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Von barocker Kirchenkunst über Bildhauerei und Glasmalerei bis zur Kunst im öffentlichen Raum
Sendenhorsts Kunstgeschichte ist erstaunlich vielfältig. Sie reicht vom sakralen Kunsthandwerk früherer Jahrhunderte über örtliche Bildhauerwerkstätten, Malerei, Textil- und Glaskunst bis zur modernen Plastik. Besonders prägend ist die Verbindung von Kunst, Handwerk, Religion und Stadtgeschichte: Viele Werke stehen nicht im Museum, sondern mitten in der Stadt und den Sendenhorster Bauerschaften.
Inhalt
Zeittafel Frühe Kunst Mertens Spithöver Bildhauer um 1900 Happe & Jaspert Nachtigäller Kleinhans Bildstöcke Glaskunst Kunst im Stadtraum Kunst heute Kunstorte Personen Quellen
| Zeit | Werk / Entwicklung |
| um 1600 | Renaissance-Taufstein aus Baumberger Kreidekalk; wahrscheinlich aus einer münsterischen Werkstatt. |
| 1675 | Bernhard Neuhaus / Niehues schafft den barocken Hochaltar der damaligen Pfarrkirche; Aloys Hofschildern fertigt das Kruzifix. |
| 1733 | Doppelbildstock beim früheren Hof Geilern – eines der ältesten erhaltenen religiösen Bildwerke Sendenhorsts. |
| 1780 | Agapitus Mertens und Alphäus Rinklage schaffen die Altäre der Franziskanerkirche in Warendorf. |
| 1788 | Errichtung des Bildstocks Horstmann-Nientiedt. |
| um 1790 | Mertens und Rinklage arbeiten am Hochaltar der heutigen St.-Agnes-Kirche in Hamm. |
| 1813 | Josef Spithöver wird in Sendenhorst geboren; später wird er in Rom Kunsthändler und Mäzen. |
| 1848 | Anna-Bildstock am Hof Feldmann aus der Werkstatt eines Münsteraner Künstlers. |
| um 1890 | In Sendenhorst bestehen mehrere Bildhauer- und Steinbildhauerwerkstätten. |
| 1904 | Die Mariensäule aus der Werkstatt Heinrich Seeliges wird auf dem Kirchplatz geweiht. |
| 1911 | Seelige gestaltet Portalgesims, Türsturz und Stadtwappen am Rathaus. |
| 1920er | Joos Jaspert wirkt als Maler und Textilkünstler und gehört der Künstlergemeinschaft „Schanze“ an. |
| 1927 | Heinrich Seelige führt das Gefallenen-Ehrenmal nach einem Münsteraner Entwurf aus. |
| 1930–35 | Anton Nachtigäller gestaltet zahlreiche Glasfenster für St. Martin. |
| 1956 | Bernhard Kleinhans erhält den Kunstpreis „Jung-Westfalen“. |
| 1959 | Kleinhans schnitzt als frühes Werk den Korpus am Kreuz des Hofes Strohbücker. |
| 1964 | Neue Chorfenster von Sr. Erentrud Trost OSB in St. Martin; Bronzegruppe von Ulrich Conrad am St.-Josef-Stift. |
| 1965 | Aufstellung der Kleinhans-Plastik „St. Martin“ zur 650-Jahrfeier. |
| 1967 | Modernes Mosaik am Bildstock auf Hof Tüte in Sandfort. |
| 1969 | Marienbronze von Bernhard Kleinhans an Südendamm / Am Gänsegarten. |
| 1988 | Aufstellung der „Westfälischen Quadriga“ von Bernhard Kleinhans. |
| 1989 | Kunstausstellung im Park des St.-Josef-Stifts; mehrere Kleinhans-Werke verbleiben dauerhaft. |
| 1991 | Bernhard Kleinhans wird Ehrenbürger der Stadt Sendenhorst. |
| 1998 | Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Promenadenrings. |
| 2015 | Jürgen Krass realisiert „Ausgegraben“; Basilius Kleinhans schafft die Bronzetafel für Josef Spithövers Geburtshaus. |
| 2019 | „5 Rundgänge“ bündelt Kunst und Geschichte im öffentlichen Raum. |
| 2025 | Christine Mölleck, Basilius Kleinhans und Jürgen Krass öffnen ihre Sendenhorster Ateliers. |
| 12.08.2026 | Die Bronzeplastik „David mit Harfe“ von Bernhard Kleinhans wird vom Gelände des Rehazentrums an der Weststraße gestohlen. |
Die ältesten greifbaren Kunstwerke Sendenhorsts gehören fast vollständig in den kirchlichen Bereich. Geistliche, Bruderschaften, Stifter und Kirchengemeinden waren über Jahrhunderte die wichtigsten Auftraggeber für Bildhauer, Steinmetze, Schnitzer und Maler.
