Sendenhorst liegt nicht für sich allein. Die Geschichte der Stadt ist eng mit den Orten ringsum verbunden – durch Kirchspiele, Ämter, Straßen, Märkte, Familien, Kriege und gemeinsame Entwicklungen im Münsterland.
Zu den bisherigen Nachbarorten kommt hier Tönnishäuschen als historisch besonders enger Grenz- und Verkehrsort hinzu. Außerdem folgt ein zweiter Kreis mit Freckenhorst, Beckum, Münster, Warendorf und Wolbeck: keine unmittelbaren Nachbarn der Stadtgrenze, aber für Sendenhorsts Geschichte und regionale Verflechtung besonders wichtig.
Die Nachbarorte – historische Kurzchroniken
Albersloh
Historische Kurzchronik
Albersloh ist der engste historische Partner Sendenhorsts: Seit 1975 bilden beide Orte gemeinsam die Stadt Sendenhorst. Die Siedlungsgeschichte reicht jedoch weit zurück. Für den Raum Ahrenhorst und West sind bereits im frühen Mittelalter Höfe belegt; der eigentliche Ortsname erscheint 1171 in einer bischöflichen Urkunde. Um die Kirche entwickelte sich das Kirchdorf, während die umliegenden Bauerschaften lange landwirtschaftlich geprägt blieben.
Im Mittelalter stand das Kirchspiel in engen Beziehungen zum Domkapitel in Münster. Für 1499 werden rund 500 Einwohner genannt. 1503 goss der bekannte Glockengießer Wolter Westerhues drei Glocken für die Kirche. Die Reformationszeit veränderte einzelne kirchliche Praktiken, Albersloh blieb jedoch katholisch geprägt.
Die Lage zwischen Münster, Wolbeck, Sendenhorst und dem östlichen Münsterland machte den Ort in Kriegszeiten verwundbar. Zwischen 1579 und 1600 kam es im Umfeld des niederländisch-spanischen Krieges zu Überfällen und Plünderungen. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte Einquartierungen und Verwüstungen; 1761 lagerte während des Siebenjährigen Krieges eine französische Armee bei Albersloh.
Um 1800 lebten 259 Haushalte im Ort. Landwirtschaft blieb das Fundament, ergänzt durch Handwerk und Handel. Die politischen Umbrüche zwischen Preußen und französischer Herrschaft erfassten auch Albersloh. Am 17. März 1813 zerstörte ein Großbrand rund 30 Gebäude und prägte das Ortsbild nachhaltig.
Mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn erhielt Albersloh 1903 Anschluss an Münster, Sendenhorst, Enniger und Neubeckum. 1924 entstand das St.-Josef-Hospital. Nach 1945 wuchs die Bevölkerung durch Flüchtlinge und Vertriebene. Die kommunale Neuordnung vereinigte Albersloh 1975 mit Sendenhorst; 2021 wurde an 850 Jahre seit der urkundlichen Erwähnung von 1171 erinnert. [1]
Zeittafel
| um 880 | Frühe Hofnennungen im Raum Ahrenhorst. |
| 1171 | Erste urkundliche Nennung des Ortsnamens. |
| 1499 | Rund 500 Einwohner werden genannt. |
| 1503 | Wolter Westerhues gießt drei Kirchenglocken. |
| 1813 | Großbrand zerstört etwa 30 Gebäude. |
| 1903 | Anschluss an die Westfälische Landes-Eisenbahn. |
| 1975 | Zusammenschluss mit Sendenhorst. |
| 2021 | 850 Jahre erste urkundliche Erwähnung. |
Alverskirchen
Historische Kurzchronik
Alverskirchen entstand um 1200 als Kirchdorf. Die Gründung ist mit der Errichtung einer der heiligen Agatha geweihten Kirche unter Bischof Hermann II. von Lippe verbunden. Der ältere Name „Alvinskerken“ verweist nach der örtlichen Überlieferung auf einen Albin, Alvin, Albrie oder Alvrie, der den Baugrund bereitgestellt oder die Kirche gestiftet haben soll.
Mittelpunkt des Ortes blieb über Jahrhunderte St. Agatha. Der massige romanische Turm gehört zu den ältesten Bauteilen und erinnert an die Schutzfunktion mittelalterlicher Kirchplätze. Feuer war für das dicht bebaute Dorf eine ständige Gefahr. Nach mehreren großen Bränden gewann die heilige Agatha als Schutzpatronin gegen Feuersnot besondere Bedeutung; 1703 erhielt der Turm seine heutige Breite.
Im 16. und 17. Jahrhundert litt Alverskirchen wie die ganze Region unter Kriegszügen, Missernten und Seuchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren zahlreiche Höfe verlassen. Im 18. und 19. Jahrhundert blieb die Landwirtschaft die wichtigste Grundlage, doch Kaufleute, Tagelöhner und Handwerker sorgten für eine breitere Wirtschaftsstruktur als im stärker von der Hausweberei abhängigen Everswinkel.
Südlich des Dorfes liegt Gut Brückhausen, das die Geschichte der Umgebung über lange Zeit mitprägte. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte der Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen die Bevölkerungsstruktur deutlich; aus dem alten Kirchdorf entwickelte sich zunehmend eine ländliche Wohngemeinde.
