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1965 – 650 Jahre Stadt Sendenhorst
Diese Webfassung gibt die Festschrift vollständig wieder. Die geschichtlichen Seiten sind zusätzlich als lesbarer Webtext erfasst; Anzeigen und Bildseiten bleiben als Originalabbildung erhalten. Unter jeder Anzeige steht der aus dem Digitalisat ausgelesene beziehungsweise bei schwer lesbaren Seiten manuell übertragene Anzeigentext.
Zum Geleit & 650 Jahre Sendenhorst
Die 650-Jahr-Feier der Stadt Sendenhorst geht aus von einer Urkunde vom 11. August 1315, in der It. Staatsarchiv Münster die älteste Erwähnung von Sendenhorst als Stadt (Opidum) nachgewiesen wird. Wann Sendenhorst Stadt geworden ist, läßt sich auf Jahr und Tag nicht bestimmen. Die Häufung der Zeugnisse für den städtischen Charakter Sendenhorsts seit 1315 läßt darauf schließen, daß Bischof Ludwig II. Landgraf von Hessen, der von 1310 bis 1357 das Stift Münster regierte, Sendenhorst zu einer Stadt machte. Ein Heimatbuch mit umfassender Darstellung der Geschichte Sendenhorsts fehlt z. Z. noch. Das diesjährige Jubiläum soll aber Anlaß zur Herausgabe eines solchen Heimatbuches sein.
Der kurze geschichtliche Abriß in dieser Festschrift mag allen Lesern schon einen kleinen Einblick in die Entwicklung und das Zeitgeschehen unserer Stadt vermitteln. Kriegswirren, verheerende Brände und mancherlei andere Unruhen über viele Jahrhunderte haben der Entwicklung unserer Stadt immer wieder starke Rückschläge zugefügt.
Im letzten Krieg blieb Sendenhorst zwar im wesentlichen verschont, aber der außergewöhnlich starke Zuwachs der Bevölkerung durch Evakuierte, Heimatvertriebene und Flüchtlinge stellte Stadt und Kirchspiel vor schwerste Aufgaben. Mit Stolz und Genugtuung aber kann festgestellt werden, daß diese schweren Aufgaben dank der Mithilfe aller Bürger, der alteingesesse nen und der zugezogenen, aus der Kraft ihres echten Bürgersinnes der Lösung näher gebracht werden konnten.
Viele große Aufgaben in unserer kleinen Stadt aber harren noch der Erfül lung. Bei der engen
kulturellen und wirtschaftlichen Verpflechtung zwischen Stadt und Kirchspiel können diese Aufgaben nur in guter gemeinsamer Arbeit beider Gemeinden gelöst werden, so, wie auch bisher in bester
Harmonie zusammen gearbeitet wurde. Es gilt den heimatlichen Boden durch plan mäßige, zielbewußte Arbeit zu bereichern, auf dem die Zukunft unserer Stadt und des Kirchspiels emporwachsen kann. Dazu
bedarf es der Anteil nahme und Mitwirkung der gesamten Bürgerschaft. Eine solche Mitarbeit hat zur Voraussetzung die Einsicht in und das Verständnis für die mannigfachen Aufgaben unserer Zeit. Nur
auf solchem Grund kann eine echte Heimat liche entstehen, die wiederum Kräfte weckt zur weiteren Entwicklung unserer Stadt.
Möge diese Jubiläumswoche nicht nur Anlaß zu äußeren Festlichkeiten sein, sondern auch zur Besinnung auf unseren eigenen geschichtlichen Standort in der wcchselvollen Geschichte unserer Heimat
anregen. Möge es so eine echte Heimatwoche werden. Dieser Idee dienen alle ihre Veranstaltungen. Wir sehen in dieser Jubiläumswoche eine Begegnung der Vergangenheit unserer Stadt mit einer möglichst
glückhaften Zukunft.
Allen Gästen und Freunden unserer Stadt, insbesondere auch allen ehema ligen Sendenhorstern, rufen wir ein herzliches Willkommen zu. Mögen sie viele schöne Stunden und Tage in unserer Jubiläums-Stadt erleben und in guter Erinnerung behalten.
Feiern wir unser Stadtjubiläum mit dem Wunsche, daß Gott unsere liebe alte Heimatstadt Sendenhorst segne und beschütze.
Sendenhorst, im August 1965
ESSER Stadtdirektor BRANDHOVE Bürgermeister
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FESTWOCHE VOM 4. BIS 12.
SEPTEMBER 19 65
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Die Festwoche vom 4. bis 12. September 1965
650-JAHR-FEIER DER STADT SENDENHORST
Programm der Festwoche vom 4. bis 12.09.1965
Samstag, 04.09. -
9.45 Uhr
Einläuten der Festwoche
10.00 Uhr
Kasino des St.-Josef-Stiftes
Eröffnungsfeier Festansprache von Landesoberverwaltungsrat Dr. Riepenhausen, Westfälischer Heimatbund
12.00 Uhr
Enthüllung der Bronze-Plastik St. Martini
15.00 Uhr
Beginn des Kreis-Reitturniers Reitplatz Alter Postweg
15.45 Uhr
Ankunft des Jubiläums-Kaffee- Sonderzuges von Münster Frohe Stunden mit Theo Breider Bahnhof Festzelt
20.00 Uhr
Reiterball
Sonntag, 05.09.
Festgottesdienste
9.00 Uhr ev. Pfarrkirche | 10.30 Uhr kath. Pfarrkirche
11.00 Uhr
Festzelt Platzkonzert
11-13 Uhr
Teigelkamp - Aufstieg eines Freiballons
14.00 Uhr
Reitplatz Alter Postweg Kreis-Reitturnier
15.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung „Sendenhorst — Gestern und Heute“ Altes Pastorat
20.00 Uhr
Festzelt
Montag, 06.09.
8.00 Uhr-
Schützenfest der Johannis-Bruderschaft
Kirchgang — Königsschießen
15.00 Uhr
Festzelt
Große Modenschau mit Dir. Fred Schuelemann und sein Ensemble
19.00 Uhr
Polonaise und Festball der Johannis-Bruderschaft
Dienstag, 07.09.
20.00 Uhr Festzelt Kinder- Sendenhorst „singt und spielt“ Kirchenchor - . Kolpingchor chor, Laienspielschar der Kolping familie Chorlieder - Volkslieder
Uraufführung: Böorgermester Langen un de Kosaken 1813
Mittwoch, 08.09.
20.00 Uhr Brillant-Feuerwerk Großer Zapfenstreich - Im Garten des St.-Josef-Stiftes
Donnerstag, 09. 09.
Tag des Sportes
9-12 Uhr
Sportplatz Bundesjugendspiele und „Bunter Rasen“ aller Schulen
14-17 Uhr
Sportplatz Erwerb des Sportabzeichens Übungen in der Leichtathletik — Volkstanz und Staffeln
17.30 Uhr
Sportplatz - Fußballspiel: BV 09 Bor. Dortmund (Amat.) gegen SG Sendenhorst 1910 c. V.
Freitag, 10.09.
19.00 Uhr
Lambertiplatz - Lambertusfeier Umzug und Feier um die Pyramide
20.00 Uhr
Festzelt „Ostdeutscher Abend“ mit Dr. Lau und Frau Ender Tanz und Trachtengruppen
Samstag, 11.09.