Zu den ältesten erhaltenen Stücken gehört der Renaissance-Taufstein aus Baumberger Kreidekalk. Petzmeyer vermutet seine Herkunft aus einer münsterischen Werkstatt. Als Stifter wird Hieronymus Hogehene genannt.
Um 1675 erhielt die damalige Pfarrkirche einen neuen barocken Hochaltar. Der Münsteraner Bildhauer Bernhard Neuhaus, auch Niehues, schuf den Altar; das Kruzifix fertigte der Münsteraner Kleinschnitzer Aloys Hofschildern.
Der Altar ist heute verloren. Wahrscheinlich verschwand er beim Abbruch der alten Kirche im 19. Jahrhundert. Auch andere ältere Kunstwerke Sendenhorsts sind nur noch durch Beschreibungen, Fotografien oder archivalische Hinweise bekannt.
Einer der frühesten namentlich bekannten Künstler aus Sendenhorst ist der Franziskanerbruder Agapitus Mertens. Heinrich Petzmeyer eröffnet mit ihm ausdrücklich seine Reihe „Sendenhorster Künstler“.
Mertens stammte aus einer am Kirchplatz ansässigen Familie und trat 1772 in den Franziskanerorden ein. Gemeinsam mit dem aus Stromberg stammenden Franziskaner Alphäus Rinklage arbeitete er als Altarbauer und Kunsthandwerker.
1780 schufen beide die drei Altäre der Franziskanerkirche in Warendorf. Weitere Arbeiten werden mit Wiedenbrück, Kamen und Dorsten verbunden. Um 1790 waren Mertens und Rinklage am Hochaltar der heutigen St.-Agnes-Kirche in Hamm tätig.
Sein Werk zeigt, dass ein aus Sendenhorst stammender Künstler bereits im 18. Jahrhundert in einem größeren westfälischen Netzwerk sakraler Kunst arbeitete.
Josef Spithöver (1813–1892) war kein Maler oder Bildhauer. Für die Sendenhorster Kunstgeschichte ist er dennoch von besonderer Bedeutung. Aus einfachen Verhältnissen gelangte er nach Rom und wurde dort Buchhändler, Verleger, Kunsthändler und Mäzen.
Seine deutsche Buchhandlung an der Piazza di Spagna entwickelte sich zu einem Treffpunkt der deutschen Künstlerkolonie. Zu seinem Umfeld gehörten unter anderem Friedrich Overbeck, Franz von Rohden, Gebhard Flatz und der Bildhauer Wilhelm Achtermann.
Spithöver vermittelte Kunst, handelte mit wertvollen Werken und unterstützte Künstler. Damit führt eine direkte Linie von Sendenhorst in eines der wichtigsten europäischen Kunstzentren des 19. Jahrhunderts.
2015 brachte der Heimatverein an der Stelle seines früheren Geburtshauses eine Bronzetafel an. Ausgeführt wurde sie vom Bildhauer Basilius Kleinhans.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestanden in Sendenhorst zeitweise drei Bildhauer- beziehungsweise Steinbildhauerwerkstätten. Für eine Kleinstadt war diese Konzentration bemerkenswert.