Everswinkel und Alverskirchen waren mehr als 150 Jahre politisch getrennt. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurden beide 1975 wieder zur Gemeinde Everswinkel zusammengeschlossen. Der historische Ortskern um St. Agatha ist bis heute der prägende Bezugspunkt Alverskirchens. [2]
Zeittafel
| um 1200 | Errichtung der Pfarrkirche St. Agatha; Entstehung des Kirchdorfs. |
| 16./17. Jh. | Brände, Kriegswirren und verlassene Höfe belasten den Ort. |
| 1613 | Johannes wird noch als Kirchenpatron genannt; Agatha gewinnt später Vorrang. |
| 1703 | Der romanische Kirchturm erhält seine heutige Breite. |
| nach 1945 | Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. |
| 1975 | Zusammenschluss mit Everswinkel zur heutigen Gemeinde. |
Everswinkel
Historische Kurzchronik
Everswinkel entwickelte sich aus einer alten bäuerlichen Siedlungslandschaft entlang von Mußenbach, Hagenbach und Kehlbach. Große Höfe wie Schulze Kelling und Schulze Westhoff bestanden bereits vor 1100. Der geschlossene Dorfkern entstand später im Schutz der Kirche und ihrer Befestigungen.
Die St.-Magnus-Pfarrei reicht nach der örtlichen Geschichtsdarstellung in das 10. Jahrhundert zurück. Rund um die Wehrkirche standen „Spieker“: Speicherbauten, die in unsicheren Zeiten zugleich Schutz für Menschen, Vorräte und Vieh boten. Aus diesem Kirchhof entwickelte sich nach und nach ein Dorf mit Tagelöhnern, Händlern und Handwerkern.
Kriege, Pest und Brände trafen Everswinkel ebenso wie Alverskirchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lagen viele Höfe wüst. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde die Leinenweberei zur wichtigsten gewerblichen Erwerbsquelle. 1825 waren von 149 Handwerkern im Dorf 89 Weber – ein außergewöhnlich hoher Anteil.
Die maschinelle Textilproduktion leitete ab etwa 1830 den Niedergang der Hausweberei ein. 1882 wird kein einziger Weber mehr genannt. Weil die großen Eisenbahnlinien am Ort vorbeiführten und keine bedeutende Industrie entstand, war der Strukturwandel zunächst schmerzhaft. Landwirtschaft und die Versorgung der wachsenden Industriegebiete wurden dagegen zunehmend rentabel.
Nach 1945 wandelte sich Everswinkel durch Bevölkerungszuwachs, Motorisierung und steigenden Wohlstand zur ländlichen Wohngemeinde. 1975 wurde das zuvor getrennte Alverskirchen wieder mit Everswinkel zu einer Gemeinde vereinigt. [3]
Zeittafel
| 10. Jh. | St.-Magnus-Pfarrei und Kirchhofsburg prägen die frühe Ortsentwicklung. |
| vor 1100 | Große Höfe wie Schulze Kelling und Schulze Westhoff sind bereits vorhanden. |
| 17. Jh. | Kriegsfolgen, Brände und verlassene Höfe. |
| 1825 | 89 von 149 Handwerkern im Dorf sind Weber. |
| ab 1830 | Maschinelle Textilproduktion verdrängt die Hausweberei. |
| 1882 | Kein Weber wird mehr im Ort genannt. |
| 1975 | Zusammenschluss mit Alverskirchen. |
Hoetmar
Historische Kurzchronik
Hoetmars frühe Überlieferung verlangt etwas Vorsicht: Eine angebliche Nennung von 851 steht in einer später als Fälschung erkannten Urkunde. Ab dem 11. Jahrhundert lässt sich der Ort unter verschiedenen Namensformen zuverlässig verfolgen. Bedeutend für die Entwicklung war Haus Hoetmar, das aus einer mittelalterlichen Burg hervorging und später zu einem Renaissancesitz umgestaltet wurde.
Kirche, Grundherrschaften und bäuerliche Höfe bestimmten das Leben über Jahrhunderte. Die Hoetmarer Kirche ist 1281 belegt. Die Bauern waren verschiedenen geistlichen und weltlichen Herren verpflichtet. Eine wichtige Einrichtung war die Markengenossenschaft, die gemeinschaftlich genutzte Flächen regelte.
Kriegszeiten trafen das Kirchspiel empfindlich. Im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg wurden Felder verwüstet, Vieh geraubt und die Bevölkerung mit Einquartierungen und Abgaben belastet. Unter napoleonischem Einfluss endeten 1808 alte Formen persönlicher Abhängigkeit; 1839 wurde die gemeinschaftliche Mark endgültig aufgeteilt.
Zum kirchlichen Leben gehört auch die Marienkapelle in Buddenbaum. 1959/60 entstand mit viel freiwilliger Arbeit die evangelische Michaeliskapelle. Damit spiegelte sich auch konfessionell der Wandel der Nachkriegszeit wider.