15.00 Uhr
Einsatzübung Freiwillige Feuerwehr und DRK
17.00 Uhr
Sportplatz - Luftballon-Wettbewerb der Kinder (Viele Preise)
19.00 Uhr
Antreten am Rathaus zur Totengedenkfeier am Kriegerehrenmal. Die Gefallenen und Vermißten werden im Lichtbild gezeigt
20.00 Uhr
Festzelt - Wiedersehensfeier mit ehemaligen Sendenhorstern Unterhaltung mit Theo Breider
Sonntag, 12.09.
9.15 Uhr
Festgottesdienst anläßlich der 100-Jahr-Feier der St.-Martini-Kirche
11.00 Uhr
Platzkonzert Festzelt
14.00 Uhr
Sternmarsch der Spielmannszüge und Kapellen
15.00 Uhr
Festzug: Sendenhorst im Wandel der Zeit
20.00 Uhr
Festzelt - Großer Festball
In der Zeit vom 4. bis 12. 9. 1965 findet im alten Pastorat eine Ausstellung „Sendenhorst — Gestern und Heute“ statt. Eröffnung: Sonntag, 5. 9. d. J., 15 Uhr Geöffnet: Täglich von 15 bis 17 Uhr
Die Anfänge der Stadt – Siedlung, Recht und Kirche
AUS DER GESCHICHTE
DER STADT SENDENHORST
Sendenhorst, die fast 500 ha große Stadt mit dem fast zehnmal so großen gleichnamigen Kirchspiel im Nordwesten des lehmgründigen, kalkreichen und waldarmen Kreises Beckum, ist eine von den vierzig Horst-Siedlungen des Münsterlandes. Diese Namensgebung führt in die Landnahmezeit der alt- sächsischen Vorfahren. Denn nur im westfälisch-niedcrsächsischen Siedlungs raum ist die Horst-Bezeichnung anzutreffen. Die Siedlung Sendenhorst aber ist alter. Ihre Lage auf leichtsandiger Höhe wurde zum Anziehungspunkt der ersten Siedler im umgebenden Klei-Münsterlandc. Bodenfunde für solch ferne Vorzeit liegen vor. Die letzten, 1949 bei Ausschachtungsarbeiten am Martiniring zu Tage getretenen Grabstättenreste belegten die hiesige Ansied lung auf das zweite vorchristliche Jahrtausend. Durch diesen Sicdlungsort nahmen die späteren Fern- und Königsstraßen ihren Verlauf. Auf ihnen rollte hernach auch der Salzhandel von Soest nach Münster; auf ihnen zogen aber auch, bis in unsere jüngste Vergangenheit, die Soldaten vieler Völker. Zur Malstätte um den Freistuhl am Königsweg dieser Straßen forderten Frei- und Gogericht zu Sendenhorst die Eingesessenen zum echten und zum gebotenen Ding. Der sandige Kiesrücken, die Lage an sich kreuzenden Wegen und der Treffpunkt zur Dingstätte am Orte sollen dieser Siedlung im gero deten Waldgestrüpp ihren Namen gegeben haben; so wollen dies die jeweils verschiedenen Deutungen. Selbst der Anklang an einen keltischen Flurna mensrest vorgermanischer Sicdlungszeit ist gegeben. Die Deutung des K'a- menssinns der Horst-Siedlung zu “Seondon,, ist viclschillcrnd geblieben; auch die neuzeitliche Ortsnamensforschung (Georg Niemeier) hat diesen Schleier nicht gelüftet. Zunächst blieb der Name begrenzt auf die Kcrnsiedlung Sendenhorst in der Größe eines Bauerschaftsbercichs. Hier hatten mit anderen weltlichen und geistlichen Grundbesitzern auch die damals noch verhältnismäßig armen west fälischen Abteien Freckenhorst und Werden einige Höfe. Ihre lateinisch und altniederdeutsch geschriebenen Güterverzeichnisse nennen die ältesten uns bekannten Namensformen: Seondonhurst (Werden) im 9. und Sendinhurst (Freckenhorst) im 11. Jahrhundert. Ein Jahrhundert später wird die noch heute gültige Namensform erstmalig niedcrgeschricben. In ihr nennt sich eine uns nur aus Zeugenzitierungen dem Namen nach bekannt gewordene Adclsfamilic der „Herren von Sendenhorst“ für die wenigen Jahre von 1133 bis um 1140. Im Jahre 1175 erfolgt die größerräumige Ortsnamensverwendung, angewandt für die Lagebczcichnung eines Hofes: belegen bei der „Villa Sendenhorst“. Mit dem Namen Sendenhorst verbindet sich im Hochmittclalter bis zur Neu zeit das Rechtsleben in Sendenhorst selbst und seiner weiteren Nachbar schaft, so das Freigrafsebaftsgeriebt mit seinen vier Frcistühlcn in und bei Sendenhorst, zuständig zudem für Vorhelm, Ahlcn-Halene und Albersloh. Der Gerichtsstuhl an der Königsstraße vor dem Geest-Hof zu Sendenhorst wurde mit dem 13. und 14. Jahrhundert so bedeutend, daß er zeitweilig zum Hauptstuhl im größeren Freigrafschaftsbezirk „auf dem Drein“ erkoren wurde. In dieser Zeit verdrängte der Name Sendenhorst sogar die ältere „Drein“-Benennung für das übergeordnete Freigrafschaftsgericht. Sendcnhor- ster Richter sprachen damals auch an anderen Orten Recht. Die Gerichtsherren aber waren jeweils einflußreiche Familien im Lande. Sie wurden in der Früh zeit vom Könige selbst und später vom münsterischen Landesherrn belehnt, ln Notzeiten haben Münsters Fürstbischöfe das Sendenhorster Gericht ver pfändet wie eine Konsumstcuereinnahmequelle. Anno 1367 hatte es einen Pfand wert von fast vier Zentnern Silber, und im Jahre 1515 kaufte es wieder einmal der münsterische Bischof, nun für viertausend Goldgulden, zurück. Schon im 14. Jahrhundert hatte das Gogericbt Sendenborst dem alten Frei gericht die Bedeutung abgenommen. Um 1500 ist der Droste von Merveldt, Marschall des Stifts Münster, Sendenhorster Gograf. Er bewohnt das feste bischöfliche Burghaus zu Sendenhorst. Seitdem soll es den noch heute in der Straßenbezeichnung erhaltenen Namen „Drostenhof“ führen. Anno 1622 nennt sich Adolf von der Mark „fürstlicher Richter zu und außerhalb Sen denhorst“. Aus dem einstigen Befugnisbereich des Gogcrichts Sendenhorst stammt das Markcngcricht Sendenhorst. Im 18. Jahrhundert untersteht cs dem Magistrat. Sendenhorster Konsuln befinden über Hude und Schüttung des Weideviehs auf den Marken auch in Albersloh, Drensteinfurt, Hoetmar und Rinkerode. Im jungen 19. Jahrhundert, allerdings nur für die beiden Jahre von 1815 bis 1817 und allem Anschein nach auch „nur auf dem Papier“, macht das „Stadt- und Landgericht Sendenhorst“ von sich reden. Den größten Gesprächsstoff aber gab das heimliche Gericht der Feme. Denn mit dem Namen Sendenhorst verbindet sich das Schlußkapitcl der Feme im Münster land, sofern man der Überlieferung trauen darf. Nach dem Fememord an dem Sendenhorster Bürger namens Hesso, einem vorwitzigen Mitwisser, den im Jahre 1516 auf dem Heimgang just von einer Hochzeit auf dem Senden horster Hof Horstrup die auflauerndcn Schoflen aufhängten, soll Münsters Fürstbischof Erich I., Herzog von Sachsen-Lauenburg, das Femegericht fortan für seinen Machtbereich verboten haben. „Hessenbaum“ und „Horstrups Krüs“ geben noch heute den schaurigen Hinweis. Aber nicht das Rechtsleben, sondern der Kirchenkontakt haben Sendenhorst seine Selbständigkeit gegeben. Die „Villa Sendenhorst“ des Jahres 1175, die nicht mehr Bauerschaft war und noch nicht Stadt wurde, hatte sich um die Kirche von St. Martin ausgedehnt. Die Pfarrkirche gilt als Gründung des Bischofs von Münster. Allem Anschein nach hat Bischof Werner, Freiherr von Steusslingen, um 1140 das Kirchspiel Sendenhorst gebildet. Wie bei weiteren Kirchspielgründungen des 12. Jahrhunderts (Roxel) geschah die Fundierung mit der Wirtschaftshilfe der ortsansässigen Ministerialenfamilie,
