Sendenhorst gilt als flach. Das stimmt – und stimmt zugleich überhaupt nicht. Wer genauer hinsieht, entdeckt zwischen Äckern und Straßen kleine Höhenrücken, Geländekanten und Senken. Manche tragen seit Jahrhunderten Namen: Schafberg, Weißer Berg, Mühlenberg, Elmster Berg, Mittelsberg, Geist, Bült, Brock oder Kuhle.
Zwischen dem niedrigsten Punkt bei Feldmann mit 56,5 m und dem höchsten Punkt auf dem Schafberg mit 81,8 m liegen immerhin 25,3 Höhenmeter. Die Ortslage Sendenhorst wird mit durchschnittlich 68,2 m über NN angegeben.
Unter der Stadt liegt zugleich eine geologische Besonderheit: Ein eiszeitlicher Sand- und Kieskörper zieht sich als Teil des Münsterländer Kiessandzuges durch Sendenhorst. Er beeinflusste Böden, Wasserhaushalt, Rohstoffgewinnung und wahrscheinlich auch die Wahl früher Siedlungs- und Hofplätze.
Die Grenzen Sendenhorsts haben sich mehrfach verändert. Je nach Zeit bezeichnet Sendenhorst einen sehr unterschiedlichen Raum – vom kleinen mittelalterlichen Stadtkern über Stadt und Kirchspiel bis zur heutigen Gesamtstadt mit den Ortsteilen Sendenhorst und Albersloh. Hinzu kommen historische Verwaltungsräume, die zeitweise auch Enniger und Vorhelm umfassten.
| Raum | Zeit | km² | ha | kMorgen | Einwohner |
| Erste Stadtanlage | ~ 1310/15 | 0,26 | 25,70 | 0,10 | – |
| Spätmittelalterlicher Stadtkern | Spätmittelalter | 0,17 | 17,00 | 0,07 | – |
| Alte Stadtgemeinde Sendenhorst | bis 1967 | 3,91 | 391,00 | 1,56 | – |
| Kirchspiel Sendenhorst | bis 1967 | 48,03 | 4.803,00 | 19,21 | – |
| Stadt + Kirchspiel Sendenhorst | 1968–1974 | 52,17 | 5.217,00 | 20,87 | 6.198 |
| Albersloh | 1975 | 43,79 | 4.378,56 | 17,51 | 3.306 |
| Kirchspiel + Enniger + Vorhelm | Amt Vorhelm 1851–1955 | 101,81 | 10.181,00 | 40,72 | – |
| Sendenhorst + Enniger + Vorhelm | Amt Sendenhorst 1967–1974 | 105,72 | 10.572,00 | 42,29 | – |
| OT Sendenhorst | 2026 | 52,17 | 5.217,00 | 20,87 | 9.633* |
| OT Albersloh | 2026 | 44,29 | 4.428,80 | 17,72 | 4.609* |
| Stadt Sendenhorst · beide OT | 2026 | 96,46 | 9.645,80 | 38,58 | 14.287** |
1 km² = 100 ha · 1 ha = 4 Morgen · 1 kMorgen = 1.000 Morgen
* letzter getrennter Einwohnerstand der Ortsteile: 31.12.2023 · ** Gesamtstadt: 31.12.2025
Auf dieser Seite meint „Sendenhorster Raum“ vor allem die Kernstadt und das historische Kirchspiel mit den sieben Bauerschaften Bracht, Brock, Elmenhorst, Hardt, Jönsthövel, Rinkhöven und Sandfort. Die heutige Gesamtstadt besteht aus den beiden Ortsteilen Sendenhorst und Albersloh.
Eine weitere räumliche Ebene ergibt sich aus der Verwaltungsgeschichte: Von 1851 bis 1955 gehörte das Kirchspiel Sendenhorst mit Enniger und Vorhelm zum Amt Vorhelm. Von 1967 bis zur kommunalen Neuordnung 1975 waren Sendenhorst, Enniger und Vorhelm im Amt Sendenhorst verbunden.
Sendenhorst liegt in einer Landschaft geringer, aber durchaus bedeutender Höhenunterschiede. Der höchste Punkt ist der Schafberg mit 81,8 m, der niedrigste Punkt liegt bei Feldmann mit 56,5 m. Zwischen beiden liegen 25,3 Höhenmeter.