Die kommunale Neuordnung veränderte Hoetmars Zugehörigkeit zweimal in kurzer Folge: 1969 wurde der Ort Freckenhorst zugeordnet, 1975 kam er mit Freckenhorst zur Stadt Warendorf. Die historische Eigenart des Dorfes und seiner Bauerschaften blieb dennoch stark erhalten. [4]
Zeittafel
| 851 | Frühe, später als Fälschung erkannte Nennung. |
| 11. Jh. | Zuverlässige schriftliche Nennungen des Ortes. |
| 1281 | Kirche in Hoetmar belegt. |
| 1808 | Aufhebung der Leibeigenschaft im napoleonischen Reformzeitalter. |
| 1839 | Endgültige Aufteilung der gemeinschaftlichen Mark. |
| 1959/60 | Bau der evangelischen Michaeliskapelle. |
| 1969 | Zuordnung zu Freckenhorst. |
| 1975 | Hoetmar wird Teil der Stadt Warendorf. |
Enniger
Historische Kurzchronik
Enniger besitzt eine lange Hof-, Kirchen- und Adelsgeschichte. Bereits um 1000 bestand der Gräftenhof des Hauses Enniger im kirchlichen Umfeld von St. Mauritz in Münster; auch andere alte Hofstellen sind früh belegt. Der Ortsname „Anigere“ erscheint 1226 sicher in den Quellen.
Haus Enniger wechselte mehrfach den Besitzer. Über Heiraten und Belehnungen kamen verschiedene Adelsfamilien zum Zuge; besonders die Familie von Voß hinterließ Spuren in der örtlichen Tradition. Der „Junker Voß“ ist bis heute eine bekannte Figur des Ennigeraner Brauchtums. Nach der Säkularisation wurde Haus Enniger staatliches Domänengut.
Ein zweiter bedeutender Adelssitz war Haus Neuengraben, das um 1500 entstand. Später gehörte es unter anderem den Familien von der Engelborg und von Galen. 1975 wurde das Anwesen verkauft und anschließend abgebrochen – ein einschneidender Verlust historischer Bausubstanz. Die Vossbachmühle konnte dagegen wiederaufgebaut und als Begegnungsstätte erhalten werden.
Zu den weiteren historischen Fixpunkten gehören Schulze Balhorn, dessen Geschichte bis in das Hochmittelalter reicht, sowie der Pfarrhof mit Fachwerk von 1679 und die alte Rückämper Kapelle. Die Kirche erhielt im 19. Jahrhundert ihre heutige Gestalt.
Seit der kommunalen Neuordnung von 1975 gehört Enniger zur Stadt Ennigerloh. Die Nähe zu Vorhelm, Sendenhorst und Beckum sowie alte Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen machen den Ort zu einem wichtigen Teil des historischen Umfelds Sendenhorsts. [5]
Zeittafel
| um 1000 | Haus Enniger und weitere alte Hofstrukturen sind im Raum fassbar. |
| um 1090 | Schulze Balhorn wird im Zusammenhang mit dem Kloster Freckenhorst genannt. |
| 1226 | Erste sichere Nennung „Anigere“. |
| um 1500 | Entstehung von Haus Neuengraben. |
| 1679 | Fachwerkbau des historischen Pfarrhofs. |
| 1863 | Kirche erhält im Wesentlichen ihr heutiges Erscheinungsbild. |
| 1975 | Enniger wird Stadtteil von Ennigerloh; Haus Neuengraben wird später abgebrochen. |
Vorhelm
Historische Kurzchronik
Vorhelms Geschichte reicht weit vor die geschlossene Dorfentwicklung zurück. Archäologische Funde weisen auf eine frühe Besiedlung des Raumes. Schriftlich erscheint „Furelmi“ 864 in einer Überlieferung um den heiligen Liudger. 1193 erhob der Bischof von Münster die Pankratiuskirche zur Pfarrkirche – ein wichtiger Schritt für die Ausbildung des Dorfes.
Im Mittelalter gehörte Vorhelm zum Archidiakonat St. Mauritz und zum Amt Wolbeck. Das Rittergeschlecht von Torck prägte den Ort und Haus Vorhelm seit dem späten Mittelalter. 1487 wurde die Vikarie St. Anna gestiftet; wenig später tritt auch die Antoniusverehrung im benachbarten Isendorf/Tönnishäuschen hervor.
Der Dreißigjährige Krieg brachte Plünderungen und Zerstörungen. 1632 brannte die Kirche nieder. 1707 gelangte Haus Vorhelm durch Erbschaft an die Drosten zu Vischering, die den Herrensitz und sein Umfeld im 18. Jahrhundert stark prägten. Auch die heutige Antoniuskapelle in Tönnishäuschen entstand in diesem Zusammenhang.
Im 19. Jahrhundert wirkte der Strontianitbergbau als zeitweiliger wirtschaftlicher Impuls. 1862 wurde in Vorhelm der Heimatdichter Augustin Wibbelt geboren. 1893 wurde die neue Pfarrkirche St. Pankratius geweiht. Die Eisenbahn und später der Straßenverkehr banden den Ort enger an Ahlen und das weitere Münsterland an.
Am 1. Januar 1975 wurde Vorhelm mit der kommunalen Neuordnung Stadtteil von Ahlen. Trotz dieses Verwaltungswechsels blieb die historische Identität des alten Kirchspiels mit Haus Vorhelm, St. Pankratius und Tönnishäuschen deutlich sichtbar. [6]
Zeittafel
| 864 | „Furelmi“ wird in einer Liudger-Überlieferung genannt. |
| 1193 | St. Pankratius wird Pfarrkirche. |
| 1413 | Haus Vorhelm ist mit der Familie von Torck verbunden. |
| 1487 | Stiftung der Vikarie St. Anna. |
| 1632 | Die Kirche brennt im Dreißigjährigen Krieg nieder. |
| 1707 | Haus Vorhelm gelangt an Droste zu Vischering. |
| 1862 | Geburt des Heimatdichters Augustin Wibbelt. |
| 1870–1893 | Strontianitbergbau bringt einen wirtschaftlichen Impuls. |
| 1893 | Weihe der neuen St.-Pankratius-Kirche. |
| 1975 | Vorhelm wird Stadtteil von Ahlen. |
Tönnishäuschen
Kapelle, Wegekreuz und historischer Grenzraum
Tönnishäuschen ist kein historisch selbständiges Kirchspiel wie die klassischen Nachbarorte, gehört aber wegen seiner Lage und seiner engen Verbindungen nach Vorhelm und Sendenhorst unmittelbar in diese Übersicht. Der Platz liegt in der alten Bauerschaft Isendorf, die bereits im 10. Jahrhundert als „Isingthorpe“ in der Freckenhorster Überlieferung erscheint. Seinen Namen verdankt Tönnishäuschen der Antoniusverehrung und einer alten Kapelle an einem wichtigen Wegekreuz.
