Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !
Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !

Kolping in Sendenhorst

Vom katholischen Gesellenverein zur Stadtgeschichte · 1914–2023

Handwerk, Glaube, Theater, Schützenfest, Chor, Jugend, soziale Arbeit und mehr als ein Jahrhundert Vereinsleben

Kolping war in Sendenhorst weit mehr als ein kirchlicher Verein.

Als sich 1914 der katholische Gesellenverein gründete, ging es zunächst um junge Handwerker, ihren Glauben, ihre berufliche Bildung und eine feste Gemeinschaft. Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte ein Verein, der in sehr unterschiedlichen Bereichen des Sendenhorster Lebens sichtbar wurde: mit Theater und plattdeutschem Spiel, einem eigenen Schützenfest, dem Kolpingchor, Jugend- und Sportgruppen, Karneval, Reisen, Wallfahrten, Radtouren und sozialer Arbeit.

Die wichtigste Quelle für diese Seite ist die umfangreiche Festschrift zum 100-jährigen Bestehen von 2014. Sie wurde mit den Aktenauszügen von Hans-Günther Fascies, den Darstellungen Heinrich Petzmeyers, der Festschrift des Kolpingchores von 1991 sowie Bild- und Pressebeständen des Heimatvereins abgeglichen.

2023 endete die Geschichte der Kolpingsfamilie Sendenhorst als eigenständige Gemeinschaft. Einige ihrer Spuren sind jedoch bis heute im Stadtleben sichtbar.

Inhalt

1914 – der Gesellenverein entsteht

Der Wunsch nach einem katholischen Gesellenverein war in Sendenhorst nicht neu. Ein Aktenauszug bei Hans-Günther Fascies berichtet schon am 10. Januar 1914 von wiederholten Gründungsversuchen. Die Zahlen zeigen, warum das Thema Gewicht hatte: Bei etwa 3.000 Einwohnern gab es nach der damaligen Angabe ungefähr 120 Handwerksmeister und 70 Gesellen. Handwerker hatten bereits eine Deputation gebildet, um die Gründung voranzubringen.[2]

Die Festschrift schildert den Ablauf genauer: Drei Gesellen sammelten zu Beginn des Jahres Unterschriften. Am 21. Januar 1914 trafen sich zehn Gesellen, die zuvor anderen Gesellenvereinen angehört hatten, zu einer Vorbesprechung. Vier von ihnen sollten mit den Geistlichen sprechen. Pfarrer Beckmann und Vikar Geuking stellten die Verbindung zur bischöflichen Behörde her; Ende Februar kam die Genehmigung aus Münster.[1]

Am 8. März 1914 fand im Hotel Klümper – später Kaupmann, heute Bürgerhaus – die Gründungsversammlung statt. 60 unterzeichnete Mitglieder wurden verlesen. Erster Präses wurde Kaplan Aloys Fürstenau. Zum provisorischen Vorstand gehörten Senior Heinrich Jansing, die Meister Johann Happe und Bernhard Arnskötter als Beiräte sowie Theodor Drees, Heinrich Kötter, Franz Decker und Bernhard Schlüter als Ordner. Vereinslokal wurde zunächst die Gaststätte Seelige. Die eigentliche Gründungsfeier folgte am 10. Mai mit Gottesdienst, gemeinsamer Feier, Gesang und Theater.[1]

Quellenhinweis: Die Gründungsurkunde und die Festschrift nennen den 8. März 1914. In einem von Fascies ausgewerteten Verwaltungsvermerk vom 23. März heißt es dagegen, Kaplan Fürstenau habe die Gründung „am 22. März 1914“ angezeigt. Für die Vereinsgeschichte ist der 8. März durch Urkunde, Festschrift und das 100-jährige Jubiläum der stärker belegte Stichtag; die abweichende Aktennotiz bleibt dennoch erwähnenswert.[1][2]

↑ Inhalt

Handwerk, Glaube und Gemeinschaft

Die ersten Kolpinger waren keine Freizeitgruppe im heutigen Sinn. Der Gesellenverein sollte jungen Handwerkern Halt geben: religiöse Bindung, berufliche Bildung, Gemeinschaft und Geselligkeit gehörten zusammen. Das entsprach der Idee Adolph Kolpings, der im 19. Jahrhundert aus den katholischen Gesellenvereinen ein weit verzweigtes soziales Werk aufgebaut hatte.[1]

