Die Sendenhorster Sportgeschichte besteht nicht nur aus Fußball und einer großen Sportgemeinschaft. Sie beginnt mit Turnplätzen, Sälen und der Mühlenkuhle, führt über eine erste Turnhalle, Badeanstalt, Feldhandball, Ascheplatz, Wasserturm und Schulhallen und endet vorläufig bei Rasensportplätzen, Kunstrasen, modernen Sporthallen, Tenniszentrum, Hallenbad, Beachsport und wiederbelebter Leichtathletik.
Gleichzeitig entstanden neben der heutigen Sportgemeinschaft Sendenhorst 1910 e.V. weitere eigenständige Sporttraditionen. Besonders wichtig ist der Reitsport, dessen organisierte Geschichte in Sendenhorst bis in die frühen 1920er Jahre zurückreicht. Hinzu kommen Schwimmen, Handball, Tennis, Tischtennis, Volleyball, Badminton, Judo, Tanz, Leichtathletik und zeitweise sogar Boxsport.
Inhalt
Von der Mühlenkuhle zum Turnverein
Bereits vor der eigentlichen Vereinsgründung taucht die Mühlenkuhle als Turn- und Spielort auf. In den Jahren 1908/09 wurde über Turnmöglichkeiten beraten. 1912 beantragten katholischer Jugendverein und Turnverein die Überlassung der Mühlenkuhle als Spiel- und Turnplatz.
Am 3. Mai 1910 wurde der Turnverein Sendenhorst offiziell gegründet. Im Sommer turnte man im Freien; im Winter wurde zunächst ein Saal genutzt. Mit dem Bezirksturnfest 1912 begann die Phase einer eigenen baulichen Sportstätte.
1913 stand eine eigene Turnhalle zur Verfügung. Die Überlieferung nennt etwa 12 × 30 Meter. Damit besaß der organisierte Sport erstmals eine dauerhafte bauliche Heimat.
Turnhallen und Sporthallen
Turnhalle von 1913
Erste eigene Turnhalle des Turnvereins. Überliefert ist eine Größe von ungefähr 12 × 30 Metern. Sie stand am Beginn der festen Sendenhorster Sportinfrastruktur.
Alte Westtorhalle / Turn- und Sporthalle Mühlenkuhle
Westtor 24 · errichtet 1959 · Nutzung ab 1960/61
Der große kommunale Sporthallenneubau der Nachkriegszeit besaß rund 800 m² Spielfläche und eine Hausmeisterwohnung. Archivbilder zeigen unter anderem Turnen, Hallenhockey und Schulsport. Die Halle gehörte unmittelbar zum Sportgelände am Westtor.
Teigelkamphalle / Turnhalle Montessori
Teigelkamp 5 · Zweifach-Sporthalle
Die Halle gehört zum Schulstandort am Teigelkamp. Die Tischtennisabteilung nutzte die Teigelkamp-Sporthalle bereits Ende der 1960er Jahre. Das genaue ursprüngliche Einweihungsjahr ist noch nicht vollkommen widerspruchsfrei geklärt. 2008 erfolgte eine grundlegende Modernisierung. Heute dient die Halle insbesondere Turnen und Tischtennis.
St.-Martin-Halle
Jahnstraße 13 · Neubau 1990 · Zweifach-Sporthalle
Die Halle gehört zum Schul- und Sportkomplex der Realschule St. Martin. Sie besitzt eine Tribüne mit 336 Sitz- und 84 Stehplätzen. Besonders eng ist sie mit dem Hallenhandball verbunden; daneben finden Badminton, Fußball sowie Schul- und Vereinssport statt.
Gymnastikhalle Kardinal-von-Galen-Schule
Kardinal-von-Galen-Straße
Kleinere Sport- und Gymnastikhalle für Schul- und Vereinssport. Sie ergänzt die großen Sporthallen und wird insbesondere für Turn-, Gymnastik- und Gruppenangebote genutzt.