Die älteste greifbare Nachricht stammt aus dem Jahr 1499: Ein Steuerregister nennt „Lambert by sunte Anthonii“. Daraus lässt sich schließen, dass bereits damals eine Antoniusstätte – möglicherweise zunächst Kapelle oder Bildstock – bestand. Der heilige Abt Antonius wurde im Münsterland besonders als Schutzheiliger gegen Seuchen bei Mensch und Tier verehrt; im Volksmund hieß er „Swinetüns“.
1522 errichteten die Bewohner Isendorfs eine neue Kapelle, die durch Bischof Erich von Sachsen-Lauenburg geweiht wurde. 1664 ist zum Gedächtnis der Kirchweihe am 31. August eine feierliche Messe belegt; dabei wurde das Glöcklein erstmals gebraucht. 1749 berichtet Pfarrer Wilberding von einem großen Antoniusfest unter Beteiligung der gesamten Gemeinde Vorhelm.
Unter den Drosten zu Vischering entstand schließlich die heutige Kapelle aus Ziegelstein. Sie wurde am 29. Oktober 1752 mit ihrem Altar feierlich geweiht. 1791 verlieh Papst Pius VI. den Besuchern in der Festoktav des heiligen Antonius von Padua einen vollkommenen Ablass. Aus dem Kapellenplatz entwickelte sich mit Wirtshaus, Schule und weiteren Einrichtungen ein kleiner, weithin bekannter Siedlungspunkt.
Im 19. Jahrhundert wurde Tönnishäuschen auch zu einem kleinen Verkehrsknoten im ländlichen Raum: 1861 lief eine Personenpost von Warendorf über Freckenhorst und Tönnishäuschen nach Ahlen; ab August desselben Jahres bestand außerdem eine Verbindung von Drensteinfurt über Sendenhorst nach Tönnishäuschen. 1888 beschlossen die Eingesessenen Isendorfs den Bau einer Schule am Tönnishäuschen. 1999 wurde das 500-jährige Bestehen des Namens mit einer umfangreichen Orts- und Kapellengeschichte gewürdigt. 2016 führte auch ein Schnadegang des Heimatvereins Sendenhorst nach Tönnishäuschen – ein schönes Beispiel dafür, wie eng dieser Grenzraum bis heute mit Sendenhorst verbunden ist. [7]
Zeittafel
| 10. Jh. | Isendorf erscheint als „Isingthorpe“ in der Freckenhorster Überlieferung. |
| 1499 | „Lambert by sunte Anthonii“ – älteste sichere Nachricht zur Antoniusstätte. |
| 1522 | Bewohner Isendorfs errichten und weihen eine neue Kapelle. |
| 1664 | Feierliche Messe; das Kapellenglöcklein wird erstmals gebraucht. |
| 1749 | Großes Antoniusfest mit Beteiligung der Gemeinde Vorhelm. |
| 1752 | Weihe der heutigen Antoniuskapelle am 29. Oktober. |
| 1791 | Papst Pius VI. gewährt einen Ablass für Besucher der Festoktav. |
| 1861 | Personenpost verbindet Tönnishäuschen mit Warendorf/Ahlen sowie über Sendenhorst mit Drensteinfurt. |
| 1888 | Beschluss zum Bau einer Schule am Tönnishäuschen. |
| 1999 | Feier „500 Jahre Tönnishäuschen“. |
| 2016 | Schnadegang des Heimatvereins Sendenhorst nach Tönnishäuschen. |
Ahlen
Historische Kurzchronik
Ahlen ist der größte unmittelbare städtische Nachbar im Südosten. Im frühen 9. Jahrhundert entstand die Taufkirche St. Bartholomäus; um 850 erscheint „villa alna“ in der Liudger-Überlieferung. Mit Marktrechten 1214, der Bezeichnung als Stadt 1224 und der Stadtgerichtsbarkeit 1245 entwickelte sich Ahlen zu einem wichtigen Zentrum des östlichen Münsterlandes.
Im späten Mittelalter war Ahlen in den hansischen Handel eingebunden. Die Stadt war befestigt, besaß Kirchen, Spitäler und ein ausgeprägtes Handwerk. Pestzüge, Brände und Kriege unterbrachen diese Entwicklung immer wieder. Besonders der Dreißigjährige Krieg belastete Ahlen durch wiederholte Plünderungen und Einquartierungen.
Nach 1815 begann unter preußischer Herrschaft ein tiefgreifender Strukturwandel. Der Eisenbahnanschluss 1847 verbesserte die Verkehrsverbindungen erheblich. Plüschweberei und Emailleindustrie schufen neue Arbeitsplätze; mit dem Steinkohlenbergbau ab 1911 wurde Ahlen endgültig zur Industrie- und Arbeiterstadt.
