Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !
Herzlich willkommen beim Heimatverein Sendenhorst e.V. !

Naobers – Nachbarn

Sendenhorst liegt nicht für sich allein. Die Geschichte der Stadt ist eng mit den Orten ringsum verbunden – durch Kirchspiele, Ämter, Straßen, Märkte, Familien, Kriege und gemeinsame Entwicklungen im Münsterland. Außerdem folgt ein zweiter Kreis mit Freckenhorst, Beckum, Münster, Warendorf und Wolbeck: keine unmittelbaren Nachbarn der Stadtgrenze, aber für Sendenhorsts Geschichte und regionale Verflechtung besonders wichtig.

 

Schnellnavigation

Direkt zum Ort – Wappen, Bild oder Ortsname anklicken.

Direkte Nachbarschaft & enger Grenzraum & Beziehungen zu Sendenhorst

Albersloh Albersloh ↓ Alverskirchen Alverskirchen ↓St. Agatha
Everswinkel Everswinkel ↓ Hoetmar Hoetmar ↓
Enniger Enniger ↓ Vorhelm Vorhelm ↓
Ahlen Ahlen ↓ Drensteinfurt Drensteinfurt ↓
St. Antonius Tönnishäuschen Tönnishäuschen ↓Kapelle statt Wappen ↘ Weitere nahe Orte

Weitere nahe Orte – nicht direkte Nachbarschaft, aber wichtig

Freckenhorst Freckenhorst ↓ Warendorf Warendorf ↓
Beckum Beckum ↓ Münster Münster ↓
Wolbeck Wolbeck ↓ ⌕ Nachbarn in den Archiven ↓

Die Nachbarorte – historische Kurzchroniken

Albersloh

Historische Kurzchronik

Albersloh ist der engste historische Partner Sendenhorsts: Seit 1975 bilden beide Orte gemeinsam die Stadt Sendenhorst. Die Siedlungsgeschichte reicht jedoch weit zurück. Für den Raum Ahrenhorst und West sind bereits im frühen Mittelalter Höfe belegt; der eigentliche Ortsname erscheint 1171 in einer bischöflichen Urkunde. Um die Kirche entwickelte sich das Kirchdorf, während die umliegenden Bauerschaften lange landwirtschaftlich geprägt blieben.

Im Mittelalter stand das Kirchspiel in engen Beziehungen zum Domkapitel in Münster. Für 1499 werden rund 500 Einwohner genannt. 1503 goss der bekannte Glockengießer Wolter Westerhues drei Glocken für die Kirche. Die Reformationszeit veränderte einzelne kirchliche Praktiken, Albersloh blieb jedoch katholisch geprägt.

Die Lage zwischen Münster, Wolbeck, Sendenhorst und dem östlichen Münsterland machte den Ort in Kriegszeiten verwundbar. Zwischen 1579 und 1600 kam es im Umfeld des niederländisch-spanischen Krieges zu Überfällen und Plünderungen. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte Einquartierungen und Verwüstungen; 1761 lagerte während des Siebenjährigen Krieges eine französische Armee bei Albersloh.

Um 1800 lebten 259 Haushalte im Ort. Landwirtschaft blieb das Fundament, ergänzt durch Handwerk und Handel. Die politischen Umbrüche zwischen Preußen und französischer Herrschaft erfassten auch Albersloh. Am 17. März 1813 zerstörte ein Großbrand rund 30 Gebäude und prägte das Ortsbild nachhaltig.

Mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn erhielt Albersloh 1903 Anschluss an Münster, Sendenhorst, Enniger und Neubeckum. 1924 entstand das St.-Josef-Hospital. Nach 1945 wuchs die Bevölkerung durch Flüchtlinge und Vertriebene. Die kommunale Neuordnung vereinigte Albersloh 1975 mit Sendenhorst; 2021 wurde an 850 Jahre seit der urkundlichen Erwähnung von 1171 erinnert. [1]

Beziehung zu Sendenhorst – Gericht, Wege und schließlich eine Stadt

Die Verbindung zwischen Albersloh und Sendenhorst ist wesentlich älter als der kommunale Zusammenschluss von 1975. Im Mittelalter reichte der Sendenhorster Rechtsraum bis nach Albersloh. Die Freigrafschaft Sendenhorst war auch für Albersloh zuständig; um 1400 scheint sogar der Richtstuhl in der Hohen Ward bei Albersloh zeitweise den Sendenhorster Hauptstuhl abgelöst zu haben. Noch im 18. Jahrhundert entschieden Sendenhorster Amtsträger über Fragen der gemeinschaftlichen Marken und Weiderechte auch in Albersloh.

Daneben bestand eine ganz praktische Verbindung über Wege, Höfe und Familien. Die Straße nach Albersloh war zugleich eine wichtige Sendenhorster Verbindung in Richtung Münster. Im 19. Jahrhundert wurde ihr Ausbau immer wieder verhandelt; 1903 verband schließlich die Westfälische Landes-Eisenbahn Albersloh und Sendenhorst direkt miteinander.

1975 wurde aus dieser alten Nachbarschaft eine gemeinsame Kommune. Historisch betrachtet war das also nicht der Beginn der Beziehung, sondern ein neuer Abschnitt einer Verbindung, die sich bereits über Gerichte, Verkehrswege, Wirtschaft und Familien über Jahrhunderte entwickelt hatte.

Sendenhorst und Albersloh – die ganze Geschichte →

▲

Zeittafel

um 880 Frühe Hofnennungen im Raum Ahrenhorst.
1171 Erste urkundliche Nennung des Ortsnamens.
1499 Rund 500 Einwohner werden genannt.
1503 Wolter Westerhues gießt drei Kirchenglocken.
1813 Großbrand zerstört etwa 30 Gebäude.
1903 Anschluss an die Westfälische Landes-Eisenbahn.
1975 Zusammenschluss mit Sendenhorst.
2021 850 Jahre erste urkundliche Erwähnung.

▲

Alverskirchen

Historische Kurzchronik

Alverskirchen entstand um 1200 als Kirchdorf. Die Gründung ist mit der Errichtung einer der heiligen Agatha geweihten Kirche unter Bischof Hermann II. von Lippe verbunden. Der ältere Name „Alvinskerken“ verweist nach der örtlichen Überlieferung auf einen Albin, Alvin, Albrie oder Alvrie, der den Baugrund bereitgestellt oder die Kirche gestiftet haben soll.

Mittelpunkt des Ortes blieb über Jahrhunderte St. Agatha. Der massige romanische Turm gehört zu den ältesten Bauteilen und erinnert an die Schutzfunktion mittelalterlicher Kirchplätze. Feuer war für das dicht bebaute Dorf eine ständige Gefahr. Nach mehreren großen Bränden gewann die heilige Agatha als Schutzpatronin gegen Feuersnot besondere Bedeutung; 1703 erhielt der Turm seine heutige Breite.

Im 16. und 17. Jahrhundert litt Alverskirchen wie die ganze Region unter Kriegszügen, Missernten und Seuchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren zahlreiche Höfe verlassen. Im 18. und 19. Jahrhundert blieb die Landwirtschaft die wichtigste Grundlage, doch Kaufleute, Tagelöhner und Handwerker sorgten für eine breitere Wirtschaftsstruktur als im stärker von der Hausweberei abhängigen Everswinkel.

Südlich des Dorfes liegt Gut Brückhausen, das die Geschichte der Umgebung über lange Zeit mitprägte. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte der Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen die Bevölkerungsstruktur deutlich; aus dem alten Kirchdorf entwickelte sich zunehmend eine ländliche Wohngemeinde.

Everswinkel und Alverskirchen waren mehr als 150 Jahre politisch getrennt. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurden beide 1975 wieder zur Gemeinde Everswinkel zusammengeschlossen. Der historische Ortskern um St. Agatha ist bis heute der prägende Bezugspunkt Alverskirchens. [2]

Beziehung zu Sendenhorst – Höfe und der umstrittene Kommunikationsweg

Eine konkrete Quelle führt in die Jahre 1853 bis 1855: Auf dem Kommunikationsweg Sendenhorst–Wolbeck waren Wegstellen bei Tauwitte und Uland umstritten. Am 15. März 1853 wurde über ihren schlechten Zustand korrespondiert. Im August 1854 lehnten Bewohner der Sendenhorster Bauerschaft Elmenhorst eine dauerhafte Unterhaltungspflicht ab; im Mai 1855 verweigerte auch der Alverskirchener Gemeinderat eine entsprechende Verpflichtung.

Die Auseinandersetzung zeigt, wie eng beide Kirchspiele wirtschaftlich verflochten waren und wie schwierig es war, die Unterhaltung grenzüberschreitender Wege verbindlich zu regeln. Der genaue Verlauf und die abschließende Entscheidung sind gesondert zu prüfen.

▲

Zeittafel

um 1200 Errichtung der Pfarrkirche St. Agatha; Entstehung des Kirchdorfs.
16./17. Jh. Brände, Kriegswirren und verlassene Höfe belasten den Ort.
1613 Johannes wird noch als Kirchenpatron genannt; Agatha gewinnt später Vorrang.
1703 Der romanische Kirchturm erhält seine heutige Breite.
nach 1945 Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen.
1975 Zusammenschluss mit Everswinkel zur heutigen Gemeinde.

▲

Everswinkel

Historische Kurzchronik

Everswinkel entwickelte sich aus einer alten bäuerlichen Siedlungslandschaft entlang von Mußenbach, Hagenbach und Kehlbach. Große Höfe wie Schulze Kelling und Schulze Westhoff bestanden bereits vor 1100. Der geschlossene Dorfkern entstand später im Schutz der Kirche und ihrer Befestigungen.

Die St.-Magnus-Pfarrei reicht nach der örtlichen Geschichtsdarstellung in das 10. Jahrhundert zurück. Rund um die Wehrkirche standen „Spieker“: Speicherbauten, die in unsicheren Zeiten zugleich Schutz für Menschen, Vorräte und Vieh boten. Aus diesem Kirchhof entwickelte sich nach und nach ein Dorf mit Tagelöhnern, Händlern und Handwerkern.

Kriege, Pest und Brände trafen Everswinkel ebenso wie Alverskirchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lagen viele Höfe wüst. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde die Leinenweberei zur wichtigsten gewerblichen Erwerbsquelle. 1825 waren von 149 Handwerkern im Dorf 89 Weber – ein außergewöhnlich hoher Anteil.

Die maschinelle Textilproduktion leitete ab etwa 1830 den Niedergang der Hausweberei ein. 1882 wird kein einziger Weber mehr genannt. Weil die großen Eisenbahnlinien am Ort vorbeiführten und keine bedeutende Industrie entstand, war der Strukturwandel zunächst schmerzhaft. Landwirtschaft und die Versorgung der wachsenden Industriegebiete wurden dagegen zunehmend rentabel.

Nach 1945 wandelte sich Everswinkel durch Bevölkerungszuwachs, Motorisierung und steigenden Wohlstand zur ländlichen Wohngemeinde. 1975 wurde das zuvor getrennte Alverskirchen wieder mit Everswinkel zu einer Gemeinde vereinigt. [3]

Beziehung zu Sendenhorst – Grenzstreit 1829 und der Weg über den Everswinkler Berg

Für die Beziehung liegen zwei bemerkenswert konkrete archivalische Hinweise vor: Im Bestand des Landratsamtes Warendorf wird unter A 221 eine „Strittige Grenze zw Everswinkel und Sendenhorst 1829“ geführt. Im Gemeindebestand Everswinkel nennt A 66 die „Instandhaltung Weg auf dem Everswinkler Berg nach S[endenhorst] 1833–1844“. Beide Einträge stammen aus archivalischen Verzeichnissen; Streitverlauf und Ergebnis sind damit noch nicht geklärt.

Neben den Höfen, Heiraten und Arbeitswegen waren somit ausdrücklich auch Grenzziehung und Wegeunterhaltung Gegenstand amtlicher Vorgänge. Seit 1816 lagen die Orte zudem in unterschiedlichen preußischen Kreisen: Everswinkel im Kreis Warendorf, Sendenhorst im Kreis Beckum.

▲

Zeittafel

10. Jh. St.-Magnus-Pfarrei und Kirchhofsburg prägen die frühe Ortsentwicklung.
vor 1100 Große Höfe wie Schulze Kelling und Schulze Westhoff sind bereits vorhanden.
17. Jh. Kriegsfolgen, Brände und verlassene Höfe.
1825 89 von 149 Handwerkern im Dorf sind Weber.
ab 1830 Maschinelle Textilproduktion verdrängt die Hausweberei.
1882 Kein Weber wird mehr im Ort genannt.
1975 Zusammenschluss mit Alverskirchen.

▲

Hoetmar

Historische Kurzchronik

Hoetmars frühe Überlieferung verlangt etwas Vorsicht: Eine angebliche Nennung von 851 steht in einer später als Fälschung erkannten Urkunde. Ab dem 11. Jahrhundert lässt sich der Ort unter verschiedenen Namensformen zuverlässig verfolgen. Bedeutend für die Entwicklung war Haus Hoetmar, das aus einer mittelalterlichen Burg hervorging und später zu einem Renaissancesitz umgestaltet wurde.

Kirche, Grundherrschaften und bäuerliche Höfe bestimmten das Leben über Jahrhunderte. Die Hoetmarer Kirche ist 1281 belegt. Die Bauern waren verschiedenen geistlichen und weltlichen Herren verpflichtet. Eine wichtige Einrichtung war die Markengenossenschaft, die gemeinschaftlich genutzte Flächen regelte.

Kriegszeiten trafen das Kirchspiel empfindlich. Im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg wurden Felder verwüstet, Vieh geraubt und die Bevölkerung mit Einquartierungen und Abgaben belastet. Unter napoleonischem Einfluss endeten 1808 alte Formen persönlicher Abhängigkeit; 1839 wurde die gemeinschaftliche Mark endgültig aufgeteilt.

Zum kirchlichen Leben gehört auch die Marienkapelle in Buddenbaum. 1959/60 entstand mit viel freiwilliger Arbeit die evangelische Michaeliskapelle. Damit spiegelte sich auch konfessionell der Wandel der Nachkriegszeit wider.

Die kommunale Neuordnung veränderte Hoetmars Zugehörigkeit zweimal in kurzer Folge: 1969 wurde der Ort Freckenhorst zugeordnet, 1975 kam er mit Freckenhorst zur Stadt Warendorf. Die historische Eigenart des Dorfes und seiner Bauerschaften blieb dennoch stark erhalten. [4]

Beziehung zu Sendenhorst – Gogericht, eigener Markengerichtsstand und der Weg über die Angel

Hoetmar gehörte zum Zuständigkeitsbereich des Sendenhorster Gogerichts; auch für das Sendenhorster Freigericht sind Beziehungen zu Hoetmar überliefert. Davon zu unterscheiden ist das eigenständige Hoetmarer Holz- beziehungsweise Markengericht, das am „Beerhuys“ in Hoetmar tagte. Die frühere Aussage, das Sendenhorster Markengericht habe Hoetmar verwaltet, wäre in dieser Form irreführend.