hier cler Herren von Sendenhorst. Sie standen just in jenen Jahren auch in des Bischofs Diensten. Zudem wurden zu jener Zeit, besonders auch im südlichen Münsterland, kirchliche Neuordnungen vorgenommen. Erst im Jahre 1230 jedoch wird die Pfarre Sendenhorst urkundlich belegt. Sie umfaßt mit dem Ortskern die sieben ßaucrschaften Brock und Bracht, Jönsthövel und Hardt, sowie Rinkhöven, Ebnenhorst und Sandjort. In ihnen stecken die An teile der älteren Nachbarpfarreien Ennigerloh, Everswinkel und Albersloh. Auch ihre Namen reichen in die sächsische Sicdlungszcit zurück, und auch sie werden in den Heberollen der dort begüterten Klöster Freckenhorst und Werden genannt. Zu ihnen gehört auch der Name der Bauerschaft Schorlemer, die seit langem den Namen des einstigen Haupthofes Rinkhöven führt. Tiefsinniger Ausdruck der Zusammengehörigkeit der sieben Bauerschaften mit dem Kirchort Sendenhorst und seiner Bürgerschaft, hier vertreten durch die Webergilde, wurden später die acht Opferlichter im Chor der Martins kirche. Diese Martinskirche, einer unter den mehr als Dutzend im Bistum Münster, wurde im 13. Jahrhundert im romanischen Stil neu gebaut, erhielt zu später Zeit gotische Zutaten, hatte überdies bereits Elemente des Über gangsstils, wie er am deutlichsten am Dom zu Münster ausgeprägt ist und wurde 1854 abgebrochen. Ihren Abbruch bedauern wir heute um so mehr, nachdem sie ein zwar schlichtes, kunsthistorisch jedoch bemerkenswertes Got teshaus war (Wilhelm Lübke, 1853). Der Neubau im neugotischen Stil fand aber die Zustimmung der Zeitgenossen, bot Raum der gewachsenen und wei terhin wachsenden Gemeinde und gab den verschönerten Gottesdiensten den festlichen Rahmen. Er ist das Werk des Sendenhorster Pfarrers Bernhard Lorenbeck, der als begeisterter und begeisternder Planer und Mitarbeiter eigens die Ziegelei zu Sendenhorst für diesen Kirchbau anlegtc, selber die Formen für die Zierate entwarf und herstellte und für die Anfuhr der für den Westturm bestimmten Bruchsteine aus der auf Abbruch angekauften „steenernen Schlusc“ des einstmals fürstbischöflich-münsterischen Max-Clc- mens-Kanals sorgte. Acht Stunden zogen vier Pferde den langen Weg von Greven oft lediglich einen dicken Stein. Viele kleine Steine „fielen“ unterwegs vom Wagen, aus denen eine frühere Behelfskantine der Kanalarbeiter, das danach nun noch so benannte Gasthaus der „Höltcncn Schluse“ bei Sprakel, sein massives Mauerwerk erhielt. (Mitteilung des inzwischen verstorbenen Gastwirts Renfert, Sprakel).
Mit dem Abbruch des alten Gotteshauses verging das mutmaßlich älteste Sendenhorster Sankt Martinsbild, ein überpinseltes und verwittertes Freskos der Innenwand. Das Bild des Kirchenpatrons, des aus dem damals römi schen Ungarn (Pannonien) stammenden Soldaten und nachmaligen Bischofs im fränkischen Gallien, des Helfers hoch zu Roß, der den Mantel an den Bettler teilt, kam aus dem Sakralraum in den Profanbereich der Kommunal verwaltung, wurde zum Siegelbild der städtischen Urkunden und zum neu zeitlichen Wappenbild der Stadt Sendenhorst. Nach dem ältesten auf uns gekommenen Siegclbild einer Urkunde vom Jahre 1489, (Stadtarchiv Soest), schuf der Königlich-Preußische Hofwappcnmaler Rehling Anno 1910 zu Berlin jenes Stadtwappen, zu dem Kaiser Wilhelm persönlich Meinung und Genehmi-
Brände, Kriege und Seuchen
gung gab und das zugleich auch als Sinnbild vielhundertjähriger Magistrats geschichte die Front des 1911 an alter Stelle neugebauten Rathauses ziert. Sen- denhorster Urkunden aus jenen frühen Jahrhunderten geben allerdings nur spärliche Einblicke in die Sendenhorster Stadtgeschichtc. So ist es eine Urkunde aus dem Jahre 1315, in der Sendenhorst erstmalig als Stadt bezeichnet wird. Diese Tatsache ist uns der Anlaß zum Jubiläum „650 Jahre Stadt Sendenhorst“. Wann aber Sendenhorst Stadt geworden ist, läßt sich auf Jahr und Tag nicht bestimmen. In jenen Jahren jedoch, als auch Ramsdorf und Rheine um mauert wurden, beziehungsweise Stadtrecht erhielten, mag dieses Senden horster Datum geschehen sein. - Fast ein halbes Jahrhundert lang regierte damals Landgraf Ludwig von Hessen, der Urenkel der Wartburg-Heiligen Sankt Elisabeth, als Fürstbischof von Münster. Obwohl er selber lauter und barmherzig war, führte er dennoch viele Kriege, wie die Chronik sagt. In der märkisch-münsterischen Fehde von 1323 verwüstete und verbrannte Graf Engelbert von der Mark Sendenhorst. Nach dem November-Vergleich von 1323 erhält das wiederaufgebaute junge Städtchen die erste Befestigung: Wall und Graben und das Burghaus binnen den Wällen. Wall und Graben blieben bis in die Neuzeit. Als Münster seinen Mauergürtel in einen Promenadenring verwandelte, legte Anno 1778 auch Sendenhorst seine Wälle nieder. Die vier nach den Himmelsrichtungen geheißenen Tore jedoch verschwanden erst Anno 1841. Der Judenfriedhof am Wibscnwall blieb als letzter Rest. — Ob wohl Sendenhorst mit einer vielhundertjährigen Geschichte aufwartet, bietet die Stadt keine ins Blickfeld fallende Bauten der Vergangenheit. Die Häuser der Gewerbetreibenden und Ackerbürger der Altstadt stehen an relativ brei ten Straßenzügen. Der Wiederaufbau nach dem Großbrand des Jahres 1806 erfolgte mit schon neuzeitlich städtebaulicher Maßnahme.
