Ausgewählte Stationen aus dem Vereinsleben zwischen 1955 und 1991: Brauchtum und Heimatpflege, Radtouren und Wanderwege, Sendenhorster Postgeschichte, historische Bildungsarbeit, Erinnerungskultur und der Aufbau des Stadt- und Heimatarchivs.
Im September 1955 verband Sendenhorst mehrere Veranstaltungen zu einem gemeinsamen Heimattag. Die Lambertusfeier, der „Tag der Heimat“ und ein großer Ost-West-Abend bildeten dabei den Mittelpunkt eines umfangreichen Programms.
Der Tag begann mit Gottesdiensten in der Friedens- und der Martinikirche. Im Anschluss versammelten sich zahlreiche Bürger auf dem Marktplatz. Fahnenabordnungen und die Wappen der ostdeutschen Provinzen prägten das Bild. Die Stadtkapelle begleitete die Veranstaltung musikalisch. In den Ansprachen wurde sowohl an die Folgen von Krieg und Vertreibung als auch an die Verantwortung für ein friedliches Miteinander erinnert.
Zugleich konnte der Heimatverein auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblicken. Ein besonderer Teil der Veranstaltung galt den vielen Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den früheren deutschen Ostgebieten vertrieben worden waren und in Sendenhorst eine neue Heimat gefunden hatten.
Anschließend zog eine größere Gruppe zum Kriegerdenkmal. Dort legten der Heimatverein und der Bund der Vertriebenen einen Kranz nieder. Jugendliche trugen verschiedene Heimatwappen mit sich. In den Ansprachen wurde der Gefallenen und Vermissten gedacht und zugleich der Wunsch nach Frieden und Verständigung betont.
Auch die Kinder waren in das Programm einbezogen. Bereits am Vortag hatte der Heimatverein in den beiden Volksschulen selbst gebastelte Fackeln prämiert. Rund 200 Fackeln waren entstanden, etwa 30 davon wurden ausgezeichnet. Die Preisträger erhielten Erinnerungsfotos mit einer Widmung des Heimatvereins.
Am Sonntagabend folgte die traditionelle Lambertusfeier. Kinder zogen gemeinsam mit ihren Müttern und Lehrpersonen vom alten Schulplatz zum Marktplatz. Dort drehte sich die Feier um die große Lichterpyramide. Der Platz war dicht gefüllt, und nach dem letzten Lied zogen die Kinder wieder nach Hause.
Den Abschluss bildete ein Ost-West-Abend im Central-Theater. Rund 360 Besucher nahmen daran teil; der Saal war vollständig gefüllt. Die Vorsitzenden Fascies und Nossol begrüßten die Gäste. Wilm Böckenholt aus Münster und Helmut Niepel aus Bielefeld gestalteten ein Programm, in dem westfälische und schlesische Beiträge, Hochdeutsch und Plattdeutsch miteinander verbunden wurden. Die Veranstaltung fand großen Anklang und wurde zu einem Höhepunkt des Heimattages.
Anfang Mai 1980 unternahm der Heimatverein eine rund 45 Kilometer lange Radtour durch die Umgebung von Sendenhorst. Etwa 30 Teilnehmer waren dabei.
Vorsitzender Hans-Günther Fascies zog anschließend eine durchweg positive Bilanz. Wetter, Picknick und Stimmung hatten gepasst. Die Route führte vor allem durch die Außenbereiche und Bauerschaften rund um Sendenhorst. Befahren wurden sowohl ausgebaute Flurbereinigungswege als auch kleinere Pättkes, auf denen die Fahrräder stellenweise geschoben werden mussten.
Auf eine Einkehr wurde bewusst verzichtet, da unterwegs ein gemeinsames Picknick vorgesehen war. Die einzige Panne des Tages ereignete sich glücklicherweise erst kurz vor beziehungsweise am Ziel: ein Plattfuß. Insgesamt blieb die Tour als gelungener gemeinschaftlicher Ausflug in Erinnerung.