In einer Mittelgebirgslandschaft wäre das kaum bemerkenswert. Im Münsterland konnten jedoch bereits wenige Meter darüber entscheiden, ob ein Standort trocken oder vernässt war, ob ein Weg ganzjährig benutzt werden konnte und ob sich eine Fläche eher für Acker, Wiese oder Hofstelle eignete.
| Schafberg | 81,8 m | Jönsthövel |
| Weißer Berg | 78,3 m | Bracht |
| Mühlenberg | ca. 70 m | Kernstadt |
| Sendenhorst | 68,2 m | mittlere Höhe |
| Feldmann | 56,5 m | niedrigster Punkt |
Diese geringen Höhenunterschiede waren für die historische Landschaft wichtig. Rücken waren trockener, Senken nasser. Wege suchten günstige Linien, Hofstellen bevorzugten erhöhte Plätze und Wiesen lagen häufig dort, wo Wasser länger stehen blieb.
Schafberg · 81,8 m
Der Schafberg ist die höchste ausgewiesene Erhebung Sendenhorsts. Er liegt südlich der Stadt in der Bauerschaft Jönsthövel, bei Silling, nahe dem Ahlener Damm. Die Erhebung ist im Gelände nicht mit
einem klassischen Berg zu vergleichen. Entscheidend ist ihre relative Höhe gegenüber der flachen Umgebung.
Weißer Berg · 78,3 m
Nur ungefähr einen Kilometer entfernt liegt auf der anderen Seite des Ahlener Damms der Weiße Berg in der Bauerschaft Bracht. Historisch begegnen in diesem Raum außerdem die Bezeichnungen Wittenberg
und „Witte Poahl“. Zusammen mit Härderfeld und Steinkühlerfeld ergibt sich hier eine historische Höhen- und Flurnamenlandschaft.
Mühlenberg · ca. 70 m
Der Mühlenberg gehört zu den höheren Stellen innerhalb der Kernstadt. Die erhöhte und freie Lage bot günstige Voraussetzungen für die Windmühle. Gleichzeitig wurde hier Sand gewonnen – daher begegnet
auch die Bezeichnung Mühlenkuhle.
Elmster Berg
Nördlich Sendenhorsts Richtung Alverskirchen liegt der Elmster Berg, ehemals Elmenhorster Berg. Im heutigen Gelände ist er nur schwer als „Berg“ zu erkennen. Gerade das zeigt, wie genau frühere
Generationen selbst geringe Reliefunterschiede wahrnahmen.
Mittelsberg
Auch Mittelsberg beziehungsweise Mittelberg erscheint in alten Wege- und Hofbeschreibungen. Eine Beschreibung von 1792 führt einen Weg durch das Steinkühler Feld über Sillings Holtkamp und Kuhkamp in
Richtung Mittelsberg.
Eine der wichtigsten geologischen Strukturen des Münsterlandes verläuft durch Sendenhorst: der Münsterländer Kiessandzug. Seine Entstehung hängt mit der Saale-Kaltzeit vor mehr als 150.000 Jahren zusammen. Schmelzwässer transportierten große Mengen Sand, Kies und Gestein und lagerten sie in einem langgestreckten System ab.
Der Kiessandzug lässt sich über viele Kilometer durch das Münsterland verfolgen. Er besteht nicht nur aus oberflächlichem Sand, sondern aus einem teilweise mächtigen Körper aus Sanden und Kiesen.
Geologisch wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem heute sichtbaren Geländerücken und der unterirdischen eiszeitlichen Struktur. Beide müssen nicht überall exakt übereinanderliegen. Der Kiessandzug ist daher zugleich Geländeform, Sedimentkörper und Grundwasserleiter.
Besonders interessant wird der Kiessandzug innerhalb der Kernstadt. Historische Sandgruben, Flurnamen und Geländeformen zeigen einen sandgeprägten Bereich, der sich durch Sendenhorst verfolgen lässt.
Besonders deutlich ist der Zusammenhang in der Hardt. Historische Berichte beschreiben dort einen langgestreckten Sandrücken, der auf die Stadt zuläuft. Durch den Sandabbau entstanden zahlreiche Gruben.
Weitere Sandkuhlen bestanden im Bereich des Mühlenberges und nördlich des Mühlenweges zwischen Spithöverstraße und Auf der Geist. Auch der Flurname Geist ist bemerkenswert: Er bezeichnet häufig höheres, sandiges und trockeneres Gelände.