Die NS-Zeit brachte Verfolgung und die Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht 1938. 1945 wurde die Stadt kampflos an amerikanische Truppen übergeben. 1947 verabschiedete die CDU in Ahlen das „Ahlener Programm“, das dem Stadtnamen überregionale politische Bedeutung gab.
1975 wurde Vorhelm nach Ahlen eingemeindet. Damit reicht das heutige Ahlener Stadtgebiet bis unmittelbar an den Sendenhorster Raum heran; familiäre, wirtschaftliche, schulische und verkehrliche Beziehungen zwischen beiden Städten sind entsprechend eng. [8]
Zeittafel
| frühes 9. Jh. | Gründung der Taufkirche St. Bartholomäus. |
| um 850 | Erwähnung als „villa alna“. |
| 1214 | Marktrechte. |
| 1224 | Ahlen wird als Stadt bezeichnet. |
| 1245 | Stadtgerichtsbarkeit belegt. |
| 1847 | Eisenbahnanschluss. |
| 1911 | Beginn des Steinkohlenbergbaus. |
| 1938 | Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht. |
| 1945 | Kampfloser Übergang an amerikanische Truppen. |
| 1947 | Ahlener Programm der CDU. |
| 1975 | Vorhelm wird Stadtteil von Ahlen. |
Drensteinfurt
Historische Kurzchronik
Drensteinfurt liegt südwestlich von Sendenhorst an der Werse. Die frühe Bedeutung des Ortes hängt mit einer Furt zusammen. Im Umfeld der Alexander-Translation wird 851 „Stenvorde in regione Dreni“ genannt; um einen alten Oberhof entwickelte sich eine bäuerliche Siedlung. Eine Pfarrkirche ist 1137 belegt.
Im späten Mittelalter verdichtete sich der Ort und erhielt stadtähnliche Strukturen. 1283 markieren vier Pfähle einen besonderen Rechtsbezirk, um 1300 werden erste Ansätze einer städtischen Entwicklung sichtbar. 1428 wird Drensteinfurt ausdrücklich als freier Wigbold bezeichnet. Tore, Gräben und weitere Befestigungen schützten den Ort.
Die Herren von Haus Steinfurt prägten Politik, Wirtschaft und Landschaft. Um 1800 war Drensteinfurt eine typische Ackerbürgerstadt. Der Eisenbahnanschluss von 1848 verbesserte die Verbindungen in das Ruhrgebiet und nach Münster. Ab 1875 brachte der Strontianitbergbau einen zeitweiligen Boom und neue Arbeitsplätze.
Am 23. März 1944 traf ein schwerer Bombenangriff die historische Altstadt und forderte zahlreiche Todesopfer. Nach dem Krieg wuchs Drensteinfurt zunehmend als Wohn- und Pendlerstadt. Die kommunalen Grenzen änderten sich: 1968 kam Walstedde hinzu, 1975 folgte Rinkerode.
Die 1988 eröffnete Umgehungsstraße entlastete die historische Innenstadt vom Durchgangsverkehr. Für Sendenhorst bleibt Drensteinfurt besonders durch die alte Straßenverbindung, die gemeinsame Landschaft zwischen Werse und Angel sowie langjährige Pendler- und Verkehrsbeziehungen wichtig. [9]
Zeittafel
| 851 | „Stenvorde in regione Dreni“ wird genannt. |
| 1137 | Pfarrkirche belegt. |
| 1283 | Abgrenzung eines besonderen Rechtsbezirks. |
| 1428 | Drensteinfurt wird als freier Wigbold bezeichnet. |
| 1848 | Eisenbahnanschluss. |
| ab 1875 | Strontianitbergbau. |
| 23.3.1944 | Schwerer Bombenangriff auf die Altstadt. |
| 1968 | Zusammenschluss mit Walstedde. |
| 1975 | Rinkerode kommt hinzu. |
| 1988 | Eröffnung der Umgehungsstraße. |
Weitere nahe Orte – wichtig für Sendenhorsts Geschichte
Freckenhorst
Stiftsort und historischer Mittelpunkt des östlichen Münsterlandes
Freckenhorst gehört heute zur Stadt Warendorf und liegt nordöstlich von Sendenhorst. Für die Geschichte des Sendenhorster Umlandes ist der Ort besonders wichtig, weil das Freckenhorster Stift über viele Jahrhunderte Grundbesitz, Zehntrechte und kirchliche Beziehungen weit in das östliche Münsterland hinein besaß. Auch Höfe und Bauerschaften im Umfeld von Sendenhorst, Hoetmar, Enniger und Vorhelm begegnen immer wieder in der Freckenhorster Überlieferung.
Die Anfänge liegen im 9. Jahrhundert. Nach der örtlichen Überlieferung gründeten der Edelherr Everword und seine Frau Geva 851 ein Kanonissenstift; die Ansiedlung Freckenhorst entwickelte sich im Schutz dieser geistlichen Gemeinschaft. Das Stift gewann umfangreichen Grundbesitz und erheblichen politischen wie wirtschaftlichen Einfluss. Vor 1240 wurde die Augustinerregel eingeführt; 1495 erfolgte die Umwandlung in ein freiweltliches adeliges Damenstift.
