aller Ortsvorsteher seit 1975 sind vor allem die Ratsprotokolle und die Bestände „Sendenhorst D“ sowie „Sendenhorst P“ im Kreisarchiv Warendorf maßgeblich. Die heute online auffindbaren Quellen liefern dafür noch keine geschlossene Namensreihe.

Politische Grundlinie – Sendenhorst bleibt CDU-stark

Der politische Wechsel von 1989 bedeutete nicht das Ende der CDU-Stärke in Sendenhorst. Auch Jahrzehnte später blieb die CDU bei Ratswahlen die stärkste Einzelkraft.

Kommunalwahl 2025: CDU 44,66 %, SPD 33,36 %, B.f.A. 13,62 %, FDP 8,36 %. Rat 2025: 26 Sitze – CDU 11, SPD 9, B.f.A. 4, FDP 2.

Und die CDU liegt auch heute noch deutlich über dem Bundesschnitt: Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die CDU bundesweit 22,6 % der Zweitstimmen. Der Sendenhorster CDU-Anteil bei der Kommunalwahl 2025 lag mit 44,66 % fast doppelt so hoch. Die Wahlarten sind nicht unmittelbar identisch – als Größenvergleich zeigt die Zahl aber sehr deutlich, wie außergewöhnlich stark die CDU vor Ort weiterhin ist.

Keine rechte Ratsfraktion: Die aktuelle kommunalpolitische Landschaft besteht aus CDU, SPD, B.f.A. und FDP. Eine rechte oder rechtspopulistische Partei ist im Rat der Stadt Sendenhorst nicht vertreten.

Kommunalwahlen der heutigen Stadt Sendenhorst – 1975 bis heute

Seit der kommunalen Neugliederung von 1975 werden Sendenhorst und Albersloh gemeinsam gewählt. Die Tabelle führt deshalb die Wahlfolge der heutigen Stadt Sendenhorst lückenlos nach Wahljahren auf. Für 1975 und 1979 sind in der derzeit ausgewerteten digitalen Quellenbasis noch keine belastbaren vollständigen Prozentzahlen greifbar; diese beiden Wahlen werden deshalb bewusst ohne erfundene Werte aufgeführt.

Jahr CDU SPD FDP B.f.A. / weitere Einordnung
1975 – – – – Erste Kommunalwahl der zum 1. Januar neu gebildeten Stadt Sendenhorst mit Albersloh.
1979 – > 30 % – – SPD überschreitet die 30-%-Marke; erstmals SPD-Ausschussvorsitz und Elisabeth Liesner-Dieckämper als stellvertretende Bürgermeisterin.
1984 56,7 % 33,4 % 9,9 % – CDU weiterhin deutlich stärkste Kraft.
1989 46,3 % 39,3 % 14,4 % – Machtwechsel: SPD und FDP ermöglichen Franz-Josef Reuscher als ersten SPD-Bürgermeister.
1994 45,7 % 40,5 % 8,6 % 5,2 % Erste Wahl mit der aus Albersloh hervorgegangenen B.f.A.; SPD im Ortsteil Sendenhorst besonders stark.
1999 55,7 % 32,1 % 5,7 % 6,6 % CDU gewinnt die absolute Ratsmehrheit zurück.
2004 54,6 % 31,0 % 8,4 % 6,0 % CDU bleibt klar stärkste Kraft.
2009 50,2 % 28,9 % 11,8 % 9,1 % CDU knapp über 50 %, FDP erneut zweistellig.
2014 46,0 % 31,2 % 7,8 % B.f.A. 11,1 %
Piraten 3,9 %
Fünf politische Kräfte im Rat.
2020 44,8 % 30,3 % 9,8 % B.f.A. 15,1 % Vier Kräfte im Rat; B.f.A. erreicht ihr bisher stärkstes gesamtstädtisches Ergebnis.
2025 44,66 % 33,36 % 8,36 % B.f.A. 13,62 % Rat: CDU 11, SPD 9, B.f.A. 4, FDP 2 Sitze.

Hinweis zur Quellenlage: Die amtliche IT.NRW-Wahlreihe liefert für Sendenhorst die vollständigen Prozentwerte ab 1984. Für 1979 ist aus der lokalen SPD-Geschichte sicher belegt, dass die SPD die 30-%-Marke überschritt. Die exakten gesamtstädtischen Prozentwerte für 1975 und 1979 werden erst ergänzt, wenn sie aus einer belastbaren Original-Wahlstatistik gesichert sind.