Der Sandstreifen fällt gerade deshalb auf, weil weite Teile der Umgebung andere Böden besitzen. Sendenhorst liegt im Kern- beziehungsweise Kleimünsterland mit vielfach lehmigen und tonigen Böden.
| Sand & Kies | wasserdurchlässig, trockener, leichter zu bearbeiten, häufig nährstoffärmer |
| Lehm & Ton | schwerer Boden, hohe Wasserhaltefähigkeit, vielfach fruchtbar, bei Nässe schwer befahrbar |
| Niederungen | grundwassernah, Gefahr von Staunässe, historisch häufig Grünland |
Diese Unterschiede beeinflussten über Jahrhunderte die Nutzung. Nicht jede Wiese war freiwillig Wiese und nicht jeder Acker konnte problemlos bestellt werden. Boden und Wasser entschieden mit.
Die Hardt gehört zu den charakteristischsten Landschaftsräumen Sendenhorsts. Ihre teilweise wellige Geländeform steht mit den eiszeitlichen Sand- und Kiesablagerungen in Zusammenhang.
Der trockene Sandboden begünstigte andere Vegetations- und Nutzungsformen als die schweren Böden der Umgebung. Historische Beschreibungen nennen größere Kiefern- und Fichtenbestände sowie eine Birkenallee.
Später wurden Sand und Kies gewonnen. Die Rohstoffgewinnung veränderte das Relief dauerhaft. Gruben blieben zurück, Wasserflächen entstanden und aus einer Abbaulandschaft entwickelte sich das heutige Bild der Hardt-Teiche.
Dem trockenen Sandrücken stand eine wesentlich feuchtere Landschaft gegenüber. Vor Drainagen, tiefen Gräben, Kanalisation und regulierten Bachläufen blieb Wasser länger auf den Flächen stehen.
| Brock / Brook | feuchtes, sumpfiges oder bruchartiges Gelände |
| Mersch | feuchte Wiesen- und Niederungslandschaft |
| Meer | Hinweis auf wassergeprägte Flächen |
| Pohl | Tümpel oder Wasserstelle |
| Kuhle | Vertiefung |
| Börne | Wasserstelle beziehungsweise Viehtränke |
Im südlichen Stadtgebiet ist beispielsweise die Stadt-Börne überliefert – eine Wasserkuhle, aus der Vieh getränkt wurde.
Das historische Sendenhorst bestand daher nicht einfach aus trockenem Ackerland. Es war ein Mosaik aus Rücken, schweren Äckern, nassen Senken, Wiesen, Bächen, Tümpeln, Gräben und kleinen Waldflächen.
Auch eine flache Landschaft besitzt Wasserscheiden. Schon wenige Meter Höhenunterschied entscheiden darüber, wohin Regenwasser fließt.
Die wichtigste Entwässerungsachse im Sendenhorster Raum ist die Angel. Daneben prägen beziehungsweise prägten Helmbach, Voßbach, Nienholtbach, Ahrenhorster Bach, Landwehrgraben und zahlreiche kleinere Gräben die Landschaft.
Die Bäche folgen den tieferen Geländelinien. Dazwischen liegen flache Rücken. Hofstellen wurden möglichst außerhalb der nassesten Bereiche angelegt, während Wiesen häufig gerade die feuchteren Standorte einnahmen.
Nicht jede Erhebung Sendenhorsts wurde von Eis und Wasser geschaffen. Menschen veränderten das Gelände selbst.
Besonders in den nördlichen Bauerschaften Elmenhorst, Rinkhöven und Hardt lassen sich bei alten Hofstellen künstlich erhöhte Plätze erkennen. Solche Warften beziehungsweise Wurten boten Schutz vor feuchtem Untergrund und Oberflächenwasser.
Archäologisch sind solche Plätze besonders interessant. Unter einem heutigen Hof können sich ältere Hofgenerationen, Aufschüttungen, Gruben und weitere Siedlungsspuren erhalten haben.
Der historische Mittelpunkt Sendenhorsts liegt ebenfalls auf vergleichsweise günstigem Gelände. Die Kirche St. Martin steht auf einer lokalen Erhebung. Das Gefälle ist gering, aber im Straßenraum und beim Abfluss von Regenwasser noch erkennbar.
Für die Wahl eines frühen Siedlungsplatzes kamen mehrere Vorteile zusammen: ein relativ trockener Standort, Wasser in erreichbarer Nähe, Wege in die umliegenden Bauerschaften und landwirtschaftlich nutzbare Flächen.