Ein Großbrand zerstörte 1116 auch die ältere Kirche. Die heutige Stiftskirche St. Bonifatius wurde 1129 geweiht und gehört zu den bedeutendsten romanischen Kirchen Westfalens. Besonders berühmt ist der ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammende Taufstein. Mit der Kirche, der Petrikapelle, dem Kreuzgang und später der Neuen Abtei blieb das Stift bis heute der architektonische Mittelpunkt des Ortes.
Die frühe Neuzeit war von Seuchen und Krieg geprägt. Als 1616 in Warendorf die Pest grassierte, untersagte die Freckenhorster Äbtissin den Einwohnern zeitweise den Einkauf dort. Im Dreißigjährigen Krieg kam es 1637 bei Freckenhorst zu einem Gefecht zwischen ligistischen und hessen-kasselischen Truppen. 1645 führte der Streit um die Nutzung der Hoetmarer Mark sogar zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Freckenhorstern und Bewohnern von Hoetmar und Enniger.
1740 ließ Äbtissin Clara Franziska von Westerholt-Lembeck das heutige Abteigebäude errichten. Mit der Säkularisation endete 1811 die Geschichte des Stifts als geistliche Korporation. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Freckenhorst zu einer größeren Landgemeinde und Kleinstadt. 1969 entstand durch Eingliederung des Kirchspiels die Stadt Freckenhorst; am 1. Januar 1975 wurde sie im Zuge der kommunalen Neuordnung in die Stadt Warendorf eingegliedert. [14]
Zeittafel
| 851 | Gründung des Kanonissenstifts durch Everword und Geva; die Siedlung entwickelt sich im Schutz des Stifts. |
| 1116 | Großbrand zerstört auch den Vorgängerbau der Stiftskirche. |
| 1129 | Weihe der heutigen Stiftskirche St. Bonifatius. |
| vor 1240 | Einführung der Augustinerregel. |
| 1495 | Umwandlung in ein freiweltliches adeliges Damenstift. |
| 1616 | Pest in Warendorf; die Äbtissin beschränkt den Warenverkehr dorthin. |
| 1637 | Gefecht bei Freckenhorst im Dreißigjährigen Krieg. |
| 1645 | Blutiger Markenkonflikt mit Hoetmar und Enniger. |
| 1740 | Neubau der Abtei durch Franz Christoph Nagel. |
| 1811 | Aufhebung des Stifts im Zuge der Säkularisation. |
| 1969 | Bildung der Stadt Freckenhorst durch Eingliederung des Kirchspiels. |
| 1975 | Freckenhorst wird Stadtteil von Warendorf. |
Beckum
Naher Zentralort und frühere Kreisstadt
Beckum liegt zwar nicht unmittelbar an Sendenhorst, war für die Stadt aber über mehr als anderthalb Jahrhunderte administrativ besonders wichtig: Seit der preußischen Neuordnung 1816 gehörte Sendenhorst zum Kreis Beckum. Erst mit der kommunalen Neuordnung von 1975 ging dieser Kreis im neuen Kreis Warendorf auf.
Beckums Siedlungsgeschichte reicht sehr weit zurück. Funde aus Jungsteinzeit und fränkisch-sächsischer Zeit zeigen eine frühe Besiedlung. Seit dem 8. Jahrhundert bestand eine Kapelle; Beckum zählt zu den alten Urpfarreien des Münsterlandes. Der Name wird als „Bachheim“ gedeutet und passt zu den zahlreichen Wasserläufen, die bis heute im Stadtwappen als drei silberne Wellenbalken auf rotem Grund erscheinen.
1224 erhielt Beckum Stadtrecht. Die günstige Lage an wichtigen Handelswegen brachte Kaufleuten und Handwerkern Wohlstand; starke Befestigungen schützten die Stadt. Um 1230 entstand der Prudentiaschrein. Kriege, Pest und wirtschaftliche Krisen bremsten die Entwicklung in der frühen Neuzeit.
Im 19. Jahrhundert setzte ein neuer Aufschwung ein. 1816 wurde Beckum Kreisstadt, 1847 erschloss die Köln-Mindener Eisenbahn den Raum. Die Kalk- und Zementindustrie wurde zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor; 1872 entstand das erste Zementwerk. Beckum entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zementstandorte Deutschlands.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Beckum von großflächigen Zerstörungen weitgehend verschont und wurde 1945 kampflos an amerikanische Truppen übergeben. Heute ist die Stadt mit Neubeckum, Vellern und Roland ein wichtiges Mittelzentrum im Kreis Warendorf. [10]
Zeittafel
| 8. Jh. | Kapelle; Beckum zählt zu den alten Urpfarreien des Münsterlandes. |
| 1224 | Verleihung der Stadtrechte. |
| um 1230 | Entstehung des Prudentiaschreins. |
| 1816 | Beckum wird Kreisstadt; Sendenhorst gehört zum Kreis Beckum. |
| 1847 | Köln-Mindener Eisenbahn erschließt den Raum. |
| 1872 | Gründung des ersten Beckumer Zementwerks. |
| 1945 | Kampfloser Übergang an amerikanische Truppen. |
| 1975 | Der Kreis Beckum geht im neuen Kreis Warendorf auf. |
Münster
Bischofsstadt, Oberzentrum und historischer Bezugspunkt
Münster ist für Sendenhorst nicht nur die nächstgelegene Großstadt, sondern über Jahrhunderte der politische und kirchliche Mittelpunkt des Münsterlandes gewesen. Sendenhorst gehörte zum Hochstift Münster; kirchliche Entscheidungen, Verwaltung, Märkte, Schulen und später Verkehrslinien führten immer wieder in die Bischofsstadt.