Der alte Sendenhorster Wahlspruch

Religion und Tugend

Arbeitsamkeit und Fleiß

Eintracht und Liebe

Frohsinn und Scherz

Der letzte Punkt ist für die weitere Geschichte fast ebenso wichtig wie die ersten drei. Kolping verband in Sendenhorst Frömmigkeit und soziale Verantwortung mit einem ausgesprochen geselligen Vereinsleben. Aus dieser Mischung entstanden später Chor, Theater, Schützenfest, Karneval, Sport, Reisen und viele offene Veranstaltungen.

Die Stadt unterstützte die junge Gemeinschaft unmittelbar. Fascies verzeichnet einen Zuschuss von 100 Mark aus Sparkassenüberschüssen, weil der Verein sich in Jugendpflege und sozialem Wohl engagieren sollte. 1923 erscheint der Gesellenverein in den Akten mit 79 jugendlichen Mitgliedern; 1927 werden 64 Mitglieder genannt, 1934 sogar 130. Solche Zahlen sind wegen unterschiedlicher Erhebungszwecke nicht unmittelbar vergleichbar, zeigen aber die Bedeutung des Vereins im katholisch geprägten Sendenhorst.[2]

↑ Inhalt

Zwischen den Kriegen: Sport, Musik, Bühne und Schützenfest

Der Erste Weltkrieg bremste den gerade gegründeten Verein sofort aus. Noch am 29. Juni 1914 unternahmen die Gesellen einen Ausflug in die Baumberge; wenige Wochen später begann der Krieg. Nach 1918 entwickelte sich das Vereinsleben rasch weiter. Im Februar 1920 entstand eine Sportabteilung mit 18 Mitgliedern. Ein Jahr später formierte sich eine Musikkapelle, deren Tradition nach der Petzmeyer-Überlieferung in die Sendenhorster Stadtkapelle hineinwirkte. Etwa zur gleichen Zeit konnte eine lang gewünschte Vereinsfahne angeschafft werden.[4]

Auch das Kolping-Schützenfest gehörte früh zum Jahreslauf. Die Festschrift nennt Aufzeichnungen seit 1920. Noch 1939 wurde gefeiert; nach dem Krieg setzte die Reihe 1947 wieder ein. Bis zum Jahr 2000 kamen nach der Festschrift insgesamt 70 Schützenfeste zusammen.[1]

Besonders stark war die Bühnenarbeit. Bereits 1919 brachten Gesellen- und Arbeiterverein gemeinsam „Die lebenden Fackeln Neros“ auf die Bühne. 1922 folgte bei der Fahnenweihe auf einer Freilichtbühne „Im weißen Rössel“. Die eigentliche Laienspielschar wurde am 5. Oktober 1924 mit eigenen Statuten gegründet. In den folgenden Jahren standen ernste Schauspiele, Singspiele und zunehmend plattdeutsche Stücke auf dem Programm.[1]

Ein schöner Aktenfund bei Fascies: Ende 1928 beantragte der katholische Gesellenverein eine Steuerermäßigung für die Aufführung von Wildrups Hoff nach August Wibbelt. Als Begründung wurde ausdrücklich der Zweck der Jugendpflege genannt.[2]

↑ Inhalt

1933–1945: unter Druck, aber nicht sofort verschwunden

Die Geschichte des katholischen Vereinslebens unter dem Nationalsozialismus ist auch in Sendenhorst komplizierter als ein einfaches Schema von Widerstand oder Anpassung. Unmittelbar vor der Reichstagswahl vom 5. März 1933 beteiligten sich Gesellenverein, Jungmännerverein und Deutsche Jugendkraft an einem großen Fackelzug. Heinrich Petzmeyer deutet die starke Beteiligung als sichtbare Demonstration des katholischen Milieus. Zugleich zeigen seine Darstellung und die Fascies-Akten, wie der Spielraum der kirchlichen Vereine danach immer enger wurde.[4]