Fascies verzeichnet Prozessakten zwischen Hoetmar und Sendenhorst für 1691–1694 und 1789–1799. 1808 verlor Hoetmar seinen Gerichtsstand in Sendenhorst und wurde dem Friedensgericht Warendorf zugewiesen. Aus demselben Jahr stammt die Beschreibung eines Fußwegs über Suermanns Weidekamp und einen einfachen Übergang über die Angel, den auch Milchmädchen benutzten.

Ein Aktenkomplex zu Wege- und Brückenreparaturen umfasst 1836–1876. Am 29. Juli 1874 schloss sich Sendenhorst einer Gebührenbefreiung für Passanten zwischen Sendenhorst und Hoetmar an. Die konkreten Inhalte der nur über Findbucheinträge bekannten Prozess- und Wegeakten bleiben noch zu prüfen.

▲

Zeittafel

851 Frühe, später als Fälschung erkannte Nennung.
11. Jh. Zuverlässige schriftliche Nennungen des Ortes.
1281 Kirche in Hoetmar belegt.
1808 Aufhebung der Leibeigenschaft im napoleonischen Reformzeitalter.
1839 Endgültige Aufteilung der gemeinschaftlichen Mark.
1959/60 Bau der evangelischen Michaeliskapelle.
1969 Zuordnung zu Freckenhorst.
1975 Hoetmar wird Teil der Stadt Warendorf.

▲

Enniger

Historische Kurzchronik

Enniger besitzt eine lange Hof-, Kirchen- und Adelsgeschichte. Bereits um 1000 bestand der Gräftenhof des Hauses Enniger im kirchlichen Umfeld von St. Mauritz in Münster; auch andere alte Hofstellen sind früh belegt. Der Ortsname „Anigere“ erscheint 1226 sicher in den Quellen.

Haus Enniger wechselte mehrfach den Besitzer. Über Heiraten und Belehnungen kamen verschiedene Adelsfamilien zum Zuge; besonders die Familie von Voß hinterließ Spuren in der örtlichen Tradition. Der „Junker Voß“ ist bis heute eine bekannte Figur des Ennigeraner Brauchtums. Nach der Säkularisation wurde Haus Enniger staatliches Domänengut.

Ein zweiter bedeutender Adelssitz war Haus Neuengraben, das um 1500 entstand. Später gehörte es unter anderem den Familien von der Engelborg und von Galen. 1975 wurde das Anwesen verkauft und anschließend abgebrochen – ein einschneidender Verlust historischer Bausubstanz. Die Vossbachmühle konnte dagegen wiederaufgebaut und als Begegnungsstätte erhalten werden.

Zu den weiteren historischen Fixpunkten gehören Schulze Balhorn, dessen Geschichte bis in das Hochmittelalter reicht, sowie der Pfarrhof mit Fachwerk von 1679 und die alte Rückämper Kapelle. Die Kirche erhielt im 19. Jahrhundert ihre heutige Gestalt.

Seit der kommunalen Neuordnung von 1975 gehört Enniger zur Stadt Ennigerloh. Die Nähe zu Vorhelm, Sendenhorst und Beckum sowie alte Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen machen den Ort zu einem wichtigen Teil des historischen Umfelds Sendenhorsts. [5]

Beziehung zu Sendenhorst – Gemeinsame Amtsverwaltung – aber nicht schon im Mittelalter

Enniger gehörte vor 1803 zum Amt Stromberg und zum Gericht Oelde, Sendenhorst hingegen zum Amt Wolbeck. Die ältere Geschichte beider Orte darf deshalb nicht als gemeinsame Amts- oder Gerichtszugehörigkeit dargestellt werden. Eine anschauliche Verbindung ist die Firmungs- und Visitationsreise von Bischof Caspar Max Droste zu Vischering 1839: Sie führte von Sendenhorst über Vorhelm nach Enniger.

1851 wurde das Amt Sendenhorst aufgelöst. Die Stadt wurde amtsfrei, während das ländliche Kirchspiel Sendenhorst dem Amt Vorhelm zugeordnet wurde, dem auch Enniger angehörte. Dessen Verwaltung saß in Tönnishäuschen. 1955 schied das Kirchspiel wieder aus dem Amt Vorhelm aus; Ende 1967 kamen Enniger und Vorhelm vorübergehend zum Amt Sendenhorst. 1975 wurde Enniger Teil von Ennigerloh.

Seit 1903 verband zudem die Westfälische Landes-Eisenbahn Enniger mit Sendenhorst und Albersloh. Diese Verkehrsverbindung ergänzte die älteren Kontakte zwischen Bauernhöfen, Märkten und Familien.

Für die Wegegeschichte ist die Bahnlinie besonders aufschlussreich: Die 1903 eröffnete Strecke Münster–Neubeckum besaß sowohl in Sendenhorst als auch in Enniger einen Bahnhof; zwischen beiden lag der Haltepunkt Tönnishäuschen. Sie erschloss den Personenverkehr ebenso wie den Versand landwirtschaftlicher Erzeugnisse und anderer Güter. Die Kreisarchiv-Unterlagen zur Planung nennen ausdrücklich Grundstücke der Gemeinde Enniger, die für den Bahnbau benötigt wurden.

Die Verbindung war auch eine Verwaltungsgeschichte der Landbevölkerung: Zwischen 1851 und 1955 gehörte das Kirchspiel Sendenhorst zusammen mit Enniger zum Amt Vorhelm. Für Geburts-, Heirats-, Melde- und andere Verwaltungsangelegenheiten ist daher die gemeinsame Amtsüberlieferung ein wichtiger Forschungsansatz. Eine pauschale gemeinsame mittelalterliche Gerichtsbarkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei der Familienforschung bieten sich die Kirchenbücher beider Pfarreien, die Höfeakten und die Register des Amtes Vorhelm als Vergleichsquellen an. Konkrete Heiratslinien zwischen einzelnen Sendenhorster und Ennigeraner Höfen sind bislang nicht systematisch belegt und werden deshalb hier nicht behauptet.

▲

Zeittafel

um 1000 Haus Enniger und weitere alte Hofstrukturen sind im Raum fassbar.
um 1090 Schulze Balhorn wird im Zusammenhang mit dem Kloster Freckenhorst genannt.
1226 Erste sichere Nennung „Anigere“.
um 1500 Entstehung von Haus Neuengraben.
1679 Fachwerkbau des historischen Pfarrhofs.
1863 Kirche erhält im Wesentlichen ihr heutiges Erscheinungsbild.
1975 Enniger wird Stadtteil von Ennigerloh; Haus Neuengraben wird später abgebrochen.

▲

Vorhelm

Historische Kurzchronik

Vorhelms Geschichte reicht weit vor die geschlossene Dorfentwicklung zurück. Archäologische Funde weisen auf eine frühe Besiedlung des Raumes. Schriftlich erscheint „Furelmi“ 864 in einer Überlieferung um den heiligen Liudger. 1193 erhob der Bischof von Münster die Pankratiuskirche zur Pfarrkirche – ein wichtiger Schritt für die Ausbildung des Dorfes.

Im Mittelalter gehörte Vorhelm zum Archidiakonat St. Mauritz und zum Amt Wolbeck. Das Rittergeschlecht von Torck prägte den Ort und Haus Vorhelm seit dem späten Mittelalter. 1487 wurde die Vikarie St. Anna gestiftet; wenig später tritt auch die Antoniusverehrung im benachbarten Isendorf/Tönnishäuschen hervor.

Der Dreißigjährige Krieg brachte Plünderungen und Zerstörungen. 1632 brannte die Kirche nieder. 1707 gelangte Haus Vorhelm durch Erbschaft an die Drosten zu Vischering, die den Herrensitz und sein Umfeld im 18. Jahrhundert stark prägten. Auch die heutige Antoniuskapelle in Tönnishäuschen entstand in diesem Zusammenhang.

Im 19. Jahrhundert wirkte der Strontianitbergbau als zeitweiliger wirtschaftlicher Impuls. 1862 wurde in Vorhelm der Heimatdichter Augustin Wibbelt geboren. 1893 wurde die neue Pfarrkirche St. Pankratius geweiht. Die Eisenbahn und später der Straßenverkehr banden den Ort enger an Ahlen und das weitere Münsterland an.

Am 1. Januar 1975 wurde Vorhelm mit der kommunalen Neuordnung Stadtteil von Ahlen. Trotz dieses Verwaltungswechsels blieb die historische Identität des alten Kirchspiels mit Haus Vorhelm, St. Pankratius und Tönnishäuschen deutlich sichtbar. [6]

Beziehung zu Sendenhorst – Markengrenze, Amt Vorhelm und gemeinsame Verwaltungswege

Die alte Nachbarschaft ist besonders über Nutzungsrechte und Verkehrswege greifbar. Bei der Markenteilung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Nienholtbach als Grenzscheide genannt. Eine wichtige Verbindung führte über Tönnishäuschen, den Knotenpunkt zwischen Sendenhorst, Vorhelm, Ahlen und Warendorf.

1851 wurde das ländliche Kirchspiel Sendenhorst dem Amt Vorhelm zugeteilt, während die Stadt Sendenhorst amtsfrei blieb. Der Amtssitz lag in Tönnishäuschen. 1955 wechselte das Kirchspiel in das neugebildete Amt Sendenhorst; Ende 1967 wurde das Amt Vorhelm aufgelöst, und Vorhelm gehörte vorübergehend zum Amt Sendenhorst. Seit 1975 gehört Vorhelm zu Ahlen.

Ein konkretes Ereignis verbindet die Orte im Mai 1839: Die Visitationsreise von Bischof Caspar Max Droste zu Vischering führte von Sendenhorst über Vorhelm weiter nach Enniger.

Der Verwaltungsschnitt zwischen Stadt und Land war für Sendenhorst besonders bemerkenswert: Die Stadt blieb nach 1851 amtsfrei, während die Bewohner des umliegenden Kirchspiels zum Amt Vorhelm gehörten. Wer auf einem Sendenhorster Hof lebte, hatte deshalb teilweise andere Amtswege als jemand innerhalb der Stadtgrenzen. Der Amtssitz Tönnishäuschen wurde zu einem konkreten Anlaufpunkt.

Verkehrlich verbanden die Wege über Tönnishäuschen die Sendenhorster Bauerschaften mit Vorhelm und weiter mit Ahlen und Warendorf. Die alte Landschaft aus Höfen, Marken, Bachläufen und Feldwegen bildete dabei einen zusammenhängenden Wirtschaftsraum; Grenzfragen und Weiderechte waren entsprechend praktisch bedeutsam.

Vorhelm gehört auch zur Personengeschichte der Region: Der dort 1862 geborene Dichter Augustin Wibbelt schrieb über das münsterländische Dorfleben und die plattdeutsche Sprache. Seine Texte sind eine wichtige Vergleichsquelle für das sprachliche Umfeld Sendenhorsts, ohne dass daraus eine besondere persönliche Verbindung Wibbelts zu Sendenhorst abgeleitet werden kann.

▲

Zeittafel

864 „Furelmi“ wird in einer Liudger-Überlieferung genannt.
1193 St. Pankratius wird Pfarrkirche.
1413 Haus Vorhelm ist mit der Familie von Torck verbunden.
1487 Stiftung der Vikarie St. Anna.
1632 Die Kirche brennt im Dreißigjährigen Krieg nieder.
1707 Haus Vorhelm gelangt an Droste zu Vischering.
1862 Geburt des Heimatdichters Augustin Wibbelt.
1870–1893 Strontianitbergbau bringt einen wirtschaftlichen Impuls.
1893 Weihe der neuen St.-Pankratius-Kirche.
1975 Vorhelm wird Stadtteil von Ahlen.

▲

Tönnishäuschen

Kapelle, Wegekreuz und historischer Grenzraum

Tönnishäuschen ist kein historisch selbständiges Kirchspiel wie die klassischen Nachbarorte, gehört aber wegen seiner Lage und seiner engen Verbindungen nach Vorhelm und Sendenhorst unmittelbar in diese Übersicht. Der Platz liegt in der alten Bauerschaft Isendorf, die bereits im 10. Jahrhundert als „Isingthorpe“ in der Freckenhorster Überlieferung erscheint. Seinen Namen verdankt Tönnishäuschen der Antoniusverehrung und einer alten Kapelle an einem wichtigen Wegekreuz.

Die älteste greifbare Nachricht stammt aus dem Jahr 1499: Ein Steuerregister nennt „Lambert by sunte Anthonii“. Daraus lässt sich schließen, dass bereits damals eine Antoniusstätte – möglicherweise zunächst Kapelle oder Bildstock – bestand. Der heilige Abt Antonius wurde im Münsterland besonders als Schutzheiliger gegen Seuchen bei Mensch und Tier verehrt; im Volksmund hieß er „Swinetüns“.

1522 errichteten die Bewohner Isendorfs eine neue Kapelle, die durch Bischof Erich von Sachsen-Lauenburg geweiht wurde. 1664 ist zum Gedächtnis der Kirchweihe am 31. August eine feierliche Messe belegt; dabei wurde das Glöcklein erstmals gebraucht. 1749 berichtet Pfarrer Wilberding von einem großen Antoniusfest unter Beteiligung der gesamten Gemeinde Vorhelm.

Unter den Drosten zu Vischering entstand schließlich die heutige Kapelle aus Ziegelstein. Sie wurde am 29. Oktober 1752 mit ihrem Altar feierlich geweiht. 1791 verlieh Papst Pius VI. den Besuchern in der Festoktav des heiligen Antonius von Padua einen vollkommenen Ablass. Aus dem Kapellenplatz entwickelte sich mit Wirtshaus, Schule und weiteren Einrichtungen ein kleiner, weithin bekannter Siedlungspunkt.

