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Trinken, Tanzen, Feiern und Amüsement in Sendenhorst
Zur Geschichte einer Stadt gehören nicht nur Rathaus, Kirche, Handwerk, Landwirtschaft und große politische Ereignisse. Ebenso wichtig sind die Orte, an denen die Menschen ihre Freizeit verbrachten: Wirtshäuser, Gaststätten, Säle, Brennereien, Kirmessen, Schützenfeste, Tanzveranstaltungen, Kinos, Cafés, Kneipen und schließlich Discos.
In Sendenhorst lässt sich diese Geschichte über mehrere Jahrhunderte erstaunlich gut verfolgen. Die Quellen erzählen von Bier und Branntwein, vom Tanz unter Polizeiaufsicht, von Wirtshausschlägereien, vom Sendenhorster Korn, von vollen Tanzsälen, vom Saal Kaupmann, vom Bürgerhaus – und schließlich von City-Pub, Musik-Café und Disco.
Zeittafel – Sendenhorster Amüsement
| 1613 | Beschwerden über Branntweinausschank während der Messe. |
| 1638 | Wirtshausgelage und handfeste Auseinandersetzungen; Heinrich Hölscher schlägt Johann Fischer mit einer Zinnkanne ein Loch in den Kopf. |
| 1669 | Ein Streit nach Koit und Branntwein endet nach dem Verlassen eines Wirtshauses tödlich. |
| 1733 | Mehrtagige Feier der Junggesellen mit Bier, Musik, Umzug und Schießen. |
| 1810 | Wirtshäuser und Lustbarkeiten sollen um 22 Uhr enden; Tanz wird genehmigungspflichtig. |
| 1818 | Der Herbstmarkt soll Volksfestcharakter bekommen; ein öffentlicher Ball mit Eintritt wird veranstaltet. |
| 19. Jh. | Gastwirtschaft, Bierbrauerei, Kornbrennerei, Ausspann und Tanzsaal finden sich teilweise unter einem Dach. |
| 1924 | Eine Akte nennt 16 Sendenhorster Wirte im Zusammenhang mit Polizeistunde und Gaststättenüberwachung. |
| 1920/30er | Kirmesbälle, Silvesterbälle, Schützenfeste, Vereinsabende, Konzerte und Tanzvergnügen prägen den Veranstaltungskalender. |
| 1947/48 | Tanz, Karneval, Varieté, Vereinsfeste und Schützenfest kehren nach dem Krieg zurück. |
| 1975 | Hotel und Saal Kaupmann verschwinden; das Bürgerhaus übernimmt einen Teil der gesellschaftlichen Funktion. |
| 1980er | City-Pub und Musik-Café stehen für eine neue Kneipen- und Jugendkultur. |
| 80er/90er | Abbylaine, Disco an der Hoetmarer Straße und weitere neue Formen des Nachtlebens. |
| ca. 1996 | Ein erinnerter Vorfall im Umfeld der Disco an der Hoetmarer Straße führt zu einem Polizeieinsatz. |
| heute | Klassische Kneipenkultur nimmt ab; Schützenfeste, Vereinsfeste, Märkte und Gastronomie führen die Tradition in veränderter Form fort. |
Die ältesten Sendenhorster Gastwirtschaften waren keine Restaurants im heutigen Sinne. Häufig betrieben Bäcker und Brauer den Ausschank nebenbei. Tagsüber wurde Brot verkauft, abends Bier ausgeschenkt. Petzmeyer nennt verschiedene Häuser als Schauplätze von Gelagen, Beleidigungen und handfesten Streitigkeiten.
Getrunken wurde vor allem örtlich gebrautes, obergäriges Bier. Daneben war Koit verbreitet, das beispielsweise aus Hamm oder Münster eingeführt wurde. Auch Branntwein war bereits bekannt. Schon 1613 beklagte sich der Pfarrer über Branntweinausschank während der Messe.
1638 – Heinrich Hölscher und die Zinnkanne
Ein Brüchtenregister berichtet, dass Heinrich Hölscher Johann Fischer auf dem Rathaus mit einer Zinnkanne „ein Hol [Loch] in den Kopf geschlagen“ hatte. Die Quelle spricht ausdrücklich von einer Zinnkanne. Im selben Umfeld finden sich weitere Fälle, in denen Krüge oder Kannen bei Streitigkeiten als Wurf- oder Schlaggegenstände dienten.