1934 wurde der Gesellenverein mit 130 Mitgliedern erfasst. Der Vereinszweck wurde nun betont als religiöse und berufliche Erziehung beschrieben – in den Akten ausdrücklich vor dem Hintergrund drohender Verbote. Einzelne Veranstaltungen fanden noch statt; für Kappenfest, Tanz oder Filmvorführungen waren Genehmigungen und Auflagen erforderlich. Der Kolpingchor musste sich unter dem politischen Druck in „Männergesangverein Eintracht“ umbenennen und dem Deutschen Sängerbund anschließen. 1939 fand noch ein Kolping-Schützenfest statt. Mit dem Krieg kam die reguläre Vereinsarbeit nahezu zum Erliegen.[2][3]

Ein besonders bemerkenswerter Abschnitt der Festschrift betrifft den Friedhof. Nach ihrer Darstellung ließ Pfarrer Heinrich Westermann 1941 auf einem abgelegenen Teil des damals neuen Friedhofs eine Gedenkstätte für Gefallene und Vermisste anlegen. Die Anregung soll vom Kolpingbruder Theodor Petry gekommen sein. Die Festschrift berichtet, die Stadt habe dabei keine Hilfe geleistet und die NSDAP habe kirchliche Eigeninitiative ungern gesehen. Bis zum Kriegsende standen dort 186 Kreuze.[1]

Beim Kolpingchor kehrten 15 Sänger aus dem Krieg nicht zurück. Petzmeyer berichtet zudem, dass zeitweise nur noch zwei aktive Kolpingsöhne in Sendenhorst anwesend waren.[1][4]

↑ Inhalt

1945: sehr schneller Neubeginn

Schon im Herbst 1945 begann die Kolpingsfamilie wieder mit ihrer Arbeit. Die Pfarrchronik berichtet, sie habe sich „glänzend vom Krieg erholt“ und den Kolping-Gedenktag mit 70 aktiven Mitgliedern begangen. Am 15. Februar 1946 wurde der Gesellenverein in einer amtlichen Übersicht zu den neu gebildeten deutschen Jugendverbänden aufgeführt.[2]

Ein Fragebogen von 1946 zeigt zugleich, wie stark die Organisation damals noch aus der katholischen Soziallehre und der Welt des Berufsarbeiters dachte. Die Sprache wirkt heute deutlich zeitgebunden; wichtig ist aber, dass Kolping sich schon unmittelbar nach dem Zusammenbruch wieder als Bildungs-, Glaubens- und Sozialgemeinschaft verstand.

Auch die alten Freizeitbereiche kamen schnell zurück. 1947 wurde wieder Schützenfest gefeiert. Beim Stiftungsfest im Oktober desselben Jahres stand die wiedererstandene Laienspielschar mit „Der Buer als Baron“ auf der Bühne. Der Kolpingchor war bereits 1946 neu gestartet und sang am 24. Juli 1947 vor 550 Zuhörern bei einem großen Volksliederabend.[1]

1950 nahm sich die Kolpingsfamilie erneut der Gedenkstätte auf dem Friedhof an. Die Vorbereitungen, Arbeiten, der Trauerzug mit den restaurierten Kreuzen und die anschließende Weihe wurden gefilmt; die Festschrift verweist ausdrücklich auf dieses Filmdokument im Sendenhorster Heimatarchiv. 1963 verpflichtete sich die Kolpingsfamilie zu einer grundlegenden Neugestaltung und zur dauerhaften Pflege. Ein Team von etwa 15 Männern war später mehrmals im Jahr dort im Einsatz.[1]

↑ Inhalt

Kolping als Kulturfaktor: Chor und Theater

Der Kolpingchor war eine der dauerhaftesten Ausgründungen. Schon 1924 gab es eine Gesangsgruppe; 1931 gelang Theodor Höne, Bernhard Tippmeier, Anton Greiwe und Heinrich Wegmann die eigentliche Chorgründung. Zur ersten Versammlung am 11. Februar im Vereinslokal Peiler-Seelige kamen 18 Mitglieder. Dirigent war Eberhard Haselmann. Nach dem Krieg entwickelte sich der Chor erneut zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt.[1]