793 errichtete Liudger auf dem Horsteberg ein Kloster – das „monasterium“, aus dem der Stadtname hervorging. Mit seiner Bischofsweihe 805 wurde die Siedlung Bistumssitz. Im 11. Jahrhundert wuchs vor der Domburg eine Marktsiedlung; im Hochmittelalter entstanden Stadtmauer, Pfarrkirchen und ein selbstbewusstes städtisches Gemeinwesen.
1534/35 erlebte Münster mit der Täuferherrschaft eine der dramatischsten Episoden seiner Geschichte. Nach der Rückeroberung wurden städtische Rechte zeitweise eingeschränkt. Eine ganz andere, europäische Bedeutung erhielt Münster 1648: Nach jahrelangen Verhandlungen wurden hier Verträge des Westfälischen Friedens unterzeichnet.
Nach dem Ende des Fürstbistums wurde Münster 1815 endgültig preußisch und 1816 Hauptstadt der Provinz Westfalen. Behörden, Militär, Universität und Dienstleistungen ließen die Stadt stark wachsen. 1903 schuf die Westfälische Landes-Eisenbahn eine direkte Bahnverbindung Münster–Wolbeck–Albersloh–Sendenhorst.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile der Innenstadt. Nach 1945 wurde das historische Zentrum in wesentlichen Strukturen wiederaufgebaut. Für Sendenhorst blieb Münster zugleich Verwaltungs-, Bildungs-, Einkaufs- und Verkehrszentrum der Region. [11]
Zeittafel
| 793 | Liudger gründet ein Kloster auf dem Horsteberg. |
| 805 | Münster wird Bischofssitz. |
| um 1200 | Stadtmauer rechts der Aa weitgehend vollendet. |
| 1534/35 | Täuferherrschaft und Rückeroberung der Stadt. |
| 1648 | Unterzeichnung zentraler Verträge des Westfälischen Friedens. |
| 1816 | Münster wird Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen. |
| 1903 | WLE verbindet Münster direkt mit Wolbeck, Albersloh und Sendenhorst. |
| 1945 ff. | Wiederaufbau der stark zerstörten Innenstadt. |
Warendorf
Heutige Kreisstadt und historischer Marktort
Warendorf liegt nordöstlich von Sendenhorst an der Ems und ist seit 1975 Kreisstadt. Damit ist die Stadt heute der wichtigste administrative Bezugspunkt für Sendenhorst auf Kreisebene. Schon lange vorher bestanden Verkehrsbeziehungen: 1824 verband eine regelmäßige Botenpost Warendorf über Sendenhorst mit Hamm.
Die Anfänge Warendorfs liegen an einer Emsfurt. Vor beziehungsweise um 800 entstand dort eine Siedlung mit Missionskirche. Bis etwa 1200 entwickelte sich der Ort zu einer Stadt mit umfassenden Rechten; im 13. Jahrhundert folgten weitere Stadterweiterungen und eine Beteiligung am hansischen Handel.
1404 verwüstete ein großer Brand weite Teile der Stadt. 1533 griffen die Auseinandersetzungen um die Täuferherrschaft in Münster auf Warendorf über und führten zu Belagerung und Privilegienverlusten. 1622 mussten im Dreißigjährigen Krieg ligistische Truppen aufgenommen werden. Ein weiterer Großbrand 1745 leitete eine wirtschaftlich schwierige Phase ein.
Nach 1803 folgten französische und preußische Herrschaft; Warendorf entwickelte sich zum regionalen Verwaltungszentrum. 1826 wurde das Landgestüt gegründet. Die Verbindung von Militär, Zucht, Reitsport und Ausbildung machte Warendorf im 20. Jahrhundert zur international bekannten „Stadt des Pferdes“.
Mit der kommunalen Neuordnung 1975 wurde Warendorf Kreisstadt des neuen Kreises Warendorf. Für Sendenhorst bündeln sich hier seitdem Kreisverwaltung, Archiv, zahlreiche Schulen und Behörden sowie viele kulturelle und historische Kontakte. [12]
Zeittafel
| vor 800 | Siedlung und Missionskirche an der Emsfurt. |
| bis 1200 | Entwicklung zur Stadt mit umfassenden Rechten. |
| 1200–1300 | Stadterweiterung und Beteiligung am hansischen Handel. |
| 1404 | Verheerender Stadtbrand. |
| 1533 | Täuferunruhen wirken auf Warendorf; Privilegien werden entzogen. |
| 1622 | Einquartierung ligistischer Truppen. |
| 1745 | Großer Stadtbrand. |
| 1824 | Botenpost Warendorf–Sendenhorst–Hamm. |
| 1826 | Gründung des Landgestüts. |
| 1975 | Warendorf wird Kreisstadt des neuen Kreises Warendorf. |
Wolbeck
Ehemaliger Amtssitz und westlicher Bezugspunkt
Wolbeck liegt westlich von Sendenhorst und ist historisch besonders eng verbunden. Im Fürstbistum Münster war Wolbeck Sitz eines großen Amtes, zu dem zeitweise auch Sendenhorst gehörte. Der Ort war bischöflicher Residenz- und Verwaltungsplatz und besaß als Wigbold stadtähnliche Rechte.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließ Bischof Ludolf von Holte am Zusammenfluss von Angel und Piepenbach eine Burg errichten. Um diese Residenz entwickelte sich die Siedlung Waltbeke. 1310 erscheint erstmals die Bezeichnung „Wigbold“; aus demselben Jahr stammt das älteste Siegel. Im 14. Jahrhundert wurden Burg und Ortsbefestigung ausgebaut.