Bürgermeisterwahl 2025: Katrin Reuscher 5.782 Ja-Stimmen, 1.000 Nein-Stimmen.

Die große Linie: Die Sendenhorster Demokratiegeschichte seit 1945 erzählt vom Übergang aus der Besatzungszeit in die kommunale Selbstverwaltung, vom Wiederaufbau, von Flüchtlingsintegration und Wohnungsnot, vom Ausbau der Infrastruktur, von Stadt- und Gebietsreformen und schließlich vom Wandel einer lange stark CDU-geprägten Kommune zu einem deutlich pluraleren politischen System.

Was die Gemüter bewegte …

Kommunalpolitik war in Sendenhorst keineswegs nur Verwaltung im Konsens. Immer wieder prallten sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander: Bewahren oder verändern? Sparen oder investieren? Stadt oder Ortsteil? Rat oder Bürgerentscheid? Gerade an diesen Debatten lässt sich erkennen, wie sich die politische Kultur seit 1945 verändert hat.

Vier besonders prägende Spannungsfelder: die Stadtsanierung der 1970er, der Machtwechsel von 1989, der Windkraft-Bürgerentscheid von 2013 und die jahrzehntelangen Verkehrsdebatten um Ortsumgehung und WLE. Hier wurde nicht nur über einzelne Projekte diskutiert, sondern über die Frage, wie Sendenhorst sich entwickeln soll.

1950er – Stadt oder Kirchspiel?

Stadt und Kirchspiel waren politisch getrennt, im Alltag aber längst eng verflochten. Schulen, Kirche, Versorgung, Straßen und Verwaltung machten die Trennung zunehmend unpraktisch.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Zusammenlegung versprach weniger Doppelstrukturen, mehr Planungskraft und eine gemeinsame Entwicklung.
Die andere Seite: Im Kirchspiel bestand die Sorge, Eigenständigkeit, Einfluss und die Interessen der Bauerschaften könnten in einer größeren Stadt untergehen.
Ergebnis / Wirkung: 1955 entstand zunächst ein gemeinsames Amt. Erst 1968 folgte die vollständige Vereinigung – nach Jahren vorsichtiger Annäherung.

1950/51 – Wer bezahlt Wasser, Straßen und Wiederaufbau?

Die junge Nachkriegsstadt brauchte dringend Kanalisation, Straßen, Wasserversorgung und neue Baugebiete. Das Problem: Geld war knapp.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Investitionen galten als Voraussetzung für Hygiene, Wohnungsbau und wirtschaftlichen Aufschwung.
Die andere Seite: Hohe Kosten, zinslose Bürgerdarlehen sowie Hand- und Spanndienste belasteten Bürger und Haushalt. Immer wieder stellte sich die Frage, was sofort machbar und was finanzierbar war.
Ergebnis / Wirkung: Der Ausbau kam – aber schrittweise. Gerade Wasserversorgung und Wasserturm wurden zu Symbolen dafür, dass Modernisierung politisch gewollt, finanziell aber hart erkämpft war.

1967–1970er – Altstadt erhalten oder radikal sanieren?

Die alte Innenstadt galt vielerorts als eng, verkehrsbelastet und baulich problematisch. Zugleich war sie gewachsene Stadtgeschichte.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Sanierungsbefürworter wollten bessere Verkehrsführung, zeitgemäße Grundstückszuschnitte, neue Nutzungen und eine modernere Innenstadt.
Die andere Seite: Kritiker warnten vor dem Verlust historischer Häuser, gewachsener Betriebe und vertrauter Straßenräume. In den 1970er Jahren wurde daraus eine deutlich parteipolitisch geführte Auseinandersetzung zwischen CDU und SPD.
Ergebnis / Wirkung: Die Stadtsanierung veränderte das Zentrum dauerhaft. Rückblickend ist dies einer der Konflikte, an denen sich besonders gut zeigt, wie stark sich Vorstellungen von Fortschritt und Bewahren unterscheiden können.

1974/75 – Bürgerhaus: notwendiger Treffpunkt oder teurer Luxus?