Der Chor sang keineswegs nur in Gottesdiensten. Konzerte mit Titeln wie „Klingendes Europa“, „American Musik Express“, „Balalaikaklänge“ oder „Gold und Silber“ zeigen die Bandbreite. 1981 wurde das 50-jährige Bestehen mit dem PREUSSAG-Sinfonie-Orchester gefeiert. 1991 gestalteten die Sänger einen Gottesdienst im Dom zu Münster im Zusammenhang mit der Seligsprechung Adolph Kolpings; im selben Jahr ging die Jubiläumsfahrt in das wiedervereinigte Berlin. Die eigene 60-Jahre-Festschrift von 1991 nennt damals etwa 40 bis 45 Sänger.[1][3]

Mindestens ebenso ortsgeschichtlich interessant ist die Laienspielschar. Sie spielte bis in die 1960er Jahre immer wieder plattdeutsche Stücke: „Datt schwattbunte Ferkel“, „Urse Opa wätt verkofft“, „De vergnögte Tankstell“, „De Petroleumkönig“ oder „De Karnickeldeiw“. Die Festschrift bewertet diese Arbeit ausdrücklich als Beitrag zur Erhaltung der plattdeutschen Mundart.[1]

1948 meldete Senior Alfons Entrup auf amtliche Anfrage sogar den Bestand von 21 Laienspielen. Mehrere davon waren innerhalb der vorausgegangenen zwölf Monate bereits wieder aufgeführt worden. Das zeigt, wie schnell die Bühnenarbeit nach dem Krieg wieder anlief.[2]

↑ Inhalt

Jungkolping, Judo und praktische Jugendhilfe

Die Jugendarbeit veränderte sich im Lauf der Jahrzehnte. Petzmeyers Rückblick nennt bereits 1962 eine Jung-Kolping-Gruppe. Die Festschrift beschreibt besonders die Phase von 1973 bis 1989: Mädchen und Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren trafen sich wöchentlich im Jugendheim. Religiöse Themen, allgemeine und soziale Bildung, Sport, handwerkliche Tätigkeiten und Kultur gehörten zum Programm.[1][4]

Beim 60-jährigen Jubiläum 1974 zeigte sich die Jugendgruppe auch sozial: Ein Basar der Mädchengruppe Jungkolping erbrachte 922 Mark, die an die Krankenhaus-Sonderschule in Sendenhorst gingen. In derselben Festwoche trat ein neu gegründeter Fanfarenzug erstmals öffentlich auf.[5]

1975 rief Josef Bülte nach der Festschrift eine Judo-Gruppe ins Leben. 1978 zählte sie 51 Personen: 37 Aktive, neun Anwärter und fünf Förderer. Fachsportler Otto Höllmann aus Greffen trainierte die Gruppe. Am 16. November 1978 bestanden 38 Judoka ihre erste Prüfung und erhielten den gelben Gürtel. Ende der 1980er Jahre fehlten schließlich Kolpinger, die die Abteilung weiterführen konnten.[1]

Auch hier gibt es eine kleine Datierungsdifferenz: Die Festschrift nennt 1975 als Gründungsjahr und 1989/90 als Ende der Judoabteilung. Petzmeyers späterer Rückblick spricht allgemeiner vom Beginn „Anfang der 70er Jahre“ und von Aktivität bis 1991. Für die Detaildarstellung werden hier die präziseren Angaben der Festschrift verwendet.[1][4]

Petzmeyer nennt außerdem Aktivitäten, die über klassisches Vereinsprogramm hinausgingen: Mitte der 1970er Jahre arbeitete Kolping gemeinsam mit der Caritas bei der Resozialisierung jugendlicher Strafgefangener mit, sammelte Möbel für Spätaussiedler und unterstützte Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre Jugendliche bei der Lehrstellensuche.[4]

↑ Inhalt

Schützen, Karneval und „ganz große Tour“

Das Kolping-Schützenfest war jahrzehntelang ein eigener Teil der Sendenhorster Festkultur. Zum 80-jährigen Jubiläum 1994 wurden die erreichbaren ehemaligen Könige zum „Schützenfest der Könige“ eingeladen. Alfons Fredeweß, König von 1993, wurde von Helmut Funke aus dem Kolpingchor abgelöst. Im Jahr 2000 endete die Tradition: Ferdi Bergmann und Marianne waren das letzte Königspaar.[1]