1986 wurde Sendenhorst offiziell an den Hauptwanderweg X3 des Westfälischen Heimatbundes angebunden. Der Weg führte von Bocholt in Richtung Wiedenbrück und verlief zwar schon lange durch das Sendenhorster Gebiet, berührte die Stadt selbst jedoch bislang nicht unmittelbar.
Der Heimatverein hatte sich über Jahre für eine bessere Anbindung eingesetzt. Zur offiziellen Eröffnung kamen Wanderer und Radfahrer aus verschiedenen Richtungen nach Sendenhorst. Ausgangspunkte lagen unter anderem in Dülmen, Senden, Rinkerode und Albersloh.
Bei der Einweihung betonte der damalige Vorsitzende Hans-Günther Fascies, dass die neue Verbindung zugleich eine Verpflichtung sei: Sendenhorst müsse sich den Besuchern als sehenswerter Ort präsentieren. Die Freigabe wurde symbolisch mit einem Scherenschnitt vollzogen.
Bürgermeister Coroncy enthüllte außerdem einen rund 60 Zentner schweren Erinnerungsstein. Er sollte dauerhaft an die Anbindung Sendenhorsts an den etwa 170 Kilometer langen Hauptwanderweg erinnern. Damit erhielt die Stadt einen deutlich stärkeren Anschluss an das überregionale Wanderwegenetz.
Die Familie Bonse war über Generationen eng mit der Postgeschichte Sendenhorsts verbunden. Bereits seit 1742 übernahmen Angehörige der Familie Aufgaben im Postwesen und arbeiteten im Laufe der Zeit für verschiedene Postverwaltungen – von der Thurn-und-Taxis-Post bis hin zur staatlichen Post des 20. Jahrhunderts.
Ein besonderer Anlass rückte diese Geschichte 1990 erneut in den Mittelpunkt. Im Rahmen des 500-jährigen Bestehens der Post waren historische Kutschen-Sternfahrten nach Bonn geplant. Max Linnemann-Bonse setzte sich dafür ein, dass eine der Routen auch über Sendenhorst führen sollte.
Sein Vorschlag knüpfte an die historische Reitpostverbindung Münster – Sendenhorst – Frankfurt am Main an. Schließlich wurde Sendenhorst in die Route aufgenommen. Ein Teil des Kutschenzuges sollte über Ahlen, Sendenhorst und Drensteinfurt führen.
Fast genau 248 Jahre nach der Bestellung von Henrich Bonse zum kaiserlichen Reichsposthalter am 4. Juni 1742 sollten damit wieder Postkutschen durch Sendenhorst rollen. Ziel war unter anderem das historische Posthaus an der Südstraße, das von der Familie Linnemann-Bonse restauriert worden war.
In früheren Zeiten wurden von dort regelmäßig Briefe zwischen Münster und Frankfurt weiterbefördert. Das Gebäude und die Familiengeschichte machten anschaulich, welche Bedeutung Sendenhorst einst innerhalb der alten Postverbindungen besaß.
Zu dieser Zeit beschäftigte sich auch der Posthistoriker Wilhelm Fleitmann intensiv mit der Geschichte der Posthalterfamilie. Eine Ahnentafel dokumentierte mehrere Generationen und machte deutlich, wie eng die Familie Bonse mit der Entwicklung des Postwesens in Sendenhorst verknüpft war.
Die vom Heimatverein entwickelte Arbeitsmappe zur Geschichte Sendenhorsts erwies sich als großer Erfolg. Die erste Auflage war Anfang 1991 nahezu vollständig vergriffen. Ursprünglich war sie vor allem für Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen gedacht, doch auch viele Erwachsene nutzten die Mappe, um die Geschichte ihrer Heimatstadt neu zu entdecken.
Für die Neuauflage wurde das Konzept überarbeitet. Der Heimatverein arbeitete dabei eng mit den Lehrkräften der Kardinal-von-Galen-Grundschule zusammen. Ziel war es, die Inhalte übersichtlicher, anschaulicher und noch kindgerechter zu gestalten.
Die Mappe führte in zehn Kapiteln durch unterschiedliche Bereiche der Stadtgeschichte. Behandelt wurden unter anderem Handwerk, Industrie, Handel, Religionsgemeinschaften sowie die Entwicklung öffentlicher Einrichtungen. Auch die Westfälische Landeseisenbahn, das Postwesen und das Rathaus gehörten zu den Themen.