Neue Westtorhalle
Westtor · 2004 · Dreifach-Sporthalle
Die heutige Westtorhalle löste die ältere Hallengeneration ab. Sie ist als Dreifach-Sporthalle ausgelegt und besitzt eine ausfahrbare Tribüne sowie Sozialräume. Sie wird unter anderem von Volleyball, Turnen, Fußball und Badminton genutzt.
Sonderfall St.-Josef-Stift
Auch das historische Maschinenhaus des St.-Josef-Stifts war zeitweise Sportstätte: 1979 wurde es zur Gymnastikhalle umgebaut. 2006 endete diese Nutzung zugunsten eines Konferenzzentrums.
Badeanstalten und Hallenbad
Schwimmen, Baden und Körperpflege gehören bereits lange vor dem heutigen Hallenbad zur Sendenhorster Geschichte.
Frühere Badeanstalt
spätestens 1920er Jahre
Fascies weist einen eigenen Aktenbestand B 347 „Badeanstalt 1924–1926“ nach. In den Jugendpflegeakten wurde wiederholt ein Ausbau gefordert; Vereine baten um Zuschüsse und verbanden die Badeanstalt mit Turn- und Jugendarbeit. 1927 wurden Turnhalle und Badehaus ausdrücklich als Orte für Leibesübungen genannt. Die genaue Lage und bauliche Form dieser älteren Anlage ist noch aus den Originalakten abschließend zu rekonstruieren.
Wasserturm – Duschen und Umkleiden
Auch der Wasserturm spielte eine Rolle für Sport und Körperpflege. Räume im Bereich des Turms wurden von Sportlern zeitweise zum Umziehen genutzt. Damit war der Bau nicht nur Teil der Wasserversorgung, sondern zeitweise auch praktisch in den Sportbetrieb eingebunden.
Hallenbad Sendenhorst
Westtor 31 · Eröffnung 21. Juni 1974
Das Hallenbad gehörte zu den großen kommunalen Freizeitprojekten der frühen 1970er Jahre. Bereits 1973 wurden Benefizaktionen zugunsten des Baus organisiert.
Am 21. Juni 1974 wurde das Bad eröffnet. Schon nach 45 Tagen waren rund 20.000 Besucher gezählt. Mit dem Hallenbad erhielt auch das Schwimmen in Sendenhorst eine völlig neue Grundlage.
Der Sportstandort Westtor
Das Westtor wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum wichtigsten Sendenhorster Sportstandort. Fußball, Feldhandball, Leichtathletik, Tennis und später Hallensport und Schwimmen lagen hier räumlich eng beieinander.
Westtor-Sportplatz
Der Fußballplatz war über viele Jahre ein roter Ascheplatz. Die grobkörnige rote Oberfläche gehörte für Generationen von Spielern zum Westtorplatz. Ältere schwarze Ascheschichten können darunter gelegen haben; die sichtbare und erinnerte Spielfläche war jedoch rot.
1985 wurde der rote Ascheplatz in einen Rasenplatz umgewandelt. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 3. August 1985.
Zum traditionellen Westtor-Sportgelände gehören beziehungsweise gehörten außerdem Laufbahn, Sprungbereiche, Tennisplätze sowie die alten und neuen Sporthallen. Der Standort dokumentiert damit nahezu ein Jahrhundert Sendenhorster Sportentwicklung auf engem Raum.
Sportzentrum Jahnstraße – Halle und Plätze als gemeinsamer Komplex
Neben dem traditionsreichen Westtor entwickelte sich an der Jahnstraße ein zweiter großer Sendenhorster Sportstandort. Er besteht aus der St.-Martin-Halle und dem unmittelbar angrenzenden Sport- und Freizeitzentrum. Halle, Fußballplätze, Leichtathletikbereiche und Beachfelder bilden funktional einen gemeinsamen Sportkomplex.
St.-Martin-Halle
Jahnstraße 13 · Neubau 1990 · Zweifach-Sporthalle
Die Halle gehört zum Schul- und Sportkomplex der Realschule St. Martin. Ein Archivdatensatz aus dem Jahr 1990 bezeichnet sie ausdrücklich als neuerbaute Sporthalle. Bereits 1991 und 1992 sind dort Handballspiele fotografisch dokumentiert. Die Halle besitzt eine Tribüne mit 336 Sitz- und 84 Stehplätzen und ist insbesondere mit Handball und Badminton verbunden.