Auch die Geschichte des heutigen Sendenhorster Straßenkarnevals führt in die Kolpingsfamilie. Nach dem Krieg veranstaltete sie in den Sälen Kaupmann und Werring Kappen- und Kostümfeste. 1969 setzte sich ein Elferrat aus früheren Kolpingprinzen zusammen. 1974 stellte diese Gruppe den später legendären „Bohrturm“ vor dem Rathaus auf. Aus diesem Umfeld entstand die Karnevalsgesellschaft „Schön wär’s“.[1]

Kolping blieb aber nicht in Sendenhorst. Josef Bülte und Helga Meyer organisierten ab 1979 über 33 Jahre hinweg 34 große Reisen. Im Durchschnitt nahmen nach der Festschrift 52 Reisende teil. Die Ziele reichten von Berlin, Wien, Prag, Paris und Rom über Moskau und Leningrad, Israel und das Nordkap bis zu Jalta, der Krim, Ägypten, dem Baltikum, Madeira und Teneriffa.[1]

1994 kam ein ungewöhnlicher Termin hinzu: Gerd Fredeweß lud Bischof Reinhard Lettmann zu einem Wandertag ein. Von St. Martin ging es über Quantes Kreuz und mehrere Höfe und Bildstöcke durch die Sendenhorster Landschaft. Die Festschrift erinnert daran vor allem als Gelegenheit zum direkten Gespräch mit dem Bischof.[1]

↑ Inhalt

Glauben, helfen, unterwegs sein

Viele Aktivitäten waren religiös und praktisch zugleich. Seit den späten 1970er Jahren fuhren Kolpinger aus Sendenhorst zusammen mit Gruppen aus Ahlen, Dolberg, Walstedde, Drensteinfurt und Rinkerode zur Fahrrad-Wallfahrt nach Buddenbaum. Initiator war Gerd Fredeweß; die Maiandacht unter freiem Himmel fand alle zwei Jahre statt.[1]

Eine weitere feste Tradition war das Josefschutzfest an der Rinkhöven-Kapelle. In der ersten Maiwoche wurde dort unter freiem Himmel Messe gefeiert; die Hofnachbarn schmückten die Kapelle. Die Festschrift betont, dass sich daran nicht nur Kolpinger, sondern auch viele andere Sendenhorster beteiligten.[1]

1971 begann die Tannenbaumaktion. Die Erlöse flossen in soziale Zwecke, unter anderem an den Monika-Kindergarten in Nigeria, an Mutter Teresa, an Schwester Jungmann für ihre Arbeit in Peru sowie an die eigene Jugendarbeit und die Sendenhorster Messdiener. 2004 wurde die Aktion nach 33 Jahren an die Jugendfeuerwehr weitergegeben.[1]

Etwa 35 Jahre lang sammelte die Kolpingsfamilie bis zum Jubiläumsjahr 2014 auch Altkleider. Unter dem Motto „Kolping hilft helfen“ gingen Hilfen unter anderem nach Südostasien, Sri Lanka, Indien und in die Region Tschernobyl; ebenso wurden Projekte im Kongo und in Mali unterstützt. Auch vor Ort half man, etwa der Tafel und Kindergärten. Hinzu kamen Themenfrühstücke, Kaffeenachmittage, Bildungsangebote und der jährliche Kartenabend.[1]

Die vielleicht sichtbarste Daueraufgabe blieb die Kriegsgräberpflege. Nach der Neugestaltung der Gedenkstätte 1963 traf sich das Pflegeteam mehrmals jährlich. Nach einer Verwüstung des Friedhofs 1994 mussten zahlreiche Kreuze repariert oder ersetzt werden; Spenden aus der Sendenhorster Bevölkerung halfen bei der erneuten Herrichtung.[1]

↑ Inhalt

100 Jahre 2014 – und das Ende 2023

Zum 100-jährigen Bestehen 2014 zog die Festschrift selbst eine nüchterne Bilanz. Viele ältere Unterlagen seien verloren gegangen. Gleichzeitig habe sich die Kolpingsfamilie längst von einem reinen Handwerkerverein zu einer Gemeinschaft für alle Berufsgruppen und auch für Frauen entwickelt. Mehrere frühere Säulen – Schützenfest, Karneval, Laienspiel, Judo und Jungkolping – waren zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte. Den Schwerpunkt bildeten nun Freizeit-, Bildungs- und Glaubensangebote, besonders für ältere Teilnehmer.[1]