Der 1862 geborene Bernhard Strickmann betrieb seine Werkstatt am Nordgraben. Zu seinen Arbeiten gehörten das Nordportal des St.-Josef-Stifts, die große Christophorusfigur an St. Martin sowie Bildstöcke und Grabmale. Der Marienbildstock Telges-Kerkmann von 1906 wird ihm in der Bildstockdokumentation mit Vorbehalt zugeschrieben.
Um 1890 eröffnete Laurenz Dämmer eine weitere Steinbildhauerwerkstatt. Er war Autodidakt und führte seine Stiefsöhne Friedrich und Heinrich Seelige an die Bildhauerei heran.
Heinrich Seelige (1872–1937) wurde in der bekannten Werkstatt Anton Mormanns in Wiedenbrück ausgebildet. Er arbeitete in Holz und Stein und fertigte Altäre, Kanzeln, Heiligenfiguren, Wegekreuze, Bildstöcke, Grabdenkmäler und architektonischen Schmuck.
Nach seiner Rückkehr nach Sendenhorst entstanden hinter seinem Anwesen an der Oststraße Werkstätten für Stein- und Gipsbildhauerei. 1914 beschäftigte er dort unter anderem den Bildhauer Georg Fiege und den Figuristen Wilhelm Dietz.
Besonders sichtbar geblieben ist die Mariensäule auf dem Kirchplatz. Außerdem schuf Seelige Kirchenfiguren und Grabdenkmäler. 1911 gestaltete er am Rathaus Portalgesims, Türsturz und Stadtwappen mit dem hl. Martin.
Auch die Flurdenkmäler gehören zu diesem Umfeld. Quantes Kreuz in Rinkhöven wurde 1888 in einer Werkstatt des Steinmetzmeisters Seelige gefertigt. Der Bildstockbestand zeigt damit deutlich, wie eng Kunst, Steinmetzhandwerk, Hofgeschichte und religiöse Tradition miteinander verbunden waren.
1927 führte Heinrich Seelige nach dem Entwurf eines Münsteraner Künstlers ein Gefallenen-Ehrenmal aus. Auch beim späteren großen Ehrenmal am Osttor waren Sendenhorster Kunsthandwerker beteiligt.
Petzmeyers Reihe „Sendenhorster Künstler“ fasst den Kunstbegriff weit. Ihr zweiter Teil gilt dem Dichter Franz Happe (1863–1897). Der gebürtige Sendenhorster veröffentlichte 1889 den Gedichtband Stimmungen und Gestalten.
Happe stand mit Friedrich Wilhelm Weber in Kontakt und war mit dem später bedeutenden Jugendstilkünstler Melchior Lechter befreundet. Er sammelte außerdem Handschriften, Antiquitäten und Kunstwerke.
Mit Joos Jaspert (1891–1939) reicht die Sendenhorster Kunstgeschichte unmittelbar in die westfälische Moderne. Jaspert wurde an der Oststraße geboren und erhielt nach einer handwerklichen Ausbildung seine künstlerische Schulung in Münster und München.
Er arbeitete in Malerei, Batik, Leder- und Textilgestaltung und wurde Lehrer an der Städtischen Schule für Handwerk und Kunstgewerbe in Münster. Jaspert gehörte zur Freien Künstlergemeinschaft „Schanze“.
1935 gründete er die „Werkstatt für Westfalenstoffe“. Reisen nach Spanien und Skandinavien beeinflussten seine Malerei. Bekannt ist unter anderem das 1927 entstandene Gemälde Korndrescher in Spanien.
Zu den bedeutenden Sendenhorster Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört Anton Nachtigäller (1895–1984). Er begann als Emaillemaler bei den Sendenhorster Stanz- und Emaillierwerken und erhielt anschließend eine umfassende künstlerische Ausbildung.
