Über Jahrhunderte gehörten Brunnen selbstverständlich zu Häusern, Höfen und öffentlichen Plätzen. Sie versorgten Menschen und Tiere mit Trink- und Brauchwasser.
Die Qualität war jedoch sehr unterschiedlich. Manche Brunnen lieferten zu wenig Wasser, andere Wasser von zweifelhafter Farbe oder Qualität. In dicht bebauten Bereichen konnten zudem Abwässer und alte Gräben das Grundwasser belasten.
Bereits 1894 ist der Bau eines neuen Pumpenhauses über einem Brunnen belegt. Das zeigt, dass die Wasserversorgung bereits damals technisch verbessert wurde – eine zentrale städtische Versorgung war das jedoch noch lange nicht.
Eine bemerkenswerte Situation entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Stadt Ahlen erschloss Grundwasser auf Sendenhorster Gebiet. Seit etwa 1905 entstanden auf der Hardt Brunnen und technische Anlagen des Ahlener Wasserwerks.
Die Ahlener Wasserversorgung nutzte damit Grundwasser aus dem Bereich der Sendenhorster Bauernschaft Hardt. Schon früh entstand deshalb der Gedanke, diese Infrastruktur auch für Sendenhorst selbst zu nutzen.
1922 wies ein technisches Tiefbaubüro die Stadt darauf hin, dass Ahlen eine Pumpstation an der Chaussee Sendenhorst–Tönnishäuschen veräußern wolle. Für Ahlen sei ihre Leistung offenbar nicht mehr ausreichend, für Sendenhorst hätte sie nach Einschätzung der Fachleute jedoch noch lange genügt.
Der Vorschlag war bemerkenswert: Schon fast drei Jahrzehnte vor dem tatsächlichen Bau einer zentralen Wasserversorgung lag damit ein konkreter technischer Ansatz vor.
In den 1930er-Jahren wurde die hygienische Problematik immer deutlicher. 1938 wurde besonders für die Neustraße auf Schwierigkeiten bei der Brunnenversorgung hingewiesen. Die zuständigen Stellen stellten fest, dass örtlich schlechtes Wasser gefördert werde. Eine eigene Wasserwerkslösung oder ein Anschluss an Ahlen erschienen jedoch finanziell schwierig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte sich die Lage. Bevölkerungszuwachs, Wohnungsnot und der schlechte Zustand vieler Anlagen machten die alte Brunnenversorgung immer problematischer. 1946 wurde erneut eine Verbindung zum Wasserwerk auf der Hardt diskutiert. Eine zentrale Leitung hätte gleichzeitig die Löschwasserversorgung verbessert.
1949/50 gelang schließlich der Durchbruch. Nach jahrzehntelangen Diskussionen bekam Sendenhorst eine zentrale Wasserversorgung.
Von der Pumpstation auf der Hardt musste eine rund 2.750 Meter lange Leitung bis in die Stadt gebaut werden.
Die Finanzierung war schwierig. Deshalb spielte die Eigenleistung der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Bürger beteiligten sich an den Erdarbeiten, Rat und Verwaltung gingen mit gutem Beispiel voran. Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge wurden eingesetzt.
Im September 1950 ging die zentrale Wasserversorgung in Betrieb.
Zum weithin sichtbaren Zeichen der neuen Wasserversorgung wurde der Wasserturm auf dem erhöht gelegenen Bereich der Geist. Der Turm war etwa 42 Meter hoch und besaß einen Hochbehälter von rund 400 Kubikmetern.
Der Hochbehälter sorgte für gleichmäßigen Wasserdruck im Leitungsnetz. Für eine Stadt, in der zuvor jedes Haus weitgehend auf seinen eigenen Brunnen angewiesen gewesen war, bedeutete dies einen grundlegenden Wandel.
1965 verfügte das Sendenhorster Wassernetz bereits über rund 18 Kilometer Hauptleitungen.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1977 änderte sich das System grundlegend. Durch eine neue Druckleitung von Gelsenwasser konnte der notwendige Druck fortan ohne Hochbehälter erzeugt werden. Der Wasserturm verlor seine technische Funktion.
Am 5. Juli 1999 begann schließlich sein Abbruch. Damit verschwand ein Bauwerk, das fast ein halbes Jahrhundert lang zu den auffälligsten technischen Landmarken Sendenhorsts gehört hatte.