Das Bürgerhaus gehörte zu den großen Investitionsentscheidungen unmittelbar vor und während der kommunalen Neuordnung.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Befürworter sahen einen dringend benötigten großen Saal für Vereine, Kultur, Feiern und städtische Veranstaltungen.
Die andere Seite: Kritiker stellten die Kosten von rund 2,13 Mio. DM und den erheblichen städtischen Eigenanteil in den Mittelpunkt. Nicht nur der Bau, auch spätere Folgekosten wurden diskutiert.
Ergebnis / Wirkung: Das Bürgerhaus wurde gebaut und prägte über Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben. Der Streit war damit entschieden – die Frage nach Kosten und Nutzen großer öffentlicher Gebäude blieb.

1975 – Sendenhorst + Albersloh: eine Stadt, aber zwei politische Identitäten

Die Gebietsreform machte aus zwei gewachsenen Gemeinden eine neue Stadt. Formal war der Zusammenschluss schnell vollzogen – politisch und emotional musste er erst gelebt werden.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Eine gemeinsame Verwaltung, ein gemeinsamer Rat und größere Planungskraft sollten Vorteile schaffen.
Die andere Seite: In Albersloh bestand die Sorge, im größeren Sendenhorst an Einfluss zu verlieren. Die bis heute eigenständige CDU-Ortsunion Albersloh und später die B.f.A. zeigen, wie wichtig eine eigene politische Stimme des Ortsteils blieb.
Ergebnis / Wirkung: Die Stadt wurde organisatorisch eins, politisch aber nie einfach homogen. Viele Debatten werden bis heute auch unter der Frage geführt: Was bekommt Sendenhorst – und was Albersloh?

1989 – Machtwechsel: Ende einer politischen Selbstverständlichkeit

Die Kommunalwahl 1989 erschütterte die jahrzehntelange CDU-Dominanz. CDU 46,3 %, SPD 39,3 %, FDP 14,4 % – plötzlich war eine andere Mehrheit möglich.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: SPD und FDP konnten zeigen, dass nach Jahrzehnten christdemokratischer Führung ein Machtwechsel demokratisch möglich war.
Die andere Seite: Für die CDU war das Ergebnis ein tiefer Einschnitt; für ihre Anhänger stand die Frage im Raum, ob bewährte Kontinuität zugunsten eines neuen Bündnisses aufgegeben werde.
Ergebnis / Wirkung: Franz-Josef Reuscher wurde erster SPD-Bürgermeister Sendenhorsts. 1989 markiert deshalb weit mehr als ein Wahlergebnis: Erstmals war klar, dass politische Mehrheiten vor Ort nicht dauerhaft garantiert sind.

1990er – Haus Siekmann: Denkmal retten oder Haushalt schonen?

Das historische Haus Siekmann sollte saniert und als kultureller Mittelpunkt genutzt werden. Doch die Kosten stiegen und das Projekt wurde politisch angreifbar.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Denkmalschutz, Heimatpflege und die Idee eines soziokulturellen Zentrums sprachen für den Erhalt.
Die andere Seite: Kritiker verwiesen auf Kostensteigerungen, Haushaltsdisziplin und die Frage, ob eine Kommune sich ein solches Kulturprojekt leisten müsse.
Ergebnis / Wirkung: 1993 wurde Haus Siekmann eröffnet. Der Konflikt ist ein klassisches Beispiel dafür, wie Kultur- und Denkmalpolitik schnell zur Haushaltsfrage werden kann.

1994 – B.f.A.: Albersloh organisiert politischen Protest

Die Auseinandersetzung um die mögliche Ansiedlung des Betonfertigteilwerks Caspar Hessel wurde zum Ausgangspunkt einer neuen politischen Kraft.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Die Befürworter wirtschaftlicher Entwicklung verwiesen auf Gewerbe, Arbeitsplätze und kommunale Einnahmen.
Die andere Seite: Eine Bürgerinitiative in Albersloh sah Standort, Belastungen und örtliche Interessen anders und wollte sich nicht auf die bestehenden Parteien verlassen.
Ergebnis / Wirkung: Am 20. Juni 1994 entstand im Gasthof Fels die Wählergemeinschaft „Bürger für Albersloh“. Aus einer Sachfrage wurde dauerhafte kommunalpolitische Organisation – später die B.f.A.

2008 – Blömker: Bleiben oder Beigeordnetenstelle streichen?