1669 endete ein Wirtshausbesuch noch ernster. Nach Koit und Branntwein gerieten die Brüder Hermann und Bernd Wessel mit Johann Münstermann darüber in Streit, wer den Branntwein bezahlen solle. Die beiden Brüder wurden als „ganz voll und toll“ beschrieben. Nach dem Verlassen des Hauses eskalierte der Streit; Münstermann erlitt tödliche Verletzungen.
Am 22. Juli 1733 hatten sich die Sendenhorster Junggesellen „lustig gemacht“ und auf dem Rathaus getrunken. Das Bier lieferten die Bürgermeister Johann Berndt Wieler und Ferdinand Hölscher. Mit Fahne, Trommel und Musik zog die Gesellschaft anschließend durch die Straßen. Am folgenden Tag ging es zum Schießen in die Ostheide.
Die Feier zog sich über mehrere Tage. Man kehrte zum Rathaus zurück und trank schließlich beim Haus des Schützenkönigs noch bis tief in die Nacht. Bereits hier erkennt man Grundelemente späterer Sendenhorster Festkultur: Bier, Musik, Umzug, Schießen und gemeinschaftliches Feiern.
Feiern war lange Zeit keineswegs reine Privatsache. Die Obrigkeit regelte, wann und wie lange getrunken und getanzt werden durfte. 1810 ordnete Bürgermeister Langen an, dass die Wirtshäuser um 22 Uhr schließen sollten. Auch öffentliche „Lustbarkeiten“ sollten zu dieser Stunde enden.
Tanzgesellschaften benötigten eine schriftliche Genehmigung. Wer länger feiern wollte, musste zusätzlich zahlen. Die Gebühren kamen zumindest teilweise der Armenkasse zugute. Das Prinzip war einfach: Wer sich ein Vergnügen leisten konnte, sollte auch etwas für die Armen beitragen.
1818 wurde Unterhaltung bereits bewusst als Mittel eingesetzt, um einen Markt attraktiver zu machen. Der Herbstmarkt sollte Volksfestcharakter bekommen, und der Kaufmann Everke veranstaltete einen öffentlichen Ball mit „Entrée“. Auch Fastnacht, Fronleichnam und Martinstag waren traditionelle Anlässe für gemeinschaftliches Feiern.
Über viele Jahrzehnte gehörte Kornbrand so selbstverständlich zu Sendenhorst wie Landwirtschaft und Handwerk. Vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg existierten zeitweise bis zu 13 Brennereien in der kleinen Stadt.
Gastwirtschaft und Brennerei lagen dabei häufig eng beieinander. Jönsthövel, Silling, Panning, Suermann und Laink-Vissing beziehungsweise Hankmann stehen beispielhaft für Häuser, in denen Herstellung, Handel, Ausschank oder Gastwirtschaft miteinander verbunden waren.
Suermann: fast alles unter einem Dach
Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts sind bei Suermann Branntweinhandel und Bierbrauerei belegt. 1832 werden Gastwirtschaft und Bierbrauerei genannt; später gehörten Brauhaus und Tanzsaal zum Betrieb. Das zeigt, wie eng Produktion, Ausschank und gesellschaftliches Leben verbunden waren.
Der Sendenhorster Korn ging nicht nur in den Handel. Die örtlichen Gastwirtschaften waren wichtige Abnehmer. Der Kneipentisch war deshalb zugleich der letzte Abschnitt einer lokalen Wirtschaftskette: Getreide – Brennerei – Gastwirtschaft – Glas.
Eine Verwaltungsakte des Jahres 1924 zeigt, wie dicht die Sendenhorster Kneipenlandschaft einmal war. Im Zusammenhang mit Polizeistunde und Gaststättenaufsicht wurden gleich 16 Wirte angeschrieben:
| Herweg | Siekmann | Daldrup | Hullerum |
| Werring | Bisping | Suermann | Seelige |
| Thiemann | Voßding | Spiegel | Triebus |
| W. Schulte | Jönsthövel | Panning | Elmenhorst |
Für eine Kleinstadt war das eine beachtliche Zahl. Hinzu kamen Hotelbetriebe, Säle, Cafés und andere Ausschankstellen. Die klassische Kneipe war damals ein alltäglicher Bestandteil des Stadtbildes.
In den 1920er und 1930er Jahren war der Veranstaltungskalender erstaunlich dicht. Bei Hullerum wurde zur Kirmes getanzt, Werring und Seelige veranstalteten Tanzvergnügen, es gab Pfingsttänze, Konzerte mit Tanzeinlagen, Stiftungsfeste, Schützenfeste und Vereinsbälle.
