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Vom Posthorn zur Glasfaser

Post · Postkutsche · Telegraph · Telefon · Fernmeldestation · Richtfunk · Mobilfunk · Glasfaser
Mehr als drei Jahrhunderte Nachrichtenwege in Sendenhorst – vom Boten bis zum Lichtsignal im Glasfaserkabel

Eine Nachricht aus Sendenhorst war einmal eine Sache von Tagen: Fußboten, Händler und Reiter trugen Briefe nach Ahlen oder Münster. Dann kamen die kaiserliche Posthalterei, Postkutschen, Landbriefträger und Eisenbahn. Um 1900 löste sich die Nachricht endgültig vom Verkehr: Telegraph und Telefon machten Übermittlung nahezu augenblicklich. Im späten 20. Jahrhundert wurde Sendenhorst mit Fernmeldestation und 133 Meter hohem Fernmeldeturm selbst zu einem technischen Knoten im westfälischen Nachrichten- und Richtfunknetz. Heute wandert die Nachricht nicht mehr auf Pferd, Straße oder Kupferdraht, sondern als Lichtimpuls durch Glasfaser bis in Gebäude und Haushalte.

Fünf Eckdaten: 1742 ist Henrich Bonse als erster kaiserlicher Reichsposthalter sicher belegt · 1829 fährt regelmäßig die Postkutsche Beckum–Münster durch Sendenhorst · 1900 wird der erste Fernsprecher eingerichtet · 1982/83 entsteht der 133 Meter hohe Fernmeldeturm der Bundespost · im 21. Jahrhundert erreicht der Glasfaserausbau Stadtgebiet und Außenbereiche.

Fünf Epochen der Kommunikation

Bote & Reitpost
Briefe werden getragen oder geritten. Seit 1742 ist die kaiserliche Posthalterei Bonse sicher belegt.
Kutsche & Eisenbahn
1829 kommt die regelmäßige Personenpost; ab 1848 bindet die Kutsche Sendenhorst an den Bahnhof Drensteinfurt an.
Draht & Vermittlung
Telegraphenstation im Postamt, 1900 erster Fernsprecher, 1905 bereits eigene Vermittlungsstelle.
Funk & Richtfunk
1970er Fernmeldestation der Post; ab 1982/83 der 133-Meter-Fernmeldeturm als regionaler Knoten.
Digital & Glasfaser
DSL, Mobilfunk und schließlich FTTH: Daten werden heute als Lichtimpulse bis zum Haus übertragen.

Vor dem Postamt – Nachrichten zu Fuß

Bevor Sendenhorst eine feste Postanstalt erhielt, gelangten Briefe durch Fußboten, reisende Händler und andere Reisende in die Stadt. Absender und Empfänger mussten sich auf wenige regelmäßige Verbindungen verlassen. Eine Gastwirtschaft konnte zugleich Sammelstelle sein: Wer lesen und schreiben konnte, Porto kannte und Kontakte zu den Boten hatte, war ein natürlicher Vermittler.

Das Sendenhorster Unterrichtsmaterial schildert eine Szene um 1690 in der Gaststube des Henricus Bonse: Ein Bote aus Ahlen bringt Briefe, die bis zur Abholung hinter dem Spiegel verwahrt werden. Der Text leitet diese Episode ausdrücklich mit „mag es sich folgendermaßen zugetragen haben“ ein. Sie ist deshalb als anschauliche Rekonstruktion zu lesen – nicht als wörtliches Protokoll des Jahres 1690.

Quellenkritisch wichtig: Eine ältere Bonse-Überlieferung setzt postähnliche Aufgaben der Familie schon vor 1742 an. Der sichere amtliche Eckpunkt ist jedoch 1742: Henrich Bonse erscheint in den lokalen Akten als erster kaiserlicher Reichsposthalter.

1742 – Haus Bonse wird Poststation

Das Postwesen ist in Sendenhorst ungewöhnlich eng mit einem Haus und einer Familie verbunden. 1719 kauften Bernhard Bonse und Anna Homans einen Bauplatz an der Südpforte entlang der Stadtgräfte. Für 1742 verzeichnen die Akten den Gastwirt Henrich Bonse als ersten kaiserlichen Reichsposthalter. Das Haus brannte 1749 ab und wurde 1750 neu errichtet; das bis heute bekannte Fachwerkhaus an der Südstraße stammt aus dieser Wiederaufbauphase.