Dabei sollten die Kinder nicht nur lesen, sondern selbst tätig werden. Aufgaben und Beobachtungsaufträge regten dazu an, durch Sendenhorst zu gehen, Gebäude und Spuren der Vergangenheit zu entdecken oder mit Eltern und Großeltern über frühere Sitten und Gebräuche zu sprechen.
Auch historische Karten spielten eine wichtige Rolle. So konnten die jungen Leser das Sendenhorst des 19. Jahrhunderts mit der damaligen Gegenwart vergleichen und Veränderungen im Stadtbild nachvollziehen.
An der Überarbeitung wirkten unter anderem Max Linnemann-Bonse, Dr. Mechthild Bonse, Irmgard Lambert, Monika Koelen und Ingrid Fabian mit. Nach intensiver Arbeit stand die neue Auflage schließlich kurz vor dem Druck. Die Arbeitsmappe entwickelte sich damit zu einem wichtigen Baustein der lokalen Geschichtsvermittlung.
Am 21. Februar 1991 wurde die neu überarbeitete Geschichtsmappe des Heimatvereins an Schülerinnen und Schüler der Kardinal-von-Galen-Grundschule übergeben.
In der Klasse 3a sorgte der Besuch einer Delegation des Heimatvereins für große Aufmerksamkeit. Die Kinder erhielten die neue Ausgabe der Arbeitsmappe „Geschichte(n) der Stadt Sendenhorst“ und begannen sofort, sich mit den Inhalten zu beschäftigen.
Max Linnemann-Bonse erläuterte den Schülerinnen und Schülern zunächst Aufbau und Ziel der Mappe. Sie sollte nicht nur historische Fakten vermitteln, sondern die Kinder dazu bringen, ihre Stadt selbst zu erkunden. Viele Aufgaben waren deshalb so gestaltet, dass man mit offenen Augen durch Sendenhorst gehen, Gebäude betrachten, alte Karten vergleichen oder ältere Familienmitglieder befragen konnte.
Die intensive Beschäftigung der Klasse mit dem neuen Material zeigte, dass das Konzept aufging. Neben Max Linnemann-Bonse waren auch Ingrid Fabian, Irmgard Lambert und Monika Koelen an der Arbeit beteiligt.
Die Fertigstellung war bis zuletzt mit erheblichem Aufwand verbunden. Papierstapel mussten sortiert und die einzelnen Mappen zusammengestellt werden. Die Klasse 3a nahm die neuen Exemplare stellvertretend für weitere Klassen entgegen.
Bereits die erste Auflage von 1989 hatte 500 Exemplare umfasst und war inzwischen vergriffen. Deshalb entstand nun gemeinsam mit dem Kollegium der Kardinal-von-Galen-Grundschule eine überarbeitete zweite Auflage. Besonderer Wert wurde auf bessere Übersichtlichkeit und eine kindgerechte Gestaltung gelegt.
Die Arbeitsmappe war nicht nur für Schülerinnen und Schüler gedacht. Auch Neubürger konnten mit ihr einen anschaulichen Zugang zur Geschichte Sendenhorsts erhalten.
Über viele Jahrzehnte sammelte der Heimatverein Unterlagen über die Sendenhorster, die im Zweiten Weltkrieg gefallen oder vermisst waren. Briefe, Fotos, amtliche Dokumente und persönliche Nachrichten machten dabei das Leid des Krieges auf sehr unmittelbare Weise sichtbar.
Bereits rund 35 Jahre zuvor war im Heimatverein die Idee entstanden, für die Gefallenen ein eigenes Gedenkbuch anzulegen. Seither wurden umfangreiche Recherchen durchgeführt und zahlreiche Unterlagen zusammengetragen. Anfang der 1990er Jahre sollte diese langjährige Arbeit zu einem Abschluss gebracht werden.