Er arbeitete unter anderem in Münster und Aachen und wurde Schüler und Assistent von Anton Wendling. Seit 1930 war Nachtigäller selbstständig als Kunstmaler und Graphiker tätig.
Sein Schwerpunkt lag in der sakralen Kunst. Er schuf Kirchenmalereien, Fresken, Mosaiken, Glasfenster, Urkunden, Ölgemälde sowie Holz- und Linolschnitte. Arbeiten entstanden weit über Sendenhorst hinaus.
Für seine Heimatstadt sind besonders die Glasfenster in St. Martin wichtig. Zu den Motiven gehören der hl. Martin, die hl. Elisabeth, der hl. Josef, die Dreifaltigkeit und die Symbole der vier Evangelisten.
Nachtigällers Stil verzichtet weitgehend auf räumliche Illusion. Figuren und Formen werden flächig aufgebaut; kräftiges Blau, Rot und Grau erhalten eine eigenständige Ausdruckskraft.
Sein Bruder Heinrich Nachtigäller war Glas- und Kirchenmaler und wirkte an der praktischen Ausführung mit. 1965 arbeitete er außerdem den älteren Holzkorpus auf Hof Kalthoff auf.
Die zentrale Gestalt der neueren Sendenhorster Kunstgeschichte ist Bernhard Kleinhans (1926–2004). Er studierte an der Werkkunstschule Münster bei Kurt Schwippert und anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Heinrich Kirchner.
1956 erhielt er den Kunstpreis „Jung-Westfalen“. Seine Plastiken entstanden häufig vollständig in der eigenen Werkstatt – vom Wachsmodell bis zum fertigen Bronzeguss.
Der menschliche Körper steht im Zentrum seines Werks. Trotz des schweren Materials wirken viele Figuren bewegt und leicht. Daneben besitzen zahlreiche Arbeiten einen hintergründigen, mitunter ausgesprochen westfälischen Humor.
Die Sendenhorster Bildstockdokumentation nennt den Korpus am Kreuz des Hofes Strohbücker ausdrücklich als eines seiner frühen Werke. Später entstanden zahlreiche religiöse Plastiken und Arbeiten für den öffentlichen Raum.
1965 erhielt Sendenhorst zur 650-Jahrfeier die lebensgroße Bronzeplastik „St. Martin“. Kleinhans gestaltete außerdem wesentliche Teile des Chorraums von St. Martin – darunter Altar, Ambo, Kreuz, Leuchter und Taufbrunnen.
Das wohl bekannteste Werk im öffentlichen Raum ist die „Westfälische Quadriga“. Statt eines antiken Triumphwagens zeigt Kleinhans Männer mit einem Jauchewagen und erinnert damit an jene Arbeiter, die vor der Kanalisation Abwässer, Fäkalien und Rückstände aus der Brennereiwirtschaft aus der Stadt transportierten.
Der große Titel und das bodenständige Motiv verbinden Stadtgeschichte, Sozialgeschichte und Humor.
Kleinhans porträtierte Persönlichkeiten wie Josef Spithöver und Pfarrer Bernhard Lorenbeck. Weitere Arbeiten erinnern an Kardinal Clemens August von Galen und Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen.
Auch die Erinnerungskultur prägte er mit: Er gestaltete die Gedenkstele am Standort der früheren Synagoge und ergänzte das Ehrenmal am Osttor durch einen Obelisken.
Der vom Heimatverein dokumentierte Rundgang erschließt 21 Kleinhans-Objekte an acht Stationen. Großplastiken, Porträtbüsten, religiöse Figuren und kirchliche Arbeiten machen Sendenhorst damit zu einem der wichtigsten Orte zur Begegnung mit seinem Werk.