Teilweise wurde nicht einmal ein festes Eintrittsgeld erhoben. Bei einzelnen Veranstaltungen kostete stattdessen jeder Tanz zehn Pfennig. Polizeistunden bis ein oder zwei Uhr nachts mussten eigens genehmigt werden.
1933 und 1934 finden sich Veranstaltungen unter anderem bei Werring, Kaupmann, Herweg und Seelige. An Silvester wurden sogar mehrere Bälle gleichzeitig abgehalten.
Die Kneipe war das soziale Netzwerk ihrer Zeit: Vereinslokal, Nachrichtenbörse, Tanzsaal, Treffpunkt, Geschäftsort und Feierplatz zugleich.
Nach Krieg, Besatzung und Mangel kehrte das öffentliche Leben erstaunlich schnell zurück. Bereits 1947 und 1948 finden sich wieder bunte Abende, Tanzveranstaltungen, Karneval, Vereinsfeste, Konzerte, Varieté und Schützenfeste.
Im Saal Kaupmann wurde nach einer Fuchsjagd des Reit- und Fahrvereins gefeiert. Die Tanzkapelle Fred Riese spielte, die Sportgemeinschaft richtete Karneval und Sportveranstaltungen aus, und reisende Varietégruppen kamen nach Sendenhorst.
Unterhaltung war nach den Entbehrungen der Kriegsjahre offensichtlich ein echtes Bedürfnis. Die Säle wurden wieder zu Orten, an denen ein Stück Normalität zurückkehrte.
Eine besondere Stellung nahm das Hotel und die Gaststätte Kaupmann an der Weststraße ein. 1932 übernahmen Bernhard Kaupmann und seine Frau Maria Hotel, Gastwirtschaft und Saal von Klümper-Hullerum. Der Betrieb selbst war bereits wesentlich älter.
Der Saal Kaupmann wurde zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Hier fanden Schützenfeste, Theateraufführungen, Karneval, Vereinsveranstaltungen, Ausstellungen, Tanzkurse und Familienfeiern statt. Generationen Sendenhorster lernten dort tanzen.
1975 endete diese Epoche. Hotel, Gaststätte und Saal wurden abgebrochen. An gleicher Stelle entstand das Bürgerhaus, das einen großen Teil der alten gesellschaftlichen Funktion übernahm.
Auch dort wurden Schützenfeste, Karnevalsveranstaltungen, Hochzeiten, Tanzabende und Vereinsfeste gefeiert. Schon 1977 gehörten Tanzabend, „Tanz in den Mai“, Frühschoppen und Maiball zum Programm einer großen Festwoche.
Amüsement bestand selbstverständlich nicht nur aus Bier und Korn. Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß Sendenhorst mit dem Losto-Theater beziehungsweise späteren Central-Theater auch ein eigenes Kino.
Eine erste Spielstätte befand sich im Bereich Südstraße/Kühl. Später wurde im Saal Werring am Westtor Kino gespielt. Noch ältere Sendenhorster erinnern sich an die Schlange vor dem Kino und an ein Unterhaltungsangebot, das heute in einer Kleinstadt kaum noch vorstellbar ist.
Auch Cafés und Imbisse waren wichtige Treffpunkte: Fine Lasthaus, Birkenhof, Pfefferkorn, „Pommes-Mary“, Mykonos beziehungsweise Schlabberpohl und andere kleine Betriebe gehörten zum Freizeitalltag.
Mit den 1980er Jahren änderte sich die Sprache des Nachtlebens. Aus der Gastwirtschaft wurde Pub, aus dem Tanzsaal Musik-Café oder Disco. Eine völlig neue Generation suchte andere Musik, andere Öffnungszeiten und andere Formen des Ausgehens.
City-Pub – „die Boxbude“
Der City-Pub in der Weststraße, später als Musik-Café geführt, gehört zu den besonders lebhaft erinnerten Treffpunkten der 1980er Jahre. In der Sendenhorster Sammlung zum Thema Amüsement taucht dazu auch die Bezeichnung „Boxbude“ auf. Der Spitzname verrät bereits einiges über das Image: Hier war Betrieb, hier traf man sich – und nicht jede Meinungsverschiedenheit wurde ausschließlich am Tisch ausdiskutiert.