Im 19. Jahrhundert wurde Tönnishäuschen auch zu einem kleinen Verkehrsknoten im ländlichen Raum: 1861 lief eine Personenpost von Warendorf über Freckenhorst und Tönnishäuschen nach Ahlen; ab August desselben Jahres bestand außerdem eine Verbindung von Drensteinfurt über Sendenhorst nach Tönnishäuschen. 1888 beschlossen die Eingesessenen Isendorfs den Bau einer Schule am Tönnishäuschen. 1999 wurde das 500-jährige Bestehen des Namens mit einer umfangreichen Orts- und Kapellengeschichte gewürdigt. 2016 führte auch ein Schnadegang des Heimatvereins Sendenhorst nach Tönnishäuschen – ein schönes Beispiel dafür, wie eng dieser Grenzraum bis heute mit Sendenhorst verbunden ist. [7]

Beziehung zu Sendenhorst – Der kleine Ort als Amtssitz für das Sendenhorster Kirchspiel

Tönnishäuschen, historisch in der Bauerschaft Isendorf, lag an der Kreuzung wichtiger Landstraßen. Der Ort ist nach der Antoniuskapelle benannt; die heutige barocke Kapelle stammt von 1752. Bei der Visitation des Bischofs Caspar Max Droste zu Vischering am 29. Mai 1839 ist eine Abordnung von 36 Reitern überliefert.

Die eigentliche Besonderheit liegt in der Verwaltung: Tönnishäuschen war Sitz des Amtes Vorhelm, zu dem seit 1851 auch das ländliche Kirchspiel Sendenhorst gehörte – nicht aber die amtsfreie Stadt. Für Bewohner der Sendenhorster Bauerschaften konnten Amtswege deshalb ausgerechnet zu diesem kleinen Ort führen. 1955 kehrte das Kirchspiel in das Amt Sendenhorst zurück; seit 1975 gehört Tönnishäuschen mit Vorhelm zu Ahlen.

Die Kreuzung der Straßen zwischen Münster und Beckum sowie Ahlen und Warendorf machte Tönnishäuschen zu einem kleinen Verkehrsknoten. Von Sendenhorst führte der Weg über diesen Ort weiter in Richtung Enniger und Warendorf. Der Kreuzungsbereich verbindet die Geschichte der Chausseen mit der späteren Eisenbahn: Der WLE-Haltepunkt Tönnishäuschen lag nördlich des Ortes und gehörte zur 1903 eröffneten Strecke Münster–Neubeckum.

Eine besonders konkrete Verbindung ist für 1861 überliefert: Eine Personenpost fuhr von Drensteinfurt über Sendenhorst nach Tönnishäuschen. Dort bestand Anschluss an weitere Verkehrswege in Richtung Ahlen und Warendorf. Das macht verständlich, warum der kleine Ort für Reisende aus Sendenhorst eine größere Rolle spielte, als seine Größe vermuten lässt.

Noch wichtiger war die Verwaltung: Als Sitz des Amtes Vorhelm war Tönnishäuschen von 1851 bis 1955 auch für das ländliche Kirchspiel Sendenhorst zuständig. Das betrifft nicht die damals amtsfreie Stadt. Der Ort war somit nicht nur eine Wegkreuzung, sondern zeitweise ein behördlicher Bezugspunkt für einen Teil der Sendenhorster Bevölkerung.

▲

Zeittafel

10. Jh. Isendorf erscheint als „Isingthorpe“ in der Freckenhorster Überlieferung.
1499 „Lambert by sunte Anthonii“ – älteste sichere Nachricht zur Antoniusstätte.
1522 Bewohner Isendorfs errichten und weihen eine neue Kapelle.
1664 Feierliche Messe; das Kapellenglöcklein wird erstmals gebraucht.
1749 Großes Antoniusfest mit Beteiligung der Gemeinde Vorhelm.
1752 Weihe der heutigen Antoniuskapelle am 29. Oktober.
1791 Papst Pius VI. gewährt einen Ablass für Besucher der Festoktav.
1861 Personenpost verbindet Tönnishäuschen mit Warendorf/Ahlen sowie über Sendenhorst mit Drensteinfurt.
1888 Beschluss zum Bau einer Schule am Tönnishäuschen.
1999 Feier „500 Jahre Tönnishäuschen“.
2016 Schnadegang des Heimatvereins Sendenhorst nach Tönnishäuschen.

▲

Ahlen

Historische Kurzchronik

Ahlen ist der größte unmittelbare städtische Nachbar im Südosten. Im frühen 9. Jahrhundert entstand die Taufkirche St. Bartholomäus; um 850 erscheint „villa alna“ in der Liudger-Überlieferung. Mit Marktrechten 1214, der Bezeichnung als Stadt 1224 und der Stadtgerichtsbarkeit 1245 entwickelte sich Ahlen zu einem wichtigen Zentrum des östlichen Münsterlandes.

Im späten Mittelalter war Ahlen in den hansischen Handel eingebunden. Die Stadt war befestigt, besaß Kirchen, Spitäler und ein ausgeprägtes Handwerk. Pestzüge, Brände und Kriege unterbrachen diese Entwicklung immer wieder. Besonders der Dreißigjährige Krieg belastete Ahlen durch wiederholte Plünderungen und Einquartierungen.

Nach 1815 begann unter preußischer Herrschaft ein tiefgreifender Strukturwandel. Der Eisenbahnanschluss 1847 verbesserte die Verkehrsverbindungen erheblich. Plüschweberei und Emailleindustrie schufen neue Arbeitsplätze; mit dem Steinkohlenbergbau ab 1911 wurde Ahlen endgültig zur Industrie- und Arbeiterstadt.

Die NS-Zeit brachte Verfolgung und die Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht 1938. 1945 wurde die Stadt kampflos an amerikanische Truppen übergeben. 1947 verabschiedete die CDU in Ahlen das „Ahlener Programm“, das dem Stadtnamen überregionale politische Bedeutung gab.

1975 wurde Vorhelm nach Ahlen eingemeindet. Damit reicht das heutige Ahlener Stadtgebiet bis unmittelbar an den Sendenhorster Raum heran; familiäre, wirtschaftliche, schulische und verkehrliche Beziehungen zwischen beiden Städten sind entsprechend eng. [8]

Beziehung zu Sendenhorst – wahrscheinlich bis zu den kirchlichen Anfängen

Unter allen Nachbarorten könnte Ahlen für die Frühgeschichte Sendenhorsts eine besondere Rolle gespielt haben. Als die Werdener Urbare um 890 Siedlungen des heutigen Sendenhorster Gebietes erfassen, gab es noch keine Pfarrei Sendenhorst. Heinrich Petzmeyer nimmt für diese frühen Bauerschaften eine Orientierung nach Ahlen an. St. Bartholomäus in Ahlen gilt als ein früher Pfeiler des von Liudger geprägten Pfarrsystems.

Zwischen etwa 1100 und 1175 entstand dann die Pfarrei Sendenhorst als gemeinsamer kirchlicher Mittelpunkt der umliegenden Bauerschaften. Die Heimatvereinsüberlieferung hält eine Abpfarrung von Ahlen für wahrscheinlich; urkundlich lässt sich dieser Vorgang jedoch nicht mehr nachweisen. Deshalb sollte man nicht von einer „Gründung Sendenhorsts durch Ahlen“ sprechen. Treffender ist: Ahlen war wahrscheinlich der ältere kirchliche Bezugspunkt des Raumes, aus dem sich die Pfarrei Sendenhorst entwickelte.

Auch danach blieb die Verbindung eng. Die südliche Sendenhorster Bauerschaft Jönsthövel orientierte sich besonders stark nach Ahlen. Im mittelalterlichen Rechtswesen gehörten Ahlen-Halene und Sendenhorst ebenfalls zu überlappenden Gerichtslandschaften. Noch anschaulicher ist Borbein: Teile der Ahlener Bauerschaft lagen näher an Sendenhorst als an der Ahlener Stadtmitte; für viele Bewohner war Sendenhorst deshalb der nähere Kirchen-, Einkaufs- und Alltagsort.

Im 19. und 20. Jahrhundert kamen neue Verbindungen hinzu. Ahlen war Markt- und später Industriestadt für den Sendenhorster Raum. Landwirtschaftliche Erzeugnisse gingen auf den Ahlener Markt, während Sendenhorster Arbeiter später zur Zeche Ahlen pendelten. Damit wechselte die Beziehung mehrfach ihre Funktion: vom mutmaßlichen frühen Kirchenzentrum über Grenz- und Gerichtsbeziehungen bis zum Arbeits- und Wirtschaftsraum.

Die Achse Ahlen–Sendenhorst gehört damit zu den ältesten und vielschichtigsten Beziehungen der Sendenhorster Geschichte.

Nachbarn seit Jahrhunderten


Nur wenige Kilometer trennen Sendenhorst und Ahlen. Auf der heutigen Landkarte ist die Sache eindeutig: hier Sendenhorst, dort Ahlen, dazwischen die Stadtgrenze. Historisch war diese Grenze jedoch selten eine wirkliche Trennlinie.

Kirche und Gericht, Straßen und Post, Familien und Höfe, Handel und Arbeit verbanden beide Orte immer wieder auf andere Weise. Ahlen war für Sendenhorst zu verschiedenen Zeiten kirchlicher Bezugspunkt, Gerichtsort, Absatzmarkt, Arbeitsplatz, Schul- und Versorgungsstadt. Umgekehrt wirkten Sendenhorster Familien, Unternehmen und Einrichtungen nach Ahlen hinein.

Besonders in den angrenzenden Bauerschaften zeigt sich: Die Geschichte hielt sich selten so sauber an Gemeindegrenzen wie unsere heutigen Karten.

Die ältesten Verbindungen
Die Beziehungen reichen vermutlich weiter zurück als die Geschichte Sendenhorsts als Stadt. Ahlen gehörte mit St. Bartholomäus zu den frühen kirchlichen Mittelpunkten der Region. Für Teile des späteren Sendenhorster Kirchspiels ist daher eine frühe Orientierung nach Ahlen wahrscheinlich. Wann und unter welchen Umständen Sendenhorst kirchlich selbstständig wurde, lässt sich bislang allerdings nicht durch eine eindeutige Urkunde festlegen.
Spätestens im Mittelalter entwickelte sich Sendenhorst selbst zu einem Mittelpunkt mit Kirche, Markt und Gericht. Damit standen sich nicht einfach eine größere und eine von ihr abhängige kleinere Stadt gegenüber. Beide Orte besaßen eigene Funktionen und Einzugsbereiche – und diese überschnitten sich.

Jönsthövel und Borbein – Leben an der Grenze
Besonders deutlich wird das in der Sendenhorster Bauerschaft Jönsthövel und dem angrenzenden Ahlener Borbein. Historische Quellen zeigen Beziehungen Jönsthövels zum Raum Ahlen. Für das 17. Jahrhundert finden sich beispielsweise Verbindungen zum Gogericht Ahlen. Auch familiär war die Grenze durchlässig. 1716 heiratete der Sendenhorster Johan Silling die aus Ahlen stammende Catharina Schulte Rötering. Weitere Heiratsverbindungen zwischen Familien beider Seiten sind überliefert.
Für die Menschen auf den Höfen war ohnehin nicht allein entscheidend, zu welcher Gemeinde ihr Hof später einmal gehören würde. Kirche, Markt, Handwerker, Verwandtschaft, Besitz und Nachbarhöfe bestimmten den Alltag. Jönsthövel und Borbein waren deshalb weniger zwei voneinander getrennte Randgebiete als Teile eines alten Grenz- und Begegnungsraumes.

Mal gehört Sendenhorst zu Ahlen
Während der französischen Herrschaft wurde aus der gewachsenen Nachbarschaft vorübergehend eine formelle Verwaltungsbeziehung. 1808 wurde Sendenhorst dem Kanton Ahlen im Großherzogtum Berg zugeordnet.
Die Ordnung blieb nicht lange bestehen. Im Zuge der weiteren napoleonischen Neuorganisation wurde Sendenhorst selbst zeitweise Kantonsort. Nach dem Ende der französischen Herrschaft folgte jedoch eine nachhaltigere Veränderung: Das bisherige Sendenhorster Stadt- und Landgericht wurde 1814 Ahlen zugeschlagen. Damit verlor Sendenhorst eine seiner alten zentralörtlichen Funktionen. Die Gerichtsorganisation wurde danach mehrfach verändert, Ahlen blieb jedoch ein wichtiger Justizstandort für Sendenhorst. Bis heute gehört Sendenhorst zum Bezirk des Amtsgerichts Ahlen.

Der Ahlenner Damm
Im frühen 19. Jahrhundert wurde auch die Verkehrsverbindung ausgebaut. 1833 erscheint in amtlichen Unterlagen bereits eine chaussierte Strecke „von Sendenhorst auf Ahlen“. 1836 wurde der sogenannte Ahlensche Damm über die Heide angelegt.
Eine befestigte Straße bedeutete damals weit mehr als etwas mehr Reisekomfort. Sie erleichterte den Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Vieh und Waren und verband Märkte, Handwerker und Verwaltungen.
Auch die Post nutzte diese Achse. Im 19. Jahrhundert verkehrte eine Personenpost auf der Strecke:

Beckum – Ahlen – Sendenhorst – Münster.
Sendenhorst lag damit keineswegs abgeschieden zwischen den größeren Orten, sondern unmittelbar auf einer regionalen Verkehrsverbindung.

Die Eisenbahn verändert die Gewichte
1847 erhielt Ahlen Anschluss an die Köln-Mindener Eisenbahn. Sendenhorst blieb zunächst ohne Bahnanschluss und suchte deshalb andere Wege zum Eisenbahnnetz. Unter anderem wurde die Verbindung nach Drensteinfurt verbessert.
Erst 1903 erreichte die Westfälische Landes-Eisenbahn Sendenhorst. Sie führte jedoch nicht nach Ahlen, sondern verband Sendenhorst über Albersloh mit Münster und in der anderen Richtung über Beckum mit dem weiteren Bahnnetz.
So entstand eine bemerkenswerte Situation:
Ahlen lag geografisch ganz nah – war mit Sendenhorst aber nie direkt durch eine Eisenbahn verbunden.
Für die Verbindung der beiden Nachbarstädte blieb deshalb die Straße besonders wichtig.

Handel in beide Richtungen
Auch wirtschaftlich waren Sendenhorst und Ahlen längst miteinander verflochten.

Die im 19. Jahrhundert bedeutende Sendenhorster Brennereiwirtschaft produzierte weit über den örtlichen Bedarf hinaus. Für die 1847 gegründete Brennerei Werring in Elmenhorst sind beispielsweise Kunden in Ahlen nachweisbar. Sendenhorster Korn wurde also in Ahlen verkauft und getrunken. Gleichzeitig gingen Sendenhorster nach Ahlen und wurden dort selbst wirtschaftlich aktiv. Ein schönes Beispiel ist Bernhard Heinrich Beumer. Er wurde 1815 in Sendenhorst geboren, ging 1838 nach Ahlen und erwarb dort 1842 das Haus Weststraße 10. Daraus entwickelte sich das bekannte Ahlener Kaufhaus B. H. Beumer. Ein Stück Ahlener Einzelhandelsgeschichte hatte damit seine Wurzeln in Sendenhorst.