Aktuell: „David mit Harfe“ gestohlen
Die etwa zwei Meter hohe Bronzeplastik „David mit Harfe“ gehörte seit 1989 zu den markanten Kleinhans-Werken im Park- und Rehazentrum an der Weststraße. In der Nacht zum 12. August 2026 wurde die Figur gestohlen. Wegen ihrer Größe und ihres Gewichts geht die Polizei davon aus, dass zum Abtransport ein Fahrzeug eingesetzt wurde.
Eine eigene Kunstlandschaft bilden die zahlreichen Bildstöcke, Wegekreuze, Heiligenhäuschen und religiösen Plastiken. Sie sind nicht nur Zeugnisse der Frömmigkeit, sondern häufig auch qualitätvolle Bildhauer- und Steinmetzarbeiten.
Der Heimatverein dokumentiert heute über 40 religiös geprägte Anlagen im Bereich Sendenhorst. Die große Bestandsaufnahme von 1988 bezeichnet diese Flurdenkmäler ausdrücklich als kultur-, kunst- und kunsthandwerklich bedeutende Werke.
Wichtiger Quellenbezug: Für die Sendenhorster Erfassung stellte Hans-Günther Fascies dem Verfasser eine mit neueren Fotografien ergänzte Auflistung der Bildstöcke und Wegekreuze zur Verfügung.
Der wohl älteste noch vorhandene Bildstock Sendenhorsts stammt aus dem Jahr 1733. Die Vorderseite zeigt eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, auf der Rückseite erscheint der hl. Donatus.
Der Bildstock Horstmann-Nientiedt von 1788 enthielt bis 1980 eine wertvolle gekrönte Madonna mit Jesuskind. Nach deren Diebstahl ließ die Familie beim Bildhauer Max Hundt in Ahaus ein neues Holzrelief anfertigen.
Der Anna-Bildstock am Hof Feldmann entstand kurz nach 1848 in der Werkstatt eines Münsteraner Künstlers. Er zeigt die enge Verbindung Sendenhorsts mit den Kunst- und Steinmetzwerkstätten der nahen Bischofsstadt.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche neugotische Bildstöcke und Wegekreuze. Zu den Beispielen gehören der Bildstock Kleikamp von 1875, Quantes Kreuz in Rinkhöven und der Marienbildstock Telges-Kerkmann von 1906.
Ein deutlicher Gegenpol zur historischen Steinmetzkunst ist das farbige Mosaik im Bildstock auf Hof Tüte in Sandfort. Es entstand 1967 nach einem Entwurf aus dem Umfeld der Benediktinerinnenabtei Varensell.
Der Bildband von 1988 nennt die Künstlerin „Edeltrud Trost OSB“; in der heutigen kunsthistorischen Dokumentation wird sie als Sr. Erentrud Trost OSB geführt. Sie schuf auch die Chorfenster in St. Martin.
➜ Bildstöcke und Wegekreuze – POI
Die Glasmalerei bildet einen eigenen Schwerpunkt der Sendenhorster Kunstgeschichte. Besonders St. Martin vereinigt Arbeiten mehrerer Künstlergenerationen.
Das Kreuzornament über dem Südportal entstand 1930. Weitere Fenster mit St. Martin, St. Josef, der Dreifaltigkeit, den Evangelisten und der hl. Elisabeth folgten in den 1930er Jahren.
1964 schuf Sr. Erentrud Trost OSB mehrere Chorfenster für St. Martin. Die Themen reichen von Auferstehung und Geistsendung über Eucharistie bis zur Geburt Christi.
Spätere Fenster stammen unter anderem von Josef Dieckmann und Albert Bocklage. Im St.-Josef-Stift entstanden Glasarbeiten von Ludwig Baur und Jörgen Habedank; die Friedenskirche besitzt Arbeiten von Werner Günther.
➜ Glasmalereien in Sendenhorst
Im späten 20. Jahrhundert wurde der öffentliche Raum selbst immer stärker zum Ausstellungsort. Kunst sollte nicht nur im Gebäude, sondern beim Gang durch die Stadt erlebt werden.