An der Oststraße entstand mit der Disco Abbylaine ein weiterer Treffpunkt. Sie gehörte zum Umfeld der früheren Ratsschänke beziehungsweise Biernacki und steht für den Übergang von der alten Kneipenkultur zum klassischen Diskothekenbetrieb.
Die Disco an der Hoetmarer Straße
Auch an der Hoetmarer Straße gab es eine Disco. Sie ist in den älteren Sendenhorster Zusammenstellungen zum Thema „Amüsement“ ausdrücklich aufgeführt.
Nach örtlicher Zeitzeugenerinnerung wurde der Betrieb zeitweise besonders stark von jüngeren Gästen mit türkischem Familienhintergrund besucht. Im damaligen lokalen Sprachgebrauch wurde deshalb vielfach verkürzt von der „Türkendisco“ gesprochen. Die Bezeichnung wird hier nicht als heutige Einordnung verwendet, sondern ausschließlich als überlieferter Ausdruck aus jener Zeit.
Bemerkenswert war zudem, dass für die Hoetmarer Straße auch ein Swingerclub überliefert ist. Die ältere Heimatvereins-Zusammenstellung nennt Disco und Swingerclub ausdrücklich nebeneinander.
Um 1996 kam es im Umfeld der Disco zu einem Vorfall, bei dem auch die Polizei im Einsatz war. Nach Erinnerung eines damaligen Sendenhorsters fand unmittelbar in der Nachbarschaft gleichzeitig eine größere Feier statt. Ein zeitgenössischer Presse- oder Aktenbeleg zu den Einzelheiten ist bislang nicht ermittelt worden.
City-Pub, Abbylaine und die Disco an der Hoetmarer Straße zeigen jedenfalls deutlich: Auch Sendenhorst hatte in den 1980er und 1990er Jahren ein eigenes kleines Nachtleben.
Die Namen änderten sich, die Grundfunktion aber kaum: Menschen trafen sich, hörten Musik, tranken, flirteten, feierten, diskutierten und gelegentlich stritten sie. So weit entfernt war die Disco kulturgeschichtlich vom alten Wirtshaus eigentlich gar nicht.
Die folgende Übersicht verbindet historische Akten, Bildarchiv, Festschriften und die bereits veröffentlichte Heimatvereins-Sammlung. Nicht alle Betriebe bestanden gleichzeitig; bei vielen wechselten Name, Besitzer oder Nutzung mehrfach.
| Name | Lage | Hinweis |
| Änne Bahnhof | Ladestraße / Bahnhof | Bahnhofskneipe |
| Bartmann | Bracht | Landgasthaus |
| Biernacki / Ratsschänke | Oststraße | später Umfeld Disco Abbylaine |
| Biernacki | Anfang Neustraße | weiterer Betrieb dieses Namens |
| Birkenhof | Lorenbeckstraße / Osttor | Gaststätte / Imbiss |
| Zur Börse | Oststraße | ehem. Brennerei Laink-Vissing / Hankmann |
| Zur Breede | Telgter Straße | Gastwirtschaft |
| Bürgerhaus | Weststraße 5–7 | ab 1975; Saal und Gastronomie |
| City-Pub / Musik-Café | Weststraße | „Boxbude“ |
| Daldrup | Weststraße | Café / Gaststätte |
| Elmenhorst | Westtor | historische Gastwirtschaft |
| Haake / Kupferpfanne | Südgraben | Gaststätte |
| Jönsthövel | Nordstraße / Schulstraße | Gastwirtschaft und Brennerei |
| Kaupmann / Klümper | Weststraße 5–7 | Hotel, Gastwirtschaft, Kegelbahn und Saal |
| Knobbe-Vossding / Zum Südpol | Südstraße / Südgraben | Kegelbahn; bekanntes Stammlokal |
| Nordhoff | Innenstadt | alte Wirtschaft |
| Peiler-Seelige | Oststraße / Südgraben | Gastwirtschaft mit Saal |
| Peters Waldschänke | Außenbereich | Wald- und Landgasthaus |
| Ratsschänke Bröckelhoff | südliche Kirchstraße | gegenüber der Pumpe |
| Hotel Ridder / Herweg | Weststraße / Innenstadt | Hotel und Saalbetrieb |
| Schulte-Rohlmann | Innenstadt | historische Wirtschaft |
| Suermann | Innenstadt | Brauerei, Wirtschaft und Saal |
| Thünenkötter | Nordstraße | Gastwirtschaft |
| Titanic | Bahnhof | Bahnhofsumfeld |
| „alte Titanic“ | Ostgraben | Bereich Fleischerei Wessel |
| Triebus | Südstraße | historische Gastwirtschaft |
| Waldmutter | Hardt | Hotel und Restaurant |
| Werring | Weststraße / Westtor | Saal; später auch Kino |
| Westfälischer Hof | Nordstraße | Gastwirtschaft |
| Zurmühlen | Osttor | langjährige Gastwirtschaft / Hotel |
Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige Betriebe wechselten mehrfach Namen und Betreiber.