Ahlen trinkt Sendenhorster Wasser
Eine besonders anschauliche Verbindung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Um 1905 nahm Ahlen ein Wasserwerk auf der Hardt bei Sendenhorst in Betrieb. Brunnen und Anlagen lagen im Bereich der Sendenhorster Bauerschaft. Sendenhorster Grundwasser wurde damit zur Versorgung Ahlens genutzt. Das blieb in Sendenhorst nicht unbeachtet. Bereits 1906 beschäftigte sich die Landgemeinde mit der Frage, ob das Ahlener Wasserwerk auf der Hardt zur Gemeindeeinkommensteuer herangezogen werden könne. Die Nachbarschaft hatte also durchaus auch eine finanzielle Seite. Oder etwas weniger amtlich ausgedrückt: Ahlen hatte schon damals Durst auf Sendenhorster Wasser.

Die Zeche Westfalen verändert die Beziehung
Mit der Zeche Westfalen erhielt Ahlen im frühen 20. Jahrhundert eine völlig neue Bedeutung für Sendenhorst. Mit Beginn der Kohleförderung 1911 entwickelte sich Ahlen zu einem bedeutenden Industriestandort. Nur wenige Kilometer von Sendenhorst entfernt entstand damit ein großer Arbeitgeber. Zahlreiche Sendenhorster fanden auf der Zeche Arbeit. Eine Sendenhorster Zeitzeugenerinnerung berichtet sogar von einer besonderen Lösung für den täglichen Arbeitsweg: Bergleute hätten sich gemeinsam einen Omnibus gekauft und seien damit jeden Tag nach Ahlen zur Arbeit gefahren. Das ist ein kleines Detail, das viel über die damalige Beziehung erzählt. Es gab keine direkte Eisenbahn zwischen Sendenhorst und Ahlen. Also organisierten die Arbeiter ihren Weg zur Schicht selbst. Aus der gelegentlichen Verbindung zwischen zwei Nachbarstädten wurde für viele Familien eine tägliche Beziehung. Über diesen Bergarbeiterbus wissen wir bislang allerdings noch zu wenig. Wann fuhr er? Wo hielt er? Wer organisierte ihn? Welche Sendenhorster arbeiteten auf der Zeche Westfalen? Hier kann aus Erinnerung noch Geschichte werden.

Ahlen wird Schulstadt
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine weitere intensive Alltagsbeziehung. Sendenhorst verfügte lange nicht über ein eigenes Gymnasium. Wer eine entsprechende weiterführende Schule besuchen wollte, musste auspendeln. Ahlen wurde deshalb für viele Sendenhorster Familien zu einem wichtigen Schulstandort. Generationen von Schülerinnen und Schülern besuchten dort unter anderem das Gymnasium St. Michael oder das Städtische Gymnasium. Damit entstand eine Verbindung, die weit über den Unterricht hinausging. Wer jeden Morgen nach Ahlen zur Schule fuhr, fand dort Freunde, lernte andere Familien kennen und verbrachte einen erheblichen Teil seiner Jugend in der Nachbarstadt.

Ahlen in den 1980ern – Schule, Freunde und Freizeit
Wie selbstverständlich diese Verbindung inzwischen geworden war, zeigt eine Sendenhorster Erinnerung aus den 1980er Jahren.
Ein damaliger Schüler des Gymnasiums St. Michael erinnert sich an viele Freunde und Bekannte in Ahlen. Zugleich gab es aus Sicht der Jugendlichen innerhalb der Stadt unterschiedliche „Reviere“. Die Bahnlinie wurde durchaus als eine Art Grenze wahrgenommen. In weniger vertrauten Teilen der Stadt bewegte sich ein auswärtiger Jugendlicher manchmal etwas vorsichtiger.
Das hinderte Sendenhorster Jugendliche keineswegs daran, ihre Freizeit in Ahlen zu verbringen. Man traf Freunde, ging zum Fußball, besuchte Partys und Veranstaltungen. Später gehörten auch Abiturfeiern dazu. Eine besondere Erinnerung blieb ein Konzert der damals noch jungen Ärzte 1985 im Jugendzentrum Ost, das ein Sendenhorster bereits mit 15 Jahren besuchte – obwohl dieser Ausflug bei den Eltern vermutlich nicht unbedingt auf Begeisterung gestoßen wäre.
Bei aller jugendlichen Abgrenzung überwog die Anziehungskraft der größeren Nachbarstadt. Ein Satz bringt die Erinnerung an diese Zeit auf den Punkt:
„Ahlen – da war immer was los.“ Für die Großeltern war Ahlen vielleicht Markt, Gericht oder Arbeitsplatz gewesen. Für eine jüngere Generation war es zusätzlich Schule, Freundeskreis, Fußball, Konzert und Party.

Nachbarn necken sich
Nähe bedeutete allerdings noch nie, dass Sendenhorster und Ahlener sich gegenseitig nur mit Bewunderung betrachteten. Zur Nachbarschaft gehörten auch Sticheleien. Aus einer Sendenhorster Familie ist ein plattdeutscher Spruch des Großvaters überliefert:
„Ut Ahlen kummt woull ’n gued Rind, äöwer nie ’n gued Kind.“ Sinngemäß: „Aus Ahlen kommt wohl ein gutes Rind, aber nie ein gutes Kind.“
Das war natürlich kein ernsthaftes Urteil über die Ahlener Nachbarn. Solche Neckereien gehören seit Generationen zur lokalen Alltagskultur. Vielleicht zeigen gerade solche Sprüche, wie eng die Beziehung tatsächlich war. Über einen weit entfernten Ort musste man sich schließlich nicht ständig lustig machen.

Einkaufen, Ärzte und Alltag
Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann Ahlen auch als Einkaufs- und Versorgungsort an Bedeutung. Die größere Stadt bot Geschäfte und Dienstleistungen, die es in Sendenhorst nicht oder nicht in gleicher Auswahl gab. Dabei bestand durchaus Konkurrenz mit einer anderen Richtung: Münster. Für manches fuhr man nach Ahlen, für anderes nach Münster. Diese unterschiedlichen Orientierungen gehören ebenfalls zur Geschichte Sendenhorsts. Ähnliches gilt für die medizinische Versorgung. Ahlen entwickelte mit dem St.-Franziskus-Hospital ein Krankenhaus mit breitem medizinischen Angebot. Sendenhorst besaß jedoch bereits seit 1889 mit dem St. Josef-Stift ein eigenes Krankenhaus. Deshalb verlief die medizinische Beziehung nie nur in eine Richtung. Heute ist das St. Josef-Stift insbesondere in Orthopädie und Rheumatologie ein weit über Sendenhorst hinaus bedeutender medizinischer Standort. Ahlen besitzt wiederum andere Schwerpunkte. In der Ausbildung von Pflegekräften arbeiten Einrichtungen beider Orte inzwischen sogar zusammen. Aus der alten Nachbarschaft ist regionale Arbeitsteilung geworden.

Schulze Rötering – wenn die Stadtgrenze nebensächlich wird
Kaum eine Geschichte zeigt die Verflechtung Sendenhorsts und Ahlens besser als Schulze Rötering. Der alte Schulzenhof liegt auf Ahlener Gebiet unmittelbar im Grenzraum zu Sendenhorst. Der Name Rötering begegnet uns in den Sendenhorster Quellen schon früh. Bereits 1716 heiratete Catharina Schulte Rötering aus Ahlen den Sendenhorster Johan Silling. Die heutige Brennereigeschichte des Hofes führt dagegen unmittelbar nach Sendenhorst. 1767 wurde in Sendenhorst die Brennerei Fiehe gegründet. Über verschiedene Familienverbindungen entwickelte sich daraus die spätere mit dem Namen Schulze Rötering verbundene Brennerei. Sie gehörte zu den bedeutenden Sendenhorster Brennereibetrieben. Als im 20. Jahrhundert Landwirtschaft und Brennereien zunehmend aus der Sendenhorster Innenstadt verschwanden, ging diese Geschichte weiter: Die Sendenhorster Brennrechte wurden auf den Hof Schulze Rötering auf Ahlener Gebiet übertragen. Damit wanderte ein Stück Sendenhorster Wirtschaftsgeschichte über die Stadtgrenze. Ganz verlassen hat es Sendenhorst allerdings nie. Der Hof liegt in Ahlen. Die Brennrechte stammen aus Sendenhorst. Das für die Brennerei verwendete Wasser stammt aus einem Brunnen auf Sendenhorster Gebiet. Der Weizen wächst im Grenzraum. Und die Erzeugnisse des Hofes werden heute selbstverständlich auch wieder in Sendenhorst verkauft. Wo endet bei einer solchen Geschichte eigentlich Ahlen – und wo beginnt Sendenhorst? Schulze Rötering zeigt vielleicht besser als jedes amtliche Dokument, dass wirtschaftliche und familiäre Räume nicht an einem Ortsschild enden.

Kirche – getrennt und wieder gemeinsam
Auch die evangelische Kirchengeschichte verbindet beide Städte. Die zunächst kleine evangelische Bevölkerung Sendenhorsts wurde lange von Ahlen aus betreut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der evangelischen Christen durch Flüchtlinge und Vertriebene stark an. Schließlich entwickelte sich eine eigenständige evangelische Kirchengemeinde Sendenhorst. Nun verändert sich die Struktur erneut. Zum 1. Januar 2027 ist der Zusammenschluss der evangelischen Kirchengemeinden Ahlen und Sendenhorst zu einer gemeinsamen Gemeinde vorgesehen. Nach Jahrzehnten der Eigenständigkeit entstehen damit wieder gemeinsame Strukturen.

Was war Ahlen für Sendenhorst?
Die Antwort hängt davon ab, wann man fragt. Um 1700 war Ahlen für manche Sendenhorster Nachbar, Verwandtschaft, kirchlicher Bezugspunkt oder Gericht. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Ahlen Verwaltungs- und Gerichtsort und lag an einer wichtigen Verkehrsachse. Im späteren 19. Jahrhundert war es Absatzmarkt und Eisenbahnstandort.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezog Ahlen Wasser aus der Sendenhorster Hardt – und mit der Zeche Westfalen entstand ein neuer großer Arbeitgeber.
Für die Generation der Bergleute war Ahlen Arbeitsort.
Für viele Nachkriegsgenerationen wurde es zusätzlich Schul-, Einkaufs- und Versorgungsstadt.
Und für Jugendliche der 1980er Jahre konnte Ahlen noch etwas ganz anderes sein:
der Ort, an dem etwas los war.

Eine Grenze – aber selten eine Trennlinie
Über Jahrhunderte änderte sich immer wieder, was Ahlen für Sendenhorst bedeutete. Menschen heirateten über die Grenze. Sendenhorster Waren wurden in Ahlen verkauft. Ein Sendenhorster begründete dort ein bekanntes Kaufhaus. Ahlener tranken Wasser aus der Sendenhorster Hardt. Bergleute fuhren gemeinsam zur Zeche Westfalen. Schüler verbrachten einen großen Teil ihrer Jugend in Ahlen. Eine Sendenhorster Brennereitradition lebt heute auf einem Ahlener Hof weiter. Und daneben bestanden die kleinen Dinge des Alltags: Freundschaften, Fußball, Partys – und natürlich die eine oder andere Stichelei über die Nachbarn.
Gerade darin zeigt sich die besondere Beziehung beider Orte. Zwischen Sendenhorst und Ahlen verlief über Jahrhunderte eine Grenze – aber selten eine Trennlinie.

Wissen Sie mehr?
Besonders zur Arbeit Sendenhorster Bergleute auf der Zeche Westfalen und zum damaligen Bergarbeiterbus nach Ahlen fehlen uns noch Einzelheiten. Auch Erinnerungen an Schulwege, Geschäfte, Gaststätten, Fußball, Veranstaltungen oder andere persönliche Verbindungen zwischen Sendenhorst und Ahlen sind interessant. Wer Namen, Erinnerungen, Fotos oder Unterlagen besitzt, kann damit helfen, dieses Stück Sendenhorster Alltagsgeschichte weiter zu ergänzen. Denn Heimatgeschichte endet nicht am Ortsschild.

 

▲

Zeittafel

frühes 9. Jh. Gründung der Taufkirche St. Bartholomäus.
um 850 Erwähnung als „villa alna“.
1214 Marktrechte.
1224 Ahlen wird als Stadt bezeichnet.
1245 Stadtgerichtsbarkeit belegt.
1847 Eisenbahnanschluss.
1911 Beginn des Steinkohlenbergbaus.
1938 Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht.
1945 Kampfloser Übergang an amerikanische Truppen.
1947 Ahlener Programm der CDU.
1975 Vorhelm wird Stadtteil von Ahlen.

▲

Drensteinfurt

Historische Kurzchronik

Drensteinfurt liegt südwestlich von Sendenhorst an der Werse. Die frühe Bedeutung des Ortes hängt mit einer Furt zusammen. Im Umfeld der Alexander-Translation wird 851 „Stenvorde in regione Dreni“ genannt; um einen alten Oberhof entwickelte sich eine bäuerliche Siedlung. Eine Pfarrkirche ist 1137 belegt.

Im späten Mittelalter verdichtete sich der Ort und erhielt stadtähnliche Strukturen. 1283 markieren vier Pfähle einen besonderen Rechtsbezirk, um 1300 werden erste Ansätze einer städtischen Entwicklung sichtbar. 1428 wird Drensteinfurt ausdrücklich als freier Wigbold bezeichnet. Tore, Gräben und weitere Befestigungen schützten den Ort.

Die Herren von Haus Steinfurt prägten Politik, Wirtschaft und Landschaft. Um 1800 war Drensteinfurt eine typische Ackerbürgerstadt. Der Eisenbahnanschluss von 1848 verbesserte die Verbindungen in das Ruhrgebiet und nach Münster. Ab 1875 brachte der Strontianitbergbau einen zeitweiligen Boom und neue Arbeitsplätze.

Am 23. März 1944 traf ein schwerer Bombenangriff die historische Altstadt und forderte zahlreiche Todesopfer. Nach dem Krieg wuchs Drensteinfurt zunehmend als Wohn- und Pendlerstadt. Die kommunalen Grenzen änderten sich: 1968 kam Walstedde hinzu, 1975 folgte Rinkerode.