Nach 15 Jahren als Erster Beigeordneter stand Franz-Ludwig Blömker 2008 vor dem Ende seiner Amtszeit. Die CDU-Mehrheit kündigte den anderen Fraktionen an, die Hauptsatzung ändern zu wollen: Blömker sollte nicht wiedergewählt und die Stelle des Ersten Beigeordneten anschließend nicht erneut besetzt werden. Damit wurde aus einer Personalentscheidung eine grundsätzliche Debatte über Verwaltungsstruktur, Kosten und politischen Umgang miteinander.

Spannungsfeld: Blömker
Die CDU-Mehrheit: Die Beigeordnetenstelle sollte nach Ablauf seiner Amtszeit wegfallen. Öffentlich wurde dies vor allem mit einer schlankeren Verwaltungsstruktur und Einsparungen begründet.
Die Kritiker: SPD und weitere Kritiker warfen der CDU vor, Blömker ohne überzeugende fachliche Begründung aus dem Amt drängen zu wollen. Sie verwiesen auf seine Verwaltungserfahrung und darauf, dass Bürgermeister Berthold Streffing ihm noch zuvor Pflichtbewusstsein, Treue und Fleiß bescheinigt hatte. Auch die behauptete Einsparung wurde bestritten, weil Versorgungsbezüge weiter anfielen und Leitungsaufgaben innerhalb der Verwaltung neu verteilt werden mussten.
Ergebnis / Wirkung: Blömker wurde nicht wiedergewählt; seine Amtszeit endete Ende 2008. Die Beigeordnetenstelle fiel weg. Der Vorgang blieb politisch in Erinnerung und spielte auch im Bürgermeisterwahlkampf 2009 eine Rolle. Später engagierte sich Blömker für die SPD und kandidierte 2014 für das Amt des Landrats im Kreis Warendorf.

Quellenhinweis: Die detaillierte zeitgenössische Darstellung der Auseinandersetzung stammt vor allem aus einer SPD-Publikation von 2008 und ist daher als politische Gegenposition zur CDU-Entscheidung zu lesen. Gesichert sind Blömkers Amtszeit 1993–2008, die Nicht-Wiederwahl und der Wegfall der Stelle.

2009/10 – Sparen, Grundstücke und die „Bad Bank“-Debatte

Nach der Finanzkrise wurde kommunale Haushalts- und Grundstückspolitik besonders scharf diskutiert.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Die eine Linie setzte auf Schuldenabbau, solide Haushalte und eine aktive Grundstücksgesellschaft als Instrument der Stadtentwicklung.
Die andere Seite: Die Opposition kritisierte Risiken und mangelnde Transparenz. Die SPD verwendete für die Grundstücksgesellschaft polemisch den Begriff „Bad Bank“ – ausdrücklich als politische Zuspitzung, nicht als neutrale Beschreibung.
Ergebnis / Wirkung: Die Debatte zeigte, wie grundsätzlich unterschiedlich kommunale Finanzpolitik bewertet werden kann: Vermögen und Grundstücke als Gestaltungsmittel – oder als finanzielles Risiko.

2013 – Windkraft: Bürger kippen den Ratskurs

Die Ausweisung weiterer Windkraftflächen führte zu einer der deutlichsten direkten Demokratieentscheidungen der jüngeren Stadtgeschichte.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Aus Sicht der Befürworter ging es um Energiewende, planbare Konzentrationsflächen und kommunale Steuerung.
Die andere Seite: Gegner sahen Landschaft, Abstände, Belastungen und örtliche Akzeptanz gefährdet. 2.082 gültige Unterschriften brachten den Bürgerentscheid auf den Weg.
Ergebnis / Wirkung: Am 22. September 2013 stimmten 54,6 % gegen weitere ausgewiesene Windkraftflächen; die Beteiligung lag bei 68,6 %. Hier setzte sich die Bürgerschaft unmittelbar gegen den bisherigen Ratskurs durch.

2020 – Feierhalle Mergelberg: Standort und Beteiligung

Bei der geplanten Feierhalle am Mergelberg entzündete sich die Diskussion nicht primär am Zweck des Projekts, sondern am vorgesehenen Standort und am politischen Verfahren.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Befürworter wollten eine praktikable Lösung für einen vorhandenen Bedarf.
Die andere Seite: Kritik richtete sich gegen Standortwahl, mögliche Auswirkungen und aus ihrer Sicht unzureichende Beteiligung.
Ergebnis / Wirkung: Schließlich unterstützten alle Fraktionen die Suche nach einem Alternativstandort. Ein Beispiel dafür, dass kommunale Auseinandersetzung nicht zwingend mit Sieger und Verlierer enden muss.