Die Posthalterei war keine bloße Briefablage. Der Posthalter sammelte und verteilte Briefe, nahm Porto ein, beförderte Pakete, betreute Reisende, sorgte für Pferde und musste auch außerplanmäßige Eilboten und Kuriere weiterbringen. Eine noch überlieferte Bestallung von 1775 ermächtigte Gerhard Heinrich Eustachius Bonse ausdrücklich, im Namen von Thurn und Taxis das Posthorn zu führen und dem Postamt Münster regelmäßig Rechnung zu legen.

1742
Henrich Bonse als kaiserlicher Reichsposthalter.
1749/50
Brand des Hauses und Wiederaufbau.
1773/75
Gerhard Heinrich Eustachius Bonse vereidigt und neu bestallt.
1804
Theodor Bonse übernimmt als Postwärter.

Thurn und Taxis – und ein kleiner Quellenkonflikt

Die heutige Sendenhorster Darstellung beschreibt für 1742–1803 eine zweimal wöchentlich befahrene Thurn-und-Taxis-Reitpostlinie Frankfurt–Sendenhorst–Münster mit Pferdewechsel an der Südporte. Eine ältere postgeschichtliche Darstellung ist vorsichtiger und bezweifelt für Teile des 18. Jahrhunderts einen durchgehenden Postkurs unmittelbar durch Sendenhorst. Für die Seite ist daher die sichere Formulierung besser: Posthalterei und Verbindung nach Münster sind belegt; Verlauf und Kontinuität des überregionalen Durchgangskurses sind in den Darstellungen nicht völlig einheitlich.

1803–1871: Das Schild wechselt – die Post bleibt
Mit der Säkularisation und den napoleonischen Umbrüchen wechselte die staatliche Zugehörigkeit mehrfach. 1803 wurde die bisherige kaiserliche bzw. Thurn-und-Taxis-Struktur durch die preußische Postverwaltung verdrängt; 1806 folgte die bergische, ab 1810 die französische Herrschaft, nach den Befreiungskriegen wieder Preußen. 1867 erschien die Norddeutsche Bundespost, 1871 die Reichspost. Am selben Standort lässt sich damit europäische Politik an einem Postschild ablesen.

Die ganze Bonse-Linie – Post als Familiengeschichte

Bei Bonse reicht ein einzelnes Datum nicht. Die Quellen zeigen vielmehr eine über Generationen gewachsene Posttradition. Eine ältere Überlieferung setzt Heinrich Bonse bereits um 1690 als Thurn-und-Taxisschen Postvorsteher an; ein Bericht des preußischen Oberpostamts von 1831 hielt fest, die Post habe sich damals schon „über hundert Jahre“ im Bonseschen Haus befunden. Sicher urkundlich greifbar ist 1742 die Bestellung Henrich Bonses zum kaiserlichen Reichsposthalter. Deshalb trennt die Seite bewusst zwischen früher Überlieferung und sicher belegter Amtsgeschichte.