Die 1988 eröffnete Umgehungsstraße entlastete die historische Innenstadt vom Durchgangsverkehr. Für Sendenhorst bleibt Drensteinfurt besonders durch die alte Straßenverbindung, die gemeinsame Landschaft zwischen Werse und Angel sowie langjährige Pendler- und Verkehrsbeziehungen wichtig. [9]

Beziehung zu Sendenhorst – Gogericht und Bahnhof – zwei Epochen der Verbindung

Drensteinfurt gehörte mit Albersloh, Hoetmar und Rinkerode zum überörtlichen Bezirk des Sendenhorster Gogerichts. Das bedeutete nicht, dass alle Streitigkeiten dort verhandelt wurden; die historische Gerichtsbarkeit kannte verschiedene Zuständigkeiten. Nach der preußischen Kreisbildung 1816 gehörte Drensteinfurt zum Kreis Lüdinghausen, Sendenhorst zum Kreis Beckum.

Mit dem Eisenbahnanschluss Drensteinfurts an der Strecke Münster–Hamm erhielt die Nachbarschaft eine neue Bedeutung: 1848 wurde der Bahnhof zum wichtigen Zugang Sendenhorsts zum Eisenbahnnetz. Die Anreise erfolgte zunächst über die Landstraße, unter anderem mit der Postkutsche. Erst 1903 bekam Sendenhorst mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn einen eigenen Bahnanschluss.

Die Anbindung an die 1848 eröffnete Eisenbahn Hamm–Münster veränderte den Sendenhorster Alltag: Die Stadt verfügte zunächst über keinen eigenen Bahnanschluss. Reisende und Waren mussten deshalb auf dem Landweg zum Drensteinfurter Bahnhof gebracht werden. Eine zweispännige Kutsche stellte die Verbindung zwischen der Sendenhorster Posthalterei und dem Bahnhof her.

Gerade diese Verkehrsbeziehung erklärt den Sendenhorster Einsatz für eine verbesserte Chaussee nach Drensteinfurt. Die Strecke diente nicht nur Ausflügen, sondern dem Zugang zu Fernreisen, Post, Handel und Absatzmärkten. Erst mit der WLE 1903 erhielt Sendenhorst selbst einen Bahnhof; Drensteinfurt blieb aber als Nachbarstadt und Station an der Hauptbahn wichtig.

Im älteren Rechtsraum gehörte Drensteinfurt zum Sendenhorster Gogericht. Für die Geschichte einzelner Familien und Höfe sind daneben die Pfarr- und Grundherrschaftsakten beider Orte entscheidend. Die gemeinsame Gerichtszugehörigkeit bedeutet nicht, dass jede einzelne Rechtsangelegenheit in Sendenhorst entschieden wurde.

▲

Zeittafel

851 „Stenvorde in regione Dreni“ wird genannt.
1137 Pfarrkirche belegt.
1283 Abgrenzung eines besonderen Rechtsbezirks.
1428 Drensteinfurt wird als freier Wigbold bezeichnet.
1848 Eisenbahnanschluss.
ab 1875 Strontianitbergbau.
23.3.1944 Schwerer Bombenangriff auf die Altstadt.
1968 Zusammenschluss mit Walstedde.
1975 Rinkerode kommt hinzu.
1988 Eröffnung der Umgehungsstraße.

▲

Weitere nahe Orte – wichtig für Sendenhorsts Geschichte

Freckenhorst

Stiftsort und historischer Mittelpunkt des östlichen Münsterlandes

Freckenhorst gehört heute zur Stadt Warendorf und liegt nordöstlich von Sendenhorst. Für die Geschichte des Sendenhorster Umlandes ist der Ort besonders wichtig, weil das Freckenhorster Stift über viele Jahrhunderte Grundbesitz, Zehntrechte und kirchliche Beziehungen weit in das östliche Münsterland hinein besaß. Auch Höfe und Bauerschaften im Umfeld von Sendenhorst, Hoetmar, Enniger und Vorhelm begegnen immer wieder in der Freckenhorster Überlieferung.

Die Anfänge liegen im 9. Jahrhundert. Nach der örtlichen Überlieferung gründeten der Edelherr Everword und seine Frau Geva 851 ein Kanonissenstift; die Ansiedlung Freckenhorst entwickelte sich im Schutz dieser geistlichen Gemeinschaft. Das Stift gewann umfangreichen Grundbesitz und erheblichen politischen wie wirtschaftlichen Einfluss. Vor 1240 wurde die Augustinerregel eingeführt; 1495 erfolgte die Umwandlung in ein freiweltliches adeliges Damenstift.

Ein Großbrand zerstörte 1116 auch die ältere Kirche. Die heutige Stiftskirche St. Bonifatius wurde 1129 geweiht und gehört zu den bedeutendsten romanischen Kirchen Westfalens. Besonders berühmt ist der ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammende Taufstein. Mit der Kirche, der Petrikapelle, dem Kreuzgang und später der Neuen Abtei blieb das Stift bis heute der architektonische Mittelpunkt des Ortes.

Die frühe Neuzeit war von Seuchen und Krieg geprägt. Als 1616 in Warendorf die Pest grassierte, untersagte die Freckenhorster Äbtissin den Einwohnern zeitweise den Einkauf dort. Im Dreißigjährigen Krieg kam es 1637 bei Freckenhorst zu einem Gefecht zwischen ligistischen und hessen-kasselischen Truppen. 1645 führte der Streit um die Nutzung der Hoetmarer Mark sogar zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Freckenhorstern und Bewohnern von Hoetmar und Enniger.

1740 ließ Äbtissin Clara Franziska von Westerholt-Lembeck das heutige Abteigebäude errichten. Mit der Säkularisation endete 1811 die Geschichte des Stifts als geistliche Korporation. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Freckenhorst zu einer größeren Landgemeinde und Kleinstadt. 1969 entstand durch Eingliederung des Kirchspiels die Stadt Freckenhorst; am 1. Januar 1975 wurde sie im Zuge der kommunalen Neuordnung in die Stadt Warendorf eingegliedert. [14]

Beziehung zu Sendenhorst – Das Stift und seine Besitz- und Abgabenbeziehungen

Freckenhorst war als Stiftsort ein bedeutender geistlicher Grundherrschaftsstandort. Das Freckenhorster Heberegister aus der Mitte des 11. Jahrhunderts gehört zu den wichtigsten frühen Quellen für Höfe, Ortsnamen und Abgaben im östlichen Münsterland. Der Besitz- und Einflussbereich des Stifts reichte über Freckenhorst hinaus und berührte auch den weiteren Sendenhorster Raum.

Die historische Beziehung ist daher vor allem in Hof-, Abgaben- und Grundherrschaftsakten zu suchen, nicht in einem pauschal gemeinsamen Gogerichtsbezirk. Hoetmar und Enniger bildeten wichtige Zwischenräume der regionalen Verflechtung. Welche Sendenhorster Höfe dem Stift konkret verpflichtet waren, muss anhand einzelner Register nachgewiesen werden. Seit 1975 gehört Freckenhorst zu Warendorf.

Das Freckenhorster Heberegister ist für die Sendenhorster Regionalgeschichte deshalb so bedeutsam, weil es frühmittelalterliche Höfe, Abgaben und Ortsbezeichnungen in einem großen Raum des östlichen Münsterlandes sichtbar macht. Es eignet sich als Ausgangspunkt für die Suche nach Besitzbeziehungen; ein bestimmter Sendenhorster Hof darf aber erst nach eindeutiger Identifizierung zugeordnet werden.

Die Verbindung nach Sendenhorst verlief vielfach über die Zwischenräume Hoetmar und Enniger: Menschen nutzten die Straßen nach Warendorf und Freckenhorst, Höfe waren in überörtliche Grundherrschaften eingebunden, und die Märkte sowie kirchlichen Einrichtungen der Stiftsstadt wirkten über ihren unmittelbaren Ortsbereich hinaus.

Als Quellengruppen sind besonders Heberegister, Urbare, Zehntlisten, Kirchenbücher und Hofakten zu nennen. Sie können konkrete Verbindungen von Personen und Familien belegen. Ohne Einsicht in die Einzelbelege sollte eine solche Verbindung jedoch nicht aus der bloßen räumlichen Nähe erschlossen werden.

▲

Zeittafel

851 Gründung des Kanonissenstifts durch Everword und Geva; die Siedlung entwickelt sich im Schutz des Stifts.
1116 Großbrand zerstört auch den Vorgängerbau der Stiftskirche.
1129 Weihe der heutigen Stiftskirche St. Bonifatius.
vor 1240 Einführung der Augustinerregel.
1495 Umwandlung in ein freiweltliches adeliges Damenstift.
1616 Pest in Warendorf; die Äbtissin beschränkt den Warenverkehr dorthin.
1637 Gefecht bei Freckenhorst im Dreißigjährigen Krieg.
1645 Blutiger Markenkonflikt mit Hoetmar und Enniger.
1740 Neubau der Abtei durch Franz Christoph Nagel.
1811 Aufhebung des Stifts im Zuge der Säkularisation.
1969 Bildung der Stadt Freckenhorst durch Eingliederung des Kirchspiels.
1975 Freckenhorst wird Stadtteil von Warendorf.

▲

Beckum

Naher Zentralort und frühere Kreisstadt

Beckum liegt zwar nicht unmittelbar an Sendenhorst, war für die Stadt aber über mehr als anderthalb Jahrhunderte administrativ besonders wichtig: Seit der preußischen Neuordnung 1816 gehörte Sendenhorst zum Kreis Beckum. Erst mit der kommunalen Neuordnung von 1975 ging dieser Kreis im neuen Kreis Warendorf auf.

Beckums Siedlungsgeschichte reicht sehr weit zurück. Funde aus Jungsteinzeit und fränkisch-sächsischer Zeit zeigen eine frühe Besiedlung. Seit dem 8. Jahrhundert bestand eine Kapelle; Beckum zählt zu den alten Urpfarreien des Münsterlandes. Der Name wird als „Bachheim“ gedeutet und passt zu den zahlreichen Wasserläufen, die bis heute im Stadtwappen als drei silberne Wellenbalken auf rotem Grund erscheinen.

1224 erhielt Beckum Stadtrecht. Die günstige Lage an wichtigen Handelswegen brachte Kaufleuten und Handwerkern Wohlstand; starke Befestigungen schützten die Stadt. Um 1230 entstand der Prudentiaschrein. Kriege, Pest und wirtschaftliche Krisen bremsten die Entwicklung in der frühen Neuzeit.

Im 19. Jahrhundert setzte ein neuer Aufschwung ein. 1816 wurde Beckum Kreisstadt, 1847 erschloss die Köln-Mindener Eisenbahn den Raum. Die Kalk- und Zementindustrie wurde zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor; 1872 entstand das erste Zementwerk. Beckum entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zementstandorte Deutschlands.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Beckum von großflächigen Zerstörungen weitgehend verschont und wurde 1945 kampflos an amerikanische Truppen übergeben. Heute ist die Stadt mit Neubeckum, Vellern und Roland ein wichtiges Mittelzentrum im Kreis Warendorf. [10]

Beziehung zu Sendenhorst – Menschen, Gerichte, Wege, Eisenbahn und Kreisstadt

Wer heute an die historischen Beziehungen zwischen Sendenhorst und Beckum denkt, landet schnell beim ehemaligen Kreis Beckum. Das ist verständlich: Von 1816 bis Ende 1974 gehörte Sendenhorst fast 160 Jahre lang zu diesem Kreis, Beckum war die Kreisstadt. Doch die Verbindung ist wesentlich älter.

Schon Jahrhunderte vor der preußischen Kreisgründung begegnen sich Menschen aus beiden Städten in den Quellen. Beide Orte gehörten zum Fürstbistum Münster und zeitweise zum selben größeren Verwaltungsraum. Richter wechselten zwischen den Städten, Familien zogen um, Kriege und wirtschaftliche Entwicklungen betrafen die gesamte Region.

1816 begann deshalb nicht die Geschichte zwischen Sendenhorst und Beckum.
1816 bekam eine bereits ältere Verbindung eine völlig neue Form.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sah die politische Landkarte völlig anders aus als heute.

Beckum und Sendenhorst gehörten zum Fürstbistum Münster. Einen Kreis Beckum gab es noch nicht. Beide Orte besaßen eigene städtische Strukturen und Rechte.

Sendenhorst war dabei keineswegs nur ein kleines Dorf im Umfeld größerer Städte. Die Stadt besaß ein eigenes Gericht, Bürgermeister, Rat und Schöffen. Das Sendenhorster Gogericht war für einen größeren Raum zuständig.

Die von Hans-Günther Fascies zusammengetragenen Gerichtsquellen zeigen eine lange Reihe von Sendenhorster Richtern und Gografen. 1495 bestätigte Bischof Heinrich von Münster beispielsweise erneut die Übertragung des Gogerichts Sendenhorst an Themo Voß als Erben des Godeke Horstele.

Für die Geschichte der Beziehung zu Beckum ist das wichtig.

Wir dürfen die späteren Verhältnisse des Kreises Beckum nicht rückwärts ins Mittelalter übertragen. Beckum war damals nicht die übergeordnete Kreisstadt Sendenhorsts.

Beide waren eigenständige Städte innerhalb des fürstbischöflichen Herrschaftssystems.

Eine der frühesten bislang greifbaren persönlichen Verbindungen findet sich ausgerechnet in der Sendenhorster Gerichtsgeschichte.

Für 1502/03 nennt Fascies:

Johan Westerman, Richter, gebürtig aus Beckum.

Damit begegnet uns bereits vor mehr als 500 Jahren ein Mann aus Beckum in einem wichtigen Sendenhorster Amt. Das ist ein kleines Detail mit großer Aussagekraft.

Menschen waren auch damals keineswegs lebenslang an ihre Geburtsstadt gebunden. Geistliche, Beamte, Richter, Kaufleute, Handwerker und andere Amtsträger wechselten zwischen den Städten des Münsterlandes. Johan Westerman ist dafür ein sehr frühes konkretes Beispiel: Ein Beckumer sprach zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Sendenhorst Recht. Auch die schriftliche Überlieferung zeigt, dass sich die Geschichte der einzelnen Orte nicht sauber voneinander trennen lässt.

Fascies greift bei der Rekonstruktion der Sendenhorster Gerichtsgeschichte mehrfach auf das Beckumer Urkundenbuch zurück. So wird für 1516 eine Urkunde herangezogen, in der Albert van Swolle, Freigraf des Bischofs von Münster zu Ennigerloh, im Zusammenhang mit der Belehnung des Johan Glade mit dem Sendenhorster Gledengut erscheint. 