Sport- und Freizeitzentrum Sendenhorst
Jahnstraße 15 · Fußball · Leichtathletik · Freizeit- und Beachsport
Direkt neben der St.-Martin-Halle liegt das heutige Sport- und Freizeitzentrum. Es wurde über mehrere Bau- und Erweiterungsphasen zu einer vielseitigen Außenanlage entwickelt und bildet neben dem Westtor den zweiten großen Schwerpunkt des Sendenhorster Sports.
Beachsport im Sportzentrum
Zum Sportzentrum gehören auch moderne Sandanlagen. Im Sport- und Freizeitzentrum stehen drei Beachvolleyballplätze zur Verfügung. Hinzu kommt ein Beachhandballplatz im Bereich oberhalb der St.-Martin-Halle. Damit verbindet der Jahnstraßen-Komplex Hallensport, Fußball, Leichtathletik und moderne Freiluftsportarten.
Zwei große Sportzentren
Sendenhorst besitzt heute zwei historisch gewachsene große Sportbereiche: den älteren Westtor-Komplex mit Westtor-Sportplatz, Westtorhalle, Hallenbad und Tennisanlage sowie den Jahnstraßen-Komplex mit St.-Martin-Halle, Sport- und Freizeitzentrum, Rasen- und Kunstrasenplatz, Leichtathletik- und Beachanlagen.
Umkleiden im Wasserturm
Ein besonders anschauliches Detail der Nachkriegssportgeschichte war der Wasserturm auf dem Mühlenberg. Solange am Sportplatz noch keine modernen Umkleidebereiche vorhanden waren, nutzten Fußballer Räume am beziehungsweise im Wasserturm zum Umziehen.
Der Weg zwischen Sportplatz und Wasserturm gehörte damit ganz praktisch zum Spielbetrieb. Erst mit dem weiteren Ausbau der Sportanlagen und modernen Kabinen verlor diese provisorische Lösung ihre Funktion.
Vom Feldhandball zum Hallenhandball
Handball kam bereits in den 1920er Jahren zum Sendenhorster Sport. Gemeint war damals zunächst nicht der heutige Hallenhandball: gespielt wurde im Freien auf einem großen Feld. Feldhandball war in Sendenhorst über längere Zeit ausgesprochen populär.
Nach dem Neubeginn der Sportgemeinschaft wurde 1946 auch der Handball wieder aufgenommen. Fußball, Feldhandball und Leichtathletik teilten sich die Außenanlagen.
Mit dem Bau immer größerer Sporthallen wandelte sich die Sportart. Der bundesweite Rückgang des Feldhandballs und der Aufstieg des Hallenhandballs spiegelten sich auch in Sendenhorst. Spätestens in den 1970er Jahren war der Hallenbetrieb mit Jugend-, Damen-, Herren- und Seniorenmannschaften fest etabliert.
Mit der St.-Martin-Halle von 1990 erhielt der Handball eine große Halle mit Zuschauertribüne. Sie ist bis heute einer der wichtigsten Orte des Sendenhorster Hallenhandballs.
Sportarten in Sendenhorst
Reitsport – eine eigene Sendenhorster Tradition
Die organisierte Sendenhorster Reiterei reicht bis in die Jahre 1922/23 zurück. 1925 ist eine Satzung des Reitervereins für Stadt und Landgemeinde Sendenhorst belegt.
Die frühen Reitervereine standen noch stark im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Pferdehaltung und der traditionellen Bedeutung des Pferdes im ländlichen Münsterland. Daraus entwickelte sich ein moderner Reit- und Fahrsport.
Reitanlage Alter Postweg
Die heutige Anlage des Reit- und Fahrvereins besitzt Reithalle, Longiermöglichkeiten sowie Dressur- und Springbereiche. Damit bildet der Reitsport außerhalb der SG einen eigenen großen Sendenhorster Sportkomplex.