Eine besondere Stellung nimmt bis heute das Schützenfest ein. Johannisbrüder und St.-Martinus-Schützen verbanden Schießen, Musik, Umzüge, Tanz und gemeinschaftliches Feiern. Eine Martinus-Festschrift bezeichnet die Schützenfeste ausdrücklich als „wahre Volksfeste“.
Die Festorte wechselten im Laufe der Zeit: Rathaus und Markt, Werring, Kaupmann, Bereiche bei der Mühle Sommersell, später Bürgerhaus und Festplatz. Bier und Sendenhorster Korn gehörten selbstverständlich dazu.
Die Zeit, in der beinahe an jeder Straßenecke eine Gastwirtschaft lag, ist vorbei. Einige Traditionsbetriebe bestehen, andere Namen leben nur noch in Erinnerungen, Fotos und Geschichten weiter.
Gleichzeitig hat sich das gemeinschaftliche Feiern verlagert. Schützenfeste, Karneval, Gänsemarkt, Lambertus, Weihnachtsmarkt, Vereinsfeste und private Feiern übernehmen heute einen Teil der Funktion, die früher der Kneipensaal beinahe jede Woche erfüllte.
Fazit
Die Geschichte des Sendenhorster Amüsements ist weit mehr als eine Liste alter Kneipen. Sie erzählt vom gesellschaftlichen Wandel einer Kleinstadt: vom Bier ausschenkenden Bäcker, über Kornbrennerei und Tanzsaal, Kirmes und Schützenfest, Kino und Bürgerhaus bis zu Pub, Musik-Café und Disco. Die Orte änderten sich – das Bedürfnis nach Geselligkeit blieb.
Quellen & Literatur
Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Insbesondere die Abschnitte über Wirtshäuser, Brüchtenregister, Bier, Koit und Branntwein.
Hans-Günther Fascies / Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Aktenauszüge und Materialsammlungen zu Wirtshäusern, Lustbarkeiten, Polizeistunde, Tanzveranstaltungen, Schützenfesten und gesellschaftlichem Leben.
Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst: Verwaltungs- und Gaststättenakten, Bildarchiv, historische Fotografien, Zeitungsausschnitte und Veranstaltungsunterlagen.
Arbeitskreis Stadtgeschichte des Heimatvereins Sendenhorst: Schlote, Schnaps & Schlempe – Die Kornbrenner von Sendenhorst, 2007; Bearbeitung/Bildmaterial Ulrike Frede und Hans-Joachim Brüning. Kornbrenner
Heimatverein Sendenhorst: „Kneipen, Kino & Kaffee – Sendenhorster Amüsement“, Zusammenstellung historischer Gaststätten, Cafés, Kinos, Discos und weiterer Treffpunkte. Kneipen, Kino & Kaffee
StadtLand – Sendenhorster Geschichte(n): Beiträge und Übersichten zu Kneipen, Kino, Cafés, Disco und Amüsement.
St.-Martinus-Schützen Sendenhorst: Festschriften und historische Unterlagen, insbesondere Festschrift 1964.
Johannisbruderschaft Sendenhorst: Fest- und Jubiläumsschriften, Unterlagen zu Schützenfesten und geselligen Veranstaltungen.
Zeitzeugen: Erinnerungen ehemaliger Gäste und Teilnehmer an Gaststätten, City-Pub, Disco- und Veranstaltungskultur der 1970er bis 1990er Jahre. Der um 1996 erinnerte Vorfall im Umfeld der Disco an der Hoetmarer Straße ist bislang nicht durch eine zeitgenössische Presse- oder Aktenquelle näher belegt.
Die Geschichte der Sendenhorster Gastronomie und Freizeitkultur ist nicht abgeschlossen. Ergänzungen, Fotos, Speisekarten, Werbeanzeigen, Eintrittskarten und persönliche Erinnerungen sind für das Stadt-Heimatarchiv von besonderem Interesse.