Das bedeutet nicht, dass Beckum damals für Sendenhorst zuständig gewesen wäre.Es zeigt vielmehr etwas Grundsätzlicheres: Besitz, Familien, Gerichte und Amtsträger bewegten sich in einem regionalen Raum, dessen Geschichte heute auf verschiedene Stadt- und Kreisarchive verteilt ist. Wer die Geschichte Sendenhorsts erforscht, landet deshalb immer wieder auch in Beckum.

Eine besonders anschauliche Verbindung liefert das Jahr 1591. Schon Jahrzehnte vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Münsterland von den Auseinandersetzungen in den benachbarten Niederlanden erfasst. Bewaffnete Truppen bewegten sich durch die Region, verlangten Verpflegung und Quartier und stellten für Städte und Bauerschaften eine ständige Gefahr dar.

1591 lagen niederländisch-staatliche Truppen in Wolbeck und Sendenhorst.

Die Nachricht blieb in Beckum nicht ohne Folgen.

Eine Beckumer Kämmereirechnung belegt Arbeiten an den dortigen Befestigungen. Tore und Verteidigungseinrichtungen wurden verstärkt. Die Vorgänge im Raum Sendenhorst wurden in Beckum also keineswegs als weit entferntes Ereignis betrachtet. 

Das erzählt regionale Geschichte sehr unmittelbar:

Wenn in Sendenhorst fremde Soldaten lagen, wurde in Beckum an den Toren gearbeitet.

Die rund 20 Kilometer Entfernung boten in einer Zeit marschierender Truppen wenig Sicherheit. In den folgenden Jahrzehnten wiederholte sich dieses Muster. Spanische und niederländische Truppen, später die Heere des Dreißigjährigen Krieges, bewegten sich durch das Münsterland. Städte mussten Einquartierungen hinnehmen, Kontributionen zahlen, Lebensmittel bereitstellen und Vieh abgeben.

Beckum und Sendenhorst waren dabei keine isolierten Schauplätze. Beide gehörten zu demselben gefährdeten regionalen Raum. Das bedeutete allerdings nicht, dass beide Orte immer gleichzeitig oder im selben Umfang betroffen waren. Kriegszüge konnten eine Stadt schwer treffen und eine andere zunächst verschonen. Doch die Menschen wussten: Wenn ein Heer einen Nachbarort erreicht hatte, konnte es morgen vor der eigenen Stadt stehen.

So erklärt sich auch die Reaktion Beckums auf die Ereignisse von 1591. Gerade für diese frühe Zeit ist ein zweiter Punkt wichtig: Sendenhorst war durchaus selbstbewusst.

Im 16. Jahrhundert verteidigten Bürgermeister, Rat und Schöffen ihre eigenen Rechte gegenüber übergeordneten Amtsträgern. In den Jahren 1579 bis 1581 kam es beispielsweise zu Auseinandersetzungen über Polizei- und Gerichtsrechte.

Die Stadt verstand sich nicht als unbedeutender Außenposten, sondern als Gemeinwesen mit eigenen überlieferten Rechten. Diese Eigenständigkeit muss man im Kopf behalten, wenn später Beckum zur Kreisstadt wird. Denn der entscheidende Wandel bestand gerade darin, dass 1816 eine neue übergeordnete Kreisebene geschaffen wurde, die es in dieser Form vorher nicht gegeben hatte.

Kurz vor dem Ende der alten politischen Ordnung begegnet uns eine weitere direkte Verbindung – diesmal eine, die Sendenhorst über Generationen prägen sollte. Johann Caspar Everke zog 1802 von Beckum nach Sendenhorst. 1803 erhielt er das Sendenhorster Bürgerrecht.

Everke kam nicht aus irgendeiner unbekannten Familie.

Seine Vorfahren gehörten zu den alten Beckumer Bürgergeschlechtern. Die Familie lässt sich in Beckumer Kirchenregistern bis ins 17. Jahrhundert und anhand von Urkunden des Stadtarchivs noch wesentlich weiter zurückverfolgen. Eine Familienuntersuchung nennt 53 Urkunden des Beckumer Stadtarchivs, in denen Angehörige der Familie Everke erscheinen.

Bereits 1439 ist Gerwyn Everke mit seiner Frau Elseke in Beckum nachweisbar. Sie besaßen dort Haus und Land. 1470 erscheint Gerwyn erneut bei einem Grundstücksgeschäft zugunsten des Beckumer Hospitals. Weitere Angehörige begegnen in den folgenden Jahrhunderten in der Beckumer Stadtgeschichte.

1802 wanderte nun ein Zweig dieser Familie nach Sendenhorst.

Johann Caspar Everke war Kaufmann beziehungsweise Krämer. Mit ihm begann die Sendenhorster Geschichte einer Familie, die hier über viele Generationen ansässig bleiben sollte.

Aus der Beckumer Bürgerfamilie wurde eine Sendenhorster Kaufmanns-, Landwirts- und Brennerfamilie. Ihre Hausstätte lag fast zwei Jahrhunderte an der Ecke Kirchstraße/Neustraße. Noch bevor Sendenhorst überhaupt zum Kreis Beckum gehörte, fand bereits ein ganz realer Austausch statt:

Menschen, Familien, Wissen, Waren und Vermögen wechselten zwischen beiden Städten. Die Verwaltung folgte erst später.

Nach dem Ende des Fürstbistums Münster und den politischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit wurde Westfalen unter preußischer Herrschaft neu geordnet.

1816 entstand der Kreis Beckum.

Sendenhorst wurde diesem neuen Kreis zugeteilt. Damit änderte sich die Beziehung zwischen beiden Städten grundlegend. Aus zwei Städten, die zuvor innerhalb größerer Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen nebeneinander bestanden hatten, wurden nun Kreisstadt und kreisangehörige Stadt.

Beckum erhielt damit eine Funktion, die es gegenüber Sendenhorst zuvor nicht besessen hatte. Die wichtigste Figur dieser neuen Ordnung war der Landrat.

Sendenhorst behielt Bürgermeister und kommunale Vertretung und regelte weiterhin seine örtlichen Angelegenheiten. Darüber stand jedoch die staatliche beziehungsweise kreiskommunale Ebene. Und die saß in Beckum.

Eine ältere Sendenhorster Darstellung beschreibt durchaus anschaulich, dass Bürgermeister und Ratsherren sich zunächst an das straffere „Regiment des Landrats“ gewöhnen mussten.

Das war mehr als eine organisatorische Veränderung. Der preußische Staat wollte wissen, wie die Gemeinden wirtschafteten, welche Steuern sie erhoben, wie Schulen funktionierten, wie Straßen gebaut wurden und ob Vorschriften eingehalten wurden. Damit tauchte Beckum von nun an in immer mehr Sendenhorster Angelegenheiten auf.

Dass dieses Verhältnis nicht immer harmonisch war, zeigen die Quellen des Vormärz.

Der Beckumer Landrat von Merveldt beklagte sich über die „unbotmäßigen Sendenhorster“.

Auch aus Sendenhorst selbst stammen wenig schmeichelhafte Beschreibungen der damaligen Verhältnisse. Von „zügellosen Burschen“ war die Rede. Petzmeyer fasste die damalige Außensicht später drastisch zusammen:

„Sendenhorst hatte im Kreis Beckum einen miserablen Ruf.“

Hinter solchen Urteilen standen die sozialen und politischen Spannungen des frühen 19. Jahrhunderts. Armut, Alkohol, öffentliche Ordnung und das Verhältnis der Bevölkerung zur Obrigkeit beschäftigten Verwaltung und Behörden.

Gerade diese Konflikte machen deutlich, dass „Kreis Beckum“ keine abstrakte Bezeichnung war. Der Landrat kannte seine Sendenhorster – und offenbar machten sie ihm gelegentlich Arbeit. Auch das Schulwesen zeigt sehr konkret, wie stark die Kreisebene inzwischen in den Sendenhorster Alltag hineinreichte.

1859/60 beschäftigte sich die Verwaltung mit der Sendenhorster Rektoratsschule. Dabei ging es unter anderem um die Frage, welchen rechtlichen Status die Einrichtung überhaupt besaß und welche Voraussetzungen der Lehrer erfüllen musste. Pfarrer, Bürgermeister, Landrat und Regierung waren beteiligt. Einige Jahre später wurde die Schulraumnot immer größer. 1868 berichtete der Landrat in Beckum an die Regierung, dass in Sendenhorst zusätzliche Schulräume dringend benötigt würden. Gleichzeitig sollte eine vierte Klasse eingerichtet werden. Ein besonders menschliches Detail findet sich bei der Suche nach einem Grundstück.

Der notwendige Bauplatz sollte möglichst „unter der Hand“ erworben werden. Offenbar fürchtete man, dass ein Grundstück sofort teurer würde, sobald bekannt war, dass die Stadt es für einen Schulbau benötigte.

Auch die finanzielle Situation Sendenhorsts beschäftigte den Landrat. Er wies darauf hin, dass die Bürger bereits erhebliche Kommunallasten trugen und nicht beliebig weiter belastet werden konnten.

Damit wird Verwaltungsgeschichte plötzlich sehr konkret: 
Wenn Sendenhorst eine Schule brauchte, saß Beckum mit am Tisch.

Noch deutlicher wird die Bedeutung der Kreisebene im Gesundheitswesen. Ärzte, Apotheken und hygienische Verhältnisse unterlagen staatlicher beziehungsweise kreisärztlicher Aufsicht.

1883 wurde der Apotheker Bernhard Hubert Wulff in Beckum vereidigt, bevor er die Verwaltung der Sendenhorster Apotheke übernahm.

Auch bei Revisionen der Apotheke begegnen uns die zuständigen Medizinal- und Kreisbehörden. Ein alltäglicher Weg zur Apotheke in Sendenhorst führte also organisatorisch durchaus über Beckum. Um 1902 stand in Sendenhorst eine Erweiterung des bisherigen Friedhofs „Alte Stadt“ zur Diskussion. Doch der zuständige Kreisarzt des Kreises Beckum hielt das dafür vorgesehene Gelände aus gesundheitlichen beziehungsweise hygienischen Gründen für ungeeignet.

Damit war die ursprünglich gedachte Lösung praktisch vom Tisch. Sendenhorst musste nach einem anderen Standort suchen. 1905 wurde schließlich der neue Friedhof am Westtor angelegt. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine Entscheidung auf Kreisebene das Stadtbild bis heute beeinflussen konnte.

Dass Generationen von Sendenhorstern am Westtor ihre letzte Ruhestätte fanden, hängt damit mittelbar auch mit einer Entscheidung der Beckumer Kreisgesundheitsverwaltung zusammen.

Während Beckum als Kreisstadt immer stärker in die Sendenhorster Verwaltung hineinwirkte, veränderte sich die Stadt selbst grundlegend.

Die Kalksteinvorkommen rund um Beckum ermöglichten seit dem 19. Jahrhundert eine außergewöhnliche industrielle Entwicklung. Ab den 1870er Jahren entstanden zahlreiche Kalköfen und Zementwerke. Das Gebiet um Beckum entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zementreviere Deutschlands.

Zeitweise existierten im Revier mehr als 300 Kalköfen, rund 30 Schachtanlagen und insgesamt 32 Zementfabriken. Aus der alten westfälischen Stadt und Kreisstadt wurde zusätzlich ein bedeutender Industriestandort.

Und diese Entwicklung sollte schließlich auch Sendenhorst verändern. Sendenhorst hatte im 19. Jahrhundert mehrfach versucht, einen Anschluss an das Eisenbahnnetz zu erhalten.

Lange ohne Erfolg. Die industrielle Entwicklung im Beckumer Raum veränderte jedoch die wirtschaftlichen Voraussetzungen. Zement, Kalk, Kohle und andere Massengüter verlangten nach leistungsfähigen Transportwegen.

Damit wurde eine Bahnverbindung durch den Raum Sendenhorst wirtschaftlich interessanter. Doch Sendenhorst bekam seine Bahn keineswegs geschenkt. Die Stadt engagierte sich finanziell massiv. 1898 beschäftigte sich der Stadtrat konkret mit dem Bahnbau Beckum–Ennigerloh–Sendenhorst–Münster. Sendenhorst hatte bereits 100.000 Mark Aktienkapital übernommen. Hinzu kamen voraussichtlich weitere 25.000 bis 30.000 Mark für Grunderwerb und notwendige Wegebauten. Für eine Kleinstadt jener Zeit war das eine enorme Summe.

Der Rat machte deshalb deutlich, dass eine noch größere finanzielle Beteiligung kaum möglich sei. 1903 war es schließlich so weit. Die Eisenbahn erreichte Sendenhorst. Die Strecke der Westfälischen Landes-Eisenbahn verband Beckum über Sendenhorst und Albersloh mit Münster.

Damit veränderte sich die Beziehung zu Beckum erneut. Beckum war jetzt nicht mehr nur die Kreisstadt, in der Landrat und Behörden saßen. Nun konnte man direkt mit der Eisenbahn dorthin fahren.

Gleichzeitig verband die Bahn zwei unterschiedliche Wirtschaftsräume. Auf der einen Seite stand das stark industrialisierte Beckumer Zementrevier, auf der anderen Seite das noch stärker landwirtschaftlich und kleingewerblich geprägte Sendenhorst.

Sendenhorst lag nun auf einer wichtigen Achse zwischen Beckum und Münster.

Die Geschichte der Familie Everke bekommt im 20. Jahrhundert noch einmal eine bemerkenswerte Fortsetzung.

Karl Heinrich, genannt Heinz Everke (1902–1975), wuchs in Sendenhorst auf, besuchte aber sechs Jahre das Humanistische Gymnasium in Beckum. Danach absolvierte er eine Banklehre in Münster, erhielt eine landwirtschaftliche Ausbildung in Oelde und wurde schließlich Landwirt und Brennereibesitzer in Sendenhorst. Damit führte der Bildungsweg eines Nachfahren jener Familie, die 1802 aus Beckum nach Sendenhorst gekommen war, wieder zurück nach Beckum.

Noch deutlicher wurde die Verbindung durch die Feuerwehr. Heinz Everke trat 1925 der Freiwilligen Feuerwehr Sendenhorst bei und war von 1929 bis 1967 deren Wehrführer. Gleichzeitig gehörte er dem Kreisvorstand der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Beckum an und war lange Zeit stellvertretender Kreisbrandmeister.

In einer einzigen Person treffen damit mehrere Ebenen zusammen: Beckumer Familiengeschichte, Sendenhorster Bürgergeschichte, Beckumer Schule, Sendenhorster Feuerwehr und Kreis Beckum.