Während der Täuferherrschaft in Münster 1534/35 diente Wolbeck dem Bischof als wichtiger Stützpunkt und Hauptmagazin der Belagerungstruppen. Ende des 16. Jahrhunderts folgten Überfälle im spanisch-niederländischen Krieg. Im Dreißigjährigen Krieg blieb Wolbeck zwar von großen Schlachten verschont, litt aber unter Einquartierungen und der Pest von 1635/36. 1662 zerstörte ein Großbrand 40 Häuser.
Im Siebenjährigen Krieg wurde das fürstbischöfliche Schloss 1761 schwer beschädigt und 1767 weitgehend abgebrochen. Mit der Säkularisation endete die fürstbischöfliche Zeit; unter Preußen entstand das Amt Wolbeck. 1893 eröffnete eine Wasserheilanstalt, 1903 folgte der Eisenbahnanschluss – auf derselben WLE-Strecke, die weiter über Albersloh nach Sendenhorst führte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Wolbeck stark. Am 1. Januar 1975 verlor die Gemeinde ihre politische Selbstständigkeit und wurde Stadtteil von Münster. Der historische Ortskern, der Drostenhof und die alte Straßenstruktur erinnern bis heute an die frühere Bedeutung. [13]
Zeittafel
| 1. Hälfte 13. Jh. | Bau der bischöflichen Burg und Entwicklung der Siedlung Waltbeke. |
| 1310 | Erste Bezeichnung als Wigbold; ältestes Siegel. |
| 1450–1456 | Münstersche Stiftsfehde berührt Wolbeck. |
| 1534/35 | Stützpunkt des Bischofs im Kampf gegen die Täufer in Münster. |
| 1635/36 | Schwere Pestwelle. |
| 1662 | Großbrand zerstört 40 Häuser. |
| 1761/1767 | Schloss schwer beschädigt und weitgehend abgebrochen. |
| 1893 | Eröffnung der Wasserheilanstalt. |
| 1903 | Eisenbahnanschluss; direkte WLE-Verbindung Richtung Sendenhorst. |
| 1975 | Wolbeck wird Stadtteil von Münster. |
Nachbarn in den Archiven
Die Nachbarorte begegnen in den Sendenhorster Beständen immer wieder: in Urkunden und Akten, bei Familien- und Hofgeschichten, bei Straßen und Eisenbahn, in Berichten über Kriege und Truppendurchzüge sowie auf historischen Fotografien. Besonders dicht ist die Überlieferung zu Vorhelm, Enniger, Ahlen und Tönnishäuschen.
Ein schönes Beispiel ist Tönnishäuschen: In den HGF-Beständen liegt eine eigene Darstellung zur Antoniuskapelle; Akten nennen 1888 den Beschluss zum Schulbau, und das Bildarchiv dokumentiert den Sendenhorster Schnadegang von 2016 mit einer ganzen Fotoserie.
Quellen und weiterführende Seiten
[1] Albersloh: Heimatverein Sendenhorst, Chronik; ältere Ortschronik und Stadtgeschichte Sendenhorst–Albersloh.
[2] Alverskirchen: Gemeinde Everswinkel – Geschichtliches aus Everswinkel und Alverskirchen ↗
[3] Everswinkel: Gemeinde Everswinkel – Geschichtliches ↗
[4] Hoetmar: Ortsgeschichtliche Darstellungen Hoetmar / bisheriger Naobers-Bestand.
[5] Enniger: Heimatverein Enniger und bisheriger Naobers-Bestand.
[6] Vorhelm: Ortsgeschichtliche Darstellung Vorhelm; Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst, Nachbarn-Bestand.
[7] Tönnishäuschen: Adolf Müller, „Aus der Geschichte der Kapelle zu Tönnishäuschen“ (HGF 1987/88); Ergänzungen 2002; Nachbarn-Akten und Bildarchiv Heimatverein Sendenhorst. Foto Schnellnavigation: DerBauer2310 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
[8] Ahlen: Stadtgeschichte Ahlen / bisheriger Naobers-Bestand.
[9] Drensteinfurt: Stadtgeschichte Drensteinfurt / bisheriger Naobers-Bestand.
[10] Beckum: Stadt Beckum – Geschichte Beckums ↗
[11] Münster: Stadtmuseum Münster – Stadtgeschichte seit 793 ↗; Westfälischer Friede.
[12] Warendorf: Stadt Warendorf – Geschichte und Zeitstrahl ↗
[13] Wolbeck: Wolbeck entdecken – Geschichte des Wigbolds ↗
[14] Freckenhorst: Freckenhorst – Ortsgeschichte ↗; LWL – ehemaliges Damenstift Freckenhorst ↗. Wappen: Wikimedia Commons.
Wappen: Die neu ergänzten Wappen von Freckenhorst, Beckum, Münster, Warendorf und Wolbeck werden über Wikimedia Commons eingebunden; Tönnishäuschen besitzt kein eigenes kommunales Wappen und wird deshalb mit der Antoniuskapelle dargestellt.