Heute besitzt und betreibt die Stadt Sendenhorst weiterhin das öffentliche Verteilnetz. Das Trinkwasser selbst wird jedoch nahezu vollständig außerhalb des Stadtgebietes gewonnen.
Der größte Teil stammt aus dem Wasserwerk Echthausen bei Wickede. Für Albersloh stehen außerdem Versorgungswege über Halingen und ergänzend über die Hohe Ward zur Verfügung.
Auf der Hardt befindet sich weiterhin eine Übergabestelle. Damit taucht derselbe Ort, der bereits vor mehr als hundert Jahren für die Ahlener Wasserversorgung wichtig war, auch heute noch in der Sendenhorster Wasserinfrastruktur auf.
Mit der Versorgung mit sauberem Wasser war nur die eine Hälfte des Problems gelöst. Das benutzte Wasser musste schließlich auch wieder aus Häusern und Straßen verschwinden.
Bereits am 14. Juli 1900 wurde im Zusammenhang mit der Beseitigung beziehungsweise Umgestaltung der alten Stadtgräfte über eine systematische Kanalisation beraten. Für technische Planungen zog man Fachleute hinzu und erkundigte sich auch bei anderen Städten nach deren Erfahrungen.
1905 lieferte die Firma Panning Zementrohre. 1906 nahm die Stadt einen Kredit von 45.000 Mark für Kanalisation und Straßenbau auf.
Trotzdem entstand nicht sofort ein geschlossenes Kanalnetz. Die Arbeiten erfolgten abschnittsweise. Noch 1925 findet sich ausdrücklich die „Weiterführung der Kanalisation“ in den Akten.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg mussten immer wieder einzelne Straßenzüge neu entwässert werden. 1946 ging es etwa um den Placken sowie um Bereiche von Südstraße, Spuithöverstraße und Neustraße. Teilweise beteiligten sich Anlieger freiwillig an den Kosten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg genügte es nicht mehr, lediglich weitere Rohre zu verlegen. Sendenhorst brauchte ein zusammenhängendes Abwasserkonzept.
1954 wurde deshalb ein neuer Kanalisationsplan für die gesamte Stadt aufgestellt.
Die örtlichen Höhenverhältnisse machten die Entwässerung schwierig. Das natürliche Gefälle war nicht überall ausreichend. Deshalb mussten Pumpstationen eingebaut werden.
1956 begann südlich der Stadt auf dem Gelände der ehemaligen „Seidenbleiche“ beziehungsweise im Bereich des Helmbaches der Bau einer neuen Kläranlage.
Zunächst entstand der technische beziehungsweise mechanische Teil. 1963/64 folgte die biologische Reinigungsstufe.
Die Anlage war auf etwa 10.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Durch zusätzliche technische Einrichtungen ließ sich die Leistung weiter erhöhen.
Damit hatte Sendenhorst erstmals eine Abwasserreinigung, die der wachsenden Stadt und den steigenden hygienischen Anforderungen gerecht werden konnte.
Mit dem Wachstum Sendenhorsts stieß auch das Schreiber-Klärwerk an Grenzen. Neue Wohngebiete, Gewerbe und strengere Anforderungen an den Gewässerschutz machten eine neue Generation der Abwasserbehandlung erforderlich.
Ab 1981 wurde deshalb eine neue Kläranlage im Bereich Brock geplant.
Die Anlage ging 1983/84 in Betrieb. Damit erhielt Sendenhorst nicht bloß eine Erweiterung des bisherigen Klärwerks, sondern einen neuen Standort mit modernerer Technik.
Zwischen 1992 und 1995 wurde das Klärwerk Brock erweitert und technisch optimiert. In diesem Zusammenhang wurde auch Albersloh in die gemeinsame Abwasserbehandlung einbezogen.
Heute reinigt das Klärwerk das Abwasser beider Ortsteile. Es ist für rund 27.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt.
Zum städtischen Abwassersystem gehören außerdem 14 Abwasserpumpwerke, Regenrückhaltebecken, ein Regenüberlaufbecken und weitere technische Anlagen.
Die Geschichte von Wasser und Abwasser gehört zu den großen, oft unsichtbaren Modernisierungsgeschichten Sendenhorsts.
Innerhalb weniger Generationen führte der Weg vom eigenen Brunnen zur zentralen Wasserversorgung, von der offenen Entwässerung zur Kanalisation und von einfachen Ableitungen zu einer leistungsfähigen biologischen Kläranlage.