Wie weit die Aufgaben des Kreises inzwischen reichten, zeigt besonders eindringlich eine Untersuchung aus dem Jahr 1925. Der Kreiskommunalarzt des Kreises Beckum untersuchte die gesundheitlichen Verhältnisse in Sendenhorst. Seine Ergebnisse waren alarmierend. Bei Schulkindern wurden unter anderem allgemeine Körperschwäche, Blutarmut, Rachitis und Tuberkuloseverdacht festgestellt. Bei ungefähr einem Drittel fanden sich Anzeichen beginnender Rückgratverkrümmung.

Auch die Säuglingssterblichkeit wurde untersucht. Für die Jahre 1913 bis 1923 wurde für Sendenhorst ein Wert von 15,3 Prozent angegeben. Für den Kreis Beckum wurden 11,9 Prozent genannt.

Der Kreisarzt kritisierte insbesondere die Wohn- und Hygieneverhältnisse und forderte Verbesserungen. Das zeigt eine völlig andere Seite der Kreiszugehörigkeit. Der Kreis kümmerte sich längst nicht mehr nur um Verwaltung, Straßen und Steuern. Er beschäftigte sich mit der Gesundheit Sendenhorster Kinder. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchsen die Aufgaben der Kreise immer weiter.

Gesundheitswesen, Fürsorge, Straßen, Schulen, öffentliche Ordnung, Feuerwehren und zahlreiche weitere Aufgaben wurden regional organisiert. Dadurch änderte sich auch die Wahrnehmung. Der einzelne Sendenhorster musste keineswegs ständig nach Beckum fahren, um die Auswirkungen des Kreises zu erleben.Der Kreis war längst in Sendenhorst selbst angekommen.

Der Kreisarzt untersuchte Kinder. Der Landrat beschäftigte sich mit Schulen. Die Feuerwehren arbeiteten kreisweit zusammen. Straßen wurden geplant und finanziert. Behörden kontrollierten kommunale Entscheidungen.

Aus einer Verwaltungseinheit war ein gemeinsamer öffentlicher Raum geworden. Die Beziehung verlief jedoch keineswegs nur von Beckum nach Sendenhorst.

Sendenhorst entwickelte Einrichtungen, deren Einzugsgebiet weit über die Stadt hinausreichte. Besonders das 1889 gegründete St. Josef-Stift entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer spezialisierten medizinischen Einrichtung.

Auch bei der Förderung und schulischen Betreuung körperbehinderter Kinder entstanden Angebote mit einem großen regionalen Einzugsgebiet. Sendenhorst lag zwar geografisch am Rand des Kreises. In bestimmten Bereichen wurde die kleine Stadt aber selbst zum Zentrum für den Kreis und darüber hinaus. Eine Verwaltungseinheit, die fast 160 Jahre besteht, bleibt irgendwann nicht mehr nur Verwaltung.

Mehrere Generationen wurden als Sendenhorster im Kreis Beckum geboren.

Der Kreisname stand auf amtlichen Dokumenten. Politik und Verwaltung organisierten sich in diesem Gebiet. Feuerwehren, Verbände und andere Organisationen besaßen Kreisstrukturen.

Auch Sendenhorster Heimatgeschichte erschien in Publikationen des Kreises. Bernhard Fascies veröffentlichte beispielsweise im Heimatkalender des Kreises Beckum.

Die Bezeichnung Kreis Beckum gehörte damit selbstverständlich zur Sendenhorster Lebenswelt. Und schließlich wurde diese Zugehörigkeit sogar auf der Straße sichtbar. Mit Einführung der modernen Kraftfahrzeugkennzeichen erhielt der Kreis Beckum das Kürzel: BE

Auch ein Sendenhorster Auto trug BE.

Das Nummernschild machte die Kreiszugehörigkeit jeden Tag sichtbar. Ob ein Wagen aus Beckum, Sendenhorst oder einem anderen Ort des Kreises kam – vorne und hinten stand dasselbe Kürzel.

Was 1816 als preußische Verwaltungseinheit begonnen hatte, war damit im 20. Jahrhundert sogar Bestandteil des alltäglichen Erscheinungsbildes geworden. Am 1. Januar 1975 wurde die kommunale Landschaft Nordrhein-Westfalens grundlegend verändert.

Der alte Kreis Beckum wurde aufgelöst. Wesentliche Teile der bisherigen Kreise Beckum und Warendorf gingen im neuen Kreis Warendorf auf.

Für Sendenhorst endete damit eine Verwaltungszugehörigkeit, die seit 1816 bestanden hatte.

Fast 160 Jahre Beckumer Kreisgeschichte waren vorbei. Beckum war nicht mehr Kreisstadt für Sendenhorst. Und auch im Sendenhorster Straßenbild wurde der Wechsel sichtbar. Für neue Zulassungen galt nun das Kennzeichen WAF. Das vertraute BE wurde allmählich seltener. Damit hätte die Geschichte enden können. Tat sie aber nicht.

Im Zuge der bundesweiten Kennzeichenliberalisierung wurde das historische Kürzel BE im Jahr 2014 wieder zugelassen. Seitdem kann es im Kreis Warendorf wieder ausgegeben werden.

Fast vier Jahrzehnte nach der Auflösung des Kreises Beckum kehrte dessen Kennzeichen zurück. Heute kann deshalb wieder ein Sendenhorster mit BE auf dem Nummernschild unterwegs sein. Der alte Kreis ist dadurch natürlich nicht wieder auferstanden. Aber das Kennzeichen zeigt etwas Interessantes:

Verwaltungsgrenzen können verschwinden – regionale Erinnerungen leben weiter.

Die Geschichte zwischen Sendenhorst und Beckum lässt sich damit inzwischen über mehr als fünf Jahrhunderte verfolgen.

Um 1502/03 amtierte mit Johan Westerman ein gebürtiger Beckumer als Richter in Sendenhorst. 1591 reagierte Beckum mit Arbeiten an seiner Befestigung auf die Anwesenheit fremder Truppen im Raum Sendenhorst. 

1802 kam mit Caspar Everke ein Angehöriger einer alten Beckumer Bürgerfamilie nach Sendenhorst. Seine Nachkommen wurden hier Kaufleute, Landwirte, Brenner und Feuerwehrleute. 1816 wurde Beckum Kreisstadt für Sendenhorst.

Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der Beckumer Landrat mit Sendenhorster Schulen, Finanzen und kommunalen Angelegenheiten. Kreisärzte kontrollierten Apotheken, beurteilten Friedhofsflächen und untersuchten die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Beckumer Industrie half, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Eisenbahnverbindung zu schaffen – und Sendenhorst investierte selbst enorme Summen in das Projekt.

1903 verband die WLE beide Städte unmittelbar auf der Schiene. Im 20. Jahrhundert verband der Kreis zunehmend Verwaltungen, Feuerwehren, Gesundheitswesen und andere öffentliche Aufgaben. 1975 wurde der Kreis Beckum aufgelöst. Und seit 2014 fährt BE wieder durch Sendenhorst.

Vielleicht ist genau das das Besondere an der Beziehung zwischen Sendenhorst und Beckum.

Sie hatte nie nur eine einzige Ursache. Zunächst begegneten sich Menschen. Dann teilten beide Städte einen größeren politischen und regionalen Raum. Kriege machten deutlich, wie nah man sich tatsächlich war. Familien wechselten von einer Stadt in die andere. Mit Preußen wurde daraus eine feste administrative Beziehung: Beckum wurde Kreisstadt für Sendenhorst.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde diese Verbindung immer dichter. Schule, Gesundheit, Straßen, Eisenbahn, Feuerwehr, Wirtschaft und Verwaltung verbanden beide Städte auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

1975 endete schließlich die gemeinsame Kreiszugehörigkeit. Doch selbst ein halbes Jahrhundert später sind ihre Spuren noch sichtbar. Einige stehen in Akten. Andere finden sich in Familiengeschichten wie der der Everkes. Die Eisenbahnstrecke ist noch vorhanden. Und manchmal genügt sogar ein Blick auf ein Auto. Dort steht wieder:

BE.

1816 begann nicht die Geschichte zwischen Sendenhorst und Beckum. Damals bekam eine bereits jahrhundertealte Verbindung lediglich eine neue Form. Der Kreis Beckum ist Vergangenheit – die gemeinsame Geschichte ist es nicht.

Zeittafel

8. Jh. Kapelle; Beckum zählt zu den alten Urpfarreien des Münsterlandes.
1224 Verleihung der Stadtrechte.
um 1230 Entstehung des Prudentiaschreins.
1816 Beckum wird Kreisstadt; Sendenhorst gehört zum Kreis Beckum.
1847 Köln-Mindener Eisenbahn erschließt den Raum.
1872 Gründung des ersten Beckumer Zementwerks.
1945 Kampfloser Übergang an amerikanische Truppen.
1975 Der Kreis Beckum geht im neuen Kreis Warendorf auf.

▲

Münster

Bischofsstadt, Oberzentrum und historischer Bezugspunkt

Münster ist für Sendenhorst nicht nur die nächstgelegene Großstadt, sondern über Jahrhunderte der politische und kirchliche Mittelpunkt des Münsterlandes gewesen. Sendenhorst gehörte zum Hochstift Münster; kirchliche Entscheidungen, Verwaltung, Märkte, Schulen und später Verkehrslinien führten immer wieder in die Bischofsstadt.

793 errichtete Liudger auf dem Horsteberg ein Kloster – das „monasterium“, aus dem der Stadtname hervorging. Mit seiner Bischofsweihe 805 wurde die Siedlung Bistumssitz. Im 11. Jahrhundert wuchs vor der Domburg eine Marktsiedlung; im Hochmittelalter entstanden Stadtmauer, Pfarrkirchen und ein selbstbewusstes städtisches Gemeinwesen.

1534/35 erlebte Münster mit der Täuferherrschaft eine der dramatischsten Episoden seiner Geschichte. Nach der Rückeroberung wurden städtische Rechte zeitweise eingeschränkt. Eine ganz andere, europäische Bedeutung erhielt Münster 1648: Nach jahrelangen Verhandlungen wurden hier Verträge des Westfälischen Friedens unterzeichnet.

Nach dem Ende des Fürstbistums wurde Münster 1815 endgültig preußisch und 1816 Hauptstadt der Provinz Westfalen. Behörden, Militär, Universität und Dienstleistungen ließen die Stadt stark wachsen. 1903 schuf die Westfälische Landes-Eisenbahn eine direkte Bahnverbindung Münster–Wolbeck–Albersloh–Sendenhorst.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile der Innenstadt. Nach 1945 wurde das historische Zentrum in wesentlichen Strukturen wiederaufgebaut. Für Sendenhorst blieb Münster zugleich Verwaltungs-, Bildungs-, Einkaufs- und Verkehrszentrum der Region. [11]

Beziehung zu Sendenhorst – Bischofssitz, Postkutsche, WLE und Oberzentrum

Münster war für Sendenhorst landesherrlicher und kirchlicher Mittelpunkt: Die Herren von Sendenhorst standen im Dienst der Bischöfe von Münster, und die Entwicklung Sendenhorsts zur Stadt um 1300 erfolgte im fürstbischöflichen Herrschaftsrahmen. Die Pfarrei St. Martin gehörte zum Bistum Münster, die Stadt zum historischen Amt Wolbeck.

1829 verkehrte eine zweispännige Postkutsche auf der Strecke Beckum–Sendenhorst–Münster. Nach dem Ausbau der großen Bahnstrecken veränderten sich die Reisewege; 1848 wurde die ältere Postkutschenverbindung eingestellt. Am 1. Oktober 1903 begann der reguläre Betrieb der Westfälischen Landes-Eisenbahn über Sendenhorst nach Münster.

Im 20. Jahrhundert kamen Ausbildung, Krankenversorgung, Behörden, Arbeitsplätze und Pendelverkehr als immer wichtigere Beziehungen hinzu. Münster ist deshalb weniger ein unmittelbarer Nachbar als das übergeordnete Zentrum der Sendenhorster Regionalgeschichte.

Politisch begann die enge Bindung lange vor den modernen Verkehrsverbindungen: Sendenhorst gehörte zum weltlichen Herrschaftsbereich der münsterschen Bischöfe. Von Münster aus wurden landesherrliche Rechte, Verwaltungsstrukturen und wichtige Entscheidungen des Hochstifts geprägt. Der Sendenhorster Gogerichtsbezirk und die Zugehörigkeit zum Amt Wolbeck sind vor diesem territorialen Hintergrund zu verstehen.

Auch kirchlich führten die Wege nach Münster. Die Pfarrei St. Martin war Teil des Bistums; Bischof, Domkapitel und kirchliche Einrichtungen der Stadt waren für die Region maßgeblich. Für Familien- und Hofgeschichte sind besonders die Archive geistlicher Grundherrschaften interessant, deren Besitz und Abgabenbeziehungen weit ins Münsterland reichten. Ob ein bestimmter Sendenhorster Hof dazugehört, muss jeweils anhand der Register geprüft werden.

Über Jahrhunderte war Münster Markt-, Handels- und Einkaufsort. Händler, Handwerker, Dienstboten, Schüler und später Beschäftigte reisten zwischen der kleinen Ackerbürgerstadt und dem regionalen Zentrum. Die Straße über Albersloh und Wolbeck war dabei eine zentrale Verbindung. Historische Sendenhorster Wegeakten beklagen ausdrücklich die unzureichende direkte Verkehrsverbindung nach Münster und betonen deren wirtschaftliche Bedeutung für den Kreis Beckum.

1829 verband eine regelmäßige zweispännige Personenpost Beckum über Ahlen und Sendenhorst mit Münster. Für die Fahrt von Sendenhorst bis Münster nennt die Sendenhorster Überlieferung ungefähr fünf Stunden. Als 1848 die Eisenbahn Hamm–Münster in Betrieb ging, verlagerte sich die Postkutschenverbindung zum Bahnhof Drensteinfurt: Von dort konnte man mit der Bahn nach Münster fahren.

Der entscheidende Fortschritt kam 1903 mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn. Die neue Strecke verband Sendenhorst unmittelbar über Albersloh, Wolbeck und Angelmodde mit Münster. Bei der feierlichen Eröffnung am 30. September 1903 wurden die Züge in Sendenhorst mit Musik, Böllerschüssen und großem Publikumsandrang begrüßt; am 1. Oktober begann der reguläre Verkehr. Die Eisenbahn war eine Verbindung für Fahrgäste, Post und Güter.

Anfangs endete die WLE in Münster an einem eigenen Bahnhof im Bereich des Albersloher Weges beziehungsweise Hansarings. Erst am 15. Mai 1949 fuhren ihre Reisezüge direkt in den Münsteraner Hauptbahnhof. Dieser scheinbar kleine Unterschied war für Reisende aus Sendenhorst erheblich: Der Übergang zum überregionalen Bahnverkehr wurde deutlich einfacher.