Das Jubiläumsjahr wurde trotzdem groß begangen: Am 8. März gab es eine Geburtstagsfeier im Haus Siekmann, eine Ausstellung zur Kolpinggeschichte und später eine Fahrt nach Köln zum Grab Adolph Kolpings sowie nach Kerpen. Am 27. September folgte der eigentliche Festakt mit Gottesdienst und Bannerabordnungen.[5]

Die Festschrift benannte aber auch das Problem, das viele traditionelle Vereine traf: Mobilität, veränderte Freizeitgewohnheiten und zu wenig Nachwuchs. Die gut besuchten Radtouren, Themenfrühstücke und Kaffeenachmittage erreichten vor allem die ältere Generation. 2014 hoffte der Vorstand noch, nach dem Jubiläum neue Wege zu jüngeren Menschen zu finden.

Neun Jahre später endete die eigenständige Vereinsgeschichte. Aus einem Bericht des Heimatvereins von 2024 geht hervor, dass sich die Kolpingsfamilie Sendenhorst 2023 aufgelöst hatte. Ein Teil der Tradition ging jedoch unmittelbar weiter: Der Heimatverein übernahm in Absprache mit ehemaligen Verantwortlichen die beliebten Donnerstags-Radtouren. Am 23. Mai 2024 übergab Hubert Descher symbolisch eine Luftpumpe an Hans-Günther Ermer zur ersten Tour unter neuer Regie.[7]

Was von Kolping in Sendenhorst bleibt

Die Geschichte steckt nicht nur in Urkunden und Festschriften. Sie steckt im Kolpingchor und seiner langen Musikgeschichte, in alten Theaterzetteln, in Fotos der Kolping-Schützen, in der Entstehung des Sendenhorster Straßenkarnevals, in der Gedenkstätte auf dem Friedhof und in Veranstaltungen, die von anderen weitergeführt werden. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf Kolping als Teil der allgemeinen Sendenhorster Stadt- und Sozialgeschichte.

↑ Inhalt


Zeittafel – Kolping in Sendenhorst

8. März 1914: Gründungsversammlung des katholischen Gesellenvereins im Hotel Klümper; 60 unterzeichnete Mitglieder.

29. Juni 1914: früher Ausflug in die Baumberge; wenige Wochen später beginnt der Erste Weltkrieg.

1920: Sportabteilung; aus diesem Jahr sind auch Kolping-Schützenfeste belegt.

1921: Musikkapelle und Vereinsfahne.

5. Oktober 1924: offizielle Gründung der Laienspielschar.

1928: Aufführung von „Wildrups Hoff“ nach August Wibbelt.

11. Februar 1931: Gründung des Kolpingchores.

1933/34: katholisches Vereinsleben gerät zunehmend unter nationalsozialistischen Druck; 1934 werden 130 Gesellenvereinsmitglieder genannt.

1939: letztes Kolping-Schützenfest vor dem Krieg.

1941: Anlage einer Gedenkstätte für Gefallene und Vermisste auf dem Friedhof nach Darstellung der Festschrift.

1945/46: Neubeginn der Kolpingsfamilie; 70 aktive Mitglieder beim Kolping-Gedenktag.

1947: Schützenfest, Theater und großer Volksliederabend des Chores.

1950: Erneuerung der Kriegsopfer-Gedenkstätte; Filmdokument im Heimatarchiv.

1963: grundlegende Neugestaltung der Gedenkstätte und dauerhafte Pflege durch Kolping.

1973–1989: in der Festschrift dokumentierte Phase der Jungkolping-Jugendarbeit.

1974: 60-jähriges Jubiläum; Festwoche, erster Auftritt des neuen Fanfarenzuges, Jungkolping-Basar.

1975: Gründung der Judoabteilung nach der Festschrift.

1979–2012: 34 große Kolpingreisen.

1991: 60 Jahre Kolpingchor; Seligsprechung Adolph Kolpings und Jubiläumsfahrt nach Berlin.

1994: 80 Jahre Kolpingsfamilie; „Schützenfest der Könige“ und Wandertag mit Bischof Reinhard Lettmann.