1998 schrieb die Stadt einen Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des historischen Promenadenrings aus. Inhaltlich orientierten sich die Arbeiten an Begriffen wie Menschenwürde, Solidarität, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Toleranz, Frieden und Freiheit.
Zu den bekanntesten Werken gehören die „8 Spiegel der Erkenntnis“ von Marnie Moldenhauer. Passanten, Stadtbild und Begriffe spiegeln sich buchstäblich ineinander.
Ulrich Rothmund erhielt den ersten Preis für seine große bewegliche Sandsteinkugel. Beim Rollen erscheint auf einer Sandfläche eine Schrift, die anschließend langsam wieder verschwindet.
Zum Ensemble gehört außerdem die Arbeit „Selig sind, die Frieden stiften …“ des Bildhauers Rudolf Dehmel.
Zum Stadtjubiläum 2015 realisierte der Sendenhorster Künstler und Kunsterzieher Jürgen Krass die siebenteilige Installation „Ausgegraben“. Die historische Begleitung entstand gemeinsam mit dem Journalisten Josef Thesing.
Sieben Stationen greifen sieben Jahrhunderte Stadtgeschichte auf. Kunst, Geschichtserzählung und öffentlicher Raum verschmelzen miteinander.
2019 wurden mehrere Angebote unter dem Titel „5 Rundgänge – Kunst und Geschichte im öffentlichen Raum in Sendenhorst“ zusammengeführt: Kleinhans-Pfad, Promenadenkunst, „Ausgegraben“, Brennereipfad und „Historische Augenblicke“.
➜ Kunst im Promenadenring | ➜ 5 Rundgänge
Die Sendenhorster Kunstgeschichte endet nicht mit Bernhard Kleinhans. Auch heute arbeiten Künstlerinnen und Künstler in der Stadt.
Basilius Kleinhans, geboren 1968, erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater Bernhard Kleinhans. Er ist ausgebildeter Metallgießer und studierte unter anderem an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
Er arbeitet in Sendenhorst und Günzburg. Häufige Motive seiner Plastiken sind Häuser, Boote und Leitern. Bronze wird teilweise mit Gold oder Palladium kombiniert.
Die Malerin Christine Mölleck arbeitet in ihrem Atelier im Späneturm. Natur und Landschaft bilden häufig den Ausgangspunkt ihrer Malerei, werden jedoch zu abstrahierten Farb- und Flächenkompositionen weiterentwickelt.
Jürgen Krass verbindet Grafik, freie Kunst, Objektgestaltung, Kunsterziehung und Kulturvermittlung. Er war jahrzehntelang als Kunsterzieher in Sendenhorst tätig und betreibt das Hofatelier K.
Mit der Installation „Ausgegraben“ verband er Kunst unmittelbar mit der Geschichte Sendenhorsts.
Die Tradition setzt sich fort: Kunst wird in Sendenhorst nicht nur bewahrt und gezeigt – sie wird weiterhin vor Ort geschaffen.
Die Pfarrkirche besitzt die wohl größte Konzentration verschiedener Künstlergenerationen: Renaissance-Taufstein, historische Skulptur, Glasfenster Anton Nachtigällers, Arbeiten Sr. Erentrud Trosts und die moderne liturgische Ausstattung Bernhard Kleinhans’.
Mariensäule, St.-Martin-Plastik, Westfälische Quadriga, weitere Kleinhans-Werke und die Kunst am Promenadenring machen den Stadtkern selbst zu einem Ausstellungsraum.
Vor dem Stift steht seit 1964 eine Bronzegruppe des Bildhauers Ulrich Conrad, die drei Menschen zeigt, die einen Kranken tragen. Im Park kamen später zahlreiche Arbeiten Bernhard Kleinhans’ hinzu.
Dazu gehören beziehungsweise gehörten unter anderem „Frau mit Hut“, der betende Priester und bis August 2026 „David mit Harfe“.