Sendenhorst hat oft gebrannt. Die vielen Katastrophenjahrc haben den Aufschwung der Stadt in früheren Generationen gedämpft. Die Folgen der Notjahre wurden nämlich lange getragen. Die wichtigsten Daten des „Roten Hahns“ über Sendenhorst sind nächst 1323, als die ganze Ortschaft in Asche gelegt wurde: der 23. Oktober 1529 mit dem Totalbrand der Stadt samt Turm und seinen fünf Glocken, der 3. November 1639 mit dem Verlust von achtzig Häusern, der 29. Dezember 1650, also nur elf Jahre später, als nochmals fünf zig Häuser und nun auch das Rathaus verlorengehcn, der 19. September 1749, als die halbe Stadt, nämlich mehr als hundert Häuser samt Pastorat und Südtor niederbrennen, der 29. April Anno 1806, als von den 2S0 Häusern gar 154 abbrennen und nun erneut Rathaus, Pastorat, Kirchturm samt Glocken auflodern, und der letzte Großbrand vom 12. August 1SS5, der im Verhältnis zu den vorherigen Katastrophen dennoch nur geringe Ausmaße, aber die für den weiteren Feuerschutz wichtigste Folgenwirkung fand. Da lediglich die schnelle Nachbarschaftshilfe der Wehren von Münster bis Ahlen die größeren Schäden in Sendenhorst verhinderten, bewirkte dieser Eindruck die spontane Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Sendenhorst“ schon einige Tage später. Zu ihrem Silberjubiläum Anno 1910 wurde der erste Geschichtsabriß über Sendenhorst vorgelegt (Peter Werland/Münster). Zwischen jenen Groß brandjahren liegen viele mindertraurige Daten. Einige Brandkatastrophen
fielen zudem in kriegerische Zeiten. Nach solchen doppeltbelastetcn Jahren wie im Dreißigjährigen Krieg und in der napolconischen Zeit vollzog sich der Wiederaufbau noch schleppender, als dies schon an sich in den nicht immer fetten Wirtschaftszeiten geschah.
Die dunklen Daten der Senclenhorstcr Kriegschronik beginnen wiederum mit dem Hiobsjahr 1323. Mit den Kriegsknechten marschierte immer wieder der Kummer, auch wenn sie nicht die Lunte an die Häuser legten; Soldatcn- quarticr zu werden oder gar langfristig terminierte Garnisonstadt zu sein, war eine der vielen Plagen von Anno dazumal. Anno 1450 wird Sendenhorst „Kostplatz“ münstcrischcr Kriegsknechte des Demagogen und Diktators Jo hann von Hoya und seiner münstcrischen Mitläufer, die den rechtmäßig ge wählten Bischof bekriegten. Mit der „Sendenhorster Tagfahrt“ fand diese sieben Jahre währende „Münsterische Stiftsfehde“ ihre Beendigung. In der Wiedertäufer-Revolution verfügte sich Meissener Militär aus der Münster belagernden Reichsarmee nach Sendenhorst. Die den Deserteuren nachgefah renen Geschütze brachten sie nach kurzem Gefecht auf Jungmanns Hof in das Verwahr der hinter ihnen zugesperrten Wolbeckcr Kirche. Viertausend Braunschweiger Infanteristen werden in der Braunschweiger Bischofsfehde von 1553 den Sendenhorstern zur Landplage.
Sendenhorst-Stadt und -Land leiden, als die vom Landesherrn ins Land ge rufenen Spanier, laut zeitgenössischer Publikation (1599), diese Stadt wie andere feste Orte „bedräuet, beschossen, gestürmet und eingenommen ha ben“. Bis aufs äußerste ausgcmergclt hat der „Tolle Christian“ von Braun schweig die Stadt Sendenhorst, in der er fünf Tage im Monat Mai Anno 1626 sein Hauptquartier aufschlug. Von Sendenhorst aus wiederholte er seine Geldforderungen an Münster in unverschämter Höhe, die dennoch bezahlt wurden. Aber im nächsten Jahre kam die kaiserliche Armee mit den für Sendenhorster Quartier bestimmten drei Reiterfähnlein des Grafen Anholt. Sie waren nicht braver als die Hessen, die am 27. Oktober 1637 Stadt und Land von Sendenhorst plünderten. Im Jahre 1734 belegten Truppen der durch- marschierendcn preußischen Armee für die Länge eines Winters ihr Quar tier nach Sendenhorst. In den Maitagen von 175S, zur Zeit des zweiten Siebenjährigen Krieges in unserem Land, belegten Soldaten des Hannover schen Infanterie-Regiments von Diepenbrock die Sendenhorster Quartiere. Zwei Jahre später hat man auf den Raum Sendenhorst so viele Soldaten ver teilt, daß ihrer gleich drei Dutzend auf einen Hof gekommen waren. Die napoleonische Zeit brachte ihre großen Veränderungen im Kommunalgefüge, verschonte aber die Stadt mit den dicksten Schreckensdaten. Anno 1848 waren cs die Sendenhorster selbst, die ihre „Revolution“ riskierten. Sie taten dies kurios und kurzfristig. An den Kriegen des 19. Jahrhunderts nahmen Scnden horster Söhne all die Jahre teil. Ihren Toten erwies die Stadt die gebührende Ehrung wie auch jenen hundert Gefallenen, die der I. Weltkrieg und der noch größeren Zahl von Opfern, die der II. Weltkrieg aus Stadt und Kirchspiel heischten. Ihrer aller Namen wird das Ehrenblatt im kommenden Heimatbuch nennen.
wenn die Unglückschro- 1350 und 1382 blieben für Pest, Brand und Krieg werden zusammengenannt, nik aufgeschlagen wird. Die großen Pestjahre von Sendenhorst ohne Beleg. Es war aber Pestzeit im Land, als der Sendenhorster Pfarrer Johann von Plönies eine Vikarie-Stiftung u. a. des Pestpatrons Se bastian tat. Jedoch die erste für Sendenhorst belegte Pestwelle ist das Pest jahr 1606. Die Ausmaße jedoch sind nicht bekannt.
Aber sowohl im Dreißigjährigen wie auch im Siebenjährigen Krieg brachten die Soldaten Kriegsseuchen in die Quartiere. An ihnen starb die nicht minder ausgemergelte Zivilbevölkerung „wie die Fliegen“. Auch solche Seuchen wur den als Pest bezeichnet. Als 1760/61 die Soldaten zu Dutzenden in engsten Quartieren lagen, hinterließen sie der Sendenhorster Bürgerschaft den Typhus. Binnen kurzer Zeit starben 167 Sendenhorster. Aus der aufgeschreckten Hauptstadt und dem Münsterland wurden anderthalb Dutzend Ärzte nach Sendenhorst kommandiert. Aber auch die Viehseuchen zogen die Menschen in Mitleidenschaft. Jahre der „Knbpesl“ (Maul- und Klauenseuche) waren u. a. 1750 und 1769. — Die grausigste aller damaligen Krankheiten, die Lepra, wurde auch im Raume Sendenhorst registriert. Die Zahl der Leprakranken blieb hier jedoch stets begrenzt. Zeitweilig gab es nur einen Aussätzigen, der allein im Leprosorium saß, ausgesetzt in des Wortes wahrem Sinn.