2000: 70. und letztes Kolping-Schützenfest.

2004: Tannenbaumaktion nach 33 Jahren an die Jugendfeuerwehr abgegeben.

ab 2005: regelmäßige Donnerstags-Radtouren in den Sommermonaten.

2014: 100 Jahre Kolpingsfamilie Sendenhorst; umfangreiche Festschrift und Jubiläumsprogramm.

2023: Auflösung der Kolpingsfamilie Sendenhorst.

ab 2024: Heimatverein führt die ehemaligen Kolping-Donnerstags-Radtouren weiter.

Bildarchiv – besonders passende Motive

Im Sendenhorster Bildbestand liegen zahlreiche passende Aufnahmen. Für eine bebilderte Fassung bieten sich besonders an:

1948/49: Kolping-Schützenfest, darunter eine Aufnahme aus der Mühlenkuhle – Archivserie 30269/30270.

1967: Kolping-Schützenfest auf der Schulstraße beim König Ludger Stapel – Negativserie N08056 bis N08070.

1974: 60-jähriges Jubiläum, Festumzug „Auf der Geist“ und erster Auftritt des Fanfarenzuges – Negativserie N32204112 ff.

Weitere Motive: Zeitungsserien zum 60- und 75-jährigen Jubiläum sowie zahlreiche Fotos aus der Kolping-Festschrift 2014.


Quellen und Einordnung

[1] Festschrift 2014: 100 Jahre Kolpingsfamilie Sendenhorst, 2014. Hauptquelle dieser Seite. Besonders ausgewertet wurden Entstehungsgeschichte und Gründungsmitglieder, Gründungsurkunde, Präsides und Vorsitzende, Schützenfest, Gedenkstätte, Kolpingchor, Laienspielschar, Jungkolping, Judo, Radtouren, Reisen, Karneval, Tannenbaumaktion, Wallfahrt, Josefschutzfest, Altkleidersammlung sowie die Bestandsaufnahme von 2014.

[2] Hans-Günther Fascies / Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Aktenauszüge zum Vereinswesen, insbesondere „Gesellen (Kolping)-Verein“, Jugendpflege und kirchliche Vereine. Enthalten sind unter anderem die Verwaltungsangaben von 1914, der städtische Zuschuss von 100 Mark, der alte Wahlspruch, Mitgliederzahlen, Veranstaltungsgenehmigungen und Unterlagen zum Wiederbeginn nach 1945.

[3] Kolpingchor: Festschrift 60 Jahre Kolpingchor Sendenhorst, 1991, ergänzend zur Chorchronik der 2014er Festschrift.

[4] Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland, Stadt Sendenhorst, 1992, sowie sein Beitrag zum Vereinsleben und zur Geselligkeit 1933–1948. Herangezogen wurden insbesondere seine Angaben zur frühen Vereinsentwicklung, zur NS-Zeit, zum Wiederbeginn, zu Jungkolping, Judo und sozialer Arbeit.

[5] Heimatverein Sendenhorst: Zeitungsgeschichte 1970er, 1990er und ab 2010; darunter Berichte zum 60-jährigen und 100-jährigen Jubiläum sowie zur Vereinsentwicklung.

[6] Stadt-Heimatarchiv / Bilderdatenbank des Heimatvereins: Bildserien zu Kolping-Schützenfesten, Jubiläen, Umzügen, Fanfarenzug, Kolpingchor und weiteren Aktivitäten. Die in den Kommentaren genannten Bildnummern sollten vor dem Einbau nochmals auf aktuelle Dateiadresse und Rechtehinweis geprüft werden.

[7] Heimatverein Sendenhorst, Presse-Archiv 2024: Bericht über die Auflösung der Kolpingsfamilie im Vorjahr und die Fortführung der traditionellen Donnerstags-Radtouren durch den Heimatverein.

Kontakt

Heimatverein Sendenhorst e.V.
Weststraße 3

48324 Sendenhorst

Rufen Sie einfach an unter

+49 170.7372307
Kontaktformular.

Wetter

 

Antrag auf Mitgliedschaft im Heimatverein Sendenhorst e.V. für nur 1,- EUR / Monat

 
Druckversion | Sitemap
© Sendenhorst Heimatverein