Das denkmalgeschützte Haus Siekmann ist heute ein wichtiges Kulturzentrum. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater und Vorträge verbinden bildende Kunst mit anderen kulturellen Ausdrucksformen.
Bildstöcke und Wegekreuze erweitern die Kunstlandschaft weit über den Stadtkern hinaus. An Hofzufahrten, Kirchwegen und Landstraßen stehen Werke aus mehreren Jahrhunderten – vom anonymen Steinmetz bis zu Seelige, Nachtigäller, Trost und Kleinhans.
Aufgenommen sind Künstler aus Sendenhorst sowie Kunstschaffende, deren Arbeiten das Sendenhorster Stadtbild dauerhaft geprägt haben.
| Name | Bereich | Bezug zu Sendenhorst |
| Bernhard Neuhaus / Niehues | Bildhauerei | Barocker Hochaltar der früheren Pfarrkirche um 1675. |
| Aloys Hofschildern | Schnitzkunst | Kruzifix für den barocken Hochaltar. |
| Agapitus Mertens † 1825 |
Altarbau | Gebürtiger Sendenhorster Franziskaner und Künstler des späten Barock. |
| Alphäus Rinklage | Altarbau | Künstlerischer Partner von Agapitus Mertens. |
| Josef Spithöver 1813–1892 |
Kunsthandel, Mäzenat | Gebürtiger Sendenhorster Kunsthändler und Mäzen in Rom. |
| Bernhard Strickmann * 1862 |
Bildhauerei | Sendenhorster Werkstatt; Kirchen-, Stifts- und Grabkunst. |
| Laurenz Dämmer | Steinbildhauerei | Sendenhorster Werkstatt um 1890. |
| Heinrich Seelige 1872–1937 |
Bildhauerei | Mariensäule, Rathaus, Kirchenfiguren, Grabmale und Ehrenmale. |
| Franz Happe 1863–1897 |
Dichtung | Gebürtiger Sendenhorster Dichter, Sammler und Kunstfreund. |
| Joos Jaspert 1891–1939 |
Malerei, Textilkunst | Gebürtiger Sendenhorster; Künstlergemeinschaft „Schanze“. |
| Anton Nachtigäller 1895–1984 |
Malerei, Grafik, Glas | Gebürtiger Sendenhorster; Glasfenster und sakrale Kunst. |
| Heinrich Nachtigäller | Glas- und Kirchenmalerei | Mitarbeit an Glasfenstern und Restaurierung älterer Bildwerke. |
| Bernhard Kleinhans 1926–2004 |
Bildhauerei, Bronzeguss | Ehrenbürger; prägendster Sendenhorster Bildhauer des 20. Jahrhunderts. |
| Ulrich Conrad | Bildhauerei | Bronzegruppe am St.-Josef-Stift von 1964. |
| Sr. Erentrud Trost OSB 1923–2004 |
Glasmalerei, Mosaik | Chorfenster St. Martin und Mosaik Hof Tüte. |
| Josef Dieckmann | Glasmalerei | Glasfenster in St. Martin. |
| Albert Bocklage | Glasmalerei | Fenster in St. Martin 1988 und 1990. |
| Ludwig Baur | Glasmalerei | Glasgestaltung im St.-Josef-Stift. |
| Jörgen Habedank | Glaskunst | Arbeiten im St.-Josef-Stift. |
| Werner Günther | Glasmalerei | Fenster der Friedenskirche. |
| Marnie Moldenhauer | Installation | „8 Spiegel der Erkenntnis“. |
| Ulrich Rothmund | Bildhauerei, Installation | Sandsteinkugel am Promenadenring. |
| Rudolf Dehmel | Bildhauerei | Kunstwerk am Promenadenring. |
| Basilius Kleinhans * 1968 |
Plastik, Metallguss | Freischaffender Künstler mit Sendenhorster Atelierbezug. |
| Christine Mölleck | Malerei, Installation | Freischaffende Künstlerin im Späneturm. |
| Jürgen Krass | Grafik, Objekt, Installation | Sendenhorster Künstler, Kunsterzieher und Schöpfer von „Ausgegraben“. |
Sendenhorst war nie eine Künstlerstadt im klassischen Sinne. Es gab keine Akademie und keine große Künstlerkolonie. Dennoch entstand über Jahrhunderte eine erstaunlich dichte Kunsttradition.