2021 – Kohkamp: Wer entscheidet über städtische Grundstücke?

Beim Kohkamp ging es um Reservierungszusagen, Vergabepraxis und die Rolle der städtischen Grundstücksgesellschaft.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Die eine Position betonte Verlässlichkeit gegenüber Interessenten und operative Entscheidungsfähigkeit.
Die andere Seite: Die andere verlangte stärkere politische Kontrolle und klare Regeln: Wer setzt die Ziele fest – Rat, Verwaltung oder kommunale Gesellschaft?
Ergebnis / Wirkung: Der Fall machte eine eher technische Frage plötzlich politisch: Grundstückspolitik entscheidet mit darüber, wer bauen kann, zu welchen Bedingungen und nach welchen Prioritäten.

2000er–2020er – WLE: Bahnreaktivierung zwischen Hoffnung und Skepsis

Die Reaktivierung der WLE entwickelte sich vom umstrittenen Projekt zu einem der größten Infrastrukturvorhaben der Region.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Befürworter sehen bessere Anbindung an Münster, Klimaschutz, weniger Autoverkehr und neue Chancen für die Ortsentwicklung.
Die andere Seite: Kritische Stimmen fragten nach Kosten, Auswirkungen auf Buslinien, Bahnübergänge, Parkplätze und die tatsächliche Nutzung.
Ergebnis / Wirkung: Seit etwa 2010 nahm die politische Zustimmung deutlich zu. 2024 fanden Bürgerdialoge in Sendenhorst und Albersloh statt; 2026 folgte der Planfeststellungsbeschluss. Die Debatte verlagerte sich vom Ob zunehmend zum konkreten Wie.

2010er–2020er – Ortsumgehungen: Geduld wird zum politischen Thema

Sendenhorst und Albersloh leiden seit Jahrzehnten unter Schwerlastverkehr, engen Straßenräumen und Belastungen für Anwohner.

Spannungsfeld:
Die eine Seite: Nahezu alle kommunalpolitischen Kräfte fordern Entlastung und mehr Verkehrssicherheit.
Die andere Seite: Die Diskussion dreht sich inzwischen vor allem um Tempo, Prioritäten, Trassen, Grundstücke und die Frage, warum trotz langjähriger Einigkeit so wenig sichtbar vorangeht.
Ergebnis / Wirkung: Gerade hier entsteht politischer Frust weniger durch gegensätzliche Ziele als durch das Gefühl, dass Verfahren und übergeordnete Zuständigkeiten kommunale Lösungen über Jahrzehnte verzögern.
Was sich verändert hat: In den 1950er und 1960er Jahren dominierten Wiederaufbau, Infrastruktur und Gebietsfragen. In den 1970ern wurden Stadtentwicklung und Großprojekte politischer. Seit 1989 spielen wechselnde Mehrheiten eine größere Rolle. Seit den 1990ern kommen Bürgerinitiativen und Wählergemeinschaften stärker hinzu; 2013 zeigte der Windkraftentscheid, dass Bürger einen Ratskurs unmittelbar korrigieren können. Heute drehen sich Konflikte häufig um Verkehr, Flächen, Beteiligung, Kosten und die Balance zwischen Sendenhorst und Albersloh.

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Quellen & weiterführende Belege

Kreisarchiv / Archive NRW Landtag Nordrhein-Westfalen Recht.NRW Stadt Sendenhorst IT.NRW CDU Sendenhorst-Albersloh SPD Sendenhorst FDP Sendenhorst/Albersloh B.f.A. Sendenhorst Fakten 1975

Grundlage: lokale Sendenhorster Quellenbestände, Shorst_comp, „Fakten 1975“, Heimatverein Sendenhorst, amtliche Rechtsquellen des Landes Nordrhein-Westfalen, Archive NRW, IT.NRW, Stadt Sendenhorst sowie Veröffentlichungen der örtlichen Parteien und Wählergemeinschaften. Einzelne ältere Amtszeiten, Gründungsdaten und Ratsbesetzungen werden weiter aus Originalprotokollen ergänzt.

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Kontakt

Heimatverein Sendenhorst e.V.
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48324 Sendenhorst

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