um 1690
Ältere Bonse-/Fascies-Überlieferung: Heinrich Bonse als früher Postvorsteher an der Südporte; archivalisch nur indirekt gestützt.
bis 1731
Nach Heinrich soll der älteste Sohn Berndt die Postgeschäfte im Haus fortgeführt haben.
1742–1758
Henrich Bonse (1702–1758), Gastwirt, Bürgermeister und sicher belegter kaiserlicher Reichsposthalter.
1758–1804
Gerhard Heinrich Eustachius Bonse (1732–1804); 1773 vereidigt, 1775 mit weitreichender Posthalter-Vollmacht neu bestallt.
ab 1804
Theodor Bonse übernimmt als Postwärter; nach politischen Wechseln folgen preußische, bergische/französische und erneut preußische Postverwaltung.
19. Jahrhundert
Engelbert, Nikolaus und Gerhard Bonse führen nacheinander die Postexpedition. In einer Übergangsphase verwaltet der Onkel/Vormund Everke die Anstalt, bis die nächste Bonse-Generation übernehmen kann.
1867–1910
Theodor Franz Gerhard Bonse übernimmt nach Ausbildung selbständig. 1867 wird die Anstalt Teil der Norddeutschen Bundespost, 1871 der Reichspost.
1910/11
Mit dem Ruhestand Theodor Bonses endet die Postverwaltung im alten Haus an der Südstraße. Emil Borgmann, familiär verbunden, übernimmt; 1911 zieht das Postamt an die Nordstraße.
Warum „1742 bis 1936“?
Wilhelm Fleitmanns Standardbeitrag trägt den Titel „Von 1742 bis 1936 Postmeister aus einer Familie“. Die lokale Überlieferung ist sogar älter. Wichtig ist aber: Nach 1910/11 liegt das Postamt nicht mehr im Haus Bonse; die familiäre Verbindung zur Post setzt sich über Borgmann fort. Die Jahreszahl 1936 bezeichnet daher die lange personelle Familientradition, nicht einen unveränderten Standort an der Südstraße.
Das Posthaus selbst
1719 kauften Bernhard Bonse und Anna Homans den Bauplatz an der Südpforte. 1749 brannte das Haus ab, 1750 entstand der Neubau. Im späten 19. Jahrhundert kam wegen des wachsenden Postverkehrs ein Anbau mit Postschalter und Passagierstube hinzu. Später waren hier auch Telegraphenstation und der erste Fernsprecher untergebracht. Damit war das Haus Bonse über lange Zeit zugleich Gasthaus, Poststation, Verkehrsknoten und Kommunikationszentrale.

1829–1903 – Postkutsche, Bahnhof, WLE

1829 fuhr regelmäßig eine zweispännige Personenpost von Beckum über Ahlen und Sendenhorst nach Münster. Die Sendenhorster Überlieferung nennt vier Plätze für Reisende und etwa fünf Stunden Fahrzeit von Sendenhorst nach Münster. Eine westfälische Verkehrsquelle gibt für die gesamte Strecke Beckum–Münster rund sechseinhalb Stunden an.

1848 verlor die alte Durchgangsverbindung gegen die Eisenbahn. Sendenhorst besaß aber noch keinen eigenen Bahnhof. Deshalb brachte nun eine zweispännige Kutsche Reisende von der Posthalterei zum Bahnhof Drensteinfurt an der Strecke Hamm–Münster. Erst 1903, mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn in Sendenhorst, endete diese Funktion der Postkutsche endgültig.

Post war Verkehr: Bis zur Telegraphie musste jede Nachricht körperlich bewegt werden. Reitpost, Postwagen, Chaussee und Eisenbahn sind deshalb zugleich Kommunikationsgeschichte.

Vom Abholen zum Zustellen – die Landbriefträger

Die Modernisierung zeigt sich besonders deutlich an der Zustellung. Anfangs lagen Briefe zur Abholung bereit; im 19. Jahrhundert wurde der Postdienst immer dichter und personalintensiver. Der Westfalen-Band Unterwegs in Westfalen nennt für Sendenhorst eine selten präzise Folge:

1853
Landzustellung nur 2× pro Woche
1855
bereits 6× pro Woche
1865
Briefmenge wächst so stark, dass der Lohn zum Streitpunkt wird
1886
Posthülfsbote für 3 Stunden täglich
1898 / 1903
2. und 3. Briefträgerstelle
1920
zwei weitere volle Stellen

In wenigen Jahrzehnten wird aus einer gelegentlichen Landzustellung ein alltäglicher Dienst. Die Zahl der Briefträger ist damit ein indirekter Gradmesser für Alphabetisierung, Verwaltung, Handel, Vereine, Zeitungsbezug und wirtschaftliche Vernetzung.

Telegraph und Telefon – die Nachricht wird schneller als der Mensch

Im erweiterten Kaiserlichen Postamt im Haus Bonse befand sich auch die Sendenhorster Telegraphenstation. Damit beginnt eine neue Epoche: Die Nachricht muss nicht mehr mit Pferd, Kutsche oder Bahn am Ziel eintreffen. Elektrische Signale lösen die Kommunikation vom Transport.