Nach dem damaligen Forschungsstand waren rund 200 Männer aus Sendenhorst im Zweiten Weltkrieg gefallen oder galten als vermisst. Für jeden von ihnen war im Gedenkbuch eine eigene Seite vorgesehen. Dort sollten unter anderem ein Foto, der Name, das Geburtsdatum, der Todestag und – soweit bekannt – der Sterbeort verzeichnet werden.
Max Linnemann-Bonse koordinierte die Fertigstellung. Einen besonderen Anteil hatte Theodor Borgmann, der die Einträge auf hochwertigem Büttenpapier ausführte. Das fertige Werk sollte eine beträchtliche Stärke erreichen und in einer eigens dafür angefertigten Vitrine im Eingangsbereich des Rathauses gezeigt werden. Für den Bau der Vitrine gewann der Heimatverein Bernhard Engbert.
Die Arbeit war nicht nur aufwendig, sondern auch emotional belastend. Feldpostbriefe, Todesnachrichten und Schreiben von Kompanieführern vermittelten einen unmittelbaren Eindruck von Krieg, Verlust und damaliger Propagandasprache. Gerade diese Dokumente machten deutlich, wie wichtig eine kritische historische Einordnung war.
Der Heimatverein verstand das Gedenkbuch deshalb nicht nur als Sammlung von Namen und Daten, sondern auch als Mahnung. Die Erinnerung an die Gefallenen sollte mit dem Gedanken verbunden werden, welche Folgen Krieg für Familien und eine ganze Stadtgesellschaft hatte.
Nach der Fertigstellung sollte das Werk dauerhaft im Rathaus zugänglich sein. Zugleich bestand die Überlegung, die vorhandenen Informationen später noch umfangreicher aufzubereiten und um weitere historische Hintergründe zu ergänzen.
Ende 1991 nahm das Stadt- und Heimatarchiv Sendenhorst zunehmend feste Formen an. Hans-Günther Fascies hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund 1500 Akten gereinigt, gesichtet und ausgewertet. Etwa 1350 Akten aus dem Zeitraum von 1750 bis 1925 waren bereits systematisch in Kästen eingeordnet.
Ziel war die Erstellung eines Findbuches, mit dessen Hilfe die Bestände künftig leichter erschlossen werden konnten. Zuvor waren viele Unterlagen nur schwer zugänglich gewesen. Durch Sichtung, Registrierung und Neuordnung entstand Schritt für Schritt eine verlässliche Archivstruktur.
Fascies investierte einen erheblichen Teil seiner Freizeit in diese Arbeit. Im Keller des Rathauses ordnete er die alten kommunalen Bestände und bereitete sie für eine dauerhafte Nutzung vor. Vieles musste damals noch vollständig von Hand erfasst werden.
Nach dem ältesten Bestand sollten auch die Akten aus den Jahren 1920 bis 1950 sowie anschließend die Unterlagen von 1950 bis 1975 bearbeitet werden. Gleichzeitig machte sich bereits Platzmangel bemerkbar. In diesem Zusammenhang wurde auch über geeignete Räumlichkeiten für ein mögliches Heimathaus nachgedacht.
Neben den Akten kümmerte sich Fascies um ein Bücherverzeichnis und ein umfangreiches Bildarchiv. Dieses umfasste damals bereits rund 15.000 Aufnahmen. Hinzu kamen etwa 1500 Negative, die dem Archiv kurz zuvor geschenkt worden waren.
Ein besonderes Problem stellte die historische Überlieferung aus Albersloh dar. Im Zuge der kommunalen Neuordnung von 1975 waren große Teile des früheren Amtsarchivs Wolbeck in das Stadtarchiv Münster gelangt. Für den Sendenhorster Bestand konnten daher aus Albersloh vor allem Zeitungen, Festschriften und ergänzende Materialien gesammelt werden.
Von städtischer Seite wurde zugleich betont, dass das Stadtarchiv grundsätzlich allen Interessierten offenstehen sollte. Die ehrenamtliche Arbeit des Archivars wurde ausdrücklich hervorgehoben.
Auch das Gedenkbuch für die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs spielte bei der Archivarbeit eine Rolle. Hier zeigte sich besonders deutlich, wie eng die Tätigkeit des Heimatvereins und die systematische Sicherung historischer Quellen miteinander verbunden waren.