Die Daten der Unglücksjahre wurden aber auch zu Merkzeiten der Caritas und des Gemeinsinns. Wie nach der Zerstörung von 1323 Sendenhorst seine Umwallung und nach dem Brande von 1SS5 seine Freiwillige Feuerwehr erhielt, so baute es das Leprosorium für die Aussätzigen und das Armenhaus für die Invaliden. Das Armenhaus wurde 1876 abgebrochen; an das bereits zuvor beseitigte Leprahaus erinnert die nun noch als Segensaltar verwandte Laza ruskapelle vor der Stadt. Im Jahre IS 17 hat die Stadt nicht einmal mehr einen Arzt, bald aber doch eine Apotheke. Anno 1SS9 wird das neue Krankenhaus eingeweiht, das als *St.-Josef-Stift« über Sendenhorst hinaus bekannt ist, seit 1923 als Tuberkulosen-Heilstätte und orthopädische Fachklinik zu stei gendem Ansehen gekommen und heute mit dreihundert Betten und angeglie derter Sonderschule zu einer der größten karitativen Institutionen im Lande geworden ist. Von weit und breit kommen Patienten nun nach Sendenhorst. Seit nun 75 Jahren ist dieses Haus der Caritas ein nicht minder beeindrucken des Denkmal für den Nachruhm eines Sohnes seiner Vaterstadt als das Ni- kolaus-Cusanus-Hospital des großen Kardinals Nikolaus von Cues, das selbst noch nach einem halben Jahrtausend in seiner Mosel-Heimatstadt Cues flo riert. Nicht weit von der römischen Titelkirche des Kardinals Cusanus und nah der Gruft des ihm befreundeten münsterischen Bildhauers Wilhelm Achtermann ruht auch Joseph Spithöver, der als Zimmermannssohn 1813 in Sendenhorst aufwuchs, als Coesfeldcr Buchbindcrgescll mit zwölf Silber groschen Anno 1841 auf die Walz gen Süden ging und von München aus nach Rom wanderte, um immer dort zu bleiben. Der durch Buch und Bau grund in Rom reichgewordene Junggeselle half den Rom-Pilgern aus der Heimat und den Patienten zu Sendenhorst. Als er — drei Jahre vor seinem am 12. Januar 1892 zu Rom erfolgten Tode - zur Obergabefeier seiner
Kirche, Stift und Bildung
Stiftung am 16. September 1889 erstmalig wieder in die Heimat kam, bot ihm Sendenhorst einen Empfang, der zu den großen Festtagen der Stadt gezählt wird. Ein anderer Sendenhorster Sohn, der 1863 geborene Priester- dichter Franz Engelbert Happe, rühmt den wuchtig aufsteilcnden Hospitals turm als neues Wahrzeichen der alten Stadt. Der Münsteraner Wilhelm Rincklakc, der nachmalige Benediktiner zu Maria-Laach, der fünf Jahre später den Baumberg-Dom zu Billerbeck baute, schuf auch diesen Bau. Mit ihm ist der Glockenturm von St. Martin Blickfang von Stadt und Land. Vor nun hundert Jahren wurde die neue Martinskirche cingeweiht. Münsters Bischof Dr. Georg Müller konsekrierte sie. Dieser 14. November 1865 wurde zu einem weiteren denkwürdigen Tag Sendenhorster Historie. Der Bischof ist auch dabei gewesen, als zehn Jahre zuvor der Grundstein zum Neubau gelegt worden war. Pfarrer Bernhard Lorenbeck hatte den Tag der Vollendung nicht mehr erlebt. Adolf Kolpings Nachfolger im Amte des Gesellenvaters wurde auch sein Nachfolger: Pfarrer Reinermann. - Denkwürdig ist auch der Tag der goldenen Primiz des Sendenhorster Pfarrers Dr. Franz Wilhelm Darup aus Darup. Fast fünfzig Jahre wirkte er bis zu seinem Tode im Jahre 1836. Das Kirchenbuch nennt ihn schlicht einen „berühmten Mann“. Seine Andachts und Erbauungsbücher fanden sich in vielen Händen. Sie trugen den Namen des Sendenhorster Pfarrers, Domherren und Landdechanten in die Weite des Bistumsgebietes. Zu seinem Fest kamen Münsters Bischof Caspar-Max, Freiherr Droste zu Vischering und der Oberpräsident von Vincke. Pfarrer Darup schrieb nicht nur viele Bücher in seiner Klause des nach dem Großbrande von 1806 von ihm erbauten Sendenhorster Pastorats, das noch heute als das schönste Haus des Städtchens gilt, er weihte auch viele Glocken für den Turm von St. Martin, insgesamt gar fünfzehn an der Zahl. Die ersten, die er segnete, zerschmolzen, als Anno 1806 auch die Glockenstube in Flammen stand. Das zerflossene Blei wurde zum Rostoff für den neuen Glockenguß, den wenige Jahre später der Gclbgießer Merkel aus Warendorf in die vier neuen Formen leitete. Dem Gelbgießer fehlte die Erfahrung. Die neuen Glocken sprangen bald, sie verstummten nun für viele Jahre, gleichsam als Mahn zeichen wirtschaftlich karger Tage jener Jahre des noch jungen neunzehnten Jahrhunderts. Erst nach vielen Jahren, Anno 1834, gab der Landdechant Dr. Darup weiteren vier neuen Glocken von St. Martin den Segen der Kirche. Sic . riefen bis in unsere Tage mit ihrem alltäglichen Ton der kleinen Rufglocke zur Messe, mit kräftigerem Klang im Namen der Nothelferin Catharina, der Patronin der Schüler und der Weber, mit der stärkeren Stimme der Ludgcrus- glocke und mit vollem Munde im Namen des Kirchenpatrons Sankt Martin. Mit dieser letzten Glockcnweihe verbindet sich das Ereignis des Sendenhorster Glockengusses. Ihn vollzog in den August-, September- und Oktobertagen des gleichen Jahres 1834 in zwei Arbeitsgängen der in Düren seßhaft gewordene Franzose Pierre Boitcl mit drei seiner ebenfalls aus Frankreich gekommenen Gesellen. Das Werk ihres Meisters loben auch die lateinisch gehaltenen „Le genden“ der Glocken zu Senden, Venne und Westkirchen und von St. Servati zu Münster. Ganz Sendenhorst sei 1834 auf den Beinen gewesen, als Senden horster Mühlenbaumeister die zerborstenen Glocken vom Turme lösten, Schmiedemcister sic zu neuem Rolimateri.il zerschlugen, Zimmermeister den Werkplatz an der Wcstcnkapellc umzäunten, Sendenhorster Fuhrleute mit dem zusätzlich benötigten Erz aus Buldern gefahren kamen und Polizeiver stärkung aus Beckum das Publikumsgedränge bändigte. Aber Peter Boitel hatte Pech. Die zwei größten Glocken mißrieten in Mißgeschick, mit dem Erz zerfloß buchstäblich auch sein ganzer Gewinn im Sande. Der Meister, der den schon für Sendenhorst gewonnenen Konkurrenten Petit in Gescher um fast die Hälfte unterboten hatte, goß „Ludgerus“ und „Martinus“ nach. Erstmalig erklangen sie alle vier in der Martinus-Oktav 1834 für ein in Jahren und zu letzt in Wochen und Tagen ungeduldig gewordenes Sendenhorst „zur Eintracht, (und) zu herzinnigem Vereine“.