Die Nachkriegszahlen machen den Austausch von Menschen und Waren greifbar: Am Bahnhof Sendenhorst wurden 1947 insgesamt 96.585 Fahrkarten verkauft. Die Bahn war für Arbeitswege, Besuche, Einkäufe und Schul- beziehungsweise Ausbildungswege ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Mit der Motorisierung ging die Nachfrage zurück; der letzte planmäßige Personenzug auf der Strecke Münster–Sendenhorst–Enniger–Neubeckum fuhr am 27. September 1975.

Die Beziehungen zu Münster endeten damit keineswegs. Behörden, Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, Geschäfte, Arbeitsplätze und kulturelle Angebote machten die Stadt zum täglichen Ziel vieler Menschen aus Sendenhorst. Die Reaktivierung der WLE-Strecke für den Personenverkehr wird seit Jahren erneut geplant; 2026 lag ein Planfeststellungsbeschluss vor, dessen rechtliche weitere Entwicklung abzuwarten ist.

Für eine vertiefte Personengeschichte wären insbesondere Ausbildungs- und Arbeitsbiografien, Handelsregister, Zunft- und Bürgerakten, kirchliche Matrikel sowie die historischen Post- und Bahnunterlagen auszuwerten. So ließe sich die abstrakte Verbindung zwischen Bischofsstadt und Landstadt anhand konkreter Sendenhorster Lebenswege erzählen.

▲

Zeittafel

793 Liudger gründet ein Kloster auf dem Horsteberg.
805 Münster wird Bischofssitz.
um 1200 Stadtmauer rechts der Aa weitgehend vollendet.
1534/35 Täuferherrschaft und Rückeroberung der Stadt.
1648 Unterzeichnung zentraler Verträge des Westfälischen Friedens.
1816 Münster wird Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen.
1903 WLE verbindet Münster direkt mit Wolbeck, Albersloh und Sendenhorst.
1945 ff. Wiederaufbau der stark zerstörten Innenstadt.

▲

Warendorf

Heutige Kreisstadt und historischer Marktort

Warendorf liegt nordöstlich von Sendenhorst an der Ems und ist seit 1975 Kreisstadt. Damit ist die Stadt heute der wichtigste administrative Bezugspunkt für Sendenhorst auf Kreisebene. Schon lange vorher bestanden Verkehrsbeziehungen: 1824 verband eine regelmäßige Botenpost Warendorf über Sendenhorst mit Hamm.

Die Anfänge Warendorfs liegen an einer Emsfurt. Vor beziehungsweise um 800 entstand dort eine Siedlung mit Missionskirche. Bis etwa 1200 entwickelte sich der Ort zu einer Stadt mit umfassenden Rechten; im 13. Jahrhundert folgten weitere Stadterweiterungen und eine Beteiligung am hansischen Handel.

1404 verwüstete ein großer Brand weite Teile der Stadt. 1533 griffen die Auseinandersetzungen um die Täuferherrschaft in Münster auf Warendorf über und führten zu Belagerung und Privilegienverlusten. 1622 mussten im Dreißigjährigen Krieg ligistische Truppen aufgenommen werden. Ein weiterer Großbrand 1745 leitete eine wirtschaftlich schwierige Phase ein.

Nach 1803 folgten französische und preußische Herrschaft; Warendorf entwickelte sich zum regionalen Verwaltungszentrum. 1826 wurde das Landgestüt gegründet. Die Verbindung von Militär, Zucht, Reitsport und Ausbildung machte Warendorf im 20. Jahrhundert zur international bekannten „Stadt des Pferdes“.

Mit der kommunalen Neuordnung 1975 wurde Warendorf Kreisstadt des neuen Kreises Warendorf. Für Sendenhorst bündeln sich hier seitdem Kreisverwaltung, Archiv, zahlreiche Schulen und Behörden sowie viele kulturelle und historische Kontakte. [12]

Beziehung zu Sendenhorst – Botenpost, Gerichte, Wege und Kreisstadt

Die Beziehung zu Sendenhorst ist älter als der heutige Kreis Warendorf. Schon 1824 verband eine regelmäßige Botenpost Warendorf über Sendenhorst mit Hamm. Diese Strecke machte den Austausch von Briefen, Nachrichten und Waren über die damaligen Verwaltungsgrenzen hinweg möglich. Über Vorhelm, Tönnishäuschen und Hoetmar bestanden zudem ältere Landwege in Richtung Warendorf.

1816 wurden die beiden Städte unterschiedlichen preußischen Kreisen zugeteilt: Sendenhorst gehörte zum Kreis Beckum, Warendorf war Sitz des gleichnamigen Kreises. Gerade deshalb sind die in Warendorfer Beständen erhaltenen Akten über Wege- und Brückenreparaturen zwischen Hoetmar und Sendenhorst von 1836 bis 1876 interessant. Sie dokumentieren grenzüberschreitende Infrastrukturfragen, ohne dass die einzelnen Maßnahmen allein aus dem Aktentitel hervorgehen.

Eine noch ältere Verbindung liegt im Rechtswesen: Hoetmar gehörte lange zum Zuständigkeitsbereich des Sendenhorster Gogerichts. Im Zuge der französischen Neuordnung verlor Hoetmar 1808 seinen Gerichtsstand in Sendenhorst und wurde dem Friedensgericht Warendorf zugewiesen. Hier wird ein tatsächlicher Wechsel der gerichtlichen Orientierung von Sendenhorst nach Warendorf sichtbar.

Wirtschaftlich verbanden Märkte, Viehhandel, Handwerker, Dienstboten und die Verkehrswege die beiden Landstädte mit ihrem bäuerlichen Umland. Solche Kontakte sind regionaltypisch; konkrete Handelsfamilien oder Heiratsverbindungen müssen jedoch durch Kirchenbücher, Marktakten und Hofunterlagen nachgewiesen werden.

Die Kreisreform von 1975 schuf schließlich eine neue, dauerhafte administrative Verbindung: Sendenhorst wurde Teil des neugebildeten Kreises Warendorf, dessen Verwaltungssitz Warendorf ist. Seitdem führen viele Wege für Kreisverwaltung, Schulen, Bau- und Gesundheitsangelegenheiten sowie Archivforschung in die Kreisstadt. Das Kreisarchiv Warendorf ist für die Erforschung der älteren Beziehungen besonders wichtig.

Zeittafel

vor 800 Siedlung und Missionskirche an der Emsfurt.
bis 1200 Entwicklung zur Stadt mit umfassenden Rechten.
1200–1300 Stadterweiterung und Beteiligung am hansischen Handel.
1404 Verheerender Stadtbrand.
1533 Täuferunruhen wirken auf Warendorf; Privilegien werden entzogen.
1622 Einquartierung ligistischer Truppen.
1745 Großer Stadtbrand.
1824 Botenpost Warendorf–Sendenhorst–Hamm.
1826 Gründung des Landgestüts.
1975 Warendorf wird Kreisstadt des neuen Kreises Warendorf.

▲

Wolbeck

Ehemaliger Amtssitz und westlicher Bezugspunkt

Wolbeck liegt westlich von Sendenhorst und ist historisch besonders eng verbunden. Im Fürstbistum Münster war Wolbeck Sitz eines großen Amtes, zu dem zeitweise auch Sendenhorst gehörte. Der Ort war bischöflicher Residenz- und Verwaltungsplatz und besaß als Wigbold stadtähnliche Rechte.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließ Bischof Ludolf von Holte am Zusammenfluss von Angel und Piepenbach eine Burg errichten. Um diese Residenz entwickelte sich die Siedlung Waltbeke. 1310 erscheint erstmals die Bezeichnung „Wigbold“; aus demselben Jahr stammt das älteste Siegel. Im 14. Jahrhundert wurden Burg und Ortsbefestigung ausgebaut.

Während der Täuferherrschaft in Münster 1534/35 diente Wolbeck dem Bischof als wichtiger Stützpunkt und Hauptmagazin der Belagerungstruppen. Ende des 16. Jahrhunderts folgten Überfälle im spanisch-niederländischen Krieg. Im Dreißigjährigen Krieg blieb Wolbeck zwar von großen Schlachten verschont, litt aber unter Einquartierungen und der Pest von 1635/36. 1662 zerstörte ein Großbrand 40 Häuser.

Im Siebenjährigen Krieg wurde das fürstbischöfliche Schloss 1761 schwer beschädigt und 1767 weitgehend abgebrochen. Mit der Säkularisation endete die fürstbischöfliche Zeit; unter Preußen entstand das Amt Wolbeck. 1893 eröffnete eine Wasserheilanstalt, 1903 folgte der Eisenbahnanschluss – auf derselben WLE-Strecke, die weiter über Albersloh nach Sendenhorst führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Wolbeck stark. Am 1. Januar 1975 verlor die Gemeinde ihre politische Selbstständigkeit und wurde Stadtteil von Münster. Der historische Ortskern, der Drostenhof und die alte Straßenstruktur erinnern bis heute an die frühere Bedeutung. [13]

Beziehung zu Sendenhorst

Wolbeck lag auf einer der wichtigen westlichen Verbindungen Sendenhorsts in Richtung Münster. Verkehr, Märkte und regionale Verwaltung machten den Ort zu einem Bindeglied zwischen Sendenhorst und dem Oberzentrum. Die spätere Verkehrsentwicklung um Wolbeck wirkte deshalb unmittelbar auf Albersloh und Sendenhorst zurück.

▲

Zeittafel

1. Hälfte 13. Jh. Bau der bischöflichen Burg und Entwicklung der Siedlung Waltbeke.
1310 Erste Bezeichnung als Wigbold; ältestes Siegel.
1450–1456 Münstersche Stiftsfehde berührt Wolbeck.
1534/35 Stützpunkt des Bischofs im Kampf gegen die Täufer in Münster.
1635/36 Schwere Pestwelle.
1662 Großbrand zerstört 40 Häuser.
1761/1767 Schloss schwer beschädigt und weitgehend abgebrochen.
1893 Eröffnung der Wasserheilanstalt.
1903 Eisenbahnanschluss; direkte WLE-Verbindung Richtung Sendenhorst.
1975 Wolbeck wird Stadtteil von Münster.

▲

Nachbarn in den Archiven

Die Nachbarorte begegnen in den Sendenhorster Beständen immer wieder: in Urkunden und Akten, bei Familien- und Hofgeschichten, bei Straßen und Eisenbahn, in Berichten über Kriege und Truppendurchzüge sowie auf historischen Fotografien. Besonders dicht ist die Überlieferung zu Vorhelm, Enniger, Ahlen und Tönnishäuschen.

Ein schönes Beispiel ist Tönnishäuschen: In den HGF-Beständen liegt eine eigene Darstellung zur Antoniuskapelle; Akten nennen 1888 den Beschluss zum Schulbau, und das Bildarchiv dokumentiert den Sendenhorster Schnadegang von 2016 mit einer ganzen Fotoserie.

Quellenübersicht ↗


▲

Quellen und weiterführende Seiten

[1] Albersloh: Heimatverein Sendenhorst, Chronik; ältere Ortschronik und Stadtgeschichte Sendenhorst–Albersloh.

[2] Alverskirchen: Gemeinde Everswinkel – Geschichtliches aus Everswinkel und Alverskirchen ↗

[3] Everswinkel: Gemeinde Everswinkel – Geschichtliches ↗

[4] Hoetmar: Ortsgeschichtliche Darstellungen Hoetmar / bisheriger Naobers-Bestand.

[5] Enniger: Heimatverein Enniger und bisheriger Naobers-Bestand.

[6] Vorhelm: Ortsgeschichtliche Darstellung Vorhelm; Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst, Nachbarn-Bestand.

[7] Tönnishäuschen: Adolf Müller, „Aus der Geschichte der Kapelle zu Tönnishäuschen“ (HGF 1987/88); Ergänzungen 2002; Nachbarn-Akten und Bildarchiv Heimatverein Sendenhorst. Foto Schnellnavigation: DerBauer2310 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

[8] Ahlen: Stadtgeschichte Ahlen / bisheriger Naobers-Bestand.

[9] Drensteinfurt: Stadtgeschichte Drensteinfurt / bisheriger Naobers-Bestand.

[10] Beckum: Stadt Beckum – Geschichte Beckums ↗

[11] Münster: Stadtmuseum Münster – Stadtgeschichte seit 793 ↗; Westfälischer Friede.

[12] Warendorf: Stadt Warendorf – Geschichte und Zeitstrahl ↗

[13] Wolbeck: Wolbeck entdecken – Geschichte des Wigbolds ↗

[14] Freckenhorst: Freckenhorst – Ortsgeschichte ↗; LWL – ehemaliges Damenstift Freckenhorst ↗. Wappen: Wikimedia Commons.

Wappen: Die neu ergänzten Wappen von Freckenhorst, Beckum, Münster, Warendorf und Wolbeck werden über Wikimedia Commons eingebunden; Tönnishäuschen besitzt kein eigenes kommunales Wappen und wird deshalb mit der Antoniuskapelle dargestellt.

Kontakt

Heimatverein Sendenhorst e.V.
Weststraße 3

48324 Sendenhorst

Rufen Sie einfach an unter

+49 170.7372307
Kontaktformular.

Wetter

 

Antrag auf Mitgliedschaft im Heimatverein Sendenhorst e.V. für nur 1,- EUR / Monat

Sendenhorst im Oktober
Ernte, Märkte, Kirmes und alte Herbsttraditionen
🌾 Harkemai
+
⛪ Erntedank
+
🚜 Trecker-Geschicklichkeits-
fahrten
+
🐄 Herbstmarkt 1818
+
🎡 Herbstkirmes & Pfarrkirmes
+
🚶 Schnadegang
+
🐎 Herbstritt
+
🔥 Herdfeuerabend & Abend am Kamin
+
👥 Jahrgangstreffen
+
🕯️ Allerheiligen – Übergang zum November
+
Münsterland & Westfalen im Oktober
Weitere überlieferte Herbstbräuche aus unserer Region
🌾 Stoppelhahn
+
🌾 Erntekranz & Erntehahn
+
🥔 Kartoffelfeuer
+
🎃 Rübenlaternen & Rübengeister
+
🍎 Heischegänge
+
🐄 Vieh- & Krammärkte
+
🎡 Herbstkirmessen
+
🐖 Beginn der Schlachtzeit
+
🎃 Halloween – 31. Oktober
+
🕯️ Allerheiligen – 1. November
+
 ↑
Druckversion | Sitemap
© Sendenhorst Heimatverein