1900 wurde in Sendenhorst der erste Fernsprecher eingerichtet. Bereits 1905 war eine Vermittlungsstelle nötig, weil vier Bürger ein Telefon besaßen. Was heute winzig klingt, war für ein münsterländisches Kleinstädtchen der Eintritt in ein Netz, das gerade erst flächig entstand.

Westfalen
Bielefeld erhielt 1886 eines der ersten Ortsfernsprechnetze Westfalens, Minden 1887. In Münster begann der Ortsfernsprechdienst ebenfalls 1887. Um 1900 hatten die größeren Orte eigene Netze.
Sendenhorst
1900/05 liegt damit nicht an der Spitze der Entwicklung, aber erstaunlich früh in der zweiten Welle kleinerer Orte des Münsterlandes.
Westfälischer Rahmen: Der LWL beschreibt die Jahre 1850–1870 als „Kommunikationsrevolution“ – Eisenbahn und Telegraphie verdichteten Nachrichtenwege radikal. Das Telefon setzte diese Entwicklung ab den 1880er Jahren fort.

Die Post zieht durch die Stadt

Mit den wachsenden Postgeschäften erhielt das Haus Bonse im späten 19. Jahrhundert einen Anbau mit Postschalter und Passagierstube. Über dem Eingang stand in Goldbuchstaben „KAISERLICHES POSTAMT“. Dort saßen schließlich Post, Telegraph und der erste Fernsprecher unter einem Dach.

Südstraße / Haus Bonse
historischer Kern der Sendenhorster Postgeschichte.
1911 · Nordstraße 3
Umzug in das Haus Borgmann.
1980 · Schulstraße
neues Postamt als moderner Zweckbau.

Die lokale Überlieferung nennt später eine Postagentur im Einzelhandel. Für eine historische Seite ist wichtiger, was sich an den drei Standorten zeigt: Die Post wandert von der privaten Gastwirtschaft über das repräsentative Kaiserliche Postamt zum eigenständigen öffentlichen Dienstleistungsgebäude.

Der vergessene Telekom-Knoten – Fernmeldestation der Post

Vor dem weithin sichtbaren Fernmeldeturm gab es in Sendenhorst bereits einen zweiten, viel unscheinbareren technischen Schwerpunkt. Mehrere Luftbilder des Stadt-Heimatarchivs aus den 1970er Jahren beschriften im Bereich Fillstraße / Karl-Wagenfeld-Straße / Auf dem Bült ausdrücklich eine „Fernmeldestation Post“. Die Anlage lag damit im Bereich der heutigen Augustin-Wibbelt-Straße und gehörte zur leitungsgebundenen Fernmeldeinfrastruktur der Deutschen Bundespost.

Wichtig: nicht mit dem Fernmeldeturm verwechseln.
Die Fernmeldestation im Wohngebiet und der 1982/83 errichtete 133-Meter-Turm sind zwei verschiedene Anlagen. Die Station gehört zur örtlichen Telefon-/Kabelinfrastruktur; der Turm war vor allem ein Richtfunk- und Übertragungsknoten.
Was sicher belegt ist
Die Bilddatenbank nennt das Gebäude mehrfach als „Fernmeldestation Post“. Es erscheint auf Luftbildern des Viertels in den 1970er Jahren.
Was technisch naheliegt
Solche Bundespost-Gebäude dienten typischerweise als Orts-/Knotenvermittlungsstellen: Teilnehmerkabel liefen dort zusammen, Gespräche wurden vermittelt und Fernleitungen angebunden. Für genau diese Funktion in Sendenhorst fehlt bislang aber der Bau- oder Schaltplan.
Der große Keller
Die von historischen Aufnahmen erkennbare, gegenüber dem oberirdischen Bau auffällig große Unterkellerung passt grundsätzlich zu Kabelzuführung, Hauptverteiler- und Technikflächen. Ein „Bunker“ ist damit jedoch nicht bewiesen.