Dr. Darup war einst auch Schulinspektor gewesen. Das Schulwesen der Stadt Sendenhorst ist aus dem Leben der Kirche erwachsen. Uber die Schulver hältnisse berichten Notizen seit der Visitation vom Jahre 1571. Den Schulneu bauten des 19. Jahrhunderts, zuletzt dem Jahre 1878 an der Schulstraße, folgten die Neubauten Anno 1951 der katholischen „Kardinal-von-Galen- Sclmle“, die mit ihrer Namenswahl an den münsterischen Bekennerbischof erinnert, der in den schwersten Monaten des Kriegsendes und der Nach kriegszeit als Evakuierter aus der bombenzertrümmerten Bischofsstadt nun von Sendenhorst und seinem Domizil im Josefsstift aus das Bistum leitete, zehn Jahre später der zweiten katholischen Volksschule sowie der seit 1948 zunächst in Notunterkünften und älteren Schullokalen bestehenden evange lischen Volksschule, die den Namen des Humanisten und Reformators Melanch- thon führt, beide gelegen am Teigelkamp, sowie 1964 der kath. Realschule Sendenhorst in Nähe des neuen Wasserturms. Sie hat ihre Vorgängerin in der „Rektoratschule Sendenhorst", die von 1859 bis 1907 eine Filiale des Wa- rendorfer „Laurentianums“, von 1920 bis 1940 aber eine von Stadt und Kirch spiel Sendenhorst unterhaltene Privatschule war. In den Zwischenjahren war sie aufgelöst. Drei Jahre der ersten Nachkriegszeit, von 1946 bis 1949, weilte das münsterische »Hittorf-Gymnasium« im alten Sendenhorster Rathaus am Westtor sowie in den früheren „HJ“-Baracken zu Gast. Für die Dauer einer Generation, von 1S3S bis 1870, unterhielt die jüdische Kolonie Sendenhorst Kammern eines Schneidermeisters die aus finanziellen Grün- m gemieteten den später eingegangene „Judenschule". Fünfzig Kinder besuchten die Sen- denhorster Volksschule, als erstmalig ihre Zahl im Jahre 1613 ermittelt wur de. Mehr als hundert waren cs 1777, nachdem letzten mittlerweile der Schul zwang eingeführt worden war. Die 745 Kinder der letzten Nachkriegszeit mußten im Schichtunterricht unterwiesen werden. Viele Neubürger aus Eva kuierung und Heimatvertreibung hatten Stadt und Kirchspiel Sendenhorst vor und nach 1945 aufgenommen. In den Baucrschaften verdoppelten die Hinzugekommenen die Zahl der eingesessenen Einwohnerschaft. Sie und wei tere Neubürger drängten nach der Währungsreform von 1948 in die Stadt, als das erste Viertelhundert neuer Eigenheime am Martiniring gebaut wurde. Seitdem sind weit über zweihundert neue Häuser mit mehreren hundert Wohnungseinheiten gefolgt, im Nordviertel westlich und östlich der Telgter Straße und im Südosten der Stadt Sendenhorst, wo allein dreihundert Grund-
Stadtentwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft
stücke ausgewiesen wurden. Das neue Sendenhorst wuchs u. a. um den neuen Markt am Lambertiplatz. Der alte Grüngürtel mit Promenadenring, Friedhof, Nordenbleiche, einer halben Hundertschaft Dauerklcingärten und der allein dreißig Morgen große Park am josefsstift wurden aufgefrischt, der Kirchplatz in der Stadtmitte wird neu gestaltet. Zu dem evangelischen Gotteshaus wird Sendenhorst zu späterer Zeit laut fcstgelegter Planung seine dritte Kirche bekommen. Die weitere Planung sieht auch eine Badeanstalt und den zweiten Kindergarten vor. Zu den beiden neuen Sporthallen am Westtor und an den Teigclkamp-Schulen gesellten sich Sportplatz und Ten nisplatz. Die jungen Leute erwartet das neue Jugendheim mit der Pfarrbü- cherei an der Kirchstraße. Sport und Spiel, Besinnung und Tun füllen dem Berufstätigen die sich längenden Freizeitstunden. Die Sendenhorster Altbür- gcr und ihr Bevölkerungszuwachs fanden nach 1948 ihren Arbeitsplatz in einem Dutzend ncuangcsiedelter Betriebe, die ihrerseits wieder den Namen Sendenhorst auf die Märkte und zu den Verbrauchern tragen. Noch 500 Aus pendler fahren alltäglich zur Arbeit in die Nachbarschaft.