Sie entwickelte sich aus Kirche, Handwerk und örtlichen Werkstätten. Agapitus Mertens führt in den westfälischen Barock, Josef Spithöver in die Kunstwelt Roms, Heinrich Seelige in die Bildhauerei des Historismus, Joos Jaspert in die westfälische Moderne und Anton Nachtigäller in die moderne Kirchenkunst.
Mit Bernhard Kleinhans wurde schließlich die Stadt selbst zum Ausstellungsraum. Bildstöcke, Glasmalerei, Promenadenkunst, „Ausgegraben“ und die heutigen Ateliers setzen diese Entwicklung bis in die Gegenwart fort.
Kunst steht in Sendenhorst selten neben der Stadtgeschichte – sehr häufig erzählt sie diese Geschichte selbst.
Heinrich Petzmeyer: Sendenhorst – Geschichte einer Kleinstadt im Münsterland. Insbesondere die Abschnitte zur älteren Kirchenausstattung, die Reihe „Sendenhorster Künstler“, Heinrich Seelige, Joos Jaspert, Anton Nachtigäller und Bernhard Kleinhans. Stadt-Heimatarchiv / Shorst_compl.
Hans-Günther Fascies / Heimatverein Sendenhorst: historische Aufzeichnungen, Bildbestände und Dokumentationen des Stadt-Heimatarchivs. Für die Bildstockdokumentation stellte Fascies eine mit neueren Fotografien ergänzte Auflistung der Sendenhorster Flurdenkmäler zur Verfügung.
Dr. Egon Ahlmer / Dietmar Halemba: Bildstöcke und Wegekreuze in der Stadt Sendenhorst, Sparkasse Ahlen, 1988. Für diese Seite wurden ausschließlich die Sendenhorster Objekte ausgewertet.
Elvira Ofenbach: Josef Spithöver – Ein westfälischer Buchhändler, Kunsthändler und Mäzen im Rom des 19. Jahrhunderts. Schnell & Steiner, 1997.
Heimatverein Sendenhorst: POI – Kunst, Geschichte und Rundgänge
Heimatverein Sendenhorst: Bernhard-Kleinhans-Pfad
Heimatverein Sendenhorst: Bildstöcke und Wegekreuze
Heimatverein Sendenhorst: Glasmalereien in Sendenhorst
Heimatverein Sendenhorst: Kunst im Promenadenring / Spiegel der Erkenntnis
Heimatverein Sendenhorst: 5 Rundgänge – Kunst und Geschichte im öffentlichen Raum
Heimatverein Sendenhorst: Baudenkmäler
Stadt Sendenhorst: Kulturpfade
Stadt Sendenhorst: Haus Siekmann
Stadt Sendenhorst, 2025: Offene Kunstateliers – Christine Mölleck, Basilius Kleinhans und Jürgen Krass
Polizei Warendorf, 13.08.2026: Diebstahl der Bronzeplastik „David mit Harfe“
Freie Künstlergemeinschaft Schanze / Stadtmuseum Münster: Informationen zu Joos Jaspert und zur Künstlergemeinschaft „Schanze“.
Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V.: Dokumentation der Sendenhorster Kirchenfenster und ihrer Künstler.
Weitere Grundlagen: Petz-Akten, HGF/Fascies, Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst, Bilddatenbank des Heimatvereins, Häuser- und Hofquellen sowie weitere Bestände aus Shorst_compl.