Einen zweiten, international sichtbaren Bezug besitzt Sendenhorst durch Gut Berl. Erfolgreiche Springreiter wie Lars Nieberg und Toni Haßmann sind beziehungsweise waren mit diesem Standort verbunden.
Sportlerinnen und Sportler mit überregionaler Bedeutung
Bernhard Wessel
1936 in Sendenhorst geboren. Torwart von Borussia Dortmund. 1963 stand er beim 3:1 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Köln im Tor des BVB. 1965 gewann Dortmund außerdem den DFB-Pokal.
Dieter Wendland
1950 in Sendenhorst geboren. Fußballspieler, Trainer und Funktionär, insbesondere mit Holstein Kiel verbunden und dort auch im höherklassigen Fußball aktiv.
Miriam Zirk
Langstreckenlauf · Halbmarathon · Marathon
Miriam Zirk gehört zu den leistungsstarken deutschen Langstreckenläuferinnen und besitzt eine enge Verbindung zu Sendenhorst. Sie erzielte starke Zeiten über 10 Kilometer, Halbmarathon und Marathon und war sowohl national als auch bei großen Straßenläufen erfolgreich. Damit steht sie zugleich für eine Sportart, die in Sendenhorst durch den erneuten Aufbau der Leichtathletik wieder stärker ins Blickfeld rückt.
Jochen Wolfram
1966 in Sendenhorst geboren. Erfolgreicher Regattasegler und Deutscher Meister. 2004 nahm er im Starboot an den Olympischen Spielen in Athen teil.
Chiara Hoenhorst
Ihre sportliche Laufbahn führte über die SG Sendenhorst und den Nachwuchsbereich bis in den höherklassigen Volleyball.
Lars Nieberg
International erfolgreicher Springreiter und zweimaliger Mannschafts-Olympiasieger. Durch seine Tätigkeit auf Gut Berl eng mit dem Sendenhorster Reitsportstandort verbunden.
Toni Haßmann
International erfolgreicher Springreiter und ebenfalls mit Gut Berl und damit dem Sendenhorster Reitsport verbunden.
Das Turner- und Sportler-Ehrenmal
1924 errichtete der Turnverein gegenüber dem St.-Josef-Stift eine Gedächtnisstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Turnbrüder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gedenken erweitert.
Im Zuge der Neuordnung des Westtorbereichs wurde das Ehrenmal später in den Bereich von Hallenbad und Westtorhalle versetzt und dort wieder aufgebaut. Damit liegt ein Denkmal der frühen Sportgeschichte heute unmittelbar zwischen modernen Sportanlagen.
Zeittafel Sport in Sendenhorst
Quellen und weiterführende Seiten
Historische Grundlagen: Hans-Günther Fascies / HGF, insbesondere Vereins-, Jugendpflege-, Schul- und Badeanstaltsakten; Heinrich Petzmeyer, Stadtgeschichte, Arbeits- und Korrekturunterlagen; Stadt-Heimatarchiv Sendenhorst; historische Presse, Vereinschroniken und kommunale Unterlagen.
Besonders: StAS B 347 „Badeanstalt 1924–1926“; Stadt-Heimatarchiv zur alten Westtorhalle, Teigelkamphalle, St.-Martin-Halle, Hallenbad, Westtor-Sportplatz und den weiteren Sportanlagen.
SG Sendenhorst – Sportstätten ↗
SG Sendenhorst – Fußballgeschichte ↗
Stadt Sendenhorst – Sporthallen ↗
Stadt Sendenhorst – Sport- und Bolzplätze ↗
Mehr als hundert Jahre Sportgeschichte: Sendenhorsts Sport entwickelte sich nicht geradlinig. Sportarten entstanden, verschwanden oder veränderten sich. Feldhandball wurde Hallenhandball, der rote Ascheplatz wurde Rasen, der Wasserturm diente zeitweise als Umkleide, aus kleinen Turnräumen wurden Zweifach- und Dreifachhallen und aus einzelnen Spielflächen entstanden mit Westtor und Jahnstraße zwei große Sportzentren. Gerade diese vielen Zwischenschritte machen die lokale Sportgeschichte besonders anschaulich.