Der Handel und Wandel in der Sendenhorster Bürgerschaft nahm seinen er sten Aufschwung aber erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als von der Stadt zum benachbarten Drensteinfurt eine Anschlußstraße zu der am 26. Mai 184S eröffneten Eisenbahnlinie Münster-Hamm gebaut worden war. Erst 55 Jahre später, Anno 1903, erhielt mit der Eröffnung der Linie Münster- Neubeckum der Westfälischen Landcscisenbahn auch Sendenhorst mit seinem Bahnhof die nötige unmittelbare Verkehrsverbindung. Aber auch in früheren Zeiten war die Verkehrslage relativ gut. Über den Sendenhorster Markt und seine Straßen lief seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine der ersten Postlinien des Münsterlandes, die alte kaiserliche Post der nachmaligen Rcichs- fürsten von Thum und Taxis zu Regensburg. Mehr als zweihundert Jahre, in sieben Generationen, war die Sendenhorster Postmeisterei im Besitz der gleichen Sendenhorster ureingesessenen Familie Zurbonsen verblieben, die um 1670 Heinrich Bonse übernommen hatte. Der Handel behielt dennoch die enggezogenen Verhältnisse der wallumfriedeten Stadt. Die Grundlagen der Existenzsicherung gaben Ackerbürgertum, Hausweberei, Kleinhandel und Handwerksbetriebe. Lediglich die Leineweber, fünfundfünfzig an der Zahl, Anno 1805, bildeten eine eigene Gilde. Ihr verlieh der Landesherr, Fürst bischof Friedrich-Christian von Plettenberg, im Jahre 1695 die Privilegien. Anno 1730 wurde das unter der Leitung von jeweils zwei Gildemeistern stehende Sendenhorster Linnentuchmacheramt vor dem Sendenhorster Rich ter, Gograf Johann Christian Bisping neu geregelt. Damals erhielten die Lehr linge dieser Branche nicht nur keinen Lehrlingslohn, sondern sie mußten überdies auch* Immatrikulationsgebühren für die Amtsrolle, Lehrgeld an den Meister — fünf schwerzuverdienende Taler — und ein Paar Pantoffel an die Frau Meisterin zahlen. Die Hausmannskost war dabei karg und wurde nicht einmal immer gewährt. Im Jahre 1769 taten die Sendenhorster Leinweber einen sozialen Aufstieg. Fortan konnten auch die Weber Konsuln von Sen denhorst werden. - Noch vor der lokalen Wirtschaftsmisere, nach dem Groß brand von 1806, notierte die wohlmeinende junge preußische Verwaltung:
„Sendenhorst ist ganz unbedeutend“ obwohl der Verfassung nach eine Stadt dieses Sendenhorst sei, möge man den Ort dennoch aus humanen Gründen steuerlich wie das platte Land behandeln. Ein Jahr später, nach dem Brande, bekundete der selber randvoll in Sorgen steckende preußische König Fried rich-Wilhelm vom Schloß Charlottenburg aus dem »Städtchen Sendenhorst« zwar Wohlwollen und landesväterliches Mitlciden, nicht aber die zugesagten Gelder. Aber auch in früheren Jahrhunderten, als selbst heutige Großstädte in Kleinstadtluft lebten, stolz sich jedoch „Capital- und Prinzipalstadt“ titu lierten, war Sendenhorst lediglich ein „Staedeken“. So wird es genannt in der Urkunde des Jahres 1490, als der Fürstbischof Heinrich Graf von Schwar zenberg die Sendenhorster Privilegien bestätigt. In der Reihe der landtags fähigen Städte wurde Sendenhorst nie erwähnt, in der Aufzählung der Städte aus dem Oberstift Münster plazierte man es daher meist an die letzte Stelle. In dem auch noch so kleinen Städtchen jedoch sprengte das Wirtschaftsleben den Rahmen der Selbstversorgung. Dreizehn Bäcker, zwölf Brauer und drei Brenner versorgten Stadt und Kirchspiel mit „Weißbrot, Bier und Brande wein“, als das Städtchen Anno 1805 nicht ganz 1300 Einwohner zählte. Den Pumpernikel buck man noch im eigenen Backs. Das Sendenhorster Bier ge hört der Vergangenheit an. Der Sendenhorster Korn aber hat seine viel hundertjährige Berühmtheit bewahrt. Auch der Chronist fCumann schrieb vor nun 150 Jahren das oft zitierte Wort: Sendenhorst treibt starke Branntwein- brennery«. Auch die Viehzucht auf den Sendenhorster Fettweiden und der um 1800 besonders von den Sendenhorster Juden betriebene Viehhandel machten damals von sich reden. Dem Sendenhorster Viehmarkt hatte der umsichtige Bürgermeister Langen jedoch keine weitreichende Anziehungskraft verschaf fen können. Für Sendenhorst selbst sollte der Markt- und Tanztag von Anno ISIS »gleichsam ein Tag der Erholung von der Ernte« werden. Was der Vieh markt in dem Hungerjahr ISIS nicht vermochte, tat der Wirtschaftsschwung der Gründerjahre nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Als auch im Sendenhorster Kreidemergel das Strontianit zutage trat, lockten die koh lensauren Salzkristallc des nach seinem Hauptvorkommen bei der schottischen Stadt Strontian benannten Strontium-Metalls die Sendenhorster Bauern knechte, die Kötter und die Heuerlinge von ihren Pflügen und die Senden horster Weber von ihren Webstühlen fort. Aber auch aus der weiteren Nach barschaft kamen die Arbeitssuchenden nun nach Sendenhorst. Das Wirtschafts wunder des Sendenhorster Siilwersteens währte jedoch nicht lange. Schon bald verlor die Industrie an diesen weißglänzenden Salzkristallen, die aus gerechnet für die süße Sache der Zuckerfabrikation verwendet wurden, jeg liches Interesse. Da gingen nicht nur die Fremden fort. Mit den Zugezogenen verljeßen jetzt auch viele Sendenhorster Bürger den Heimatort. Sic verdingten sich als Maurer in den länger anhaltenden Jahren des Bau-Booms. Die zu- packendeij Sendenhorster Maurergesellen haben mutmaßlich jenen Ruf auf- kommen lassen, dem als Redensart die Nachbarn den Sendenhorstern zwar spaßig, jedoch nicht ohne Respekt selbst heute noch nachhängen:
Pull an de Siet, Suupt alltiet.“ »Sennhorster Bracken, Pott up‘n Nacken,
Bei regem Handel relativ reich war in jenen Jahren aber die Sendenhorstcr Ju denschaft, die hier seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar ist und am Schlabber pohl ihre Synagoge baute. Noch im Jahre IS38 wohnten zu Sendenhorst in elf Häusern zwölf israelitische Familien, eine von ihnen war die Alsberg- Sippe, die bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert zur mächtigen Kaufmanns- dynastic sich emporgearbeitet hatte, deren Warenhäuser in mehreren west deutschen Großstädten gebaut wurden. Senior Alsberg aber hatte zu Senden horst in diesen Jahren noch mit Ziegenhäuten gehandelt.
Das Zusammenleben einer kleinen, jedoch geschäftstüchtigen, nichtchristlichen Minderheit mit einer Bürgerschaft bei begrenzten Ortsverhältnissen verlief naturgemäß nicht immer reibungslos. Es ehrt das tolerant werdende 18. Jahr hundert sowie die aufklärerisch tätigen geistlichen Behörden zu Münster, daß sie die Ursachen zu gelegentlichen Auswüchsen beseitigten. Leider wurde mit dem Spreu aber auch mancher Weizen weggeworfen. So verlor Sendenhorst, wie auch Beckum in jenen Jahren, die szenisch effektvoll gestaltete Karfrei tagsprozession, bei der ein Dutzend dunkelgekleidete Jungmänner wie in einem Passionsspiel die des Heilands Marterwerkzeuge tragenden Juden dar stellten. Im April 1721 hatte der Sendenhorstcr Magistrat diese barockfreu dig gebotene Karfreitagstracht gestiftet. Im Reigen der Jahresfeste bot der alte Sendenhorstcr Festkalender die eindrucksvolle Osterucht, das Lambertussin- gen im September und das dreitägig gefeierte Fest der Johannes-Bruder schaft. Selbst das Beisammensein der „Jansbroer“ hatte die übereifrige Be hörde Anno 1770 verbieten lassen. 1906 jedoch feierte die Bruderschaft, deren Könige glaubensfrohe und lebensfreudige Sinnsprüche auf die Silberschilder schlagen ließen, ihr Dreihundertjahr-Jubiläum. »Wahrheit und Friede schaf fen herrliche Triebe“ hatte der Schützenkönig der „Johanniter“ des Jahres 1862, Theodor Böcker, sich zum Losungswort gewählt. Fabrik, Eisenbahn und Pflug, symbolträchtige Embleme auch für die weitere Sendenhorstcr Zu kunft, zieren das über hundert Jahre alte Königsschild.