Die technische Entwicklung spricht für diese Einordnung: 1905 brauchte Sendenhorst bereits eine Telefon-Vermittlungsstelle. Im 20. Jahrhundert wurden die Ortsnetze automatisiert und erheblich ausgebaut. In der Region wurden Vorwahlen und Vermittlungsbereiche in den 1970er Jahren neu geordnet; Albersloh erhielt dabei die Vorwahl 02535. In genau diese Phase passt der Ausbau einer eigenen Bundespost-Fernmeldestation in Sendenhorst.

Forschungsstand zum Gebäude
Derzeit lässt sich seriös sagen: Fernmeldestation der Post, 1970er Jahre, Bereich Fillstraße/Auf dem Bült, heutiges Umfeld Augustin-Wibbelt-Straße. Noch nicht geklärt sind Baujahr, genaue Hausnummer, Typ der Vermittlungstechnik, Größe und Zweck des Untergeschosses sowie eine mögliche spätere Nutzung durch Deutsche Bundespost Telekom/Deutsche Telekom. Dafür wären Bauakte, Kataster, Bundespost-Bestandspläne oder Unterlagen der früheren Oberpostdirektion Münster entscheidend.

1982/83 – der 133-Meter-Fernmeldeturm

Der sichtbarste Sprung in die elektronische Nachrichtenwelt begann im Juli 1982. Nordöstlich der Stadt, nahe Alter Postweg und Schörmel, errichtete die Deutsche Bundespost den 133 Meter hohen Fernmeldeturm. Die erste Plattenebene liegt bei 75 Metern, eine weitere bei 83 Metern; der obere Aufbau beginnt bei 103 Metern. Ende Oktober 1983 waren die reinen Bauarbeiten abgeschlossen.

133 m
Gesamthöhe
4.300 t
Turmgewicht
5 m
Fundamenttiefe
390
Treppenstufen bis zum Betriebsgeschoss
4 Mio. DM
Baukosten, Technik zusätzlich

Historisch trug der Turm Sende- und Empfangsantennen für terrestrische Ton- und Fernsehprogramme, Richtfunk- und City-Funkverbindungen. Zeitgenössische Beschreibungen nennen mehr als 50 Antennen, Tausende gleichzeitig geführte Telefongespräche sowie Verbindungen für Polizei, Feuerwehr, Autotelefon und später Mobilfunk. Satellitenempfang am Fuß des Turms speiste Programme in das Kabelfernsehnetz.

Eine Darstellung von 1994 nennt 96.000 angeschlossene Haushalte. In der älteren Sendenhorster Schulchronik werden Ahlen, Beckum, Everswinkel, Greven, Münster/Albachten, Sassenberg, Telgte, Warendorf, Senden und Lengerich als Orte genannt, die damals über den Sendenhorster Knoten mit Kabelfernsehprogrammen mitversorgt wurden. Diese Angaben beschreiben die damalige technische Rolle, nicht den heutigen Netzaufbau.

Vom Brief zum Bit: Im Haus Bonse mussten Nachrichten noch mit Pferden weiterreisen. Zwei Jahrhunderte später wurden in Sendenhorst Telefon, Radio und Fernsehen über Richtfunk, Kabel und Satellit gleichzeitig verteilt.

Vom Kupfer zur Glasfaser – die Nachricht wird zum Licht

Die jüngste Stufe der Sendenhorster Kommunikationsgeschichte ist fast unsichtbar. Wo früher Posthorn, Telegraphenmast, Telefonleitung und Fernmeldeturm das technische Netz sichtbar machten, verschwindet die moderne Infrastruktur heute unter Straßen und Gehwegen. Glasfaserkabel übertragen Informationen nicht mehr als elektrische Signale über Kupfer, sondern als Lichtimpulse. Damit schließt sich die Entwicklung vom körperlich transportierten Brief zur praktisch verzögerungsfreien digitalen Übertragung.