Später verdichtete sich die Siedlung um Kirche und Kirchhof. Wall und Graben schufen eine befestigte Stadt. Damit überlagerte die vom Menschen geschaffene Topografie zunehmend das natürliche Relief.
Auch später wurde das Relief verändert: Sandkuhlen wurden ausgebeutet und verfüllt, Stadtgräben zugeschüttet, Straßen erhöht, Bäche verlegt und Bauflächen eingeebnet. Der Rodelberg nördlich der Kantstraße ist ein besonders sichtbares Beispiel einer künstlichen Erhebung jüngerer Zeit.
Lange bevor es genaue Höhenkarten gab, beschrieben die Menschen ihre Landschaft mit Namen. Viele Sendenhorster Flurnamen enthalten deshalb Informationen über Boden, Relief, Wasser und Vegetation.
| Berg | Erhebung | Bült | hochgelegene Stelle |
| Geist | höheres, oft sandiges Gelände | Brock | feuchtes Land |
| Mersch | feuchte Wiese | Kuhle | Vertiefung |
| Pohl | Wasserstelle | Heide | offene, magere Fläche |
| Hardt | Wald-/Gehölzbezug | Holt / Loh | Wald |
| Busch | kleiner Bauernwald | Hagen / Hegge | eingefriedeter Gehölzstreifen |
Besonders häufig begegnen im Sendenhorster Quellenbestand Namen mit -busch, -holt, -loh, -hagen, -hagge, -hege und -hiege. Auch Bauerschaftsnamen wie Hardt, Elmenhorst und Bracht bewahren Hinweise auf ältere Landschaftszustände.
Zusammengenommen funktionieren die Flurnamen fast wie eine alte Boden-, Vegetations- und Höhenkarte: Sie verraten, wo es nass, trocken, sandig, bewaldet, erhöht oder eingesenkt war.
| vor mehr als 150.000 Jahren | Eis und Schmelzwasser prägen den Raum. Sand und Kies des Münsterländer Kiessandzuges werden abgelagert. |
| nach der Eiszeit | Wälder breiten sich aus. Trockene Sandflächen, schwere Böden, Bachniederungen und feuchte Senken entstehen. |
| Vorgeschichte | Menschen nutzen günstige Geländepunkte. Fund- und Gräberplätze zeigen eine Nutzung lange vor der mittelalterlichen Stadt. |
| Frühmittelalter | Höfe liegen verstreut in der Landschaft. Boden, Wasser und Wege bestimmen ihre Lage mit. |
| Mittelalter | Um Kirche und Kirchhof verdichtet sich die Siedlung. Aus dem Siedlungskern entwickelt sich die Stadt. |
| 18. und 19. Jahrhundert | Kämpe, Wälder, Heide, Wiesen, Bäche, Hecken und Hofstellen bilden eine stark gegliederte Kulturlandschaft. |
| 20. Jahrhundert | Drainage, Gewässerausbau, Flurbereinigung, Straßenbau, Bebauung und Sandabbau verändern Wasserhaushalt und Relief. |
| Heute | Unter der scheinbar ebenen Agrarlandschaft liegen weiterhin Kiessandzug, alte Sandkuhlen, historische Hofstellen und Bachniederungen. |
Grundlagen sind Höhen- und Flächenangaben der Stadt Sendenhorst, die historische Straßen- und Flurnamenforschung des Heimatvereins, Quellen zu Höfen, Gewässern und Kulturlandschaft sowie geologische Darstellungen zum Münsterländer Kiessandzug und zur eiszeitlichen Entwicklung des Münsterlandes.
Für die Verwaltungsgeschichte wurde außerdem die Überlieferung zum Amt Vorhelm und Amt Sendenhorst herangezogen. Das Kirchspiel Sendenhorst gehörte von 1851 bis 1955 zum Amt Vorhelm mit Enniger und Vorhelm. 1967 wurden Enniger und Vorhelm in das Amt Sendenhorst eingegliedert.
Einzelne kleinräumige Fragen sind noch offen. Dazu gehören insbesondere der genaue oberflächennahe Verlauf des Sandkörpers durch die Kernstadt, einzelne historische Höhenbezeichnungen sowie die genaue Beziehung zwischen Relief, Hoflagen und alten Entwässerungswegen.