Sendenhorst, dessen Stadt und Kirchspiel in der Verwaltung für Jahr hundert getrennt gewesen waren, erhielt am 1. April 1955 seine „Wieder vereinigung“. Die Stadt im äußersten Nordwesten des Kreises Beckum hatte infolge ihrer Lage mehr als andere Städte und Gemeinden sich nach neuen Ämtern, Kreisen und Kantonen orientieren müssen. Die Stadt im altsächsi schen Dreingau, im 17. Jahrhundert Bestandteil vom Amt Stromberg, im 18. Jahrhundert vom Amt Wolbeck, kommt in der ersten preußischen Zeit von 1804 bis 1808 an den Kreis Warendorf, von 1808 bis IS 11 zum Kanton Ahlen im Arrondissement Hamm des Ruhr-Departements im Großherzog tum Berg. Von 1811 bis 1814, nunmehr napoleonisch wird Sendenhorst selbst Kanton und zählt selbst Wolbeck, den einstmaligen bischöflichen Amtsort, und Amelsbüren zu seinem Bereich im größeren Bezirk Dortmund. Mit der zweiten preußischen Zeit mit 1814 wird Sendenhorst zum Kreise Beckum geschlagen, dem es nun 150 Jahre angehört. Mit dem Amt Vorhelm blieb es von 1833 bis 1851 in „Personalunion“ verbunden, um mit dem 28. Oktober 1851 unter fortan wieder eigenem Bürgermeister amtsfreie Gemeinde zu werden. Da
Das 20. Jahrhundert & Sendenhorst als Bischofssitz
aber das Kirchspiel für noch mehr als hundert Jahre bei Vorhelm blieb, Stadt und Land Sendenhorst jedoch die gleiche Kirche und die gleiche Schule im gleichen Lebens- und Wirtschaftsraum „Groß-Sendenhorst“ behielten, er gab sich das ebenfalls vielgenannte Sendenhorster Kommunalkuriosum von säkularer Dauer.
Zu einem Ereignis von säkularem Erwähnungswert für die Sendenhorster Stadtgeschichte aber wurden jene sechzig Wochen vom Samstag, dem 14. Okto ber 1944 bis zum Dienstag, dem 18. Dezember 1945, in denen mit dem Bischof von Münster auch der größere Teil der Diözesanverwaltung aus der Bischofs und Provinzialhauptstadt Münster in das kleinste der Münsterland-Städtchen, nach Sendenhorst, gekommen war, während weniger wichtige Stellen der bischöflichen Behörden in die Nachbarschaft, nach Albersloh, sowie nach Gre ven und Gimbte evakuiert worden sind. Die Großangriffe vom Herbst 1944 mit der Zerstörung des Domes und fast aller noch bis dahin verbliebenen Kir chen war vorausgegangen. Clemens-August, Graf von Galen, wie viele andere auch längst zum Kellerbewohner geworden, kam mit einem Lastwagen nach Sendenhorst. Der Pfarrer von Sendenhorst, Pastor Westermann, und der Hausrektor, Pfarrer Huthmacher, hießen ihn in seiner neuen Residenz, den im überfüllten Sendenhorster Josefsspital freigeräumten zwei Zimmern, will kommen. In diesem Hause der Barmherzigkeit, das in den Jahren des 1. Welt krieges den Soldaten als Lazarett gedient hat, wurde in den fortan schwersten Wochen von Kriegs- und Nachkriegszeit viel Trost gegeben. Denkwürdig bleibt das Christfestamt von 1944 in der überfüllten Martinskirche, als der Bischof von der Sendenhorster Kanzel aus sein Wort zugleich auch an die vielen Eva kuierten richtete, in Stadt und Bauerschaften und an die Menschen draußen, so weit seine Stimme noch vernommen wurde. Denkwürdig bleibt aber auch der Gründonnerstag 1945, als zu Sendenhorst der Bischof öl und Chrysam für die weite Diözese weihte. Wie aber sollten Chrysam und öl in das bereits um zingelte Münster, in die inzwischen besetzten Gebiete und gar noch in das vom Einmarsch bedrohte und darum besonders gefährdete Bistumsgebiet gelangen: da radelten die Kapläne aus dem Münsterland, als Kuriere des hl. Öls, mit den Schreckensmcldungen der Invasionstage vor Ostern 1945 um die Wette, da fuhren in ihren Jeeps in den Tagen nach Ostern die Kriegskapläne der Alli ierten das heilige Öl ins Ruhrgebiet und in den Raum des Niederrheins. Von Ruhr und Rhein waren aber schon in den Wochen zuvor auf oft abenteuer lichen Wegen die Pfarrer ratsuchend zu ihrem Bischof nach Sendenhorst ge kommen. Zu ihm radelten sie auch in der gruseligen Nachkriegszeit auf nicht minder lebensgefährlichen Pfaden. Mit dem Messerstich im Rücken, von Russen überfallen, zerschunden und ausgeraubt, das alles tausend Meter von des Bischofs Residenz zu Sendenhorst entfernt, kam der neue Pfarrer von Hal dem in jenen Tagen den weiten Weg von Rees am Niederrhein nach Senden horst geradelt.
Von Sendenhorst aus tat der Bischof seine ersten Firmungs- und Visitations fahrten der Nachkriegszeit zunächst in der Sendenhorster Nachbarschaft des Dekanates Ahlen, später ins weitere Münsterland und schließlich auch ins
Ruhrrevier, an den Niederrhein und ins Oldenburger Münsterland. Sie sollten auch die letzten Bistumsreisen seines bald sich endigenden Lebens werden. - Der Name Sendenhorst war wieder in vieler Leute Mund und kam in die Gazetten des neutralen Auslands und der westlichen Siegermächte, als den einrollenden Soldaten und den hohen Militärbesuchen die Reporter auf den Fersen folgten. Von Sendenhorst aus appellierte der Bekennerbischof auch an das Gewissen der Sieger und forderte Gerechtigkeit und Schutz für das unter der Willkür der Besatzung sowie unter den raubmörderischen Übergriffen der russischen und polnischen Lagergruppen leidende Münsterland. Von Senden horst aus waren noch in den letzten Kriegstagen die entstellenden Gerüchte bis in den „Führer-Bunker“ nach Berlin gedrungen. Von Sendenhorst aus erfolgten Ehrenrettung und Würdigung des „Löwen von Münster“, über den fünf Tage nach seinem Abschied aus Sendenhorst, am vierten Adventssonntag 1945, der Rundfunk In den letzten Märztagen 1946 wurde Clemens-August Graf von Galen, mit dem Purpur des Kardinals, triumphierend soeben aus Rom zurückgekehrt, in den Ruinen des Domes zu Münster begraben. Mit den Kerzen und Blumen zu seiner Gruft im wiederaufgebauten Dom kamen seitdem auch die Sendenhor- ster viel. Sie gingen und gehen zu „ihrem“ Bischof, der in schwerster Zeit einer der Ihrigen in der Evakuierung gewesen war.
Rom seine Kardinalsernennung in die Welt kündete. aus
Im Jahre 1867 prägte der Schützenkönig Franz Stapel sich den Spruch: „Ein fröhliches Herz macht ein blühendes Alter.“ Sendenhorst, nach einem Dutzend Großbränden in seiner nun 650jährigen Stadtgeschichte und nach mehr als einem Dutzend harten Kriegsläuften und manchen bitterbösen Schlechtwetter- Not- und Seuchenjahren hat dennoch zu Zeiten, das fröhliche Herz nie vej gessen. Das gab ihm den Mut zu Wiederaufbau und Neubeginn, und das gil ihm auch die Hoffnung, sein blühendes Alter um weitere Säkula fleißig zu mehren. Adolf Risse
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