Kupfer
Das klassische Telefonnetz übertrug Sprache und später DSL als elektrische Signale über Kupferadern. Die Leistungsfähigkeit sinkt mit Leitungslänge und Netzbelastung.
Glasfaser
Bei FTTH – „Fiber to the Home“ – reicht die Faser bis in das Gebäude bzw. den Haushalt. Daten laufen als Lichtsignale mit sehr hoher Kapazität.
Sendenhorst heute
Für Sendenhorst nennt die Stadt ausdrücklich Glasfaserausbau im Stadtkern sowie in den Außenbereichen von Sendenhorst und Albersloh. Im Fördergebiet weist die Deutsche Glasfaser aktuell die Bauphase aus.
Die ganze Geschichte in einem Satz
Früher musste die Nachricht reisen – heute reist nur noch das Licht. Aus Tagen wurden Stunden, aus Stunden Sekunden und schließlich Millisekunden.

Westfälische Einordnung – vom Verkehrsnetz zum Informationsnetz

Sendenhorst folgt in erstaunlich gut sichtbaren Stufen der westfälischen Gesamtentwicklung. Im 18. Jahrhundert lagen Poststellen an Gasthäusern und Verkehrsachsen; im frühen 19. Jahrhundert verbanden Personenposten die kleinen Städte mit Münster, Hamm und Beckum. Mit Eisenbahn und Telegraphie begann zwischen 1850 und 1870 jene Entwicklung, die der LWL ausdrücklich als „Kommunikationsrevolution“ bezeichnet.

Das Telefon erreichte Westfalen in den 1880er Jahren: Bielefeld erhielt 1886 ein Ortsnetz, Minden 1887, Münster ebenfalls 1887. Um 1900 waren die größeren Orte angeschlossen; in den folgenden Jahren verdichtete sich das Netz in die kleineren Städte. Sendenhorsts erster Fernsprecher von 1900 und die Vermittlungsstelle von 1905 passen genau in diese zweite Ausbauphase.

Im 20. Jahrhundert verschob sich der Maßstab erneut. Die Deutsche Bundespost baute ein dichtes Netz aus Kabeln, Vermittlungsstellen, Richtfunkstrecken und Fernmeldetürmen. Der Sendenhorster Turm ist deshalb nicht bloß ein ungewöhnlich hohes Bauwerk, sondern Teil einer bundesweiten Infrastruktur, die Telefonie und Rundfunk zunehmend unabhängig von sichtbaren Straßen und Schienen machte.

Sendenhorsts Besonderheit
Für eine Kleinstadt ist die Quellenkette ungewöhnlich dicht: Haus und Posthalterfamilie, Kutschenroute, Briefträgerstellen, Telegraph, erstes Telefon, Vermittlung, Fernmeldestation und Fernmeldeturm lassen sich an einem Ort verfolgen.
Westfalens Muster
Die Technik wandert von den Hauptstädten und Industriezentren in die kleineren Orte: erst Verkehrswege, dann Telegraphendraht, Telefonnetz, Kabel und Funk.

Bilder aus dem Stadt-Heimatarchiv

Die Bilddatenbank enthält mehrere besonders passende Motive. Die Schaltflächen öffnen die Originaldateien aus dem Archivbestand.

Kaiserliches Postamt, Südstraße 22
Historische Aufnahme des Hauses Bonse.
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Postamt Nordstraße
Postgebäude im Haus Borgmann, 1920er Jahre.
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Historische Postkutsche vor Bonse
Aufnahme von 1992 mit einer Postkutsche aus Ostenfelde.
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Fernmeldeturm
Archivaufnahme aus den 1980er Jahren.
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Telefonzelle am Rathaus
Ein Stück Alltagskommunikation der 1990er Jahre.
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Zeitleiste – Nachrichtenwege in Sendenhorst
um 1690 – ältere Bonse-Überlieferung setzt bereits einen Postvorsteher an der Südporte an · 1742 – Henrich Bonse sicher als kaiserlicher Reichsposthalter belegt · 1749/50 – Brand und Wiederaufbau des Posthauses · 1775 – erhaltene Bestallung für Gerhard Heinrich Eustachius Bonse · 1803 – Übergang zur preußischen Post · 1806–1815 – bergische, französische und wieder preußische Verwaltung · 1829 – Personenpost Beckum–Ahlen–Sendenhorst–Münster · 1848 – Kutsche zum Bahnhof Drensteinfurt ersetzt die alte Durchgangsroute · 1853/55 – Landbriefzustellung von 2 auf 6 Tage pro Woche verdichtet · 1867 – Norddeutsche Bundespost · 1871 – Reichspost · 1886 – zusätzlicher Posthülfsbote · 1898 – zweite Briefträgerstelle · 1900 – erster Fernsprecher · 1903 – dritte Briefträgerstelle und WLE; Ende der Postkutschenfunktion · 1905 – Vermittlungsstelle für vier Telefonteilnehmer · 1911 – Postamt in Haus Borgmann, Nordstraße 3 · 1920 – zwei weitere volle Briefträgerstellen · 1970er – Fernmeldestation der Post im Bereich Fillstraße/Auf dem Bült, heute Umfeld Augustin-Wibbelt-Straße · 1980 – Postamt Schulstraße · 1982 – Baubeginn Fernmeldeturm · 1983 – Rohbau abgeschlossen · 1990 – „500 Jahre Post“: historische Kutschenfahrt erinnert an Sendenhorsts Posttradition · 21. Jahrhundert – DSL, Mobilfunk und Glasfaser prägen die digitale Kommunikation · heute – Glasfaserausbau im Stadtkern und in den Außenbereichen von Sendenhorst und Albersloh; Fördergebiete befinden sich in der Bauphase.

Quellencheck und Forschungsstand

Die Darstellung verbindet HGF/Fascies, Petzmeyer-/Hausstättenmaterial, die lokale Bilddatenbank, das Sendenhorster Grundwissen, westfälische Verkehrsliteratur und LWL-Material. Besonders wichtig ist Wilhelm Fleitmanns Untersuchung „Von 1742 bis 1936 Postmeister aus einer Familie – Zur Geschichte der Post und der Postfamilie Bonse in Sendenhorst“, Münster 1969.

Sicher
1742 Reichsposthalter Bonse; 1775 Bestallung; Postkutschen- und Briefträgerdaten; 1900/05 Telefon; 1911/1980 Postamtsstandorte; 1970er Fernmeldestation im Bildbestand; 1982/83 Fernmeldeturm; heutiger Glasfaserausbau im Stadtgebiet und in Förderbereichen.
Mit Vorsicht
Die anschauliche Boten-Szene „1690“ ist Rekonstruktion. Zur exakten Führung und Kontinuität der Thurn-und-Taxis-Durchgangsroute gibt es unterschiedliche Darstellungen.
Noch offen
Baujahr, exakte Hausnummer, technische Ausstattung und Baugeschichte der 1970er Fernmeldestation, insbesondere des auffällig großen Untergeschosses/Kabelbereichs. Hier wären Bundespost-, Bau- oder Katasterakten der nächste Schritt.

Kontakt

Heimatverein Sendenhorst e.V.
Weststraße 3

48324 Sendenhorst

Rufen Sie einfach an unter

+49 170.7372307
Kontaktformular.

Brauchtum im September im Münsterland
Alte Bräuche zwischen Sommer und Herbst.
🏮 Lambertus
17. September
Kinder zogen mit Lampions durch die Straßen und versammelten sich an geschmückten Lichtpyramiden. Dort wurde gesungen und gespielt. Um 1900 war der Brauch unter anderem in Münster, Altenberge, Greven, Coesfeld und Rheine verbreitet.
🌾 Michaelis
29. September
Michaelis markierte einen wichtigen Einschnitt im bäuerlichen Jahreslauf. Die Ernte sollte beendet sein und auf abgeernteten Flächen begann vielerorts die Hütefreiheit. Hirten erhielten ihren Lohn, teilweise wechselte auch das Gesinde den Dienstherrn.
🍎 Obsternte & Schlachtfest
In Sassenberg zogen Kinder singend von Haus zu Haus und baten um Obst. Aus Drensteinfurt ist zum Schlachtfest ein besonderer Apfelkranz-Brauch überliefert.
🌾 Stoppelhahn
Ende September / Anfang Oktober
So hieß im Münsterland vielfach das traditionelle Erntefest. Erntezeichen und das letzte Getreidefuder wurden zum Hof gebracht, anschließend wurde gemeinsam gefeiert.
Quelle: Dietmar Sauermann, Damals bei uns in Westfalen – Vom alten Brauch in Stadt und Land, Band 3.

Wetter

 

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